Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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El Puerto de Santa María

Strand in Puerto de Santa María

Sonntag, 20.2.2022

Um 8:30 Uhr messen wir 11 °C bei einem wolkenlosen Himmel.  

Wir können uns über diesen Stellplatz nicht beklagen, der alles bietet, was man sich als Wohnnomade wünscht, es sei denn, man wäre Wohnnomade mit Hund, dann hält sich die Begeisterung in Grenzen, weil die Umgebung nichts bietet, was Hundebesitzer sich wünschen und Hunde brauchen. Wir haben es schon oft genug thematisiert: Die Vernachlässigung und Vermüllung des eigenen Lebensraumes scheint den Spaniern ein besonderes Anliegen zu sein. Bei uns bezeichnet man manche Stadtvierteln als Glasscherbenviertel. Spanien scheint ein einziges großes Glasscherbenviertel zu sein. Wenn man den Kopf wegen der Hundehäufen nicht mehr hebt, weil man schon abgestumpft ist, sollte man es wegen der Glasscherben, die überall herumliegen, unbedingt tun, zumindest, wenn man einen Hund bei sich hat.  

Wer dagegen ohne Hund nach Jerez kommt und ein ideales Sprungbrett in die Stadt sucht, ist auf diesem Stellplatz bestens aufgehoben.  

Es ist Zeit weiterzuziehen. Wir zahlen unsere 30 € für zwei Nächte, kaufen noch einen Liter Oloroso-Sherry für 10 € und einen Liter Cream-Sherry für 8 € und machen uns um 12:15 Uhr auf den Weg. Inzwischen ist das Thermometer auf 22 °C gestiegen und es hängen einige Wolken herum.  

Weit haben wir es heute nicht, eigentlich könnten wir fast zu Fuß gehen. Unser Ziel ist Cádiz, genauer: El Puerto de Santa María, von wo aus wir mit der Fähre bequem nach Cádiz gelangen können.  

Um 12:45 Uhr, nach 26 Kilometern, kommen wir am Campingplatz Playa las Dunas an [N 36° 35' 20,3'' W 006° 14' 14,5'']. Der erste Eindruck, wenn man vor die Rezeption fährt: Herrje, alles voll, da stehen ja schon auf den Wartepositionen herum. Doch die Lage klärt sich schnell, denn die erste Frage der Empfangsdame lautet: „Sonne oder Schatten?" Die Reiseleiterin antwortet reflexartig mit „Sonne". Die Antwort: „Ist alles voll, nur noch einige Parkplätze hier vorne sind frei". Das sind diese Schotterparzellen gleich hinter der Einfahrt, nur mit rot-weißen Absperrbändern voneinander getrennt. Und wie sieht's mit Schatten aus, will die Quartiermeisterin wissen. Da sei weiter hinten noch jede Menge frei. Also Schatten! Wir sollen den Zufahrtsweg weiterfahren, dort würden wir von einem netten jungen Mann mit Fahrrad erwartet, der uns die freien Plätze zeigt. So geschieht es, und der nette junge Mann hat viele Plätze für uns, einer schöner und geräumiger als der andere. Wir entscheiden uns für eine mächtig große Parzelle unter luftigen Pinien, die Schatten liefern und Sonne durchlassen, je nachdem, wo man sich aufhalten möchte. Um uns herum locker verstreut einige andere Mobilisten, die Sanitäranlagen zwei Minuten zu Fuß entfernt und alles macht hier einen sehr geschmackvollen Eindruck. Die Parzellen sind mit weiß gekalkten Mäuerchen von 30 – 70 Zentimetern Höhe voneinander getrennt, alle Grundstücke haben eine andere Form und schmiegen sich wie Puzzleteile ineinander. Wir fühlen uns sofort wie zuhause.  

Lange können wir uns auf unserer kleinen Finca im Märchenwald nicht aufhalten, denn wir haben gleich noch ein Date. Heikes Schwager macht mit seiner Tochter, demnach Heikes Nichte, einen Winterfluchtkurzurlaub in Andalusien, der gestern in Cádiz begann. Heikes Schwester, die dazugehörige Ehefrau und Mutter hat sich wegen des ewigen Hin und Hers, ob es wegen Corona klappt oder vielleicht doch nicht, für einen Kurzurlaub mit Langlaufen im Allgäu entschieden. Und so haben wir uns mit den beiden heute verabredet.  

Um 13:30 Uhr treffen wir die beiden am Restaurant Hippie, direkt vor der Einfahrt zum Campingplatz. Nach der freudigen Begrüßung entschließen wir uns zügig, sofort einen Tisch im Restaurant zu besetzen und uns bei Tapas und anderen Schweinereien unter Begleitung mehrerer Karaffen Sangria mit den Neuigkeiten, von zuhause, aus der Welt und Andalusien zu versorgen. Es zieht sich hin, denn man hat sich viel zu erzählen. Anschließend machen wir einen Verdauungsspaziergang den Strand entlang und wieder zurück, um einen ersten Eindruck von der Lage hier zu gewinnen. Diesen ersten Eindruck kann man mit drei kleinen Worten zusammenfassen: Sehr viel Betrieb. Der Strand ist voll mit Sonnenanbetern, Spaziergängern und Hundehaltern, die allerdings eher selten ihre Hunde halten. Aber das ist uns jetzt egal, weil unsere Mädels die nötige Bewegung hatten und wir uns ab sofort nicht mehr damit herumschlagen müssen.  

Wir verabschieden Roland und Julia um 17:30 Uhr und verabreden uns für morgen, um Cádiz zu besuchen. Die beiden ziehen sich in ihr Appartement zurück und wir uns in unseren Zauberpuzzlewald.  

Nach einem Sherry (oder waren es zwei?) lehnen wir uns zurück, starren durch die Pinien in den tiefblauen andalusischen Himmel und gewinnen weitere Erkenntnisse über diesen Campingplatz: Sanitär eine echte Wucht, Waschmaschinen und Trockner vom Feinsten (10 l), aber das alte Leid: Mit WiFi wird geworben, aber es ist fast immer unbrauchbar. Nun gut, müssen die Verfolger eben wieder ein bisschen Geduld haben...  



Cádiz
Jerez de la Frontera