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Fahrt ins Blaue
- El Puerto de Santa María

Dienstag, 22.2.2022
Heute ist der letzte Tag in unserem Pinienparadies.
Er beginnt um 9 Uhr mit makellosen 12 °C. Allerdings sind die Holzarbeiter schon über eine Stunde im Einsatz und schreddern ohne Unterlass, dass sogar unsere Schredder-Hedda Zweifel an der Berechtigung ihres Ehrentitels entwickelt.
Nach dem Morgenspaziergang und dem Frühstück wird gewaschen, weil so geräumige Waschmaschinen und Trockner förmlich dazu einladen. Und nötig ist es auch schon wieder. Dazwischen wird gedöst, Doku geschrieben und dann wieder gewaschen, alles überschattet von den Holzwürmern auf dem Nachbargelände, wobei weniger die Holzzerfiesler den Lärm produzieren, sondern fast ausschließlich das nicht endende Gepiepse rückwärts manövrierender Radlader.
Um 16:30 Uhr nehmen wir die Mädels hinüber in den Pinienwald, der sich gleich hinter dem Campingplatz erstreckt, aber den Damen, vor allem Fianna, wegen der heute herrschenden 24 °C wenig Begeisterung entlocken kann. Sie ist wieder mal auf Konfrontationskurs, bei solchen Temperaturen sowieso. Kein Mensch ist hier, man könnte nach Herzenslust herumtoben und -kacken, aber Fianna ist an ihren speziellen Tagen eben nichts als Hovawart und unbestechlich: Ich esse meine Suppe nicht, nein, meine Suppe ess' ich nicht. Punkt und basta. Und dann entzieht sie sogar ihrem Darm die Prokura: Gedarmt wird, wenn ich es sage! Uns ist es egal, die Dame ist alt genug, selbst mit ihrem Gekröse klarzukommen. Wir bringen die beiden zurück und machen uns ohne sie auf einen Bummel durch den Ort, der es aber nicht wirklich wert ist. Um 17:15 Uhr sind wir schon wieder zurück und Satteln die Räder, denn jetzt müssen wir zur Arena und zu Mercadona.
Um 17:45 Uhr geht es los, obwohl der Chronist keine Ahnung hat, warum er sich eine Stierkampfarena ansehen soll, nur weil sie angeblich die drittgrößte Spaniens sein soll, aber von außen rund aussieht wie alle Arenen und innen nicht zugänglich ist. Wir fahren einmal im Kreis um das Bauwerk, die Reiseleiterin gewinnt dabei eventuell höhere Erkenntnisse, der hinterherkurbelnde Chronist bleibt dabei völlig uninspiriert. Dann fahren wir zu Mercadona, decken uns ein und kurbeln wieder heim. Was sollten wir auch sonst tun: Dieser Ort ist so tot wie die berühmte Hose.
Von unseren Einkäufen schmurgeln wir uns abends wieder eine Paella, auf die wir schon wieder stolz sein dürfen.
Beklagen müssen wir uns nur über das angekündigte Wetter mit Regen und viel Wind, das sich mit den hohen und drückenden Temperaturen heute schon ankündigt. Für uns bedeutet das, unsere nächsten Ziele neu zu definieren.
Der Plan war, morgen nach El Rocío zu fahren und von dort aus eventuell den Nationalpark Doñana zu besuchen. Doch nach allem, was man hört, sollte El Rocío bei Regenwetter dringend vermieden werden, weil man sonst im Schlamm steckenbleibt. Abgesehen davon ist eine Tour durch den Nationalpark bei Regenwetter, und damit auch eine andere Platzwahl, weder sinnstiftend noch sinnvoll.
Dabei haben wir uns auf den Nationalpark wirklich gefreut. Den Chronisten begeistert neben der eigentlichen Bedeutung des Parks als Schutzgebiet die Annahmen einiger Archäologen, dass auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks einmal das legendäre Atlantis gelegen haben soll. Damals war das hier eine riesige Bucht und Wasserlandschaft, aber Funde geben Hinweise auf eine sehr frühe Besiedelung dieses Gebiets, und auch Dolmengräber zeugen von einer frühen Hochkultur. Der Name des Atlantischen Ozeans geht auf den altgriechischen Begriff Atlantis thalassa, Meer des Atlas' zurück. Dahinter verbirgt sich natürlich wieder Herakles, hinter dessen Säulen die bekannte Welt enden sollte. Die Namensverwandtschaft von Atlantis und Atlantik lässt jedenfalls ein Atlantis in dieser Region eher wahrscheinlich scheinen als das oft bemühte Santorini. Aber nichts Genaues wissen wir nicht und werden es wahrscheinlich auch nicht mehr erfahren. Und gerade deshalb lebt der Mythos so ungebrochen weiter. Der Chronist hätte gerne mal nachgesehen, ob sich vielleicht irgendwo einen kleiner Beweis dieser Vermutung finden ließe.
Egal ob hier einst Atlantis versunken ist oder nicht, heute ist der Nationalpark Coto de Doñana, nach der Erweiterung 2004, über 54 Hektar groß, dazu kommen noch einmal 26 Hektar als Pufferzone. Er ist Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet. Der Nationalpark kann nach Voranmeldung und mit Unimogtouren besucht werden. Die Coto de Doñana ist eine einzigartige Landschaft mit einer vielfältigen und oft vom Aussterben bedrohten Fauna. So lebt in ihm die zweitgrößte Population des stark gefährdeten Pardelluchses. Neben den Überwinterern nutzen dieses idealgelegene Gebiet jedes Frühjahr Zigtausend Zugvögel zum Ausruhen.
Allerdings ist auch er nicht vor Gefahren geschützt. 1998 waren bei einem Dammbruch mehr als fünf Millionen Kubikmeter Schlick, der auch Schwermetalle wie Zink, Blei, Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Arsen und Thallium enthielt, in den Guadiamar, einen Nebenfluss des Guadalquivir geflossen. Die giftige Brühe drohte den nur 40 km entfernten Park zu fluten. Bauern hatten die Katastrophe bemerkt und schafften es, in letzter Minute drei Dämme fertigzustellen, die den Giftstrom vom Nationalpark abhielten. Heute hat der Nationalpark vorwiegend mit der intensiven Landwirtschaft, vor allem mit dem Obstanbau zu kämpfen. Weltweit bekannte Produzenten wie etwa Sanlucar, jeder kennt die Früchtchen mit dem kleinen Aufkleber, produzieren am Rande des Nationalparks. Tiefbrunnen werden illegal gebohrt, die das Grundwasser abgreifen und vor Brandrodungen schreckt man auch nicht zurück. Wer weiß, wie lange dieses einzigartige Refugium uns noch zur Verfügung steht? Für uns steht es diesmal nicht zur Verfügung und nicht mehr auf der Reiseroute.
Wir beschließen, morgen Spanien zu verlassen und nach Portugal zu fahren.
Am Ende dieses ersten Kapitels unserer Reise, dem Spanienkapitel, ist es höchste Zeit, unseren Verfolgern und Lesern endlich einmal ein herzliches Dankeschön für ihre Treue, die positiven Rückmeldungen und die sowohl launigen wie begeisterten Kommentare zu danken. Wir freuen uns immer riesig, wenn wir von euch hören; das darf auch gerne so bleiben. Wir hoffen, dass wir euch auch weiter bei Laune halten und euer Interesse hochhalten können. In dieser Hinsicht müssen wir uns aber auch ein wenig für den Verzug entschuldigen, den zeitlichen Versatz, mit dem wir der Tagesaktualität hinterherhängen. Aber wir machen Urlaub, wir fahren und genießen, und wenn Zeit ist, schreiben wir und bereiten die Bilder auf. Und manchmal macht uns ganz zum Schluss das lausige Internet einen Strich durch die Veröffentlichung. Habt Geduld mit uns – und macht uns gerne weiterhin Feuer unterm säumigen Urlauberhintern. Bis gleich in Portugal.