
1. Woche (01.03. - 07. 03. 2017)
Mittwoch (Aschermittwoch), 1. März 2017
Am Aschermittwoch ist längst nicht alles vorbei, im Gegenteil: Da geht es erst richtig los. Jedenfalls beim Bairischen Blues und seinen elf Pappnasen.
Das Mamaprogramm wird langsam aktiviert...Für Fianna bedeutet das, sich wieder in die neue Rolle als Mutter zu finden, die sie schon einmal perfekt ausfüllte, aber nicht zu ihrem Standardrepertoire gehört. Natürlich ist sie anfangs noch einigermaßen unsortiert in ihrem Verhalten. Da ist einerseits der Leib, der ihr Beschwerden bereitet, der Schmerzen verursacht, sie mit Herausforderungen konfrontiert, die sie nicht gewohnt ist. Andererseits treibt sie das Mamaprogramm zu ihren Kindern, die angesichts der Beschwernisse doch eher als lästig denn fürsorgebedürftig empfunden werden. Und so wandert sie zwischen Garten und Kiste, zwischen Sofa und Treppenhaus, immer auf der Suche nach sich selbst und dem Königsweg. Trotz allem verbringt sie viel Zeit dort, wo sie hingehört, in der Schnullerbox, aber sie kann sich nicht entspannen, kann ihren Körper nicht freigeben, weil alles in ihr spannt und zwickt und drückt und kneift.
Besonders treibt es sie nachts um. Die Nacht ist bekanntlich nicht nur die Komplizin der Diebe und der Lichtscheuen, sondern auch das Treibhaus der schlechten Gefühle, der bösen Vorahnungen, der Verschwörungstheorien und der zerstörerischen Selbstzweifel. Unter ihrem Leichentuch, gewirkt aus aufgeblähter Angst und verdorrtem Mut, erstickt die Dunkelheit all die Zuversicht und Selbstgewissheit, die Kraft und Euphorie, welche das Tageslicht über uns breitet. Was Fianna tagsüber souverän und gelassen bewältigt, treibt sie nachts um, schickt sie auf Wanderschaft, lässt sie an der Chefin Schlaf rütteln und vor des Vizes Schlafgemach antichambrieren. Gibt man ihrem Treiben und Drängen nach, steht sie nicht selten fragend und zweifelnd vor ihrem Haufen schnatternder und quiekender Kinder, deren Kommunikationsstrategie offenbar noch nicht auf der gleichen Wellenlänge mit ihr sendet; sie reden praktisch aneinander vorbei, und das kann eine pflichtbewusste Mutter schon Hilfe bei Therapeuten suchen lassen. Deren Therapieansätze erschöpfen sich jedoch meist in "Wird schon wieder" und einer geöffneten Gartentür, damit sie wenigstens den inneren Druck los wird. Fianna hat tatsächlich viel breiigen Stuhlgang, bedrohlich schwarz zwar, aber keinen Durchfall. Und die Blase läuft auch ständig voll, weil Fianna viel trinkt, was zwar gut und wichtig, der Nachtruhe jedoch abträglich ist.
Gegen 2 Uhr kleidet sich die Chefin an und begleitet Fianna einmal ums angrenzende Feld herum, vermutlich auch in der Hoffnung, dass die Sauerstoffdusche und die frischen Temperaturen ihren eigenen Schlaf begünstigen würden, was jedoch nicht im Interesse der Welpen zu liegen scheint, die unvermindert weiterplappern und krakeelen, allen voran Hetty, die sich offenbar noch nicht mit der kaltherzigen Namensänderung abfinden und an der Verursacherin rächen will. Fianna jedoch hat Spaß an dem nächtlichen Spaziergang und futtert nebenbei zwei pralle Hände voll getrockneter Herzen in sich hinein, wie ein Fernsehjunkie Chips inhaliert.
Um 3:30 Uhr drängt es Fianna schon wieder in den Garten, diesmal drückt sie eine verspätete Nachgeburt heraus, die sie sehr gequält haben muss. So eine verspätete Nachgeburt lässt natürlich die Alarmglocken schrillen, weil es naheliegt, dass sie und ein von ihr verursachtes Fieber der Grund für Fiannas Unruhe sein könnten. Die sofortige Fiebermessung sorgt jedoch sofort wieder für Entwarnung: 38,7°, das ist für diese nachgeburtliche Phase mehr als zufriedenstellend.
... aber noch läuft es nicht rundDer Morgen lässt die Schrecken der Nacht meist als Hirngespinste erscheinen und gibt sie mit dem aufsteigenden Licht der Peinlichkeit preis. Die plappernden Kinder bleiben dennoch plappernde Kinder und werden vom Tageslicht nicht, oder höchstens nur kurz zum Schweigen gebracht; irgendeine(r) ist immer wach und hat etwas zu melden. Fianna steht jetzt, wenn der Tag in seine Routinen mündet, nicht mehr so sehr neben sich, dafür meist im Kinderzimmer und räumt es mitsamt den Welpen um. Es ist dann unsere Aufgabe, sie wieder unter der Auslegeware hervorzukramen, zumal sie als Teilzeitverschüttete erst recht Grund zur lautstarken Beschwerde haben. Die Chefin wird dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, dass wir noch nie so dauerlaute Welpen hatten, was der Vize aus der mindestens ebenso starken Gewissheit ins Reich der Legenden schiebt und die Chefin mit der Tatsache konfrontiert, dass sie vermutlich älter und empfindlicher geworden sei, was sie wiederum für den ersten Teil akzeptiert, nicht aber für den zweiten. So ergibt sich wieder Veranlassung, in den Erinnerungen früherer Würfe zu graben und einzuräumen, dass Welpen immer laut sind, manche gar herzerweichend laut sind, und wir immer von jeder Sorte ausreichend im Angebot hatten. Die Erinnerung ist eine eitle Dame, die ihre Falten so lange aufspritzt, bis sie aussieht wie Miss Piggy.
Die derzeitigen Vorlautgeber des H-Wurfs sind Hetty und Hugo, Hetty vermutlich wegen ihrer Umbenennung, Hugo, weil er einfach ein herziges kleines Plappermaul ist.
Die Temperaturmessung um 6 Uhr ergibt erneut entspannte 38,6°, was sich bei Fianna auch in einem gesegneten Appetit widerspiegelt; sie nimmt alles wieder zu sich, heute Morgen zwar noch leicht verdauliches Hähnchen, aber auch ihr Interesse an den Frühstücksresten ist auf pränatalem Niveau.
Die morgendliche Gewichtskontrolle ergibt eine Gewichtszunahme von 50 Gramm über alle hinweg. Das ist nicht viel, aber bei elf Welpen auch nicht besorgniserregend. Zugenommen haben Hartl und Hubsi (10 g), Harpo 30 g und Hobo 40 g. Das sind zusammen 90 g. Ihr Gewicht gehalten haben Hakuna, Hugo, Hedda, Halina und Hallodri. Dagegen gerechnet werden müssen Hias und Hetty, die 20 g verlieren, was vor allem bei Hettys Ausgangslage nicht zur Auszehrung führen dürfte, möglicherweise aber der Preis für ihre Dauerdurchsagen ist; Reden ist energieintensiv, Widerreden ist Energieraubbau.
Im Laufe des Tages stabilisiert sich Fiannas Stuhlgang, mit dem ihrer Kinder will sie allerdings nichts zu tun haben, was heißen soll, dass die winzigen Endmoränchen vorerst noch von uns beseitigt werden müssen, was beim G-Wurf zu Beginn nicht anders war. Alles Übrige erledigt Fianna zunehmend souveräner; sie macht in jeder Hinsicht eine gute Figur, was vor allem für ihre eigene gilt: rank, schlank, blitzende Augen und offenbar schon wieder zu mehr bereit als nur zu Kinderdienst.
Ein bisschen Zeit hat das noch; der Nachwuchs hat Vorfahrt.
Donnerstag, 2. März 2017
Es ist 6 Uhr und draußen lässt der Amselbock erstmals in diesem Jahr zaudernd seine Stimme vernehmen. Und das bei 5° C, Regen und viel Wind. Zur gleichen Stunde schreit Hias Mordio und rutscht verzweifelt auf dem Küchenboden herum. Gerade mal zweieinhalb Tage alt und schon auf Abwegen! Die 10 cm-Barriere vor der Schnullerbox kann er noch nicht selbständig überwinden, aber wenn die Mama dort liegt, kann man sich auf der Suche nach einer freien Zitze schon mal über ihren Bauch verirren und auf ihrer Rückseite ins Jenseits purzeln. Die Mutter würdigt den Schreihals eines einzigen Blickes, den sie anschließend mit einem klaren Auftrag an ihren Zuarbeiter weiterleitet, der pflichtschuldigst den Nestflüchtling einsammelt und seiner Mutter anlegt. Nesthäkchen lassen arbeiten, Anouk hat solche Missgeschicke selbst gelöst: ein kurzer Griff, ein Lift ins Nest, ein Anschiss und dann umgehend eine Ganzkörperwaschung, damit keine schlechten Erfahrungen in den Kinderkleidchen hängen bleiben. In Fiannas Schule für Höhere Töchterchen standen solche lebenserhaltenden Disziplinen offenbar nicht auf dem Lehrplan. Nachdem sich die dauerschläfrige Chefin anfangs erbost gegen die morgendliche Störung zur Wehr gesetzt hatte, dann aber doch, ähnlich wie Hias, mehr vom Sofa fällt als dass sie es aufrechten Ganges verlassen hätte, räumt sie ein, dass sie heute Morgen um 4 Uhr auch schon mal einen Ausreißer eingesammelt habe, aber sich nicht imstande gesehen habe, das Exemplar zu identifizieren. Der Chronist muss die alten Aufschriebe nicht zu Rate ziehen, um zu wissen, dass sie in dieser Hinsicht beim letzten Mal auch schon auf ganzer Linie versagte. Was, heiliger Chronikus, ist eine Chronik wert, die so lückenhaft ist wie die Kiefer eines afghanischen Schafhirten?
Fianna erwidert die Rettung ihres Tollpatsches mit der Aufforderung, sofort in den Garten gelassen zu werden, was ihr auch gewährt wird, worauf sie sich nicht zur Erleichterung niederlässt, sondern spornstreich hinter den Rhodos verschwindet und in Sekundenschnelle ein Loch buddelt, in dem der ganze Elferrat verschwinden könnte. Hat sie heute Nacht auch schon gemacht, beruhigt die Chefin. Wenn das so weitergeht, steht der Vize künftig erst nach dem Frühstück auf.
Fiannas Zustand gibt, außer der erdverkrusteten Nase, keinen Anlass zur Sorge, dennoch messen wir ihre Temperatur: 38,8°. Bingo. Die 0,2° mehr im Vergleich zu gestern sind vermutlich den Erdarbeiten unterm Rhodo geschuldet und belegen, dass Fianna fit wie ein Turnschuh ist.
Ihre Müttermitte hat sie trotzdem noch nicht so richtig gefunden, was sich vor allem im Umgang mit der Versorgungslogistik zeigt. Hat sie nur ein oder zwei ihrer Kinder an der Brust liegen, beschwert sie sich und nörgelt so lange herum, bis sich auch andere auf den Weg zur Essensausgabe machen, was sie dann schon mal als unangemessenen Ansturm wertet und sich zurückzieht. Auszeit. Denkpause. Und die Düpierten plärren, was ihnen der Vize nicht verübeln kann. Das Erstaunlichste daran ist – und deswegen bleibt das Personal des Blues bei diesen unorthodoxen Öffnungszeiten der Suppenküche entspannt –, die Hallodris nehmen ihrem Alter entsprechend schön zu: Hartl +60 (560 g, der ist auch meist an der Theke), Hias +60 (490), Hakuna +30 (510), Hugo -10 (470), Hedda +20 (460), Hubsi +40 (350), Hetty +20 (500), Halina +30 (520), Harpo +30 (440), Hobo +10 (520) und Hallodri +30 (520). Das summiert sich auf 320 g Zugewinn. Wer sagt denn, dass sich eine Mutter zum Wohle ihrer Kinder verzehren muss? Magermilchmütter
Fianna im Kreise ihrer Kindervielleicht, aber nicht Fianna, deren Walsahne auch bei spärlichen Öffnungszeiten für Adipositas sorgen kann.
Das Schöne an dieser frühen Phase der Wurfbetreuung ist, dass die Tage überwiegend entspannt verstreichen – solange die Hündin und ihre Kinder gesund und munter sind. Deshalb erschöpft sich unser Tag vornehmlich in Wäschewaschen, zweimal Fiebermessen und der Beobachtung der Hallodris. Es reicht dann, abends eine kurze Zusammenfassung zu liefern: Fianna fit, Temperatur um 38,5°, Stuhlgang nahezu normalisiert, weshalb wir das Podophyllum nun ausschleichen und – Fianna beseitigt nun auch die Endmoränchen ihrer Kinder (teilweise), was zeigt, dass sie in ihre Rolle findet und mehr und mehr darin aufgeht.
Freitag, 3. März 2017
Der Freitag beginnt um 6:30 Uhr mit einer Überraschung: -7° C und wolkenlos; der Winter macht noch einmal einen Zwischenstopp im Mangfalltal. Bei Fianna erleben wir erfreulicherweise keine Überraschung. Mit 38,6° Körpertemperatur bahnt sich offensichtlich keine Hiobsbotschaft an. Fianna geht es blendend und ihren Hallodris offenbar auch. Jedenfalls wachsen und gedeihen sie ebenso prächtig wie es die Verfassung ihrer Mutter hoffen lässt.
Wir können ja heute mal die Speck-Rennliste von hinten nach vorne entwickeln, weil dabei mehr Spannung bleibt, denn dass der zierliche Hubsi nicht wie eine H-Selmaus sieben Plätze nach vorne gehüpft ist, dürfte niemand überraschen. Wir beginnen also mit Hubsi, der heute Morgen 380 quicklebendige Gramm auf die Waage bringt und seit gestern 30 g zugenommen hat. Vor ihm platziert sich Harpo mit 490 Gramm und kraftvollen 50 g plus. Knapp vor ihm rangieren Hias und Hugo mit jeweils 500 Gramm, wobei Hugos 30 g Zugewinn deutlich mehr Einsatz belegen als die spärlichen 10 g von Hias. Mit 510 Gramm (+50) ist Hedda die zarteste Hündin. Mit einem gewissen Abstand von 30 Gramm (540) sortieren sich Hetty und Hobo davor ein, Hobo mit 20 g mehr und Hetty mit 40 g Aufschlag. Das Ende der Spitzengruppe markiert Halina (550, +30), vor ihr Hakuna (560, +50) und Hallodri (570, +50). Top of the Pops ist Hartl, der Erdschwere, mit 590 Gramm und einer Auflastung von 30 Gramm, eine stramme Leistung, wenn man berücksichtigt, dass Hartl bei der Geburt nur den sechsten Platz belegte. Alles zusammen bedeutet, dass gestern jeder Welpe zugenommen hat, insgesamt 390 Gramm, und der Elferrat ein Durchschnittsgewicht von 521 g verzeichnet. Soll man da klagen?
Fianna in alter FormDie attraktive Kehrseite des munteren Appetits der Hallodris ist eine geradezu unverschämt ansehnliche Silhouette von Fianna. Wie ein Model sieht sie aus, so, als ob sie noch nie und schon gar nicht vor noch vier Tagen elf Kinder mit sich herumgewuchtet hätte. Zudem hat sie schon wieder den federnden Gang einer Hürdensprinterin. Wir sind mal gespannt, wie lange wir ohne zuzufüttern auskommen, denn elf sind eine echte Herausforderung, vor allem, wenn man sich so viele Auszeiten nimmt. Andererseits haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine Mutterhündin immer zu ihren Kindern geht, wenn ihre Bar Überdruck signalisiert; keine quält sich mit prallen Brüsten herum, nur weil sie jetzt gerade bequem auf dem Sofa liegt. Fianna macht also alles richtig, wie sie es schon beim G-Wurf gemacht hat, und vernachlässigt war kein Mitglied des G-Schwaders.
Der einzig nicht wegzudiskutierende Unterschied zu Fiannas Vorgängerinnen ist ihre unerschütterliche Orientierung an uns, vor allem aber an der Chefin, was diese noch eine gewisse Zeit ihr Schlafgemach im Wohnzimmer beibehalten lässt, weil Fianna keine Sekunde zögern würde, ihr nachts stante pede ins Schlafzimmer zu folgen, H-Benichts hin, H-Selmäuse her. Die Folgen wären unerfreulich und unerwünscht. Entweder müssten wir die Zimmertür geschlossen halten und Fianna würde uns mehrmals nachts nötigen, diese zu öffnen, damit sie nach dem Rechten sehen kann oder wir ließen die Zimmertür geöffnet, was eine Infiltration der Katzen nach sich zöge, die schon an welpenlosen Tagen von Fianna, zumindest was den Roten Korsar angeht, wenig goutiert wird, nun aber zu martialischen Abschiebe- und Ausweisungsbemühungen führen würde, weil sie in dieser Hinsicht und unter diesen Umständen Zero Tolerance zur Maxime erheben würde, was einer Obergrenze von Null gleichkäme. Wer seinen Schlaf solchen Umständen überantwortet, ist selber schuld und zu Recht dauermüde. Es bleibt also abzuwarten, wann die Chefin den Impuls verspürt, ins Familiengemach zurückzukehren. Der Vize schlummert derweil traumlos.
Nachmittags ist aus dem Morgenfrost ein Tagesfrühling mit 14° C geworden, dem sich Fianna mit Leib und Seele hingibt, sich im Garten wälzt und möglicherweise nur bedauert, dass ihre Kinder noch kaserniert sein müssen, anstatt Mangfallsonne zu tanken, H-Selluft zu schnuppern und Gänseblümchen zu pflücken. Nur wenige Tage noch, dann ist es soweit. Fianna selbst profitiert von dem Frühlingslüftchen auch mehr, als dass sie sich rundum beglückt fühlt; es scheint als ob der Frühling auch ihre Genesung von der Geburt beschleunigen würde, denn sie inzwischen von jeglichem Fruchtwasser befreit, da kommt nichts mehr, nur noch Blut, aber auch das in ungewöhnlich geringen Maße, dafür stößt sie nun die letzten Gewebefetzen der Geburt ab, was einer Art Endreinigung gleichkäme. Das geht wirklich erstaunlich flott. Der bayerische Frühling Hand in Hand mit dem Bairischen Blues macht es möglich...
Samstag, 4. März 2017
Fianna besteht wieder auf einen geregelten TagesablaufDer 4. März legt sich mit dem blauen Band des Frühlings übers Land und bringt es nachmittags immerhin auf 17° C. Fianna liefert da sehr viel beständigere Temperaturen, immer knapp über 38°, was uns bestärkt, ihr die hinterrücksche Kontrollprozedur nicht mehr anzutun, es sei denn, sie mache einen kranken Eindruck. Auf die Köttbullar oder Wiener wird sie vermutlich gerne verzichten, wenn dafür am Achtersteven wieder die gewohnte Ruhe einkehrt.
Dafür bereiten wir ihr direkt nach dem Aufstehen einen Erweckungssnack als Laktationsturbo, und zwar selbstgemixte Welpenmilch nach einem Rezept der LMU München, mit der sie dort sehr erfolgreich Welpen päppeln, wenn die Mutter ausfällt. Also, aufgepasst, für alle zum Mitschreiben, das Rezept ist ein Renner, vor allem, weil man sich damit die sündteure Industriemilch sparen kann, die zudem von Welpen schon mal abgelehnt wird: 125g Magerquark, 150 ml H-Milch (am besten Ziege), 3 Eigelb, 3 EL Öl (Raps, Distel). Das Ganze für die Welpen natürlich in Zimmertemperatur, durchmixen, fertig. Für Fianna ändern wir das Rezept ein wenig ab, und zwar: 175 g Quark, also einen ganzen Becher und zwei Eigelb, weil unsere Eier von glücklichen Hühnern stammen und XXL-Format haben. Das bekommt Fianna ab heute jeden Morgen, bis ihre Milchbar wegen Geschäftsaufgabe keine Unterstützung mehr braucht.
Im Laufe des Vormittags wird das Blues-Foyer in ein Fotostudio umgebaut, um den Hallodris ein paar frühkindliche Portraits abzutrotzen. Es ist jedesmal wieder eine Viecherei (weshalb wir diesmal etwas länger gewartet haben als früher), weil die Models so weinig Lust auf ein Passbild haben wie ein Provinzpolitiker auf ein Fahndungsfoto. Ob die längere Wartezeit eine gute Idee war, lassen wir dahingestellt, jedenfalls haben wir uns noch nie beinahe den ganzen Tag an den Lichtbildern unserer Kinder abgearbeitet. Früher haben wir versucht, sie irgendwo abzulegen, auf ein Tischchen, ein Podest, einen Sessel, mit dem Ergebnis, dass sie
Hetty mag nicht ...entweder
... und der Bandit denkt sich seinen Teil ständig auf der Flucht waren und in Absturzgefahr schwebten oder sich verschämt blitzschnell umdrehten und uns ihr zauberhaftes Hinterteil boten. Später haben wir sie in die Hand genommen, in die Höhe gehalten und abgeschossen. Wegen der zwei Tage längeren Wartezeit haben wir uns mit der ersten Variante gar nicht mehr beschäftigt, sondern uns ohne Diskussion für die hand-held Variante entschieden. Doch die Zwerge haben schon eine Kraft und einen Widerstandswillen, dass man sie kaum festhalten kann, weil sie alles tun, um uns wie ein glitschiger Fisch aus der Hand zu gleiten. Das fehlte noch! So machen wir uns also ans Werk, bewaffnet mit Kamera, Blitzlicht und Tagesleuchte, aber irgendetwas stimmt nie so richtig und wir bekommen einen Haufen künstlerisch höchst wertvoller Portraits, die aber für den Alltag und den Zweck, wofür sie gedacht sind nichts taugen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hausfotograf des Blues einen schlechten und somit rabenschwarzen Tag hat, an dem er lieber gleich in die Luft gehen würde als zur HB zu greifen. Manchmal passt eben nichts. Fotografie ist eine Kunstform, die keine Ungeduld verträgt und schlechte Stimmungen auf ihre sehr eigene Weise ins Bild setzt. Man kann die Rumpelstilzeruptionen des Fotografen (unveröffentlichtes) Bild für (unveröffentlichtes) Bild wiedererkennen. Mit dem Licht der untergehenden Sonne (darauf hätten wir auch schon früher kommen können) wechseln wir in den Garten, denn bei dem lauwarmen Tag droht den Welpen kein Schaden. Jetzt muss der Fotograf die Models halten und die Chefin nimmt die Szene und die Kamera in die Hand. Mit dem Ergebnis, dass nun tatsächlich noch brauchbare Bilder entstehen (Fotowettbewerb wollen wir damit ja sowieso keinen gewinnen), die Models aber fast wie garrottiert wirken, weil sie der Vize fest im Griff hielt, damit die Chefin sich nicht mit weiteren Zappelbildern herumschlagen muss. Man erlebt immer etwas Neues, es gibt nichts, was man nicht noch zu erwarten hätte, aber dass wir fast an Babyportraits scheitern würden, darf getrost ins Kuriositätenkabinett des Blues sortiert werden. Sicher ist nur: In diesem Falle können die Schützen die Schuld nicht aufs Gewehr schieben, das eine Präzisionsmaschine ist und explizit von jeder Schuld freigesprochen wird.
Hedda bleibt gelassenUm
Hallodri hat Einwände18 Uhr macht sich dann die Kreißsaalhelferin und Zuchtwartin Christine ans Werk, die Hallodris erstmals unter die Lupe zu nehmen. Ihr ernüchterndes Resümee: langweiliger Wurf! Ihre Enttäuschung resultiert nicht aus der einfallslosen Schwarzbraunfärbung, oder eben schwarzmarken, wie es korrekt heißen muss, aber nicht jeder versteht, der nicht als Hovawart geboren wurde, sondern in der Weißabsenz bei den Welpen: schwarzbraun und sonst eben nichts, wenn man über homöopathische weiße Haarspitzen hinwegsieht. Alle fast gleich, kaum zu unterscheiden, nur Hobo bekennt sich zur Markenfreude und zu Farbe, und Hartl hat hinten rechts zwei winzig weiße Zehenspitzen. Die Hallodris sind weiß Gott zu farbecht für den Blues. Wir fordern die zukünftigen Besitzer schon jetzt auf, sich für 2018 auf einen Auftritt bei der CAC vorzubereiten, um den Vögeles aus dem Unterallgäu endlich und zum ersten Mal den Lorbeer im Zuchtgruppenwettbewerb wegzuschnappen. Warte, Beate, der Blues kommt zwar langsam, aber gewaltig!
Am frühen Abend konnte dann eine weitere Kreißsaalhelferin ihre unstillbare Sehnsucht nach den Hallodris nicht mehr im Zaume halten; die Hospitantin Alexandra muss mit eigenen Augen sehen, was aus ihren Schützlingen geworden ist. Kein Problem, denn das Praxispersonal hat bei Fianna lebenslangen
Die SahnemuffbeutelKredit und uneingeschränkten Zugang. Vor sich her trägt sie ein Gastgeschenk, so wie man etwa eine neuen Nachbarn mit Brot und Salz begrüßt, etwas, das die einen als Muffins, die anderen als Windbeutel bezeichnen würden, worauf wir uns nicht einlassen wollen und sie kurzerhand als die schmackhaftesten und herzallerliebsten Sahnemuffbeutel der Welt vorstellen. Alexandras Sahnemuffbeutel, elf Hallodris plus Fianna, Heike und Bernd. Fehlt nur einer, der es mehr verdient hätte als die beiden letzten: Ery! Alexandra, sollte es deine Zeit zulassen, könntest du ja vielleicht demnächst einen winzigen Erysahnemuffbeutel nachliefern, nur den einen, weil die Väter wegen ihrer flüchtigen Einsatzzeit immer zu schnell in Vergessenheit geraten. Das hat der Papa nicht verdient, schon gar nicht, wenn man das bisherige Ergebnis seiner Bemühungen auf den gelangweilten Zetteln der Zuchtwartin als Erfolgsbilanz versteht.
Sonntag, 5. März 2017
Keine Spur mehr vom gestrigen Frühling. Es regnet, es ist trüb, es ist traurig. Ein Wetter, wie gemacht für diesen Tag, denn heute hätte Fiannas formidable, aber viel zu früh entrückte Mama Franzi Geburtstag. 13 Jahre wäre sie geworden, vielleicht jetzt doch schon zu alt, als dass sie noch Freude an ihren neuen Enkeln hätte haben können, aber wenn sie sie noch erlebt hätte, wäre sie bestimmt beseelt gewesen. Als Mama war sie eine berufstätige Mutter, die alles machte, was getan werden musste, aber keinesfalls mehr, dafür war Tante Anouk zuständig. Als Oma wäre sie bestimmt so unverzichtbar wie Anouk gewesen. Hätte, könnte, wäre – der Franz ist Teil des Blues bis an dessen Ende und begleitet uns nicht ohne Grund auf jede Urlaubsfahrt. Der Franz ist unverzichtbar. Und heute wird uns das besonders bewusst.
Über Fiannas Zustand ist bereits alles gesagt und nichts Neues hinzuzufügen: topfit, nur noch wenig Blut, kein Fieber, alles bestens. Dafür liefern nun die Welpen die ersten nennenswerten Darmprodukte, denen sich die Mutter nach wie vor nur zögerlich zuwendet, und die deshalb schon die ersten Senkgrubendüfte erzeugen. Unglaublich, wie diese kleinen, braunen Maden stinken können. Andererseits: Es ist immer wieder ein blankes Erstaunen, wie schnell der Nachwuchs heranwächst, und von nichts kommt nichts, aber von viel bleibt auch viel zurück. Und wenn es nur Sch... ist.
Das Wetter arrangiert sich mit Franzis Geburtstagstrauer und findet zu altem Glanz zurück, liefert zwar nur 10° C, dafür aber ein unverschämt bayerisches Blau. Als wir mit Fianna von ihrem Nachmittagsspaziergang zurückkehren, ist die Begeisterung in der Schnullerbox so überbordend, dass gleich zwei über Bord gehen, ganz ohne Mamas Zutun als Räuberleiter, nein, aus eigener Kraft und getrieben von der eigenen Begeisterung und erwachtem Entdeckerwillen. Es sind Hugo und Hakuna, die die Zehn-Zentimeter-Barriere überwinden und auf den gefliesten Boden des Lebens purzeln, Hals über Kopf. Bravo. Wir schreiben also in den ewigen Blues-Almanach: Hugo und Hakuna sind die ersten Hallodris auf erfreulichen Abwegen.
So schlecht viele der gestrigen Baby-Portraits auch geworden sind, eines können sie nicht kaschieren: die Klauen der Kinder. Manche haben richtig allgemeingefährliche Krallen. Da gilt es sofort zu handeln, denn so wie die sich beim Trinken an der Bar festkrallen und diese bearbeiten, können wir absehen, wann sich Fianna wieder eine entzündete Milchtüte einhandelt. Das muss man nicht zweimal haben und sie schon gleich gar nicht. Wir schreiten also zur Tat.
Hakuna findet Nagelpflege gar nicht so übelDer Vize streift sich traditionell die Schürze über, damit ihm die Zwerge nicht die Sonntagshose einsudeln, greift zum Knipser und zum Opfer, einem nach dem anderen, und knipst und knapst und zippst und zappst und knutzt und stutzt das Waffenarsenal der Hallodris. Er hat schon erlebt, dass die Delinquenten so verdutzt waren, dass ihnen die Gegenwehr in den Gliedern steckenblieb. Nicht so die Hallodris, die sich mindestens so männiglich zur Wehr setzten wie gestern vor der Kamera. Doch der Blues-Pediküreer bringt die Erfahrung von sieben Würfen und 66 Welpen mit, ohne jemals einen Zehen amputiert zu haben. Kein Tröpfchen Blut ist dabei jemals geflossen, was bei der Chefin nicht so sicher wäre, wie er unvermindert überzeugt ist. Doch diesmal gibt es Blut, allerdings nicht an einem Zehen, sondern an Hubsis Wange. Alarm! Was hat der Zwerg?! Die Chefin ist in heller Aufregung und dem Vize gleitet das OP-Besteck aus den Fingern. Wir reinigen dem Kleinen die Wange und finden nichts, was Aufschluss geben könnte, also hoffen wir darauf, dass er sich an Mamas Hinterteil eingesaut hat, weil wir ihn gelegentlich, wenn sich Fianna in unserer Gegenwart zu ihren Kindern legt, an eine ihrer hinteren Zitzen bugsieren, weil dort die meiste und fetteste Ausbeute zu erwarten ist. Aber im Auge werden wir ihn behalten; Hubsi steht ab sofort unter Beobachtung.
Ein kleiner Gruß von Franzi aus dem Off? Auch derbe Scherze hatte sie gelegentlich im Repertoire ...
Montag, 6. März 2017
Mehrmalige Hubsi-Kontrollen waren gestern ergebnislos verlaufen. Heute Morgen springt die Alarmampel endgültig wieder auf Grün. Hubsi ist kerngesund und hat sogar 80 Gramm zugenommen; für seine Verhältnisse ein Satz wie einst der von Bob Beamon in Mexico City. Hallodri hat Hartl eingeholt (beide 750), ihnen folgt Hobo mit 720 Gramm (+50). 680 Gramm bringen Hugo (+40) und Hetty (+20) auf die Waage, mit 670 Gramm folgen Hakuna (+30) und Halina (0). 650 Gramm stehen für Harpo zu Buche (+70), danach kommen Hedda (+60) und Hias (+20) mit 620 Gramm. Und das Ende markiert der kleine Hubsi mit 80 Gramm mehr im Gepäck, aber mit 480 Gramm immer noch zart genug, um im Handgepäck reisen zu dürfen.
Die Dauertüttelzeit für die Chefin geht heute zu Ende: Arbeit ist wieder angesagt. Das bedeutet für alle unchristliche Erweckungszeiten, heute wird beispielsweise schon um 5:30 Uhr gemessen und die Schnullerbox gewienert und neu eingedeckt. Fianna bekommt ihren Erweckungssnack auch schon vor dem Aufstehen und der Vize wundert sich über das unsoziale Rumpeln und Rumoren unten, in den Gesinderäumen. Vorbei ist es mit traumlosem Träumen. Er gesellt sich zum Gesinde. Sonst würde das Rumoren gleich noch wesentlich unsozialer.
Voilà, der Tag ist da, dann soll er eben sein. Und er ist ein Tag ohne Eigenschaften, weiß-blau und angenehm, aber ohne Chronikpotential. Die Mutter liegt herum, die Kinder schlafen, der Vize ist auch anwesend und die Freude ist groß, als die Chefin wieder zurück ist. Ein ganz normaler Tag eben.
Am späten Nachmittag schauen noch die drei Nachbarskinder vorbei und nehmen Witterung mit den neuen Welpen auf, denen sie bald die unverzichtbarsten und kreativsten Spielpartner sein werden, wie sie es auch für die elf aus dem G-Schwader waren. Diese Kinder haben aus dem Welpenparcours einen Abenteuerspielplatz gemacht und die Gs zu immer neuen Taten befeuert. Es sieht nicht danach aus, dass sie sich für die Hallodris weniger ins Zeug legen werden. Kinder und Welpen finden eine Ebene der Kooperation, die Erwachsenen immer verschlossen bleiben wird. Hoffen wir, dass der Frühling viele schöne Spielstunden bereitstellen wird.
Dienstag, 7. März 2017
Ein Blick nach draußen, kurz nach 5 Uhr: Ach, du Sch...! 2° C, Schneeregen und mehr Wind als in alle alexandrinischen Sahnemuffbeutel zusammen passen würde. Der Vize denkt an ein Sabbatical bis morgen früh, aber drunten kräht es. Na, denn...
Hartl, aus dem Nest gefallenDie Hallodris sind bereits so umfänglich geworden, dass sie nicht mehr ins Aussiedlerkörbchen passen, in das wir sie immer verfrachtet haben, um die Schnullerbox zu putzen. Die Chefin legt sie also ins nächstliegende Kuddebett, was nichts weniger als eine Lachnummer ist. Die Flucht aus einem Kuddebett ist nämlich so anspruchsvoll wie die aus einer Hängematte. Und so scheint es, als ob während des Wiegens und Putzens aufgeblähte Maikäfer auf dem Küchenboden herumruderten. Der Geblähteste dieser Maikäfer ist jetzt wieder Hartl (790), gefolgt von Hallodri (780), Hetty (770), Halina (760), Hobo (730) und Hias (720). 690 Gramm bringt Hakuna auf die Waage, Hugo (0) und Harpo (+30) haben 680 Gramm, Hedda hat 660 Gramm, und Hubsi verdaut noch an den 80 Gramm von gestern und bleibt auf seinen 480 Gramm sitzen.
Diesem Dienstag ist nicht mehr abzugewinnen als das, was der Vize beim morgendlichen Blick aus dem Fenster schon auf sich zukommen sah: ein sich immerhin gelegentlich aufrappelndes Wetter, eine sich gelegentlich aufrappelnde Mutterhündin, die sich mit den Darmrückständen ihrer Kinder noch immer nicht so richtig anfreunden mag und deshalb den Gang in die Kiste erst antritt, wenn der Vize die Auslegeware erneuert hat. Man hat ja seine Ansprüche. Die Hallodris knacken friedlich in ihrer Kiste und packen sich das Fett auf die Rippen. Ein ganz normaler Tag. Die Chefin kommt erst spät in die Nacht nach Hause und kann im Glück der glucksenden Welpen den Tag ausklingen lassen. Gönnen wir ihr.
Über eine Woche sind die Hallodris nun schon bei uns und bisher können wir uns nur glücklich schätzen. Fianna hat die Elfer-Geburt bestens überstanden, die Welpen sind offenbar kerngesund und wir können diese Zeit, bis die Welpen flügge und anspruchsvoll werden, noch in vollen Zügen genießen. Mal sehen, ob die Chronik in drei Wochen noch so zeitnah geliefert werden kann.