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Fahrt ins Blaue
- Beas de Granada, Camping Alto de Viñuelas

Sonntag, 30.1.2022
Der heutige Sonntag, der letzte in diesem Januar, ist ein typischer Übergangstag, einer, dem nichts aufgebürdet wird, von dem wir nichts erwarten, außer, dass er uns in Frieden lässt und uns keine bösen Überraschungen beschert. Wir wollen uns heute nur im Nichtstun üben und für den morgigen Reisetag sortieren.
Schöne Überraschungen darf uns ein solcher Tag aber immer gerne liefern. Das tut er schon morgens im Bett, als sich Fianna wieder einmal tief in die Achselhöhle des Chauffeurs bohrt, um sich ihre tägliche Ganzkörpermassage abzuholen. Bei dieser Inspektion von der Schwanz- bis zur Nasenspitze, grunzend von Fianna kommentiert und goutiert, durchknorpelt er auch ihr linkes Ohr und stellt zur allgemeinen Überraschung fest, dass ihr Blutohr fast völlig verschwunden ist. Die Veterinärin wird aus dem Nachbarbett gerufen, um diesen Befund zu bestätigen, was sie ebenso erstaunt wie freudig tut. Kann es sein, dass die gelegentlichen Schlappohrmassagen dazu beigetragen haben? Die Spritzen aus Guadix sind jedenfalls bisher noch immer originalverpackt, irgendwie hat uns immer die Zeit, der Antrieb und vor allem die Kaltschnäuzigkeit gefehlt, unserer Señora Pein zufügen zu müssen. Wir haben den nächsten Eingriff unausgesprochen vor uns hergeschoben. Und nun ist es fast schon wieder das alte Ohr. Der Chronist unterstellt Fianna ein ihr jederzeit zuzutrauendes Bubenstück, indem sie für einen standesgemäßen Vollzug ihrer Läufigkeit auch noch das Blut aus ihrem Ohr nutzbringend einsetzt. Die Hundeversteherin lehnt diese Interpretation aus rein medizinischen Gründen ab. Zutrauen würde sie es ihr auch.
Um 9:30 Uhr messen wir 7 °C bei wolkenlosem Himmel. Das könnte für die Höhenlage durchaus ein bisschen Wärme für den Tag versprechen.
Wir rumoren ein wenig herum, füllen noch einmal zwei Wäschetrommeln, lassen die Fähnchen anschließend munter im Wind flattern und legen uns dahinter genüsslich in die Sonne. Ein bisschen Hausputz wird noch eingeschoben, Kaffee getrunken und Doku geschrieben. Die Hunde bekommen nachmittags auch nochmal einen ausgedehnten Spaziergang, heute, ohne auf eine Patrouille zu stoßen, womöglich hat der Flurfunk ihre Anwesenheit bereits herumgeschickt.
Und das war dieser Sonntag dann, an den sich nicht nur wir schon morgen kaum noch erinnern werden.
Fianna legt dagegen jedoch noch ihr Veto ein. Kurz vor Mitternacht, als alles friedlich schlummert, speit sie ihr gesamtes Abendmahl auf die Auslegeware. Der Chronist ist sofort hellwach, Hedda ebenfalls, gibt aber vor zu schlafen und die Reiseleiterin wechselt nachts grundsätzlich ihren Vitalmodus und hört tatsächlich nichts. Ist auch egal, weil für die vorderen Malheure schon immer der Chronist zuständig ist, die Chefin nur für die hinteren. Meist liefern unsere Damen vordere. Also raus aus der Kuhle, die Bescherung begutachten und ihr Bedeutung oder keine beimessen, währenddessen macht sich Fianna bereits wieder über ihr Vorverdautes her und verleibt es sich zum Wiederkäuen ein. Das sieht schon mal gut aus. Weil sie sich gestern Abend relativ lange mit einem querliegenden Reiskorn hüstelnd auseinandergesetzt hat, darf man vermuten, dass sie sich nun auf diese Weise des Ärgernisses entledigte. Trotz der fast rückstandslosen Beseitigung des Malheurs, muss der Nachtportier die beiden besudelten Teile der Auslegeware aus dem Franz werfen und kann sich schon einmal darauf vorbereiten, morgen, vor der Abreise, noch eine Teppichwäsche vorzunehmen. Gute Nacht um halb eins.