Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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La Cala de Mijas

La Cala de Mijas

Montag, 31.1.2022

Noch ist der Chronist nicht richtig wach, wird er schon mit der Frage konfrontiert: „Warum sind denn die Teppiche weg?" Ja, wer zu tief schläft, verschläft mitunter auch das Leben.
„Fianna hat gekotzt."
„Oh."

Mehr war ihr das nächtliche Unglück nicht wert, kein Dankeschön dafür, dass er sich mit Unterhosen in die kalte Sierranacht begeben hat, um ihr morgens zu ersparen, in Fiannas Restbeständen zu waten. Nur: Oh. Sie bekommt aber den Auftrag, nach Fiannas Wohlbefinden zu sehen, weil die wie festgewurzelt unterm Tisch liegt und heute keine Kuschelrunde eingeklagt hat; vielleicht wollte sie ihren Krauler nicht mit säuerlichem Mundgeruch beglücken. Alles gut, meint die Hundeversteherin. Worauf sie diese Diagnose gründet, verrät sie nicht.  

Letzter Morgenspaziergang

Während die drei Damen sich auf den Morgenspaziergang begeben – Fianna macht nicht den Eindruck, als wollte sie ihn heute ausfallen lassen - schrubbt der für die vorderen Malheuere Zuständige die Teppiche und hängt sie zum Trocknen an den Zaun, ein Unterfangen, das in der kurzen Zeit bis zu unserer Abreise nicht zur Vollendung kommen kann. Es ist 9 Uhr und wolkenlos bei 8 °C.  

Fianna, davon kann sich der Chronist nun überzeugen, kehrt völlig mit sich und ihrem Magen im Reinen vom Spaziergang zurück, trotzdem bekommt sie in ihr Frühstück ein wenig Heilerde, falls der Magen doch noch gereizt sein sollte. Nach unserem Frühstück werden dann die letzten Routinen abgespult, geduscht, Geschirr gewaschen, was eben so alles ansteht, wenn man ein Lager verlassen möchte. Dem Chef des Hauses blättern wir 80 € bar auf den Tisch und machen uns, nachdem auch der Franz noch ver- und entsorgt wurde, auf den Weg.  

Es ist 11:30 Uhr. Das Thermometer hat sich bereits auf 16 °C hochgearbeitet, aber es ist heute ungewohnt diesig, sodass die mächtige Sierra Nevada sich hinter einem silbrigen Schleier versteckt muss wie eine maurische Tänzerin im Serail. Los geht's.

Die vielen Tage in der Wüste und in luftiger und dementsprechend kühler Höhe haben unserer spanischen Repsol-Flasche schon fast alles abverlangt, weshalb unser erstes Anliegen ein Flaschentausch ist. Die Tankstellen-App der Reiseleiterin weist uns auf eine Tanke, gleich um die Ecke in Huétor-Santillán, hin, die auch noch auf unserem Weg zur A-92 liegt. Nach wenigen Minuten sind wir da, die Logistikerin fragt nach, ob sie Propan hätten, bekommt ein ‚Sí, sí' zur Antwort, worauf sie dem Chauffeur mit erhobenem Daumen ein Ok übermittelt und der an die Zapfsäule fährt - Diesel brauchen wir nämlich auch noch - den Rüssel in den Tank steckt, dann den Franz hintenrum ausräumt, die leere Flasche ausbaut und sie gerade zum Büro schleppen möchte, als die Logistikerin heraustritt und ihm „Fehlanzeige" übermittelt; nur Butan. Zefix! Hat die Logistikerin einen Sprachfehler oder die da drinnen einen Hörfehler? Also die Flasche wieder rein, alles verstauen, dass nichts rumfliegt und weiter. Den größeren Missmut als die Gassache bereitet uns die Tatsache, dass wir hier 55 Liter für 1.46,9 € getankt haben, die teuerste Tanke bisher. Vielleicht haben die hier doch keinen Hörfehler, sondern sind nur durchtrieben geschäftstüchtig.  

Nun also weiter auf die A-92 Richtung Granada. Schon bald wechseln wir auf die A-44 nach Motril. Bei Padul verlassen wir die Autobahn, weil dort die nächste Repsol-Tankstelle mit Propangas auf uns wartet. Wieder marschiert die Logistikerin in den Laden, fragt nach Propan, wieder bekommt sie ein deutliches ‚Sí, sí', fragt zur Sicherheit nochmal nach: „Propano?" „Sí,sí". Sie tritt frohgemut mit erhobenem Daumen aus der Bude, worauf der Chauffeur wieder den Franz ausräumt, die leere Flasche aus ihrem Fach hebt und nach vorne trägt. Doch vor den verschlossenen Gestellen mit den Gasflaschen, Sekunden bevor es zum Geschäftsabwicklung kommt, zeigt der Angestellte auf die Flaschen und meint: Nur Butan. Jetzt sieht der Chauffeur wie sich die Logistikerinnenstirn gefährlich rot verfärbt. In diesem Moment tritt ein etwas stämmiger Herr zu uns, vielleicht eine etwas bedeutendere Charge dieser Tankstelle, vielleicht auch ein Repsol-Repräsentant, jedenfalls meint er in sehr gutem Deutsch, wir könnten doch auch Butan benutzen. Wir erklären ihm, warum wir das nicht wollen, er zeigt Verständnis, diesmal in ziemlich gutem Englisch, und wendet sich an einen anderen, soeben auf dem Roller ankommenden Kollegen, jetzt auf Spanisch, ob er wüsste, wo die nächste Propan-Repsol-Niederlassung sei. Der gestikuliert und streckt den Arm nach hinten, und der nette Stämmige lässt uns wissen, dass die nächste Tanke mit Propan in Granada wäre. Granada? Wir sagen ihm, dass wir gerade aus Granada kämen. Naja, meint er, nicht ganz hinein nach Granada. „Wie weit?" wollen wir wissen. Etwa acht oder auch zehn Kilometer. Wir schauen uns an, weil Zeit kein Faktor in unserer Planung ist. Und wenn Granada unser Schicksal sein soll, dann werden wir uns dem ergeben. Er müsse sowieso in diese Richtung, wir könnten ihm hinterherfahren, wenn wir möchten. Wir möchten, packen den Franz wieder zusammen, das Follow-me-Auto wartet schon und wir folgen ihm. Aus den acht Kilometern werden keine zehn, sondern 14, bis er uns in la Zubia, südöstlich von Granada, in eine Tankstelle führt und, als wir angekommen waren, davonfährt. Er will keinen Dank dafür, obwohl wir ihm gerne herzlich danken würden, denn hier bekommen wir endlich unser ersehntes Flascherl Propo, und dazu so billig wie nirgends: 15 €.  

Auf dem Weg zurück, woher wir gerade gekommen waren, wird uns bewusst, dass wir gerade wieder einen dieser wertvollen Augenblicke erleben durften, welche die Welt für Individualreisende bereithält. Man ärgert sich, man ärgert sich ein zweites Mal und dann kommt aus dem Nichts ein unscheinbarer Glücksbringer daher und macht alles Vorherige vergessen. Ein weiteres Mal wird die Zuversicht bestätigt, dass sich die Dinge immer irgendwie regeln, mal früher, mal sofort. Es sind diese unvergesslichen Augenblicke, um die man jene bedauern muss, die sie nie erleben. Der Chronist erinnert sich dabei an eine kleine Episode vor über dreißig Jahren. Er suchte die Friseurin seines damaligen Vertrauens auf, die damals noch Friseuse heißen durfte (mal sehen, wann die Fritteuse ihren Dienst einstellt, wenn sie nicht als Fritteurin bezeichnet wird, das nur am Rande) und fragte sie, weil sie bei seinem letzten Besuch nicht anwesend war, ob sie im Urlaub gewesen sei. Sie antwortete: Ja, im Urlaub, drei Wochen. Ganz gegen die Natur von Friseurinnen nahm sie die Gelegenheit nicht wahr, sofort loszuplaudern und ihre Urlaubserlebnisse preiszugeben. Deshalb fragte er nach, wo sie denn gewesen sei. Sie antwortete: Malle, auf Malle. Ein bisschen angefixt, weil der Chronist vor nicht allzu langer Zeit einen Segeltörn rund um Mallorca gemacht hatte und mit besten Erinnerungen zurückgekommen war, wollte er wissen, wo denn auf Malle. Und sie antwortete: Weiß nicht, auf Malle. Entsetzen, Unverständnis beim Chronisten. Wie kann man drei Wochen Urlaub machen und anschließend nicht wissen, wo man war? Sie beantwortete diese Frage lakonisch damit, dass sie am Flughafen mit einem Bus abgeholt und einem Hotel abgesetzt wurde. Wenn sie nicht zum Zwecke seiner Anwesenheit seinen Kopf festgehalten hätte, wäre er vermutlich nicht aus dem Kopfschütteln herausgekommen. Heute ist ihm klar, warum sie sich nicht erinnern konnte. Ihr Urlaub bestand aus Strand, Bar und Hotelzimmer, Strand, Bar, Hotelzimmer..., alles glatt, geregelt, genormt und vorhersehbar, drei Wochen lang. Sie hatte vermutlich keine elektrisierenden und erinnerungswürdigen Momente, die sie an ihrem Urlaubsort festmachen konnte. Es war also völlig egal welcher Namen am Ortseingang ihres Urlaubsdomizil gestanden hatte und in welcher Himmelsrichtung er lag. Ihr Gehirn weigerte sich offenbar, sich mit Wertlosem zu belasten. Die besonderen Augenblicke aber sind es, die Flashes, die Aufwühler und die Abkühler, die einem Leben Farbe, Tiefe und Form geben. Diese oft unvergesslichen und meist unwiederholbaren Momente sind es wohl, die Werner Schmidbauer meint, wenn er davon singt, ein „Momentensammler" zu sein? Wir haben vor wenigen Minuten wieder einen solchen Moment für unser Schatzkästchen sammeln dürfen, einen Mutmacher, einen Herzwärmer und einen Vorantreiber.  

Trotz des Vorantreibers geht es nun aber wieder zurück, und zwar genau zu jener Tankstelle in Padul, wo dieses kleine Abenteuer seinen Anfang nahm. Dort haben wir eine LKW-Waschanlage mit Bühne entdeckt, und unserem Franz hängt der Staub und Sand der Wüste schon in dicken Schichten an der Haut. Das ist die Gelegenheit den Franz wieder gesellschaftsfähig zu machen. Eine halbe Stunde wird er geduscht, bis wir um 13:30 Uhr weiterfahren. Auf der A-44 geht es stracks in den Süden, bis wir auf die A-7, die hier Autovía del Mediterráneo heißt, nach Málaga schwenken. Durch zahlreiche Tunnels und an noch mehr verbauter Landschaft der Costa del Sol geht es nun nach Westen. In Nerja fahren wir kurz ab, um bei LIDL wieder einmal einen Großeinkauf zu tätigen, vor allem die Vongole, die man aus dem Gefrierfach mit der Schaufel heben kann, haben es der Reiseleiterin angetan. Von der Portion, die sie einschaufelt, kann sich der Chronist mindestens zweimal als Vongoliere betätigen.  

Um 15:15 Uhr wird die Akte LIDL geschlossen und weitergefahren, vorbei an Màlaga und den Urlaubsreservaten Torremolinos und Benalmádena. Bei Fuengirola verlassen wir die Autobahn, um Mijas anzusteuern. Der Ort liegt etwa fünf Kilometer im bergigen Hinterland. Beschaulich ist es hier auch schon längst nicht mehr, von Idylle kann keine Rede mehr sein, vieles wurde dem Tourismus geopfert. Es gibt nicht viel, was unser Interesse an diesem Ort so wecken würde, dass wir ihn unbedingt aufsuchen müssten. Das Wenige ist aber viel und wichtig genug, um hier vor Anker zu gehen.  

Wir haben hier Freunde, alte Freunde, alt soll natürlich heißen: langjährig. Sanne kennt der Chronist seit 1977. 1980 ist Sanne dann auf Mick, einen bavarisierten Engländer, geprallt oder er auf sie. Wen interessiert das schon. Und weil die beiden bis heute nicht mehr voneinander lassen konnten, haben wir viel Zeit zusammen verbracht und können auf viele unvergessliche Momente (da sind sie wieder!) zurückblicken. Vor über 20 Jahren haben sich die beiden hier in Mijas ein Haus gekauft und verbrachten viel Zeit hier, heutzutage, im Ruhestand, mehr denn je. Vor Jahren haben unsere Lebenslinien sich voneinander gelöst; wir haben uns aus den Augen verloren, gelegentlich gesucht und nicht gefunden, gerufen und nicht gehört. Wie die Königskinder standen wir am Fluss und konnten nicht mehr zueinanderfinden.  

Irgendwann vor Tagen ergriff die Chefdiplomatin die Initiative, um zu verhindern, dass die Königskinder, wie am Ende des zitierten Lieds, tot herumliegen, und schickte eine Geheimdepesche los, mit etwa folgendem Inhalt: ‚Wir sind in Spanien, seid ihr auch hier oder zuhause? Wenn ihr hier seid, meldet euch – falls ihr Lust habt, könnten wir uns treffen.' So etwa. Kaum war die Depesche durch den Äther geflitzt, kam die Antwort: ‚Wir sind hier, freuen uns, wenn ihr vorbeischaut. Meldet euch.' Der Chronist erfuhr davon erst, als das freudige Komplott schon eingetütet war. Und als die Rückmeldung gekommen war und sie sie ihm zeigte, grinste sie wie der Lümmel in der letzten Bank.  

Und so kam es, dass wir nun einen Stopp in Mijas machen. Das Haus der beiden liegt hoch droben in Puebla Aida, wo es für Womos nichts zu parken gibt. Die Reiseleiterin hat deshalb zwei Stellplätze ausbaldowert, einer davon ist der Parkplatz der aufgelassenen Rennbahn, wo wir uns mit den beiden treffen wollen, um alles Weitere zu besprechen. Doch wie schon bei der Anfahrt auf Los Escullos ist Google Maps heute unpässlich und schickt den Chauffeur den Berg hinauf, immer weiter den Berg hinauf nach Mijas, wo es Vieles gibt, nur kein aufgelassenes Hippodrom. Als es immer steiler und enger wird, glaubt auch die Navigatorin nicht mehr, dass der Google Mops noch bei Trost ist und ordnet den sofortigen Rückzug an. Also: Alles wieder zurück und hinab. Noch einmal versucht es der elektronische Gottseibeiuns mit einer Finte, findet aber kein Gehör mehr. Schließlich treffen wir die richtigen Ein- und Ausfahrten und brummen hoch zu den völlig leeren, auf Terrassen angelegten Parkplätzen des ehemaligen Hippodroms. Ganz leer sind sie nicht, denn Mick und Sanne winken schon, und dann fallen wir uns in die Arme. Das geht immer noch wie früher. Manch eine Wiedervereinigung zieht sich fast endlos, manche sind geschwinder, aber keine hat eine so zauberhafte Verpackung wie die unsere: Exakt 3.333 Kilometer sind wir gefahren, um uns wieder in die Arme zu nehmen. Es hätten auch 6.666 oder 9.999 sein dürfen, nichts hätte sich an unserer Freude geändert.  

Ein Blick rundherum lehrt uns, dass hier sicher nicht der Platz ist, auf dem wir auch nur eine Nacht verbringen wollen. Mick fasst es mit schaurigem britischen Humor in einen kurzen Satz: Hier oben kannst du in gebrauchten Gummis waten. Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.  

Die Navigatorin erklärt ihnen nun, welche andere Option sie noch hätte, nämlich der öffentliche Stellplatz in La Cala de Mijas, das sei unten am Meer und scheint für eine oder zwei Nächte zu taugen. Die beiden wissen, wovon wir sprechen, fahren uns voraus und um 17 Uhr treffen wir auf dem Stellplatz (Aparcamiento Áutocaravanas) ein [N 36° 30' 20'' W 004° 40' 56'']. Es hat 23 °C und ist wolkenlos. Der Platz ist etwa 300 m lang und 100 m breit, an seiner Nordseite sind zwei Reihen für Womos reserviert, die mit Betonpollern vom Rest des Platzes abgetrennt sind; nur dahinter ist Womo-Platz, davor nicht. Der große Rest ist Volksfest-, Markt- und Parkplatz oder einfach nur Übungsplatz für Fahrschulen. Als wir ankommen, sind alle Plätze voll, also stellen wir uns neben einige andere Mobilisten an der schmalen Westseite auf, außerhalb des Pollerbereichs, wo man eigentlich nicht stehen darf. Aber eine Nacht wird schon gehen. Morgen, so haben wir gelesen, müssen wir sowieso zur Gemeinde und uns registrieren. Dann wird man uns schon sagen, ob wir dort stehen dürfen oder nicht. Wenn ja, können wir 48 Stunden dort stehen. Mehr ist nicht vorgesehen. Ein Blick über die dicht gedrängten Anwesenden lässt keine Zweifel, dass hier einige schon Spinnweben angesetzt haben und die Teppich vor den Fahrzeugen etwas grünlich verschossen sind. Das ist in 48 Stunden nicht zu schaffen.  

Mijas ist wie alle Orte an der Costa del Sol ein Opfer des Massentourismus'. Doch es hat sich bei weitem nicht so prostituiert wie viele andere. Logisch, dass hier Hotels auf die Touristen warten, aber sie wachsen nicht in den Himmel und nicht über die angrenzenden Berge hinaus. Dennoch ist Mijas nahezu komplett in fremder Hand, weil sich viele Ausländer hier ein Eigentum gekauft haben, so wie Sanne und Mick vor 20 Jahren. Wenn nicht der überwiegende Anteil Ausländer an Engländer fallen würde, könnte man fast von einer Multi-Kulti-Gesellschaft sprechen. Die Engländer machen daraus jedoch wieder eine Monokultur mit andersnationalen Einlagerungen. Seit Jahrzehnten haben die Engländer diesen Landstrich nahezu komplett annektiert, was sich im Leben, aber vor allem in der Gastronomie nicht verheimlichen lässt: Hier isst und trinkt man englisch. Seit dem Brexit beginnt sich die Lage zu entspannen, weil sich die Engländer als inzwischen Ex-Europabürger nur noch 90 Tage am Stück in der EU aufhalten dürfen. Das trifft einige hier hart und öffnet Türen für andere.  

Wie erwähnt, liegt der Parkplatz mitten in La Cala de Mijas, nur ein paar Schritte über zwei Straßen und unter der Autobahn hindurch, und schon ist man im Herzen des Örtchens. Hier pulsieren die Restaurants, die Bars, die Lounges und - was sonst? – die Pubs. Zum Strand mit den bekannten Strandbars und Gästebelustigungs- und Beschäftigungsangeboten sind es nochmal nur ein paar Schritte, kompakter kann man es kaum bekommen. Der Jahreszeit geschuldet geht es jedoch derzeit sehr entspannt zu. Die meisten Hotels und alle Strandbars haben geschlossen, am Strand steht kein einziger Liegestuhl, hier und dort hockt ein Angler mit seinen Ruten am Strand und verträumt die Zeit. Nur die Lokale haben zum größten Teil geöffnet. Man kann es also gut aushalten in Mijas im Januar. Wir gehen zu El Gusto, und dank der immer noch 20 °C lassen wir uns draußen nieder, das erste Abendmahl im Freien dieses Jahr. Auch bei El Gusto ist die Karte auf englische Gäste spezialisiert, aber wir haben keinen Grund zu klagen. Nur die ungewürzten Erbsen als Beilage verstören den Chronisten, wie sie ihn schon in Schottland völlig geschmacksneutral in kulinarische Verwirrung stürzten. Wir sind uns zu viert einig, auch der bavarisierte Engländer, dass nur schlonziges Leipziger Allerlei aus der Dose schlimmer ist. Man ahnt, dass ein Volk, das so etwas auf den Tisch bringt und sogar isst, nie in Europa ankommen konnte.  

Um 21 Uhr trennen wir uns für heute von unseren wiedergefundenen Freunden, aber nur bis morgen. Schon die Tatsache, dass nicht nur wir nach Hause gehen, sondern auch andere Lokale sich leeren oder schon geleert haben, zeigt, dass hier keine spanische Esskultur gepflegt wird, sonst würde es jetzt erst losgehen. Es hat immer noch 20 °C und die Sterne blinzeln vom Himmel der Sonnenküste.  

La Cala de Mijas
Beas de Granada, Camping Alto de Viñuelas