Uncategorised

5. Woche (29.03. - 04. 04. 2017)

Mittwoch, 29. März 2017

So viel Sommerzeit kann Ende März gar nicht sein, dass morgens um 4:30 Uhr die Sonne scheint oder es auch nur ein wenig hell ist; es ist also noch schwarze Nacht, als die Hallodris zur Morgenandacht bitten. 4:30 Uhr und die Bande tanzt den Pogo. Die Chefin begibt sich morgenfröhlich mit der Kindsmutter in die Küche, lässt die Schreihälse zu ihrer Mutter, die sie mit einem Morgenshake beglückt, währenddessen die Chefin die Nachterzeugnisse von elf Heranwachsenden beseitigt. Nun sind sie befriedet und zufrieden. Nach mehr ist ihnen nicht; sie waren wach und hungrig, und die Uhr können sie noch nicht lesen. Jetzt ist wieder Ruhe. Die Samariterinnen begeben sich wieder zum Vize ins Schlafgemach. Umdrehen. Eindrehen. Erst um 7:30 Uhr kommt wieder Leben in den Blues. Ausgeschlafen – was hat das wieder einmal gutgetan. Nun schreiten wir gemeinsam zur Tat und in den Tag, frisch wie der Frühlingsmorgen, der uns zwar etwas wolkig, aber mit 8° C begrüßt. "Wie der Eustas, so der Frühling", sagt der ländliche Wetterprophet. Damit verdichtet sich die Vorahnung von gestern, dass der Frühling kaum auszuhalten sein wird. Erst recht, wenn wir gleich jetzt festhalten, dass wir heute noch wolkenlose 20° C erreichen werden.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodri1Hartl vom Bairischen BluesHartl160 Gramm haben die Hallodris gestern zugelegt; das ist sehr ordentlich, aber nicht besonders ehrgeizig, für jeden eben rund 105 Gramm im Durchschnitt. Wie Durchschnittswerte zu betrachten sind, haben wir kürzlich schon erörtert. Heute haben wir es mit drei Leistungsgruppen zu tun: den Uzweihus, den Ühus und den Uhus. Die Üzweihus sind zu zweit und beanspruchen allein 360 g für sich. Es handelt sich dabei um das gelbe Duo Hetty und Hugo. Hetty reüssiert mit 190 g und übernimmt mit 2160 Gramm den 2. Platz von Hakuna. Hugo leistet sich 170 g und landet mit 2120 Gramm auf dem 4. Platz, zwei Plätze rauf. Die Ühus rekrutieren sich aus Hartl, Hallodri, Harpo und Hakuna, zusammen stehen sie für 450 g gerade. Hartl nimmt mit 120 g einen kräftigen Schluck aus der Pulle, bleibt aber mit 1960 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz. Ebenfalls 120 g meldet Harpo, den die erzuzelten 2020 Hetty vom Bairischen BluesHettyGramm aber auch nur vom 8. auf den 7. Platz tragen. Die 110 g von Hakuna bringen sie gegenüber der Kampfnascherin Hetty uns Hintertreffen: 2150 Gramm, 3. Platz. Wenn zwei sich gegenseitig die Suppe weglöffeln, kann ein Dritter ungestört fett werden: Hallodri, 110 g, 2470 gesamt und auf und davon. Bleiben die Uhus, bei denen Hias ein Fahu, ein Fasthunderter, ist: 90 g (1960) bringen ihn kein Stückchen voran, sondern mit Hartl zusammen auf den Vor-Hubsi-Platz. 70 g und 2060 gesamt lassen Halina von vier auf sechs rutschen. Hobos 60 g (2070) reichen nur noch für den 5. Hedda vom Bairischen BluesHeddaPlatz, zwei runter, während Heddas 60 g (1990) nur eine kosmetisch negative Wirkung haben: eins runter auf acht. Bleibt der Hahu (Halbhunderter) unter den Uhus, Hubsi: 50 g, 1660. Er braucht auch mal Luft zum Durchatmen, so eine Aufholjagd über acht Wochen ist ein echter Ultramarathon. Da muss man sich seine Kräfte einteilen.

Heute ist ganztägig Gartenparty. Die Hallodris genießen ihren Garten, streifen herum, lassen sich von unseren Besuchern verwöhnen, bestaunen und herzen und schlummern auf ihren Schößen den Schlaf der Weltzufriedenen. Abschnittsweise öffnen wir den Transit, damit sie lernen, mit der Wahl zwischen Drinnen und Draußen zurecht zu kommen, und sie nutzen die Möglichkeit rege, um einerseits in der Höhle nach dem Rechten zu sehen und andererseits, um uns dort ein paar unerwünschte Geschenke zu hinterlassen. Die Saubären!

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiBevor die Besucher kommen, nutzen wir aber noch schnell die Gelegenheit und das Wetter, um noch einmal eine Serie Portraits von den Hallodris zu schießen. Diesmal stehen jedoch die Vorzeichen anders herum. Damals kauerten die Hallos auf dem Bärenfell, heute hocken sie aufrecht und mit freiem Blick in die Welt im Gras und der Fotovize bäuchelt auf dem Bärenfell, damit ihm der Frühlingsboden nicht die Testikel frostet. Als Ausrede für den peinlichen Auftritt muss die Sorge herhalten, er wolle die Möglichkeit verhindern, sich in einen hallodrischen Darmwurm zu legen. Der Zweck heiligt die Mittel; die Bilder sind im Kasten und ans untergelegten Bärenfell erinnert sich morgen niemand mehr.

Mit ihrem morgendlichen Auftritt haben es die Hallodris geschafft, heute als Freigänger schlafen zu dürfen. Diesen Terror zwischen Mitternacht und Frühschicht brauchen wir nicht mehr. Der Einschluss ist für alle Zeit vorüber, die Hallos liegen herum wie die Jünger am Ölberg und das Personal hat Ruhe. Bis auf weiteres ...

 

Donerstag, 30. März 2017

Mit 5° C zieht wieder ein ausnehmend schöner Frühlingstag herauf, der den ganzen Tag keine Wolke zu Gesicht bekommt, sich nachmittags bis zu 20° C hochschwingt und nachts mit einem kühlen Kopf von 4° C schlafen legt. Und was sagt der Bauernkalender dazu? "Wie der Quirin, so der Sommer." Kurz und trocken wie dieser Tag. Leute, das kann ja was werden. Packt schon mal die Badehose aus.

Zu den Gewichten ist wirklich gar nichts Gewichtiges zu sagen. Die Gesamtaufnahme beträgt 1060 Gramm. Die Höchstaufnahme verzeichnen Hugo und Hetty mit 160 g, der Negativwert von 40 g gebührt Hubsi. Die Tabelle selbst ist dabei so ereignislos, wie wir es nicht erinnern können: Nur Hedda und Harpo tauschen die Plätze, der Rest der Tabelle liegt gerade im Tiefschlaf. Wirklich erwähnenswert ist nur, dass heute alle außer Hubsi den Vierpfünderstatus erreicht haben.

1. Hallodri (2530, +50), 2. Hetty (2320, +160, hat offenbar vor, sich diesen Platz auf lange Sicht zu reservieren), 3. Hakuna (2290, +140), 4. Hugo (2280, +160), 5. Halina (+90) und Hobo (+80), beide 2150, 7. Hedda (2130, +140), 8. Harpo (2120, +100), 9. Hias (2020, +60), 10. Hartl (2010, +50), 11. Hubsi (1700, +40). Und weiterhin bleibt die Tabelle von Platz 2 bis 10 auf 210 Gramm zusammen. Ob dahinter eine Art Schwarmintelligenz steckt?

FiannaFiannas Bar ist geöffnetDer Blues nimmt die Gelegenheit wahr, heute wieder einmal gemeinsam den Morgenspaziergang zu zelebrieren, was bei Fianna immer für besondere Freude sorgt. Dennoch zieht sie noch immer spätestens ab Mitte der gewohnten Morgenstrecke nach Hause, biegt ab, ohne sich umzusehen: Dort warten meine Kinder auf mich! Dieses Verhalten zeigt sie morgens noch stark, während sie nachmittags damit sehr entspannt umgeht. Wir lassen sie gewähren und Fianna und HugoHugo in der Mamafallefolgen ihr, die uns so weit vorantrabt, wie wir es von ihr, die uns normalerweise ständig umtänzelt, nicht gewohnt sind. Wir dürfen allerdings nicht verschweigen, dass sie den Ball mit sich trägt, hätte sie ihn nicht, würde sie uns so lange anmachen, bis wir ihn werfen, damit sie ihn nach Hause tragen kann, zu ihren Kindern, die ihn auch sofort als Geschenk in ihr Terrassenbett bekommen. Fianna ist eine großartige Mama. Jetzt öffnet sie ihnen ihre Bar, die nur noch die Reste der Saison führt, aber sie nehmen auch diese Noagerl gerne an. Und dann werden die Kleinen bespielt, herumgekugelt, geleckt und gewienert und sie bekommen immer noch den kleinen Po geputzt, was sie erkennbar nicht mehr so schätzen wie früher, weil sie schon Wichtigeres im Sinn haben. Aber Mama ist unnachgiebig: Der Arsch ist pfui, der wird geputzt. Punktum, dann packt sie ihren Racker und dreht ihn auf den Rücken, allen Widerstand zum Trotz, und macht klar Schiff.

Die TransitsperreJetzt ist der Transit bei Bedarf auch von außen zuBei 20° C verbringen die Hallodris trotz Sonnenschirm den Tag fast durchgehend im Siestamodus. So stellt man sich eine mexikanische Plaza vor: in sich ver- und gesunkene Gestalten mit hängenden Köpfen, die leise vor sich hin grunzen und greinen. Fehlen nur noch die Sombreros. Mit anderen Worten: Es ist nix los auf'm Hof des Blues. Bei einem spekulativen maximalen Action-Level von 10 erreichen die Hallodris heute Nachmittag keinesfalls mehr als 2.

Bis Hetty erwacht, die Glieder streckt und auf große Taten aus ist. Doch ohne Publikum ist Helden- und Hexentum eine blutleere Kunstform. Was ist zu tun, wenn alles schläft und nur Hetty wacht? Man holt erst Mal Rat beim Chef, der eigentlich nur Vize ist, aber in Abwesenheit der Chefin aufrücken darf, nein: muss. Wer denn sonst? Sie holt sich zunächst Kraft durch eine Schmuseeinheit. Dann ist es genug. Kraft getankt, den Kopfvoller Flausen, lungert sie zu ihrer Mama, die sie gleich mal auf den Kopf stellt und nachsieht, ob sie heute schon geduscht hat. Hat sie nicht, also wird das nachgeholt. Hetty steht aber der Sinn nicht nach Körperhygiene, sie könnte sich gut die Wiederholung der doppelten Kokslinie vorstellen und geht nun ihrerseits Mama an die Wäsche, was zu einer weiteren, jedoch komplett anders gearteten Abreibung führt. Jetzt muss die schwarze Ratte herhalten, die neulich schon von Hakuna ihr Fett abbekommen hat, was die Ratte nachträglich als Wellness-Urlaub gegenüber jenem, was ihr Hetty zufügt, interpretieren würde. Eine tote Ratte ist eine tote Ratte und so lustig wie ein Ostfriesenwitz von Heino. Da erinnert sie sich ihrer Geschwister. Wozu schlägt man sich den ganzen Tag mit der Bande herum, wenn sie zu nichts taugt. Aus den Federn, Leute! Der erste, der unsanft aus den Träumen gerissen wird, ist Hallodri, der allerdings sofort Feuer und Flamme ist, dann ist Hobo dran, der sich allerdings erst noch die Farben im Gesicht nachziehen muss, weil man so verknittert und ungeschminkt nicht aus dem Bett steigt. Das Trio Infernal streicht nun durch die Schlafstellen und kickt alle ins Leben zurück, bis der ganze hallodrinische Pulk wie eine Horde besoffener Landsknechte durch den Garten marodiert, pöbelt und sich gegenseitig das Fell poliert. Nette Gesellschaft, der Fianna da das Leben geschenkt hat, sehr feine Gesellschaft. Aber der Vize kann sich mit seiner Kamera zurückziehen und bekommt wenigstens einige verwertbare Schnappschüsse.

Damit die Hallodris auch morgen noch bei Kräften sind, bekommen sie abends wieder Hackfleisch, was bei der Chefin eher weniger helfen dürfte; sie beginnt nämlich zu schwächeln und zu kränkeln. Es pfeift der Magen, zwickt der Darm, da steh'n die Zeichen auf Alarm. Wenn man sich ein Horrorszenario für die Welpenzeit ausmalen will, muss man sich eine Virusinfektion beim Personals vorstellen. Es sieht so aus, als sollten wir in diesen zweifelhaften Genuss kommen.

 

Freitag, 31. März 2017

Und wär der Morgen noch so schön,

Der Tag so nackt wie Venus,

Ist er nicht leicht zu überstehn

Mit einem Virus plenus.

Der Leidgeprüften Blick so bleich,

Doch hitzig wie 'ne Esse,

Die Glieder schüttelfrostig weich

Mit grünlicher Noblesse.

Die Chefin ist krank. Die Chefin gibt alles. Wieder her. Heraus. Von sich. Nur gelegentlich gesellt sie sich zu den Aktiven des Bairischen Blues. Ein Gespenst mit fließenden Gliedmaßen. Ein entleertes Menschenbeutelchen, ausgeräumt eher als aufgeräumt.

Der Co-Pilot muss ans Steuer. Co-Pa übernehmen Sie!

Morgens hat es 0° C, wenig weniger als das, was die Chefin in ihrem hitzig frierenden Frostkörper fühlt. Wolkenlos beginnt der letzte Tag des Lenzings, schwingt sich auf zu wolkenlosen 20° C und sinkt mit 4° C in den Gliedern nieder. "Wie der Achaz, so der Herbst." Demnach, liebe Freunde, werden wir nicht nur einen astreinen Sommer erleben, sondern uns auch noch auf einen güldenen Herbst freuen dürfen. Das wird das Jahr der Jahre. Erinnert euch an das Orakel vom Mangfalltal! Auch die Chefin wird sich bald über eine Vitamin-D-Produktion freuen dürfen, die ihr alle Leiden des heutigen Tages aus der Erinnerung pusten wird.

Fianna mit ihren WelpenDer Vize hat allerdings im Moment wenig Sinn für das Wettergeschehen im Herbst, aktuell hat er sich um seine Schutzbefohlenen zu kümmern, was andererseits auch bedeutet, dass alle anderen Räder derzeit stillstehen: Bildermangel, Chronikstopp. Die Morgenroutine, so viel muss gesagt und gewürdigt werden, leistet die Chefin noch ab, aber dann gehen ihr die Körner aus. Die Hallodris nehmen darauf keine Rücksicht. Schon vor den anderen stehen Hias und Hetty im Garten und singen "Im Frühtau zu Berge" und lassen die Sau raus, während der Rest der Bande Hobo vom Bairischen BluesHobossich noch den Schlaf aus den Augen reibt. Doch lange hält das nicht an, dann sind sie alle im vollen Betriebsmodus, was den Vize zu ausgedehnten Wanderungen durchs Paradies zwingt, bewaffnet mit Eimerchen und Schaufel, um die zweite Auflage des heutigen Tages zu entsorgen (die erste wurde schon indoors von der Chefin beseitigt). Sein Tun wird freudig umtanzt und besungen von den Hallodris, alle jederzeit bereit, ihm die Schaufel zu entwenden, nicht, um ihm die Arbeit abzunehmen, sondern um ihn zu entwaffnen. Solches Tun macht aus fein und bestens zur Aufnahme gesetzten Häuflein in den Rasen getretene Fladen, die ein verhängnisvoll langes Verharren und Scharren am selben Fleck erzwingen. Zudem ist niemand zugegen, dem er diese Enfants terribles auch nur für kurze Zeit übergeben könnte, die schön langsam auf den Geschmack gekommen sind und wissen, wie sie ihr Waffenarsenal einsetzen müssen, um sich maximalen Spaß zu bescheren. Die Fersen des sich mit Schaufel und Eimerchen kniebeugenden Vize sind ihre bevorzugten Ziele, zumal der beim Sammeln gekniffene Vize dabei so leidenschaftlich spitze Flüche ausstößt, dass sie nichts anderes als eine Aufforderung zur Wiederholung darstellen können. Der links gedrehte Klammergriff, so hat es sich bei den Jägern herumgesprochen, erfreut sich beim Sammler besonderer Beliebtheit. All dies muss der Vize schon vor dem Frühstück bewältigen, das sowieso in weite Ferne gerückt ist.

Werfen wir noch einen Blick auf die Kalorienstatistik, bevor wir diesem Märztag adieu sagen.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi hat sich wieder einmal lobenswert hervorgetan: 200 g dürfen wir ihm ins Büchlein schreiben und die tragen ihm neben 1900 Gramm weiterhin den letzten Platz ein. Langsam zweifelt der Chronist, ob seine optimistischen Prognosen bezüglich des kleinen Schelms noch umsetzbar sind. Ganz oben, auch da verraten wir kein Geheimnis, macht einer, was er will, vor allem fette Beute: 170 g tragen ihn auf 2700 Gramm und auf und davon. 280 g beträgt der Abstand auf den 2. Platz, deutlich mehr als zwischen ihm und dem 10. Platz. Der Besitzer dieses Hakuna vom Bairischen BluesHakunaStatthalterpostens ist seit heute Hugo, der sich mit 140 g an Hakuna und Hetty vorbei schob (2420). Hetty und Hakuna hatten gestern einen eher uninspirierten Tag. Hetty meldet nur 50 g (2370, 3. Platz) und Hakuna 70 g (2360, 4.Platz). Durch die schwache Performance der beiden Dämchen kann Hobo mit immerhin 210 g zu Hakuna aufschließen und mit ihr das Treppchen teilen. Halina kommt mit 170 g mehr zur Registratur (2320, 6. Platz) und verteidigt zäh ihren Platz im Mittelfeld. 180 g sogar kann Harpo für sich beanspruchen (2300, 7. Platz) und bleibt seinen Vorderleuten auf den Fersen. Hartl raffte sich einmal richtig auf und lieferte den Strike des Tages: 220 g. Das bringt ihn mit 2230 Gramm vom vorletzten auf den 8. Platz. Ja, da darf man auch mal applaudieren, 220 g sind eine Ansage und Willensleistung. 10 g nur fehlen Hedda auf Hartl: 90 g plus ergeben für sie 2220 Gramm und Platz 9. Der Wanderpokal für die Vor-Hubsis geht heute an Hias, der trotz 160 g plus ausgerutscht ist und nun ebenso 280 g nach unten zu Hubsi hat wie Hugo oben zu Hallodri; Zahlenrabulistik nach Hallodri-Art.

Schöner März, du hast es eigentlich nicht verdient, so hinauskomplimentiert zu werden, aber der Chronist und Vize ist heute einfach platt und will keine Dankesreden mehr halten. Nur so viel: Du hast unseren Hallodris gutgetan und dich um sie verdient gemacht.

 

Samstag, 1. April 2017

Willkommen, lieber Ostermond. Zum 1. April fällt den bäuerlichen Regelkundlern nicht viel mehr als unverbindliches Gemurmel ein: "Den 1. April musst überstehn, dann kann dir manch Gut`s geschehn." Schwer vorstellbar, was einem Gutes oder auch Schlechtes widerfahren soll, wenn man diesen Tag nicht übersteht. "Säen am 1. April, verdirbt den Bauern mit Stumpf und Stiel." Hierbei scheint es sich eher um ein agrikulturelles No-Go zu handeln, denn um Hugo vom Bairischen BluesHugoeine inhaltlich nachvollziehbare Anweisung. Warum ein Bauer heute bei bis zu 22° C nicht säen sollte, dies am 31. März und am 2. April aber erlaubt wäre, erschließt sich dem der Scholle entfremdeten Chronisten nicht. Wahrscheinlich ist die Anweisung so zeitgemäß wie das frühere Verbot für menstruierende Frauen, sich die Haare zu waschen. Heute jedenfalls begrüßen wir den April recht herzlich, viel Sonne hat er im Gepäck, nachmittags auch gewittrige Wolkensäcke, die er aber nicht bei uns stehen lässt, sondern mitnimmt. Immerhin deutet er schon mal an, was in ihm (und nicht nur in den Säcken) stecken kann, nämlich die berühmt-berüchtigte Charakterstudie: April, April macht, was er will. Das werden wir abwarten und gegebenenfalls angemessen würdigen.

Die Speckrollen-Rallye kommt jetzt jedenfalls richtig ins Rollen. Heute sind es 1760 Gramm, die wir mehr verzeichnen können, und Ergebnisse unter 100 sind für Hartl reserviert. Der traut sich doch tatsächlich 80 g anzumelden und grinst dabei noch. Die erwirtschafteten 2310 Gramm lassen ihn wieder einen Platz nach unten rutschen: Platz 9. 110 g verbuchen wir für Hubsi und Hobo. Für Hubsi bewegt sich das Hamsterrad immer auf der gleichen Welle, nämlich auf der letzten, ganz unten, denn 2010 Gramm reichen eben nicht zum Vorrücken. Aber: Hubsi – Tärätärä – hat die Zwei-Kilo-Hürde gestraddelt. Glückwunsch, kleiner Kämpfer. Hobos 110 g bringen ihn auf 2470 Gramm und auf den zentralen 6. Platz, nach allen Seiten offen, obwohl seine gesamte Erscheinung eher den Weg nach oben andeutet. Hias müht sich rechtschaffen und polstert sich mit 120 g auf, was aber auch ihm nicht recht viel mehr Vortrieb bringt als Hubsi: Vor-Hubsi-Platz Halina vom Bairischen BluesHalinabestätigt, 2300 Gramm. Nur 10 g mehr und er hätte seinen erstgeborenen Bruder wieder nach hinten durchgereicht. Ausgerechnet die beiden Ersten profilieren sich als Spargeltarzans. Hallodri macht nur noch, was nötig ist, kontrolliert das Feld von vorne, jederzeit in der Lage, ein paar Scheite draufzulegen. Für ihn sind es heute 130 g, das macht 2830 Gramm und einen solitären Platz weit vorne in der Sonne. Harpo gibt mit 160 g das unscheinbare Mittelmaß oder, wie Bob Dylan es einmal nannte, den grey flannel dwarf. 160 g sieht nicht schlecht aus, reicht aber nur zu 2460 Gramm und den 8. Platz. Wer jetzt meint, 150 g Auflastung wäre eine respektable Leistung, hat die Zeichen der Zeit verkannt und wird durchgereicht. Mittelmaß wird jetzt mit Unterrang bestraft. Gottlob ist Harpo nur körperlich unteres Mittelmaß, in der Birne brilliert er und sprüht vor Leben. Was sich ja bekanntlich noch nie widersprochen hat. Achtet auf die Kleinen, mahnte der Chronist schon einmal. Halina lässt sich heute mit 180 g registrieren (2500), was ihre Überläuferposition im unteren Teil der oberen Hälfte bestätigt (Platz 5). Da die aussichtsreichen Plätze hinter Hallodri von ehrgeizigen Kampfstoffwechslern besetzt sind, lassen Hettys 190 g sie sogar mit 2560 Gramm um einen Platz auf den 4. Platz abrutschen. Die Luft ist dünn da oben und mit Stoffwechselgasen kontaminiert. Weiter oben reichen Hugo die gleichen 190 g, um ihm mit 2610 Gramm den 2. Platz zu sichern. Dass sich Hakuna der Welt nur ungern von hinten zuwendet, ist uns nicht verborgen geblieben, und so verwundert es nicht, dass sie keinen Ellenbogen ungenutzt ließ, um nach oben zu kommen. Das Ergebnis sind 240 g, gesamt 2600 Gramm, 3. Platz und an Hetty wieder vorbei. Wie schwer es ist, die geschlossenen Linien der oberen Platzhirsche zu durchbrechen, muss Hedda erfahren: 250 g zeugen von vitaler Kampfkraft, führen aber nur zu 2470 Gramm, gleichauf mit Hobo (Platz 6).

Die Chefin ist immer noch angeschlagen, aber sie hat gestern alles getan, um dem Virus seinen Stachel zu nehmen, denn heute ist ein wichtiger Tag. Gundel und Girgl aus dem G-Schwader wollen in Nürnberg ihre Jugendbeurteilung irgl vom Bairischen BluesGirgl(JB) Gundel vom Bairischen BluesGundelablegen, und da will, ja: muss der Blues anwesend sein, Mut zusprechen und die Daumen drücken. Das Fieber ist schon mal weg. Die Beine sind noch schwer und die Eingeweide noch nicht wieder konform mit den Vorstellungen der Chefin. Aber es geht, es lässt sich einrichten, weil es gehen soll und gehen muss. Wir werden derweil von Annemarie und Hermann, den Doosie-Hinterbliebenen, mit Herz, Hand und Verstand vertreten. Die JB läuft nach Wunsch, Gundel und Girgl bestehen und machen ihre Leute von Herzen glücklich. Uns selbstredend auch. Herzlichen Glückwunsch, Gundel, Girgl, Andrea, Hugo und Gerda! Prima gemacht.

Gundel nutzt die Gelegenheit und kommt nach ihrer Prüfung noch ins Mangfalltal, um ihre Halbgeschwister zu besuchen. Darüber freuen wir uns und die Hallodris, die immer für einen neuen Spielpartner dankbar sind. Der Virus sinnt jedoch auf Rache und will den respektlosen Versuch, sich seiner vorzeitig zu entledigen, nicht unbeantwortet lassen. Das Imperium schlägt zurück und die Chefin wieder in die Horizontale.

Das Wetter bezieht sich nachmittags, wie schon angedeutet, und die Luft wird schwer und schwül, aber es bleibt trocken. Und abends verziehen sich die Wolkensäcke wieder und geben den Blick in die Sterne frei.

Hartl vom Bairischen BluesHartlDieser erste etwas dampfige Tag dieses Jahres bringt Leben in jene Biester, die man am liebsten entleibt sieht: die Zecken. Und Hartl, der grinsende Spargel, fängt sich doch tatsächlich den ersten des Jahres und der Hallodris über dem rechten Augenlid. Immerhin ist er in dieser Hinsicht ganz vorne. Mit Mühe kriegt der als feinmotorischer Manikürer bewährte Vize das winzige Mistvieh aus dem zappelnden und sich heftig beschwerenden Hartl heraus. Wenn es einen Schöpfergott gibt: Wozu hat er Zecken geschöpft?

Zecken im April sind ohne Wenn und Aber überflüssig. Und eine Welpenkiste für Welpen, die nicht mehr in ihr schlafen ist ebenso überflüssig, auch weil sie sehr schnell im Wortsinn überflüssig wird: Welpen, die sie nicht mehr als Schlafstatt wahrnehemen, nutzen sie gerne als Toilette. Annemarie und Hermann bauen sie für uns ab. Dafür danken wir ganz sakrisch. Nun sind unsere Hallodris obdachlos und müssen ab sofort unbehaust nächtigen.

Und das tun sie ohne einen Laut der Klage, nehmen die fehlende Schnullerbox eigentlich gar nicht zur Kenntnis. Ihre Welt ist jetzt die Küche und das Paradies. Wer braucht da einen Bretterverschlag?

Die Chefin führt derweil einen gastralen und abdominalen Kleinkrieg mit dem Virus, der sich nicht kleinkriegen lässt. Das sieht nach einem weiteren Fronttag für den Vize aus. Aber wenigstens geht es Gundel und Girgl gut. Und natürlich den Hallodris und ihrer Mutter. Was aber, wenn der Noro neue Opfer sucht?

 

Sonntag, 2. April 2017

"Bringt Rosamund Sturm und Wind, so ist Sybille (29. April) uns gelind." "Sturm und Wind an Rosamunde, bringt dem Bauern gute Kunde." Was sich am 29. April wettertechnisch über uns zusammenbraut, ist uns derzeit herzlich egal; da sind die Hallodris aus dem Haus und dann kann unseretwegen auch die Sintflut kommen oder gerne auch ein samtweicher Samstag. Wurscht. Heute ist kein Sturm und auch kein Wind, sondern freundlich sonniges Frühlingswetter bei schon 7° C morgens. Später schaut uns die Sonne durch eine Milchglasscheibe an; aber mehr, als dass sie sich zum Ende hin bedeckt hält, können wir der Rosamunde nicht nachsagen. Der Bauer wird sich also die Haare raufen und wir uns einen Merker auf den 29. April setzen, um zu sehen, was die unstürmische Rosamunde angestellt hat.

Die Chefin ist mehrheitlich noch immer im Horizontalmodus mit gelegentlichen Aufständen, um zu sehen, ob der Vize die Lage noch im Griff hat. Hat er offenbar. Abgang Chefin. Sie bittet ihren Leibarzt um Hilfe, die er ihr auch gewährt, vor allem aber schreibt er sie krank. Keine Experimente mit der Schule und der Gesundheit. Bis Mittwoch ist die Chefin nun an die Hallodris gefesselt.

Halina vom Bairischen BluesHalinaZur Bereicherung des Welpenparadieses spenden wir den Hallodris heute einen Sack voller leerer Actimel-Fläschchen in einem umgedrehten Eimerdeckel, die unsere Kinder seit dem ersten Wurf begleiten und immer viel Freude auslösen. Nicht so sehr beim Personal, weil sie nicht nur binnen weniger Minuten im ganzen Garten verstreut sind, sondern manchmal noch nach Monaten Hugo vom Bairischen BluesHugounter irgendeinem Gartengewächs herauslugen. Wenn wir wenigstens auf diese Weise das Geheimnis der Actimel-Zucht gelüftet hätten; aber nichts da: Es bleibt einfach nur Plastikmüll unterm Rhodo und hinter der Berberitze. Wie sie dorthin über die Sperrgitter gekommen sind, bleibt das Geheimnis unserer Kinder.

Fianna glaubt nicht an die Vorzüge von Actimel, schon gar nicht, wenn die Fläschchen seit Generationen leer sind, deshalb zieht sie die eigene Milchbar für ihre Kinder vor, deren Produkt deshalb logischerweise Vorzugsmilch heißt. Man lernt eben nicht aus, wenn man sich beim Blues informiert. Ja, Fianna Hedda vom Bairischen BluesHeddasäugt noch immer, spärlich und mit großen Nachfülllücken, aber sie stellt sich hin und reicht den Hallodris ihre Schnuller. Es ist das Mamaprogramm, das sie abruft, das sie beherrscht, das ihr den Tagesablauf diktiert. Sie gehorcht dem Trieb, nicht dem eigenen Füllstand. Und noch immer putzt sie ihren Kindern die nun schon kräftig herangewachsenen Popos, massiert ihnen die Bäuchlein und putzt sogar noch die Teiche weg, wenn sie wieder einmal die Küche als Pissoir missbrauchen, anstatt sich als Wildpinkler zu üben.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriMöglicherweise erkennt Fianna die Notwendigkeit der mütterlichen Zufütterung bei der Lektüre der Gewichtstabelle. Die lässt heute keinerlei Drang nach Höherem erkennen, außer bei – Hallodri. Diese Fressmaschine scheint den Rest der Belegschaft zu demotivieren und in Schockstarre zu versetzen. Was bewegt jemand, der mit 220 g Vorsprung die Tagesetappe angeht, den anderen mit 260 g den Rahm von der Milch zu schlürfen? Wo tut der das hin? Dieser Hallodri ist alles, nur nicht fett, nicht feist, nicht wabbelig, eigentlich sieht Hakuna vom Bairischen BluesHakunaman ihm sein Gewicht gar nicht an. Immer wieder stehen Besucher in unserem Garten und suchen nach einem Berggorilla, finden keinen und fragen dann: Welcher ist der Hallodri? Und wenn wir mit der Fingerspitze auf ihn deuten, ist die Enttäuschung oft genug in die Gesichter gemalt. Der da? Der ist ja gar nicht größer. Richtig, jedenfalls nicht so viel, dass man ihm seinen Appetit ansieht. Der Versuch von bekennenden Hallodri-Followern, das Mehrgewicht in seiner Hirnbüchse zu lokalisieren (außergewöhnliches Hirnwachstum), ist durchsichtig und geht ins Leere; dort ist nicht mehr als bei den anderen auch.

Also machen wir es kurz und benennen die Eckdaten des 2. April. Hallodri 260 g, 3090 Gramm gesamt, damit der erste Sechspfünder, was nun auch niemand überraschen dürfte. Ach ja: Platz 1. Ansonsten beschränkt sich das Beamtenmikado darauf, dass Hedda und Harpo sowie Hartl und Hias wieder mal die Plätze getauscht haben.

1. Hallodri (3090, +260), 2. Hugo (2750, +140), 3. Hakuna (+70) und Hetty (+110), beide 2670, 5. Halina (2580, +80), 6. Hobo (2570, +100), 7. Harpo (2550, +90), 8. Hedda (2490, +20), 9. Hias (2460, +160!), 10. Hartl (2450, +140!), 11. Hubsi (2150, +140).

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiNun bekommt auch der Vize weiche Knie und seltsame Geräusche im Bauch. Das einzige was jetzt zu tun bleibt, ist die Hände vor jedem Welpenkontakt zu desinfizieren. Auch wenn die Knie weich werden, sollte das Hirn die Übersicht behalten. Vielleicht ist ja die Sache mit dem Wind und Sturm der Rosamunde ganz anders zu interpretieren. Jedenfalls fühlt der Vize schon so eine Art Wind und Sturm in den Gedärmen. Aber wenn's den Bauern hilft...

 

Montag, 3. April 2017

Der Vize ist krank und die Chefin noch nicht wieder gesund. Was dem Vize fehlt ist das Fieber, aber die Knochen hängen ihm als schwere Last im Leib. Den Tag verbringt er schlafend oder mit dem Versuch, die Chronik voranzutreiben, was zum Scheitern verurteilt ist. Irgendwie kommt ihm sein Zustand vor wie das Wetter: wolkig, bewölkt, bedeckt, auch mal etwas Sonne, dabei wohltemperiert bis zu 18° C. Bisher durften sich die Hallodris über ein unfassbar schönes Freilandwetter freuen, Frischluft und Sonne ohne Ende. Das kann naturgemäß so nicht weitergehen, selbst wenn uns die Bauernregeln das Azurblaue vom Himmel herab lügen. Man muss zufrieden sein mit dem, was man hat, und damit können wir bisher mehr als zufrieden sein.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDie Hallodris sehen das offenbar ebenso, jedenfalls eine kleine Schnittmenge der Hallodris. Als nämlich die Chefin mit ihrer Fianna den Morgenspaziergang mit Unterordnung zelebriert und den Vize noch tiefschläfrig im Bett wähnt, lässt sie die Knirpse in der Küche und im Transit und die Terrassentür verschlossen, damit sie nicht längere Zeit unbeaufsichtigt draußen sind. Für Hobo und Halina ist das inakzeptabel, weil sie es inzwischen gewohnt sind, ihren Tag im Freien zu verbringen; geschlagene 20 Minuten krakeelen die beiden an der Terrassentür und treiben den Gutmut des Vizes, der nicht im Bett ist, sondern sich über seine Chronik beugt, zum Unmut. Dieses exzessive Einklagen eines vermeintlichen Rechts ist ihm nicht unbekannt, aber immer wieder geeignet, ihn seine durchaus passable Kleinbürgerkinderstube vergessen zu lassen. Er belässt es jedoch, wie in all den Jahren, dabei, das Dezibel-Duo in die Küche zu schaffen, den Transit zu verrammeln und sich wieder aus dem Staub zu machen. Und siehe da: Siehst du nichts, lohnt sich nichts. Garten aus den Augen, Garten aus dem Sinn. Wie oft hat er seiner Chefin schon höflich vorgetragen, die Freischärler nicht in den Bellevue-Transit zu lassen und ihnen das Maul wässrig zu machen?

Heute ist Fianna eher ungnädig, was die Milchversorgung angeht, möglicherweise haben sich ein paar ihrer Kinder eindrücklich in Erinnerung gebracht. Jedenfalls hält sie sich heute ihren höchst persönlichen Lebensbereich von den Hetty vom Bairischen BluesHetty mit KnabberstangenSchmarotzern frei. Vom Fleisch fallen sie deshalb nicht. Die Chefin bietet ihnen heute einige jener sehr weichen Kaustangen an, die sie mit Genuss zerwirken und sich gegenseitig abjagen. Aber natürlich ist die Mutter die skrupellosester Jägerin, die nur unwillig und eher uneinsichtig von ihrem Mundraub ablässt. Zudem gibt es heute erstmals gewöhnliches Rinderkopffleisch, damit die kleinen Herrschaften in Zukunft nicht unangemessene Ansprüche stellen oder gar auf silbernes Besteck bestehen.

Am frühen Abend wollen wir sehen, was das jugendliche Raubzeug mit Fleisch am Knochen anstellt und geben ihnen frische Schafrippchen. Zwei davon legen wir für sie aus, damit sie sich daran üben können, Fianna geben wir einen zähen Zwerchlappen als Abendmahlzeit. Sie hat allerdings einen anderen Plan: Ihr sind die zwei dünnen Rippchen lieber und genug, dafür gibt sie das Gummiteil ihren Kindern. Die stürzen sich darauf wie die Geier auf Fleischlichesden toten Büffel und zerren es und sich gegenseitig im ganzen Garten herum. Immer wieder hat einer Erfolg, weil es ihm gelingt, einen winzigen Fetzen herauszureißen. Und weg ist er/sie. Die anderen beharken sich weiter, keifen und krakeelen bis sie die Kraft verlässt. Bevor sie wieder zu Kräften kommen und von vorne beginnen, nehmen wir ihnen die Reste weg, damit sie das Gummizeug in ihrer Gier nicht noch im Ganzen verschlingen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir ein ganzes Stück Pansen oder Ähnliches wieder aus dem Hund und dessen Magen hervorgezogen hätten. Ohne Aufsicht geht bei dieser Übung gar nichts. Auffällig ist, dass Hobo dabei fehlt. Offenbar war es ihm gelungen, sich gleich zu Beginn einen größeren Fetzen zu sichern und damit in der hintersten Gartenecke zu verschwinden und ohne das Gekeife und Gezerre seiner Geschwister seine Beute zu verspeisen. Wir erleben heute die zwei Seiten eines Hundes en Miniature: Das Raubtier, das um jedes Fitzelchen Beute zu kämpfen und zu streiten bereit ist und den gelassenen Beutesicherer, der im Tarnanzug in der Ecke sitzt und genießt. Unsere Hallodris, daran besteht kein Zweifel, sind bereits richtige Raubtiere. Beutegreifer. Da können sie noch so treu schauen und die Herzen zu Tränen rühren. Die gesicherten Reste des Zwerchs geben wir Fianna, die nun damit einverstanden ist, wohl auch ihre Freude an den Kindern hatte und es nun als kalorienarme Mahlzeit akzeptiert.

Hias vom Bairischen BluesHias wird entwurmtBei all dem Vergnügen, müssen wir auch an die Pflichten und unsere Verantwortung denken: Entwurmung II, 1. Teil. Alle müssen sie auf den Schoß und den weißen Schlonz schlucken. Alle mache das mit großer Gelassenheit. Wir sind stolz. Auch die Mutter muss mitmachen, damit sie ihre Kinder nicht gleich wieder anstecken kann und unsere Mühen ad absurdum führt.

Wer jetzt das Gefühl hat, dass ihm etwas fehlt, sich also eine Art Unzufriedenheit und undefinierbarer Entzug ausbreitet, den erlösen wir jetzt mit der Gewichtstabelle. 1470 Gramm stehen heute im Goldenen Buch des Blues.

1. Hallodri (3180, +90), 2. Hetty (2840, +170, zwei rauf), 3. Hugo (2800, +50, eins runter), 4. Hobo (2780, +210, zwei rauf), 5. Hakuna (2770, +100, zwei runter), 6. Halina (2710, +130, eins runter), 7. Hedda (2700, +210, eins rauf), 8. Harpo (2640, + 90, eins runter), 9. Hias (+140) und Hartl (+150) im Parallelschwung mit 2600 auf dem Vor-Hubsi-Platz, 11. Hubsi (2280, +130).

 

 Dienstag, 4. April 2017

"Ist Ambrosius schön und rein, wird St. Florian (4.Mai) milder sein." Schön und rein ist Ambrosius mitnichten, es sei denn, Regen schlüge man der Reinheit zu. Es ist nämlich ein entsetzlich trüber, trister Regentag. Kalt ist er nicht, ganztägig um 8° C herum, also muss der Bauer nichts befürchten, denn: "Der heilige Ambrosius, schneit oft dem Bauern auf den Fuß." So weit kommt es heute nicht, aber der Frühling macht definitiv Pause.

Das BällezeltDer BälledomDer tristen Außenwelt setzt die Chefin eine kunterbunte Smarties-Welt entgegen: ein Indoor-Bällebad mit Zeltdom. Das hatten die Blues Brothers und Sisters noch nie, das ist eine Hallodri-Premiere. Sogar Fianna ist davon so angetan, dass sie sich unverzüglich in die kunterbunte Höhle stellt und die Kinder zu einem Morgen-Shake einlädt. Die lassen sich das natürlich nicht entgehen, was zu dem führt, was der Seefahrer Wuhling nennt, ein Kuddelmuddel eben. Aber diese Höhle treibt den Milchfluss offenbar in die Höhe und regt die Mamalaune an.

Damit die Erlebniswelt der Hallodris eine grenzenlose sei, liefert Alexandra, die Hospitantin, nachmittags einen handgeschöpften, also selbst produzierten, Erlebnistunnel aus Karton, der die Der Fun-Tunnel... und von innenDer Fun-TunnelDer Fun-Tunnel von außenNamen aller Hallodris und ihrer Eltern trägt. Was die Knirpse insbesondere fasziniert, sind die ins Innere des Tunnels hängenden bunten Fäden; die können sie nicht leiden, die müssen weg. Und zwar sofort. Wie die Besessenen stürzen sie sich auf die Wollfäden, um sie herauszuziehen und zu entsorgen. Vielleicht wollen sie sich damit auch ein Nest bauen, weil sie bei uns auf harten Bänken schlafen müssen. Wir jedenfalls haben alle Hände voll zu tun, ihnen die Fäden abzunehmen, weil verschluckte Wollfäden nicht zum Futterplan gehören.

hetty 1 0404 kHettyDieser graue Tag ist für die Hallodris alles andere als grau: Ein neues Bällebad und eine Adventure Tube, dazu meist in der Küche, in der sich heute das meiste abspielt und man ganz nahe an den Ereignissen dran ist. Da wäre zum Beispiel die Futterzubereitung. Die Hallodris haben inzwischen eine höllisch feine Nase und kennen die für sie bestimmten Düfte genau; kaum wird das Trockenfutter vorbereitet, tobt der ganze Haufen um die Die Futterbatterie... und zum EndeDie FutterbatterieDie Futterbatterie zu Beginn des DinnersKüchenzeile herum und randaliert: Die wissen, was los ist. Und zwar riechen sie das Trofu schon, wenn es noch gar nicht eingeweicht ist. Um sie ein wenig auszubremsen, bereiten wir für sie nachmittags gekochtes Hühnchen mit Milchreis zu. Das kennen sie noch nicht. Da bleiben sie ganz unbeteiligt. Und auch die Futterbatterie kennen sie noch nicht wie die Futterringe, auf die sie auch schon routiniert reagieren. Und dann stehen sie vor ihren ziemlich tiefen Schüsseln der Batterie und schlabbern, was das Zeug hält. Bis die Grundordnung dann doch langsam verloren und alles drunter und drüber geht.

Fianna und HakunaLeibesvisitation bei HakunaWir haben nicht den Eindruck, dass ihnen der graue Tag den Tag versaut; die Hallodris liegen kreuz und quer in der Küche und im Transit, wenn sie Laune haben auch draußen in ihrem Bett im Trockenen und verratzen die Zeit. Die übrige Zeit verbringen sie damit, uns in die Beine zu zwicken, in die Küche zu häufeln und ins neue Bällezelt zu pinkeln. Bälle vor die Säue werfen ist auch eine der Kernkompetenzen des Bairischen Blues.

Aber wir können uns doch ein klein wenig revanchieren: mit dem zweiten Teil der zweiten Entwurmung. Eindruck machen wir damit nicht.

Um den wachsenden Emotionen nicht allzu viel Raum zu geben, schließen wir die fünfte Woche geschäftsmäßig mit der Bilanzpressekonferenz.

Hallodri (3290, +110). Hugos Aktien steigen, heute auf glatte 3000 Gramm, 2. Platz (+200). Hetty, vergleichsweise schwach mit 100 g, gibt den 2. Platz an Hugo ab (2940). Hobo zeigt sich stabil und verlässlich mit Trend nach oben (2930, +150). Hakuna bleibt auf Tuchfühlung mit unsicherer Prognose (2900, +130). Hedda uneinheitlich, in der Tabellenmitte lavierend (2840, +140). Halina, dito (2800, +90). Hartl zeigt sich stark verbessert (2790, +190). Hias, unentschlossen (2730, +130). Harpo ist in der augenblicklichen Position eine heiße Kaufoption (2720, +80). Hubsi nährt Träume auf ein Happy End (2370, +90).

Zwei Wochen noch bis Buffalo...

 

6. Woche (05.04. - 11. 04. 2017)

Mittwoch, 5. April 2017

 

Es liegt eine unheimliche Stille über dem Anwesen des Blues. Der Vize traut seinen Ohren nicht: nichts! Stille! Es bedrückt ihn im Bett die Frage, ob die vor wenigen Tagen erfolgte Zustellung eines Werbebriefs der Firma Amplifon (Hörgeräte) doch kein auf sein Alter gezielter Affront, sondern schiere Vorsehung war. Lässt ihn sein bislang noch alltagstaugliches Gehör im Stich? 6 Uhr und die Hallodris liegen offenbar in süßer Ruh. Oder sind sie etwa der eigenen Giftgasproduktion erlegen; Sumpfgas liegt bekanntlich schwer am Boden und die Hallodris tun dies auch. Während die Zeit mit Denken und Grübeln verstreicht, dabei die Frage Überhand gewinnt, ob es zuträglicher ist abzuwarten oder nach dem Rechten zu sehen, übersieht der Vize, dass er eigentlich auch aufstehen könnte, denn der Schlaf ist ihm bereits abhanden gekommen. Doch er liegt ähnlich schwer wie Sumpfgas in den Federn. Um 6:30 Uhr rumort es dann doch unter ihnen, und zwar erwächst dem sphärischen Schweigen binnen Sekunden akustischer Hochdruck, begleitet von Geräuschen, die vermuten lassen, dass dort unten Polka getanzt wird. Welch ein Glück. Ruhe bis 6:30 Uhr, aber es lebt noch, was da kreischt. Wie bescheiden man geworden ist. Wie glücklich man über eine Stunde mehr Schlaf sein kann. Das Glück der Chefin geht durch die Decke, als sie nur fünf, kaum der Erwähnung werte, Häuflein zählt. Also nix wie raus mit der Bande, Milchspeise in die Ringe und ab. Nach dem Frühstück zieht die zu erwartende Darmol-Prozession durch den Garten, die Hallodris vorneweg, die Chefin mit Eimerchen und Schaufel hinterher. Und dann kuscheln sich die von jeglicher Last Befreiten in ihr Terrassenbett und verlängern die Nacht auf unbestimmte Zeit. Viel versäumen sie heute auch nicht, denn der Himmel hängt sein Wasserbett schwer über die Köpfe der Hallodris: Es ist Waschküche bei 5° C. Also Augen zu und durch.

Die von der Chefin eingesammelte Speisekarte von gestern ist etwas dünner als die letzten Tage, was daran liegen wird, dass die Hallodris gestern erstmals Gekochtes kredenzt bekamen. Wir werden diese Erfahrung noch häufiger machen, weil sich der Darm auf die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Speisen einstellen muss. Ein Welpendarm ist kein Tausendsassa, der schon bei Geburt alles kann; er muss erst lernen, mit allem fertig zu werden, was ihm geliefert wird. Und diese Vorgänge verändern kurzfristig den Zustand der Endprodukte. Wir machen das gerne, weil wir, soweit es in unserer Macht liegt, Hunde übergeben wollen, die mit ihrer zukünftigen Futterwelt im Reinen sind. Die Käufer unserer Hunde bekommen somit einen Hund, dessen Darm mit allem, was man üblicherweise füttert, zurechtkommt. Damit sind unsere Welpenkäufer in der Futterwahl frei, ohne sich um die Umstellungsprozesse und deren Folgen kümmern zu müssen. Aber es handelt sich dabei nicht nur um schiere Menschenfreundlichkeit unsererseits, sondern vor allem um Hundefreundlichkeit: Welpen, die ihren Magen-Darm-Trakt in dieser frühen Phase nicht entwickeln können, die im schlimmsten Falle völlig unzulänglich gefüttert werden, behalten ein Leben lang einen Reizdarm mit allen Folgen für sie und ihre Besitzer. Es ist nach unserer Auffassung Aufgabe des Züchters, einen auch in dieser Hinsicht stabilen und gesunden Hund abzugeben. Auch wenn es manchmal besch...eiden ist.

Fianna säugtFianna säugt noch immer unverdrossenMuttermilch gehört nicht zu jenem Nahrungsangebot, das den Hallodris Probleme bereitet, und davon scheint auch Fianna überzeugt zu sein, denn kaum ist sie von ihrem Morgenspaziergang zurück, baut sie sich vor ihren Kindern auf und bietet ihnen die Brust. Wie viel sie noch zu liefern hat, wissen wir nicht, aber offenbar hat sie noch etwas zu bieten und ihre Kinder wissen es sehr zu schätzen. Es fasziniert uns anhaltend, wie konsequent Fianna ihren Mamajob erledigt, dabei auch keine Rücksicht auf sich nimmt, weil die Hallodris ihr jetzt schon richtig wehtun; die Krallenspuren an ihrem Bauch sprechen eine deutliche Sprache.

Nach der Vorzugsmilch am Morgen lassen wir die Bande wieder ins Haus, weil es draußen einfach zu garstig ist, nicht dass sie uns bis zur Abgabe noch zu Yetis mutieren. In der Küche legt sich Fianna nun zu ihren Herzgewächsen und bespielt sie mit Ausdauer und Leidenschaft. Bei dieser Leidenschaft muss wohl Hartl ein bisschen zu leidenschaftlich geworden zu sein, jedenfalls steht Hartl vom Bairischen BluesHartl nach dem Frühstück und vor der Abreibunger mit einem Mal im Fokus ihres Interesses und sie liest ihm die Leviten, was der Spargeltarzan aber wohl nicht gelten lassen will und Widerworte gibt, worauf aus den Leviten eine Abreibung wird. Fianna bringt ihm die Anstandsregeln derer vom Bairischen Blues nachdrücklich bei. Als er endlich ihren Fängen entkommen und unter dem Küchenblock davongekommen zu sein glaubt, erwartet sie ihn an der anderen Seite des Küchenblocks, nimmt ihn in Empfang und schenkt ihm noch eine ein. Das war's. Sie leckt ihm die Nase, beendet den Benimmuntericht, und Hartl trollt sich heftig grummelnd in den Transit. Doofe Mama! Wir können Hartl verstehen, mehr noch sind wir von Fiannas pädagogischen Maßnahmen begeistert; sie ist herzensgut und jederzeit für ihre Kinder da, aber auf der Nase lässt sie sich nicht herumtanzen. Da fällt der Watschenbaum um.

Fianna mit ihren KindernFianna im Kreise ihrer LiebenEs besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Hartls Unmut gar nicht so sehr gegen seine Mama gerichtet ist, sondern gegen seine Geschwister, die ihn durchs Feuer gehen ließen und weiter ihren Vergnügungen nachgingen, den neuen Bälledom umstürzten und die Bälle unter Begeisterungsstürmen durch die ganze Küche trieben. Das setzt dem Stolz eines jungen Helden mächtig zu.

Von der Waage lesen wir ab, dass wir nun etwas mehr für die Hallodris tun können, weil Fianna zwar noch ihren Leib spendet, aber den Bedürfnissen ihrer Schar nicht mehr Herr wird. Das müssen wir ausgleichen. 1560 g Zunahme bedeutet einen Zuwachs im Schnitt von knapp 142 g. Von diesen 1560 g hat allein Hubsi 200 g für sich abgezwackt, was ihm zwar keine Positionsverbesserung beschert, aber ein wohliges Gefühl im Bauch (2570, 11. Platz). 190 g Hias vom Bairischen BluesHias auf der Waagegriff Hallodri, der es am wenigsten nötig hat, ab (3480, 1. Platz). Und zwischen diesen beiden deutlich vom Feld Abgesetzten tobt ein zäher Positionskampf auf einem Schlachtfeld von 210 g Unterschied: 2. Hugo 3100 (+100, Platz behauptet), 3. Hetty 3060 (+120, Platz behauptet), 4. Hakuna 3030 (+130, einen Platz rauf), 5. Hobo 3010 (+80, einen Platz runter), 6. Hartl 2960 (+170, hoch von 8), 7. Hedda 2940 (+100, eins runter), 8. Halina 2920 (+120, eins runter), 9. Hias 2910 (+180, trotz Gewaltleistung hängen geblieben), 10. Harpo 2890 (+170, dito). Man sieht: Es geht zäh voran, selbst wenn man bereit ist, sich den Magen zu verrenken.

Diesen Bedingungen nun Rechnung tragend, füttern wir ab heute vier Mal, um die größeren Mengen besser verteilen zu können. Heute gibt es beispielsweise morgens pro Welpe etwa 75 ml Welpenmilch, am späten Vormittag 40 g eingeweichtes und püriertes Trockenfutter, nachmittags 40 g Fleisch (heute rohes und gewolftes Rinderherz plus gekochten Karotten) und abends wieder 40 g Trockenfutter.

Dazu fallen schon mal verschiedene Sorten Knabberstangen ab, die ein sehr positives Echo auslösen und auf die sie sich stürzen, als hätten sie heute noch darben müssen. Die Mehrzahl der Hetty mit KnabberstangeHetty mit Knabberstange im TransitKnabberer müssen sich unermüdlich gegen ihre Geschwister und vor allem gegen ihre Mutter zur Wehr und durchsetzen. Nur Hetty zeigt wieder einmal keine Neigung zum Teilen, Altruismus ist in Nahrungsangelegenheiten ihre Sache nicht, und schafft es, mit ihrer Stange unbemerkt im Transit zu verschwinden und das Stäbchen unter Ausschluss der neidischen Öffentlichkeit zu verarbeiten. Doch selbst als sie entdeckt und zur Herausgabe der Beute aufgefordert wird, leistet sie erfolgreich Widerstand und schlägt den hungrigen Mob in die Flucht. Irgendwo muss ja der 3. Platz im Ranking seine Ursache haben.

Harpo mag Leberwurst aus der TubeHarpo mag Leberwurst aus der TubeHeute gibt es sogar Geflügelleberwurst aus der Tube, die ein einfühlsamer Besucher spendet, und die offenbar so mundet, dass sie dafür sogar übers Wasser gehen würden; Harpo jedenfalls hat den aufrechten Gang ins Repertoire aufgenommen, um an das Tuben-Manna zu kommen. Da sind wir mal gespannt, wie sich diese Kalorienorgie morgen in der Tabelle auswirken wird.

Wir geben auch gerne zu, dass wir gelegentlich Leckereien vor die Perlen werfen, um auch mal ein Foto schießen zu können, was mit jedem Tag schwieriger wird, vor allem wenn wir ohne Besucher mit den Hallodris alleine sind. Es soll ja Leute geben mag, die glauben, dass ihre Welpen Rampensäue sind, die keiner Kamera aus dem Weg gehen können, doch das ist natürlich eine Legende. Tatsächlich stürzen sie sich auf alles, was vor ihnen in die Hocke geht und ihnen in ihrer Vorstellungswelt einen Antrag auf ein fröhliches Spielchen macht – auf ihn mit Gebrüll. Und schon hängen sie an uns, zerren an den Hosen und den Fersen und den Zehen, am liebsten aber am Kameragurt. Beste Bedingungen für authentisches und herzergreifendes Bildmaterial. Man kann in dieser Situation vermutlich erstklassige Panoramafotos vom Garten machen, auf denen aber dummerweise kein Welpe zu sehen ist.

Abends werfen wir noch einmal einen Blick aus dem Fenster und einen in die Bauernregeln: ganztägig Grauwetter. Und was sagen die Weisen aus dem Bauernland dazu? "Ist St. Vinzenz Sonnenschein, gibt es vielen guten Wein." Macht ja nichts, trinken wir eben Bier. Schaurig schön ist allerdings der zweite Losspruch, der eher nach einer Geheimlosung von WikiLeaks klingt: "Wenn St. Vinzenz tritt in die Hall', so bringt er uns die Nachtigall." Geht's noch?

 

Donnerstag, 6. April 2017

Der Tag beginnt bedeckt und frisch und windig bei 4° C. Sehr viel wärmer wird es heute auch nicht mehr, obwohl sich die Wolken auflockern und auch der Sonne Platz machen, damit sie ein paar Lichtpfeile verschicken kann.

Der Blick auf die Gewichtstabelle bestätigt die Binse, dass die Reichen immer reicher werden und die Fetten immer fetter. Hugo, der bislang Zweitplatzierte will offenbar nach ganz oben und macht Hallodri eine Kampfansage: 250 g. Das bringt ihn mit 3350 Gramm näher an Hallodri ran, aber nicht auf Griffweite. Der kontert nämlich lässig mit 230 g, die ihm mit 3710 Gramm noch genügend Raum lassen, eine Diätrunde einzulegen, wenn ihm einmal danach sein Hedda vom Bairischen BluesHedda hätte noch gerne einen Nachschlagsollte. Danach sieht es jedoch nicht aus. Aber auch Harpo hat seinen Anspruch auf einen Platz unter den Zelebritäten angemeldet: ebenfalls 230 g. Mit den erwirtschafteten 3120 Gramm rückt er vom vorletzten Platz auf den 6. Platz vor, den er mit Hedda teilt, die mit 180 g Zuwachs in die Registratur kommt. Ein zäher Kämpfer an der Gewichtsfront ist Hobo, der mit 190 g wieder einmal bei den Top-Anlegern ist; 3200 Gramm lassen ihn von fünf auf vier vorrücken. In diesem eng gepackten Mittelfeld hat Hetty alle Kiefer voll zu tun, um sie Hobo mit Müh und Not und 170 g vom Leib zu halten: Mit 170 g kann sie gerade noch 30 g zwischen Hobo und ihrem 3. Hubsi auf der WaageHubsi auf der WaagePlatz puffern. Weil Harpo einen so kräftigen Satz nach vorne gemacht hat, lassen Halinas 180 g sie mit 3100 Gramm um einen Rang auf neun abrutschen. Das gleiche gilt für Hakuna; 160 g sind eine feine Tagesleistung, aber Hobos Kraftakt schickt sie um einen Platz nach unten (5. Platz, 3190). Auch Hartl hat das Nachsehen: 150 g ergeben 3110 Gramm und den 8. Platz, zwei Plätze weiter unten, weil Hedda und Harpo aus seinem Windschatten vorbeigezogen sind. Für Hias gilt, dass 100 g Zuwachs in der aktuellen Boom-Lage einfach zu wenig sind; dann findet man sich mit 3010 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz wieder. Und Hubsi muss wirklich mehr tun als die seriösen 140 g, wenn er die Prophezeiung seines Vizes nicht ins Reich der Legenden befördern will: 2710 Gramm, das sind noch immer 300 g hinter Hias und eine Menge Verdauarbeit, wenn er ihn überholen will.

Manchmal fragt man sich als Züchter, warum man sich das alles antut, die Dauerüberschwemmung der Küche, die Tretminen, die von keiner UN-Menschenrechtskonvention geächtet werden, der Gestank, der durchs Haus wabert, das Schlafdefizit und die Sorgen, ob alles gutgeht und wir das Zauberpack nach acht Wochen auch vollzählig an den Mann und die Frau bringen – und dann kommt so ein kleiner Hugo daher und liefert die Antwort darauf: Es sind die täglichen Perlen, die uns die Hallodris liefern und ihre Vorgänger geliefert haben, es sind die Schmonzetten und die Schlaglichter auf ein stilles Glück, auf einen kleinen Geniestreich und ein unerwartetes Husarenstück. Heute dürfen wir Hugos Morning-Show erleben und davon berichten.

Nach dem Morgenappell im Garten (Spielen, Futtern, Wiegen, Toben) holen wir die Bande wieder ins Haus, weil es unangenehm frisch und windig ist. Nach einigen kleinen Undichtigkeiten, die draußen nicht mehr zu erledigen waren, versinken alle in den zweiten Schlaf. Alle, außer Hugo. Hugo ist munter und tatendrängig und nach Kasernierung steht ihm der Sinn ganz und gar nicht. Deshalb beschließt er, unser Frühstück mit wohlgesetzten Gesangseinlagen zu bereichern. Hugo singt. Hugo jodelt. Hugo durchschreitet alle Belcanti von Caballé bis Gabalier, streut auch mal einen Westernhagen ein und versucht uns am Ende sogar mit der neuen deutschen Weinerlichkeit eines Tim Bentzko zu beeindrucken (Ich bin doch keine Maschine. Heul). Hugo mixt das alles am Sperrgitter zu eine neuartigen Cover-Version des Gefangenenchors aus Nabucco. Wir frühstücken und stellen das Radio lauter. Hugo passt sich der neuen Gefechtslage an und dreht auch auf. Die Geschwister schlafen. Weil wir unter dem akustischen Dauerbeschuss heute besonders emotionslos und zügig unser Frühstück hinter uns gebracht haben, holt sich die Chefin die vierbeinige Klagemauer an den Frühstückstisch, den er nun mit gespannter und stummer Freude abwandert und inspiziert (Hugos Zukünftigen gestehen wir ohne schlechtes Gewissen, dass er ein Stückchen Wurst bekommen hat, weil wir uns momentan selbst die Nächsten sind). Hugo scheint glücklich zu sein, was die Chefin zu der Hoffnung veranlasst, ihn wieder zu seinen Geschwistern entlassen zu können. Doch Hugo ist mit dieser Welt und diesem Morgen noch nicht fertig. Nun stimmt er ein Solo an, dass irgendwo zwischen Schimpanse und Pfau angesiedelt werden muss, ein Glissando aus spitzen Krakeelschreien und einem verzweifelten Keckern. Dazu zerrt er am Sperrgitter wie einst Schröder, der ins Kanzleramt wollte. Das klingt und wirkt nun so endzeitlich bedrohlich, dass die Chefin den Sterbenden dem Vize ans Herz legt, weil der gerade an einem Beuteltee mit der Bezeichnung "Innere Ruhe" nippt, was, wie sie meint, bei günstigen Bedingungen auf den Leidenden überspringen könnte. Der Vize reduziert mit dem pumpenden Hugo an der Brust seinen Herzschlag auf die Frequenz eines Blauwals, damit seine innere Ruhe zur äußersten Ruhe von Hugo werden möge. Der strebt jedoch wieder zum Tisch und weg vom pulsenden Herzen. Hugo ist auch mit dem Frühstückstisch noch nicht fertig, vor allem vom Latte-Schaum hat er noch nicht genascht, was schleunigst nachzuholen ist. Also reißt er sich los und nascht vom Schaum und wieselt wie ein Haustroll über den Tisch. Das ist zu viel für des Vizes innere Ruhe, worauf er den Pumuckl wieder in die Küche setzt. Es scheint die richtige Maßnahme zu sein, denn es tritt eine seltsame und irgendwie gespannte Ruhe ein, die das Blues-Personal mit gedämpftem Plaudern und Zeitungsrascheln füllt. Und dann erhebt sich ein neuerliches Glissando, ein Jubelgeheul, eine Triumphfanfare – allerdings nicht aus der Küche, sondern aus dem Transit. Und dort sitzt er, der kleine gelbe Arsch, und jauchzt und jubelt, weil er es geschafft hat, eine weiche Stelle der Sperre auszubaldowern, das Möbel beiseite und uns ein paar Meter näher auf die Pelle zu rücken. Nun ist er aber irgendwie alleine, keine Geschwister, kein relaxierendes Herz, alleine im unbelebten Niemandsland des Blues und weint gar jämmerlich. Die Einsamkeit des Herzens treibt ihm das Wasser in die Augen. Der Vize kann das Elend nicht mehr mit ansehen und schmeißt den Jammerlappen in den Garten, wo er sich in sein riesiges Bett rollt und Sekunden später tiefenentspannter ist als der Vize mit seinem Beuteltee und dem Wal-Trick jemals sein kann. Dafür züchtet man. Für solche unvergesslichen Moment, die man noch Jahre später erzählt und die den vergreisenden Gesichtern Lachfalten schenken.

Nachmittags setzt Hakuna ein Glanzlicht, weil sie voller Begeisterung mit Mamas viel zu großem Ball am viel zu langen Strick durch den Garten wieselt, mit der kugelrunden Materie kämpft, mehr stolpert als wieselt, aber es immer wieder schafft, ihren missgünstigen Geschwistern ein Schnippchen zu schlagen und ihnen mit ihrer Beute zu entkommen. Sogar Mama ist so berührt von dem Zauberstück ihrer Tochter, dass sie sie mitsamt ihrer Beute stellt, auf den Rücken dreht und ihr das Bäuchlein massiert und ausstreicht. Und Hakuna liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken und zappelt vor Vergnügen. So sehen sie aus, die Bausteine des Züchterglücks.

Und dann geht es an diesem Tag auch noch weiter. Die Kreißsaal-Hospitantin Alexandra spendiert den Hallodris einen Weihnachtselch, so ein Ungetüm, das, wenn man es an der richtigen Stelle zwickt, herumhüpft, ho-ho-ho sagt Hobo mit dem Ho-HoHobo mit dem Ho-Hound dreckig lacht. Der Rotnasenrudi wird sofort umlagert und mit äußerstem Interesse begutachtet, allerdings nicht sehr lange, weil die Aufmerksamkeit von Kindern sehr kurzlebig ist und die Hallodris bayerisches Blut führen und von degeneriertem Weihnachtsviehzeug nur schwer in Wallung gebracht werden. Da geht es ihnen wie ihrem Vize. Ein rechter Krampus – immer herzlich willkommen, aber ein Ho-Ho mit Säufernase? Da braucht er nur zum Wirt gehen, da sieht er die Figuren das ganze Jahr. Hetty allerdings scheint dem Ho-Ho auf die Schliche kommen zu wollen und bearbeitet ihn so lange, bis er auf ihr Kommando ho-ho sagt und lacht. Und dann probiert sie es wieder. und wieder. Nach ein paar Minuten weiß sie, an welcher Stelle, nämlich an der linken Hand, der Cola-Wichtel in Betrieb gesetzt werden kann. Und das begeistert sie so, dass wir ihr zu unseren Seelenrettung den Ho-Ho-Kasper wegnehmen müssen, um nicht reif für die Insel zu werden. Was für eine Leistung von Hetty, die es geschafft hat, das Geheimnis des Ho-Hos zu knacken. Dafür erdulden wir sogar dessen lärmende Fröhlichkeit ohne Widerspruch. Wenigstens für kurze Zeit.

Die Nacht ist kurz, aber das Glück, das unser dieser Tag gespendet hat, wiegt den Schlafmangel locker auf. Wenigstens für kurze Zeit.

 

Freitag, 7. April 2017

Es ist heute Morgen recht kühl, um 7° C, wolkig und windig. Das hält sich so den ganzen Tag, auch mit etwas Sonne, aber alles in allem haben wir heute ein sehr angenehmes Welpenwetter, das die Hallodris aktiv macht und nicht den Schatten aufsuchen lässt.

Hakuna, Hartl und HeddaUnd so kann man morgens schon die ersten quietschfidelen Rufe durch den Garten schallen hören, die sich inzwischen schon wie richtiges Bellen anhören. Es geht voran mit den Hallodris, auch stimmlich, was uns gute Laune macht, aber morgens um sechs unter Berücksichtigung der Nachbarschaft zum Schweigen gebracht werden muss. Dann muss eben alles weg, worum man sich balgen und anmaulen kann, tabula rasa bis auf Weiteres.

Beim Wiegen ist sowieso meist andächtige Stillen, einerseits weil die Chefin ein bisschen "Vogelfutter" verteilt, damit die Bande beschäftigt ist, andererseits, weil alle gespannt sind, was der andere zu bieten hat. Langweilig ist es immer, wenn Hallodri oder Hubsi in den Wiegestand gehoben werden. Wen interessiert es schon, ob Hallodri 100, 200 oder auch 300 g zugenommen hat? Das löst ein müdes Gähnen aus. Ebenso ergeht es Hubsi, der immer einsam seine Wiegeprozedur absolvieren muss, weil selbst seine Geschwister nicht mehr an einen Scoop glauben. Dabei geben die beiden sich heute nicht viel. Hallodri liefert 150 g (3860) und zieht weiter seine Kreise. Hubsi schafft immerhin 140 g und bleibt erwartungsgemäß mit 2850 Gramm das Schlusslicht. Ein Kilogramm liegt zwischen den beiden und es ist zu vermuten, dass sich dieser Abstand noch vergrößern wird. Viel spannender ist die Frage nach den Positionsrangeleien zwischen Hallodri und Hubsi. Und hier ergibt sich, dass Hugo seinen 2. Platz und Hias seinen vorletzten Platz verteidigt hat, beide mit je 120 g plus. Für Hugo errechnen sich somit 3470 Gramm und für Hias 3130. Hartl kann auch keine Begeisterung auslösen, weil er gerade auf seinem 8. Platz hockt wie ein verstockter Altbauer auf seinem Erbhof (3240, +130). Die anderen haben jedoch die Tabelle ein bisschen in Bewegung gebracht. Hakuna beispielsweise Hubsi vom Bairischen BluesHubsimit 220 g. Das lässt sie mit 3410 Gramm von fünf auf drei rücken. Hetty (3380) und Hobo (3350) hat sie damit nach unten, auf den 4. und 5. Platz durchgereicht, die beide gerade mal 150 g zustande brachten. Halina dagegen hat Hedda und Harpo weggevespert. 210 g bringen ihr den 6. Platz, das ist ein Aufstieg um drei Plätze. Hedda rutscht mit 150 g (3270) um einen auf den 7. Platz und Harpo verschlechtert sich gleich um zwei Plätze auf neun (3220, +100). Wir sind richtig gespannt, ob sich eine(r) noch zu einem Solo aufraffen kann, so richtig Schwung in die Bude bringt und den anderen den Schweiß auf die Stirn treibt.

Hobo vom Bairischen BluesHobo bringt den Lavendel in FormWegen des famosen Welpenwetters sind die Hallodris heute vom Frühstück bis gegen zwanzig Uhr durchgängig im Freien. Dabei kennen sie kaum Ruhepausen; einer oder eine hat immer etwas zu schaffen oder zu erledigen, z. B. die Minze kurz halten, den Lavendel in Form bringen oder die Buchshecke untergraben. Komplette Ruhe gibt es heute kaum und wir fragen uns, wann die todmüde umfallen? Wir versuchen diesen Prozess zu Hakuna vom Bairischen BluesHakunaprovozieren, indem wir ihnen den Kettengalgen und das Federbrett in ihr Paradies stellen, aber auch damit werden sie schnell fertig, integrieren sie in ihr Leben und gehen weiterhin ihren Geschäften nach. Der Kettengalgen ist ein einfaches Gestell, von dem Ketten herabhängen, durch die sie laufen sollen, ohne sich zu scheuen. Da scheut aber keiner und keine; sie packen sich die Ketten und versuchen, die Der KettengalgenDer Kettengalgenganze Apparatur durch den Garten zu zerren. Das Federbrett ist eine Sandwichkonstruktion von zwei stabilen Bodenbrettern, die durch Bettfedern verbunden sind. Wer auf das Federbrett tritt, kommt sich augenblicklich schwer betrunken vor, weil das Ding nach allen Seiten nachgibt und schaukelt. Aber auch davon sind die Hallodris nicht sonderlich beeindruckt, sondern probieren es aus und legen es zu den Akten. Dann gehört dieser Taumler eben auch dazu, steht halt ein bisschen im Weg, aber dann rennt man eben drüber; was soll der Das FederbrettDas FederbrettKinderkram? Im Grunde finden sie Alexandras Erlebnistunnel mit den vielen Fäden bedeutend interessanter. In dem geht die Party ab. Auch der Ho-Ho kommt wieder ins Spiel und wird mit Leidenschaft niedergemetzelt. Geschieht ihm recht. Ganz zum Schluss gibt Hedda noch eine Kostprobe von einem professionellen Beutespiel mit einem Ball, den sie sich immer wieder greift, ihn schüttelt, fortschleudert und ihm konsequent wieder nachsetzt, kontert, wenn man mit ihr daran zerrt, nicht nachgibt bis ihr offenbar die Nackenmuskeln schmerzen: Der Zwerg hat eine klare Positionierung zu Mein und Dein und den nötigen Willen, diese Meinung durchzusetzen. Aber nicht nur Hedda überzeugt mit diesem Spiel: Generell wird das Spiel jetzt ausdauernder, intensiver und tiefer und hat die Phase des kurzen Anspielens und wieder Vergessens hinter sich gelassen. Den Besuchern bieten die Hallodris heute eine große Show und schicken sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck wieder nach Hause; sie wissen, was sich gehört und verstehen etwas von Marketing.

Fianna vom Bairischen BluesFiannaUndHedda tankt nachHedda tankt nach Fianna? Macht einfach mit, ist immer zwischendrin und mittenmang dabei, versäumt es aber auch nicht, ihren Mutterpflichten nachzukommen. Immer wieder versammelt sie die Bande unter ihrem Bauch, dreht dann irgendeinen Kandidaten auf den Rücken, pflegt ihn sorgfältig, ohne eine Widerrede zuzulassen und entlässt ihn wieder zu seinen Geschwistern. Was für eine großartige Mutter! Wenn wir sie nicht in ihrer Brutpflege stören müssten, könnten wir sie den ganzen Tag umärmeln. Wir sind mindestens so verzückt und verzaubert wie unsere Gäste, mit einem Unterschied: Wir haben sie alle den ganzen Tag und die ganze Nacht und nicht nur mit ihren Zaubereien, sondern auch mit ihren Schweinereien. Aber das Glück ist doppelwandig.

 

Samstag, 8. April 2017

Der 8. April des Jahres 2017 besticht durch seine Bedeutungslosigkeit, ein Tag ohne Eigenschaften.

Er beginnt draußen vor der Tür mit Temperaturen knapp über 0° C und schwingt sich zu einem wolkenlosen Frühlingstag mit bis zu 15° C auf. Darüber kann man sich freuen, vor allem, wenn für abends die Grillpremiere des Jahres 2017 in kleinem Kreis geplant ist. Wenn man den Lossprüchen des heutigen Tages folgt, könnte die Begeisterung etwas kleinmütiger ausfallen: "Wenn`s viel regnet am Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag." Gegenprobe: "Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n." Das kann nur heißen, dass wir einen feuchtfröhlichen Sommer zu erwarten haben. Trost spendet der Blick auf frühere Lostage, die uns das Gegenteil prophezeien. Der Realitätscheck erfolgt dann etwa Ende Oktober.

Die Gewichte sind ebenso eigenschaftslos wie der ganze Tag, nur Hetty hat das Programm nicht verstanden und 250 g zugelegt, was ihr die anderen Schnarchnasen übelnehmen. Aber so verhalten sich skrupellose Karrieristen, halten sich an keine Abmachung und nutzen die Zurückhaltung der anderen zum eigenen schändlichen Vorteil. Hetty trägt diese Unsolidarität nach vielen Tagen wieder den zweiten Platz ein. Wie sehr sich dagegen die anderen an die geheime Abmachung gehalten haben, kann man an der Fettbilanz ablesen: 1510 g. Völlig ambitions- und lustlos. Geradezu Arbeitsverweigerung.

Halina vom Bairischen BluesHalinaDie Bilanz: 1. Hallodri 4030 (+170). Man kommt nicht umhin zu erwähnen, dass Hallodri damit als erster Achtpfünder geführt werden muss, was auch niemand überrascht. 2. Hetty 3630 (+250), 3. Hugo 3580 (+110), 4. Hakuna 3570 (+160), 5. Hobo 3530 (+180), 6. Hartl 3410 (+170), 7. Halina (+60) und Hedda (+100), beide 3370, 9. Harpo 3300 (+80), 10. Hias 3280 (+150), 11. Hubsi 2930 (+80).

Der Versuch, Hallodris Flucht nach vorne durch eine vegane Ernährung zu stoppen, indem wir ihn wie einen Papagei aus der Hand mit Banane stopfen, schlägt fehl, weil auch Hartl und Hias Gefallen an dieser Leckerei finden, und durch ihre Begeisterung sogar ihre Mutter anlocken, die ihnen den ganzen Bananenrest wegfrisst, obwohl sie sonst nie auf Banane steht. Wir stellen den Versuch ein, um keine unabsehbaren Kolateralschäden zu provozieren.

Und dann, im Laufe des Vormittags, bekommt Hedda Durchfall. An den Bananen kann es nicht liegen, denn sie hatte keine. Sie ist ziemlich schlapp. Wir verabreichen ihr Oral Pädon für den Elektrolyt-Haushalt, vermischt mit aufgelösten Kohlekompretten. Nachmittags macht sie wieder mit und ist wieder wohlauf. Wir sind gespannt, ob sie ein Einzelfall bleiben wird oder andere mit hineinzieht. Wir wetten auf das Zweite.

Der Grill spendet uns abends nicht nur die Energie für den nächsten Tag, sondern auch Wärme, die diesem Tag nun ausgeht wie dem angepieksten Luftballon die Luft.

 

Sonntag, 9. April 2017

Geht doch, möchte man den Hallodris zurufen, wenn man sich die Zahlen der Waage auf der Zunge zergehen lässt wie ein Stückchen Gänseleber: 2830 g. Wir wiederholen in Ziffern: 2-8-3-0, das gab es noch nie bei diesen H-Benichtsen. Nur Heddalein, die Durchgefallene, fällt mit einer glatten Nullnummer aus dem Rahmen und noch einmal durch. Doch das war vorherzusehen. Wenn nichts drin bleibt, kann auch nichts anschlagen. Wenn aber die anderen zehn 2830 g zulegen, also jede(r) im Schnitt 283 g, lässt sich ahnen, wo sich Hedda heute wiederfindet: auf dem Vor-Hubsi-Platz, Rang 10 und weiterhin 3370 Gramm. Aber auch der Zaunkönig Hubsi lässt keine Hoffnung auf einen Wettsieg des Vize keimen, man könnte meinen, er boykottiere diesen geradezu mit seinen untergärigen 70 g. Oder ist er einfach nur ein Zahlenfetischist, der es darauf anlegt, ein Ziel auf den Punkt anzusteuern? Mit seinen 70 g erreicht Hubsi nämlich exakt die 3000 Gramm und darf sich nun Sechspfünder nennen. Wir sind längst davon überzeugt, dass in diesem Perkeo vom Bairischen Blues ein schelmisches Naturtalent schlummert. Die nächste Messgröße darf, an heutigen Maßstäben gemessen, auch noch als bescheiden bewertet werden: 160 g. Doch irgendwie kann man sich manchmal einer kleinkarierten Schadenfreude nicht so recht enthalten, wenn ein solcher Mikrozensus ausgerechnet die gestrige Durchstecherin Hetty trifft. Sie hat wohl in einer gewissen Selbstverliebtheit vor sich hin gemampft und nicht gemerkt, was die Geschwister um sie herum abgesprochen haben: Retourkutsche. Und die ist auf ganzer Linie geglückt. Die 160 g bringen Hetty mit 3790 Gramm vom 2. auf den 5. Platz. Wer Hetty kennt, weiß dass es sie richtig wurmt und nicht ruhen lassen wird. Doch nun geht es ambitioniert weiter. Hobo und Hugo liefern jeweils 270 g. Für Hugo bedeutet das weiterhin den 3. Platz mit 3850 Gramm, Hobo sortiert sich mit 3800 Gramm direkt hinter ihm ein. 300 g meldet Hakuna. Da sie gestern nur 10 g hinter Hugo rangierte und Hetty einen Einbruch hatte, klettert Hakuna mit diesem Ergebnis und 3870 Gramm auf den Reservemeisterplatz zwei. Fußball-Liebhaber wissen, wie schwer es ist ganz unten raus zu kommen, wenn die davor nicht schlafen. So geht es Hias. Mit 320 g hat er sich wahrlich nichts vorzuwerfen, aber die erwirtschafteten 3600 Gramm nageln ihn stabil auf dem 9. Platz fest. Halina geht es wie ihm. 330 g bringen sie auch nicht wirklich voran: 3700 Gramm und 7. Platz, wie gehabt. Über Hallodri müssen wir auch reden, weil es sich verbietet, Himmelsstürmer zu ignorieren, nur weil ihre Flugbahn vorhersehbar und damit in gewisser Weise langweilig ist. Hallodri geht mit 350 g plus aus dem Rennen, was ihn auf 4380 Gramm trägt und den Abstand auf Hakuna, die Zweitplatzierte, auf 550 g anwachsen lässt. Hartl bringt 360 g mehr auf die Waage und bestätigt damit seinen 6. Platz. Der Schlussakkord bleibt heute Harpo vorbehalten: 400 g! Und es ist schon bitter, dass man mit fast einem Pfund mehr nur um einen Platz vorrückt. So teilt er sich jetzt mit Halina den 7. Platz (3700). Unsere Vermutung, dass die Bananenspeise von gestern wegen des Kohlehydratschubs messbare Auswirkungen haben müsste, gibt diese Tabelle nicht her; Hallodri Leistung lassen keine bananische Herkunft erkennen, Hartl und Hias liefern zwar für ihre Verhältnisse starke Ergebnisse, fallen aber nicht komplett aus dem Rahmen. Und der Knapp-Pfünder Harpo wurde an der Banane überhaupt nicht gesichtet. Es lohnt also nicht, der Banane eine Art segensreicher Wirkung unterstellen zu wollen.

GHias vom Bairischen BluesHias macht sich ein Bettanz und gar nicht segensreich ist der Durchfall, der nun Hubsi ereilt hat. Nach einer Hängepartie morgens und am Vormittag kommt er gegen Mittag wieder auf die Beine. Wir hatten schon recht vermutet, dass Hedda nicht die einzige bleiben wird, die uns Sorgen bereitet. Diese sechste Woche ist oft kritisch, weil die Welpen ihren Immunschutz anfänglich fast ausschließlich vom Kolostrum der Mutter in den ersten 24 Lebensstunden erhalten. In der Folge bauen sie nicht allzu viel mehr auf, aber die Wirkung des Kolostrums geht verloren, was um die sechste Woche zum Tragen kommt. Geimpft werden die Welpen aber erst am Ende der achten Woche; es entsteht also eine sogenannte Immunlücke. Wenn die Bedingungen für Keime günstig sind, wie jetzt gerade, wo wir mittags angenehme Frühlingstemperaturen haben, kann das schnell zu einem ernst zu nehmenden Befall der Welpen führen. Zwar sorgen wir mit Spiritus und Sagrotan dafür, dass sich möglichst wenig Keime ausbreiten können, aber Herr wird man ihnen nicht. Jetzt hat es also Hubsi erwischt und wieder freigegeben. Doch nun macht nachmittags Hetty schlapp, was wir schon befürchten mussten, weil sie schon bei der Vormittagsfütterung mit langen Zähnen im Futter herumnagte. Und das bei Hetty, die eigentlich etwas gut zu machen hätte. Und sie erwischt es voll, vor allem, weil sie das Oral Pädon und die Kohle nicht bei sich behält, und wir ihr den Durchfall nicht verkürzen und erleichtern können. Hetty muss sozusagen auf eigene Rechnung gegen den Virus antreten und sich deutlich länger quälen als Hedda und Hubsi. Irgendwann verzieht sie sich hinter den Bälledom in der Küche und leidet still vor sich hin. Und verschont unsere Küche dabei nicht. Irgendwann nachmittags zählt Fianna routinemäßig die Häupter ihrer Lieben und sieht, dass eines auf der Strecke geblieben. Sie geht suchen und findet Hetty hinter dem Bälledom. Nun wird dem Häufchen Elend der Po geputzt und das krampfende Bäuchlein massiert, dass es eine Wonne ist, und Hetty lässt es geschehen, weil es ihr offenbar guttut. Als am späten Nachmittag das Matze-Matze-Matze durch den Garten schallt, ist Hetty wieder bei ihren Geschwistern, bringt aber sehr zu ihrem Leidwesen noch immer keinen Bissen über die Lippen. Aber sie ist wieder auf den Beinen und auf dem Weg der Besserung. Dafür erleidet nun Hubsi einen Rückfall und schießt aus allen Rohren. Noch ist der Rest der Hallodris stabil, aber wie lange wir das halten können, wissen wir nicht. Eines ist schon heute klar: Ein Rekordergebnis wird die morgige Wiegeprozedur nicht liefern.

Hartl vom Bairischen BluesHartl hat Besseres zu tunWir Hedda vom Bairischen BluesHedda hat Spaß am Fot-Shootingnutzen den schönen Tag und machen noch einmal Portraitbilder der Hallodris. Wir erwischen dabei gerade den günstigen Augenblick zwischen Hettys Genesung und Hubsis Rückfall. Aber blass sehen die beiden dennoch aus. Von ganzer Gesundheit zeigen sich dagegen die anderen neun, die ihren bäuchlings im Gras liegenden Lichtbildner fast auffressen vor Begeisterung und Zuneigung: Die Chefin wird bei seinem Anblick fast so bleich wie Hetty und Hubsi zusammen, kann sich aber einer gewissen Varieté-Belustigung nicht enthalten, als sie sieht, wie ihm das Blut aus beiden Ohrläppchen und der Hetty vom Bairischen BluesHetty ist wieder fitUnterlippe tropft. Das sieht gefährlich aus und ist der Preis, den man für die Aufzucht von vor Liebe und Zuneigung überschäumenden Herzgewächsen zu zahlen hat.

Sie sind eben irgendwie richtig gut drauf heute, haben nichts als Schabernack im Sinn und sind auf der Suche Hias vom Bairischen BluesHias, das Schlüsselkindnach der großen Showeinlage. Die gelingt letztlich Hias, der einen kompletten Schlüsselbund klaut und mit ihm unter großem Hallo und Helau durch den Garten peest und sich vor Begeisterung fast selbst überholt. Für Hias ist das nicht nur ein Paradestreich und Husarenstück, sondern gleichsam ein Schlüsselerlebnis, mit dem er sich die Herzen seiner in der Entscheidung wankelmütigen zukünftigen Napfbefüller im Handstreich erobert; jetzt hat er sie zur Entscheidung gezwungen. Strike!

Zur Neige dieses wolkenlosen Traumtags mit bis zu 17° C dürfen die Hallodris noch lange draußen bleiben und den zunehmend kühlen Abend auf der Terrasse genießen. Das ist keine reine Hallodri-Liebe, die uns dazu bewegt, sondern vor allem die Hoffnung, dass sie ihre Abendmahlzeit im Garten entsorgen mögen.

Und wir sitzen bei ihnen und werden immer trauriger, weil wir nichts hören, obwohl wir uns so konzentrieren. Der Kuckuck lebt nicht mehr! Jedenfalls, wenn wir dem heutigen Losspruch folgen: "Hört Waltraud nicht den Kuckuck schrei'n, dann muss er wohl erfroren sein". Waltraud hört ihn nicht, die Chefin hört ihn nicht und der Vize auch nicht. Dass so ein Tag so tragisch enden muss...

 

Montag, 10. April 2017

Um 5:40 Uhr beschließen die Hallodris, dass die Nacht nun vorbei ist. Das verursacht nur bescheidene Freude beim Personal, die sich allerdings rasch zu unverhohlener Freude aufschwingt, als sichtbar wird, dass die Küche nur ein sehr minimalistischer Augiasstall ist und die Maladen von gestern wieder mit der Musik marschieren. So gute Nachrichten kann man gar nicht früh genug bekommen, zumal sie sich im ersten Fall mit jeder verstrichenen Minute verschlechtern würde.

Dieser Morgen strahlt uns mit 3° C aus allen Himmelsrichtungen an. Nachmittags bringt es der Tag auf 22° C, wird dann aber etwas schwül und droht, uns ein Gewitter zu schicken. Windig ist es schon mal, ein wenig Regen wird mitgeliefert, aber dann ist plötzlich wieder alles in trockenen Tüchern, und um 23 Uhr registrieren wir immer noch 13° C.

Wie vermutet kamen Hetty und Hubsi gestern in der Kalorienstatistik mit einem blauen Auge davon, mussten aber keine Federn lassen. Die Null steht bei den beiden. Die anderen haben sich mit 1620 g nicht schlecht geschlagen, denn ein weiteres Kracherergebnis in Folge war auch nicht zu erwarten. Außer dass Hetty vom 5. auf den 8. Platz gerutscht ist, hat sich nicht viel ereignet; hinter Hubsi geht es sowieso nicht mehr weiter.

1. Hallodri (4490, +110), 2. Hugo (4140, +290), 3. Hakuna (4060, +190), 4. Hobo (4010, +210), 5. Hartl (3900, +130), 6. Harpo (3880, +180), 7. Halina (3810, +110), 8. Hetty (3790, 0), 9. Hias (3740, +140), 10. Hedda (3630, +260; die hatte Nachholbedarf), 11. Hubsi (3000, 0).

Hedda und Hetty vom Bairischen BluesHetty und Hedda haben den KnochenMan Fianna vom Bairischen BluesDie Mama hat ein ganzes Schweinweiß ja, dass ein nahrhaftes Fleischsüppchen einen Kranken wieder auf die Beine stellt, und deshalb servieren wir den Hallodris heute einen kräftigen Kalbsknochen, der mindestens genauso gut ist und keine Sauerei verursacht wie ein gemeinsames Süppchen. Der Knochen erregt freudiges Aufsehen und ist sofort heiß begehrt und mindestens so umstritten. Besonders tun sich Hedda und Hetty in der Eroberung und Verteidigung des Knochens hervor, wohl weil sie um dessen segensreiche Wirkung wissen, und ein bisschen schwach sind sie ja schon noch auf den Beinen. Aber auch Hugo steht sein Männchen, baut sich zu voller Stärke auf und geht auch einem Handgemenge mit Hallodri nicht aus dem Weg. Dem, so vermuten wir, ist so ein Knochen seit vorgestern nur noch randständig wichtig, seit er nämlich erfahren hat, dass er in Zukunft stolzer Wächter eines 10-Tonnen-Expeditionstrucks namens Hannibal sein darf und demzufolge noch jede Menge Knochen in der Wüste für ihn reserviert sind. Da steht man über so einem kümmerlichen Kalbsrelikt.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodri lässt sich den Pansen schmeckenBeim ungewaschenen Lammpansen allerdings kann Hallodri nicht mehr widerstehen und setzt auf Teilhabe, weil er nicht sicher sein kann, ob die Wüstenbewohner den Pansen ihrer geschlachteten Lämmer für ihn reservieren oder doch lieber selber verschlingen. Also reiht er sich ins Pansenfestival ein, zerrt an dem Lappen herum, klaut sich durch die Reihen, steckt Prügel ein Hakuna vom Bairischen BluesHakuna bringt ihren Pansen in Sicherheitund teilt welche aus, ganz wie seine Geschwister, die alle mehr oder weniger davon überzeugt sind, dass die anderen das bessere Stück abbekommen haben. Doch schließlich hocken und liegen sie im Garten verteilt und sägen und zerren und wirken an dem Gummi herum, bis sie ihm Herr geworden sind oder die Mama es für sich beansprucht.

Die Chefin war von dem nur schwach exkrementierten Hallodrilager heute morgen so angetan, dass sie sich eine Fortsetzung morgen herbeisehnt. Und dafür soll der Vize garantieren, indem ihm aufgetragen wird, eine längere Nachtschicht einzulegen, um das zu beseitigen, was die Chefin morgens nicht mehr sehen will. Dem Häufchenanfall soll also die Spitze genommen werden. Die Hallodris lümmeln quer durch die ganze Küche, grunzen und wimmern im glücklichen Pansen- und Knochenschlaf, und der Vize treibt sein Wesen: Er hantiert herum, er räumt die Spülmaschine aus, er räumt sie Spülmaschine ein, er spült Gläser von Hand, er geht auf die Terrasse und trinkt ein Bier, kommt zurück, räumt um und auf und tut alles, um die Schar aufzutreiben und in Bewegung zu bringen und mit ihnen ihren Darm und ihre Blasen. Das Zeitopfer findet kein Gehör. Sie schlafen wie besoffene Freibeuter und denken nicht daran, ihm oder besser der Chefin einen Gefallen zu tun, nur drei erheben sich kurz, um zu pinkeln. Das ist es. Gegen ein Uhr gibt er auf und trollt sich zu seinen Damen. Er war bereit sich zu opfern. Mehr kann man im Sinne des häuslichen Friedens nicht leisten – und mehr kann er heute auch nicht mehr denken. Ende.

 

Dienstag, 11. April 2017

Grau ist der Morgen im Mangfalltal und verhangen bei 7° C.

Rosig sind die Bäckchen der Chefin, die nur fünf Häufchen in der Küche vorfindet und dies hoffentlich dem unermüdlichen Nachteinsatz des Vizes zuschreibt. Der ist noch immer elend müde von der Hundewache und denkt nicht daran, diesen Irrtum aufzuklären. Aber: Es war wohl der Pansen, der seine segensreiche Wirkung über die Hallodris und ihre Ziehmutter brachte; es gibt ja kaum Zuträglicheres für einen Hundedarm als naturbelassener Pansen.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriUnd auch in der Ranzenbilanz hat der Pansen seine Schuldigkeit getan: 2040 g sprechen eine satte Sprache. Da sich gestern keine(r) den Pansen vom Brot nehmen lassen wollte und richtig zulangte, bringt der Spitzenwert von 270 g die wiedergenesene und wieder kampfbereite Hetty nicht mehr als einen Platz nach oben: 4060, 7. Platz. Sie hat mit Halina den Platz getauscht (3960). Auch Hobo und Hakuna haben den Platz getauscht. Hobo jetzt Dritter (4200), Hakuna Vierte (4160). Sonst ist nichts Erwähnenswertes passiert, außer dass Hubsi mit 230 g die zweitbeste Bilanz vorzuweisen und immer noch den letzten Platz warm hält. Die anderen Platzierungen im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (4700, +210), 2. Hugo (4290, +150), 5. Hartl (4110, +210), 6. Harpo (4070, +190), 9. Hias (3920, +180), 10. Hedda (3790, +160), 11. Hubsi (3230, +230).

Hobo vom Bairischen BluesIst er jetzt platt? Heiß ich jetzt Grobo?Das Hobo und Hakuna vom Bairischen BluesHakuna: "Mach ihn platt, mein großer Hobo!"Wetter entwickelt sich wieder zu einem idealen Welpenwetter, etwas wolkig und windig bei 13° C. Damit halten sich die Hallodris sowie ihre Besucher und Bewunderer den ganzen Tag im Garten auf. Das Leben aller scheint unbeschwerter nicht sein zu können, zumal die meisten derjenigen, die nicht nur als Bewunderer, sondern auch als Kindsentführer zu uns kommen, nun auch wissen, welchen der elf sie am 24. April entführen dürfen und wir einfach wegsehen, aber fürs Schweigen die Hand aufhalten. Ein Tag in unbeschwerter Leichtigkeit, dieser 11. April.

Hugo vom Bairischen BluesHugo bezwingt den RinderpansenNach dem Lammpansen-Festival versuchen wir es heute mit original stinkendem Rinderpansen, der bei den Hallodris die gleiche Begeisterung auslöst wie das Lamm. Es ist beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit, fast möchte man sagen Verbissenheit, sie an diesem zähen Lappen herumarbeiten, sägen und kauen, um sich Stückchen für Stückchen verschluckfertig zu machen. Wir achten sehr darauf, dass keine(r) ein zu großes Stück verschluckt, an dem er leicht auch ersticken könnte, wenn es nicht mehr vor- und rückwärts geht. Aber die Hallodris erledigen die Zerlegarbeit mit großer Akribie, nur Hubsi nimmt es mit einem Mordsbrocken auf, schluckt ihn runter und sieht hinterher um die Taille herum aus wie ein Sumo-Ringer.

Halina vom Bairischen BluesHalinaAbends bekommt dann Hakuna Durchfall, dabei wirkt sie aber nicht reduziert wie die anderen vor ihr. Vermutlich ist die darmpflegerische Wirkung von zweimal Pansen binnen eines Tages doch ein bisschen mehr als zuträglich. Aber solange nicht mehr passiert als ein dünner Output und der Hund dabei quicklebendig bleibt, können wir damit gut leben.

Abends sitzen wir mit Freunden und Kindsentführern zusammen und schwelgen in einer großen Käseplatte mit dem besten aus Frankreich und der Schweiz. Vielleicht ist die Käseplatte auch ein stilles Symbol für unsere Gefühle zu Beginn der vorletzten Hallodri-Woche: Alles Käse.

7. Woche (12.04. - 18. 04. 2017)

Mittwoch, 12. April 2017

Als ob uns ein seltsame Ahnung gestreift hätte oder besser: unseren Hugo. Als er letzten Donnerstag seine Morgen-Show abzog, attestierten wir ihm, dass er alle Belcanti von Caballé bis Gabalier durchschreiten würde – und heute hat sie Geburtstag, die Caballé, Montserrat mit Vornamen. 84 Jahre zählt sie und überlässt das Singen inzwischen gottseidank unserem Hugo. Und noch einer darf heute jubeln: der unvergleichliche Herbert Arthur Wiglev Clamor. 61 wird er heute. Wer?? Na? Keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt? Bitteschön: Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer. Unser Gröni! Welch eine großartige Weitsicht seiner Eltern, dass sie ihm seine Zukunft gleich mit dem Namen in die Wiege gelegt haben; clamor ist lateinisch und bedeutet Geschrei. Man stelle sich vor, der Schneider von Ulm hätte nicht Albrecht Ludwig Berblinger geheißen, sondern Albrecht Luftikus Berblinger. Was sollte so einer anderes tun als vom Ulmer Münster springen und sich das Genick brechen? Und Gröni hat auch nichts anderes getan, als sich den Vorahnungen seiner Eltern zu beugen und sie mit Leben zu erfüllen. Glamour Clamor. Die anderen Jubilare des heutigen Tages wurden von einer solchen Hypothek verschont, zum Beispiel Josef Martin Fischer (69), Joschka gerufen oder Franz Eberhard August Krüger (89), bekannt als Hatari-Hardy. Herzlichen Glückwunsch von uns allen, vielleicht können wir ja Hugo nochmal zu einem Ständchen für euren Jubeltag animieren.

So viel zum offiziellen Teil für heute, wenn schon die Bauern nichts Sinnstiftendes beitragen wollen. Wenden wir uns also wieder unserem Tagesgeschäft zu: der Gewichtskontrolle. Die fällt heute mit 2220 g sehr erfreulich aus, zu denen Hugo vom Bairischen BluesHugoallerdings Hakuna wegen ihres gestrigen Durchfalls wenig beitrug. Ganze 10 g rettet sie herüber und stürzt damit fast ins Bodenlose: von vier auf acht (4170). Das ist nicht weiter verwunderlich. Aber zwei Entwicklungen sind heute erwähnenswert. Alle, außer Hubsi, sind seit heute Achtpfünder und, zweitens, die Spreu trennt sich vom Weizen. Der Weizen, bekanntlich schwerer als die Spreu, sinkt zu Boden und die Spreu fliegt auf und davon, was sich darin ausdrückt, Hubsi vom Bairischen BluesHubsidass (wieder außer Hubsi) nun alle leichtfertigen Burschen vor den inhaltsschweren Mädchen platziert sind, also sechs Buben, dann vier Mädels und am Schluss der Zauberzwerg Hubsi, der weniger als ein Mädchen wiegt, aber ein Herz für mindestens vier seiner Brüder hat; der ist so schwerwiegend, dass er sogar noch unter den Weizen sinkt. Die großen Tagessieger sind die ehemaligen Spargeltarzane Hartl und Hias. Hartl hat ja schon seit einigen Tagen seinen Anspruch auf Höheres geltend gemacht und sich bis auf Platz fünf hochgearbeitet; doch die nun bilanzierten 290 g tragen ihn auf 4400 Gramm und Platz drei. Hias meldet mit 280 g auch Ambitionen an und klettert mit 4200 Gramm von neun auf sechs. Hugo genügen 180 g, um mit 4470 Gramm seinen 2. Platz zu bestätigen und Hallodri macht sich mit 200 g über seine Geschwister lustig; was die sich mühsam anspeichern müssen, inhaliert er im Vorübergehen (4900), das sind schlanke 430 g vor Hugo. Harpo geht mit 230 g plus und 4300 Gramm von sechs auf fünf hoch, während Hobo mit 170 g und 4370 Gramm von drei auf vier rutscht. Hubsi polstert sich mit 290 g auf und bleibt mit 3520 Gramm der gehaltvolle Bodensatz der Hallodris. Bei den Mädchen tat sich Hedda mit 240 g hervor – und bleibt trotzdem, wie Hubsi, wie mit einer Fußfessel auf dem Vor-Hubsi-Platz verankert. Halina kommt mit 200 g zur Registratur und rutscht wegen Hias' Kampfansage trotzdem einen Platz ab auf neun (4160). Hetty schafft es dagegen, mit 130 g ihren 7. Platz zu halten (4190).

Der Tag beginnt morgens mit Hochnebel und 1° C, steigert sich auf 20° C nachmittags, wobei die Sonne durch Milchglas blickt, und legt sich mit wolkigen 12° C ins Bett. So könnte es immer weitergehen.

Hartl vom Bairischen BluesHartlNicht ganz so erfreulich ist der neuerlich Durchfall morgens in der Küche, der uns aber keinen Schweiß auf die Stirn treibt, weil alle Hallodris frisch und munter in den Tag starten und keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigen. Wir haben es schon erwähnt: So ein Welpendarm muss viel lernen, und den einen oder anderen Lerninhalt quittiert er mit Renitenz. Aber solange die Besitzer der Därme mit diesen fröhlich durch unsere Küche springen, ihre Hinterlassenschaften maximal verteilen und sich dann unermüdlich im Garten austoben, soll uns das recht sein. Ein Virus würde lägrige Leidenswürmer präsentieren, denen die Lust auf Spiel vergangen ist. Es ist also alles gut. Fast alles.

Die neue HundeliegeDer Renner - Die neue HundeliegeEine Eingebung veranlasste die Chefin, eine Welpenliege zu bestellen, und die wird heute geliefert und den Hallodris in den Garten gestellt. Wenn wir gewusst hätten, welchen Hype wir damit auslösen, hätten wir so ein Mini-Feldbett schon längst gekauft. Dieses Lager ist binnen Minuten der Renner der Saison, wird sofort belegt, und wer nicht aufs Oberdeck passt, legt sich darunter und nervt seine Geschwister durch das Gitter hindurch, das die oben Liegenden im Normalgebrauch an warmen Tagen von unten belüften soll. Nichts kann dieses Lager toppen, kein Kuddebett, keine ausgepolsterte Wanne, kein Vetbed und keine Palette, die bislang der Bungalow der Wahl war. Es gibt nur noch dieses Feldbett. Was für eine Anschaffung! So eine Sensation kostet bei Zoo Plus 29 Euro, besser haben wir unser Vermögen noch nie angelegt. Wir wollen unsere Welpenkäufer schon mal vorsichtig darauf hinweisen, dass sie möglicherweise auch nicht um diese Anschaffung herumkommen, weil es sehr gut denkbar ist, dass ihnen die Hallodris die bereitgestellten Strohsäcke und Hundepritschen, seien sie noch so teuer und trügen sie noch so stolze Namen, vor die Tür schieben und ihnen anbieten, sich Die Verpackung der LiegeDie Verpackung der Liegegefälligst selbst in diese Zumutungen zu betten. Aber 29 Euro, das wird sich wohl noch machen lassen. Für einen Engel mit Schlappohren. Außerdem bietet dieses Welpenlager den Zusatzbonus einer Verpackung, die mit ähnlich ausgeprägter Begeisterung genutzt wird. Ein besseres Schnäppchen kann man sich kaum denken, denn dieses Lager wird weit über das Welpenalter hinaus seinen Wert behalten; unsere Hallodris hatten jedenfalls alle Pfoten und Kiefer voll zu tun, um ihre bräsige Mutter von ihrer Sonnenliege zu vertreiben.

Da sind wir ja mal sehr gespannt, wer sich in Zukunft auf dieser Liege das Hausrecht verschaffen wird, Fianna oder ihre Tochter, die ihr bleiben wird. Wir jedenfalls räumen die ungeliebte Plastikwanne, die sechs Würfen eine heimelige und begehrte Schlummerstätte war, weg, weil die Hallodris nie mit ihr warm wurden und ersetzen sie durch dieses Paradebett. Da liegen sie nun drunter und drüber, so, wie es eben zugeht beim Blues, derzeit jedenfalls.

 

Donnerstag, 13. April 2017

"So wie Martin es will, zeigt sich dann der ganze April." Das macht Mut zur Verzweiflung. Martin ist ein windiger Mistkerl, bedeckt und grau, genau genommen ist er ein unfreundlicher Lackel, mit dem man nichts zu tun haben will. Zwar lässt er uns nicht frieren, weil er wenigstens so um die 12° C im Gepäck führt, die er abends dann doch auf Sparflamme von 6° C dimmt, weil er sich entblößt. Was kann man von so einem schon erwarten? Gründonnerstag heißt Martin mit Nachnamen, besser hieße er Graudonnerstag. Und dass er es gleich im Voraus weiß: Wir werden ihn für alles zur Rechenschaft ziehen, was er unseren Hallodris klimatisch antut.

Manchmal hat man Eingebungen, von denen man nicht weiß, warum und von wem sie einem eingegeben werden. Beim Eintrag der heutigen Gewichte in das Excel werfen wir aus reiner Neugier einen Blick auf die Gewichtstabelle des G-Wurfs und sind auf den Schlag geflasht: Am heutigen 45. Tag des Wurfs verzeichneten wir das gleiche Durchschnittsgewicht der Welpen. Damals wogen sie 4481 Gramm im Schnitt, heute 4482 (das eine Gramm schreiben wir aufs Konto von Messrundungen). Soll einer sagen, Genetik sei ein mendelscher Taschenspielertrick. Fianna kann nur elf, Fianna kann nur Fleckvieh und Fianna bringt immer die gleichen Stoffwechsler.

Schauen wir also mal, wie sich diese 4482 Gramm Durchschnittsgewicht auf die elf Hallodris verteilen. Man könnte sich nun fett zurücklehnen und sagen: Der Hallodri trägt die Hauptlast für diese Gewichtsentwicklung, was bei 5120 Gramm Hallodri vom Bairischen BluesHallodri ist kein Kostverächternatürlich nicht ganz falsch ist. Aber: Ohne Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen und davonpreschen kann jeder, die Kunst liegt in der Wahrung des Gleichgewichts. Und dafür ist Hubsi zuständig. Hubsi muss bremsen, um Fiannas interne Logik umzusetzen. Für jedes Gramm, dass sich der Berggorilla aufpolstert, muss Hubsi an sich halten. Hubsi ist das mendelsche Korrektiv, das die These bestätigt. Weil Hallodri heute zwar die fünf Kilo übersprungen, aber nur vergleichsweise bescheidene 220 g zugelegt hat, darf Hubsi etwas mehr naschen und sich 270 g gönnen. Das bringt den kleinen Justus auf 3790 Punkte. Kontrollieren kann man das Feld nur von hinten, und Hubsi hält sich daran. Fast schämt sich der Vize, dass er dem Kleinen eine Gewichtskarriere prophezeit und auf einen fetthaltigen Endspurt gewettet hat, ohne zu bedenken, dass Hubsi einen Auftrag hat, dem er peinlichst und pflichtschuldig nachkommt.

Was erzählt uns die heutige Tabelle noch? Die geschlossene Männerreihe ist gesprengt, die Mädels haben sich wieder untergemischt. Dabei hat sich vor allem Hetty hervorgetan: Ihren 380 g können Harpo und Hias nichts entgegensetzen; mit 4570 Gramm rückt sie auf den 5. Platz vor. Harpo schafft nur 140 g, was natürlich in diesem Feld kaum das Überleben garantieren kann und fällt mit 4440 Gramm auf den 6. Platz zurück. Noch härter trifft es Hias. 170 g sind nicht genug, wenn man die Lage von oben betrachten will, und 4370 Gramm reichen eben nur für den 8. Platz, den er sich auch noch mit Halina teilen muss, die immerhin 210 g zulegen konnte, also die eigentliche Gewinnerin im internen Duell dieser beiden ist. Zwischen Harpo und Hias hat sich Hakuna geschoben. Ihre 220 g reichen für 4390 Gramm und eben den 7. Platz. Der Vor-Hubsi-Platz gehört weiterhin Hedda, die Hubsi als Handlangerin im mendelschen Korrektiv zur Hand geht; 210 g sind durchaus respektabel, führen aber nur zu 4240 Gramm, was noch kein weiteres Vorrücken ermöglicht. Die erweiterte Spitze und der 4. Platz gehört immer noch Hobo (4640, +270). Der Bursche macht sein Ding, fällt nicht auf und aus der Rolle, ist sozusagen das Scharnier zwischen den Karrieristen und den Aufstiegswilligen. An ihm muss vorbei, wer nach oben will, wie man am Erzengel Gabriel vorbei muss, wenn man ins Paradies will. Vorbeigekommen am hoboschen Flammenschwert ist Hartl gestern schon. Heute hat er auch noch Hugo weggevespert und mit 300 g den silbernen Reserve-Hallodri an sich gerissen (4700). Bleibt noch Hugo, der seriöse, aber unzulängliche 210 g aufgespeckt hat; zur Strafe hockt er nun auf dem Bronze-Stockerl.

Bezüglich dessen, was den Hallodris die Gewichte spendiert, stellen wir seit einigen Tagen das Frühstück um, indem wir die Eier mehr und mehr durch körnigen Frischkäse (Hüttenkäse) ersetzen, was leichter verdauliches Eiweiß zur Verfügung stellt.

Harpo vom Bairischen BluesHarpo hat ein ProblemWeder an den Eiern noch am Hüttenkäse liegt es, dass Harpo plötzlich mittags Probleme mit seinem Allerwertesten hat. Er drückt. Er presst. Er kreiselt. Er jammert. Er klagt und drückt und presst und kreiselt, aber es will ihm nichts gelingen. Eine nähere Inspektion seines Pos durch die Chefin lässt die Vermutung aufkommen, Harpo sei gar kein echter Hund, sondern ein ausgestopfter, so einer mit Stroh und Seegras, denn was da hinten herauslugt, ist nicht das, was man erwarten muss. Die Chefin zieht und entfernt dem kleinen Vagabunden Stroh aus dem Hintern. Wo er das gefunden hat, bleibt uns verborgen. Der Eingriff bringt aber nicht viel, er jammert nämlich weiter und drückt und presst. Anscheinend sind ihm schon einige kleine Erfolge bei der Presserei geglückt, jedenfalls ist sein Po reichlich unappetitlich verschmiert. Also bekommt er eine Rektaldusche unter dem lauwarmen Wasserhahn, wofür er sich damit bedankt, dass er eine satte Darmspende auf das Vetbed im Transit setzt. Aber er jammert weiter und presst, immer in einer Haltung, die man eher von älteren Menschen kennen, die einen Rollator schieben. Lustig ist das nicht, aber neu für den Blues. Wir geben ihm Lactulose, die wir gegen die Verstopfung unserer alten Jamie immer im Haus haben, damit sich die Korken in seinem Darm lösen. Und wir rufen unsere veterinärmedizinische Vertraute Karin an, die uns insofern beruhigt, dass ein Fremdkörper eher unwahrscheinlich sei, weil diese weniger mit Blockade als mit Erbrechen einhergehe. Sie vermutet, dass ihm das Stroh und eventuell noch im Darm verbliebene Reste einfach pieken und quälen. Wir einigen uns aufs Beobachten. Er entledigt sich alsbald eines Würstchens, dann entscheidet er sich doch wieder für flüssige Materie und legt sich unterm Dach zum Schlafen. Wir beobachten. Aber es gibt nichts mehr zu sehen. Im Laufe des Nachmittags bewegt er sich wieder wie ein Hund ohne Rollator, klagt auch nicht mehr und tobt mit seinen Geschwistern. Vermutlich waren es doch die Strohstengel, die ihm ein unwohles Kneifen im Darm verursachten. Wenn du denkst, es gibt nichts mehr, was du nicht kennst, kommt von irgendwo ein Haar-Po her. Und man ist wieder um eine Erfahrung reicher, die man im Buch des Blues abheften kann.

An dem Kilo Rinderkopffleisch, das wir mittags mit Reis, gekochten Karotten und pürierten Erbsen servieren, beteiligt er sich auch, vielleicht, weil er damit den Stopf von oben bearbeiten möchte. Möglicherweise hat das ja zusammen mit der Lactulose auch für die Erlösung gesorgt. Wer weiß das schon?

Wenn man dann allerdings mit seinem Eimerchen und Schäufelchen durch den Garten streicht, wünscht man sich mehrere Harpos, anstatt seiner ungeniert auslösenden Geschwister. Für den Vize, der sich mit seiner Nase immer noch auf höchstem olfaktorischen Niveau bewegt, ist diese Wanderung durch den Garten wie Apnoe-Tauchen: Luft anhalten und an eine Zukunft glauben. Wenn heute nicht so ein mieser Graudonnerstag wäre, könnte man auch den ältlichen Spruch herauskramen: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten. Aber am Frühling kann es heute nicht liegen. Es können nur die Hallodris sein.

All dem Gestank und dem Graudonnerstag zum Trotz, lassen sich die Hallodris nicht kleinkriegen. Sie beschäftigen sich eher damit, ihr Paradies kleinzukriegen. Zum Beispiel die Kletterrose, die im unteren Teil wohlbedacht im Buchs verläuft, aber Hakuna vom Bairischen BluesHakunanun doch von den nimmermüden Killerblicken der marodierenden Kleinkindergruppen entdeckt und angegriffen wird. Wir verpassen ihr einen Schutzmantel aus Jute, was aber nicht leicht zu bewerkstelligen ist bei einer Pflanze, die sich im Schutz einer anderen emporrankt. Wo legt man den Jutesack an? Die Hallodris beobachten unsere Bemühungen mit eifrigem Interesse, machen sich ebenso eifrig Notizen und nach Fertigstellung des Jutemantel unverzüglich an die Aufdeckung aller Schwachstellen dieser Konstruktion. Es dauert nicht halb so lang, die Rose wieder zahnreif zu strippen, wie sie zu verhüllen. Wir nehmen uns vor, morgen einen neuen Anlauf unter Ausschluss der hallodrinischen Späher zu versuchen. Falls die Rose noch ein Morgen hat.

Hallodris mit GießkanneHalina vom Bairischen BluesHalina mit dem BrausekopfAndere wiederum spezialisieren sich aufs Gegenteil der Pflanzenvernichtung und schleppen unsere Gießkanne überall hin, wo sie meinen, dass sie gebraucht wird. Ob die Rose sie morgen noch braucht, wissen auch sie nicht zu sagen. Halina bereichert das Gießkannenspiel damit, dass sie den anderen den Brausekopf vorenthält, die diesen dann wieder erobern müssen, weil eine Gießkanne ohne Brausekopf keine Gießkanne und, ihrer Ansicht nach, auch kaum einsatzbereit wäre.

Hias vom Bairischen BluesHias genießt seine HängematteWer rettet unsere Botanik? Wir versuchen es mit der Pendelschaukel und dem Bällebad. Die Schaukel ist die sofortige Attraktion und verschafft der Rose, dem Lavendel und der Minze etwas Luft. Das Bällebad ist wegen des Bälledoms in der Küche kalter Kaffee und wird nur von Fianna benutzt, die umgehend eine Knabberstange unter den Bällen vergräbt. Das hat sie Fianna und das BällebadFianna auf der Suche nach der Knabberstangeschon beim G-Schwader so gemacht und nicht dazugelernt, dass sich unter Bällen nichts vergraben lässt. Deswegen befördert sie die Bälle umgehend aus dem Bottich, um ihr wiedergefundenes Knabberzeug an anderer Stelle zukunftsträchtig zu verscharren. Es würde uns nicht wundern, wenn sie es mit Hilfe ihrer Kinder unter der Kletterrose tun würde. Oder unter der Buchshecke, die sieht sowieso schon aus wie ein Minenfeld.

Am Gründonnerstag gedenkt die Christenheit des letzten Abendmahls des Herrn mit seinen Jüngern. Am Graudonnerstag wird uns und unserem Garten schmerzlich bewusst, dass es besser ist, wenn die Jünger bald dahin- und davonfahren, anstatt sich selbst und den Garten zu opfern.

 

Karfreitag, 14. April 2017

Stell dir vor, es ist Karfreitag und keiner schert sich drum? Die Abwandlung des alten Spontipruchs kommt einem in den Sinn, wenn man sich die Gewichtsentwicklung der Hallodris vor Augen führt. Nun kann Welpenzeit natürlich keine Fastenzeit sein, kaum für die Menschen, sicher aber nicht für die Zwerge. Aber muss man denn ausgerechnet von Gründonnerstag auf Karfreitag zu einem Gelage mit den entsprechenden Auswirkungen ausholen. Nach dem letzten Abendmahl hat der Herr bestimmt kein Jota zugenommen, schließlich war es ja auch eine Art Henkersmahlzeit. Aber 3170 Gramm Auflastung ausgerechnet am Höhepunkt der Fastenzeit ist lästerlich. Dabei registrieren wir eine Streuung von 160 g bei Hedda bis 400 g bei Harpo. Und dann friert uns doch das Blut ein wenig ein: Trotz dieser gewaltigen Zunahme und der enormen Streuung steht die Tabelle still, wie die Welt am Tag der Kreuzigung stillgestanden sein soll. Kein einziger Platz verändert sich, nur Hetty schafft es mit 280 g zu Hobo aufzuschließen. Gute Güte, spielt das Universum mit unseren Hallodris? Wir können uns wirklich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine eingefrorene Tabelle hatten. Deswegen verkünden wir nun in Demut und ohne jeden Firlefanz das Ergebnis (der Spötter ist beeindruckt und hält das Maul):

Hugo und Hartl vom Bairischen BluesHugo und Hartl1. Hallodri (5420, +300), 2. Hartl (5060, +360), 3. Hugo (4930, +250), 4. Hobo (4850, +210) und Hetty (4850, +280), 6. Harpo (4840, +400), 7. Hakuna (4770, +380), 8. Hias (4760, +390), 9. Halina (4620, +250), 10 Hedda (4400, +160), 11. Hubsi (3980, +190).

"Tiburtius kommt mit Sang und Schall, bringt Kuckuck und die Nachtigall." Heilix Blechle, nicht die schon wieder! Vermutlich singen Kuckuck und Nachtigall 'Oh Haupt voll Blut und Wunden' als Quintessenz einer langen und brandgefährlichen Reise. Im Mangfalltal singt und schallt jedoch noch immer kein Kuckuck und schon gar keine Nachtigall, was bezüglich des Kuckucks nicht verwundert, weil der ja bereits erfroren ist, wie wir wissen. Aber der Karfreitag ist bekanntlich Voraussetzung für die anschließende Auferstehung – und warum sollte unser Kuckuck nicht auch dafür gut sein? Kuckuck war nicht umsonst jahrhundertelang ein Tarnname für den Teufel (Auf einem Baum ein Kuckuck saß...). Und vielleicht steht er ja wieder auf, der totgesagte Mangfallkuckuck. Der Rest der Weissagungen changiert selten hemmungslos ins Dümmliche und schwurbelt sich ums Grün herum, wohl weil gestern Gründonnerstag war. "Am Tiburtiustag, alles grünen mag." Ja, warum auch nicht, Mitte April? Oder: "Grüne Felder am Tiburtiustag, die ziehen viel Getreide nach." Noch besser: "Tiburtius kommt uns sehr gelegen, mit seinem grünen Blättersegen." Kommt er uns, auch wenn er uns dumm kommt und dafür verkauft. Der Verfasser dieser Weissagungen war definitiv Schüler von Nostradamus und dem Mühlhiasl (ist kein direkter Vorfahre unseres Hiasls) und im späteren Leben deutscher Außenminister. Es ist nicht auszuschließen, dass er auch der Verfasser des bekanntesten aller trefflichsten Sprüche war: "Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer." Kann man nichts dagegen einwenden.

Der Karfreitag beginnt meteorologisch, wie man es von ihm erwarten darf, hochneblig bedeckt bei 6° C, nachmittags kann er sich dann nicht so recht entscheiden, ob er sich bedecken oder ein wenig entblößen will, gelegentlich lässt er es auch ganz zünftig blitzen, aber so richtig freimachen kann er sich von seinem düsteren Erbe nicht.

Fetzer Jr. vom Bairischen BluesFetzer Jr.Heute ist Fiannas Bruder Fetzer jr. zu Besuch aus dem Schwäbischen. Die beiden mögen sich, und er gibt Fianna auch keinen Grund, wegen ihrer Welpen gegen ihn einzuschreiten. Er ist ein erwachsener Rüde und demnach nur tangential glücklich mit Saugwelpen. Dafür macht er es aber sehr gut, ist nicht begeistert, aber eben auch nicht hysterisch wie manch anderer, er hält sich im Hintergrund, läuft aber nicht davon. Es ist Fetzis ganz persönliches Karfreitagserlebnis ohne schauriges Ende. Im Brechtschen Theater hätte man in dieser Inszenierung den Delinquenten nochmal davonkommen lassen, mit der Auflage abzuschwören, ganz wie beim 'Galilei' eben. So kommt auch Fetzi glimpflich davon und hat dazu durch seinen unaufgeregten Auftritt selber am meisten beigetragen. Nicht schlecht, Fetzi. Respekt. Da haben andere schon erheblich längere Fäden gezogen.

Hallodri-EierAlexandras Hallodri-EierZurHallodri-Eier Generierung der Vorfreude auf Ostern bringt Alexandra elf ausgeblasene braune, mit Hallodrigesichtern bemalte, Ostereier vorbei, dazu noch zwei große weiße Eier, stellvertretend für Ery und Fianna. Die kommen an frisch geschnittene Obstzweige und lachen uns nun schelmisch an. Ei, Ei, Alexandra, das ist eine preiswürdige Idee. Danke dir und deinen pustefixen Helfern.

Den Hallodris gönnen wir unsere Eier nicht, zumal sie eh schon inhaltsleer sind; sie bekommen, was sie brauchen und vertragen, z.B. das bekannte Trockenfutter, das wir nun aber nur noch einweichen, nicht mehr pürieren. So langsam müssen sie sich der realen Futterwelt annähern. Nachmittags gibt es wieder einmal gekochtes Hühnchen mit Reis und Gemüse, eine leicht diätetische Futtervariante, um zu verhindern, dass die Hallodris aus den Nähten platzen, wo doch die Fastensaison schön langsam ausläuft. Wenn die schon während der Fastenzeit so schlemmen, was hätten wir dann ohne Diätbremse danach zu erwarten? Zumal wir natürlich auch am Karfreitag nicht von unseren Gästen und Freunden vergessen werden, die wiederum bestimmt nicht vergessen haben, sich die Taschen mit Leckereien vollzustopfen. Es gilt also Disziplin zu wahren.

Die Hallodris und die KrawallsockeDie Hallodris und die KrawallsockeInHetty vom Bairischen BluesHetty einer besucherfreien halben Stunde sitzen wir zwischen unseren Zwergen und haben fast Tränen in den Augen, weil wir einfach glücklich sind mit ihnen. Wir können es nicht verheimlichen, dass wir in unseren Augen den schönsten Blues-Wurf aller Zeiten vor uns haben, der dazu auch noch unsere Herzen mit Süßholz verkleistert. Die Hallodris sind einfach zauberhaft: zauberhaft hübsch, zauberhaft wild, zauberhaft herzhaft und zauberhaft herzlich. Der Hallodrizauber legt sich wie ein Parfum aus Bergamotte und Ylang Ylang über unsere Herzen und den Pissoirgeruch des Paradieses.

Dabei hätten wir allen Grund zu trauern, denn heute hätte unsere unvergessene Anouk, die Grande Dame des Bairischen Blues, ihren 16. Geburtstag. Zwei Jahre geht das Leben nun schon ohne sie, und wie man sieht, geht es sogar zauberhaft. Gar nicht daran zu denken, wie es wohl gehen würde, wenn sie noch bei uns wäre. Andererseits hätten wir der alten Dame diese Rasselbande und die Sperrgitter wohl nicht mehr zumuten können und wollen und hätten vielleicht sogar wegen ihr auf die Hallodris verzichtet. Wie man es sich wünscht, ist es irgendwie verkehrt. Ohne Anouk ist es nichts und ohne die Hallodris wäre es auch nichts. Wir trösten uns damit, dass Anouk uns noch immer fest im Griff hat: Wir rufen Anouk, wenn wir Fianna meinen und wir schreiben Anouk, wenn wir Fianna schreiben wollen. Und das nach fast zwei Jahren und bei einer Fianna, die wir verehren und über die wir nichts kommen lassen. Es heißt, das Internet vergisst nicht. Gegen ein liebendes Herz ist das Netz geradezu dement.

Manch einem mag jetzt auffallen, dass wir den Geburtstag unserer ebenso unvergessenen Franzi, Fiannas Mama, am 5. März nicht entsprechend gewürdigt haben. Das ist nur im Außenverhältnis richtig. Die Anfänge der Hallodris hatten uns so in Beschlag genommen, dass wir vergaßen, ihn zu erwähnen, aber wir haben unseren Franz ganz sicher nicht vergessen, eine Kerze haben wir ihr auf unserem Hausaltar angesteckt und uns vorgestellt, wie stolz sie auf ihre Tochter und ihre Enkel wäre. Und gerade die haben ihr die Nichtnennung eingehandelt. Nein, unser Franz ist unvergessen und beansprucht nicht weniger Raum in unseren Herzen als Anouk. Wenn wir irgendwann dort auch noch Fianna unterbringen müssen, sollten wir uns vorher ein Sportlerherz zulegen, dass auch wirklich alle Platz haben. Und dann, so gehen die Gerüchte, soll auch noch eine Zwergin der Hallodris die Ahnenreihe des Blues verlängern. Der Vize beschließt, umgehend wieder mit dem Training zu beginnen, damit keine der dann immerhin schon vier Damen zu kurz kommt in seinem pulsierenden Liebesbeutel.

Doch das Paradies im Herzen und das Paradies der Hallodris ist mangelhaft, geradezu ein Mangelfall, wenn man dem Chronisten diesen Kalauer verzeihen möchte. Auch nicht unser Paradies, das die Hallodris heute bis nach 21 Uhr durchstöbern und genießen dürfen. Einerseits gibt das die Wetter- und Temperaturlage her, andererseits haben wir die Reduzierung der Darmwürmer in unserer Küche im Sinn: Je länger die draußen, desto weniger da drin. So denken wir uns das aus. Was wir nicht einkalkulieren ist, dass die Hallodris der Rechnung nicht zustimmen, weil wir sie nicht gefragt haben, wann sie ins Warme wollen. Jetzt, gegen halb zehn jedenfalls noch nicht. Und das machen sie unverzüglich und unmissverständlich mit einem akustischen Elferrat-Special deutlich, dass uns das Trommelfell knattert und das liebende Herz zuschnappt. Dieses vokale Terrorregime bewegt sich weit jenseits jeglicher Lärmschutzverordnung. Die Chefin verscherbelt alle für die Hallodris reservierten Plätze in ihrem Herzbeutel, bindet ihn zu und droht mit kollektiver Exekution der Ausgewiesenen. Diese pfeifen auf die leere Drohung und keifen auf die Kasernierung. Bis ihnen die Luft ausgeht. Und das Licht ausgeht. Der Vize hält noch bis Mitternacht Brandwache, um jedes Aufflackern im Keim zu ersticken. Hat er nun einen Tinnitus oder ist es doch nur das Echo der Hallodris?

 

Karsamstag, 15. April 2017

In der Reaktion auf dezent vorgetragenen Tadel zeigt sich der Charakter. Auf grob vorgetragenen Tadel reagieren gelegentlich sogar die Dickfelligen mit Einsicht; sobald er aber an die feinen Verästelungen des Wesens andocken will, findet er meist keinen Rezeptor. Seit heute Morgen können wir nun die Hallodris separieren, in jene mit dem gusseisernen Gewissen und chronisch verstopften Gehörgang und die anderen mit den feinen Sensoren für die dezente Ansprache, die demnach auch die feinen Antennen in der Ausbildung haben dürften. Um deutlich zu werden: Unser gestriger Vorwurf bezüglich unsensiblen Umgangs mit den Bräuchen der Fastenzeit hat erwartungsgemäß gerade bei denen nicht gezündet, denen eine kleine Diät nicht schaden würde. Dafür haben die Schmalbrüstigen und die echten Hungerhaken an sich gehalten, diejenigen Hallodris, die sich bewusst ernähren und nicht nur die Futterluke öffnen und Brennstoff einfüllen, bis der Kessel glüht.

Hetty vom Bairischen BluesHettyIn der Registratur sieht es dann so aus. Das Häuslergewicht Hias hat sich am heftigsten kasteit und 160 g abgenommen. In Worten einhundertundsechzig Gramm abgenommen! Das wirft ihn von 4760 auf 4600 Gramm und vom 8. auf den 9. Platz zurück. Die zünftige Hetty ist unter ihrem schwarzen Rock erheblich feinfühliger als man ihr anmerkt: 50 g hat auch sie abgenommen, was sie auf 4800 Gramm und von Platz fünf auf Platz sieben bringt. Ein Glanzstück der statistischen Äquilibristik vollbringt Harpo, der sich einfach nicht bewegt, kein Gramm zu- oder abnimmt und dennoch mit seinen 4840 Gramm von Platz sechs auf Platz fünf vorrückt. Auch Hakuna darf man noch zu denen zählen, die sich die kleine Gardinenpredigt zu Herzen genommen und nur 40 g zugenommen haben; wir haben ja keine Nulldiät oder asketisches Fasten verordnet. Für Hakuna stehen damit 4810 Gramm in den Büchern und Platz sechs statt sieben, weil Hetty sie so generös vorbeigewunken hat. Wem nun angereichertes Fastenverhalten oder eingebremste Völlerei zu bescheinigen ist, lässt sich bei der nächsten Gruppe nicht so leicht beantworten. Halina hat beispielsweise 120 g zugelegt; das ist der geringste Wert seit fünf Tagen. Wir bescheinigen ihr also, dass der Geist vermutlich willig, aber das Fleisch zu lecker war: 4740 Gramm, eins rauf auf acht. Und wer will Hubsi vorwerfen, dass er sich sittenwidrig und traditionsvergessen gestopft hat – bei 130 g! Von Fastengewinnlerei kann dabei wirklich nicht die Rede sein. 4110 Gramm halten ihn am Tabellenboden fest. Hedda ist jedoch schon ein Grenzfall. Für ein Leichtgewicht am Tabellenende sind 150 g nicht wenig, obwohl sie natürlich in den vergangenen Tagen deutlich mehr geliefert und dennoch nicht vom Fleck gekommen ist. Ihr bringt der Fastenschmaus nichts, außer 4550 Gramm und weiterhin den Vor-Hubsi-Platz. Nun wird es zunehmend schwieriger, einen guten Fastenwillen mit den Zahlen in Einklang zu bringen. Hartl, ein g'standenes bayerisches Mannsbild auf dem zweiten Rang, muss nicht 170 g zulegen, um zu überleben. Nur wenn man sich da oben im Bullenrennen keine Blöße geben will, muss man sich einspreizen. Er kommt damit auf 5230 Gramm und hält die Position. Über die Notwendigkeit einer Gewichtsauflastung bei Hallodri ist jedes Wort überflüssig. Ihm ist das wurscht, Brauch und Tradition sind bei ihm eine Untermenge von Bauch und Gravitation. Die 180 g sind bei ihm eher ein kleiner Nachschlag zu gestern (300 g!) und eher beiläufig an ihn herangetragen worden als aktiv eingefahren: 5600 Gramm. So einer befolgt keine Regeln, so einer macht sie. So einer darf sogar in einem öffentlich rechtlichen Studio rauchen, falls er Helmut Schmidt hieße. Und so einer darf an Karfreitag seinen Geschwistern die Noagerl wegfressen, wenn er Hallodri heißt. Hugo sieht aus wie ein Messdiener und ist ein ganz hinterkünftiger Fressschlawiner, dem man seine Pfunde nicht ums Verrecken ansieht. Selbst die karfreitäglichen Hobo vom Bairischen BluesHobo220 g aus der Baiblues-Diätküche (linksdrehend und glutenfrei) bauen ihn nicht zum stiernackigen Starkbiermönch um. Er hat offensichtlich kein Pölsterchen zusätzlich auf seinem Sixpack: Jetzt auch Zehnpfünder, 5150 Gramm, 3. Platz gehalten. Aber der Großsünder des Bairischen Blues ist ihm nähergerückt: Hobo! 280 g. Am Karfreitag. Schamlos, sittenlos, selbstverliebt. Als Vorbild ein Totalversager. Oder ein heimlicher Salafist? Wir registrieren widerstrebend (und mit der 2. Sure, Vers 184 auf den Lippen[1]) 5130 Gramm und stabilisierter 4. Platz. Wegen der Abstinenzler kommen insgesamt dann doch nur saisonal angemessene 1080 Gramm heraus.

Man kann auch die Fastentreuen anders interpretieren, nämlich als diejenigen, die für die ekligen Fladen und Lachen in Küche und Garten verantwortlich zeichnen, diejenigen also, die die Mahlzeit und damit auch das Gewicht nicht halten können. Tatsächlich kriegen wir den Durchfall nicht in den Griff, was uns aber nur aus ästhetischen und hygienischen Gründen besorgt, denn selbst der Super-Minus-Mann Hias zeigt keinerlei Defizite. Wir rätseln, was der Grund für den Darmkatharr sein könnte. Grünzeug im Garten? Das hatten wir immer schon. Oder der laktosefreie Hüttenkäse, den wir versehentlich gekauft haben? Den werden wir jetzt mal weglassen. Mal sehen. Aber solange die Hallodris über jedes Stöckchen springen, das wir ihnen und sie sich selber hinhalten, machen wir uns keine Gedanken. Nur die Miasmen drücken sehr auf die Stimmung.

Doch ganz untätig wollen wir nicht bleiben und nur zusehen, wie sie aus unserer Küche einen Augiasstall machen, deswegen probieren wir es mit der Moroschen Karottensuppe, von der wir ihnen nun immer ein Löffelchen eine halbe Stunde vor dem Frühstück geben. Die Morosche Karottensuppe ist ein uraltes Hausrezept, für das die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden müssen. Durch das lange Kochen entstehen Oligosaccharide, die von der Struktur den für die Erreger bestimmten Rezeptoren der Darmwand zum Verwechseln ähneln, weshalb sich die Erreger nun nicht an der Darmwand, sondern an diesen Zuckermolekülen niederlassen und mit diesen gleich wieder hinten hinaus abserviert werden. Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass die Kinderkacke nachmittags schon deutlich schnittfester ist.

Hedda und Hallodri mit der KalbshaxeHedda und Hallodri mit der KalbshaxeWenig nahrhaft, aber ein Aufreger ist der originale Kalbsfuß mitsamt Fell, den wir den Hallodris servieren. Erst ist er ganz hin- und hergerissen, der Hax, irgendwann wird er dann in einer Gartenecke die Beute eines weltvergessenen Nagers. Noch nie haben Welpen einen solchen Kalbshaxen bei uns kleingekriegt, aber er fördert die Beharrlichkeit, sich an etwas Begehrtem festzubeißen und so lange daran zu arbeiten, bis ein Erfolg zu verzeichnen ist. Für die Hunde kann so ein nachhaltiges Dranbleiben von größtem Wert sein, von ihren späteren Besitzern erwarten wir dafür kein Sonderlob. Spätestens, wenn die ersten Manolo-Pumps in aseptische Einzelteile von Erbsengröße geraspelt sind, hält sich die Begeisterung über die Hartnäckigkeit des neuen Familienmitglieds in engen Grenzen. Aber wir sind für die Lebensfähigkeit unserer Welpen verantwortlich, nicht für die von Luxusschühchen und das seelische Gleichgewicht von Hundenarren.

Fianna und ihre WelpenFianna hat noch H-MilchNoch immer – wir gehen stramm auf das Ende der 7. Woche zu – kann es Fianna nicht lange ohne ihre Kinder aushalten. Noch immer gibt sie beim Spaziergang an jeder Ecke Gas in Richtung Heimat. Und der Vize gibt ihr nach, nicht zuletzt, weil auch ihn das Sauwetter nicht länger als nötig im Freien hält. Für Fianna wäre das unter normalen Umständen allerdings kein Grund, den kurzen Weg nach Hause einzuschlagen. Kaum zurück, stellt sie sich und serviert wieder die begehrte H-Milch. Dass da immer noch was kommt!

Das Mistwetter beginnt morgens bei 6° C locker bewölkt mit blauen Flecken und einem Wind, der den Hallodris Schleifchen ins Fell knüpft. Ab Nachmittag fährt der Himmel schwere Wolkenlast auf. Ihr folgt der Regen, der mitunter zur Dusche wird. Für die Hallodris bedeutet das, dass sie sich anfangs noch draußen unter dem Balkon aufhalten können, weil es nicht kalt ist. Als aber der Wind gegen 19:30 Uhr den Regen bis an die Hauswand treibt, ist die Freiluftsaison bis auf Weiteres beendet. Wir beschweren uns trotzdem nicht: Es ist tatsächlich das erste richtig schlechte Wetter, seit die Kinder draußen sein können.

Wir nutzen die Gelegenheit und legen den schlummernden und träumenden Hallodris erstmals ihre Halsbänder an. Die merken nichts, und wenn sie aufwachen, werden sie sich wundern und kratzen. Und bevor hier die Lichter ausgehen, machen wir sie wieder ab, damit sie sich nicht verletzen oder gar am Halsband durch die Küche zerren. Denen ist alles zuzutrauen.

 

Ostersonntag, 16. April 2017

Der Osterhase irrt durch das garstige Osterwetter und steht pudelnass und zerzaust vor unserem Garten, um den Hallodris ein paar Eier zu legen, aber die sind im Haus, und wir sagen ihm, dass er die anderen Kindern beschenken soll, wir haben ja schon die von Alexandra. Da trollt er sich und ist vermutlich ganz froh, dass er in dem miefigen Garten nicht herumhopsen und liefern muss.

Es ist einfach nur grau draußen, dick bewölkt, und Regen ist der Hauptgast an diesem Ostertag. Die 6° C sind bei dem mitgelieferten Wind auch keine Einladung für unsere Hallodris, sich im Freien aufzuhalten. Wir müssen sie also ein wenig bespielen, damit sie keinen Lagerkoller bekommen.

ZHobo vom Bairischen BluesHobo bei der Morgenbambuleum Morgenappell und zum Putzen sind sie allerdings draußen unterm Balkon, unter den wir ihnen die neue Liege schieben, was zur Folge hat, dass sich die Bande am Ostersonntagmorgen um 7 Uhr einen heißen Kampf um die Plätze auf oder unter der Liege liefern. Und sie streiten nicht lautlos. In unserem Garten geht es zu wie am Hamburger Fischmarkt. Da bleibt kein Auge trocken und vor allem kein Nachbarauge im Schlaf geschlossen. Wir müssen ihnen die Liege wieder wegnehmen und legen dafür zwei Vetbeds aus. Um die lohnt es sich nicht zu streiten. Und schon ist wieder Ruhe. Der Osterhase schüttelt nur den Kopf und ist froh, dass er dieser Schlägertruppe entkommen ist.

Der Durchfall gehört so ziemlich der Vergangenheit an, möglicherweise wegen der Karottensuppe, aber trotz der Inflation von Knabberstangen und Pansenstangen unserer Besucher und der nahrhaften Kalbshaxe. Auf der Waage summiert sich diese Völlerei zu nahezu 4000 Gramm Gewichtszunahme, was nichts anderes ist als ein Gewichts-Tsunami, eine gewaltsame Befreiung vom Fastenkorsett. 3970 Gramm sind es exakt, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Möglicherweise müssen wir unseren Hallodris doch Abbitte leisten mit unserem Vorwurf, sie hätten nicht gefastet; wenn das hier halbwegs normal sein sollte, dann hat sogar der Kalorienstaubsauger Hobo gestern noch gefastet, auf seinem Niveau eben. Aber das dürfte man ihm nicht verübeln.

Die Urgewalt dieses Fastenbrechens lässt sich am besten darstellen, wenn man ganz unten anfängt, beim Kaloriensparmodell des Tages, und das ist Hartl mit 270 g. Er bleibt mit 5500 Gramm auf dem 2. Platz. 280 g meldet Hugo, der es damit nicht schafft, seinen 3. Platz zu verteidigen, sondern auf Rang vier abfällt (5430). Dass Hallodri mit vergleichsweise schwächlichen 290 g seinen Sonnenplatz nicht verliert, weiß jeder, der dessen Polster im Kopf hat und rechnen kann (5890). Hubsi ist dagegen ein hoffnungsloser Fall: Selbst mannhafte 310 g lassen ihn noch Boden verlieren (4420). Mit 320 g schafft es Hobo, sich an Hugo vorbei auf den 3. Platz zu schieben (5450). Hias versucht, sein Image als Spargeltarzan gar mit 360 g aufzupolieren und bleibt mit 4960 Gramm dennoch auf dem drittletzten Platz hängen. 380 g lässt Halina registrieren, schafft damit zwar die Fünf-Kilo-Marke, aber auch keinen Schritt nach oben (5120). Ab jetzt wird es adipös. 400 g sind für ein zartes Geschöpf wie Hedda fast schon monströs, schließlich hat sie sich an diesem einen Tag fast ihr Geburtsgewicht von 450 Gramm aufgebürdet. Ein Weg aus der Positionskrise ist es an einem solchen Tag der Maßlosigkeit dennoch nicht; sie bleibt mit 4950 Gramm noch unter der Fünf-Kilo-Marke und Vorletzte, legt aber ein bisschen mehr Abstand zwischen sich und Hubsi, was weder ihr noch ihm hilft, beziehungsweise schadet; reine Ergebniskosmetik. Es ist schwer vorstellbar, dass man mit 420 g einen Platz einbüßen kann – Hakuna vollbringt das Kunststück, weil es noch skrupellosere Futterverwerter als sie gibt: 5230 Gramm und einen Platz von sechs auf sieben runter. Fehlen uns noch zwei Mitwirkende an diesem wirklich hinterletzten Abendmahl. Harpo fehlt noch, der Schelm, dem seine Schwester Hetty einen üblen Streich spielt. Man kann sich vorstellen, wie es ihm heute Morgen auf der Waage zumute gewesen sein muss, als er seine Differenz von 440 g auf dem Display aufflackern sah, rot unterlegt wegen Überschreitung des zulässigen Tagesbedarfs, und dann mitgeteilt bekam, dass ihn diese Ergebnis vom fünften auf den sechsten Platz verbannt! Er schrie nach einem Eichmeister, um das Ergebnis anzufechten, aber es konnten keine Messfehler nachgewiesen werden: Seine Schwester Hetty ging als Schwergewichtsmeisterin des Blues aus der Rallye: 500 g! Ein halbes Kilo! Und Aufstieg von Platz sieben auf Platz fünf mit 5300 Gramm. Liab's Herrgöttle von Biberach! Das Verstörende an dieser Bilanz ist, dass man den Hallodris diese Leibesfülle nicht ansieht, sogar der sogenannte Berggorilla sieht nur wie ein männlicher Hovawartwelpe in der 7. Woche aus.

Wir beschließen, dass das ersehnte Osterlamm heute ausfällt und kredenzen ihnen das, was sie eigentlich in der Fastenzeit hätten bekommen müssen: Gekochten Fisch mit Kartoffeln und Karotten. Wohl bekomm's.

Das Bunny ist erlegtDas Bunny ist erlegtAls Hias und das BunnyHias unternimmt einen StresstestDas OsterbunnyDas Osterbunny stellt sich vorOstergeschenk bekommt heute das rosarote und monströse Osterbunny seinen Auftritt, das sie sich sofort in Mannschaftsstärke zur Brust nehmen, während der gleichzeitig zugeführte Orka Willy links und rechts liegen gelassen wird. Die Vorgänger der Hallodris stürzten sich mit Verve auf Willy, diese hier nehmen ihn kaum zur Kenntnis. Vielleicht liegt es ja an Ostern, dass Bunnys besser ankommen als Killerwale.

Das Ende des BälledomsDas unwürdige Ende des BälledomsDas miese Wetter und der Regen zwingen uns heute wieder zur Käfighaltung, was zweierlei zur Folge hat. Erstens: Die Hallodris sind unleidig und nörgelig, krakeelen dauernd herum und gehen uns auf den Nerv. Und zweitens: Sie vergreifen sich am bisher heiß geliebten Bälledom und vergewaltigen ihn. Wie eine Horde Bandidos stürzen sie sich auf ihn, versudeln ihn und die Bälle mit ihren Exkrementen, verteilen die Pampe gleichmäßig und falten ihn versandfertig zusammen. Wir sehen für ihn keine Chance auf Genesung mehr, schaffen ihn ins Auslieferungslager und bringen die Bälle zur Grundreinigung in die Hundedusche. Weil er auch unzählige Zahnmarken und Laufmaschen hat, glauben wir, dass wir uns schon nach einer Spielzeit von ihm wieder verabschieden müssen. Er hat uns und den Hallodris viel Freude bereitet und die Küchenromantik spürbar erhöht, aber jetzt ist mit ihm kein Staat mehr zu machen; der Dom hat seine Schuldigkeit getan, der Dom muss gehen.

Um die sich im Haus dahinschleppende Zeit mit Sinn zu füllen, klemmen wir uns die Hallodris einzeln unter den Arm und bringen sie zu Einzeltests ins Dachstudio. Dort waren sie noch nie, dort finden sie einen Raum mit 60 m2 vor, in dem alles Mögliche herumsteht: Erstaunliches, Beunruhigendes, Fremdes, Beeindruckendes und Verlockendes, vor allem aber – viel. Der Test läuft so ab, dass der Vize und Chronist mit der Kamera still in einer Ecke hockt, der Fernseher läuft, die Chefin den Probanden oder die Probandin ins Studio holt, absetzt und einfach machen lässt. Sie setzt sich daneben und macht sich Notizen. Später bringt sie Bälle und ein Baby-Beißkissen ins Spiel.

Die erste Kandidatin ist Hedda, weil sie nicht schläft und sich naseweis wichtig macht. Hedda schaut sich einen Moment um und stapft dann vorsichtig los, mal hier hin, mal dort hin. Die Rute ist in Wohlfühlstellung, Hedda ist mehr entspannt als Hedda vom Bairischen BluesHeddaHedda vom Bairischen BluesHeddagespannt. Auf ihrem Weg vorbei an der Chefin begrüßt sie diese mit einem kleinen Nasenstüber, greift sich ihren Kuli vom Boden, trägt ihn eine Runde im Kreis herum und bringt ihn ihr zurück. Als die Chefin zwei Bälle hervorzaubert, kugelt sie diese eifrig durchs Studio. Das zum Schluss angebotenen Baby-Beißkissen bekommt einen ordentlichen Anbiss und wird auch herumgeschleppt. Und auch der Vize wird noch begrüßt, damit er in seiner Fotonische nicht an gebrochenem Herzen verscheidet. Das war eine beeindruckend souveräne Vorstellung; man darf eben nicht unterschätzen, was es bedeutet, plötzlich in ein völlig unbekanntes Terrain mit lauter unbekannten Bauteilen versetzt zu werden. Hedda legt die Latte ganz weit oben auf.

Hetty vom Bairischen BluesHettyHetty vom Bairischen BluesHettyKandidatin Nr. 2 ist Hetty. Auch sie orientiert sich kurz und marschiert dann los. Sie arbeitet die interessanten Studiobereiche intensiver ab als Hedda, verweilt länger und vertieft sich stärker. Sie arbeitet den Raum ziemlich systematisch ab, jammert gelegentlich, geht auch mal Energie bei Frauchen tanken, sieht sich aber alles sehr genau an, ist dabei jedoch immer leicht in Spannung. Entspannung hofft sie in der intensiven Beschäftigung mit Pflanzen und deren Verkostung zu finden. Besonders fasziniert ist sie von den Fernsehbildern, die sie immer wieder magisch anziehen. Der Ball kommt ihr beim ersten Kontakt auch ein bisschen spanisch vor, geht dann aber befreit und gelöst auf ihn ein, spielt mit ihm und trägt ihn genauso umher wie anschließend das Kissen. Keine Leistungsabzüge, alles unerhört prima, weil es völlig normal ist, wenn ein Welpe sich einer neuen Umgebung mit Umsicht nähert.

Halina vom Bairischen BluesHalinaHalina vom Bairischen BluesHalinaDas Damengambit setzt sich mit Halina fort. Sie fühlt sich während des Transports ins Dach nicht ganz wohl und klammert. Oben angekommen holt sie sich erst Kraft beim Vize, wedelt ihm freudig zu und geht ihn besuchen. Dann geht auch sie auf die Rundreise, ebenfalls intensiv wie Hetty, interessiert sich aber nicht mehr für uns; sie braucht uns jetzt nicht mehr, ist viel zu sehr beschäftigt und abgetaucht. Als sie bei der Chefin vorbeikommt, nimmt sie ihr auch den Kuli weg, findet aber keinen Gefallen an ihm und lässt ihn wieder fallen. Ähnliches zeigt sie bei den Bällen und der Beißwurst: Sie ist interessiert, spielt damit, solange sie animiert wird, alleine ist sie daran nicht interessiert: Halina steht definitiv nicht auf tote Beute, sie sollte sich schon bewegen.

Hakuna vom Bairischen BluesHakunaHakuna vom Bairischen BluesHakunaLetzte Dame ist Hakuna. In der Orientierungsphase, bevor sie sich umschaut, nimmt sie schon Witterung auf und schnüffelt herum. Dann läuft sie los, schnell und doch vorsichtig. Sie überstürzt nichts, ist aber offen für das, was kommt. So ambivalent geht es weiter: Einerseits trägt sie die Rute wie einen Flaggenmast, andererseits muss sie sich immer wieder verlegen kratzen. Als Kraftspender scheint ihr Chefins Kuli gerade recht zu sein; sie greift ihn sich und trägt ihn durchs Studio, schaut sich mit ihm intensiv um. Der Ball ist sofort ihr Freund, nur ungern gibt sie ihn wieder heraus, was ihr Probleme bereitet sich zu entscheiden, als der zweite Ball dazu ins Spiel kommt. Auch das Beißkissen macht ihr sofort Laune auf ein zickig-zackiges Zerrspielchen. Mon dieu!

Hartl vom Bairischen BluesHartlHartl vom Bairischen BluesHartlUnd nun: Hartl. Der Knirps pflanzt die Rute auf wie ein Bajonett und stapft los. Allerdings führt ihn sein erster Weg zum Vize und auf dessen Schoß, kurz innehalten, Kraft tanken und so tun, als ob das zum Programm gehörte. Aber viel Zeit verspielt er mit diesem Zwischenstopp nicht, macht sich gleich wieder auf den Weg durch den neuen Orbit: alles spannend, alles cool. Auch das Angebot von Bällen und Beißkissen nimmt er ohne Zögern an, geht darauf ein und lässt sich nicht zweimal zum Spielchen bitten. Er legt während des Spiels immer mehr zu, baut immer mehr Trieb auf. Dieser Hartl hat noch Reserven.

Hugo vom Bairischen BluesHugoAlsHugo vom Bairischen BluesHugo nächsten Kandidaten bitten wir Hugo in den Ring. Er macht es nicht anders als seine Geschwister: schaut sich kurz um und geht los. Auch er wählt als ersten Boxenstopp den Schoß des Vizes, lässt sich bestätigen, dass er ein gaaanz toller Hecht ist und geht dann weiter seine Runde, bei der er anfangs noch ein wenig unsicher ist, dann aber schnell die Rute nach oben bringt und seine Kreise zieht. Aufs Ballspiel und das Beißkissen lässt er sich ebenfalls problemlos ein, macht aber die Kiefer nicht richtig zu; ihm sind Menschen wichtiger als Bälle und Zerrzeug. Deswegen steigt er der auf dem Bauch liegenden Chefin auf den Rücken und schaut ihr über die Schulter beim Schreiben zu. Er will genau wissen, was sie über ihn zu berichten hat. Bestimmt nix Schlechtes, so viel ist sicher.

Hias vom Bairischen BluesHiasHias vom Bairischen BluesHiasMit Hias geht es weiter und hört für heute auf, weil während seiner Examination Besuch kommt. Hias gibt gleich Gas, jammert zwar ein bisschen dabei, aber man kann nicht sicher sein, ob es ein Jammern ist oder ob er sich einfach nur Mut zuspricht. Die Rute trägt er jedenfalls wie eine Antenne und unbegutachtet lässt er nichts. Der Chefin klaut er den Kuli, bringt ihn ihr auch wieder zurück, frisst ihr dafür den Schreibblock unter den Fingern weg. Als die Chefin dann den Besuch einlässt und er mit dem untätigen Vize allein ist, nimmt er die Dinge selbst in die Hand, holt sich einen herumliegenden Ball, treibt ihn durchs Studio, angelt nach dem zweiten, wenn er gerade neben ihm auftaucht, und auch das Beißkissen bekommt den einen oder anderen Freiflug. Der braucht keine Chefin, keinen Vize, der ist sich selbst genug und weiß etwas mit sich anzufangen. Potz Abraham und Zauberstab!

Wegen des Besuchs ist nun Schluss, die anderen müssen warten. Damit ihnen die Wartezeit nicht zu lang wird, bekommen sie noch schnell die dritte Entwurmung, diesmal mit Milbemax, das nur an einem Tag gegeben werden muss. Damit haben wir auch diese Pflicht rechtzeitig genug vor dem Impftermin nächsten Freitag erledigt.

Und draußen tanzt der Regen Polonaise. "Regnet's stark zu Albinus, macht's den Bauern viel Verdruss." Hat schon was, wenn man kein Bauer ist.

 

Ostermontag, 17. April 2017

Der Vize lässt es sich nicht nehmen, heute Morgen der Gewichtskontrolle beizuwohnen, um zu sehen, ob der Zunahme-Tsunami wieder über die Waage schwappt oder vielleicht doch ein wenig Bauchgrimmen seinen Tribut fordert. Beeindruckend ist die Souveränität der Hallodris auf der Waage. Wenn jemand der Ansicht sein sollte, dass man von Welpen am Ende der siebten Woche doch wohl erwarten könne, kein Problem auf einer Waage zu haben, ist das ein Irrtum. Unsere Hündinnen haben wenig Welpen gebracht, die leicht zu beeindrucken oder ängstlich waren, aber es gab immer welche, die sich auf dieser Babywaage, oben auf dem Küchenblock oder dem Gartentisch, lange oder bis zum Schluss nicht wohlfühlten. Und wir erinnern uns eine ein paar wenige, die bis zum letzten Tag mit weichen Knien wie Schmidtchen Schleicher auf der Waage standen, zitterten und jegliche Bestechung ablehnten. Doch die Hallodris stehen da und mampfen ihre Platinumstückchen, lässig und locker, als wäre es ein kleines Amuse-Gueule vor dem Frühstück. Keiner hat die Rute unten, keine versucht, das wacklige Schiff zu verlassen und wenn der Versuch doch gemacht wird, dann, weil die Leckerli aufgesaugt sind, die Chefin aber wegen der hippeligen Ladung zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt und die Kandidaten länger als es denen lieb ist dort oben festhält. Das alles bestätigt die unerschrockene Performance der ersten Testkandidaten gestern im Studio.

Die Gewichte zeigen die erhoffte Normalisierung; vermutlich geht es den Hallodris wie uns nach ein paar üppigen Tagen. Nur Halina füttert möglicherweise einen Bandwurm, sonst würde sie nicht schon wieder mit 310 g in die Registratur kommen. Gestern 380, heute 310, das sind 690 g an zwei Tagen. Da liegt eine Karriere als ukrainische Traktoristin nahe. Für sie bedeutet das heutige Ergebnis 5430 Gramm und Aufstieg von Platz acht auf fünf. Das deutet an, dass sich die anderen etwas mehr zurückgehalten haben müssen. Die nächste Hausnummer liefert Hartl mit 280 g, was sich bei ihm auf 5780 Gramm summiert und ihm den zweiten Platz sichert, nur noch 220 g hinter Hallodri. Der lässt es nämlich gerade etwas gemächlicher angehen und begnügt sich mit 110 g, und die tragen ihn auf glatte sechs Kilo. Tärä! Eine engagierte Leistung muss man auch Hias mit 240 g konstatieren, die ihm 5200 Gramm eintragen und seinen Lieblingsplatz Number Hakuna und Fianna vom Bairischen BluesFiannas Morgenpflege bei HakunaNine sichern. Den Rest beten wir jetzt runter: 3. Platz Hugo (5630, +200), 4. Platz Hobo (5610, +160), 6. Platz Harpo (5420, +140), 7. Platz Hetty (5300, 0), 8. Platz Hakuna (5280, +50), 10. Platz Hedda (5100, +150) und 11. Platz Hubsi (4600, +180).

Das Osterwetter ist immer noch engagiert, auch den letzten widerborstigen Hasen in seine Kate zu treiben. Morgens ist es kalt, stark bewölkt und windig bei 4° C, im Tagesverlauf wird es zunehmend regnerisch bei nicht mehr als 7° C, bis sich er Regen in eine stürmische Wasserfront verwandelt, die die Hallodris selbst in der Deckung unterm Balkon durchnässt. Das bedeutet wieder Kasernierung. Das bedeutet wieder nörgelige und zickige Kinder. Aber das heißt auch, dass wir das Hallodri-Assessment im Dachstudio fortführen können.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi vom Bairischen BluesHubsiHeute beginnen wir mit dem Rotlichtträger Hubsi. Er geht die Sache etwas vorsichtig an, weiß nicht so recht, was wir da mit ihm planen. Als wir ihn jedoch ansprechen, ist er sofort Feuer und Flamme, wedelt mit dem ganzen Körper wie eine Vogelscheuche im Sturm und stürzt sich auf uns. Hubsi ist ein Philanthrop wie Hugo; erst der Mensch und dann sein Sach. Getrieben von seiner Neugier, macht er sich nach der Begrüßung auf den Weg und versucht, alles aufzunehmen und sich einzuprägen, langsam und intensiv. Jetzt nimmt er von uns nur noch beiläufig Notiz. Auf das Ballspiel steigt er sofort ein, wird dessen aber auch genauso schnell wieder überdrüssig. Das Beißkissen dagegen erklärt er zu seinem besten Freund, da kontert er wie ein Profi und will es nicht mehr herausgeben. Dass er mit seinen Zähnen umzugehen weiß, hat nicht nur der Vize schon am eigenen Leib spüren dürfen. Für einen, der unzweifelhaft zwei bis drei Tage nach den anderen in Produktion gegangen ist, also um diese Zeit jünger ist, was sein Federgewicht erklärt, aber auch die immer noch eindeutig kleineren Zähne belegen, ist eine solche Vorstellung sehr beeindruckend, weil in dieser Entwicklungsphase zwei oder drei Tage einen enormen Unterschied bedeuten. Wir stellen Hubsi ein sehr vielversprechendes Zeugnis aus.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriHallodri vom Bairischen BluesHallodriWenn man acht sich sehr gleichende Vorstellungen gesehen hat, will und muss man natürlich die Unterschiede herausarbeiten, um überhaupt differenzieren zu können. Deswegen holen wir nun als Kontrastangebot nach dem Nachzügler die Dauervorhut: Hallodri. Er hält sich nur sehr kurz mit der Orientierung auf und läuft dann sehr zielstrebig in alle Ecken davon. Dabei ist er der Erste, der sich auch die ganz finsteren Ecken vornimmt und auch dabei gelassen und unaufgeregt bleibt. Das in der dunkelsten Studioecke liegende japanische Sitzkissen erwählt er sich als Feldherrnhügel, um die Lage von oben herab zu überblicken. Das Prüfungsteam begrüßt er im Vorübergehen freundlich, aber geschäftig, soll heißen: keine Zeit, ich komm später auf euch zurück. Die ganze Zeit ist er schnell auf seinen Beinen unterwegs, ohne dabei getrieben oder hektisch zu wirken. Auf die Spiele geht er auch sofort ein, bringt allerdings die Beute nicht zurück, sondern sichert sie. Eine ausgereifte Vorstellung.

Harpo vom Bairischen BluesHarpoHarpo vom Bairischen BluesHarpoNun Harpo. Man möcht fast sagen, auf Groucho folgt Harpo, nach dem gewichtigen und souveränen Chef kommt der Hansdampf und Oberschelm. Er findet nicht einmal die Zeit, einen Blick rundum zu senden, sondern läuft sofort in die Richtung los, in die er zufällig gestellt wurde. Auf seiner sehr zügigen Rundreise macht er einen Zwischenstopp auf dem Schoß des Vize, hält ein Pläuschchen und ist wieder weg. Feldherrnhügel überlässt er Wichtigeren, dafür hat er einen Sinn für die kleinen Dinge des Alltags, z.B. die Flasche Maxlrainer Weißbier unterm Glastisch. Die hat bisher noch keinen der Hallodris interessiert, aber Harpo entdeckt sie und macht ihr seine Aufwartung. Er ist ein Kobold auf Betriebstemperatur, er galoppiert herum, macht den Affen und ist in jeder Phase seines Tests völlig unbekümmert. Den Bällen ist er sofort hinterher und treibt sie durchs Studio, so, dass wir völlig überflüssig sind, weshalb wir ihn ans Beißkissen locken, was er ebenso offenherzig annimmt wie alles andere. Er ist wirklich ein sensationell fröhlicher und unbekümmerter Tropf ohne Hemmungen, Allüren und Flausen.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDerHobo vom Bairischen BluesHobo letzte Auftritt gehört Hobo. Der bleibt erst einmal stehen und schnüffelt seinen Standort ab, dann geht er los. Hobo wedelt und sieht sich um. Hobo klettert auf Schöße, verteilt Liebesbriefe, wedelt und wandert weiter. Hobo wedelt und entführt einen Kugelschreiber. Hobo vergreift sich an Grünpflanzen und wedelt. Dabei betritt er allerdings nie die äußeren und finsteren Lebensräume, sucht hingegen immer mal wieder die Nähe der Tür, durch sie er hereingetragen wurde. Mit den Bällen freundet er sich sofort an, dem Beißkissen kann er anfangs nicht viel abgewinnen, lässt sich aber schnell überzeugen, es mit ihnen zu versuchen, was ihm dann auch Spaß bereitet, unbefangen ist er dabei jedoch nicht. Hobo verkörpert heute den interessiert offenen, aber bedächtigen Typ. Er wäre in der heutigen Verfassung erste Wahl für viele Hundesportler, die sich nämlich entgegen der allgemeinen Meinung nicht für den Kamikaze-Typ entscheiden, der mit verbundenen Augen auf Kommando von der Brücke springt, sondern eher für den kontrollierten Typ, der sich den Dingen offen und interessiert, aber mit Bedacht nähert. Solche Hunde haben für den Sport häufig den längeren Atem und mehr Tiefgang. So gesehen hat Hobo heute das kleine Sportabzeichen abgelegt.

Was wir gestern und heute gesehen haben, ist äußerst ungewöhnlich und fast beängstigend souverän, andererseits darf man nie aus den Augen verlieren, dass wir über 50 Tage alte Welpen reden. Bewertungen und Einschätzungen sind eine Momentaufnahme, der typische Charakterzüge zugrundeliegen, die aber nicht als Wechsel auf die Zukunft verstanden werden darf. Es ist eine sehr beeindruckende Basis vorhanden, gefestigt oder festgelegt ist nichts. Dieses Potential kann zum Blühen oder zum Welken gebracht werden. Aber was in ihnen steckt und was aus ihnen werden kann, haben die Hallodris eindrucksvoll gezeigt.

Der Rest des Tage spielt sich heute vorwiegend in Küche und Transit und ohne nennenswerte Ereignisse ab, die Outdoor-Phasen sind meist kurz und eher garstig. Diese Konstellation ist besonders unangenehm, weil Harpo und Halina wieder einmal Durchfall haben, breiige Grüße aus Darmstadt, ohne klinische Begleiterscheinungen. Aber in der Küche und im Transit gehören sie nicht zu jenen Gaben, die das Osterfest ideal beschließen.

 

Dienstag, 18. April 2017

Der Vize schaut frühmorgens mit verkleistertem Blick aus dem Fenster und denkt, ihn laust der Hase: Hat doch der vermaledeite und frustrierte Osterhase sämtliche Puderzuckerreste für die nicht abgerufenen Osterlämmer im Hallodrigarten entsorgt. Da ist ja alles weiß; Puderzucker, keine Frage, der ganze Garten kandiert. Spinnt das Bunny jetzt komplett? Erst als sich die Schlafjalousetten vor seinen Pupillen heben, wird ihm klar, dass er dem Hasen Unrecht tat: Das ist Schnee! Und der fällt auch noch in Schneefetzen so groß wie Kartoffelchips aus allen Wolken. Zwischendurch schauert es, dann schneeregnet es. Der Winter ist zurück; in Garmisch-Partenkirchen mit 30 cm Neuschnee, in Rottach-Egern, nur eine kräftig ausgestreckte Armlänge von hier, auch noch mit 15 cm. Im Mangfalltal reicht es nur zu einem Zuckerguss. Dieses Treiben zieht sich weit in den Nachmittag hinein, dann erst löst sich der eisige Deckel in Wolken mit Sonne auf, allerdings auch mit viel Wind. Und abends bleibt der Papp, der dann wieder über uns kommt, bei 0° C liegen. Schöne Nachbescherung.

Wegen der hohen Feuchtigkeit und der Morgentemperaturen um 0° C müssen wir die Hallodris nach dem Putzen gleich wieder ins Haus holen. Obwohl wir gerade dabei sind, ihre Leben, mindestens aber ihre Gesundheit, zu retten, stimmen sie ohne Verzug ein gellendes Kakadu-Konzert an: Wir sind das Volk, wir wollen raus, wir sind das... Und während die einen an den Grenzanlagen kreischen und sich das Volk nennen, verscheißen die anderen ihr Staatsgebiet, das frisch geputzte, wohlgemerkt. Das Volk, das selbsternannte, ist dümmlich meist, immer aber laut und dreist. Und das Staatsoberhaupt erkennt die Vergeblichkeit des guten Tuns. Dabei fallen ihm, etwas verspätet, die zwei Kernsätze des Karfreitags ein, "Es ist vollbracht", was sich im vor-liegenden Fall auch mit "es ist prachtvoll" übersetzen ließe und "Noch heute werdet ihr mit mir im Paradiese sein". Das aber würde voraussetzen, dass er des Lebens überdrüssig wäre. Davon kann keine Rede sein, schon aus purem Trotz nicht. Dorthin senden würde er das ganze Pack allerdings leichten Herzens. Express mit UPS (Universal Paradise Service).

Zur Beruhigung der Gemüter bietet sich das Wiegeprotokoll an. 2060 sind nach dem Exzess von vorgestern und dem Reduktionstag gestern eine vernünftige Marke. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, dass Harpo und Halina wieder Durchfall hatten, was sich prompt auf deren Ergebnis niederschlägt. Harpo liefert heute 80 g mehr als gestern, was für einen Diarrhoe-Hollaraiduljöh gar nicht so übel ist. Mit 5500 Gramm rutscht er vom 6. auf den 7. Platz. Bei Halina macht sich der Durchfall deutlicher bemerkbar: 50 g und 5480 Gramm. Die Konsequenz ist ein Durchfall von fünf auf acht. Überhaupt keine Kenntnis hatten wir von einer Unpässlichkeit Heddas, die uns mit nur 30 g beglückt, dabei sieht sie uns an, als Hias vom Bairischen BluesHiaswollte sie ein Kompliment über ihre Modelfigur hören: 5130 Gramm, 10. Platz, wie gehabt. Was soll das Gehabe? Im Weiteren verfolgen wir das Protokoll von links nach rechts, also in der Reihenfolge der Erdenfahrt unserer Hallodris. Hartl meldet 200 g an, die ihn auf 5980 Gramm anwachsen lassen und weiterhin zum ersten Anwärter auf die Thronfolge machen (2. Platz). Das kann Hias trotz seiner 260 g nun wirklich nicht von sich behaupten. Ihm geht es ähnlich wie Hubsi: Er gibt sich Mühe und sieht kein Land (5460, 9. Platz). Da geht es Hakuna deutlich besser, weil im Mittelfeld Bewegung ist, während die Ränder festgefügt sind. Sie kommt gar mit 290 g mehr auf die Waage. Die 5570 Gramm tragen sie von Platz acht auf sechs. Hugo gibt sich dagegen mit seinen 140 g eher zugeknöpft. Zur Strafe rutscht er von drei auf vier (5770). Hedda haben wir bereits besprochen. Hubsi liefert 100 g, zu wenig, um des Vizes Vorhersage Wirklichkeit werden zu lassen, aber genug, um stetig an seiner Rüdenwerdung zu arbeiten (4700, Rotlicht). Hetty hat so etwas Maßloses und Unstetes, sie ist der lebende Jo-Jo-Effekt der Hallodris. Heute bereichert sie das Tableau mit 330 g (5630) und ihrem Aufstieg von sieben auf fünf. Halina und Harpo haben wir auch schon abgearbeitet. Fehlen noch Hobo und Hallodri. Hobo meldet 210 g, was ihm mit 5820 Gramm den 3. Platz von Hugo einbringt. Und wenn zwei sich ums Besteck rangeln, löffelt der Dritte die Suppe aus: Hallodri. Mit 370 g zeigt er, dass er immer kann, wenn er will und keiner glauben soll, dass er ihm irgendwann das Fett von eben jener Suppe abschöpfen kann: 6370 Gramm und up, up and away.

Die RampeRampensauAls nachmittags das Wetter zwar frisch, aber sonnig ist und die Hallodris ihren Garten genießen können, lassen sie richtig die Sau raus (offensichtlich fehlt ihnen ein tierischer Spielpartner, weil in den letzten Tagen der Hase ein Totalausfall war). Gerade haben sie noch gekuschelt und jetzt geht die Post ab; vermutlich haben sie beim Kuscheln nur die Muskeln Hetty und Hartl vom Bairischen BluesHetty und Hartlvorgeglüht. Der echte Bringer ist die neue Rampe, mit der sie erstmals in luftige Höhen von etwa 50 cm klettern können – und beim Absturz auch noch die Lacher auf ihrer Seite haben. Das Motto des Tagesbildes "Young Fast Loud" füllen sie heute Nachmittag kompromisslos mit Leben, vor allem das loud hat es ihnen angetan. Es ist schon gut, dass der frische und windige Nachmittag niemand außer dem Fotofix des Blues auf einen Aufenthalt im Freien lockt. Da können sie krakeelen so lange sie wollen. Wir haben nur liebenswerte und absolut keine kleinkarierten Nachbarn, aber auch sie haben das Recht, nicht alles kommentarlos schlucken zu müssen, was ihnen eine Horde unerzogener Welpen zumutet. Wir haben allen Grund, uns bei dieser Gelegenheit auch mal bei der gesamten Nachbarschaft für ihr Verständnis herzlich zu bedanken.

Als der Abend vorangeschritten ist und die Hallodris die Küche belagern wie besoffene Landsknechte, erbricht Hetty einen großen schleimigen Berg undefinierbaren Inhalts. Das einzige, was der Vize in dem Pamp identifizieren kann, ist eine Art Knochenstück oder irgendetwas anderes großes Weißliches. Hetty geht es unendlich schlecht. Sie erbricht immer wieder Schleim, sie hat definitiv Schmerzen und jammert und wimmert. Die Chefin gibt ihr Nux vomica, um Magen und Darm zu beruhigen und nimmt sie zu sich ins Bett; Wärme und der Herzschlag der Chefin sollen Harpo vom Bairischen BluesHarpoihr helfen. Aber Hetty bleibt unruhig und fahrig. Wir machen uns richtig Sorgen, bringen sie jedoch wieder zu ihren Geschwistern und hoffen auf die Hilfe von Nux vomica; wenn es wirkt, hilft es relativ schnell. Gegen Mitternacht macht der Vize nochmal eine Visite bei seiner Patientin und findet sie zwischen ihren Geschwistern, entspannt auf der Seite liegend. Als er sie ein wenig berührt und streichelt, grunzt sie schläfrig und streckt sich mit Hakuna vom Bairischen BluesHakunaallen vier Beinen und einem Katzenbuckel, wie es Hunde tun, wenn sie sich entspannen. Das sieht wieder gut aus. Gegen ein Uhr wirft der Vize nochmal einen Blick auf Hetty und findet, dass sie zwischen ihren Geschwistern kaum mehr zu finden ist. Offenbar alles wieder gut. Wahrscheinlich hat sie ihrer Mama ein Stück ihres Kalbsknochen abgekupfert und einen deutlich zu großen Brocken geschluckt. Da hat auch ein Großer schon mal Aufruhr im Bauch.

Es geht in die finale Woche mit den Hallodris, da kann man auf solche Dramas gut verzichten, wo doch die ganze kommende Woche ein einziges Drama ist. Vor allem für die Welpenbesitzer, für die es nun heißt: Off Limits. Kein Zutritt mehr. Wir haben genug um die Ohren und um die Herzen. Was diese erleichtert, sind die ersten Schwalben, die uns gerade heute wegen der tieffliegenden Insekten im Tiefflug um die Nasen rauschen. Eine Schwalbe macht zwar keinen Sommer, füllt aber die Leere, die die überfälligen Nachtigallen und erfrorenen Kuckucke erzeugten. Und sie kündigen den Sommer an, die Zukunft, Glück und Wärme. Auch ohne Hallodris.


[1] Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!