
8. Woche (19.04. - 24. 04. 2017)
Mittwoch, 19. April 2017
Schnee für die HallodrisBeginnen wir die letzte Hallodri-Woche mit den wichtigsten Informationen zuerst. Hetty ist wieder wohlauf, putzmunter, frisst wie eh und je und mischt ihre Geschwister auf. Und zweitens: Es ist Winter. Es liegt Schnee im Paradies und es schneit weiter, immer wieder unterbrochen durch Schneeregen- und Graupelschauer. Man könnte nun klagen und das ungütige Schicksal vermaledeien, aber das tun wir nicht; wir hatten bisher die längste Zeit ideales Welpenwetter und außerdem hilft uns dieses Wetter, die Hallodris auch noch mit dem Winter bekannt zu machen. Sozialisierung so weit unser langer Arm reicht, und der reicht offenbar bis in die universale Wetterküche. Für unsere Welpen tun wir alles und sind uns für nichts zu schade.
Nach den tagesaktuellen Meldungen wenden wir uns der Routine zu, der Waage. 2860 Gramm bringen die Hallodris heute mehr auf die Waage, und es hat sich in der Reihenfolge eigentlich nichts verändert – wenn man davon absieht, dass Hetty vom 5. auf den 9. Platz durchgereicht wurde. Die abendliche Mehrfachübergabe hat sie mächtig Substanz gekostet.
Das kommentarlose Ergebnis: 1. Hallodri (6700, +330), 2. Hartl (6220, +240), 3. Hobo (6130, +310), 4. Hugo (6100, +330), 5. Hakuna (5750, +180), 6. Harpo (5730, +230), 7. Halina (5690, +210), 8. Hias (5680, +220), 9. Hetty (5670, +40), 10. Hedda (5500, +370), 11. Hubsi (5100, +400). Mit einem gewaltigen Satz wuchtet sich Hubsi über die Fünf-Kilo-Hürde, und auch Hedda lässt wissen, dass sie sich noch nicht für alle Zeiten mit dem Vor-Hubsi-Platz abfinden will.
Taxi ins GrüneWas zur oben hochgelobten Sozialisierung noch fehlt, ist eine Fahrt oder ein Spaziergang ins Grüne. Bis einschließlich zum F-Wurf konnten wir mit unserem Nachwuchs aus dem Haus und ein paar Meter um die Ecke gehen, und schon waren sie mitten im Grünen. Heute ist das Grüne zwar noch immer da, aber gleich nebenan auch eine neue Siedlung mit dem zugehörigen Verkehr. Elf Welpen auf diesem, wenn auch kurzen, Straßenabschnitt unfallfrei auf die Wiese zu bringen, ist zu riskant. Deshalb müssen wir etwa drei Kilometer fahren. Dort gibt es Wiesen, Felder und einen Modellflugplatz mit Parkplatz, ohne eine Straße in unmittelbarer Nähe. Außerdem nuschelt dort noch ein Bächlein durch die Wiesen, in dem die Hallodris auch mal baden gehen können,
Harpo: "So, wo samma?"auch
Die Überquerung des Wassergrabensim übertragenen Sinne, weil das Bächlein in einem Graben verläuft, in den man kopfüber purzeln kann. Alles in allem also beste Bedingungen für einen Wandertag. Problem 1: In unserem französischen Kleinwagen bringen wir keine elf Hallodris unter, wie früher im Carnival. Lösung: Hias' zukünftiges Hauspersonal bietet seinen T5 als Taxi und sich als Begleitung an. Angenommen. Problem 2: Das Wetter. Schneefall, Schneeregen und Graupel sind suboptimale Voraussetzungen für ein frohgemutes Stelldichein im Wald und auf der Weide. Lösung: Das
Anspruchsvolles GeländeN
Hubsiiederschlagsradar der Chefin prophezeit für 11 Uhr eine größere Wolkenlücke, somit genug Zeit für einen nicht zu ausgedehnten Spaziergang, der sowieso nicht auf dem Programm steht. Kurz vor 11 Uhr fahren die vier Hiasls vor und die Hallodris werden verladen. Und los geht es. Die Hallodris sind sehr angetan und wenig aufmüpfig. Nach ein paar Minuten parken wir am Modellflugplatz, öffnen die Schiebetür des Transporters – und die elf hüpfen einer nach der anderen heraus, als erster der spärliche Hubsi. Und dann geht sie los, die Reise ins Ungewisse. Ein Sack Flöhe ist wenig herausfordernder als elf Heranwachsende zwischen Fluchtreflex nach Hause und dem Bedürfnis, sich in den
Abwettern im SchneesturmGr
aben stürzen zu wollen. In dieser Situation, die uns natürlich nicht fremd ist, sind wir für die acht Hände und Arme der Hiasls sehr dankbar. Wir bugsieren die Bande über einen schmalen Übergang hinüber auf eine ziemlich hochbewachse Wiese, was die Ortung der Hallodris noch schwieriger macht, weil sie in diesem Bewuchs fast verschwinden, dafür aber muskelkräftigende Sprünge machen müssen, um sich voran zu bewegen. Und dann setzt der Schneefall und der Graupel ein. Fragende Blicke in Richtung Chefin und deren Niederschlagsradar. Der Vize hat, aus schlechten Erfahrungen weise geworden, schon frühzeitig vor diesem Wetterpropheten gewarnt, aber wenn die Chefin an etwas glaubt, lässt
Auslaufen auf dem Flugplatzsie sich darin nicht irre machen, auch wenn ihre Umgebung irre wird. Bald rotten sich die Hallodris wie eine Herde Büffel im nordamerikanischen Schneesturm zusammen, um sich zu schützen und zu wärmen. Doch wer ein echter bayerischer Hallodri sein will, muss auch unter einer Schneedecke überleben können. Weiter geht es, hundert Meter nördlich wieder zurück über den Graben und den Bach, immer auf der Hut, dass nicht doch noch ein Hallodri einen Köpfer macht, und nach einer halben Stunde werden alle wieder wohlbehalten verladen und ins Hallodri-Paradies chauffiert.
Das habt ihr toll gemacht, HiasGut
Hias hebt abhaben sie es gemacht, zusammen haben sie es gemeistert. Und wir danken den Hiasls für ihren Taxi-Service und ihre Unterstützung beim Flöhehüten. Nun hoffen wir, zu Hause ein wenig Ruhe zu haben, doch die Bande ist keineswegs ausgelastet und erschöpft, sondern tobt im Garten völlig befreit und quietschfidel weiter. Die sind einfach nicht tot zu kriegen.
Ein beliebter Stresstest für Welpen ist die Begegnung mit einer Rettungsfolie; erstens glitzert sie so erbarmungslos, zweitens knistert sie höllisch unter den Füßen und drittens muss sie sich
Die Rettungsfolieunter
Hobo sichert sich ein Stück Foliediesen zarten, noch unbewehrten Welpenfüßen äußerst unangenehm anfühlen. Die Hallodris erledigen das Problem auf ihre Weise: Sie stürzen sich gemeinsam auf sie und zerlegen das glitzernde Bärenfell binnen Minuten. Ende. Keine Rettung für die Rettungsfolie. Wir fragen uns, wie diese Folie schon zwei Würfe überstehen konnte? Nun ist sie hin, hallodrisiert sozusagen.
Spät nachts scheint dann allerding doch ein ohnmachtsähnlicher Schlaf über die Hallodris gekommen zu sein, denn als der Vize gegen Mitternacht seinen Kontrollgang macht, regt sich nichts in der Schlafküche. Selbst im Weg und in der Tür liegende Hallodris, die beiseite geschafft werden müssen, grunzen nur kleinlaut und schlafen am neuen Ort ungestört weiter. Die Küche präsentiert sich zudem als eine Art Reinstraum: Keine Lache, kein Haufen. Die Hallodris haben nichts mehr herzugeben, selbst Darm und Blase liegen im Tiefschlaf.
Dem Vize soll es recht sein. Die Chefin wird morgen früh ihr Glück kaum fassen können.
Donnerstag, 20. April 2017
Bis um 6 Uhr dringt kein Laut an unsere Ohren, die Hallodris halten sich bedeckt, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass heute Führers Geburtstag ist, und wer möchte da schon zu früh (oder überhaupt) beim Jubeln erwischt werden. Oder sie sind schon alle stoned, denn schließlich ist heute auch Welt-Cannabis-Tag (420-Day) und sie halten sich an Bob Dylans Refrain dazu: Everybody must get stoned. Wie dem auch sei: Um 6 Uhr ist es mit ihrer Zurückhaltung vorüber und sie jubeln und sind offenbar herzerweichend stoned.
Stoned oder stunned ist kurz darauf auch die Chefin, die sich praktisch mit den ersten Lautmeldungen aus ihrem Bett wirft und ins Erdgeschoss stürzt, als sie mit 20 Endmoränen konfrontiert wird. Zwanzig! Irgendwann zwischen Mitternacht und 6 Uhr müssen die Hallodris gleich zweimal aktiv gewesen zu sein. Immerhin aber lautlos, um unseren Schlaf nicht zu sabotieren. Ein gewisses Glücksgefühl, wenn man das unter diesen Umständen unterstellen darf, bemächtigt sich der Chefin dennoch, weil die 20 Stuhlproben alle von fester und gesunder Konsistenz sind.
HubsiDie nächste Überraschung wird ihr beim Wiege-Akt bereitet: 710 Gramm Gewichtszunahme. Das ist glatt ein Viertel der gestrigen Leistung. Auf diesem Niveau haben wir uns vor einem knappen Monat zuletzt bewegt. Dabei machen die Hallodris absolut keinen hinfälligen Eindruck, aber offensichtlich haben die Eindrücke und Ereignisse des gestrigen Tages kräftig an ihrer Substanz gezehrt. Dazu kam das sehr frische Wetter, bei dem man viel verbrennen muss und nur wenig anlagern kann, um aktiv zu bleiben. Gleich vier Hallodris liefern eine Nullnummer: Der Ober-Hallodri selber, dem auch ein Askesetag nichts anhaben kann (6700, 1. Platz), dann die beiden Verfolger Hartl und Hobo, die eine gute Gelegenheit verstreichen ließen, dem Hallo auf die Pelle zu rücken, und auch noch von Hugo überholt wurden, der mit 140 g für die Verhältnisse des gestrigen Tags kräftig zulangte (6240, 2. Platz). Damit
Hoborutschen Hartl und Hobo auf den 3. und 4. Platz. Die vierte Nullnummer leistet sich ausgerechnet Hubsi, der seiner korrektiven mendelschen Mission treu bleibt und den gesamten Verband im stabilen Gleichgewicht hält. Der Tagesprofiteur ist Harpo mit 190 g (wahrscheinlich hat er sich den ganzen Tag im Windschatten seiner Geschwister herumgetrieben), der damit auf den 5. Platz nach vorne rückt: 5920 Gramm. Halina (5790) und Hedda (5600) schultern gemeinsam und jede für sich 100 g und behalten ihre Plätze sieben und zehn. 90 g mehr bringt Hias auf die Waage (5770, 8. Platz), damit überholt er Hetty, die nur 40 g schafft (5710, 9. Platz). Hakuna kann auch nur 50 g bieten (5800), was sie wegen Harpos 190 g auf Platz sechs fallen lässt. Wirklich viel ist also in der Statistik nicht passiert, was wir auch für den Rest der Hallodri-Tage nicht mehr erwarten. Die großen Linien sind gezeichnet, Hubsi wird kein Hallodri mehr und der Hallo wird nicht mehr einbrechen. Dazwischen wird es noch ein paar eher zufällige Korrekturen geben, und das wird es dann auch gewesen sein.
Die aktuelle Wetterlage von -2° C morgens und nicht mehr als 5° C tagsüber, bei wechselnden Schneeschauern, könnte morgen für ein ähnliches Wiegeprotokoll sorgen, allerdings stehen heute nicht annähernd so Substanz zehrende Aktivitäten auf dem Plan. Aber die Hallodris verbringen viel Zeit draußen, weil ihnen die Kälte nichts ausmacht, wovor man sie schützen muss ist die Nässe. Da heute kein kräftiger Wind weht, der die Schneeschauer unter den Balkon und ins Hallodri-Lager treibt, können sie sich heute wieder ziemlich viel im Freien herumtreiben.
Es drückt uns noch ein Schuh: Die Welpenportraits, jene, die für die Ordner gedacht sind und die Welpen ein ganzes Leben lang identifizieren werden, im Internet und überall. Es sind die im Bild eingefrorenen letzten Eindrücke von unseren Welpen, bevor wir sie in die Welt hinaus schicken. Diese Portraits machen wir immer in der letzten Woche und so spät, wie möglich. Und sieben Würfe lang haben wir die Portraits auf der Wiese,
Hedda bei der Wiesn-Probegleich um die Ecke, gemacht, auf der wir früher auch unsere ersten Spaziergänge unternommen haben. Nun stellt sich zwar nicht das Problem, dass wir die Zwerge, wegen des Verkehrs, nicht dort hinüber bringen wollen, weil wir sie sowieso einzeln dorthin tragen würden, nein, das Problem ist die hohe Wiese, die ungefähr so hoch ist wie die Ausflugswiese gestern. Bei diesem Bewuchs kann man auf dem Bild keinen Welpen mehr erkennen. Die Chefin hat Hedda kurz hinüber geführt und die Wiese getestet und kommt sehr ernüchtert zurück. Wo machen wir die Portraits? Im Garten? Niemals, dort steht zu viel Gerümpel herum, außerdem sind die Lichtverhältnisse selten befriedigend. Wieder hinüber zum Modellflugplatz? Alle zusammen? In welchem Auto? Vor allem: Wie werden die Zwerge einen mindestens einstündigen, langweiligen Aufenthalt im Auto wegstecken? Sie werden randalieren und keine gute Erinnerung ans Auto speichern. Kurz: keine Lösung. Wenn wir sie einzeln oder in Kleinstgruppen dorthin befördern, sind wir einen Tag beschäftigt. Auch keine Lösung. Wir vertagen das Problem, auch weil die aktuelle Wetterlage keinen Anlass zu einer schnellen Entscheidung gibt. Wir vertrauen darauf, dass sich irgendwo ein Türchen öffnen wird; man muss sich den Umständen beugen und insgeheim nach Möglichkeiten suchen. Mal sehen... Aber es beschäftigt uns, es rumort in uns. Welpen ohne Portraits wäre ein Bruch mit allen Traditionen des Bairischen Blues.
Hurra, die Post ist daDas Klingeln der Türglocke rettet uns aus den trüben Portrait-Gedanken. Hurra, hurra, die Post ist da und liefert die für die Welpenbesitzer georderten Futtersäcke. Warum wir denn noch so viel mehr Futter bräuchten als sonst, was ja eh schon reichlich wäre, will die Zustellerin keuchend wissen. Wir greifen ihr helfend unter die Arme und erklären ihr, warum. Jetzt will sie den Elferrat aber unbedingt sehen und wird ins Paradies eingeladen. Sekunden später ist sie von elf naseweisen und kontaktfreudigen Hallodris umzingelt, die an einer Postzustellerin noch nichts Anstößiges finden können, sondern sie ebenso herzlich begrüßen wie alle nicht uniformierten Besucher bisher auch.
Vielleicht ist dies ja einmal eine exzellente Gelegenheit, dem Mysterium der Opferrolle von Postzustellern den Schleier zu entreißen und allen Hundebesitzern den Schlüssel für die Lösung dieses uralten Rätsels an die Hand zu geben. Die Antwort heißt schlicht: Kein Hund attackiert Postzusteller, weil sie schlecht riechen, eine Uniform tragen oder bei der falschen Firma angestellt sind. Hunde spielen ihre Herrscherrolle aus, die sie in der Interaktion mit den Postzustellern erlernt haben.
Als Beispiel nehmen wir die Hallodris, die in wenigen Tagen ihr neues Heim beziehen werden. Und nun stellen wir uns vor, wie unser Hallodri in der Empfangshalle seiner 45-Zimmer-Villa liegt (darunter geben wir keinen Welpen ab) und sich langweilt. Dann hört er, wie ein Auto die gekieste Auffahrt herauf rollt und sich Schritte aufs Haus zu bewegen. Danach klappert etwas neben der Haustür. Der Hallodri weiß, dass er ein Wachhund werden soll, ist aber mit der Situation noch nicht im Reinen, deshalb belässt er es bei einem verschluckten und unterdrückten "Wmpf". Schnell bewegen sich die Schritte von der Tür weg, das Auto rollt davon. Am nächsten Tag läuft der gleiche Film wieder ab: Auto auf Auffahrt, Schritte zur Tür, Klappern, der Hallodri ermannt sich nun bereits zu einem drohenden "Wuff". Schnelle Schritte ab. Auto ab. Der Hallodri ist zufrieden. Am dritten Tag das gleiche, diesmal traut sich der Hallodri bereits ein kräftiges "Wau Wau" zu und ahnt, dass das da draußen ein besonderes Modell von Angsthase sein muss, wenn es immer Reißaus nimmt, sobald er, der kleine Hallodri, seine Stimme erhebt. Nach mehreren Wiederholungen ist der Hallodri Herr der Situation und das da draußen ein jämmerlicher Hosenscheißer. Zur Vollendung des für den Hallodri zufriedenstellend verlaufenen Rollenspiels, wünscht er sich nur noch, dem Waschlappen Aug in Aug gegenüber zu stehen und ihm eine Lektion zu erteilen. Tritt die Situation ein, zeigt der Hallodri, was in ihm steckt und kann auf die schicke Uniform des Zustellers oder der Zustellerin keine Rücksicht nehmen. Damit ist die Zusteller-Sozialisation unseres Hallodris, wie sie weltweit millionenfach stattfindet, vollendet. Eine klassische Konditionierung.
Und nun stellen wir uns vor, der / die Zusteller(in) öffnet bei der ersten Lautäußerung unseres Hallodris die Haustür und gibt ihm eine gepflegte Kopfnuss zwischen die Ohren. Dann würde die Zusteller-Konditionierung genau anders herum verlaufen und der Hallodri hätte beim Herannahen des Autos auf seiner gekiesten Auffahrt zukünftig den nötigen Respekt und würde sich weiterhin seiner Langeweile hingeben. Die dritte Variante wäre, dass dem Zusteller freundlich die Tür geöffnet und er oder sie hereingebeten würde, damit man sich mit dem neuen Hallodri bekanntmachen kann. Ein kleines Pläuschchen und eine Schmuserunde könnte sich anschließen und der Hallodri wäre fortan ein getreuer Follower seines Zustellers und aller seiner Nachfolger. Und weil wir wissen, dass 99,9 % der Hundehalter auf diese Sozialisation pfeifen, übernehmen wir das für sie: die freundschaftliche Zusteller-Konditionierung. Die ist im Preis inbegriffen. So sieht eine verantwortungsvolle Welpenaufzucht aus. Noch Fragen?
Hias, der Nachwuchs-PostillonIm Fall unserer Zustellerin läuft die Konditionierung geradezu vorbildlich, wenn man einmal davon absieht, dass sich Hias in der Hosentasche der Zustellerin an einem Benachrichtigungsformular vergreift und damit wie mit dem Goldenen Vlies durch den Garten tobt, und der Rest des Elferrats hinterher. Die Zustellerin selbst spielt fortan nur noch eine nachrangige Rolle im Sozialisierungsspiel, aber sie ist kein Mysterium vor der Haustür, sondern ein weiblicher Mensch aus Fleisch und Blut und keine besondere Aufmerksamkeit mehr wert. Züchter glücklich, Zustellerin glücklich, Hallodris aus dem Häuschen – alles bestens.
Aus dem Häuschen sind die Zwerge auch abends noch einmal, als die Chefin die preiswürdige Idee gebiert, Anouks Gitterbox in die Küche zu stellen, um die Hallodris auch einmal mit einem solchen Möbel bekannt zu machen. Die Box haben wir gekauft, damit die alte Anouk im Wohnmobil sicher liegen konnte. Doch Anouk lehnte die Hilfe ab und nahm sie auch nie wieder an, weil diese Reise ihre letzte werden sollte. Und nun vereinsamt das Möbel im Keller. Die Chefin erweckt es zum Leben, weil eine solche Box, wenn sie für einen Hund positiv belegt ist, ein idealer Rückzugsort sein kann. Die Hallodris sind sehr willig, diese Box für sich positiv zu belegen, indem sie sie zum Goldenen Kalb befördern und um sie herum einen Tanz aufführen, dass uns vor allem das Hören vergeht. Binnen Minuten bieten sie uns eine Feldstudie zum Thema "Hausbesitzer und Hausbesetzer" an. Die Rollen wechseln zwar, aber jeder der Akteure ist bei jedem Rollenwechsel augenblicklich in der Lage, die neue Rolle auszufüllen; das gehört zur Überlebensstrategie. Das Theaterstück, dem wir beiwohnen dürfen, hat natürlich euch ein schlüssiges
Hubsi allein zuhausEnde, und zwar in der Form, dass sich aus den wechselnden Rollen zehn in die Flucht geschlagene Hausbesetzer und ein Hausbesitzer entwickeln, auch King of the Mountain genannt. Wer nun der Meinung ist, das könne nach Lage der Dinge nur der Ober-Hallodri sein, irrt. Es ist auch nicht die pfiffige Hakuna oder die zupackende Hetty, schon gar nicht der freundliche Hugo oder der schelmische Harpo, der gemütliche Hobo und auch nicht die fixe Hedda oder die kraftvolle Halina. Die Max-und-Moritz-Imitatoren Hartl und Hias bleiben auch ausgesperrt. Hubsi ist es, der sich in seinem neuen Wohnzimmer behaglich einrichtet. Allein. Ungestört. Stolzer Hausbesitzer im kreideweißen Angesicht der ausgeschmierten Besetzerbande. So sieht es aus: Ein erfolgreiches H-Selmäuschen und zehn frustrierte H-Benichtse. Dieser Tag wird als ein geradezu historischer Sozialisationstag in die Chronik des Bairischen Blues' eingehen.
Hubsi verlässt seine Burg erst spät abends, als die anderen ihren Frust längst wieder verarbeitet und die Burg in ihrer Küche vergessen haben. Frustriert ist auch der Vize, weil er zur Rettung der Chefstimmung am nächsten Morgen wieder bis nach Mitternacht Latrinenwache schiebt und unverrichteter Dinge in seine Koje schleichen muss. Kein verrichtetes Ding weit und breit. Nur selig schnurpselnde Hallodris.
Freitag, 21. April 2017
Was für ein Wetter morgens um 5 Uhr, als die Hallodris sich bemerkbar machen: -5° C und keine Wolke am Himmel. Auch die Stimmung der Chefin ist entgegen der Befürchtung des Vizes nahe jener, als sie in Thailand auf einem Baby-Elefanten reiten durfte: Glück in allen Falten. Das liegt an nur drei verrichteten Dingen in der Küche, was sich allerdings schnell ändert, als sie die Bande in den Garten lässt. Aber Garten ist Garten und Küche Küche. Bestimmt ist sie dem Vize sehr dankbar, dass er sich den Schlaf verkniff, um ihr das Leben am frühen Morgen lebenswert zu machen, und der Vize wird einen Teufel tun und ihr von seinen elf abends unverrichteten Dingen berichten. Dafür berichtet sie ihm von einem bedenklichen Leiden, bedenklich vor allem für eine Tiefstschläferin, neben der man sterben könnte, ohne von ihr verabschiedet zu werden. Die Chefin hat einen Schlaf wie ein Bär im Winter. Und nun berichtet sie von einer Art nächtlicher Phantomschmerzen, was sich in Phantomlauten äußert; sie wacht nachts auf (!) und hört Welpen bellen und schreien und klagen, wo in Wirklichkeit nur tiefster Frieden zu vernehmen ist. Sogar den von innerer Ruhe getakteten Pendelatem des Vizes interpretiert sie als das boshafte Keifen von Welpen. So etwas gibt Anlass zur Sorge und lässt die baldige Abreise der Hallodris vorteilhaft erscheinen.
Die etwas lapidare Anmerkung, dass sich die Hallodris um 5 Uhr bemerkbar machen, ist stark untertrieben: Sie randalieren und keifen tatsächlich, was jetzt auch sicherlich keinen Phantomlauten zugeschrieben werden kann. Immer wieder flackern Lärmherde auf, weil sich zwei oder drei um etwas streiten; und das Etwas heißt Hubsi-Käfig. Da käme richtig Freude auf, wenn das Glück der Chefin nicht schon unübertrefflich wäre.
Aber all das ist nichts gegen den Jubel, der ausbricht, als sie die Bilanz der Wiegestatistik zu sehen bekommen! Was müssen die sich gestern mit ihren mickrigen 710 g über sich selbst erschrocken haben. Heute haben sie alles wieder gutgemacht: 2730 g, zwei Kilo mehr als gestern. Die Sau rein, anstatt die Sau raus gelassen hat Hetty, die wohl mit ihrem Absturz auf den 9. Platz nicht einverstanden war. 450 g lagert sie an, was sie auf 6160 Gramm und den 5. Platz hievt. Für solche Exzesse ist sie immer wieder mal gut, heute Null, morgen full, vielleicht erinnert sich noch jemand an Hettys maßlose 500 g vom 16. April. Diesen 5. Platz teilt sie sich mit Harpo, der bei 240 g mehr auf das gleiche Endgewicht kommt. Verliererin des gestrigen Anlagerunternehmens ist Hakuna, die mit 220 g (6020) von Platz sechs auf neun rutscht. Alle anderen tun sich nicht viel, außer dass Hartl Hugo auf dem 2. Platz ablöst.
1. Hallodri (6860, +160), 2. Hartl (6480, +260), 3. Hugo (6410, +170), 4. Hobo (6230, +100), 5. Harpo (+240) und Hetty (+450), beide 6160, 7. Halina (6120, +330), 8. Hias (6050, +280), 9. Hakuna (6020, +220), 10. Hedda (5800, +200), 11. Hubsi (5420, +320).
Es ist gut, dass die Hallodris für heute Substanz geladen haben, denn um 11 Uhr ist Tierarzt-Termin: Impfen, Chippen, Aderlass. Da ist es gut, wenn sie etwas zum Zehren haben.
Doch bevor wir uns und unsere Hallodris auf das Ereignis vorbereiten können, kommt die Chefin mit Fianna vom Morgenspaziergang zurück und befindet, dass das Wetter zum Portrait-Shooting geradezu einladen würde, und zwar drüben am Damm: Welpen erhöht auf Augenhöhe, kein störender Bewuchs, blankblauer Himmel und die Sonne ideal im Rücken. Es ist 8:30 Uhr, um 10 Uhr sollen die Hiasls wieder mit ihrem Sammeltaxi bereitstehen
Hartl auf dem Weg zum Freilichtstudiound um 11 Uhr ist Termin. Der Vize hat wie die Chefin noch nichts im Magen und eine Dusche hat er auch noch nicht gesehen. Aber er muss zugeben, dass es vermutlich keine bessere Gelegenheit fürs Shooting mehr geben wird. Zu dem besagten Damm, der das östliche Ende eines Überflutungsbeckens der Mangfall darstellt, sind es gut 200 Meter, hin und zurück sind es 400 Meter und mit allen elf Welpen summiert sich das auf 4,5 Kilometer. Wenn man grob drei Minuten pro Strecke rechnet, dazwischen das Shooting, also ca. 10 Minuten pro Hallodri, kommt man auf 110 Minuten – fast zwei Stunden. Eindeutig zu viel. Oder wir müssen richtig Gas geben und die Eckwerte deutlich reduzieren, und das bedeutet richtig Stress vor dem Frühstück.
Wir legen los, beginnend mit Hedda. Hinüber wird getragen, damit wir Zeit gewinnen, dann kommt die Kamera zum Einsatz und zurück dürfen die Zwerge selber marschieren, damit sie noch ein kleines Erlebnis haben und selbst aktiv werden müssen. Und so eilen wir hin und her wie Biene Maja vom Stock zur Blüte und zurück zum Stock und wieder zur Blüte und zum... . Die Sonne hat auch schon reichlich Kraft und wir stehen bald im eigenen Saft. Die größte Herausforderung sind jedoch die Morgenspaziergänger, die uns alle ein Gespräch aufdrängen wollen, weil die Zwerge doch so süß sind, und sie begrapschen wollen, die stehenbleiben und verzückt warten, bis wir mit der nächsten Fuhre kommen. Und ob das
Kleine Hilfen beschleunigen den Prozess (Hallodri) H
Hilfen, die Hetty zum Fressen gern hatündchen nicht mal mit ihrem Hündchen spielen will? Nein! Will es nicht und soll es nicht. Die Hand des Fotografen zittert bald vor Zorn und erschwert die Aufgabe enorm. Andererseits können wir uns gar nicht genug an den Hallodris berauschen, wie sie mit größter Selbstverständlichkeit den Weg nach Hause gehen, den sie nur vom Transport auf dem Arm hinüber zum Damm kennen. Auf dem Rückweg wackeln sie mit flinken Beinchen nach Hause, als ob es ihr täglicher Weg zur Kneipe wäre. Manche brauchen uns überhaupt nicht, wackeln sogar im Eilschritt vor uns her, als ob sie uns zeigen müssten, wo es lang geht. Alle sind äußerst entspannt, tragen die Rute oben, nehmen völlig unbeeindruckt und schwanzwedelnd Kontakt zu jedem Hund und deren Begleitung auf, sind trotz einer gewissen Eile nie auf der Flucht, sondern konzentriert und zielorientiert und lassen uns völlig fassungslos zurück. Zu unserem größten Bedauern haben wir wegen des sehr knappen Zeitplans keine Muße, dieses Schauspiel zu genießen, sondern müssen uns sputen. So ein Wurf war uns bisher noch nicht vergönnt! Als die Hiasls um 10 Uhr vorfahren, sind wir gerade fix und fertig, und der Vize steht unter der Dusche. Die Chefin folgt ihm und um 10:20 Uhr fahren wir los, eine trockene Scheibe Frühstücksbrot zwischen den Kiefern. Auch kein Problem, an Substanz fehlt es dem Vize ja nicht.
Hias steht auf Thai-MassageDie
Halina bekommt ihren Chip gute halbe Stunde Fahrt zum Tierzt unseres Vertrauens absolvieren die Hallodris ohne größere Beschwerden oder gar unter Panik. Sie bleiben gelassen und nehmen es, wie es kommt. Wir erinnern uns an Fahrten, bei denen wir versucht waren, die Fenster zu öffnen und uns um die Hälfte der Fracht zu erleichtern, so unzumutbar war deren Benehmen (Nebenbei: Sie sind trotzdem alle tolle Hunde geworden, sie zu entsorgen wäre also höchst dumm gewesen). Im Sprechzimmer müssen
Hakuna besteht den Flughund-Testsie
Hedda gibt ihr Bestesdann einzeln ran. Zuerst werden die Patienten auf Herz und Nieren, Ohren und Zähne untersucht, dann wird geimpft, anschließend der Chip gesetzt und zum Schluss für die RZV-Forschungsdatenbank Blut abgenommen. Auch in dieser Disziplin zeigen sich die Hallodris ungewöhnlich souverän. Die Hauptrolle bei der Verarztung der Hallodris spielen, wie immer, mehrere Tuben Nutri-Cal, eine Malz-Vitamin-Paste, die den Zwergen vorne eingeschoben wird, damit sie nicht merken, was an ihrem hinteren Ende passiert. Nicht immer verfängt diese süße Bestechung. Der Anstand und der Respekt verbietet es uns, die früheren Blues-Buben und -Mädchen beim Namen zu nennen, die sich bei dieser Gelegenheit mit sehr zweifelhaftem Ruhm besudelten; die größten Maulhelden schrumpften, trotz Nutri-Cal, zu den schlappsten Weicheiern, denen der Schweiß vor Angst fast hinter den Ohrwascheln hinunterlief. Kein Vergleich dazu die Hallodris. Keiner und keine verweigert oder entzieht sich der
Hartl zeigt, was er hatTierärztin, aber natürlich weicht man schon mal aus. Vier der Hallodris finden die Blutentnahme so prickelnd, dass sie alles daran setzen – zappeln, Vene wegrollen, etc. –, um einen zweiten Einstich am anderen Bein zu bekommen. Das sind die Selbstdarsteller, die unbedingt mit einem zweiten schicken Beinkleid angeben wollen. Hartl findet die Zudringlichkeiten etwas unter seiner Würde und jammert ein
Das fabelhafte Praxis-Teambisschen herum, was ihm vom Vize unverzüglich den Spitznamen "Weichl" einträgt, und Halina zickt auch mit Protestlauten, was ihr den Kampfnamen "Spatz vom Hohenkreischenberg" bringt. Aber auch deren Minimalrenitenz wäre bei allen anderen Würfen ohne Erwähnung geblieben. Als alle verarztet sind, wird der ganze Haufen wieder ins Sammeltaxi gebracht, was sowohl die Praxisbesucher wie das Personal beglückt, das es sich nicht nehmen lässt, bei der Hallodri-Polonaise mitzumachen und uns beim Abtransport zu helfen.
Um 13:30 Uhr sind wir wieder am Stammsitz des Blues, ohne irgendwelche psychischen Schäden bei den Hallodris zu Protokoll nehmen zu müssen. Nun gibt es Pizza für alle Helfer, für die Patienten gibt es ein bisschen Pizzarand, was wie Pansen, Kalbshaxe und Ziegenmilch auch zu einer umfassenden Ernährungsstrategie gehört :-).
Nachmittags zieht sich der Himmel wieder ziemlich trübe zu, was uns in der schweißtreibenden Entscheidung, gleich morgens zu fotografieren bestätigt. Den Hallodris ist es einerlei, sie brauchen nun ein wenig Ruhe; dieser Tag hat es in sich. Später lässt der Himmel wieder Sonnenstrahlen zu uns durch und die elf genießen den Rest des Tages draußen mit betulichen Spielen und viel Schlaf.
Wir hingegen schuften an den Welpenordnern, an der Aktualisierung der Texte, am Drucken und am Ärger mit der Technik, die immer quertreibt, wenn man sie vorantreibt. Doch das ist mittlerweile Routine beim Blues. Überall stapeln sich Papierberge, die auf die Sortierung und aufs Einordnen warten. Der Vize treibt zur Eile, die Chefin weiß nicht, was er damit meint, schließlich seien wir doch so früh dran wie nie. Damit hat sie recht. Aber der Vize hat nicht vor, wie in der Vergangenheit am Tag vor der Abgabe bis nachts um 3 Uhr zu malochen. Und in dieser Hinsicht ist er diesmal sogar ziemlich zuversichtlich.
Samstag, 22. April 2017
3:33 Uhr: Aufruhr in der Küche. Die Hallodris tanzen Mazurka. Das unsanft geweckte Personal vermutet ein Eindringen fremder Hallodri-Stämme ins Stammland. Doch die Stimmen und Stimmlagen sind vertraut. Das Personal weigert sich, den Angriff auf seinen Schlaf zu akzeptieren und zieht sich die Decken über den Kopf – bis 4:10 Uhr. Dann verebbt der Hunnensturm. Das Personal entspannt seine Glieder und schlummert wieder weg. Um 5:30 Uhr tanzen die Hunnen wieder durch unser Erdgeschoss. Nun resigniert die Chefin und macht ihnen ihre Aufwartung. Der Vize denkt nur: Na, wartet! Schnell ist klar, was die Hallodris zu einem solchen Hexentanz bewog: Die Gitterbox! Hubsis neues Refugium. Der Kampf ums Goldene Kalb ist wieder aufgeflammt, das Spiel von Hausbesitzern und Hausbesetzern erlebt eine neue Auflage. Darauf hätte man auch selber kommen können. Dass die zehn H-Benichtse sich nicht mit ihrem Dasein abfinden würden und dem H-Selmäuschen Hubsi sein Häuschen gönnen würden, war eigentlich klar. Allerdings erstaunt uns die akustische Tiefe und Breite der Wortmeldungen doch sehr. Wir hatten nie verschwiegene Welpen, sogar sehr sprachgewaltige, worüber wir auch ohne Scheu berichteten, doch an eine solche Sprachgewalt und ein so insistierendes Mitteilungsbedürfnis können wir uns nicht erinnern. Die Hallodris sind wirklich in jeder Hinsicht etwas sehr Besonderes. Darüber muss man sich um 3:30 Uhr nicht freuen, wie man sich wohl kaum begeistert, wenn der höchstbegabte Spross nachts um drei am Bett erscheint und die Lösung einer unlösbaren Mathe-Aufgabe präsentiert. Die Welten von Hochbegabung und Mittelmaß sind wohl nur selten im Gleichtakt.
Hakuna und HalinaDie Chefin wirft die Hunnenvorhut in den Garten, wo sie ihr Mütchen bei -1° C herunterkühlen können. Beim Anblick der aufgrund der frühen Aktivitäten zahlreicheren Ausscheidungen zaubert der Chefin wieder ein Lächeln ins Gesicht. Diese verrichteten Dinge sind nun zwar schon sehr mächtig, strotzen aber von Kompaktheit und Gesundheit. Keine Spur von Durchfall mehr. Sicher haben auch die Vielfalt der Leckerlis und die Kaustangen, die unserer Meinung nach etwas zu strak gewürzt waren, das Ihre dazu beigetragen. Wir haben in den letzten beiden Tagen die Leckerlivielfalt drastisch reduziert und sind konsequent auf die bisher immer zuverlässigen Kaustangen von Platinum umgestiegen. Vielleicht war das der Schlüssel zum Erfolg. Zwei Tage vor Abgabe, darf man also getrost feststellen: Ende gut, alles gut.
Hakuna und HallodriDa heute wieder einmal ein Lostag ist, wollen wir doch sehen, was uns bevorsteht: "Regnet's vorm Georgitag, wäret lang des Segens Plag'." Häh? Welcher Segen und was ist dessen Plag? Weil Segen bringt Regen? Und dann "wäret" statt währet! Wäret ihr im Vollbesitz der deutschen Sprack, hätt' der Vize keine Plag. Die zweite Variante des Losspruchs lautet: "Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man nachher damit gequält." So könnte man das natürlich auch ausdrücken danke dafür. ...wäret lang des Segens Plag' ... Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel oder meinetwegen auch Regen. Um die Zukunftsaussichten abzuschließen, protokollieren wir einen wolkigen und windigen Tag (so windig wie der Losspruch) bei durchschnittlich 13° C. Von Regen und seinem Segen keine Spur.
Auch die Gewichte deuten zunehmend auf Endzeit hin: wieder 2720 Gramm. Hallodri schwenkt triumphierend die Fahne beim Überschreiten der Sieben-Kilo-Marke (7110, +250) und Hugo schiebt sich mit 370 g wieder auf den 2. Platz (6780). Damit verzeichnet er das Tageshoch. Da muss Hartl passen und sich mit 6740 Gramm (+260) mit dem 3. Platz bescheiden. Hetty arbeitet sich nach ihrem zwischenzeitlichen Einbruch wieder dorthin vor, wo sie sich selbst hingehörig fühlt, mitten unter die echten Kerlen, heute auf dem ehrgeizigen 4. Platz (6500, +340). Da kann Hobo nur staunen. Aber mit 100 g weniger (240) tut man sich schwer im Bullenrennen (5. Platz, 6470). Der 6. Platz hat gleich zwei Besetzer, Harpo und Halina, beide mit 6320 Gramm. Mit 200 g mehr stellt Halina Harpo, der es nur auf 160 g bringt. Auch der 8. Platz ist doppelt besetzt: Hias und Hakuna (6240). Für Hias (+190) ist diese Tabellenregion längst Alltag, aber Hakuna (+220), die einstige Kronprinzessin von
Hias versucht, die Futterboje zu knackenHallodri hat sich offenbar vorgenommen, alle Plätze mindestens einmal zu testen, was ihr bezüglich des 11. Platzes vermutlich nicht gelingen wird;
Hedda und Hakuna mit dem mysteriösen Futterspenderauf den besteht der Gitterbox-Rambo Hubsi (5650, +230). Den vorletzten Platz beansprucht weiterhin Hedda und scheint sich dabei richtig wohl zu fühlen (6060, +260).
Die Hallodris lassen den Tag abwechselnd mit Verarbeitung des gestrigen Action-Tages und verhaltenen Spielen verstreichen. Viel Zeit verbringen sie mit der Futterboje mit dem Loch am Boden, aus dem wie von Geisterhand Nahrhaftes purzelt. Vielleicht schlafen sie auch deswegen so viel, weil sie über die wundersame Futterspende sinnieren müssen.
Ein letzter Tag bleibt uns noch. Deswegen verbringen wir noch lange Zeit zwischen unseren Hallodris in der Küche und im Transit. Aber sie verstehen unsere Melancholie nicht. Das ist auch besser so.
Sonntag, 23. April 2017
Um 5:30 Uhr stellt die Chefin das Bein aus dem Bett – und in der Küche jubeln elf Husaren. Für den nächsten Wurf sollten wir vielleicht doch eine auf den neuesten Stand gebrachte Trittschalldämmung einbauen. Ansonsten war es bis zu diesem Augenblick ruhig im Welpenreservoir, weil wir ihnen gestern natürlich die Gitterbox entzogen haben.
Nach den gestern Abend vom Vize beseitigten zwei Endmoränen, sammelt die Chefin morgens neun weitere ein, das macht elf über die Nacht; die Hallodris reifen zu gesellschaftstauglichen Hunden heran, das Timing des Blues ist beeindruckend perfekt. Ja, das könnte auch einmal mit dezentem, aber anhaltendem Beifall kommentiert werden.
Heute ist der gestern schon angekündigte Georgitag. Der Heilige Georg, bekannt als Drachentöter und Schutzheiliger von Pferden, England und Georgien gehört zu den 14 Nothelfern und wird noch vielerorts mit Pferdesegnungen und Georgiritten geehrt. Und weil so ein Supermärtyrergedächtnistag natürlich auch ein Premium-Lostag sein muss, haben sich die Lostrommler aller Länder kräftig ins Zeug gelegt. Fast schon unanständig unpoetisch kommt diese Vorhersage daher: "Gewitter am St. Georgstag, ein kühles Jahr bedeuten mag." Da soll sich mal einer schämen, das geht nämlich auch euphorischer. "Kommt St. Georg auf dem Schimmel, kommt ein gutes Jahr vom Himmel." Ist das nicht zauberhaft, die letzten Schneeflocken dem Heiligen als Schimmel unter den Hintern zu schieben? Andererseits: Gewitter stehen uns heute ziemlich sicher nicht ins Haus, also erwarten wir ein unkühles Jahr, aber weil der Georg ohne Schimmel kommt, steht uns auch kein gutes Jahr bevor. "Ist’s an Georgi hell und warm, gibt's noch ein Wetter, dass Gott erbarm." Hell und warm ist es nicht, also doch ein ordentliches Jahr. "Regnet’s auf Georgitag, dauert noch lang des Regens Plag." Es ist stark bewölkt und es regnet! Jetzt ist guter Rat teuer: Wie lang ist lang, und wenn lang wirklich lang ist, was wird dann aus den freundlichen Aussichten vom vorigen Spruch? Besonders kryptisch kommt uns dieser Spruch: "Zu Georgi hinaus, zu Michaeli wieder nach Haus." Der Michaelstag ist am 29. September, so viel zur Hilfestellung. Man muss sich schon zu den Losspruch-Illuminati zählen dürfen, wenn man diesen Knoten aufknüpfen möchte. Der chronische Vize ist ein solcher Geheimbündler und teilt ausnahmsweise sein Wissen mit der Welt. Gemeint sind die Schwalben, die da aus ihrem Winterquartier hinausfliegen und bei uns vor Georgi einfliegen, die aber dann schon an Michael wieder weg sind. Nun denn: Ende September erfreut man sich im bayerischen Süden nur selten an vielen Schwalben, aber in wärmeren Gegenden schon. Uns kann dieser Zauberspruch also egal sein, obwohl die Schwalben ja schon seit einigen Tagen ihre Flugmanöver demonstrieren. Wir halten damit inne und resümieren total illuminiert: "Reitet der Georg mit einem Schimmel über den Mist, gibt es Wetter oder die Schwalbe bleibt, wo sie ist."
HartlDamit verlassen wir die meteorologische Glaskugelei und wenden uns harten Fakten zu. Zahlen. Gewichten. Alles mess- und belegbar, nicht so etwas wie: "Zittert der Welpe auf der Waage, hat er nicht mehr viele Tage". Das Gegenteil ist längst bewiesen und viele davon leben noch immer. Heute vollziehen wir also die vorletzte Gewichtsnahme, und wer jetzt nicht ganz in der Nähe seiner Traumposition angekommen ist, hat nur noch eine Gelegenheit zur Nachbesserung. Der Hallodri kann gar nicht mehr so viel Übelkeit oder Durchfall haben, dass er seinen Spitzenplatz noch verlieren könnte, den er nach einer kurzen Anlaufzeit souverän für sich reklamierte. Heute meldet er 170 g und kommt auf 7280 Gramm total. Seinen Rhythmus hat auch Hartl gefunden.
Hobo und HarpoNach seinem Turbo-Schwächeanfall belegt er nun seit Tagen stabil den 2. oder 3. Platz. Heute gehört ihm mit 7010 Gramm (+270) wieder Platz zwei und wird der zweite Vierzehnpfünder. Sein ständiger Konkurrent auf diesen 2. Platz ist der schöne Hugo. Heute muss er sich wieder einmal mit dem 3. Platz abfinden und es wird spannend sein zu sehen, ob er morgen aus dem Windschatten heraus in einem Wimpernschlagfinale dem Hartl noch ein Schnippchen schlagen kann. Dazu müsste er bei aktuell 6870 Gramm (+90) deutlich mehr anlegen als gestern. Mindestens ebenso spannend wird es sein, ob Hetty ihr Tempo durchhält. Mit einem Gewaltakt hat sie sich in den vergangenen Tagen nach oben gekämpft und heute ihren 4. Platz verteidigt (6700, +200). Harpo entwickelte sich nach dem anfänglichen Leichtgewicht zu einer stabilen Säule des Mittelfeldes, die nie mehr in Gefahr war abzurutschen, aber auch nach oben nicht genug Lagerkapazität hatte, um sich dort einzuspreizen. Für heute protokollieren wir für ihn trotz eines gewaltigen Aufkommens von +330 g den 5. Platz und 6650 Gramm. Hobo war lange Harpos Schatten und Gegenspieler, immer im oberen Viertel oder Drittel, nun aber geht ihm ein bisschen die Luft oder der Ehrgeiz aus: 6. Platz (6610, +140). Halina arbeitete sich beharrlich aus dem letzten Drittel ins untere Mittelfeld empor, unspektakulär meist, aber effektiv. Eine Hetty ist sie nicht und sollte sie auch nicht werden, dazu fehlt ihr die bauliche Grundsubstanz (7. Platz, 6510, +190). Bei Hias hatten wir lange überlegt, ob wir ihn nicht in den Genuss einer zusätzlichen Schulspeisung kommen lassen sollten, da dem
HettyBurschen aber nichts zu fehlen schien außer Trägheit und Schwäche, haben wir den Spar-Hallodri machen lassen und mit Vergnügen festgestellt, dass Lebensfreude und Spitzfindigkeit nichts mit dem Körpergewicht zu tun haben. Aus den tiefen Abgründen der Tabelle hat Hias sich nun stabil als Anführer der Nachhut etabliert: 8. Platz, 6500, +260. Hakuna musste längst einsehen, dass ihr der Kampf um die Höhenluft den Atem raubt, deshalb hat sie sich dorthin zurückgezogen, wo sie staturbedingt auch hingehört, in die Nesthäkchenecke. Dass ihr das im Umgang mit ihren Geschwistern keinen Nachteil bringt, hat sie gelassen gemacht: 9. Platz, 6410, +170). Das gleiche gilt für Hedda, die sich zwar zu Zeiten,
Hallodrials sie noch Babyspeck trug, auch im Mittelfeld tummelte, sich dann aber bald auf den Vor-Hubsi-Platz spezialisierte. Und seit sie weiß, dass sie in Zukunft ihr Leben dort verbringen darf, wo Hirnschmalz mehr zählt als Körpermasse, swingt sie völlig losgelöst durch die Mahlzeiten und genießt es, nicht mehr zu müssen, sondern nur noch zu dürfen: 10. Platz, 6240, +180). Und über Hubsi ist alles gesagt, obwohl man eigentlich gar nicht aufhören dürfte, über ihn zu berichten. Das Masseschlusslicht der Hallodris ist ein klasse Schlusslicht, das sich nicht verstecken muss, obwohl er der einzige ist, dem das am besten gelänge. Die Prophezeiung des Vize und Chronisten hat er in den Wind geschlagen und ist sich treu geblieben: Schlusslicht, 5770, +120.
Um 11 Uhr treffen die Zuchtwartinnen zur ultimativen Zeugnisvergabe der Hallodris ein: finale Wurfabnahme. Für alle, die nicht wissen, was eine solche Wurfabnahme beinhaltet und wie sie abläuft, wollen wir das an dieser Stelle einmal detailliert ausführen. Zuerst wird der Welpe dorthin gebracht, wo die Erscheinungsbildbeurteilung stattfinden wird, also in einen Raum, den er kennt (Wohnzimmer, Küche, etc.). Bei schönem Wetter kann das selbstverständlich auch der Garten sein. In dieser dem Welpen bekannten Umgebung wird er nun auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich in einer bekannten Umgebung, mit bekannten Menschen, aber auch mit Menschen,
Hetty wäre mehr Action sehr rechtdi
Hugo bleibt total gelassene er nicht oder kaum kennt (Zuchtwart), verhält. Im Abnahmeprotokoll findet man das Ergebnis unter der Rubrik: Verhalten des Welpen in seiner gewohnten Umgebung. Hakuna, Hubsi, Harpo, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda suchen bei dieser Disziplin aktiv Kontakt, Hetty und Hallodri nehmen Kontakt auf. Diese Bewertung bedeutet nichts anderes, als dass sie nicht fremdeln, Zutrauen zu Menschen haben und deren Kontakt suchen. Nicht zu unterschätzen ist bei dieser vermeintlich einfachen Übung, dass bei großen Würfen immer Prüflinge aus dem Schlaf geholt werden müssen. Unser Hallodri-Abitur dauert zweieinhalb Stunden, und das ist noch schnell, weil die Hallodris großartige Mitspieler sind. Das kann sich bei elf Welpen auch deutlich länger hinziehen, und auf diese Länge bleiben die Welpen nicht aktiv und munter. Die Folge ist, dass man immer ein paar verschlafene Traumtänzer hat, die zwar nichts gegen Menschen haben, aber jetzt gerne noch ihre Ruhe hätten und dementsprechend lustlos auf das Spiel eingehen.
Nach dieser ersten Kontaktaufnahme wird der Welpe an einen ihm unbekannten Ort gebracht, allein mit den Zuchtwarten. Die Züchter sind jetzt ausgeschlossen. Im Falle der Hallodris und ihrer Vorgänger ist dieser Ort das Arbeitszimmer der Chefin. Das Zimmer sollte nicht sehr groß sein, dass der
Zuchttauglichkeits-Test bei HallodriW
Harpo zeigt perfekte Zähneelpe nicht von der Größe beeindruckt ist, andererseits aber auch im Falle eines Unbehagens sich nicht in den Weiten des Raums den Aufgaben entziehen kann. Dort findet er einen Karton oder eine Kiste vor, einen Ball, eine Raschelfolie und einen Lappen. Der Welpe wird in diesem Raum abgesetzt, die Zuchtwarte verhalten sich neutral, sprechen den Welpen nicht an und ignorieren ihn eine Minute lang. Das ist für den Zwerg eine bedrückende Situation: Hallodri allein zuhaus. Man will nun sehen, wie er mit einer solch bedrückenden und befremdlichen Situation zurecht kommt. Im Protokoll findet man diese Prüfung unter der Rubrik Verhalten des Welpen an einem fremden Ort, unterteilt in Aktivität und Untersuchungsverhalten (selbständiges Verhalten). Im Fach Aktivität wird allen außer Harpo bescheinigt, dass sie sofort aktiv sind, Harpo wartet kurz ab (weniger als fünf Sekunden) und wird dann aktiv. Und nachdem alle aktiv geworden sind, zeigen alle elf viel Aktivität, das heißt sie sitzen nicht wie ein Häuflein Elend herum und warten, bis sie jemand anspricht oder das Elend vorüber sein möge, sondern marschieren los, sehen sich um und begutachten die Umgebung und das Interieur. Ein selbständiges und intensives Untersuchungsverhalten wird allen außer Hetty bescheinigt, die auch selbständig untersucht, aber nicht so intensiv.
Nach einer Minute nehmen die Zuchtwarte Kontakt zum Welpen auf, sprechen ihn an, klopfen auf den Karton, rollen den Ball und locken den Welpen über die Folie. Die Prüfung heißt im Protokoll Verhalten des Welpen bei akustischen und optischen Einflüssen. Hubsi, Harpo, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda beschäftigen sich mit allen Situationen selbständig und aktiv, Hakuna und Hetty lassen sich gut motivieren und heranführen.
Nächste Prüfungsaufgabe ist das Beutespiel. Dabei spielt der Zuchtwart den Welpen mit dem Lappen an. Der Welpe sollte das Beutespiel annehmen, den Lappen greifen und im Idealfall als Beute wegtragen. Alle elf Hallodris sind sofort interessiert und gehen auf das Beutespiel ein und alle tragen den Lappen weg.
Hias ist kitzligNach diesen Tests wird der Welpe wieder in seine gewohnte Umgebung gebracht und die Erscheinungsbild-Beurteilung auf einem Tisch vorgenommen. Das Verhalten des Welpen bei der Erscheinungsbild-Beurteilung ergibt bei den Hallodris folgendes Ergebnis: Hakuna, Hubsi, Hetty, Hartl, Hugo, Halina, Hias und Hedda sind aktiv und neugierig, Harpo, Hallodri und Hobo gelassen und freundlich. Der Unterschied liegt nur darin, dass die einen den Zuchtwarten bei ihrer Leibesvisitation mehr Arbeit machen und sie beschmusen, während die anderen etwas ruhiger halten und auf Küsschen verzichten.
Nach der Erscheinungsbild-Beurteilung wird der Welpe wieder auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich nun, nach dieser Belastung durch den Test, verhält, ob er unbeeindruckt und locker ist und gleich wieder seinen Tagesgeschäften nachgeht oder beeindruckt ist und gestresst und sich der Welt am liebsten entziehen würde. Das Protokoll bescheinigt allen elf Hallodris beim Verhalten des Welpen nach der Erscheinungsbild-Beurteilung: sofort aktiv.
Zuletzt wird jedem Welpen eine Temperament-Note erteilt. Zehn von ihnen bekommen lebhaft, Hakuna ruhig. Ausgerechnet Hakuna erscheint den Zuchtwarten heute etwas ruhiger als die anderen. Uns war das noch nicht aufgefallen, und ihre zukünftigen Besitzer werden noch häufig über diesem Urteil brüten. Doch ein solcher Wesenstest kann immer nur eine Momentaufnahme sein - und diese Momentaufnahme der Hallodris ist unfassbar. Wir haben selbst sieben Wurfabnahmen durchschritten und viele andere Würfe getestet: So ein Protokoll haben wir noch nie in den Händen gehalten. Kein einziger Ausfall, kein lustloser Nörgler oder
Hakunaschlechtgelaunter Schläfer. Noch nie haben wir ein Beutespiel erlebt, das ein solch durchgängiges Ergebnis geliefert hätte. Wir sind völlig geplättet. Acht Wochen haben wir die Hallodris hautnah erlebt und wissen, dass sie eine sehr fixe Bande sind, aber ein so linksbündiges Ergebnis haut uns um. Beinahe hätten wir allen Käufern absagen müssen, weil die Zuchtwartinnen mit jedem Welpen, den sie uns vom Verhaltenstest zurückbrachten, mehr und funkelndere Sterne in den Auge hatten und drohten, alle einzupacken und mitzunehmen. Das konnten wir gerade noch verhindern. Wir sind weit davon entfernt prahlen zu wollen, aber wir sind so stolz auf diesen Elferrat, dass wir fast platzen. Vor allem aber sind wir glücklich, dass wir allen Käufern einen richtig tollen Welpen in die Hand drücken können und ihm nicht erklären müssen, dass eine Aussage im Protokoll keinen bedenklichen Wesensmangel darstellt, sondern den Augenblick repräsentiert und wir müssen auch keinem Hundesportler erzählen, dass der Fifi gerade aus dem Tiefschlaf erwacht war den Beutelappen nicht von und Sonne, Mond und Sternen unterscheiden konnte. Wir haben elf grandios gelungene Hallodris, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und darüber dürfen wir uns freuen, wie wir uns noch nie freuen durften. Wir umarmen Fianna und Ery dafür und fühlen uns auf ganzer Linie bestätigt, dass wir diese Verpaarung gemacht haben. Besser geht es nicht. Der Pokerspieler würde sich diesen Wurf als Royal-Flush an die Wand nageln.
Hobo ist mit der Welt im ReinenNicht unterschlagen dürfen wir natürlich die Erscheinungsbild-Beurteilung, also die Leibesvisitation. Was den Körperbau betrifft sind Hakuna, Hetty, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda als kräftig eingestuft, Hubsi und Harpo als mittelkräftig. Alle haben ein tiefschwarzes Haarkleid, die Zähne sind ebenso komplett wie korrekt gestellt, der Behang ist korrekt und die Ruten zeigen auch keine Veränderungen. Bei den Marken haben wir Fianna- und Ery-Kinder. Die Fianna-Kinder sind teilweise knapp gezeichnet, haben aber meist mehr Marken als ihre Mutter. Die Ery-Kinder sind weit mehr mit Marken gesegnet, aber der von vielen befürchtete Markenluxus ist bisher nicht zu erkennen. Bei Hias ist ein Ansatz zur Doppelmarke und zu einer Brille zu erahnen und Hartl ist an der Brust und den Vorderläufen überzeichnet, dafür sind die Marken am Fang und die Augenpunkte knapp. Zuchtausschließende Fehler sind bis hierher keine zu berichten. Der H-Wurf ist auch optisch gut gelungen. Worüber sollen wir klagen? Der H-Wurf ist wirklich ein großer Wurf.
Hubsi entgeht knapp einer EntführungNachdem die Zuchtwartinnen gegangen sind, nicht ohne den Versuch, uns doch noch einen Zwerg zu klauen, sitzen wir wie in einem falschen Film zwischen unseren Hallodris und sind glücklich. Dazu kommt noch eine unglaublich liebevolle Mama Fianna, die mit ihren Kindern tobt und sich immer noch um sie kümmert, als wären sie gerade erst geschlüpft. Sogar heute noch hat sie keine Zeit den Roten Banditen bei der Rückkehr vom Spaziergang zu begrüßen, was sie sonst nie versäumt, weil es sie zuerst zu ihren Kinder drängt und sie nachsehen muss, ob alles in Ordnung ist.
Nach einer solchen Wurfabnahme und der bevorstehenden Welpenabgabe morgen fühlen wir uns wie in einer Schneekugel, die geschüttelt wird. Wir wissen nicht, ob wir heulen oder jubeln sollen. Wir entscheiden uns für beides.
Montag, 24. April 2017
So ruhig wie heute Morgen waren die Hallodris schon lange nicht mehr. Um 5:20 Uhr steht die Chefin auf, es hält sie nichts mehr im Bett. Und die Zwerge geben noch immer keinen Laut von sich. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Hallodris stecken voller Leben! In dieser letzten Nacht haben sie uns den Transit aufgebrochen und sechs Häufen dort drinnen platziert. Wie sie das geschafft haben, was ihnen die ganze Zeit nicht gelungen war, werden sie uns nicht verraten, aber dass sie es gemacht haben, verdient unsere Hochachtung. Sie wollten sehr wahrscheinlich in den Garten, um ihr Geschäft zu erledigen, und das versuchten sie mit der gleichen Hingabe und Intuition, wie sie gestern ihr Abitur abgelegt haben. Dass die Terrassentür verschlossen war, konnten sie nicht ahnen, aber dass sie schon fast stubenrein sind, wollten sie uns schon noch mit auf den Weg geben. Schade, dass sie
Abenteuerspielplatz Küchenblockkeine Visitenkarten an ihren Machenschaften hinterlassen haben, sonst könnten wir noch ein wenig an der Preisschraube drehen.
Und noch etwas lassen sich die Hallodris für den letzten Tag einfallen: Sie machen sich jetzt, an diesem allerletzten Tag, am Weidekorb im Küchenblock zu schaffen, an jenem Weidekorb, der ihnen wochenlang kein Blick wert war. Heute müssen wir ihn noch entfernen, um ihn zu retten. Aber nun wird der Freiraum im Küchenblock zur Hallodri-Arena. Licht aus! Post ab!
Das Wetter hat unsere inständigen Bitten um ein anständiges Benehmen an diesem Abgabetag mehr als erhört: Um 6 Uhr registrieren wir -3° C und keine Wolke. Wenn das so weitergeht, dürfen wir uns auf einen strahlenden Abschied im Garten freuen und müssen uns nicht alle im Haus drängeln. Alle? Wer alle? Beim Blues ist es seit dem ersten Wurf Tradition, dass wir alle Welpen an einem Tag abgeben. Wir wollen unsere Instruktionen, Ratschläge und vor allem gute Wünsche nicht auf Tage gestreckt immer wieder formulieren, wir wollen den Welpenordner, Wurfabnahme-Protokoll und den Kaufvertrag in ihren generellen Belangen nur einmal allen erklären. Wir wollen kein langsames Dahinsiechen mit immer schwindenderen Hallodrizahlen. Wir wollen einmal traurig sein, einmal richtig traurig sein und nicht tagelang Phantomschmerzen haben. Und nicht nur die Hallodris sind ein höchst außergewöhnlicher Wurf, wie uns gestern klar wurde, sondern auch deren Besitzer; es ist der erste Wurf, der wirklich an diesem einen Tag komplett abgeholt wird. Wir stellen ein Weißwurst- und Leberkäs-Frühstück, dann geht es ans Offizielle und am späten Nachmittag ist das Welpenparadies verlassen (bis auf ein Überbleibsel). Für dieses Frühstück haben wir uns natürlich schönes Wetter gewünscht, denn wir erwarten rund 30 Besucher. Die verteilen sich im Garten unter südlicher Sonne besser als in der Küche und der guten Stube. Und die Stimmung ist auch heller.
Doch bevor es um 11 Uhr losgeht, müssen noch die letzten Formalitäten erledigt werden: Die ultimative Speckrollen-Statistik muss heute für die Ewigkeit eingeschweißt werden. Die meisten haben sich vornehm zurückgehalten, das ganz große Ziel war für die meisten nicht mehr zu erreichen, man hat es beschaulich austrudeln lassen. Unspektakuläre 1990 Gramm haben sie sich angespeckt und aufgemuskelt. Und nur zwei Positionen haben sich getauscht. Hobo hat Harpo noch auf dem letzten Meter weggekickt und Hakuna hat sich Hias noch auf den letzten Metern geschnappt. Und so sieht sie aus, die Rennliste der Hallodris am 24. April 2017:
1. Hallodri (7480), 2. Hartl (7150), 3. Hugo (7070), 4. Hetty (6850), 5. Hobo (6820), 6. Harpo (6800), 7. Halina (6720), 8. Hakuna (6690), 9. Hias (6660), 10. Hedda (6410), 11. Hubsi (5890).
Abschied von den HallodrisJetzt wäre es von Interesse, ob es irgend jemanden gibt, der beim Hallodri-Bingo den Haupttreffer gelandet und alle richtig getippt hat. Wir sind gespannt. Aber bisher hat sich niemand getraut, einen Tipp abzugeben, deshalb wird sich kaum jemand trauen, jetzt zu behaupten, er oder sie habe alles richtig geraten. Chance vertan, jetzt ist es zu spät.
Bevor die Hallodri-Entführer eintreffen, nutzen wir die letzte Chance, uns von der Zauberschar allein und in Ruhe zu verabschieden, aber die kleinen Wichtigtuer haben Wichtigeres zu tun, als unseren Liebeschwüren und Durchhalteparolen zu lauschen. Das Leben ist auch an solchen Tagen ein Abenteuerspielplatz. Ja, was denn sonst? Melancholie steht für sie auch heute nicht auf der Agenda.
Um
Alexandras Abschiedsmuffins11 Uhr ist der Garten voll, auch die Teller und Gläser sind voll und alle sind voller Gefühle. Alexandra hat noch einmal Hallodri-Muffins geliefert, um uns allen zu signalisieren, dass wir sie alle, einschließlich Mama und Papa, zum Fressen gern haben. Der Zauber des Tages bekommt einen besonderen Glanz, als Alexandra mit ihrer Familie, alle sehr gute Musiker, den Hallodris zum Abschied eine Hallodri-Polka spielen und ein selbst verfasstes Ständchen singen. Leider bringt es die Polka an den Tag, dass wir die Hallodris zwar mit vielen Wassern gewaschen haben,
Abschiedsversammlung im Gartenunter denen leider kein musikalisches war. Diese Übung haben wir eingestellt, als wir beim Versuch des Vizes, frühere Welpen saxophonfest zu machen, einsehen mussten, dass sich diese mit einem veritablen Bläsertrauma herumschlagen mussten. Und weil ja nicht jeder Welpe in einen musikalischen Haushalt geht, haben wir beschlossen, diese Sozialisation besser den neuen Besitzern zu überlassen. Die Reparatur solcher Schäden ist nämlich langwieriger als die Gewöhnung vor Ort. Die Folge dieses bewussten Versäumnisses ist, dass mit Einsetzen der Hallodri-Polka die Hallodris ihrerseits ein markantes Konzert zu Gehör bringen, weil sie offenbar keinen Zugang zum Dargebotenen finden und meinen, Trompetenstöße mit vielstimmigen Kehllauten neutralisieren zu können. Der Versuch scheitert und
Hallodri-Polkadie Hallodris ergeben sich ihrem Schicksal. Gegen ihren Willen, aber sehr mit unserem Einverständnis.
In solchen Augenblicken spürt man, dass hier Menschen sitzen und stehen, die nicht nur einen Hund kaufen
Ständchenwollen, sondern wir Menschen um uns haben, denen diese Hunde ans Herz gewachsen sind und die nicht weniger mit uns leiden als wir selber. Wann hat man schon weinende Welpenkäufer mit glänzenden Augen im Garten? Diese ganz besonderen elf Welpen, die nicht nur uns so sehr ans Herz gewachsen sind, genau sie haben diesen Abschied verdient, der keinem vor ihnen vergönnt war. Liebe Hiasls, das war das ergreifendste Geschenk, das uns und unseren Kindern je gemacht wurde. Und für die richtigen Empfänger!
Wir wollen euch allen das Gstanzl (Ständchen) nicht vorenthalten. Wenn ihr es livehaftig hören wollt, müsst ihr die Hiasls einladen. Und wer das Wortwerk nicht versteht, muss zum Bairischen Blues kommen und sich sprachfest machen lassen. Jederzeit willkommen.
Ständchen
für Hartl, Hias, Hakuna, Hugo, Hedda, Hubs, Hetty, Halina, Harpo, Hobo und Hallodri vom Bairischen Blues
Mir wünschen dir Glück und
dass allweil ois stimmt und
dass allweil as Herrli
von der rechtn Seitn kimmt.
A Pansen, a Wiener,
a Pizzarand, a Bier und
dass'd allsamm vertragn kannst,
des wünschn mir dir.
A Futter fürs Napferl,
a scheens langes Leben und
a recht guade Gsundheit
soll da Herrgott dir gebn.
Vergelt's Gott.
Weißwurst-FrühstückNachdem die Speicher der Herrschaften mit Weißwurst, Leberkäs, Brezen, Bier, Wein und Limo gefüllt sind, geht es um kurz nach 13 Uhr los. Hakuna verlässt uns als erste in Richtung Schweiz, deswegen muss sie auch als erste Abschied nehmen. Eine halbe Stunde später fährt Hetty in Richtung Hohenpeißenberg davon. Hubsi verabschiedet sich um 13:45 Uhr in Richtung Regensburg, nicht ohne seinem Vize noch ein Andenken zurückzulassen: eine blutige Lippe. Wir würden dich auch ohne die nicht vergessen. Um 14:10 Uhr gibt Harpo seinen Abschied, weit zieht es ihn aber nicht weg, nur wenige Kilometer nach Bad Feilnbach. Um kurz nach halb drei zieht Hallodri davon, Ziel Landkreis Erding, auch keine Tagesreise, aber immer einen Kaffeeausflug wert. Kurz vor drei Uhr macht sich Hartl auf den Weg nach Otterfing, Luftlinie 16 Kilometer. Hugo folgt ihm wenige Minuten später, allerdings in die andere Richtung, nach Osten und Kolbermoor, mit 13
Barzahlung per Caiman-CashKilometern noch näher an seiner Brutstätte dran. Minuten später zieht Halina ihrer Wege zu ihrer Schwester Hetty nach Hohenpeißenberg. Um 15:45 Uhr verlässt uns Hobo in Richtung Eichstätt. Nun ist es schon fast gähnend leer im ehemaligen Welpenparadies, das Fianna und ihre Resterampe Hias und Hedda etwas verstört durchstreifen. Wir machen mit Hedda, Hias und seinen Leuten noch einen Spaziergang hinüber zur Mangfall, damit sich Glieder und Gemüter wieder lockern. Einen Kaffee gibt es noch zum Abschied und um 16:30 Uhr ist auch Hias weg. Aber was heißt schon weg? Uns und ihn trennt in Zukunft kaum ein Kilometer. Von Abschied kann unter diesen Umständen wenig die Rede sein. Insofern wäre es falsch, wenn wir nun beklagen würden, dass wir ab diesem Moment mit Hedda allein zurückblieben. Das wäre schon Fianna gegenüber mehr als unanständig, mehr aber noch gegenüber Hedda, an die wir nach langen und vielen inneren Walfahrten unsere Herzen verloren. Sie bleibt uns. Und Fianna bleibt uns, Anouk und Franzi grüßen freundlich aus ihren Herzkammern. Es ist alles gut.
Nun würde man sich gerne in den fast leeren Garten setzen und die Beine hochlegen. Doch es gibt Wichtigeres zu tun: Das Paradies räumen. Wir wollen alles, was an die Welpen erinnert sofort wegräumen, um es Fianna und Hedda nicht zu schwer zu machen. Früher packten wir, wenn es der Termin zuließ, den ganzen Familienstand zusammen und flohen für ein paar Tage irgendwohin, vornehmlich, um der Mutter den Abschied leichter zu machen. Heute geht das nicht. Also wird geräumt und verstaut, der Parcours, die Spielsachen, alles weg, nur die Gitter bleiben noch ein paar Tage stehen, um Hedda unter Kontrolle zu halten. Um 20:30 Uhr ist der ganze Krempel irgendwie geschafft, und wir sind es auch. Die Fitness-Uhr der Chefin, die sie täglich daran erinnert, mindestens 9000 Schritte zu tun, gab heute schon um 9:30 Uhr Entwarnung. Um 21 Uhr meldet sie 24.000 Schritte. So kann aus dem Versuch, einen Burn-Out zu vermeiden, leicht ein Burn-Through werden. Kolbenfresser nennt man so etwas wohl. Und Schuld an allem wären nur die Hallodris, die durchgebrannten oder eben: die through-geburnten.
Der Herzschmerz über die enteilten Herzgewächse wird schnell verwunden sein. Vielen von ihnen werden wir in der Welpenschule in Siegertsbrunn wieder begegnen, und vor allem sind die meisten nur so weit weggegangen, dass der Kontakt nicht abbrechen wird.
Die ersten Rückmeldungen via WhatsApp bestätigen, dass alle Hallodris die Emigration bestens bewältigt haben, und die mitgeschickten Film-Sequenzen belegen, dass ein Hallodri ein Hallodri bleibt, egal unter welchem Luftdruck er Druck ablässt. Den Hallodris geht es unverkennbar gut und sie fühlen sich wohl und schon zu Hause in ihrem neuen Heim. Und die Herzen, die schon wochenlang angeknackst und kaum mehr zusammenzuhalten waren, sind nun endgültig gebrochen. Gut so; das eint uns alle im freudigen Leid.
Epilog
Familie EichinHartl lebt jetzt in Otterfing, im Süden Münchens und nur 16 Kilometer von seiner Geburtsstätte entfernt.
Hartl war nicht nur der erste Hallodri, der seine Mutter am 27. Februar um kurz vor 21 Uhr verließ und Ausschau hielt, was ihn und seine Geschwister da draußen in der bayerischen Kälte wohl erwarten wird, sondern war auch anschließend häufig vorn dran. Hätte sich Hartl beim Militär für eine bestimmte Einheit entscheiden dürfen, hätte er sich wohl für die Pioniere entschieden. Als wir den Welpenparcours aufbauten und den kleinen Hallodris die Tore öffneten, stiefelte der Zwerg Hartl alleine durch das unbekannte Outback des Bairischen Blues und erkundete das Gelände für seine Geschwister, die sich vornehm zurückhielten. Er erledigte das allein, unbekümmert, nassforsch, allerdings nicht blindlings und hirnlos. Er war sehr bei sich und bei der Sache und nahm diese auch ernst. So forsch er in seinen Forschermomenten ist, so zurückhaltend war er im Umgang mit seinen Geschwistern; er spielte sich nicht in den Vordergrund und ging Streitereien aus dem Weg. Hartl ist ein prima Kumpel, beteiligt sich an jedem Schabernack und lässt nichts anbrennen. Aber über die Stränge schlug er nie, es sei denn bei seiner Mama, die ihn des Öfteren in die Mangel nahm und das kleine Einmaleins des Hovi-Benimms unters zarte Fell injizierte. Aber auch diese Seelenmassage beschädigte den kleinen Kerl keineswegs, warf ihn nicht aus der Bahn und nahm ihm kein Stückchen seines reichlich vorhandenen Selbstvertrauens. So gesehen, machte Fianna vermutlich alles richtig, indem sie den Vorwitz ihres Erstgeborenen ein wenig einhegte, bevor er sich möglicherweise noch zum Trump des H-Wurfs entwickeln hätte.
Hartl, um dich machen wir uns keine Sorgen, du liegst wie ein Fels im Flussbett und teilst das Wasser. Die vorbeigleitenden Leckerbissen sind in jedem Fall die deinen, aber im Trüben wirst du nicht fischen. Du wirst deinen Weg machen und dabei deiner Familie viel Freude bereiten. Und nimm es uns nicht krumm, dass wir dich beim Tierarzt mal kurz in Weichl umtauften, das ist dem Vize nur so rausgerutscht. Nein, nur weil einem einmal eine Situation nicht in den Kram passt und man das auch deutlich ausspricht, ist man noch längst kein Weichl, höchstens jemand, der sich auch zu protestieren getraut, wo die anderen auf die Lefzen beißen. Der Vize nimmt den Weichl mit Bedauern zurück.
Man sieht sich.
Familie BaumerHias lebt nun kaum einen Kilometer von seiner Wiege entfernt in Bruckmühl.
Hias ist der Paradiesvogel der Hallodris. Hias gehört zu jenen Geschöpfen, die nicht nur ein Herz im Leib tragen, sondern dieses auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in beide Hände nehmen. Er erobert damit seine Welt und wenn er das als erledigt betrachtet, verschenkt er es eben. Hias ist selbstbewusst und lustig, streitbar und clownesk. Nicht selten haben wir ihn auf Fotos, die wir nicht sofort identifizieren konnten, an seinen, wie die Chefin meinte, irren Augen erkannt, weil sein Spaß und seine Lebensfreude auch vor seinen Augen nicht Halt machen. Er ist nicht nur mit ganzem Herzen bei der Sache, sondern mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Und dann rollt er eben vor Begeisterung die Augen, wie sie ein drittklassiger, schwarz angeschmierter Weißer in einer Minstrel-Show kullerte, wenn er einen Schwarzen spielen wollte. Natürlich stand Hias seinem vorwitzigen Bruder Hartl in Sachen Neugierde kaum nach, allerdings stürzte er sich lieber als Erster auf Besucher als auf einen in einer finsteren Ecke des Gartens wuchernden Rhododendron. Wenn es ums Futter ging, kannte Hias keine Geschwister und kein Pardon; das verteidigte er kompromisslos, wenn es seiner Meinung nach sein musste, auch gegen die Chefin und ihren Vize. Das hat ihm mit uns auch Ärger eingetragen, weil er in gewissen Phasen seiner Entwicklung gerne mal die Grenzen des Anstands überschritt. Aber Hias ist nicht nur lustig, neugierig und selbstbewusst, sondern er lernt auch schnell, was ihn nach nur wenigen Lerneinheiten dazu veranlasste, einen Gang zurückzuschalten und seine Ansprüche zu mäßigen. Das bei weitem Beeindruckendste an diesem Bayerischen Hiasl ist sein Spiel- und Beuteverhalten. Hias spielt leidenschaftlich und mit jeder Faser seines Lebens. Wie er beim Studio-Test im Dach sich selbst beschäftigte, ohne den Fotofix in der Ecke auch nur zu bemerken, wie er nicht wartete, bis irgendein gütiges Schicksal oder ein Erdbeben Bälle und Beißkissen in Bewegung setzten, um sie zu jagen, sondern sie selbst in Bewegung setzte, um ihnen nachjagen zu können, war ein besonderes Schauspiel. Ganz mit der Welt im Einklang tobte dieser kleine Hias durch unser Dachstudio, als ob es kein Morgen gäbe. Hias rockt die Welt, wie sie ist, und wenn sie nicht nach seinen Vorstellungen ist, legt er sie sich zurecht.
Als Nachfolger eines lange und innig geliebten Familienmitglieds hat es niemand leicht. Immer wird man verglichen und nicht jede(r) schafft es, aus dem mächtigen Schatten zu treten. Du, lieber Hias, hast zwar deinen Vorgänger Champ nicht vergessen gemacht, das wirst du auch nicht schaffen und soll auch nicht sein, aber du hast es schon in den ersten Wochen eures Kennenlernens geschafft, dass du bei deinen neuen Leuten der Hias bist und nicht ein unvollendeter Champ. Mehr kann man sich in dieser kurzen Zeit nicht erarbeiten. Lange haben sie gebraucht, bis sie sich schließlich für dich entschieden, aber mit dem geklauten Autoschlüssel hast du ihre Herzen pulverisiert. Von nun an bist du der Hias von Bruckmühl, und aus voller Überzeugung können wir dir versichern: Besser hättest du es nicht treffen können. Du wirst nie ein Champ sein, aber immer der Hias, der einzigartige vom Bairischen Blues und der von Bruckmühl.
Familie HombergerHakuna hat ihr neues Lager im schweizerischen Schaffhausen aufgeschlagen.
Hakuna ist so schwarz wie ihre Mama und trägt das gleiche Strahlen in ihren Augen wie sie. Das Auffälligste an ihr ist jedoch das Tempo, das sie an den Tag legen kann. Schon als winziger Zwerg war Hakuna immer fixer unterwegs als ihre Geschwister, nicht immer stilsicher, gelegentlich auch in bedrohlicher Schief- und Schleuderlage, aber schnell. Das nächste, das sie ausmacht, ist ihre Sammelleidenschaft. Ständig war sie unterwegs und sammelte wie ein Obdachloser alles, was ihrer Meinung nach verwertbar sein könnte, und schleppte es herum. Wenn es für die Geschwindigkeit von Vorteil war, steckte sie sich so ein Sammelteil auch mal auf die Nase (Blumentopf) und kreierte dadurch einen völlig neuen Blues-Style, die Blumentopf-Burka. Sammeln und Sausen als Einheit löste immer ein höllisch rasantes Spiel aus, in das alle gerne einfielen und das Hakuna meist an der Spitze sah, solange, bis die anderen sich ihrer Kernkompetenz als jagendes Rudeltier erinnerten, sie in den Kessel nahmen und ihr die Beute abnahmen. Traurig war sie darüber nie, wurde auch nicht zickig oder zornig, sondern suchte sich ein neues Sammelobjekt und startete ein neues Spiel. Wenn Hakuna gerade nicht als Blitz durch das Paradies kugelte, saß sie manchmal lange Zeit und beobachtete ihre Welt, offenbar kartographierte sie diese, möglicherweise auch, um bei der nächsten Hetzrunde noch schneller alle Hindernisse umrunden zu können und die geschwisterlichen Gegner in die Falle zu locken. Doch ihre größte Leidenschaft war ihre Mama. Ihre Mama ging ihr über alles. Für ihre Mama brach sie jedes Spiel ab und wenn immer Fianna sich gastfreundlich niederlegte, legte sich Hakuna zu ihr und kuschelte, kroch ihr buchstäblich unters Fell und ließ sich von ihr durchknibbeln und kneten. In diesen Momenten entdeckte sie die Langsamkeit, den ihr Name signalisieren sollte, den wir ihr aber augenscheinlich etwas voreilig gaben, jedenfalls hast du, liebe Hakuna, dich nur beim Kuscheln mit deiner Mama daran gehalten. Ruhig lässt du es nicht angehen, hektisch bist du zwar nie, aber einen Puls wie ein Blauwal, wie ihn dein Vize gelegentlich erzeugt, wirst du vermutlich nie hinkriegen. Du steckst so voller Leben und Feuer, dass wir dich auch Hellfire hätten nennen können. Wie du es schafftest, am Abiturtag als Einzige ein ruhiges Temperament bescheinigt zu bekommen, ist uns noch immer schleierhaft.
Der Vize hätte dich gerne bei sich behalten, aber bei deinen neuen Leuten bist du mindestens ebenso trefflich gelandet. Dafür, dass sie seit der Zeit deiner Halbgeschwister vom G-Wurf auf dich warteten, haben sie dich mehr als verdient. Auf der Nase wirst du ihnen nicht herumtanzen, auch nicht mit einem Blumentopf auf der deinen, weil sie mit solchen Explosivgeschöpfen, wie du es bist, reichlich Erfahrung haben. Du wirst ihnen dennoch gelegentlich Kopfzerbrechen bereiten, vornehmlich aber wirst du ihnen das sein, was du auch für uns warst: ein unbekümmerter Sonnenschein, ein Quell purer Lebensfreude. Obwohl der Rheinfall nun Teil deines Lebens ist, wirst du sicher nie ein Reinfall für deine Leute sein. Aber sie werden gelegentlich dein Abiturzeugnis hervorziehen, den Kopf schütteln und über die Langmut des Papiers schmunzeln.
Familie WiedemannHugo lebt nur wenige Kilometer weiter in Kolbermoor bei seiner Tante Lily Rose (Exe vom Bairischen Blues) und seinem Großonkel Barney (von der Poloniusburg).
Hugo gehörte zu jenen Hunden, die in einem Wurf wenig auffallen, deswegen aber nicht weniger präsent sind. Gerade die Zurückhaltenderen haben oft mehr Substanz als die Rampensäue. Sein Abiturzeugnis belegt jedenfalls, dass er sich in keiner Hinsicht von seinen Geschwistern unterscheidest; immerhin hat er sogar in Sachen Temperament seiner Schwester Hakuna den Rang abgelaufen. Hugos auffälligstes Merkmal ist seine Menschenfreundlichkeit, Hugo ist der Philanthrop des H-Wurfs. Wo sich ein Mensch aufhielt, war Hugo nie weit (es sei denn, er wäre gerade hinter Hakuna und ihrer Beute her gewesen). Wir sind uns sicher, dass es keinen Besucher gibt, dem Hugo nicht auf den Schoß geklettert wäre. Wir erinnern uns an Situationen, in denen Besucher staunten, dass sie schon wieder Hugo auf dem Schoß hatten, obwohl gerade noch ein anderes Geschwisterchen dort kuschelte. Hugo schaffte es immer, die Herzen der Besucher zu pfeilen, so dass sie es nicht merkten. Und in Sachen Schoßhocken hatte er Geduld für alle seine Geschwister zusammen. Und auch unter ihnen hielt er sich gerne auf. In den ersten Wochen war noch häufig aktiver Teil von Auseinandersetzungen, denen er nicht aus dem Weg ging, doch bald fand er sein Gleichgewicht und war von allen gut gelitten.
Hugo, so hört man, sei der Schönste der Hallodris. Als ob das ein Kriterium wäre! Sicher gehört er zu den Gelassenen, zu denen, die mit der Musik ziehen, aber keine notorischen Adabeis sind. Wenn wir uns durch den riesigen Bilderstapel der Hallodris wühlen, stellen wir immer wieder erstaunt fest, auf wie vielen sich Hugo befindet. Offenbar versteht er sich bestens auf ein Leben als Tarnkappen-Hallodri. Ob er diese Existenz entwickelt hat, um bei seinen zukünftigen Mitbewohnern nicht in die Schusslinie zu geraten, wissen wir nicht. Wahrscheinlich ist das nicht. Die siebenjährige und mittlerweile dreibeinige Lily hat das Heft fest in der Hand, aber zusammenfalten wird sie ihn nicht, dazu ist sie viel zu souverän. Und der vierjährige Barney ist ein ausgemachter Gutelaunebär, dem der Sinn nicht nach Keilereien steht.
Lieber Hugo, wir kennen deine Leute nun lange genug, um sicher zu sein, dass es dir bei ihnen und deinen zwei Mitbewohnern an nichts mangeln wird. Die anderen beiden haben sich jedenfalls noch nie beschwert. Allerdings musst du jetzt auf den Namen Henry hören, weil die zur Hälfte englische und bayerische Belegschaft Sorge trug, dein Gehorsam könnte am Sprachkonflikt zwischen "Hugo" und "Jugeou" leiden. Deswegen nun also Henry, der beiden einigermaßen geschmeidig von den Lippen geht. Uns soll es recht sein, Henry, Hauptsache du hast dagegen keine Einwände. Wenn du ihnen so an den Lippen hängst wie uns und unseren Besuchern, ist es völlig egal, welchen Namen sie über diese bringen.
Familie MandlingerHubsi hat sein Lager nun in Hemau, westlich von Regensburg, aufgeschlagen.
Hubsi hatte einen beträchtlichen Nachteil gegenüber seinen Geschwistern zu verkraften: Er wurde von seiner Mama erst zwei bis drei Tage nach seinen Geschwistern zur Produktion freigegeben, was ihn körperlich ein bisschen ins Hintertreffen geraten ließ. Was ihm an Größe und Gewicht mangelte, glich er jedoch spielend durch seinen Charme und seinen Witz aus. Natürlich war der kleine Kugelblitz bei allen Besuchern der Star, sein pfiffiges Gesicht entwaffnete alle. Und es schien, dass er um dieses Geschenk wusste, jedenfalls tat er nichts, um es zu verbergen. Unter die Räder kam der kleine Kerl auch nie, obwohl er immer mitten im dicksten Tohuwabohu anzutreffen war. Wo Polka getanzt wurde, gab Hubsi den Eintänzer, und wo Hubsi zum Tanz bat, waren alle flugs dabei. Nicht nur unsere Besucher hatten an ihm einen Narren gefressen, auch seine Geschwister hakten sich bei ihm unter und tobten mit ihm, Hu-Hu-Hubsi skandierend, durchs Revier. Die Butter vom Brot hat ihm auch nie eine(r) genommen, höchsten den Pansen aus dem Baumstumpf, aber Hubsi wusste immer wie und bei wem er sich schadlos halten konnte. Der Kleine war auch ein großer Sänger, nicht selten das lärmende Sprachrohr und scheppernde Megaphon der Hallodris. Hubsi erhob gerne und nachdrücklich seine Stimme. Meist waren es keine Beschwerden, vielmehr fand er es angezeigt, seine Geschwister und deren Tun zu kommentieren. Aber wenn ein Klagelied anzustimmen war, war Hubsi der Erste, der es anstimmte. Und noch eine Fertigkeit hat er rasch perfektioniert: den Umgang mit seinen rattenscharfen Zähnchen. Hubsi entwickelte sich zum Chefkrokodil der Hallodris. Wenn der Fortschritt auf wundersame Weise, aber abrupt, ins Stocken geriet, war meist Hubsi die Ursache, die da am Bein hing. Am liebsten aber thronte er etwas erhöht auf irgendeinem Paradiesmöbel und spielte King of the Mountain: Hubsi, der Taktgeber, Hubsi, der Vorsänger, Hubsi, der Feldherr und Hubsi, der Bergprediger. Statt Brot und Fische verteilte er allerdings gerne mal Backpfeifen und Kopfnüsse. Und seine Geschwister ließen ihn gewähren und revanchierten sich nie dafür. Hubsi war nicht nur bei uns Menschen Everybody's Darling und wiederlegte damit das Bonmot des ehemaligen Landesvaters Strauß, dass Everybody's Darling Everybody's Depp sei. Zu keiner Zeit war Hubsi ein Depp, noch nicht einmal ein Hofnarr war er. Er hatte alle und alles im Griff, am griffigsten unsere Herzen. Die Gnade einer etwas zu frühen Geburt umgab den kraftvollen und selbstbewussten Rüden mit einem Zuckerguss, der den herzhaften Inhalt überlagerte. Wenn das Süßholz abgeraspelt ist, wird dem Candy-Hubsi-Cocon ein Handy-Hubsi und Randy-Hubsi entsteigen, ein Kerl voller Saft und Kraft, der seinen Platz im Leben beanspruchen und behaupten wird. Deine Leute haben das bereits erkannt und sprechen von dir seit Kurzem nicht mehr von Hubsi, sondern von Hubert. Mensch, ging das schnell...
Hubsi (für uns wirst du noch eine Weile Hubsi bleiben), auch wenn du den Abschiedskuss des Chronisten mit einem Vampirkuss beantwortetest, haben wir nichts als Gutes über dich zu berichten; man muss sich ja auch nicht von jedem küssen lassen. Über dein Personal haben wir auch nichts Schlechtes zu vermelden, sondern legen es dir im Gegenteil ans Herz und vertrauen es dir an. Du wirst das alles perfekt managen, weil der erste Teil deines Namens auf Hugo zurückzuführen ist und dem altgermanischen 'Geist' entspricht und der zweite Teil, der Bert, 'glänzend' bedeutet, was darauf hinausläuft, dass du einer bist, der durch seinen glänzenden Verstand besticht. Was zu beweisen war.
Familie ScheerHetty ließ sich in Hohenpeißenberg, im schönen Pfaffenwinkel, nieder.
Hetty hat viel von ihrer Mama: Sie mag Menschen, liebt die Welt und das Leben und ist lästigen Farbflecken abhold. Hetty gehörte zu jenen Hallodris, die, wie der berühmte Hansdampf, auf nahezu jedem Foto des Chronisten zu sehen waren, was ihm bei der Auswahl der Tagesbilder große Seelenpein bereitete, schließlich durfte die Chronik der Hallodris nicht in Hetty-Festspiele ausarten. Jeden Tag Hetty? Aber verdient hett sie es schon, denn, wer unermüdlich in Sachen Selbstvermarktung unterwegs ist, hat immer irgendeinen Fuß in der Tür; im Falle eines Hundes sind das immerhin vier. Hetty besitzt offenbar auch jenen Grundinstinkt, der einen zuverlässig ins Scheinwerferlicht rückt. Jeder weiß, dass Kinder die natürlichen Blick- und Herzensfänger sind. Kleine Hunde auch. Hetty schloss daraus messerscharf, dass kleines Kind und kleiner Hund der Megaherzenskiller sein müsste. Und damit lag sie goldrichtig. Dementsprechend war Hetty immer dort, wo Kinder waren, und kein Kinderschoß blieb lange unbehettyed. Doch täten wir Hetty unrecht, wenn wir diese Kinderliebe als Merketingkalkül abtäten, nein: Hetty liebt einfach das Leben, ist allem und jedem gegenüber aufgeschlossen und stürzt sich mit breiten Armen drauf und dran. Das lässt sich bei kleinen Menschen unkomplizierter verwirklichen als bei Menschenbergen, die noch dazu steife Knie haben und wie Festungen in der Landschaft stehen. Es ist Hettys völlig offenes Wesen, das sie den Menschen in die Arme treibt. Doch auch unter ihren Geschwistern hatte sie keine Neider oder Gegenspieler, sie war beliebt und ein begehrter Spielpartner. Schnell war sie, trickreich und gelegentlich hatte sie es faustdick hinter den Ohren; aber das hatten ja eigentlich alle Hallodris. Schlafmützen und Dumpfbacken bescherte uns Fianna nicht. Was hinter ihren Auftritten an der vordersten Bühnenkante häufig verborgen blieb, war ihre Spielleidenschaft. Sie war die Hallodra, die am häufigsten mit Bällen und Flauschis unterwegs war, allein mit sich und dem Spiel. Unvermittelt konnte sie das Teil dann in die Luft katapultieren und ihm resolut, aber mit teuflischem Spaß in den Augen, nachjagen. Die Kinder-Hetty hat eine finster-süße Seite, die ihr den faden Schmelz des Sugarbabys nimmt. Was ihre Geschwister wohl auch bestätigen würden, denn rücksichtsvoll war die Schwarze nicht immer, gelegentlich keilte sie auch kräftig aus und um sich, was sie jedoch mit der Zeit auf die Momente reduzierte, wo es ihrer Meinung nach unumgänglich war, etwa beim Kampf um die letzten Reste in den Schüsseln. Nicht ohne Grund vollzog Hetty eine beeindruckende Reise durch alle Höhen und Tiefen der Gewichtstabelle. Und auch ihre deftige Magen- und Darmverstimmung, die sie in ein kotzendes Elend verwandelte, kam nicht vom Daumenlutschen, sondern weil sie sich an Mutters Knochen vergriffen und übernommen hatte.
Der Vize und Chronist schwört auf solche schillernden Charaktere mit Abgründen und hätte dich, wie Hakuna, in seinen Harem aufgenommen. Sei's drum, du hast es auch so großartig getroffen. Deine Leute werden dich auf Händen tragen, obwohl du längst mit allen Beinen fest im Leben stehst und dich selbst schwankende Untergründe nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn es dir an etwas nicht mangelt, ist es Selbständigkeit und Standfestigkeit. Davon werden wir uns noch oft genug selbst überzeugen können.
Familie SchröderHalina stellt ihre Hütte in nächster Nachbarschaft zu Hetty in Hohenpeißenberg auf.
Auch dir hätte der chronische Vize ein Dach über dem Kopf gegeben, da aber seine Freunde ihre Augen gar nicht mehr von dir lassen konnten, war die Entscheidung gefallen, bevor sie reif war.
Mit jedem Wurf macht man als Züchter neue Erfahrungen und lernt etwas hinzu. Eine unserer Erfahrungen ist, dass stille Wasser abgründig und voller Überraschungen sind. In jedem Wurf hatten wir ein solch stilles Wasser und jedesmal wurde uns diese Erfahrung bestätigt. Halina ist das stille Wasser der Hallodris. Ursprünglich fiel sie vorwiegend durch ihr Äußeres auf: Halina ist schön, anders als ihre Schwestern, die zwar auch schön sind, aber nicht auffallen, weil sie wie ihre Mama sind und deshalb in unserem Hause optisch keinen neuen Reiz setzen. Halina ist anders. Sie ist auch anders, weil sie ruhiger als ihre Schwestern ist, dadurch nicht dauernd im Fokus steht. Dennoch ist sie immer mittendrin und auch dabei. Auch in diesem Aspekt setzt sie die Reihe jener augenscheinlich unauffälligen, aber dennoch präsenten Blues-Ableger fort. Von all denen ist keiner zum Mauerblümchen oder zur Trauerweide geworden. Ganz im Gegenteil. Schon im Spiel mit ihren Geschwistern ließ Halina erkennen, dass in ihr viel Potential schlummert, jedenfalls gab sie nicht nur Kontra, sondern teilte auch kräftig aus. Und wenn jemand ihr Kontra gab, ließ sie nicht auf das Re warten. Ihre zwischengeschwisterliche Kommunikationskultur war beherzt, aber nie grob. Mit uns Menschen ging Halina eher vorsichtig um, die schmerzlichen Attacken gingen zumeist nicht von ihr aus, jedenfalls nicht in jener Entwicklungsphase, in der alle meinten, ihre Waffen an uns testen und polieren zu müssen. Halina fand erst später zu dieser Art Freizeitgestaltung, ließ es dann aber nicht an Stanzfestigkeit vermissen. Noch beim Studio-Test zeigte sie leichte (!) Zweifel an der eigenen Courage. Was tatsächlich in ihr steckt, offenbarte Halina bei der Wurfabnahme. Wer ihr bis dahin ein zurückhaltendes Wesen zuschrieb, wurde von ihr eines Besseren belehrt; sie bestand diese Prüfung, wie alle anderen, mit Bravour und ohne Wackler. Wir Blues-Insider fühlen uns bestätigt, dass Halina langsam kommt, nun aber gewaltig. Während der letzten Tage bei uns ließ sie bereits manche Hüllen fallen; die letzten waren es definitiv nicht. Schon jetzt zeichnet sich ein zauberhaftes Wesen ab. Aus den Tiefen des stillen Wassers steigt etwas sehr Besonderes.
Liebe Halina, die Wurzeln deines Namens liegen im Altgriechischen 'Galene' und 'Helene'. Galene steht für Ruhe und Stille und beschreibt einen Teil deines Wesens sehr trefflich. Helene steht für Fackel oder Glanz, und das ist es, wohin du dich gerade zu entwickeln scheinst. Doch den letzten Schlüssel liefert das arabische Wort 'Halima': Traum! Und das bist du für deine Leute heute schon: ein Traum. Ein Traum, der ihre Albträume der jüngsten Vergangenheit vergessen macht, das lange Leiden und der viel zu frühe Tod deiner unvergessenen Vorgängerin Doosie sowie die qualvolle Odyssee deiner Namensgenossin Helena, die dir noch gerne Koseworte in die flauschigen Ohren geflüstert hätte. Wer weiß, vielleicht war sie es ja, die dich nach Hohenpeißenberg befahl?
Familie Holthaus-VehseHarpo lebt jetzt in Bad Feilnbach, zu Füßen des Wendelsteins.
Harpo bezieht sich mit seiner Namensgebung auf den wortlosen Marx-Bruder, der durch zweierlei zu Weltruhm gelangte: durch sein Harfenspiel, weshalb er eben Harpo heißt, und seine Pfiffigkeit. Unser Harpo spielt nicht Harfe, das war schon bei seiner Namensvergabe klar. Wortlos oder stumm ist er auch nicht. Bleibt die Pfiffigkeit, und da kann er mithalten. Eigentlich ist Harpo ein gut geschnürtes Rundumpaket aus Wohlgestalt, Bewegungsgenie und Verschmitztheit. Wollte man Harpo auf die Schnelle in eine Schublade stecken, würde man ihn Sonnyboy nennen. Erste Aufmerksamkeit zog er auf sich, als die Hallodris gerade ihre Schnullerbox verlassen hatten und fast alle bei den Versuchen, sich durch die Küche zu bewegen, eine peinliche Figur machten. Mit Bewegungstalent oder gar Bewegungsluxus hatte das nicht viel zu tun. Außer bei Harpo. Er war der Erste, der den Umständen entsprechend stabil auf seinen Beinchen pendelte und nicht unentwegt über die Nase abrollte. Harpo war der Erste, der die nötige Technik entwickelte, um auf dem glatten Fliesenboden Vortrieb zu entwickeln. Er war bis zum Tag seines Auszugs der schnellste und trittsicherste Hallodri. Nur er konnte Radien rennen, die seine Geschwister, die ihn verfolgten, in eine Umlaufbahn beförderten. Harpo ist mit seinen Beinen so talentiert und geschmeidig wie sein Namensgeber mit den Fingern. Diese Gewandtheit, gepaart mit seiner Pfiffigkeit, brachte ihm viele Vorteile im Kampf um Beutestücke. Sein Nachteil war seine Gutmütigkeit. Wo andere, nachdem sie sich die Beute durch Geschwindigkeit und Witz erobert hatten, diese auch mit, wörtlich verstandener, Verschlagenheit verteidigt hätten, ließ sich Harpo selten auf einen Streit ein, sondern sah sich nach einem anderen, herrenlosen Beutestück um. Auch so kann Pfiffigkeit interpretiert werden. Es wäre fast ein Wunder, wenn ein Bewegungstalent wie Harpo nicht auch ein ausgesprochener Spielfex wäre. Spielaufforderungen ließ er eigentlich nie unbeantwortet, sondern stürzte sich mit allem, was ihm zur Verfügung stand, ins Vergnügen, hetzte allem hinterher, was ihm angeboten wurde. Dabei entwickelte er auch mehr Ausdauer als die meisten seiner Geschwister, wobei er mehr auf Abwechslung stand als auf Intensität. Das heißt allerdings nicht, dass es ihm an Triebstärke mangelt – die Zuchtwartinnen gewannen da einen anderen Eindruck – nein, er will sich nur nicht so sehr auf ein Objekt konzentrieren oder beschränken, sondern lieber wie die Biene von Blüte zu Blüte flitzen, um zu sehen, was sonst noch alles im Angebot ist.
Lieber Harpo, du darfst dich auf ein abwechslungsreiches Leben zwischen Pferden und der Jagd freuen, bei Menschen mit einem großen Herzen und viel Hovawarterfahrung. Einem Leben als pfiffiger bayerischer Hallodri steht also nichts im Wege.
Familie KasparikHobo hat seine Zelte im Workerszell, im Landkreis Eichstätt, aufgeschlagen.
Hobo war der einzige Hallodri, den sogar der identifikationsunbegabte Vize auf Anhieb beim Namen nennen konnte: Hobo hatte nämlich nahezu den gesamten Farbvorrat, den seine Mutter im Angebot hatte, gesammelt und verteilte ihn auf sich, was es dem Vize leicht machte. In Sachen Farbgebung ist Hobo ein Vorzeige-Hovawart, aber ein richtiger Blues-Jünger ist er nicht; Farbluxus gehört seit Anouk nicht mehr zur Tradition des Hauses. Ein bunter Hund war er trotzdem nicht und er fiel deswegen auch nicht dem Diskriminierungsdrang seiner Geschwister zum Opfer, was durchaus hätte sein können, weil Hunde, und Hovawarte im Besonderen, nicht immer frei von Farbrassismus sind. Nicht so bei Hobo, dem seine Geschwister seine Farbangeberei nicht übelnahmen. Hobo war zweifellos der Ruhigste der Hallodris (nicht Hakuna!), aber einer, der immer sehr ausgeschlafen war, wenn es darauf ankam, so zum Beispiel beim Abitur. Hobo ist nämlich tatsächlich etwas ruhiger, aber keinesfalls einer, den sie im Allgäu als Drimslar bezeichnen würden (Träumer, Trödler, Schlafmütze). Nichts von dem war Hobo. Ja, er hat immer gerne und lange geschlafen, hat sich auch mal zur Ruhe gelegt, wenn die anderen gerade wieder einmal die Welt neu erfinden wollten. Nicht unbedingt Hobos Anliegen. In seinem ersten Leben als Wanderarbeiter reiste er in Güterzügen um die Welt, da macht ihm kein naseweiser Hallodri etwas vor. Aber Bilder lügen nicht, und die beweisen, dass Hobo oft, viel und auch schnell auf seinen Beinen unterwegs war. Neben Hubsi und der Allzweckwaffe Hetty war er auch der Stimmführer der Hallodris, ein begnadeter und bei Nichtbeachtung auch gnadenloser Beller, einer, dem nicht alles, aber ziemlich viel ein Kommentar wert war, das allerdings nur im Haus, am Hallodri-Paradies hatte er offenbar nicht viel auszusetzen und hielt meist an sich. Als allerdings der Nachbar seine Harley zur ersten Frühlingsausfahrt aufstöhnen ließ, gab er die Richtung vor und meldete als Erster 'Gefahr im Verzug'. Genau dafür ist ein Hovawart bestimmt. Und das ist dann das eigentlich Erstaunliche an dem Zwerg: Er war schon jetzt ein richtiger Hovawart, augenscheinlich schläfrig und unauffällig, dabei immer auf Betriebstemperatur, und wenn er gefordert war, stellte er seinen Mann, na gut: sein Männchen. Wenn er nicht den unverzichtbaren Wachmann gab, tobte er auch gerne mit seinen Geschwistern herum und beteiligte sich an deren Spielen, aber zum Animateur oder zur Betriebsnudel wird er wohl nicht werden.
Lieber Hobo, in dir steckt schon jetzt viel mehr Hovawart als in deinen wieselnden und wuselnden Geschwistern, die vom Ernst des Lebens noch nichts verstehen. Mit deinem dicken, bunten Bollerkopf und den verträumten Augen hast du ähnlich viele Herzen gebrochen wie Hubsi. Du bist auf eine anrührende Weise seriös, wie es in deinem Alter nicht häufig vorkommt. Für dich haben wir eine Familie ausgesucht, die keinen Flip will und keinen Flop und schon gar keinen Müden Willi, sondern einen Burschen, auf den Verlass ist und der das Herz erwärmen kann. Wir sind fündig geworden. Und jetzt könntest du eigentlich mal bellen...
Familie ReichertHallodri hat seine Schmusedecke in Walpertskirchen, im Landkreis Erding, ausgebreitet.
Was soll man über so einen noch lange reden? Es ist doch schon fast alles gesagt. Als Schlussakkord hat Fianna den Einpfünder ihrem Leib abgerungen, ein Finale furioso am Faschingsdienstag um Viertel nach drei. Als Zweitschwerster hinter seiner Schwester Hetty nahm er das Rennen um die Pfunde auf und beherrschte das Feld nach einer kurzen Orientierungsphase ab dem neunten Lebenstag souverän. Wie er sich durchs Futter fraß, so fraß er sich durch die Herzen. Wie er sich durch die Herzen fraß, so fraß er sich durch sein und aller anderen Futter. Berggorilla hatte ihn der Chronist wegen seiner kräftigen Statur einmal genannt, aber unsere Besucher, die die Gewichtstabelle im Kopf hatten, fahndeten enttäuscht nach dem großen Hallodri und fanden ihn nicht, weil er zwar schwer war, aber wohlgeformt und wenig größer nur als seine Geschwister. Deswegen hat ihn der Chronist auch nur Berggorilla genannt und nicht Silberrücken. Er war nämlich nie gewaltig, schon gar nicht gewalttätig. Aus seiner Statur erhob er auch nie Ansprüche auf die Rudelführerschaft, wie es ein Silberrücken machen würde, obwohl er selbstredend überall dabei war, wo es krachte und stank. Auf dem Weg zum Kampfplatz konnte er dann ein erstaunliches Tempo entwickeln, um nicht erst bei den Friedensverhandlungen mitmischen zu können. Ein paar Ellenbogenchecks musste er mindestens loswerden, was ihm allerdings regelmäßig zum Verhängnis wurde, wenn er einen solchen an eine seiner kampfstarken Schwestern austeilte. Die falteten ihn (wie übrigens auch die anderen Möchtegern-Machos) dann nämlich so zusammen, dass er in eine Streichholzschachtel passte. Dann lief er heulend zu Mama, die ihn wieder hinaus ins Feuer jagte. So muss es sein: Wahres Heldentum muss reifen. Bei diesen Kampfeinsätzen war ihm einfach noch nicht klar, dass er im Grunde seines Herzens nichts als ein allerliebster Hallodri ist, ein lockerer Bruder Leichtfuß, ein Spitzbub und eine pralle Herzknospe. Für ihn bestand das Leben vornehmlich aus Spaß, er genoss es unbekümmert und in vollen Zügen (hat nichts mit Hobo zu tun) und stellte sich offen und neugierig allen Herausforderungen und Angeboten. Man muss nicht großmächtig sein, nur weil man groß und mächtig ist; man muss die Welt erst trinken, bevor man sie verdauen kann. Machen wir es einfach kurz: Hallodri ist ein herrlich unverkrampfter und offener Schlingel, dem das Leben gelegentlich noch ein wenig zu groß ist.
HannibalDie Zukunft, lieber Hallodri, wird für dich ein Riesenfass voller Leben bereithalten. Deinen Ansprüchen und Fähigkeiten, die zwar noch in den Kinderschuhen stecken, sich aber deutlich abzeichnen, würde Erding und sein Hinterhof nicht gerecht werden können. Deswegen werden dich deine Leute in ferne Länder führen und fremde Menschen werden dir überall zu Füßen liegen. Dein Chef wird chauffieren, schrauben und schnauben, deine Chefin rangieren, tranchieren und arrangieren, du aber wirst der Herr über Hannibal, den Zehntonner, sein, wie es dein Vorgänger war, der 34 Länder bereiste und den Ruhm des Hovawarts in die Welt trug. Weil schon ein Familienmitglied, nämlich dieser Hannibal, schon einen H-Namen hat, hörst du nun auf Nando, was zwar eine Abkürzung von Fernando sein kann, aber ursprünglich vom germanischen 'nantha' abstammt, was 'gewagt' und 'kühn' bedeutet. Das könnten natürlich für deinen Lebenswandel hilfreiche Eigenschaften sein. Vielleicht schickst du uns mal ein Foto aus der Wüste oder aus San Nandobal.
Heike SchubertHedda ist die Kronprinzessin des Bairischen Blues und bleibt in Vagen.
Es hat lange gedauert, bis wir uns ganz sicher waren. Es hätte Hakuna sein können oder Halina oder Hetty. Oder eben Hedda.
Liebe Hedda, du bist schlicht eine Blaupause deiner Mama (mit mehr Marken), und gerade das ließ uns zögern: Eine zweite Fianna? Eigentlich wollten wir das nicht. Aber was kann man schon ausrichten gegen die geballte Kraft des Unvermeidlichen? Natürlich waren wir positiv alarmiert, als wir in dem ausgelassenen Kugelporsche, der den Garten durchpflügte, deine Mama wieder erkannten und nur noch dich im Blick und Sinn hatten. Die Selbstverständlichkeit, mit der du die Gestade des Blues unter deine Stummelbeine nahmst, ließ dich als Wiedergängerin deiner Mama erscheinen, ein Déja-vu mit Farbklecksen. Sogar ihre Lebenshaltung und -einstellung fanden wir in dir wieder: Schlafen, wenn andere toben. Auf Exkursion gehen, wenn der Rest in der Pofe liegt. Dann mal kurz über den träumenden Haufen brettern, alle aufwecken und sich, wenn alle aus den Federn sind, zur Ruhe begeben. Ist ein solches Sozialverhalten am Ende genetisch? Und in noch einer Eigenschaft stehst du deiner Mama nicht nach: im handfesten Zupacken. Du bist keine Rauferin, wie es auch deine Mama nie war und nicht ist, aber vornehmlich Übergriffe von hinten, auf deinen Allerwertesten oder deine Rute, beantwortest du mit einer Abreibung, die sich gewaschen hat. Du liebe Güte, das kann sie dir doch nicht beigebracht haben, und wenn doch, warum dann nur dir und nicht deinen Geschwistern? Hat sie dich etwa für eine Übernahme vorbereitet? All das hielt uns in einer langen Schwebe zwischen Hingabe und Abgabe. Doch in einer Hinsicht bist du entscheidend anders als deine Mama: Dein Spiel ist tiefer und voller Spaß und Leidenschaft. Du kannst dich mit Bällen beschäftigen, auch mit zwei oder drei, ohne dass du ihrer überdrüssig wirst. Wenn wir dir etwas hinwarfen, nahmst du es auf und brachtest es sofort zurück. Du apportierst schon jetzt aus Spaß und mit Leidenschaft – und das hat dir deine Mama sicher nicht beigebracht. Auch beim ersten Beutespiel nahmst du das Beißkissen schon fest zwischen die Kiefer, gabst aus vollem Herzen Kontra und wolltest nicht mehr loslassen. So viel Herz, Verstand und Biss waren wir nicht gewachsen.
Es sind ja nie die großen Unterschiede, die eine Entscheidung bringen. Manchmal ist es nur ein winziger Blick, der ein Herz sturmreif schießt, eine fahrige Geste zwischen tausend anderen, die den Weg weist. Man stolpert ja auch nicht über einen Berg, sondern über einen Maulwurfshügel. Es hätte tatsächlich eine deiner Schwestern sein können, aber wir meinen, dass es diese Intensität und Tiefe deiner Spielkultur war, das Herzhafte und Beherzte, aber auch das Antizyklische, was uns die letzte Gewissheit brachte, dir das Erbe von Anouk, Franzi und Fianna anzuvertrauen. Die Tatsache, dass auch du uns mit einiger Wahrscheinlichkeit keine blonden Kinder bescheren wirst, war da nur noch drittrangig.
Irgendwann, sehr spät, blickten wir uns an: Same procedure as last time?
Wir nickten uns zu.
Yes, we'll do our very best.
Nun bleibt uns nur noch, allen von ganzem Herzen zu danken, die zum Gelingen des H-Wurfs beigetragen haben. Wir sagen allen Dank, die sich eingebracht und geholfen haben. Jeder der sich angesprochen fühlt, soll sich umärmelt und gedrückt fühlen. Wir hätten es alleine nicht geschafft, die Hallodris zu dem zu machen, was sie geworden sind: ein Traum. Namentlich lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, Fianna und Ery noch einmal explizit in die Arme zu drücken, denn für das, was sie am 28. und 30. Dezember 2016 auf den Weg gebracht haben, ist jedes noch so schöne Wort zu gering.
Ihnen und allen ein herzlich bayerisches Vergelt's Gott.
Und was für die zurückliegenden Würfe galt, gilt auch für die Hallodris:
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues bis auf Weiteres. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Ihren Leuten wünschen wir alles Glück mit ihren neuen Familienmitgliedern sowie ein gute und sichere Hand. Wir werden ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.
Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life
Eddy vom Hagenauer ForstFür unseren geplanten I-Wurf haben wir uns für Eddy vom Hagenauer Forst entschieden.
Eddy ist ein knapp fünfjähriger schwarzmarkener Rüde von gutem mittleren Typ. Er zeigt sich ausgesprochen lustig und spielfreudig mit einem schönen Trieb. Von seiner Besitzerin Elfriede wird er im IPO-Sport geführt und hat in diesem Frühjahr die IPO3 abgelegt.
Aufmerksam sind wir auf ihn durch die tolle Kombination von Action und Arbeitsbereitschaft sowie Ruhe und Gelassenheit geworden. Bei Spaziergängen oder auf dem Hundeplatz zeigt er viel Elan, Bewegung und Action, lässt sich aber von anderen Hunden und deren Pöpeleien und Imponiergehabe nicht aus der Ruhe und der Fassung bringen. Und ganz nebenbei ist er auch noch richtig schön.
Mehr Infos und Bilder gibt es auf der Webseite von Eddy unter www.vom-hagenauer-forst.de/eddy.php
1. Woche (20.02.2019 - 26.02.2019)
Mittwoch 20.02.2019
Es sind die ersten Tage, die uns immer unter Dauerspannung halten, weil jetzt so viel gutgehen wie schieflaufen kann. Natürlich kommen später andere Risiken hinzu, wie etwa Durchfälle und Infektionen, denen die Knirpse noch weitgehend schutzlos ausgeliefert sind, aber in diesen ersten Tagen liegt unser Hauptaugenmerk auf der Mutter; die Welpen machen einen gesunden und stabilen Eindruck, aber bei der Mutter muss man erst einmal abwarten, ob sich noch unliebsame Überraschungen eröffnen. Blutet sie gut ab? Trägt sie noch Plazentareste in sich, die ihr zusetzen? Hat sie genug Milch? Bekommt sie einen massiven Durchfall? Es ist jedenfalls nicht die Zeit, sich entspannt zurückzulehnen.
Während der Assi mit Hedda eine einigermaßen ruhige Nacht im Familienbett verbrachte, hat die Chefin im Wohnzimmer Stallwache gehalten und nicht viel Schlaf abbekommen, weil die Indieweltgesetzten die
Glückliche Mama mit ihren KindernKlappe nicht halten können und unentwegt plappern. Das kennt sie zwar von früheren Bruterfolgen, macht es deswegen aber nicht besser. Mit dem Morgengrauen kommt dann der erste Rundumcheck. Welchen Eindruck macht die Mutter? Sie sieht frisch aus wie der junge Tag. Abgehakt. Dann die Temperaturkontrolle, die jetzt noch wichtiger ist als vor der Geburt, weil sie da nur ein wichtiger Indikator für die nahende Geburt war, jetzt ist sie aber der Gradmesser für den Zustand der Wöchnerin. Um 6 Uhr zieht die Chefin das Thermometer mit 38,4 °C unter Fiannas Rute hervor. Das gibt's doch nicht! Das ist ja fast Normaltemperatur. Frisch gebackene Mütter haben eigentlich immer erhöhte Temperatur bis hin zum Fieber. Nicht so Fianna. Eine Kontrollmessung kommt zum gleichen Ergebnis. Das sieht natürlich so gut aus, dass man sich fast fragt, ob wir die Geburt nur geträumt haben. So kann es jedenfalls weitergehen.
Anschließend unternimmt Fianna mit der Chefin eine kleine Runde um unsere Stamm- und Pinkelwiese, den sie in vollen Zügen genießt und bei dem sie nie den Eindruck macht, als ob sie gestern acht Welpen in die Welt gesetzt hätte. Sie hüpft herum wie Flip, fordert ihren Ball, ist rundherum quietschfidel und hat eine Ausstrahlung wie die Königin von Saba. Einzig ihr Stuhlgang ist auffällig – aber nur für Leute, die noch nie einen nachgeburtlichen Kotabsatz gesehen haben: Er ist breiig und pechschwarz. Beides kommt von acht verspeisten Nachgeburten, gigantische Eiweißbomben, die für den Brei und die Farbe verantwortlich zeichnen. Wir sind ja schon froh, dass sie nicht einen strammen Strahl herausschießt, den sogenannten Hydrantenstuhl, der häufig als Folge der Proteinbombe eintritt. Dagegen geben wir seit jeher Podophyllum, ein homöopathisches Mittel, das unsere Mütter über alle Würfe hinweg von diesem Ungemach verschonte. Und so bekommt sie zu ihrem gekochten Morgenhühnchen wieder Podophyllum, dazu Arnica zur besseren Heilung der vielen Mikrotraumata in ihren Geburtswegen und Metrovetsan, ein ebenfalls homöopathisches Mittel, das dafür sorgt, dass die Hündin schnell und gut abblutet, denn Blutreste in den Geburtswegen bedingen Fäulnisprozesse und damit Fieber. Zumindest für den Moment scheint sich dieser Gabenmix positiv auszuwirken: Fianna macht einen topfitten Eindruck.
Fianna und IsiAber auch die Welpen sind wohlauf und knauzen in der Schnullerbox; offenbar sind sie wohlgenährt und zufrieden. Diesen Eindruck bestätigt auch die erste Gewichtskontrolle, bei der alle zusammen 40 Gramm abgenommen haben. Eine Gewichtsabnahme am ersten Tag ist jedoch völlig normal. Indra und Iltschi haben über Nacht jeweils 20 Gramm liegen gelassen, Ignaz, Iberl und Inouk 10 Gramm, die gewichtige Isi hat ihr Gewicht gehalten (nicht schon am ersten Tag Schwäche zeigen!),Ilmo hat 10 Gramm und Irax 20 Gramm zugenommen, macht zusammen 40 Minus. Passt. Ausgemergelt und abgemagert sieht hier niemand aus.
Nur das Nesthäkchen Hedda ist durch den Wind und sucht ihre Position in diesem Auf- und Umtrieb. Sie ist überzeugt, dass ihr gerade eine bisher sehr heile Welt unter den Beinen wegbricht; da helfen auch viele Streicheleinheiten nichts. Es sind diese starken Gerüche nach Blut und Fruchtwasser, die uns wegen des ständigen Bettenwechsels kaum auffallen, aber für eine feine Hundenase eine gemeine Herausforderung sind. Dazu kommt das unentwegte Geknirze und Gegickel, das Quietschen und Knauzen, das den stolzen Eltern ein güldenes Klingeln im Ohr ist (außer nachts), für die Außen- und Nebenstehende jedoch eher eine Art Tinnitus. Schuld ist ihrer Meinung nach ihre Mutter, die diese ganze Misere allein zu verantworten hat, und deshalb pöbelt sie sie kurz und eindringlich an, als die sich ihrem Rückzugsort hinter der Haustür nähert. Ranz! Psychogeschwätz ist jetzt wirklich das Letzte, das ihr fehlt und langatmige Erklärungen braucht sie auch nicht. Und Fianna? Dreht sich um, lässt ihre Tochter spätpubertieren und trollt sich wieder. Die wird schon wieder normal; den Gören geht es einfach zu gut heutzutage, und vom Leben haben sie keine Ahnung. Aber warte nur. Sie ahnt offenbar, dass die kleine Rübennase auch irgendwann nach Blut und Fruchtwasser duften soll. Fianna fechten solche Rüpeleien nicht an; da schwebt sie drüber und davon. Und die Rübennase muss wieder selber mit sich klarkommen. Was zumindest an der frischen Luft beim Morgenspaziergang schon bestens funktioniert; da ist sie die immerwährende Hedda, unbeschwert, luftgetragen und spielrauschig bis zum Herzstillstand. Nur nach Hause will sie nicht mehr. Dann doch lieber Herzstillstand... Aber wir wissen ja alle: Letztlich kommen die guten Mädchen in den Himmel und die anderen überall hin, auch in die verabscheute Brutfabrik.
Als zweites Frühstück nimmt Fianna körnigen Frischkäse mit Ziegenmilch und Frubiase Calzium zu sich, das ihren heftigen Kalziumabbau durch die Milchsauger ausgleichen muss. Wie sehr eine Geburt und die Zitzenzuzler den Kalziumhaushalt einer Hündin plündern, sieht man an ihren Zähnen: Die elfenbeinernen Luxusbeißer werden schon während der Geburt bernsteinfarben und wechseln anschließend in ein hässliches Gelbbraun – innert (ach, was liebe ich dieses Schweizer Wort!) weniger Stunden.
Am frühen Nachmittag stärkt sich Fianna noch einmal mit Hühnchen und einer Trockenfutterbeilage, das sie mit Appetit verspeist, schließlich lassen ihr diese kleinen Isegrimms kaum etwas übrig von dem, was sie zu sich nimmt. Danach unternimmt sie mit der Chefin bei 13 °C und frühlingsfrischer Sonne einen kleinen Spaziergang um die Wiese. Nach ihrer Rückkehr wird sie von Hedda, gegen deren Gewohnheit, recht reserviert begrüßt, weil ihr die Mama offenbar total fremd und irgendwie unheimlich geworden ist. Sie wird wohl noch einige Therapiesitzungen mit sich selber machen müssen, um im neuen Rollenspiel anzukommen. Das wird ihr gelingen. Schadet ja nicht, wenn man langsam erwachsen werden und sich aus dem mütterlichen Kokon lösen muss.
Um 19 Uhr liefert das Rektalometer eine Fiannentemperatur von 37,6 °C. So viel Normalität lässt uns nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Die Nacht verbringt die Chefin nahe ihrer Brut und der Assi mit Hedda im Familienlager, weit weg von den Gerüchen und der Lärmbelästigung. Hedda schläft wie ein Murmeltier. Wahrscheinlich hofft sie, dass die Nacht nie enden möge.
Donnerstag, 21.02.2019
Die Nacht der Chefin ist erwartungsgemäß unruhig, nicht, weil es den Idefixen schlecht ginge, sondern weil sie sich so viel zu erzählen haben. Es ist ja einer jener sinnfreien Mythen, dass Männer maulfaul seien. Sechs Kerls am Stammtisch vor ihrem Bier sind alles andere als maulfaul, und sechs Burschen am Zapfhahn der Mutter haben immer noch einen Mundwinkel frei, aus dem heraus sie warme Luft absondern können. Dass sich die beiden Mädels dieser Konversation nicht verschießen, liegt nahe. Man muss diese Dauerberieselung eine Nacht ertragen haben, um a) zu wissen, woher der Begriff twittern kommt und b), um mehr als einen, exakt acht gute Gründe zu haben, alle Vorbehalte diesem Quatschmedium gegenüber bestätigt zu bekommen.
Doch jede Nacht geht zu Ende und die Nachtmahre lösen sich im fahlen Licht eines Februarmorgens in Hirngespinste auf. Wenn die glückliche Mutter morgens um 6 Uhr mit 38,3 °C aus der Kinderkiste steigt, kann der Tag kaum besser beginnen, selbst wenn die Quatschköpfe darin noch immer ohne Punkt und Komma twittern.
Wenn man den Gesprächsbedarf der Zwerge in Betracht zieht, kann man über deren Befindlichkeit zweierlei schließen, entweder, sie haben Anlass, sich zu beschweren oder es gilt das Gegenteil: Sie quatschen uns und dem lieben langen Tag ein Ohr ab, weil sie vor lauter Sorglosigkeit nichts Besseres zu tun haben. Die Gewichtskontrolle legt das Zweite nahe. Zusammen haben sie 140 Gramm, zugenommen, wobei keiner
Iberlabgenommen hat. Ihr Durchschnittsgewicht liegt heute bei 513,75 Gramm (gestern: 496,25, nach der Geburt: 501,25). Da kann man natürlich aus voller Brust trillern. Ignaz (450) und Ilmo (500) haben ihr Gewicht gehalten, Iberl (470) und Inouk (490) haben 10 Gramm zugenommen, Irax und Isi liegen mit 560 Gramm gleichauf und haben auch beide 20 Gramm zugelegt, Iltschi legte 30 Gramm auf und wiegt nun 530 Gramm. Indra hat vermutlich die Klappe und sich ans Büffet gehalten: +50, macht 550. Damit zeigt sich wieder einmal die Frauenpower, die von Isi mit 560 Gramm angeführt und von Indra mit 550 bestätigt wird. Nur Irax hält mit Isi noch die Spitze. Irgendwann werden die Mädchen dann aber klein bei- und nachgeben müssen und die Burschen vorbeiziehen lassen.
Ein gemeinsamer Spaziergang fürs gemeinsame GlückFianna ist, nicht nur wegen ihrer formidablen Körpertemperatur, richtig gut drauf , sondern besteht auch darauf, die Chefin und Hedda auf eine kleine Runde begleiten zu dürfen. Sie ist eine fürsorgende Glucke, die aber ihre eigenen Bedürfnisse nicht vor lauter Gluckerei aus dem Blick verliert. Schlank ist sie wieder und federt auf leichten Beinen neben den beiden her, als hätte ihr der Verlust der wochenlangen Last Flügel verliehen.
Hedda genießt diesen Spaziergang zwar sichtlich, legt aber weiterhin keinen Wert darauf, wieder nach Hause zu kommen. Da ihr dieser Wunsch unerfüllt bleibt, arrangiert sie sich mit den häuslichen Gegebenheiten und geht Fianna und den Twittern aus dem Weg. Ihr Platz ist vorrangig der Eingangsbereich, weit genug weg und außer Sicht der Schnullerbox. Wenn allerdings zur Speisung gerufen wird, gibt sie ihre Zurückhaltung und Distanz gegenüber ihrer Mutter auf, und sie schlemmen, wie gewohnt, Seit an Seit und Schulter an Schulter. Und da stört es sie auch nicht, dass direkt hinter ihr die Zwerge plappern. Die Sorge, angesichts der rundum gewaltigen Kaloriennachfrage, unter die Räder zu kommen und Stammgast bei der Bruckmühler Tafel zu werden, lässt sie ihre Abneigung für wenige Minuten vergessen, dafür aber die Schlagzahl erhöhen; sie war schon immer doppelt so schnell wie ihre Mama, aber jetzt ist sie schon fertig, bevor diese eruiert hat, was im Napf liegt.
In ihm liegt heute, und das ist bis auf Weiteres Fiannas Menüplan (Varianten sind gewollt und erwünscht), morgens eine große Portion selbstbereitete Welpenmilch mit Hüttenkäse, mittags eine ebenfalls große Portion gekochtes Hühnchen mit Reis, aufgepimpt mit Metrovetsan und Frubiase, nachmittags, gegen 17 Uhr, wieder eine große Portion Trockenfutter und abends Rind pur oder mit Pansen oder Innereien. Dazwischen gibt es zwei- bis dreimal Arnica und Podophyllum. Normalerweise müsste Fianna bei diesem Speiseplan aufgehen wie eine Dampfnudel, aber sie nähert sich schon wieder ihren Idealmaßen. Unglaublich, wie viel Energie diese acht Vampire ihr entziehen.
Am späten Nachmittag liegt Fiannas Temperatur bei 37,4 °C, und wir bleiben dabei: So cool war noch keine unserer Mütter am zweiten Tag nach der Geburt, Fianna eingeschlossen. Das positive Gesamtbild bestätigt sich in Fiannas Stuhlgang, der weiterhin breiig ist, allerdings mit Tendenz zur Normalität. Da unterscheidet sie sich von Hedda, die heute eine ordentliche Flitzekacke hat, weil ihr diese häuslichen Umstände offenbar doch auf ihren sonst äußerst stabilen Darm schlagen. Dagegen gibt es allerdings ein unschlagbares Hausmittel: Spaziergang mit ihrer Hundefreundin Krümel und Lieblingsfreundin Anna-Maria. Dass deren Mutter für alle zusammen Verpflegung mit sich schleppt, wird dankend akzeptiert, aber nicht weiter thematisiert, weil sich Hedda, Krümel und Anna-Maria selbst genug und ein Kosmos für sich sind, die ihre Außenwelt wahr-, aber kaum zur Kenntnis nehmen. Man hat eben sein Personal, hat man keines ist man ein armer Hund, jedenfalls kein Hovawart. Und die Cockerpoo-Hündin Krümel ist längst zum Hovawart geworden, auch wenn sie nicht so aussieht. Vielleicht besteht sie ja demnächst auf rassekorigierende OPs.
Anna-Maria hat alle RechteDurchaus denkbar. Die Drei also, Hedda, Krümel und Anna-Maria, unternehmen, begleitet und geleitet von einer Butlerin, einen mehr als zweistündigen Spaziergang durchs Mangfalltal mit angeschlossenem Picknick. Hier rennt und tobt sich Hedda ihre Alltagssorgen aus dem Kopf. Als die Tour jedoch ein Ende nehmen muss und Anna-Maria ihre Krümel nach Hause bringen soll, während Hedda von der Butlerin wieder an ihren Stammsitz abgeliefert wird, beschließt Hedda, sich Krümel anzuschließen und sich auf unbestimmte Zeit bei ihr einzuquartieren. Dieses Ansinnen wird allerdings vereitelt, und so kehrt sie leidenschaftslos in ihre Zwitscherbude zurück und hofft vermutlich auf eine tägliche Wiederholung dieser ausgedehnten Auszeit. Die nächste Mahlzeit wird ihr die schalen Gefühle wieder vertreiben.
Die vier haben jedenfalls eine vorfrühlingshaften Spaziergang bei fast 14 °C hinter sich gebracht, und falls sie den Eindruck gehabt haben sollten, dass ihnen die Sonne etwas schmalbrüstig und ausgezehrt vorkommt, ist das durchaus im Bereich des Möglichen, weil wir seit unserem letzten Wurf, vor zwei Jahren, eine Photovoltaik-Anlage installiert haben und demnach die ganze Power, die wir für die dauerlaufenden Waschmaschine und Trockner brauchen, nun dieser unserer einzigen Sonne abtrotzen. Bei unserem gegenwärtigen Wäscheberg muss es nicht wundern, wenn sich die gute, alte Sonne wundert, was ihr da unversehens bei ihrer Visite über dem Mangfalltal angetan wird. Aber sie ist mit ihrem Ausnahmezustand nicht alleine: Der Assi ist auch schon eher fahl als vorfrühlingshaft bronziert, weil er aus dem Keller kaum noch herauskommt und langsam zum Kellerassi mutiert. Doch auch er wird sich erholen, wie auch Frau Sonne wieder zu alter Strahlkraft zurückfinden wird.
Nachdem wir uns nun ausgiebig selbst bedauert und die Quasselstrippen in der Box beklagt haben, dabei den Zustand der Mutter bewundert und den der Tochter dokumentiert haben, darf man sich die Frage stellen: Gibt es sonst nichts Erwähnenswertes über die Idefixe? Also bitte! Am dritten Lebenstag! Wobei: Iltschi haben wir heute schon ertappt, wie er versucht hat, auf seinen Matschebeinchen durch die Kiste zu wackeln. Immerhin. Und außerdem ist es ihm schon gelungen, sich mit dem linken Hinterbeinchen hinterm linken Ohr zu kratzen. Das ist, anders als der Gehversuch, allerdings eine motorisch schon sehr bemerkenswerte Leistung. Ob er darüber nachgrübelt, warum er den Namen eines legendären Pferdes tragen soll, wo es doch seine nachdrückliche Absicht ist, selbst einmal zur Legende zu werden? Er wird es uns nicht verraten. Und wir warten ab, womit er uns überraschen wird.
Freitag, 22.02.2019
Es ist stark bewölkt und regnet. Morgens hat es 7 °C und mittags 14 °C; das ist zwar für die Jahreszeit unangemessen warm, aber mit den Frühlingsgefühlen ist es vorerst vorbei. Egal: Echten Frühling erwarten wir, wenn die Knirpse in die Außenanlage sollen; jetzt kann es gerne noch ein bisschen regnen. Wenn wir uns zur Abwechslung wieder einmal dem Hundertjährigen widmen, gibt es wirklich keinen Grund zur Klage. Wenn’s an Petri Stuhlfeier kalt, die Kält noch 40 Tage anhalt oder Weht es sehr kalt um Petri Stuhl, denn bleibt's noch 14 Tag kuhl. Von Kälte kann wirklich keine Rede sein, außer bei Fianna vielleicht, die auch heute Morgen wieder 38,2 °C kuhl ist. Dagegen das hundertjährige Kontrastprogramm: Ist es mild und nach Petri offen der Bach, dann kommt auch kein großes Eis mehr nach. So soll es sein. Unser Vertrauen in den Hundertjährigen ist ungebrochen.
Vielleicht ist Fianna sogar ein bisschen zu kuhl, weil sie ziemlich viel pinkeln muss, beim Ausgang schon gleich zu Beginn drei-, viermal hintereinander und dann auch immer wieder. Vielleicht hat sie sich eine leichte Blasenentzündung geholt. Wir beobachten das. Sonst ist sie so locker und fidel wie immer. Fieber hat sie jedenfalls keines, daran besteht kein Zweifel.
Und sie blutet immer noch heftig nach, was gut ist, aber sie selbst am meisten stört. Wenn sie mit der Zunge gar nicht mehr unter ihrem Schwanz herausfindet, bringen wir sie in die Hundedusche und gönnen ihr eine kleine Abreibung. Fianna steht auf diese Behandlung, geht gerne mit in die Dusche, stellt sich unter der Brause in Position und genießt die warmen Wasserstrahlen. Dann wird sie noch abfrottiert, was ihren Glückszustand weiter fördert, und wieder zu ihren Kindern geschickt. Das genießt sie alles sehr und liegt danach wie die kinderreiche Kaiserin Maria-Theresia mit ihrer ganzen Brut im Bett und im Glück. So eine hippe Duscha hatten wir noch nie (ihre Tochter nimmt sich fast das Leben, wenn sie in die Dusche gebracht wird).
inoukDen Zwergen scheinen die Duschaktionen mit anschließendem Umtrunk auch nicht schlecht zu bekommen, jedenfalls lässt ein Durchschnittsgewicht von 551,25 Gramm (gestern 513,75) auf einen prächtigen Gedeih hoffen. Und so ist es auch. Arbeiten wir einfach die Gewichtstabelle von oben nach unten ab: Indra 610 g (+60), Irax 600 g (+40), Isi 580 g (+20), Iltschi 570 g (+40), Ilmo 560 g (+60), Inouk 510 g (+20), Iberl 500 g (+30) und Ignaz 480 g (+30). Das macht eine Auflastung von 300 Gramm aus, übrigens exakt so viel wie am gleichen Tag beim H-Wurf (allerdings hatte Fianna damals drei Mäuler mehr satt zu kriegen).
Samstag, 23.02.2019
Nach dem Regen kommt der Frühling zurück, allerdings mit Ostwind, und das bedeutet Dauersonnenschein bei 0 °C morgens, 3 °C nachmittags und -6 °C am späten Abend. Aber schön ist es. Das finden auch die Stare, von denen heute ein erster Männertrupp auf Quartiersuche lärmend durchs Mangfalltal zieht. Da hätten die Knirpse aber eine Freude, wenn wir ihnen diese Kreischer mit ins Nest setzen würden. Und Hedda erst!
Zu Fiannas Temperaturen äußern wir uns vorerst nicht mehr, weil die morgens und nachmittags jeweils um 0,1 bis 0,2 Grad abrutschen, der Allgemeinzustand sich also weiter bessert. Sie lässt noch immer viel Blut liegen, vielleicht, um nicht auf ihre geliebte Dusche verzichten zu müssen. Uns ist das eine so recht wie das andere.
Auf der Waage bestätigt sich, dass Fiannas viele Duschen eine ausgesprochen gewichtsfördernde Wirkung haben. Heute hat Irax mit 660 g (+60) die Führung in der Hüftspeck-Rallye übernommen. Ihm folgen die Amazonen Indra mit 650 g (+40) und Isi mit 640 g (+60). 630 g (+60) bringt Iltschi auf die Waage, Ilmo folgt mit 610 g (+50) und Inouk mit 600 (+90). Iberl (560) und Ignaz (540) hilft es bei dieser Konkurrenz nichts, dass sie sich mit mächtigen 60 Gramm keine Blöße gaben. Insgesamt waren das von gestern auf heute 480 gemeinschaftlich ermampfte Gramm, was andererseits bedeutet, dass Fianna dafür etwa einen Liter Milch liefern musste. Jetzt weiß man, warum sie bei einem solchen Speiseplan nicht zunimmt. Den Zunahmen entsprechend sind die Knirpse auch in einer Topverfassung, und wenn man sie hochnimmt, hat man ein halbes Kilo strammen und festen Körper in der Hand, an dem kein Fett und auch sonst nichts Wabbeliges ist. Man spürt schon jetzt: Was sich da in der Hand räkelt und wehrt, wird sehr bald ein richtig durchgearbeitetes Muskelpaket sein.
IndraDer
Iltschi heutige Tag bringt ein wenig Abwechslung und Aufregung in den ereignisarmen Schlaf-Trink-Alltag der Zwerge, denn es kommt die Zuchtwartin zur Erstbegutachtung. Innerhalb der ersten Lebenswoche müssen sie sich einem kleinen Check unterwerfen, bei dem es vor allem darum geht, einen ersten Eindruck zu gewinnen: Sind sie gesund? Sind sie wohlgenährt? Entsprechen sie dem Rassestandard, zumindest so weit, wie man das zu diesem Zeitpunkt feststellen kann? Wohlgenährt sind augenscheinlich alle und einen kranken Eindruck macht keiner. Eine Gaumenspalte kann keiner haben, sonst hätte er (oder sie) nicht so kräftig zunehmen können. Die Näbel sind ebenfalls ohne Beanstandung, die Ruten lassen auch keinen Defekt erkennen und Farbabweichungen treten sehr bescheiden auf, etwa der Bruststrich bei Irax und die
Ignaz und seine Mamaweißen Zehenspitzen bei Ilmo. Ob und wie sich das verwächst, muss abgewartet werden. Und so sind wir sehr zufrieden mit dem, was uns Fianna und Eddy in die Kiste gelegt haben, zumal die acht auch ziemlich wehrhaft sind und ihren Protest gegen diese Behandlung lebhaft zum Ausdruck bringen; Schlafmützen sind sie nicht. Sogar Hedda findet, dass diese Welpenbeschau eine gute Gelegenheit wäre, einmal selbst einen Blick auf die Bande zu werfen und steckt doch tatsächlich ihre Nase unter Ignaz' Schwänzchen, was Mama Fianna sehr wohlwollend registriert und ihr umgehend assistiert. Das reicht Hedda dann auch; die Dosis macht das Gift, wie man weiß. Zu viel wäre jedenfalls nicht wünschenswert. Und deshalb trollt sie sich wieder und hat etwas zu grübeln.
Sonntag, 24.02.2019
Puuh: -7 °C sind zwar februartypisch, aber von dem an Petri Stuhlgang angekündigten Frühling doch noch ein ganzes Stück entfernt. Das liegt natürlich am Ostwind, der sich zwar merklich abgeschwächt hat, aber immer noch viel Frische aus dem nahöstlichen Kühlschrank hereinhaucht. Dabei ist der Hundertjährige bezüglich des heutigen Tages voller frühlingshafter Zuversicht: St. Mattheus hab ich lieb, denn er gibt dem Baum den Trieb. Der wird sich schön bedeckt halten, der Baum. Doch die nächste Vorhersage gibt dem Assi wirklich zu denken: Wenn Matthias kommt herbei, legen Gans und Huhn das erste Ei. Woher, so fragt er sich, nahm denn der Hühnerhof um die Ecke all die Eier, die er in den vergangenen Tagen in Fianna stopfte? Flugeier aus Namibia etwa? Und dann auch noch falsch ausgezeichnet! Oder bereiten die ihren Hühnern einen ganzjährigen Matthias-Frühling? Kaum meint man, die Welt in ihren großen Strichen verstanden zu haben, zermartert man sich das Hirn mit Hühnereiern. Kleinteiliger geht es kaum.
Diese Eier tragen jedenfalls beträchtlich zu Fiannas Leistung als Marketenderin ihrer Brut bei, die weiterhin über jeden Verdacht erhaben ist. Auch heute Morgen kann sie um 480 Gramm aufgelastete Kinder präsentieren, hat demnach wieder einen Liter Milch produziert und ausgeliefert.
IraxIrax hat seine Frontposition mit 720 g (+60) verteidigt, stark bedrängt von den Mädels Isi (+60) und Indra (+50), die 700 Gramm auf die Waage bringen. Ihnen folgen Ilmo mit 690 g (+80) und Inouk mit 670 g (+70). Ein bisschen durchgereicht wurde Iltschi mit 660 g (+30). Die beiden zarten Buben am Ende der Tabelle können sich weiterhin ins Zeug legen wie sie wollen, die Igelbande der anderen sechs ist immer schon da. Deswegen bleibt Iberl trotz 60 Gramm plus und 620 Gramm auf dem vorletzten Platz, kräftig bedrängt von Ignaz (610), der sich sogar 70 Gramm einverleibte. Hilft nichts. Unsere Erfahrung sagt, dass das jetzt erst eine Weile so bleiben wird. Oft genug kommen die Zarten am Ende ganz groß raus, und wenn nicht, dann eben nicht. Hungerhaken hat Fianna noch nie in die Welt entlassen.
Fianna lässt sich nicht aus der Ruhe bringenNicht nur die Idefixe gedeihen prächtig, auch Fianna erholt sich sichtbar von der Geburt. Das gilt vornehmlich für ihre Zähne, die jetzt wieder weiß werden und sich dem gesunden Gesamtbild nicht mehr widersetzen, aber auch ihre erhöhte Blasenaktivität hat sich wieder normalisiert. Alles im frühlingsgrünen Bereich also.
Nach Heddas gestrigem Vorstoß in Richtung Ignaz, versucht sie es heute mit einem schnellen Blick ins Aussiedlerkörbchen. Das Aussiedlerkörbchen kommt zum Einsatz, wenn die gute Stube geputzt und das Bettzeug ausgetauscht werden muss. Das passiert in den ersten Tagen, wenn die Mutter viel Blut und Fruchtwasser verliert, vier bis fünf Mal am Tag (kann auch öfter sein), reduziert sich dann, wenn diese Belastung vorbei ist, auf etwa zweimal und geht sprunghaft in die Höhe, wenn die Knirpse ihre Därme und Blasen ohne Zutun der Mutter frisch von der Leber weg entleeren. Dann ist wieder Rush Hour für den Assi im Keller (und der Sonne geht wieder das Licht aus). Das erste Körbchen mussten wir schon austauschen, weil die fette Bande sich nur einmal übereinander wälzen musste, und schon lagen sie in der Küche. Und jetzt gibt Hedda vor, sie interessiere sich eigentlich nur für das neue Körbchen, überhaupt nicht für dessen Inhalt. Wenn sie meint... Die Inspektion des Körbchens ist jedenfalls nach wenigen Sekunden abgeschlossen, und sie macht sich wieder davon.
Eine neue Mutwallung überkommt Hedda, als Krümels Anna-Maria mal sehen will, was aus den Frischgeborenen, denen sie ihren Segen mitgeben durfte, inzwischen geworden ist. Keine Mutter kann entspannter bei ihren Kindern liegen als Fianna, wenn Anna-Maria ihr Beistand leistet, ihr Ausdauer und Kraft zuspricht und die Nase krault und nebenbei Ignaz im Schoß hält. Angesichts eines so paradiesischen Friedens, hält es sogar Hedda nicht mehr abseits, schließlich könnte ihre Zurückhaltung zur Folge haben, dass ihr Fianna den Rang bei Anna-Maria abläuft . Das ist zwar nicht zu befürchten, aber Hedda baut lieber vor und verbringt ein paar Minuten an Anna-Marias und Ignaz' Seite, nur wenige Zentimeter von ihren Halbgeschwistern entfernt. Steter Tropfen wird auch diesen heddischen Granit höhlen.
Montag, 25.02.2019
Auch heute wird der Baum nicht auf die Idee kommen, einen Trieb zu treiben, denn -4,5 °C werden seine Frühlingsgefühle weiterhin im Zaum halten. Im Tagesverlauf wird er es sich villeicht anders überlegen, denn bei 10 °C könnte man schon eine kleine Triebspitze wagen. Die Weidenkätzchen machen es ihm schon seit Wochen vor, wie man jeden Sonnenstrahl nutzt.
Fianna hat es, was die Aufbrezelung ihres Nachwuchses angeht, gestern etwas gemütlicher angehen lassen, aber immer noch für 450 Gramm Zuwachs gesorgt. Rennliste: Irax (800, +80), Isi (770, +70), Indra (750, +50), Iltschi (730, +70), Inouk (730, +60), Ilmo (710, +20), Iberl (700, +80) und Ignaz (630, +20).
Die Abgabe von Stoffwechselendprodukten entspricht inzwischen der Nahrungsaufnahme. Das bedeutet, dass die von Fianna verströmten und nun größtenteils verflogenen säuerlichen Gerüche fast nahtlos von Kloakengerüchen abgelöst werden. Es wabert ein schwerer Latrinenduft durch die Räume des Blues. Erstaunlich ist nur, dass so wenige winzige Würstchen eine so vehemente atmosphärische Belastung auslösen können. Dieser Meinung ist auch Fianna und lehnt jegliche Verantwortung dafür ab. Sie verweigert den Welpendienst so lange, bis die anrüchigen Därmlinge beseitigt sind. Und wen trifft es meistens? Genau. Ausgerechnet den, dessen empfindsamstes Körperteil seine Nase ist. Aber wenn es nur die Nase wäre! Die Zwerge entwickeln bereits Verhaltensformen, für die man sie loben müsste, wessen man sich in der Praxis aber doch enthält. Zum Beispiel graben sie sich unter eines der VetBeds und erleichtern sich dort. Wenn der Assi dann den ganzen Bettenberg aus der Kiste hebt, kann es ihm schon passieren, dass er mit vollem Griff... Ach, lassen wir das. Von der Mutter gibt es dafür Lob, und sie lässt sich wieder herab und nieder.
Inouk aus dem KorbHeute
Ilmo aus der Kisteflitzt, während der Verschiebung ins nun neue und vermeintlich ausbruchssichere Aussiedlerkörbchen, Inouk über dessen Rand davon. Kräh! Und wenig später, wieder zurück in der Schnullerbox, nutzt Ilmo den Rücken eines schlafenden Geschwisters und macht sich über die zehn Zentimeter hohe Bordwand der Kiste davon. Noch keine Woche alt und seiner kleinen Welt schon so überdrüssig.
Damit wären wir bei Hedda, die es überdrüssig ist, immer nur als Randfigur geführt zu werden, deswegen bringt sie sich aktiv ins Geschehen ein und meldet sich läufig. Und der Assi wunderte sich schon, warum Fianna plötzlich mit einer so seltsamen Tröpfchenblutung aufwartet. So hat nun auch Hedda ihren gewichtigen Anteil am Geschehen und darf mit der gebotenen Aufmerksamkeit rechnen. Oder will sie uns gar mitteilen, was Mama kann, könnte ich auch?
Dienstag, 26.02.2019
Noch immer erwacht der Morgen in schwachen Minusgraden, aber der Amselbock (ja, wir wissen, eigentlich müsste es Hahn heißen), also der Amselbock verspürt schon den Trieb, der dem Baum noch abgeht und singt. Das erste Morgenkonzert dieses Jahres, und er räuspert sich noch ein wenig, muss die Stimme noch etwas trainieren und ölen, aber nichts und niemand verkündet den Frühling so charmant und sicher wie der schwarze Sänger auf dem Dach. Danke. Mal sehen, ob die Eisdiele drüben in Bruckmühl schon geöffnet hat.
Zurück in die Niederungen der Chronistenpflicht. Fianna gönnte den Kleinen gestern nur 420 Gramm. Nein, es besteht kein Grund, uns Care-Pakete zu schicken, aber ihr vorwurfsvoller Blick richtet sich an den Assi, der ihrer Meinung nach die Bescherungen nicht schnell genug beseitigt hatte, was sie von der nötigen Fürsorge abgehalten habe. Immer ist der Assi schuld, der im übrigen, was wegen entsprechender Nachfragen noch einmal verdeutlicht werden muss, immer noch ein Assistent ist und kein Asylant oder Asozialer, weil er sonst ein Asy oder ein Aso wäre. Bedenklich, wie sich der gesellschaftliche Sprachgebrauch und die allgemeinpolitische Gefechtslage direkt auf die Belange des Blues auswirken. Also, wieder zurück. Heute kommt der Chronist irgendwie nicht vom Fleck. 420 Gramm gestern sind kein Grund den Notstand in der Schnullerkiste auszurufen. Am meisten griff sich Ilmo von diesem Kuchen ab: 90 Gramm, ergeben insgesamt für ihn 800 g. 70 Gramm gönnte sich Inouk und kommt damit ebenfalls auf 800 g. 60 Gramm gab es für Irax und – schau, schau – für Ignaz, nur die Schlussbilanz fällt erwartungsgemäß sehr unterschiedlich aus: Irax 860 g und Ignaz 690 g. Die Welt ist ein schlechter Ort. Isi hält mit 50 Gramm plus und 820 g noch immer den Platz hinter Irax. 40 g ergeben für Iberl 740 Gramm, die 30 g von Indra reichen für 780 g und 20 g für Iltschi summieren sich auch auf 750 g. Das Durchschnittsgewicht der Idefixe beträgt nun 780 g. Und alle sind topfit und lebhaft.
So lebhaft, dass es sie einfach nicht mehr in ihrem Aussiedlerkörbchen hält, und wenn es passt machen sie sich immer wieder mal über die Bordwand davon. Wir müssen jetzt wirklich aufpassen, dass uns nicht einer oder eine bei den Putzdiensten unter die Beine gerät. Das geht so fix bei denen, dass man es kaum mitbekommt, wenn wieder einer auskommt. Erst wenn sie sich beklagen und nach der Mama schreien, weiß man, dass wieder ein Verlust zu verzeichnen ist. Die Mutter fühlt sich allerdings nicht weiter bemüßigt, sich der Sache anzunehmen, höchstens, dass sie den Auskömmling für sich identifiziert. Mehr nicht. Ein Wiedereingliederungsprogramm für Republikflüchtlinge kennt sie nicht. Wozu hielte man sich denn einen Assi, wenn nicht für solche Dienste? Diese Fluchtreflexe bedeuten aber auch, dass der Assi alle Türen offenhält, wenn er im Haus unterwegs ist, um am Mordio-Geschrei zu erkennen, dass Alarm ist. Noch besteht keine Gefahr, dass die Zwerge größere Strecken zurücklegen oder gar ins Treppenhaus gelangen können, dazu reichen ihre Schubkräfte auf dem glatten Boden noch nicht, aber man muss sie ja nicht ihrem Schicksal überlassen. Auch wenn die Mutter durchaus für lehrreiche Maßnahmen plädiert.
Kinder sind VertrauenssacheNach einer kurzen Mittagsrunde um die Wiese mit Fianna, wird sie bei ihrer Rückkehr von Hedda bis zur Schnullerbox begleitet. Hedda tut, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, streckt ihr Nase in die Box, kurz nur, sehr kurz, näselt noch ein wenig mit Fianna, die einigermaßen verdutzt wirkt und schlendert wieder davon. Die Neugier lässt es nicht zu, dass sie sich acht Wochen abstinent hält, irgendwann muss das Eis brechen. Eine Woche Idefixe wäre dafür doch ein guter Anlass.
2. Woche (27.02.2019 - 05.03.2019)
Mittwoch, 27.02.2019
Nun, da die erste Woche erfolgreich geschafft ist, stehen uns noch sieben Wochen bevor, aber von Zurücklehnen kann nicht die Rede sein. Für diese Woche erwarten wir, dass die Idefixe Augen und Ohren öffnen und schon mal einen kleinen (offiziellen!) Freigang in der Küche bekommen. Die Krallen werden wir ihnen wohl auch noch stutzen müssen, damit sie ihrer Mutter nicht an Leib und Leben gehen. Karnevalistische Pappnasen stehen uns zwar nicht ins Haus, aber bevor, was sich in einer Häufung von Krapfengaben ausdrücken und die traditionelle Übersäuerung unserer Mägen in die Wege leiten dürfte; denn mit dem Karnevals-/Fasching- /Fastnachtsende, und damit dem Ende der zweiten Woche, haben sich die ersten, nahen Vertrauten zu einer Kurzvisite angemeldet, was vor allem daran liegt, dass am Faschingssonntag ein großer Faschingsumzug mit 34 Mottowagen durch Vagen kursiert, was dem Bedürfnis, uns zu besuchen, wachsen lässt.
Noch ist das Wetter frühlingshaft warm mit viel Sonne, was sich allerdings zum Wochenende deutlich ändern soll: Wind und Regen sind angesagt. Da werden die Pappnasen leicht zu Matschnasen und diese werden sich bei uns einnisten und bei Krapfen und Kaffee abwettern. Die Zwerge werden es überleben, Krapfen bekommen sie aber nicht.
Für heute schwadroniert der Hundertjährige: An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her. Freunde, glaubt dem Greis bitte kein Wort! Wir haben seit dem offiziellen Winterbeginn am 21. Dezember knapp zehn Wochen Winter hinter uns, und diese meteorologische Spaßbremse möchte uns zehn weitere Wochen auf die Augen drücken; damit steuert er die zweite Maiwoche als Winterende an. Das liegt vermutlich daran, dass der Hundertjährige, der völlig zurecht aus dem Fenster sprang und hoffentlich auf nimmer Wiedersehen verschwunden ist, ein Schwede ist. Aber dann soll er sich bitteschön nicht in bairisches Brauchtum einmischen!
So, jetzt ist es dem Chronisten leichter und er kann sich seiner Hauptaufgabe widmen. Dazu gehört in der Welpenzeit die Übermittlung der Gewichte. Manch ein treuer Verfolger der Blues-Geschicke und unserer Würfe mag die tägliche Gewichtstabelle vermissen, die wir in allen Würfen jeden Morgen frisch aktualisiert veröffentlichten – und damit die gesamte Anhängerschaft zu morgendliche Web-Junkies machten. Wie geht es den Welpen?? Und vor allem: Wie geht es meinem Welpen?? Wir haben uns für den I-Wurf entschieden, es diesmal zu unterlassen. Dafür gibt es einige gute Gründe. Erstens wollen wir eine eh schon gesellschaftsweit drohende Webanhängigkeit nicht noch befeuern. Zweitens: Die Welpen entwickeln sich naturgemäß sehr individuell, und wer mit drei Jahren der Mächtigste oder Zarteste ist, entscheidet einzig der genetische Bauplan jedes Einzelnen, nicht die tägliche Zu- oder Abnahme. So ist es ganz normal, dass das Nesthäkchen nach der Geburt erst einmal hinterherbummelt, während die Fettgranden alle ihre Vorteile nutzen. Aber nur vorerst; oft genug werden die Erste die Letzten sein und andersrum. Das kann man sogar in der Bibel nachlesen. Drittens und logische Folge aus zweitens: Daraus entwickelt sich ein Run und Hype auf die Top-Performer, der zwar unbegründet, aber nicht zu verhindern ist. Deshalb haben wir beschlossen, die Gewichte nur in der Wochenchronik zu übermitteln, da kann man alles nachlesen, ohne in eine tagesaktuelle Schnappatmung zu verfallen. Denn viertens: Es machte sich schnell eine Katastrophenstimmung breit, wenn um sieben Uhr morgens die neuen Gewichte noch nicht verfügbar waren. Da summten und brummten alle Leitungen, ob noch alle lebten, keiner im Fressnapf ersoffen sei oder andere Katastrophenszenarien zu gewärtigen seien. Dabei haben wir nur ein bisschen länger geschlafen, getrödelt oder unsere Pflicht vergessen. Wir sind es unseren Käufern und Interessenten schuldig, sie den Tag in Ruhe und Gelassenheit angehen zu lassen, nicht aber, sie in Unruhe zu versetzen. Fünftens: Es lässt sich nicht verhindern, dass die Zwerge irgendwann einmal eine Infektion und einen Durchfall bekommen können, dann schlägt sich das sofort und vehement in der Gewichtstabelle nieder und löst schlagartig Panik aus, weil die wöchentliche Berichterstattung der Tagestabelle hinterherhinkt. Panikanrufe können wir an solchen Tagen am allerwenigsten gebrauchen, obwohl sie verständlich sind. Solche Attacken haben bisher alle unsere Welpen überstanden, aber durch die quälenden Sorgen der zukünftigen Besitzer werden sie nicht schneller fit. Daraus folgt, sechstens, jetzt und hier die aktuelle Gewichtsverteilung.
Noch haben alle Platz an Mamas MilchbarGestern haben sich die meisten eher zurückhaltend an Mamas Milchbar bedient, was sich in 390 zusätzlichen Gramm ausdrückt. Auch das sind, um an das Gesagte anzuschließen, ganz normale Aufs und Abs: Mütter sind keine Milchmaschinen, sonst hätte sie uns Müllermilch schon längst abgeworben, und Welpen sind keine Quartalssäufer; die haben mal mehr Appetit, mal weniger. Am meisten Appetit hatte gestern Iltschi, der sich 80 Gramm zusätzlich einverleibte und nun bei 830 g steht. Iberl nutzte auch die Gunst der Stunde und griff 70 g ab, was ihn auf 810 g aufwertet. Isi scheint eher selten ein Völlegefühl zu spüren und reichert sich wieder mit nahrhaften 60 g an (880). 50 g machten Inouk (850) und Indra (830) gut. Der Rest war noch genügsamer: Der Erste und der Letzte bescheiden sich beide mit 30 g, was Irax weiterhin in der Pole-Position hält (890) und Ignaz am zarten Ende (720). Ilmo hatte nach 20 g schon genug und hält sich mit 820 g im Mittelfeld mit Luft nach beiden Seiten. Das passt, die Kinder sollen harmonisch wachsen und nicht explodieren. Und harmonisch sind alle.
Inouk und Ignaz – Dem Körbchen entkommenFianna nimmt sich inzwischen ziemlich viele Auszeiten außerhalb der Schnullerbox, was völlig in Ordnung ist, solange die da drinnen zufrieden sind und den halben Tag verschlafen. Man lässt sich von solchen langen Auszeiten auch leicht täuschen, denn die Schluckspechte haben mittlerweile einen kräftigen Zug und saugen ihre Mutter in maximal fünf Minuten leer. Was soll sie dann noch in der Kiste? Jetzt muss wieder produziert werden. Mangel spüren die Kleinen definitiv nicht, sonst ginge es ganz anders zu. So aber herrscht die meiste Zeit sattsamer Friede, der nur vom schläfrigen Knarzen der Idefixe unterbrochen wird, meistens, wenn sie sich umlagern oder strecken. Dann entsteht Unruhe, weil irgendeiner über alle anderen kriecht und sie aufweckt, was die Gestörten unwirsch kommentieren. Gleich darauf breitet sich wieder Ruhe übers Lager. Fianna riskiert bei solchen Gelegenheiten noch nicht mal ein Auge; sie weiß, wann es geboten ist. Jetzt jedenfalls nicht. Allerdings stellen wir fest, dass sie schon beginnt, im Sitzen zu füttern; offenbar empfindet sie das als entspannter. Allerdings, wenn sie einen Rundumschlag in Körperpflege für nötig hält, legt sie sich hin, nimmt sich alle einzeln zur Zunge und kugelt sie herum, während sie vorne noch am
Irax bekommt eine AbreibungZapfhahn angedockt sind. Dann wird der Bauch massiert und der Po geputzt, was immer wichtiger wird, weil die Zwerge nun schon beginnen, sich selber zu lösen. Pinkeln tun sie größtenteils schon, und der Darm kann vereinzelt auch schon ohne Mamas Hilfe. Um so wichtiger ist Mamas Nachsorge, weil sie sonst ständig in ihrer Kacke liegen würden. Irax und Inouk ist das heute schon passiert und machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Wasserhahn. Frisch geduscht kommen sie wieder zurück in die Obhut der Mutter, die sichtbar froh ist, dass wir ihr diesen Dienst abgenommen haben.
Und bei all der Geschäftigkeit dieser Tage darf natürlich eine ganz wichtige Sache nicht in Vergessenheit geraten: Hedda feiert heute ihren zweiten Geburtstag. Happy
Warten auf den Geburtstagskuchenbirthday,
kleine Rübennase! Du bist trotz dieser Bande von Wichtigtuern immer noch das Wichtigste neben deiner Mama, und in sieben Wochen sind sie eh wieder fort. Für heute gibt es erst einmal viele liebevolle Hände, ein Geburtstagsbesuch mit Gratulation und Rindernase von Anna-Maria, dann noch Sport auf dem Hundeplatz und abends eine Fleischbombe fürs Bauchgefühl. Somit bist du schon mal deutlich wichtiger als dein Assi, der Stallwache halten und sich um deine Halbgeschwister kümmern muss, keine Rindernase und keine Fleischbombe bekommt, nur abends bei deinem Bruder Hias einer Geburtstagseinladung Folge leisten darf. Immerhin. Wenn man so kurz gehalten wird, ist sogar das kleine Glück von großer Bedeutung.
Anschließend bezieht die Chefin wieder das Familienlager, was Fianna in eine Art unverhofften Glückstaumel versetzt und Hedda zurückhaltend zur Kenntnis nimmt, weil sie sich jetzt im Schlafzimmer wieder stark einschränken muss. Mit dem Assi allein zu zweit, das hätte eine Option fürs Leben sein können, aber jetzt wieder die beiden. Nun denn... Fianna gibt sich diesem wiedergewonnenen Glücksgefühl uneingeschränkt hin und verlässt das Schlafzimmer keine Minute in dieser Nacht. Dass es im Erdgeschoß bis in den Morgen ruhig bleibt, belegt unsere Annahme, dass die Idefixe keinen Hunger leiden. Allerdings kann man auch davon ausgehen, dass diese Nacht voller fiannischer Seligkeit der Gewichtstabelle morgen keinen Höhenflug bescheren wird.
Donnerstag, 28.02.2019
St. Roman hell und klar, bedeutet ein gutes Jahr. Geht doch. Und schließt einen Winter bis in den Mai hinein aus, sonst wäre es kein gutes Jahr, in Schweden vielleicht, aber nicht im Mangfalltal. Hat doch Vorteile, wenn der Hundertjährige heute nicht mehr weiß, was er gestern geschnullert hat. Was sagt uns ein Blick in den Himmel? Morgens -1,5 °C und wolkenlos, dann ziehen Föhnlinsen hektisch übers Tal, getrieben von einem stattlichen Föhnsturm bei 16 °C. Das bedeutet nach unserer Interpretation: ein gutes Jahr.
Wie zu erwarten war, schlägt sich Fiannas nächtliche Kistenabstinenz noch einmal in den Gewichten nieder: 370 Gramm über alle. Und bei einer solchen Gemengelage zeigt sich, wie entscheidend es für das eigene Fortkommen ist, im richtigen Augenblick zur Stelle zu sein. Wer Gelegenheiten verstreichen lässt, muss eben Abstriche machen. So finden wir heute ein höchst lehrreiches Tabellenbild vor. Zwei der acht nehmen zusammen 180 Gramm für sich in Anspruch, zwei verpennen und legen eine Nullrunde ein, die restlichen 190 Gramm legen sich auf die Hüften der verbleibenden vier. Vorhang auf: Wer ist wer? Machen wir es spannend und beginnen bei den vieren mit den aufgeteilten 190 Gramm. Das sind Ilmo mit 60 g (880), Iltschi (880) und Iberl (860) mit 50 g und schließlich Indra mit 30 g (860). Bleiben zwei Asketen und zwei Gourmets. Diät und ihr Gewicht haben Inouk (850) und Isi (880) gehalten, was der letzten nicht schaden dürfte. Somit sind auch die Abräumer bekannt: Irax, der Tabellenkopf und Ignaz, der Erste und Tabellenletzte, Anna-Marias Herzbube und von dieser wegen seiner Po-Markierung, zärtlich "mein Rötling" gerufen. Beide reüssieren mit 90 Gramm, was Irax' Frontstellung mit 980 g zementiert und Ignaz (810) die Rote Laterne nicht nimmt. Nur Statistiker verstehen das stille Glück, das dem Insider ein Blick auf eine dröge Tabelle beschert.
Heute ist für Fianna ein besonderer Tag: Ihr Leben gewinnt wieder ein bisschen Alltag zurück. Sie darf mit der Chefin, Hedda und Krümel die ganz große Morgenrunde gehen, später gesellen sich auch noch Odin und Jack, die Franzosenbullis dazu. Das bedeutet eineinhalb Stunden babyfrei, eineinhalb Stunden Revierkontrolle und Wiederinbesitznahme, eineinhalb Stunden Spiel, Spaß und Spannung. Bei ihrer Rückkehr leuchtet sie förmlich vor Zufriedenheit – und stürzt sich sofort und pflichtschuldigst in die Schnullerbox. Man darf annehmen, dass sie ihren Kindern an diesem Morgen nicht nur die immer gleiche Milchspeise, sondern mit ihr eine Menge Glückshormone verabreicht.
Ob Glückshormone auch übermütig machen? Wahrscheinlich, denn Inouk macht sich heute schon wieder einmal aus seiner Kiste davon, diesmal, anders als am Montag, ohne Deckenwulst oder Unterstützung durch Geschwisterleiber, sondern ausschließlich durch Wille, Findigkeit und Muskelkraft. Und – schwupps – ist er weg. Gut, dass dem Assi die Aktion nicht entgeht, weil sich der Auf-und-davon-Inouk schnurstracks auf den Weg in den Spalt zwischen Kiste und Küchenwand macht. Zählt man dann die Häupter seiner Lieben und sieht, es sind statt achte sieben, dann setzt einiges an Kopfzerbrechen ein. Zwischen Kiste und Wand sucht man sicher nicht sofort, auch wenn einem einige Kniffe der Zwerge nicht mehr fremd sind. So kommt der Exilant also vor der vollständigen Unsichtbarwerdung wieder in die Schnullerbox und gibt sich damit auch zufrieden.
Eine Woche später hätte der Assi es möglicherweise mit einem Lockruf versuchen können, den Dissidenten
Iberl und Ilmozur Ordnung und in die Gemeinschaft zurück zu rufen. Denn die Idefixe beginnen ganz langsam akustische Signale wahrzunehmen. Wenn Fianna vor ihrer Box fiemt, scheinen die ersten schon jene lustigen Fleischlappen, die man später als Ohren erkennen wird, zu spitzen. Viel tut sich jetzt noch nicht, aber lange wird es nicht mehr dauern, dass sie jedem Laut ihrer Mama Gehör schenken. Ob Inouk unter diesen Umständen den Rückkehrbefehlen des Assi gefolgt wäre, überlassen wir der Phantasie unserer Leser, der Assi meint ja, weil Inouk bestimmt ein ganz Braver und Hochbegabter ist. Die Chefin führt die Zeigerfingerspitze an ihre Stirn.
Tatsächlich treibt den Assi ein ganz anderes Problem um, und das kennt er von nunmehr neun Würfen: Es ist das Leid mit den Tagesbildern. Die Gewichtstabelle abzuschaffen ist eine Sache, aber keine Tagesbilder mehr zu veröffentlichen, ist schlicht nicht denkbar. Dabei ist diese Pflicht eine echte Qual in diesen ersten Tagen, wenn die Knirpse nur in der Kiste liegen und schlafen oder sich an Mamas Brust die Wänste vollschlagen. Unter diesen fotografisch unergiebigen Umständen, lungert das Personal mit der Kamera im Anschlag um die Kiste herum wie die Paparazzi um die einschlägigen mallorquinischen Fincas, nur um einen nackten Hintern vors Objektiv zu bekommen. In unserem Fall geht es natürlich nicht um einen nackten Hintern, von denen haben wir gleich acht, sondern um das megasüße Babyface des Tages. Aber die da drinnen denken nicht daran uns diesen Gefallen zu tun, wie die auf Malle, und es bedarf des einen glücklichen Moments, um sich und die Welt glücklich zu machen. Wir sehnen den Tag herbei, wenn sich die Bande im Freien austoben kann.
Freitag, 01.03.2019
Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. So haben es die Älteren unter uns noch gelernt, obwohl es gerade zu jener Zeit kaum noch Rösslein gab, und schon gar keine mehr bei den Bauern. Die lagen nämlich gerade in einem kollektiven Todeskampf. Heute gibt es wieder Rösslein beim Bauern, aber eher nicht, um die Felder zu bestellen, sondern um den Urlaubern auf dem Bauernhof eine heile Welt zu vermitteln, die es damals so wenig gab wie heute. Und wenn der Bauer heute die Rösslein einspannt, dann begnügt er sich nicht mit einem oder zwei, sondern hängt sich gleich tausend vors Odelfass. Die Welt ist heute einfach viel profaner, und ein Lied könnte etwa so beginnen: Im Märzen die Mändy ein Selfie versend't. Der Wallach daneben ist ihr fast bester friend. Wie dem auch sei, ob die Mändy nun herzelt und schnurrt und der Wallach für Seligkeit schnaubt oder nicht: Es ist März, wo nicht nur der Bauer mit seinen Fendt-Rösslein die Böden zementiert, sondern auch im Garten des Blues die Vöglein eifrig auf Quartiersuche sind und die Märzenbecher ihre Köpfe erheben. Idylle im Mangfalltal, in die wir, wenn sich das Wetter weiter so zugängig zeigt, bald die Idefixe entlassen werden. Noch
Iltschi muss auch unter die Duscheist es nicht so weit, zumal es heute morgen bei 10 °C regnet, nicht der ideale Start ins Outdoor-Leben. Nachmittags verzieht sich der Regen und macht Sonne, Wolken und Wind Platz. Wir werden noch etwas Geduld haben müssen, bis die Zwerge wetterfest sind, auch wenn uns das Leid mit den Tagesbildern dazu verleiten könnte, die Bande an die frische Luft zu setzen und zu sehen, welche neuen Motive sie uns liefern. Man kann die Entrüstungsschreie förmlich hören: Zehn Tage alt und ausgesetzt! Gemach, gemach, wir werden nichts überstürzen, zumal wir, bäuchlings im Frühlingsgras liegend und nach Motiven lurend, die eigentlich Benachteiligten wären und mit deutlich schlimmeren Folgen zu rechnen hätten als die Fellzwerge.
Zum Einzug des März stellen wir mit Freude fest, dass es Fianna heue Nacht deutlich länger im Kreise ihrer Lieben gehalten hat als gestern; folgte sie uns gestern auf den Fersen ins Familiengemach, verbrachte sie heute Nacht noch mindestens zwei weitere Stunden in und nahe der Box. Das lässt uns vermuten, dass dann eigentlich die Gewichtsbilanz wieder eine zumindest bescheidene Hausse aufweisen müsste. Und tatsächlich lieferte Fianna gestern wieder 410 Gramm aus, eine sehr passable und angemessene Leistung. Nur der zarte Ignaz hat davon nichts mitbekommen, sondern 10 g abgenommen (800). Daran ist nichts Bedenkliches; das Bürschlein ist kräftig und pumperlgesund. Dass es in den Würfen regelmäßig solche Nachzügler gibt, liegt in der Natur der Sache. Die Spermien des Rüden sind nach dem Deckakt bis zu 72 Stunden lebens- und zeugungsfähig. Das bedeutet, dass die Differenz der Fruchtanlage drei Tage betragen kann. Wenn man dann noch den Nachdecktermin nach zwei Tagen hinzurechnet, steigt die Wahrscheinlichkeit von Nachzüglern bis dahin, dass bei der Auslieferung welche noch gar nicht lebensfähig sind, aber eben trotzdem mit aufs Band kommen. Zwei solcher lebensunfähigen, weil noch nicht fertige, Welpen hatten wir auch schon. So ein kleiner Nachzügler, zwei bis drei Entwicklungstage hinter seinen Geschwistern, ist Ignaz. Dass er rundum lebensfähig ist, wissen alle, die ihn schon kennengelernt haben. Aber er hat es eben noch schwerer, sich ebenbürtig durchzusetzen und den Geschwistern die Milch abzugraben. So weit es uns möglich ist, helfen wir da ein bisschen nach, indem wir ihn zuerst an die Bar lassen, wenn er aber ein Nickerchen bevorzugt, soll er eben schlafen. Auch schlafen ist gesund und macht stark. In Fiannas bisherigen Würfen hatten wir auch je einen Nachzügler, Gaudi und Hubsi. Beide sind prächtige Rüden geworden und alles andere als Schlafhauben. Auch Fiannas Schwester Franca war eine kleine Nachzüglerin, bei der erst in der letzten Woche bei uns der Knopf aufging; dann aber mit einem kräftigen Schnalzer. Wer möchte, kann sich von ihren jetzigen Besitzern gerne bestätigen lassen, dass sich die drei nicht nur zu kräftigen Hovawarten herausgewachsen haben, sondern auch in jeder Hinsicht solche sind.
Diese von Ignaz verschmähten 10 g bedeuten, dass die anderen sieben 420 g zugenommen haben. Bescheiden gab sich heute Irax, der sich mit 30 g begnügte, was ihm trotzdem ausreichte, um die 1-Kilo-Marke zu überwinden (1010). Richtig Alarm machte Isi mit 110 g und 990 g gesamt. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie die letzten 10 g zum Kilo wahrscheinlich auch noch in Angriff genommen, aber möglicherweise stand ihr die Milch schon an der Oberkante Unterlippe oder Fianna ist eine halbe Stunde zu früh ins Schlafzimmer verschwunden. 70 g macht Iltschi gut und schiebt sich mit 950 g auf den dritten Platz der Fettrangliste. Ihm folgen Indra (+80) und Ilmo (+60) mit 940 g. Inouk (+40) und Iberl (+30) bringen 890 g auf die Waage. Danach kommt nur noch Ignaz, der aber, und auch das gehört zur ganzen Wahrheit, gestern wahrhaft heldenhafte 90 g aufgelegt hatte; auch daran muss man sich erinnern. So ein kleines Bäuchlein will Weile haben zu expandieren, bis es den anderen Fressmaschinen Paroli bieten kann. Die Zunahme, die natürlich kein Tsunami ist, bestätigt, dass Fianna ihren Mutterpflichten sorgfältig nachkommt und sich nichts nachsagen lässt.
Indra riskiert einen ersten BlickUnd falls noch jemand an Ignaz' Ganzheitlichkeit zweifeln sollte, sei ihm an dieser Stelle mitgeteilt, dass es aus seinen Sehschlitzen zuerst himmelblau blitzt. Heute. Der kleine Ignaz hat den ersten, wenn auch noch nicht den ganz großen Durchblick. Seine Schwestern Indra und Isi machen es ihm gleich darauf nach. Es gehört zum Schönsten, wenn die Zwerge einen ersten winzigen Blick in die Welt riskieren – und plötzlich Hunde sind und keine explodierten Maulwürfe mehr.
Für Hedda ist es einerlei, ob die kleinen Hausbesetzer sie nun sehen können oder nicht; sie will sie nicht sehen. Nur wenn die Chefin wieder einmal einen Kuschelkandidaten oder eine -kandidatin auf dem Schoß hat, rückt sie ein wenig näher, vermutlich weil sie endlich begreifen will, welchen Affen sie an diesen Affen gefressen hat? Allerdings muss sie zugeben, dass sie nicht zu kurz kommt, so viel Fairness muss sein. Und so etwas würde Hedda auch nie behaupten, zumal sie jede Gelegenheit nutzt, von uns eine Streicheleinheit abzugreifen. Aber trotzdem: Dieser Zirkus muss nicht sein! Darauf hätte sie verzichten können. Fianna geht darauf gar nicht ein; sie macht ihr Ding, das macht sie gut, und lässt ihre Tochter zicken. Vielleicht macht sie sich ja Gedanken, wie sie reagiert hätte, wenn man ihr als Jungfrau so eine Ladung Verdruss vor die Nase gesetzt hätte? Für sie war die Welt ganz anders ausgestattet: mit Mama und Tante Anouk. Das war wie ein Sechser im Lotto, nur schwer vergleichbar mit einem Achter in der Kiste.
Gestern haben wir erstmals das große Kuddebett vor die Kiste gestellt und die Zwerge dorthin ausgelagert, was sie sofort und unübersehbar genossen. Heute ist das schon Alltag für die Kleinen. Wenn immer wir zuhause sind, kommen sie ins Kudde und Mama wird dazu beordert, weil auch sie den Welpendienst in diesem Bett dem in der Schnullerkiste vorzieht; da kann man sich ausstrecken bis zum Überlappen, da kann man sich fläzen und den über Bord Gegangenen ungläubig und bewundernd nachäugen. Sie ist ja auch so stolz auf ihre Bande und hudert und pudert sie bei jeder Gelegenheit.
Diese fürsorgliche und liebevolle Betreuung ihrer Kinder – darüber sollten wir für ein paar Zeilen innehalten – ist von unschätzbarem Wert für die Entwicklung der Welpen. Noch bis weit über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinaus stritten sich die Schulen darüber, was mehr, oder gar den einzig gültigen Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums hat: die Gene oder die Umwelt, in der es groß wird. Heute wissen wir, dass beides das Wesen eines Individuum prägt. Aber wir wissen noch mehr, vor allem nämlich, dass die Gene keine statische, unverrückbare Größe sind, sondern, je nach Umwelt und sozialen Bedingungen, unterschiedlich zum Zuge kommen und unterschiedliche Ausprägungen ermöglichen. Dieser Zweig der
Licking MotherGenetik wird Epigenetik genannt. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es "schlafende" Gene, beziehungsweise Genfunktionen gibt, also solche, die vorhanden, aber nicht aktiviert sind. Je nachdem, welchen Umweltbedingungen das Individuum ausgesetzt ist, werden durch die sogenannte Methylierung Gene angeschaltet oder eben nicht. Das gilt für viele Ausprägungen eines Individuums. Warum Fiannas liebevolle Welpenpflege höchst wertvoll für deren Entwicklung ist, wurde in breit angelegten Studien mit Ratten gezeigt. Bei Ratten gibt es, wie überall, gute und schlechte Mütter, solche, die sich aufopfernd um ihren Nachwuchs kümmern und solche, die sich mehr um sich selber kümmern. Die ersten heißen in der Wissenschaft "Licking Mothers", die zweiten "Non Licking Mothers", also Mütter die ihre Kinder lecken, pflegen und mit ihnen kuscheln und solche, die das unterlassen. In allen Studien entwickelten sich unter dem Einfluss von "Licking Mothers" selbstbewusste, mutige, zutrauliche und ausgeglichene Ratten mit einem hohen Lernvermögen. Der Nachwuchs von "Non Licking Mothers" entwickelte sich hingegen ängstlich,
Familienidyllunsicher und stressempfindlich. Hinter dieser unterschiedlichen Entwicklung steckt die oben angesprochene Methylierung eines Rezeptors für das Stresshormon Cortisol, was bedeutet, dass dieser Rezeptor bei Geburt des Individuums abgeschaltet ist. Durch die Fürsorge der "Licking Mothers" wird diese Methylierung aufgehoben und der Cortisol-Rezeptor kann wirksam werden. Dass es sich tatsächlich um das Anknipsen eines Genschalters handelt und die unterschiedliche Entwicklung nicht auf irgendwelche anderen äußeren Bedingungen zurückzuführen ist, konnte nachgewiesen werden, indem die Würfe verschiedener Rattenmütter direkt nach der Geburt vertauscht wurden. In allen Fällen entwickelte sich der Nachwuchs entsprechend dem Verhalten der jeweiligen Ziehmutter, also die Ziehkinder fürsorglicher Mütter entwickelten sich unter der Aufzucht nichtfürsorglicher Mütter stressanfällig, ängstlich und unsicher und andersherum. [Quelle: Sommerfeld-Stur, Rassehundezucht, Müller Rüschlikon 2016.]
Fianna ist definitiv eine fürsorgliche Mutter, die ihre Kinder ständig pflegt und mit ihnen kuschelt. Aber es ist nicht nur Fiannas Fürsorge, die aus unseren Welpen lebenstüchtige und umgängliche Hunde machen: Es ist das gesamte Umfeld, das die Entwicklung beeinflusst und prägt. Dazu gehören auch wir als Züchter – und alle unsere Besucher, die unseren Welpen ein wahres Kuschelparadies bereiten. Liebenswerte, pfiffige und selbstbewusste Hunde haben viele Väter und Mütter, nicht nur Fianna und Eddy. Fianna und wir sorgen für diese Entwicklung schon seit dem 19. Februar. Ab nächster Woche werden sich noch viele Hände und Schöße in diesen Prozess einbringen und zur positiven Charakterentwicklung der Idefixe beitragen. Ihre künftigen Besitzer dürfen sich schon mal auf acht unwiderstehliche Herzensbrecher freuen – und viel Arbeit.
Samstag, 02.03.2019
Fianna kommt heute erst um 4 Uhr morgens zu uns ins Schlafzimmer, sieht also ihren nächtlichen Aufenthaltsort zunehmend bei ihren Welpen. Offenbar wird ihr das immer wichtiger, als bei uns zu liegen. Möglicherweise ist das für sie auch entspannter, als ständig vom ersten Stock ins Erdgeschoß zu lauschen, ob es dort irgendetwas zu regeln gibt. Demnach sollten auch heute die Gewichte zur allgemeinen Zufriedenheit ausfallen, denn für den Moment ist es uns wichtig, dass Fianna ausreichend liefert und wir noch nicht zufüttern müssen. Zufüttern ginge in diesem Entwicklungsstadium nur über die Flasche, weil die Zwerge noch nicht selber lecken können; das entwickelt sich erst in ein paar Tagen. Auf eine solche Aktion können wir gut und gerne verzichtet, zumal es leider häufig vorkommt, dass die Milch aus dem Fläschchen in die Lungen gelangt, was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann. So etwas braucht kein Mensch. Also sehen wir mal nach, wie der Fütterungszustand heute ausfällt.
IsiIsi nuckelte sich 100 g an den properen Mädchenleib und mit 1090 g an Irax vorbei (1080, +70). Damit ist Isi die zweite Doppelpfünderin. 980 g bringen Ilmo (+40) und Iltschi (+30) auf die Waage. Indra hat 970 g (+30), Inouk landet mit einem Aufschlag von 70 g bei 960 g und für Iberl reicht es mit 50 plus für 940 g. Und Ignaz schreitet unverdrossen fürbass: 20 plus und 820 g. Das sind für alle zusammen wieder 410 Gramm, wobei Irax, Isi, Ilmo und Iberl ihr Geburtsgewicht verdoppelten. Gratulation. Und heute haben auch Ilmo und Iltschi kleine, himmelblaue Sehschlitze, aus denen sie zwar noch nichts sehen können, aber sich der Anmutung eines Hundes annähern.
Als Wohnzimmer, Spielplatz und Milchbar ist das Kuddebett nun fest etabliert; eigentlich liegt die ganze Bande nur noch dort, schläft, nölt, kräht und lässt sich von Mama versorgen. Beeindruckend ist, dass die Idefixe schon jetzt eine Art Stubenreinheit etablieren, die man in diesem Entwicklungsstadium eigentlich noch nicht erwarten
Irax schleicht sich aus dem Kuddewürde. So suchen Irax und Inouk bewusst den Weg aus dem Bett, um ihr kleines Notdürftlein auf dem Küchenboden zu verrichten. Als wir sie nichtsahnend wieder zu ihren Geschwistern setzen, machen sie so lange herum, bis sie aus dem Pulk wieder einen Ausgang und zum Kudderand finden. Dann stürzen sie sich darüber und hinaus, machen nochmal einen kleinen Buckel und erledigen den Rest. Dann ist wenigstens Irax fertig. Inouk hat noch ein drittes Mal zu schaffen, bis er erschöpft zwischen seinen Geschwistern einschläft. Irax beweist bei dieser Latrinenübung, dass er mit seinen Matschebeinchen schon ziemlich gut auf dem glatten Boden zurecht kommt: Er bewegt sich tatsächlich in einem Watschelgang, jedenfalls weit entfernt von dem Kriechen, was sie bisher alle zeigen. Dieses Bedürfnis, das Bett zum Darmoliern zu verlassen, beobachten wir auch bei Indra.
IberlIberl ist auch schon recht gut auf den Beinen. Auch ihn drängt es aus dem Bett, allerdings nicht zur Darmreinigung, sondern zur Mama-Kantine, die achtsam vor dem Bett lagert. Völlig unbedrängt von seinen Geschwistern saugt er sich an einer Zitze fest, nickt dann ein bisschen ein, lutscht dann wieder und als die Quelle versiegt ist, platziert er sich um und bedient sich an der nächsten. Das Gelage hält er ganze zwanzig Minuten durch, bis ihn seine Saugmuskulatur im Stich lässt. Morgen werden wir einen besonders scharfen Blick auf Iberls Gewichtsentwicklung werfen.
Für Fianna scheint sich dieses Arrangement wie ein Bild von Spitzweg zusammenzufügen: Die Kinder, behütet in einem offenen Lager, nicht in einem bayerischen Guantanamo, sie selbst, je nach Stimmungslage, frei um die Manege herum drapiert, und das alles nach zwei langen, gemeinsamen Spaziergängen. Wieder zuhause widmet sie sich wieder ihrem Kinderdienst und geht nahezu in ihm auf. Auch das ist kein Selbstläufer, weil viele Hündinnen ihren Mutterjob einschränken, wenn sie wieder in die gewohnten Alltagsroutinen zurückkehren. Nicht so Fianna, wir haben ihr ja auch die Sache mit der Methylierung und der Epigenetik genau erklärt. Das schien sie schon beeindruckt zu haben. Ab in die Kiste...
Faschingssonntag, 03.03.2019
Der Faschingssonntag beginnt mit wolkenlosen 3 °C, schwingt sich zu ebensolchen 14 °C auf und legt sich mit wolkigen und windigen 5 °C schlafen. So verkünden wir denn frohgemut: Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde. Es geht also, wie bereits verkündet, bergauf mit dem Frühling.
Heute haun wir auf die PaukeBergauf
Diesen freundlichen Herrn haben wir für die Stress-Sozialisierung der Idefixe engagiertgeht es auch mit den Idefixen, die heute alle mit offenen Augen das närrische Treiben in Vagen bestaunen, wo nachmittags 20.000 Besucher den Faschingsumzug mit 34 Mottowagen bestaunen, bejubeln, befeiern, betanzen und betrinken. Da kommen sogar die stämmigen Mauern der alten Bauernhäuser mächtig ins Vibrieren, wenn die Burschen und Dirndln auf den Wägen ihre Dezibel so zum Anschlag bringen, dass das Zwerchfell den Herzmuskel massiert. Wir sind jedenfalls mit Freunden mittendrin dabei und überlassen Fiannas Brut ihrer Obhut. Die werden Augen machen, wenn wir voller Konfetti zurückkommen.
IndraDoch selbstverständlich erfüllen wir vor den Feierlichkeiten unsere Züchterpflicht und haben dabei, wie angekündigt, ein besonderes Augenmerk auf Iberls Morgengewicht, nachdem er gestern Nachmittag Fianna eine 20-minütige Iberl-Dränage gelegt hatte. Aber, weil wir heute noch anderes vorhaben, erledigen wir die Pflichten in gebotener Kürze: Irax (+110, 1190), Inouk (+70, 1030, Geburtsgewicht verdoppelt), Iberl (+70, 1010), Ignaz (+50, 870), Isi (+40, 1130), Ilmo (+40, 1020), Indra (+40, 1010), Iltschi (+10, 990). Herrje, wer soll diesen Irax aufhalten? Die insgesamt 430 Gramm gingen zu fast einem Viertel an den Zitzenprinzen, die anderen sind nicht viel mehr als seine Narrhallatruppe. Alaaf und Helau.
Wenn wir uns schon mit der Nahrungsaufnahme beschäftigen, werfen wir einen kurzen Blick auf Fianna, die wir mittlerweile von einem Viergangmenü auf drei Gänge umgestellt haben. Morgens bekommt sie weiterhin ihre proteinhaltige Milchmahlzeit, die beiden mittleren Mahlzeiten ersetzen wir durch eine kräftige Portion Platinum Puppy und abends gibt es weiterhin Fleisch oder Hühnchen mit Reis, Flocken oder Nudeln. Frubiase und Metrovetsan ergänzen die Morgen- und Abendmahlzeiten. Metrovetsan bekommt nun auch Hedda zur Unterstützung ihrer Läufigkeit.
Die Schnullerkiste gerät langsam komplett ins Hintertreffen, weil die Idefixe einen Narren am Kuddebett gefressen haben und von selber kaum noch auf die Idee kommen, ihre Muffkiste aufzusuchen. Fianna lebt es ihnen natürlich auch vor, weil sie den Raum und Luft dem doch eher stickigen Ambiente der Kiste vorzieht. So sind alle zufrieden, die Kinder schnullern mit und an der Mutter im Kudde – und die Chefin hockt in der Schnullerbox. Narrhalla eben.
Rosenmontag, 04.03.2019
Sturm und StimmungEs
Die Welt im Sturm zum Greifen nahgeht frisch los heute Morgen. 0 °C sind zwar nicht unüblich für die Jahreszeit, aber, wie wir finden, gänzlich unangemessen. Dann aber brist es auf und abends fegt ein prächtiger Sturm durchs Mangfalltal, dessen Motor ein Sturmtief namens Bennet ist. Was da oben am Dach randaliert, dringt aber nicht bis hinab ins Kinderzimmer, zumal das Gehör der Idefixe erst noch im Werden ist. Erste Reaktionen auf Geräusche zeigen sie schon, aber das reicht längst nicht, um sich aus Angst vor einem Sturm die Decke über den Kopf zu ziehen.
Iltschi, Indra, InoukAber wenn das eine noch nicht ist, kann das andere ja schon geworden sein, die Stimme zum Beispiel. Die kleine Twitterbande bellt jetzt tatsächlich. Das sind unzweifelhaft Bellgeräusche, die sie sich entlocken und keine Schreilaute mehr. Offensichtlich haben sie selber den größten Spaß an ihrem unerwarteten Stimmbruch, dass sie wie angehende Symphoniker den ganzen Tag mit wachsender Begeisterung üben. Das gilt natürlich nur für die Wachphasen, obwohl es, wie bei uns Menschen auch, Schlafredner gibt, die ihre Bettnachbarn ungeniert und gnadenlos zutexten.
Wir sind ziemlich entzückt von diesen irren Entwicklungsschritten, welche die Idefixe machen; man kann ihnen bei ihrer Hundwerdung förmlich zusehen. Am meisten beeindruckt, wie man täglich heranreifende Persönlichkeiten erkennen kann, die sich nun unzweifelhaft herausbilden. Wenn einer, weil er ungeschickt postiert ist, über den Kudderand kullert, ist das keine Folge einer bewussten Entscheidung und zeugt nicht von Persönlichkeit. Selbst das bewusste Verlassen des Lagers, um die hintere Notdurft zu verrichten, wie wir es
Inouk, in die Schnullerkiste ausgewandertbeschrieben haben, ist keine Frage der Persönlichkeit, sondern die eines angeborenen Verhaltens, um das Lager sauber zu halten, sobald man dazu körperlich in der Lage ist. Wenn sich aber Inouk aus dem Schlafpulk seiner Geschwister erhebt, zum Rand des Bettes watschelt, sich darüber rollt, die fünfzig Zentimeter Distanz zur Schnullerkiste überwindet und sich mitten in dieser von allen anderen als überholt erachteten Muffkiste zusammenrollt und weiterschläft, dann zeigt sich hier eine kleine Persönlichkeit. Der hat einen Plan und sich für etwas entschieden und es durchgezogen. Was ihn dazu bewegt, werden wir nie wissen. Aber in sein kleines goldenes Büchlein werden wir es eintragen.
Heute verdoppeln die drei Letzten ihr Gewicht. Einer ist Ignaz, der das bei seinen 460 g Geburtsgewicht natürlich auch schon etwas früher hätte schaffen können, der aber, wie wir wissen, ein langsamer Stoffverwechsler ist. Heute hat er schon wieder 50 g aufgepolstert, das sind in zwei aufeinander folgenden Tagen stattliche 100 g, und so macht er eine Verdoppelungs-Punktlandung bei 920 g. Tärä! Die anderen
Ignazbeiden sind Indra und Iltschi, deren 520 g Startgewicht naturgemäß eine erheblich anspruchsvollere Herausforderung darstellte. Indra legt heute 30 g drauf und landet ebenfalls punktgenau bei 1040 g, während Iltschi mit 60 g einen doppelt so großen Sprung macht und die Waage mit 1050 g belastet. Das heißt aber auch, und das ist keine Überraschung, dass Ignaz der einzige Idefix ist, der unter einem Kilo verharrt und somit den Namen zurecht trägt. 60 g packt sich Irax drauf und zieht dahin und die Karawane mit Abstand und 1250 g hinter sich her. Bemerkenswert ist, dass es sich Isi leisten kann, einen Tag mit Nulldiät einzulegen und dennoch mit 1130 g den zweiten Platz zu halten. Iberl bleibt mit 80 g plus mehr als nur am Ball, sondern ersäuft sich mit 1090 g den dritten Rang. Bleiben noch zwei, die wie Iltschi heute mit 1050 g in die Bücher eingetragen werden: Ilmo +30 und Inouk +20. Dem hat wohl das Betthupferl gefehlt, weil er sich aus der Mensa entfernte und ins Schnullerlager gewechselt war.
Faschingsdienstag, 05.03.2019
Es ist wieder etwas wärmer geworden und der Wind hat sich etwas beruhigt, aber abgezogen ist er noch nicht.
Zum Ende der zweiten Woche rollt der Betrieb beim Blues in routinierten Abläufen: Fianna verbringt große Teile der Nacht bei ihren Kindern, Hedda die ganze Nacht bei uns, möglichst weit weg von den Kindern. Die Idefixe verbringen die Nacht natürlich in der Schnullerbox, liegen aber tagsüber fast durchgehend im Kudde oder davor auf dem Boden. Die Chefin vollzieht den Morgenappell mit Kistendienst und Wiegen, der Assi verschläft diesen Teil meist, weil er weiß, dass er demnächst als Küchenreiniger ausgeschlafen, fit und sehr stark sein muss. Die Mutter pflegt und speist ihre Kinder, Hedda lauert im Hausgang auf den Ausgang. Der Rest des Tages geht in die üblichen Tagesabläufe über und entwickelt sich den Rahmenbedingungen entsprechend.
Die Gewichte zäumen wir heute einmal von hinten auf und wundern uns nicht, dass wir dort zuerst über Ignaz stolpern: 990 (+70); stramme Leistung und doch knapp vorbei. Einen Paarlauf unter Männerfreunden liefern
Ilmo – Körperpflege muss seinsich Inouk und Iltschi, beide 50 plus und 1100. 1120 g bringen Ilmo (+70) und Iberl (+30) auf die Waage, was natürlich nichts anderes bedeutet, als dass Iberl nur einen Tag auf dem Stockerl verbringen durfte. Indra erinnerte sich an fülligere Zeiten und versucht mit 90 g, an diese wieder anzuknüpfen (1130): dritter Stockerlplatz von Iberl übernommen. Verbleiben die beiden Granden, die sich nicht übernehmen mussten, um ihre Position zu wahren. Beide gönnen sich sparsame 40 g, das macht für Isi 1170 und für Irax 1290. Zwischen Zar und Zausel klafft ein Loch von 300 Gramm, und dazwischen nimmt sich das Volk gegenseitig die Butter vom Brot. Es geht halt zu wie im richtigen Leben bei den Idefixen.
Wenn sich schon nicht allzu viel ereignet im kleinen Blues-Kosmos, werfen wir eben wieder einen Blick aufs Wesentliche: die Persönlichkeitsentwicklung. Schließlich wollen alle einmal einen schillernden Charakter, eine echte Type mit nach Hause nehmen und kein blickdichtes Allerweltsmodell. Inouk, beispielsweise, erweitert gerade seine Ein- und Ausstiegstechniken. Während seine Geschwister ineinander verknäult im Kuddebett ruhen, macht er sich auf den Weg und kugelt über den Rand nach draußen. Und weil es ihm dort alleine zu öde ist, findet er schnell die Technik, wie man seinen dicken Po wieder hineinwuchten kann; das kostet etwas Mühe und Muskeleinsatz (bayer.: Irxenschmalz), aber er schafft es. Und ob es daran liegt, dass er daran Gefallen gefunden hat oder selbst nicht so recht an seine Fähigkeiten glauben mag: Er macht's gleich nochmal, raus und wieder rein, diesmal schon deutlich geschmeidiger. Und nochmal. Und nochmal. Dann verlassen ihn die Irxen und er legt sich zu Mama und erzählt ihr von seinen großen Taten.
Gestern konnten wir Inouk beobachten, wie er sich von seinen im Kudde schlafenden Geschwistern entfernte und in die Kiste zum Schlafen wackelte, heute liefert uns Indra das genaue Gegenteil. Weil wir die Bande kurzfristig in der Schnullerbox kaserniert hatten, um anderen Dingen des Alltags nachzugehen und sie nicht unbeaufsichtigt lassen wollten, lagen alle dort zusammen und schlummerten. Als wir uns wieder um sie kümmern konnten, nahmen wir das Sperrbrett wieder weg. Nach kaum drei Minuten wirft Indra einen Blick rundum, stemmt sich zwischen ihren Geschwistern hoch und legt sich auf das VetBed vor der Kiste. Und da richtet sie sich häuslich und bequem ein, während ihre Geschwister bis zum nächsten Milchappell in der Kiste verweilen, obwohl auch sie zwischendurch einmal wach werden und sich neu sortieren und orientieren müssen. Jeder Tag legt neue Steinchen ins Idefix-Mosaik.
Generell gilt, dass die Zwerge die Kiste konsequent ignorieren, allerdings einen Umschluss, wenn er nötig ist, still dulden. Noch! Bevorzugt liegen sie nun dort, wo die verbrauchte Kraft sie stranden ließ, im Kudde, direkt vor dem Kudde oder auch schon mal unter dem Tisch davor. Und das bedeutet für uns ab sofort: Augen auf und Füße am Boden lassen. Die Gefahr, einen Idefix zu einem Ideflat zu treten, wächst jetzt stündlich, weil ihr Investigationstrieb sie nun schon zu größeren Ausflügen antreibt. Die Zukunft sieht schlurfende und zum Boden starrende Rudelführer und jauchzende, sich frei entfaltende Milchzwerge.
Fianna, topfit für die kommenden AufgabenNun liegen die ersten zwei Wochen der Idefixe erfolgreich hinter uns. Die Krallen haben wir ihnen noch immer nicht geschnitten, was jetzt wirklich dringlich ist, und einen Kurzaufenthalt im Garten wollten wir wegen der stürmischen Wetterlage und den teils frischen Temperaturen auch noch nicht wagen. Jetzt stehen also die Wochen der Verdichtung bevor: Krallenpflege, Solitärfütterung, Entwurmung, Action, Erlebnispark, Spaziergänge, und was uns sonst noch alles einfällt, und natürlich Besucher, denn ab heute sind unsere Türen für Interessenten, Käufer, Freunde, Nachbarn und Neugierige aller Art weit offen. Anrufen, mailen, whatsappen und kommen – Besucher sind herzlich willkommen. Denn, was haben wir in dieser Woche gelernt? Je mehr die Idefixe gelickt und geliked werden, desto toller entwickeln sie sich. Machen wir uns ans Werk!