
ZBNr. 38595-17, HD-B1, frei von erblichen Augenerkrankungen, Heruntersuchung ohne Befund
NZB, JB, ZTP
BH
Hedda vom Bairischen BluesWenn man in einem Wurf vier Hündinnen zur Auswahl hat, darf man sich glücklich schätzen. Man kann darüber aber auch schlaflose Nächte haben. Man kann sich bei der Beobachtung und Beurteilung der Fürs und Wieders in Details verheddern oder in all der Harmonie das Besondere übersehen. Man kann auch resignieren und zur Erkenntnis kommen, dass es doch eigentlich völlig egal ist, für welche dieser Herzensbrecherinnen man sich entscheidet. Man kann aber auch hartnäckig am Ball bleiben und auf den einen, den entscheidenden Moment der Entscheidungsfindung hoffen. Fianna hat sich uns aufgedrängt, hat uns nachgestellt, uns nahezu gestalkt, bis wir sie ans Herz und in die Familie aufgenommen haben, aber von den vier Kandidatinnen des H-Wurfs kam keine aus der Deckung, wanzte sich keine in unser Herz; selbstbewusst ließen sie uns mit unserer Entscheidung allein.
Auffällig war nur Heddas starke innere Ähnlichkeit mit ihrer Mama, und das war eher ein Ausschlussgrund: Eine Blaupause ist eben nur eine Kopie und kein Original und sei sie noch so perfekt. Und jede Kopie entwertet das Original. Das war nun wirklich das letzte, das wir im Sinn hatten.
Mal schnell mit dem Schlüssel ab durch die MitteUnd dann war es genau eine dieser vererbten Eigenarten, die die Entscheidung brachte. Wie einst Fianna lebte Hedda gerne antizyklisch zwischen ihren Geschwistern, schlief, wenn die anderen tobten und ging ihrem Tagwerk nach, wenn ihre Geschwister schliefen. An einem solchen Tag in der sechsten Woche war Hedda mit sich und ihrem Garten beschäftigt, als alle anderen ruhten. Und wir nutzten die Gelegenheit, mit ihr zu spielen. Wir warfen ihr ein Actimel-Fläschchen, sie nahm es auf und brachte es uns. Wir nahmen es ihr ab, warfen es wieder weg und Hedda brachte es uns zurück. Zufall? Nein. Beinahe zehnmal wiederholten wir das Spiel und der Actimel-Zwerg dachte nicht daran, unseren Spieltrieb zu sabotieren. Mit jedem Mal schien Hedda mehr Spaß an dem Hin und Her zu haben. Da war die Entscheidung gefallen: Ein sechswöchiger Welpe, der nicht weltvergessen mit sich spielt, sondern mit uns! Ein sechswöchiger Welpe, der seine Beute nicht sichert, sondern mit uns teilt, damit das Spiel weitergehen kann. Sorry, Halina, Hakuna und Hetty: Darauf hättet ihr auch kommen können, besser: kommen müssen.
Seither ist Hedda unverzichtbarer Teil unserer Wohngemeinschaft. Und obwohl wir zu ihren Schwestern, die sich auch alle prächtig entwickelt haben und dem Blues bestens zu Gesicht stehen würden, viel Kontakt haben, haben wir unsere Entscheidung nie in Frage gestellt. Wenn Fianna der Gaumenschmaus ist, ist Hedda die kongeniale Weinbegleitung.
Hedda immer mit VollgasHedda ist voller Lebensfreude und Charme eine Triebmaus und Spielratz, dass man manchmal Sorge haben muss, ihren Bedürfnissen nicht gerecht zu werden. Darin spiegelt sie ihre Oma Franzi wieder, der sie allerdings die unendlich scheinende Freundlichkeit, gegen jeden und alles voraus hat. Die Oma konnte schon auch mal zickig sein; davon scheint Hedda nichts abbekommen zu haben. Und schnell ist sie, schnell wie ein Gerücht in den unsozialen Netzwerken; und auch das ist ein Erbe ihrer Oma. Wie sie, ist sie wissbegierig, arbeitsfreudig und geistig von der ganz schnellen Truppe. Sie braucht nicht viel, um zu verstehen, worum es geht. Von ihrer Mama hat sie die bedingungslose Führigkeit, den Willen zu gefallen und die Gelassenheit ihrer Umwelt gegenüber.
Doch während Fianna im innerfamiliären Verhältnis Respekt und Distanz pflegt, setzt Hedda ihre Wünsche beharrlich und mit Charme auch gegen unsere Meinung in die Tat um. Gegen den erklärten Willen der Chefin und den Bedürfnissen ihres Chefs hat sie dessen Bett erobert und beide in schmunzelnder Resignation zurückgelassen. Fianna verlässt das unrechtmäßig bestiegene Bett bei Eintritt des Chefs ins Schlafgemach. Hedda dagegen freut sich, einen Kuschelpartner zu haben, leckt ihm die Ohren und grunzt vor Behaglichkeit. So what... Im Wohnmobil hat sie sich den Platz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz erobert, was noch keine ihrer Vorgängerinnen schaffte. Da liegt sie dann und schläft. Stundenlang. Wenn sie die Seite wechseln muss, meldet sie sich zur Stelle und will wissen, wie lange das noch geht – und taucht wieder ab. Und so ist Hedda, wie Anouk, Franzi und Fianna, eine eingeschworene Wohmobilistin geworden, der selten etwas zu lang ist und die überall sofort zuhause ist.
Hedda mit 6 Monaten bei der Unterordnung am Strand in der BretagneNeben all diesen augenfälligen Eigenschaften, schlägt vor allem Heddas Sporttauglichkeit besonders positiv zu Buche, weil sie nie genug davon bekommen kann. Der schlimmste Moment für sie ist der, wenn sie den Platz verlassen soll: Noch einmal ein bisschen Fußgehen, och, komm, ein Voraus noch oder noch besser: den Kerl in Leder zu bearbeiten. Hedda ist unermüdlich. Dabei ist sie sehr gelehrig, aufmerksam, konzentriert und mit ganzem Herzen bei der Sache. Auch das hat sie in dieser Konsequenz von ihrer Oma, allerdings setzte diese alles perfekt, aber minimalistisch um, während Hedda mit Überschwang immer noch ein bisschen mehr beisteuert. Das ist Fiannas Erbe. Und nicht zu vergessen: Das ihres Vaters Ery, denn der ist nicht nur Samenspender, sondern eine Art Hintergrundrauschen des Urknalls. Wer Ery erlebt hat, wundert sich nicht über seine Kinder. Manchmal beschleicht uns der unzulässige Verdacht, Ery habe es geschafft, das Beste aus Franzis und Fiannas Anlagen herauszukitzeln.
Und hat das Kind denn gar keine negativen Seiten? Doch. Sie setzt sich auf unseren Schoß, wenn sie gekuschelt werden will, und das will sie häufig. Sie hat anders als ihre Mama einen deutlich ausgeprägten Zerkleinerungsdrang, weshalb sie auch den Ehrentitel Shredder-Hedda tragen darf. Sie mag keine Igel (Oma!), hat etwas gegen Vögel im Garten (was ihr unseren Zorn einträgt) und ist seit ihrem Urlaub auf Sardinien, wie ein Retriever, nur schwer zu kontrollieren, wenn sie Wasser in die Nase bekommt. Und sie ist sehr redselig, manche meinen: geschwätzig, weil sie jede Lebens- und Stimmungslage verbal zum Ausdruck bringt – leider, für unseren Geschmack um eine Oktave zu hoch. Sonst noch was?
Nein, im Gegenteil. In Konkurrenz zu ihren sehr waidmännisch gestimmten Geschwistern, ist Hedda eine ausgesprochene Wildpret-Abstinenzlerin. Wir kennen niemanden, der das den negativen Eigenschaften zurechnen würde. An Beutetrieb fehlt es ihr wahrlich nicht, aber der Rückruf mit Verheißung auf eine Kuschelrunde mit Hundeconfiserie steht bei ihr eindeutig höher im Kurs, als eine Hetzjagd mit zweifelhaftem Ausgang. Noch! Ob sie in Zukunft irgendwann einmal eine andere Gewichtung der Angebote vornimmt, bleibt abzuwarten. Für den Augenblick sind Spaziergänge mit Hedda voller Unbeschwertheit, Entspannung und unermüdlichen Spielsequenzen.
Hedda mit Soo-Mi: da sind wir Erwachsenen nur noch 2. WahlMit Hedda haben wir zum ersten Mal eine Hovawarthündin die Kinder liebt. Für Kinder - speziell die, die sie kennt - sind sogar wir abgeschrieben. Mit ihren Kinderfreunden marschiert sie durchs Unterholz des Mangfalltals, erlebt mit ihnen gemeinsam die schönsten Abenteuer – und wir dürfen die Leine hinterhertragen. Da wird kein Blick zurückgeworfen, da wird nicht auf uns gewartet; wo Kinder sind, dort fühlt sich Hedda wohl.
Zusammenfassend läst sich über Hedda sagen: Sie ist eine ausgesprochen gutmütige und freundliche Hündin mit einem hochentwickelten Sozialverhalten. Dabei hat sie einen ausgeprägten und unermüdlichen Spiel- und Beutetrieb. Sie ist wendig, schnell und robust. Mit ihrer Auffassungsgabe lernt sie fix und begierig alles, was ihr angeboten wird – das Gute wie das weniger Gute. Zuhause ist sie das Anlehnungsbedürftigste, das jemals unsere Mauern mit Leben füllte. Autonomes Separieren in fernen Ecken ist ihre Sache nicht. Allerdings ist ihre Mama noch immer ihr Kuschelpartner Nr. 1. Hedda liebt Fianna und Fianna liebt Hedda. Beide sind ein Herz und eine Seele, gelegentlich eine Mangfalltaler Stampede, der man tunlichst und schleunigst aus dem Wege geht. Meist aber findet man Mutter und Tochter in inniger Umarmung, beim Schnäbeln, gegenseitigen Ohrenputzen oder Augenbalsamieren. Die beiden sind unzertrennlich und dulden gerade deswegen ohne jede Eifersüchtelei Eindringlinge in ihre Zweisamkeit. Sie sind sich ihrer gewiss. Und wissen uns als starke Stützen an ihrer Seite.
Am 15. September 2018 besteht Hedda in Nürnberg ihre Jugendbeurteilung (JB). Sie macht das mit der Souveränität einer anderthalbjährigen Hündin, die von bisher unbekannten Aufgaben herausgefordert wird. Anders gesagt: Sie beeindruckt uns und die Körmeisterin, weil sie sich mit Schwammerln in den Knien nicht unterkriegen lässt, sondern nach vorne geht und der Gefahr die Stirn bietet. Die Körmeisterin nennt sie daraufhin die "Checkerin vom Wald", weil sie ihrem Frauchen unmissverständlich zu verstehen gibt, dass heute alles anders ist als sonst, sie die Sache aber für sie in die Hand nehmen wird. Und das tut sie. Wie gesagt, auch mit etwas weichen Knien.
Am 22. September 2018 steigt Hedda anlässlich der Landessiegerschau in Hohenpeißenberg gegen sechs Konkurrentinnen (darunter ihre drei Schwestern) in den Ausstellungsring der Zwischenklasse Hündinnen. Und auch hier beweist sie, dass sie eine echte Checkerin ist. Weil ihr Frauchen gesundheitsbedingt nicht in den Ring steigen darf, läuft Hedda eben mit unserer Freundin Gerda ausgreifende Ringrunden und dabei zu großer Form auf. Am Ende gewinnt sie ihre Klasse und macht ihr schwächelndes Frauchen glücklich und bollestolz.
Zwei Jahre später besteht Hedda als etwas gereifte Hündin die ZTP im zweiten Anlauf, beim ersten Versuch mit gerade zwei Jahren und direkt nach 8 Wochen Welpenschar des I-Wurfs im Haus hatten die Nerven nicht mitgespielt. Dieses Mal nun konnte sie zeigen, was in ihr steckt und hat die ZTP souverän gemeistert. Und die Begleithundeprüfung wurde am 31. Oktober 2020, gerade noch vor dem nächsten Corona-Lockdown souverän bestanden.
Am 23. Mai 2021 schenkt uns Hedda zusammen mit Papa Lando von Acro Bado acht schwarzmarkene Welpen (J-Wurf), die sich alle prächtig entwickeln und ihren Leuten viel Freude bereiten.
Nach einer halbjährigen Europareise von Weihnachten 2021 bis Juni 2022 gibt Hedda mächtig Gas, um nach all den Corona-Behinderungen und Lockdowns doch noch ein richtiger Gebauchshund wie ihre Mama und Oma zu werden. Am 12. November 2022 ist es dann soweit: Hedda besteht die IPG 1 mit Anstand (93-84-84 a), aber ohne Glanz, weil die Trainingslücken in der Kürze der Zeit doch nicht ganz ausgemerzt werden konnten.
Am 17. November 2022 wird Hedda von Kosinus vom Nadjangrund (Kuno) gedeckt. Wenn uns die Natur keine Steine in den Weg legt, erwarten wir Mitte Januar 2023 unseren K-Wurf.
Eigentlich sollte Hedda Anfang Februar 2021 läufig werden, so sah es jedenfalls der von Gott und Züchter gewollte Plan vor. Und tatsächlich sah alles danach aus, dass sie sich an unseren Masterplan halten wollte, was bedeuten würde, dass ihre nächste Läufigkeit etwa Anfang August zu erwarten wäre. Da wollten wir sie dann mit einem adretten Jüngling verkuppeln. Der weitere Zeitplan hieß dann, Geburt etwa Mitte Oktober und Welpenabgabe Mitte Dezember. Und anschließend wollen wir dann sechs Monate mit dem Wohnmobil Europa bereisen (Sabbatical 2022). Die Fixierung auf den Herbsttermin ergab sich daraus, dass die Chefin Ende August/Anfang September ein Staatsexamen mit erheblichem Lernaufwand vor der Brust hatte, sodass der Frühjahrstermin keine gute Idee gewesen wäre.
Hedda zeigte tatsächlich Anzeichen einer Läufigkeit, die sich vor allem in einer besonderen Begeisterung für alle männlichen Nachbarn manifestierte, denen sie ihren lotterhaften Charakter mitsamt ihrem Herz vor die Füße warf, was diese wiederum mit fulminanten Fruchtbarkeitstänzen beantworteten. Nur eines zeigte sie nicht: Blut. Kein Tropfen! Da uns Hedda schon einmal mit einer weißen Läufigkeit überrascht hatte, nahmen wir an, dass sie von unseren Plänen Wind bekommen hatte, vielleicht von ihrer mit allen Wassern gewaschenen Mutter Fianna zugeflüstert, und uns ein Schnippchen schlagen wollte. Eine weiße Läufigkeit ist eine normale Läufigkeit, und die Hündin ist auch empfangsbereit, nur ist die Planung des Decktags ohne Blut keine leichte Sache. Uns war es egal, wir wollten sie ja erst im August zum Altar führen, obwohl wir schon ein wenig verunsichert waren.
Doch am 11. März, einem Donnerstag, entdecken wir winzige, bereits
angetrocknete Blutstropfen auf dem Treppenhausabsatz der ersten Etage. Sofort bewaffnet sich die Fortpflanzungsbeauftragte des Blues mit einem Papiertaschentuch und schreitet bei Hedda zur Heckinspektion. Tatsächlich: Blut. Kein Zweifel. Hedda hatte offenbar angesichts der bis zu -20 °C im Februar ihren Zyklus bis auf weiteres gestoppt, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln würden. Hündinnen machen das gelegentlich so, auch andere Arten passen ihr Fortpflanzungsverhalten oft den äußeren Bedingungen an; schließlich muss man die Plagen später durchbringen. Dabei hilft eine verantwortungsvolle Planung. Anscheinend ist Hedda nun zum Entschluss gekommen, dass das Gröbste vorüber ist und eine Familienplanung seriös in Angriff genommen werden könne.
Parallel dazu erfährt die Chefin des Blues und hauptberufliche Gymnasiallehrerin, dass sich der avisierte Prüfungstermin Ende August auf den feingeistigen Untiefen des Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus gestrandet ist und mit ihm die aufwändige und wochenlange Prüfungsvorbereitung. Und das bringt sie auf eine Idee, die sie am 12. März auf dem Frühstückstisch ausbreitet: „Was hältst du davon, wenn wir sie jetzt decken lassen?“
„??“
„Prüfung fällt aus. Zeit hätten wir.“
„??“
„Osterreise im Womo fällt sowieso ziemlich sicher dem Virus zum Opfer.“
"Und Heddas IGP1?"
"Keine Aussicht auf Öffnung des Hundeplatzes in näherer Zukunft und damit auch keine Prüfung Anfang Mai."
„Und Pfingsten?“
„Fällt flach. Dafür gibt es eine Sommerreise. Vielleicht. Und außerdem hätten wir mehr Zeit, unser Sabbatical vorzubereiten, was wir sonst während des Wurfes unterbringen müssten.“
„Ok. Passt. Machen wir.“ Dem Chronisten zieht schon der betörende Welpengeruch durch die Nase, Widerstand zwecklos.
Eine Nachfrage im Sekretariat unseres Bräutigams Lando, ob es eventuell Schwierigkeiten mit dem geänderten Terminplan gäbe, wird etwa so beantwortet: „Wieso? Welche Pläne sollte man in diesen Zeiten denn schon haben?“ Corona kann auch zu was nütze sein. Nun, denn…
Montag, 15. März 2021
Wir haben um 11 Uhr einen Termin bei unserem in neun Würfen bewährten Fortpflanzungsorakel Dr. Dusi-Färber in Baldham. Heute steht ein Scheidenabstrich zur Klärung von Heddas Bakterienbesiedelung an, um eventuell mit Antibiotika gegen unerwünschte und gefährliche Bakterien vorgehen zu können. Schon mancher Wurf ist deretwegen nicht geworfen worden. Außerdem nehmen wir noch ein Wurmmittel für Hedda und Fianna mit, denn auch Würmer haben nichts im Brutkasten und Wochenbett zu suchen. Den nächsten Check vereinbaren wir für Freitag, wo dann die Zytologie und ein Progesterontest auf dem Plan stehen.
Mittwoch, 17. März 2021
Es l
iegt Schnee vor der Tür. Richtig Schnee, über fünf Zentimeter. Der wird sich sicher nicht lange halten, aber hoffentlich kommt jetzt Hedda nicht auf die Idee, ihr Produktion ein zweites Mal abzublasen. Immerhin haben wir gestern bereits einen neuen Pack Welpengitter für den Garten bestellt, um die maroden hölzernen Teile unseres Kinderspielplatzes auszusortieren. Das kann sie uns jetzt bitte nicht antun…
Freitag, 19. März 2021
13 Uhr: Temin beim Fortpflanzungsorakel. Heute steht ein Scheidenabstrich für die Zytologie auf dem Programm, womit man die Zellveränderung begutachten und den Fortschritt der Läufigkeit bewerten kann. Außerdem muss Hedda noch eine Vaginoskopie mit einem Spekulum über sich ergehen lassen, wobei die Fachfrau die Fältelung der Scheidenwand begutachtet, die sich typisch mit dem Fortschritt des Zyklus entwickelt. Seit unserem letzten Orakelbesuch hat dieses aufgerüstet und einen Monitor in der Praxis, auf dem man Heddas Innenleben mitbetrachten und zumindest schlau und wissend blicken kann, wenn auch der
Erkenntnisgewinn überschaubar ist. Und zum Schluss werden Hedda noch ein paar Tropfen Blut abgenommen, um das Progesteron zu messen. Es wäre übertrieben zu behaupten, Hedda würde diese Eingriffe in ihr Sanctum mit Vergnügen begleiten, aber sie steht auf dem Tisch, ungerührt und reglos, lässt alles über sich ergehen, jammert nicht, quietscht nicht, versucht auch nicht, ihr Hinterteil aus der Schussbahn zu bringen: Sie ist einfach ein braves Mädchen und tut, als ob sie das alles nichts anginge. Ihre drei Vorgängerinnen haben in dieser Praxis jeweils eine andere, sehr konsolidierte Meinung gehabt: Sie fanden das äußerst anmaßend und versuchten sich, dieser Zugriffen zu erwehren, nein, nicht mit dem vorderen Waffenarsenal, sondern mit höchst flexiblen Leibesübungen, die das Begleitpersonal beträchtlich ins Schwitzen brachten. Heute sind wir versucht, dieses Praxis-Yoga als eine Art Vorläufer der „Me Too-Bewegung“ zu begreifen. Fianna verweigerte nach den Maßnahmen sogar standhaft jegliche Leckerchengabe: nix da! Käuflich wollte sie sich nicht verkaufen, schon gar nicht nach diesen Untergriffigkeiten. Ganz anders Hedda. Pragmatisch wie sie ist, erträgt sie, was sie eh nicht verhindern kann und nimmt dafür mit, was sie kriegen kann. Futter geht bei Hedda immer. Bestechlichkeit hat in ihrer Welt keinen Modergeruch, jedenfalls nicht, solange sie die Begünstigte ist. Nach dem Abgang vom Behandlungstisch und der Leckerei gibt sie jedoch Gas und ist schneller aus der Praxis als der Arm ihrer Leinenführerin lang ist. Und tschüss.
Um 16 Uhr erreicht uns die Info aus der Praxis, dass der Progesteronwert bei 2,19 steht. Zwischen 4 und 8, im Mittel also etwa bei 6, findet normalerweise der Eisprung (Ovulation) statt. Dieser Tag und die folgenden zwei Tage sind ideale Decktage. Da wir nicht wissen, ob Hedda zu jenen Hündinnen gehört, die der Natur ihren Lauf lassen oder eher zu denen, die richtig Gas geben, vereinbaren wir einen weiteren Termin morgen Mittag. Dann wird man sehen, wohin die Reise geht, vor allem: wann.
Früher haben wir zur Absicherung des veterinärmedizinischen Orakelspruchs gerne e
inen Bio-Progesterontest am lebenden Rüden hinzugezogen, der gestaltet sich aber aus zwei Gründen bei Hedda etwas schwer. Erstens hat unser langjähriger Nachbar und Cheftester Blacky, auf den absolut Verlass war, seine irdische Karriere nach rund 15 Lebensjahren beendet und steht somit nicht mehr zur Verfügung. Die andere Sache ist Heddas ambivalentes Verhalten gegenüber Rüden: Gute Bekannte und Freunde jagt sie vom Hof und Gelegenheitsbekanntschaften macht sie den Hof und sich blank. Woran soll man sich da halten? Den Chronisten erinnert diese fluktuative Einstellung an das stilbildende Motto seiner Jugend: Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment. Aber was weiß unser Jungfräulein denn von diesen Dingen?
Das Wohnmobil, unser treuer, aber gelegentlich eigenwilliger Franz II, ist schon aus seinem Winterlager geholt worden, bekam auch zwei frische Gasflaschen spendiert und wartet gelassen ab, wann er zur Tat gerufen wird. Nur eines findet er sehr unangemessen: Es schneit und schneit… da hätte er lieber noch ein paar Tage im Lager abgewettert. Wir auch. Aber bei dieser Reise ist Hedda die Reiseleiterin.
Samstag, 20. März 2021
Frühlingsanfang ganz ohne Frühlingsgefühle!
Es schneit, was Frau Holle in den Betten hat, und das Virus macht sich
Frühlingsanfangüber uns lustig: Es geht kräftig aufwärts, was man von den Temperaturen nicht behaupten kann. Um 7 Uhr hat es -2,5 °C. Immerhin wird sich heute noch erweisen, wie sehr es mit Heddas Hormonhaushalt aufwärts geht, ob sie sich am Frühling oder am Virus orientiert. Wir bestücken den Franz schon mit allem, was man für eine drei bis viertägige Fahrt braucht und heizen ihm ein.
Mittags ist die Chefin mit Hedda wieder beim Orakel, wo es diesmal nur eine Blutentnahme für den Progesteronwert gibt. Um 15 Uhr ist dann klar: Hedda überlässt die Exponentialfunktion dem Virus und bleibt gelassen, aber zielstrebig. Ihr Progesteronwert liegt heute bei 2,98. Wir entspannen uns, fahren Franzens Heizung herunter und planen unsere Reise für Montagmorgen.
Heute reagiert die Aspirantin aber erstmals deutlich auf die rückwärtige Annäherung ihrer Mutter, indem sie die Rute wie eine Sichel zur Seite legt. Sie ist auf einem fruchtbaren Weg.
Sonntag, 21. März 2021
HeddaNachts war es klar, morgens ist es trübgrau bei -2 °C, aber immerhin fiel in dieser Nacht seit Tagen kein Schnee mehr. Fianna und Hedda ist es beim Morgenspaziergang sowieso egal: Schnee oder kein Schnee, Hauptsache kalt. Das wärmt ihre Herzen. Offenbar tun das bei Hedda nun vermehrt auch die Rüden, jedenfalls ist sie unentwegt beschäftigt, nach willfährigen Burschen zu spähen, die sich aber zu dieser frostigfrühen Tageszeit noch zuhause warme Gedanken machen.
Und noch etwas setzt jetzt ein: Hedda jumst und jammert unentwegt, um in den Garten zu dürfen.
Diese Dauerbejammerung unseres Haushalts hat uns schon immer einige Nerven geraubt, signalisiert uns aber, dass jetzt die Hormone die Kontrolle übernommen haben und Hedda auf geradem Weg in die Unmoral ist. Morgen kann sie beweisen, ob sie es ernst meint oder sich wichtigmachen und uns nur auf die Nerven gehen will.
Montag, 22. März 2021
Um 7:15 Uhr fahren wir los; es ist bedeckt und hat 1 °C. Auch wenn eine positive Betrachtung Coronas wie teuflischer Humor klingt, wollen wir nicht verschweigen, dass eine Fahrt am Montagmorgen vom oberbayerischen Mangfalltal bis an die Stadtgrenze von Göttingen unter normalen Bedingungen kaum ohne Staus und Behinderungen zu bewältigen ist. Heute Morgen rollen wir jedoch ungestört in den Norden, nicht einmal die Münchner Umgehung A 99 hält uns auf, eigentlich eine Unmöglichkeit von Montag 0 Uhr bis Sonntag 24 Uhr, keine der zahlreichen Baustellen auf Deutschlands Autobahnen bringt den Verkehr zum Stehen, keine Lkw-Boliden bremsen den Verkehr in den Kasseler Bergen aus, alles flutscht gemütlich dahin. Wenn das ein Omen ist, dann kommt unser J-Wurf ganz fix aufs Band. Immerhin kommen wir gelassen voran und stellen unseren Franz um 13:40 Uhr nach 522 km vor Landos Reich in Niemetal ab. Es ist wolkig mit großen blauen Himmelsflecken bei 7 °C.
Und dann
kann es auch g
leich losgehen, es gibt ja keinen Grund, die Hochzeiter unnötig hinzuhalten. Es ist 14 Uhr 51° nördlicher Breite, und Landos Hormone führen ihn ohne Umwege zu seiner duftenden Rose. Die beiden tanzen sich in Landos Garten erst einmal warm. Für einen Ersttäter ist Heddas Bräutigam ein ziemlich fixer Bursche, der offenbar genau weiß, wo der Hammer zu hängen hat. Nur bei der perfekten Umsetzung hat er noch Justierungsbedarf. Jedenfalls
versucht er kaum, wie die meisten J
ungmänner, die Dame, nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum, von allen Seiten und ringsum zu besteigen, sondern hat sehr schnell den richtigen Kompass und Zugang. Als wir nach ungefähr 15 Minuten die erste Sitzung abbrechen, hatte er Hedda schon dreimal geentert, aber den Enterhaken nicht fixieren können. Macht nichts; das sieht schon sehr vielversprechend aus, und die beiden haben eine Pause verdient. Auch wir ziehen uns sehr zuversichtlich auf eine Kaffeepause zurück.
Um 15:45 Uhr starten wir
die zweite Runde, und die Versprochenen machen nahtlos dort weiter, wo sie zuvor unterbrochen wurden. Das hat zur Folge, dass Lando um 15:55 Uhr den J-Wurf Wirklichkeit werden lässt: Die beiden Täubchen hängen. Jetzatle, tät der Schwabe sagen, was sich aber auch als Name hören lassen könnte … Jetzatle … das gilt es, im Auge zu behalten. Was uns beglückt, macht Hedda zum Mitglied der „Me-too-Community; sie schreit und kreischt wie vermutlich seinerzeit Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen. Fast vier Minuten schreit sie die gesamte Nachbarschaft zusammen, doch Lando bleibt ungerührt und gibt stumm und unverdrossen sein Bestes. Dann schickt sich auch Hedda ins Unvermeidliche und konzentriert sich aufs Wesentliche. 15 Minuten zieht sich die Hängepartie. Dann ist es vollbracht: Hedda ist gedeckt, der J-Wurf ist Realität – und vom verbleibenden Restrisiko will jetzt wirklich niemand etwas wissen.
Es grüßen als Vermählte: Lando und Hedda
Nun ist Zeit zu plaudern und gemächlich in den Abend mit Grillwürstchen zu gleiten. Lando ist stolz wie ein Spanier und holt sich reihum Huldigungen ab. Hat er sich verdient! Ein großes Verdienst am geschmeidigen Gelingen hat Thomas Homuth, selbst erfahrener Züchter und Deckrüdenbesitzer, der aus alter Verbundenheit aus der nahen Nachbarschaft herbeigeeilt kam, um dem Werden des J-Wurfs beizuwohnen, sich aber nicht mit der Zuschauerrolle begnügte, sondern als Landos Stabilisator bei der Hängepartie ein wahrhaft goldenes Händchen bewies. Für unerfahrene Züchter und Deckrüdenbesitzer ist das immer eine große Hilfe. Und auch wir freuen uns darüber und sagen Thomas ein ganz herzliches Dankeschön. Wer so lange in der Hovawartwelt herumreist, gewinnt auch Freunde, die dann zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden. Vergelt’s Gott. Die beiden Täubchen hätten es auch irgendwie alleine geschafft, aber vermutlich nicht ganz so geschmeidig. Sie werden ihm bestimmt auch sehr dankbar sein, dass sie sich nicht mehr als nötig verausgaben mussten.
Die Goldene Ananas des Tages verdient sich wieder einmal unser Franz. Als wir zurückkommen und den Mädels Futter bereiten wollen, hat er kein Wasser mehr für uns. Leer! Hundert Liter Wasser wie von Geisterhand verschwunden. Bayerisches Alpenwasser der doch überhaupt nicht notleidenden niedersächsischen Landwirtschaft gespendet. Futsch! Zum Glück traut der Chronist seinem Franz nach all den Jahren nicht, aber alles zu und hat vorsorglich einen 20-l-Kanister Wasser eingelagert. Franz II ist für den Antagonismus des Lebens zuständig: Keine Freude ohne Leid. Der Dichter hat es uns ja schon ins Stammbuch geschrieben: „Noch keinen sah ich glücklich enden, auf den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben streu’n“. Für Franz war unser Glück heute offenbar ein bisschen zu ausgelassen. Da musste er gegen den Übermut steuernd eingreifen. Dem Chronisten fällt dazu nur der Schmerzensruf Kaiser Augustus‘ ein: „Franziskus, Franziskus, gib mir meine Gallonen wieder!“
Dienstag, 23. März 2021
Die Nacht am Sportplatz vor Landos Reich
ist ruhig und lang. Wir grübeln über Franzens Defekt. Der automatische Frostschutz kann es nicht gewesen sein, der Franz zu so einer Panikreaktion veranlassen konnte. Von Frost konnte und kann keine Rede sein. Aus irgendwelchen Gründen hat Franz das Sicherungsventil des Warmwasserboilers umgelegt und alles Wasser aus dem Tank gelutscht. Wir holen uns bei Lando ein paar Kanister und flößen es Franz ein; mal sehen, was er davon hält und ob er es bei sich behält. Wir haben heute Zeit und nichts vor. Es ist der Tag nach dem Sturm und vor dem Nachbeben.
Aber heute ist auch der Tag des Welpen (National Puppy Day), den man seit 2006 in den USA feiert. Sachen gibts... Sachen, die uns sehr verbundene Freunde immerhin zum Anlass nehmen, die Frage zu stellen, warum wir ausgerechnet an diesem Jubeltag nicht weiter am J-Wurf arbeiten und ihn ungenutzt verstreichen lassen wollen. Damit dieser weltbewegende Anlass nicht ohne angemessene Berücksichtigung verstreicht, nehmen wir dazu gerne Stellung. Erstens reicht ein einziger Tag meist nicht aus, um alles zu würdigen, was ihm ans Revers geheftet wird: Heute müssten wir beispielsweise auch noch dem Welttag der Meteorologie und dem Tag der Chia-Samen die Ehre erweisen. Wir sind aber schon mit der Überwachung von Franzens Inkontinenz auseichend beschäftigt. Zweitens ist die Initiatorin dieses Gedenktages, Coleen Paige, eine Art berufsmäßige Gründerin von Gedenktagen, welche – siehe oben – die Flut der Feiertage ins kaum noch Gedenkbare anwachsen lassen. Dazu gehört der National Dress Up Your Pet Day, der daran erinnern soll, sein Haustier anzuziehen. Außerdem ist sie noch verantwortlich für den National Mutt Day, den Tag des Mischlingshundes. Wenn sie so weitermacht, wird es bald keinen Tag mehr geben, der nicht ein Coleen-Paige-Gedenktag ist. Von irgendetwas muss man halt leben, gell? Aber halt nicht auf unsere Kosten. Drittens soll der Puppy Day auffordern, die Tier- und Zoohandlungen in den Vereinigten Staaten welpenfrei zu machen, was in Deutschland längst Realität und damit Schnee von übervorgestern ist. Und nicht zuletzt soll mit diese Gedenktag gegen den illegalen Massenzuchtbetrieb vorgegangen werden. Das muss man natürlich befürworten, besser aber, man tut etwas dagegen, zum Beispiel eine legale Hobbyzucht betreiben. Damit sind wir aktuell beschäftigt, nur eben ausgerechnet heute nicht. Liebe Coleen, du hättest dir eben besser den 22. oder 24. März aussuchen sollen. Dann hätten wir vielleicht sogar einer Hündin den Namen Joleen gespendet.
Am späten Nachmittag zeigen uns Landos Chauffeure stolz ihre Heimat, un
Der Wesersteind so werden wir in nur eineinhalb Stunden große Anhänger des sogenannten Weserdurchbruchstals mit seinem Aushängeschild Hann. Münden (Hannoversch Münden), wo die Weser zwar nirgends durchbricht, aber durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra ihren Anfang nimmt. Diesen Zusammenfluss mit dem Weserstein nehmen wir natürlich auch in Augenschein und sind völlig begeistert von der mittelalterlichen Fachwerkstadt, die zu großen Teilen erhalten ist. Hann. Münden ist ein echter Eye-Catcher, und wieder einmal fragen wir uns, warum man erst eine Bettgeschichte initiieren muss, um auf echte Perlen zu stoßen. Dazu trägt auch eine sehr abwechslungsreiche und kupierte Landschaft bei, die, wenn sie sich ihres winterlichen Trauerkleid ganz entledigt hat, einen zusätzlichen Reiz verspricht. Mensch, Leute, macht doch mehr Werbung für dieses Land! Es ist, trotz der windenergetischen Verspargelung, jedes lobende Wort wert.
Abends verbringen wir wieder in Landos guter Stube, simpeln Fach und plaudern uns unsere Zufriedenheit und Vorfreude von der Seele.
Als wir zu Franz zurückkehren, hat er sein Wasser bei sich behalten und hält es auch die ganze Nacht über. Um 22 Uhr ist es klar bei 5 °C.
Mittwoch, 24. März 2021
Um 7:45 Uhr ist die Welt an
Frühlingsgrüße aus NiemetalL
Hedda und Fianna gemießen den Frühling in Niemetalandos Sportplatz in Niemetal sehr in Ordnung. Draußen hat es 3 °C, der Himmel über uns ist wolkenlos und feine Nebelschleier liegen über den Basaltkuppen ringsum. Das Leben im Franz ist von Zufriedenheit und stillem Glück geprägt, denn Franz spendet uns heute Morgen sogar warmes Wasser. Der Tag nimmt seinen Gang, gelassen und routiniert, weil wir zwar heute die beiden Täubchen noch einmal zusammenlassen wollen, aber einerseits keine Zweifel am Gelingen haben und andererseits sowieso sicher sind, dass die erste Hochzeit schon erfolgreich war. Heute steht die Zugabe auf dem Programm.
Um 10:00 Uhr kann es Hedda kaum erwarten, als wir sie aus dem Franz lassen; im Stechschritt überquert sie den Sportplatz, weiß, was und wer sie am anderen Ende erwartet, kaum zu bremsen ist sie und kaum zurückzurufen, sie, die sonst jedes Kommando sofort annimmt und auf der Hacke kehrt macht, wenn man sie ruft. Sie hat sichtlich Gefallen gefunden am Bräutigam und seinen Bemühungen. Das Unangenehme, das ihr die Klagelaute entlockte, hat sie verdrängt. Die Hormone tun ihre Pflicht.
Um 10:05 Uhr ist Landos Garten ein weiteres Mal Schauplatz eines Fruchtbarkeitstanzes mit integrierten Ehestandsübungen. Doch heute weiß der Favorit, worum es geht, will den Macker machen und seine Braut beeindrucken und verliert dabei an Lockerheit und Unbedarftheit. Heute ist er fahrig, übermotiviert und ineffizient. Die Braut verzeiht im das alles, auch wenn er sie von allen Seiten zu besteigen droht, schiebt ihn fort und wieder an, wenn er fragend um sich blickt und nichts mehr blickt. Immer wieder spornt sie ihn an und lässt ihn nicht vom Tanzboden. Das erledigen dann wir um 10:25 Uhr, als der Liebhaber ein Opfer seiner Selbstzweifel zu werden droht. Aber wir geben dem Affen Zucker, indem wir ihn ins Haus sperren und die Angebetete vor seinen Augen durch seinen Garten flanieren lassen. Das bringt den Puls runter und die Hormone hoch. Für uns ist Kaffeezeit.
Nach einer knappen
Stunde gibt es ein neues Rondo, in der Lando nicht mehr lange fackelt, sich offenbar während seiner Auszeit das weitere Vorgehen strukturiert zurechtgelegt und vorgenommen hat, es exakt so umzusetzen. Fünf Minuten später, um 11:26 Uhr ist Lando am Ziel. Hedda sieht auch heute wieder Grund genug, die Zudringlichkeit lautstark anzuklagen, allerdings deutlich leiser als gestern und mit schnell schwindendem Schalldruck; kaum mehr als eine Minute gibt sie Laut, dann ist sie still und verlegt sich aufs Gurren und Knöttern. Heddas Beschallung ist von der todgezeichneten Jeanne d’Arc am Montag auf das Niveau einer kurzatmigen und indisponierten bayerischen Blechblosn abgerutscht. Sie kuschelt mit ihrer Ziehmutter, Lando vertraut auch heute wieder Thomas‘ Ruhe und Erfahrung, was dem Akt eine spirituelle Ruhe verleiht. Nach 24 Minuten, um 11:50 Uhr lassen die beiden voneinander ab, bringen sich und ihre Kleider wieder in Ordnung und sind sich offenbar des würdevollen Stands der Elternschaft sicher. Alle sind glücklich, nur die Knie der beiden Unterstützer tragen nach 24 Minuten Beugehaft Trauer.
Für uns gibt
Landoes nun nichts mehr zu
Hedda tun. Wir nehmen Abschied von Lando, dem wir versprechen, seine Kinder wie rohe Eier zu hegen und zu pflegen. Wir verabschieden uns von Thomas Homuth, der sich so große Verdienste um den Bairischen Blues erworben hat, dass wir schon darüber sinnen, ob wir nicht einen kleinen Blueser auf Jomuth taufen sollten und wir nehmen bis auf Weiteres Abschied von Landos Haushältern, denen selbstverständlich jederzeit unsere Türen offenstehen, wenn seine Kinder ihr Unwesen im Mangfalltal treiben werden.
Um 13:25 Uhr rollen wir davon. Unser erstes Ziel ist der Stellplatz in Bühren, nur ein paar Kilometer abseits unserer Route, um dort Franzens Toilette zu entsorgen. Doch der Bührener Stellplatz ist eher ein Abstellplatz und ein vernachlässigter, verschlammter Müllplatz ohne WC-Entsorgung. Der erste Eindruck lässt es eher wahrscheinlich sein, dass hier alle ihre Toilette ohne die dazugehörige Infrastruktur entleeren. Einem Hinweisschild zufolge sollen wir den Grund 11 aufsuchen, um unsere Toilette zu leeren. Mehr erfahren wir nicht. Unter diesen Umständen sehen wir keinen Grund, dem Grund 11 nachzuspüren, Bühren zu durchkurven und in jeden Hinterhof zu spähen. Wir haben auch keine Lust, Google Maps zu befragen, wir fahren einfach los. Am Autohof Cuxhagen fluten wir Franzens Tank und fragen, ob es hier eine Möglichkeit der Entsorgung gäbe. Die Verneinung kommt so entrüstet wie rüde, dass wir beschließen, diesem Etablissement keinen Cent für unseren Mittagssnack in den Rachen zu werfen. Wir decken uns gleich nebenan bei KFC ein, weil es egal ist, mit welchem Plastikfutter man sich die Gesundheit ruiniert.
Und dann geht es schnurstracks ab in den Süden. Heute Nachmittag ist deutlich mehr los als am Montag, auch die Lkw sind wieder on tour, vor allem in den Kasseler Bergen, aber es geht dennoch sehr geschmeidig voran. Wie auf der Hinfahrt vermeiden wir die A 3 und rollen über die A 70 und A 72 nach Nürnberg. Nur in Nürnberg fahren wir wegen eines Unfalls nicht am Kreuz Nürnberg auf die A 9, sondern bleiben noch bis zum Kreuz Altdorf auf der A 3 und fahren von dort über die A 6 zum Kreuz Nürnberg Ost und dort erst auf die A 9. Das sind nur wenige Kilometer Umweg, die unsere Bilanz nicht schaden. Um 19:10 Uhr stellen wir den Franz nach 562 Kilometern wieder zuhause ab. Es hat 5 °C und ist klar.
Klar ist es aber jetzt auch mit den jüngsten Jüngern des Bairischen Blues. Zwei makellose Deckakte lassen kaum Zweifel aufkommen, dass wir bald um einige Kinder reicher sein werden. Wie viele es sein werden, haben Hedda und Lando unter sich und in inniger Umarmung ausgemacht. Da lassen wir uns überraschen. Damit aber niemand überrascht ist, wie es weitergeht, hier die Eckdaten des J-Wurfs:
Woche 16 (19.-24. April) wird uns allen ein Ultraschall Gewissheit verschaffen.
Um den 24. Mai (Pfingstmontag): Wurftag
Um den 19. Juli (exakt 8 Wochen später): Welpenabgabe
Jetzt wird’s ernst mit dem J-Wurf des Bairischen Blues. Möge die Übung gelingen…
Dienstag, 25. Mai 2021
Der erste Tag der Jabberwockys beginnt grau und verhangen und mit Regen. Nachmittags scheint dann die Sonne von einem sehr blauen bayerischen Himmel, dem das Weiß fehlt, weil ein kräftiger Südweststurm die Wolken dorthin treibt, wo sie nach Meinung der Bayern auch hingehören. Das ist gut gemeint, weil wir hier wegen der Berge genug Wasser haben, die Landsleute im Norden und Osten davon jedoch mehr brauchen können. Wir Bayern geben eben gerne ab.
Jeannie, die Zitzenzausel, ist im Leben angeko
Jeanniemmen und hat alle Last von unserer Seele genommen. Dafür macht jetzt Jodel Schwierigkeiten. Er hat die 450 g seiner Geburt gestern Nachmittag auf 420 g reduziert und bis heute Morgen nichts mehr zugenommen. Dazu hat er nach dem Trinken einen schwammigen, geblähten und etwas roten Bauch. So richtig agil ist er zudem nicht. In so einem Fall ist guter Rat teuer, weil es dafür verschiedene Ursachen geben kann, wie etwa eine Entzündung, eine Unverträglichkeit, aber auch einen Defekt in der Bauchhöhle, irgendetwas könnte beispielsweise nicht ganz dicht oder nicht durchlässig genug sein. Möglich ist einiges, aber wen soll man fragen? Einen Tierarzt? Seriöse Tierärzte, wenn sie keine ausgewiesenen Spezialisten sind, antworten in solchen Angelegenheiten mit einem Schulterzucken und der B
Jodel in fürsorglichen Händenemerkung, dass sie von Welpen keine Ahnung hätten, weil dieses Fachgebiet in der Veterinärausbildung nur eine Randerscheinung sei. Und wann haben denn Tierärzte tatsächlich mit Welpen zu tun? Bei einem Kaiserschnitt, beim Impfen und Chippen oder beim Einschläfern. Gelegentlich müssen sie sich mit einer follikulären Bindehautentzündung oder einem Zwingerhusten beschäftigen, aber ernsthafte internistische Fragestellung gehören nicht zu ihrem Praxisalltag, schon gar nicht bei zwei Tage alten Welpen. Was also tun? Das jahrelang gepflegte Netzwerk der weisen Frauen weiß vielfach Bescheid. Sab Simplex gegen Blähungen sei eine erste Annäherung ans Problem, auch Fencheltee zur Bauchmassage helfe in leichten Fällen – wenn es sich denn um einen solchen handelt. Schon wieder ist der Assi unterwegs zur Apotheke, kurz bevor die zur Mittagspause schließt, besorgt Sab Simplex, derweil rückt Anna-Maria mit Fencheltee an und beginnt, sich um den mickernden Jodelkönig zu kümmern.
Bis wir mit Ergebnissen aufwarten können, schauen wir uns kurz die Gewichte der anderen an:
Jackl: 540 (Geburtsgewicht) – 570 (24.5., 12:30) – 590 (heute, 7:40); Jazz: 570 – 560 – 570; Janitschek: 530 – 520 – 540; Jeannie: 490 – 470 – 470; Joschi: 500 – 540 – 570; Jule: 410 – 420 – 410; Jasna: 510 – 520 – 530; Judica: 560 – 540 – 540.
Das sieht alles prima aus. Auch Hedda macht einen sehr aufgeräumten und fitten Eindruck. Vor allem ihre Temperatur gibt uns keinerlei Anlass zur Sorge. Nach einer solchen Tortur mit all den inneren Schäden, laufen viele Hündinnen flott in ein bedrohliches Fieber, vor allem dann, wenn sie nicht kräftig abbluten und die ganzen Geburtsreste zügig ausschwemmen. Das macht uns und der Waschmaschine zwar viel Arbeit und taucht das Anwesen des Bairischen Blues in einen strengen Duft, aber für die Gesundheit der Hündin ist es unabdingbar. Hedda blutet gut ab und sabbert kräftig herum, dafür messen wir bei ihr viermal über den Tag verteilt nur leicht erhöhte Temperaturwerte zwischen 38,3° und 38,5°. Wenn sie weniger hätte, würden wir uns ein neues Fieberthermometer zulegen müssen. Dabei fasziniert uns immer wieder die Gelassenheit und Engelsgeduld, mit der sie sich das Thermometer in den Po schieben lässt, nicht wegläuft, nicht ausweicht, nicht zickt, sondern alles klaglos erduldet. Ihre drei Vorgängerinnen waren da anders gestrickt. Es war zwar keine jemals aggressiv, aber sie versuchten sehr wohl, diesen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte zu vermeiden, entweder, indem sie das Weite suchten, wenn auch nur der Anschein entstand, dass das Thermometer zum Einsatz kommen könnte, oder durch gymnastische Übungen, die bei spitzeren Gegenständen als einem Thermometer eher zur Perforation der gesamten Afterregion hätten führen müssen, als dass sie uns einen Treffer ermöglicht hätten. Wir haben den Eindruck, dass auch Fianna stolz auf ihre standhafte Tochter ist, alter Adel eben, da stirbt man aufrecht. Für sich hat sie eher den ausweichenden Stolz des niederen Volks gewählt: Besser ein paar Sekunden feige als ein Leben lang tot. Eine herausragende Mutter war sie dennoch. Das eine hat nix mit dem anderen zu tun.
Damit wir die säuerlich-muffige Duftnote im Haus so gut wie möglich unter Kontrolle halten können, bekommt Hedda mindesten zweimal täglich eine Intimwäsche, die sie ebenfalls mit großer Gelassenheit über sich ergehen lässt. Das ist insofern bemerkenswert, weil sie Duschgänge nach Schlammspaziergängen mit Nachdruck zu vermeiden sucht. Aber offenbar ist sie uns dankbar dafür, dass wir ihr diesen Odeur vom Leib spülen; muss sie es schon nicht selbst erledigen.
Wichtig
Mamma Mia-Barist uns auch die Pflege von Heddas Zitzen. Man kann es oft nicht verhindern, dass sich laktierende Hündinnen eine Gesäugeentzündung einfangen, was vielfach auf die vielen kleinen Verletzungen zurückzuführen ist, die ihnen die winzigen und messerscharfen Krallen der Knirpse zufügen, wenn sie am Gesäuge herumzerren und -treten. Wir haben in dieser Hinsicht hinreichend schlechte Erfahrungen gemacht, dass wir versuchen, das Risiko so klein wie möglich zu halten. Ob es uns gelingt, steht in den Sternen. Jedenfalls verwöhnen wir Heddas Zitzen mehrmals täglich mit Calendulasalbe, damit sie geschmeidig bleiben und kleinste Traumen sofort heilen, bevor Keime eindringen können.
Jetzt bleibt eigentlich nicht viel mehr,
Jacklals einen (fast) zufriedenen Blick auf den Nachwuchs zu werfen und abzuwarten, was aus dem schmächtigen Jodel wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, eher stirbt alles andere. Auffällig aus der Geschwisterschar ist bislang eigentlich nur Jackl, der schon beim ersten Bettenwechsel versuchte, aus dem Aussiedlerkörbchen zu steigen. Aber er hat ja als Erstgeborener genug Zeit gehabt, sich zu erholen und einen Blick über den Tellerrand zu wagen, während die anderen noch mit sich und ihrer jüngsten Vergangenheit zu tun haben.
Abend bezieht die Chefin ihr Lager im Wohnzimmer, um bei den Welpen, vor allem aber bei deren Mutter zu sein. Hedda wird mehrmals nachts in den Garten müssen und auch Trost und Hilfe suchen, schließlich ist es kein Kinderspiel, Kinder zu kriegen. Jene Frauen, die nach der Geburt in einer postnatalen Depression versunken sind, können ein schaurig Lied davon singen. Nähe ist jetzt gefragt. Der Assi hingegen hat nichts gegen den Freiraum einzuwenden; Beinfreiheit ist auch keine unwesentliche Freiheit. Davon hält allerdings Fianna nicht sehr viel, die nicht dran denken will, mit ihm ins Obergeschoss zu ziehen; ihr Platz sei ebenfalls in Ruf- und Reichweite ihrer Enkel, gibt sie zu bedenken. Mit Überreden ist da fast nichts getan, denn vier Beine können ganz schön erdverwurzelt sein. Aber sie ist letztlich doch ein viel einsichtigeres als störrisches Mädel und begleitet ihn, schwergliedrig und unüberzeugt. Der Aufschlag des Meteoriten, der vor 66 Millionen Jahren den Golf von Mexiko formte, dürfte kaum lauter gewesen sein als jener Rumms, den Fiannas tonnenschwere Glieder verursachen, als sie sie verdrossen und überdrüssig unter einem endschwermütigen Seufzer in sich zusammenstürzen lässt. Da liegt sie nun neben dem Bett der Chefin, lautlos und reglos, und man weiß nicht, ob eher sie oder Jodel die Nacht nicht übersteht.
Mittwoch, 26. Mai 2021
Jodel wiegt noch 390 g, er wird nicht überleben. Ohne die anderen zu vernachlässigen, dreht sich heute Morgen alles um Jodel. Er bekommt etwas Traubenzuckerlösung in der Welpenmilch mit einer Spritze eingeträufelt, weil sein Saugreflex kaum noch der Rede wert ist. Bei der Mama trinkt er längst nicht mehr, weil er die Mühe, sich eine Zitze zu suchen, nicht mehr bewältigt. Wir werden ihn nicht halten können, aber einfach aufgeben wollen wir ihn auch noch nicht. Während die Chefin Fianna zum Morgenspaziergang mitnimmt, legt sich der Assi den Trauerwurm auf die Brust und unter die Weste, wie er es schon mit Jeannie getan hat, und die beiden ruhen unter inniger Zwiesprache auf dem Sofa, aber Jodel wird nicht lebendig, er knöttert nicht und stemmt sich nicht gegen die Brust, sondern jammert. Er hat einen säuerlichen Mundgeruch und statt Kot einen schleimig-gelben Ausfluss. Er nimmt auch keine Wärme an, er hat bereits den kalten Tod im Leib.
Ob Hedda das spürt? Wer weiß das schon! Jedenfalls verdrückt sie sich, während der Assi den kleinen Jodel wärmt, ins Familiengemach und zerfetzt dort das Laken und den Matratzenschoner der Chefin; das Zeug ist nur noch Lumpen. Warum denn gerade das Bettzeug der Chefin? Ist die etwa schuld? Nein, unerfahrene Hündinnen, die mit der ganzen Situation, mit ihren Welpen und ihren Hormonen im Unreinen sind, neigen schon mal zu Übersprungshandlungen. Jetzt gibt es eben neues Bettzeug. Das wird im Umlageverfahren auf den Welpenpreis draufgelegt, ist doch klar. 😊
Jodel lebt nicht mehrWeil Jodel kein gesteigertes Interesse am Leben zeigt, kommt es, wie es kommen muss. Wenn wir ihn zu Hedda legen, interessiert sie sich zwar für ihn, aber wendet sich gleich wieder ab. Sie kann mit ihm nichts (mehr?) anfangen. Wir bitten eine befreundete Tierärztin aus der Nachbarschaft, uns und Jodel den letzten Dienst zu erweisen. Fianna und Hedda sperren wir aus, damit sie keine Einwände erheben, aber seine letzten Atemzüge macht er zwischen seinen Geschwister (die sich leider überhaupt nicht für das Drama interessieren). Um 14:30 Uhr macht der kleine Jodelkönig die Augen für immer zu. Er wurde gewogen und fürs Leben zu leicht befunden. Und nun ist er der Einzige von uns, der die ganze Leichtigkeit des Seins sein eigen nennen darf.
Wir lassen Hedda
Alexandras letzter Grußund Fianna dazu
Jodels letzte Ruhestätteund erleben den Unterschied zwischen einer jungen und einer lebensweisen Hündin: Hedda schnüffelt das tote Bündel kurz ab und stupst es an, dann ist es für sie erledigt. Fianna scannt den Zwerg dagegen über eine Minute von oben nach unten und zurück. Man glaubt, sie denken zu hören. Und dann hat auch sie einen Haken dran – nur wir nicht. Der Mensch ist offenbar fürs Leben noch weniger geeignet als ein kleiner Jodelkönig. Dem schaufeln wir ein kleines Grab und legen ihn zwischen Rhododendren, wilden Erdbeeren und Bärlauch zum Schlafen. Ein Stein drauf, damit er Ruhe hat, ein Herz dazu und eine Vase mit einer Pfingstrose. So kurz kann ein Leben sein und so tief kann es rühren.
Seine Geschwister machen indes Rabatz, weil offenbar die Essenszeit überschritten ist. So banal kann das Leben eben auch sein. Uns hilft es: Wir haben wieder zu tun.
Das Leben beim Bairischen Blues geht weiter, mal ein bisschen umflort, mal ein bisschen leger. Das Personal ist umflort, die ahnungslosen Zwerge entscheiden sich für leger. Die Leichtlebigen haben es halt immer leichter, weil sie alles auf die leichte Schulter nehmen. Die Bande ist putzmunter und quietschvergnügt. Und sie nehmen zu wie Maden im Speck. Also werfen wir eben einen Blick auf die Gewichte.
Jackl 610 (+20), Jazz 620 (+50), Janitschek 570 (+30), Jeannie 480 (+10), Joschi 610 (+40), Jule 450 (+40), Jasna 550 (+20), Judica 600 (+60). Wir überlassen es den geneigten Lesern, sich selbst ein Urteil zu bilden, ob Hedda zur Mutter taugt oder nicht. Bevor uns irgendwelche wachsweichen Eiereien zu Ohren kommen: Hedda ist eine großartige Mutter! Sie ist engagiert und rührig und hat Milch wie eine Allgäuer Preiskuh. Die Zwerge haben nämlich am zweiten kompletten Lebenstag bereits 240 g zugenommen und das ergibt ein Durchschnittsgewicht von 542 g. In dieser Kiste leidet niemand an Unterversorgung.
Trotz ihres Engagements gönnt sich Hedda aber auch ihre eigenen Freiräume, legt sich mal in den Garten, besteht auf einen kurzen(!) Spaziergang, liegt im Eingangsbereich, ist aber sofort zur Stelle, wenn irgendein Laut ihre mütterliche Wachsamkeit erregt. Sie macht das uneingeschränkt gut.
Aber auch Fianna hat sich bereits bestens arrangiert. Keine Rede davon, dass sie ihrer Tochter vorbetet, wie sie es zu machen hat, sie mischt sich nicht ein, sie zickt nicht, sie gockelt nicht, sie ist einfach ein Traum. Allerdings: Sowie sich die Gelegenheit ergibt, wenn niemand zugegen ist, kann sie es nicht lassen, einen Blick in die Schnullerbox zu werfen und ihre Nase hineinzustecken. Sie ist eben eine Mutter mit Leib und Seele. Und so ist es dann auch nachvollziehbar, wenn ihr der nächtliche Gang ins Schlafzimmer so schwer fällt wie anderen Leuten der Gang zum Zahnarzt.
Heddas Temperatur ist auch heute vorbildlich; dreimal haben wir gemessen und sie bewegt sich stabil zwischen 38,5° bis 38,7°. Der Stuhl ist breiig, aber weit von einem Durchfall weg. Die Medikamente scheinen demnach anzuschlagen. Wenn es so weitergeht…
Zum jetzigen Zeitpunkt ist natürlich in der Welpenkiste nicht viel mehr los als Schlafen und Trinken, das allerdings bereits mit dem bekannten Stöhnen, wenn die süße Milch kommt. Wie bei Harry und Sally geht es dann zu. Diese Ereignislosigkeit stürzt die Fotografen auch bei jedem Wurf in einen Zustand der Verzweiflung: Soll und kann man denn jeden Tag Bilder von bräsigen Maulwürfen veröffentlichen? Und dass es inzwischen Jazz ist, die bei jedem Bettenwechsel versucht auszubüxen, gibt fotografisch auch nicht viel her.
Da lenkt man sich dann besser ab, indem man 12 Kilo Hähnchen kocht, zerkleinert und einkocht, damit die Mutter und später die Welpen hochwertiges Eiweiß bekommen können.
Donnerstag, 27. Mai 2021
Grau begrüßt uns der Morgen nach Jodels Abschied und der Himmel heult sich aus. Beim Blues geht indes alles seinen neunmal geübten Gang. Die Waschmaschine und der Trockner stehen kurz vor dem Kollaps, die Leberwurst ist auch schon wieder alle, weil Fianna auf einen Rektalzwieback besteht, ohne ihn sich verdient zu haben und der Assi weiß noch immer nicht, welche Hunde welche Markierungen haben. Deswegen ist er zu Recht nur Assi.
Aber wiegen kann er schon, und die Ergebnisse machen ihn sehr zufrieden und nötigen ihm bezüglich der milchspendenden Mutter gehörigen Respekt ab:
Jackl 670 (+60), Jazz 660 (+40), Janitschek 640 (+70), Jeannie 550 (+70), Joschi 670 (+60), Jule 470 (+20), Jasna 610 (+60), Judica 660 (+60). Das macht alles in allem eine Zunahme von 440 g, was man in diesem Alter auch einen Tsunami nennen könnte, und ein Durchschnittsgewicht von 616 g. An Appetit fehlt es der Bande augenscheinlich nicht, nur Julchen, unser Leichtgewicht von Anfang an, bleibt bei ihren Leisten und lässt sich nicht auf eine Speckrollen-Party ein. Sie genießt und ist wohlauf.
Heute hat das Personal
einen Auswärtstermin, deswegen sind wir sehr froh, dass Angela, die Mutter unserer Kreißsaal-Assistentin Alexandra, das Babysitting übernehmen kann – und vor allem auch gerne will. Später stößt dann auch Alexandra dazu, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, einen ersten nachgeburtlichen Blick auf ihre Schützlinge zu werfen. Herzlichen Dank euch beiden.
Bei unserer Rückkehr ist erwartungsgemäß alles im Lot und im Reinen.
Und damit hat dieser Donnerstag auch schon ausgedient; mehr ist von heute nicht zu berichten.
Freitag, 28. Mai 2021
An einem Freitag Ende Mai, der immer noch ein Herbst ist, selbst wenn uns die Wetterfrösche erzählen, dass dieser Mai nur 0,1 °C unter dem langjährigen Mittel liegt, an einem solchen Freitag also, der in den vergangenen Jahren vermutlich 2 °C über dem langjährigen Mittel gelegen hätte und uns deshalb, trotz der vielstimmigen Klagen des Landvolks, am Achtersteven lieber war als der diesjährige langjährige Herbst kurz vor dem Sommeranfang, an einem solchen Freitag also, sollte man sich nicht mit langen Vorreden aufhalten (sic!) und sich umgehend mit den zentralen Fragen des Lebens und Überlebens befassen. Konkret heißt das, wir werfen einen Blick in die Gewichtstabelle, der auch beim Blues meist der erste morgens ist. Heute sortieren wir die Kandidaten mal nicht nach ihrer Geburtsreihenfolge, sondern anhand ihres Fettgehalts.
Da hätten wir zuerst den
Joschi subtil dauerinhalierenden Joschi, von dem Insider schon jetzt behaupten, sein kleiner weißer Bruststrich wäre in Wahrheit eine Milchspur. Er bringt heute Morgen 770 g auf die Waage und damit bescheidene 100 g mehr als gestern. Ihm ist Jackl mit 750 g (+80) auf den Fersen, und womöglich zeichnet sich darin schon jetzt das Bullenrennen der Zukunft ab. Allerdings: Unterschätzt mir die Mädels nicht! Mit 740 g (+80) hält Jazz noch locker mit und Judica mit ihren 730 g (+70) hat auch noch alle Optionen offen. Ihnen folgt
JuleJanitschek im Niemandsland zwischen Spitzengruppe und Leichtgewichten: 700 g (+60). Dann wird’s grazil und lieblich: Jasna 640 g (+30), Jeannie 630 (+80), die Nachholbedarf hat und dabei voll in der Spur ist, und den
JeannieSchluss markiert die äußerst lebensfrohe, aber zarte Jule mit 550 g, was aber auch 80 g mehr sind als gestern. Gemeinschaftlich haben sie stramme 580 g zugenommen und ein Durchschnittsgewicht von knapp 689 g erreicht. Um 580 g Gewicht draufzulegen, musste Hedda über 1 Liter Milch liefern. Sie will sich demnach nichts nachsagen lassen und tut, was sie kann. Wenn es in diesem Tempo weiterginge, würden wir nach acht Wochen acht Hängebauchschweine vom Hof jagen, aber keine Hovawartwelpen. Aber so wird es ganz sicher nicht weitergehen. Fürs Erste bedeutet das nur, dass bei den Zwergen und der Mutter alles läuft und demnach auch die Milch in Strömen fließt.
Und schon kommt es genau so, wie vermutet und geunkt: Hedda zieht sich von ihren Kindern zurück. Der Grund liegt darin, dass sie wieder starke Nachwehen hat. Offensichtlich hat sie ihre Geburtswege noch nicht von den Blut- und Gewebsresten freibekommen: Das muss jetzt alles raus, wie es der Einzelhandel formulieren würde. Im Duktus des Chronisten handelt es sich um einen postnatalen Exorzismus. Dass sie ernsthafte Probleme hat, erkennen wir daran, dass sie immer wieder einen Wehenbuckel macht, die Rute ausstellt, als ob sie einen weiteren Zwerg loswerden wollte. Dabei ist es ihr im Wohnzimmer passiert, dass sie beim Pressen gleich die Blase mit ausgepresst hat. Platter… Sie bewegt sich auch nicht mehr harmonisch, sondern eher steif und staksig, eben wie jemand, dem das ganze Chassis schmerzt. Einerseits ist es gut und wichtig, dass der ganze Restmodder ausgewaschen wird, andererseits beeinträchtigt das die Hündin offenbar erheblich, was nicht zu ihrer Kinderbegeisterung beiträgt. Für uns ist das wichtigste, dass Hedda weiterhin kein Fieber hat und ihre Temperatur sich stabil im nachgeburtlichen Bereich von 38,2° bis 38,6° bewegt. Solange das so bleibt, ist kein Alarm angesagt.
Dennoch lässt uns die Situation keine Ruhe. Zudem steht ein Wochenende bevor, da möchte man nur ungern in eine schwer zu beherrschende Kalamität laufen. Wir rufen bei unserem Tierarzt an und bekommen für 21 Uhr einen Termin. Um 20 Uhr drängt Hedda wieder einmal in den Garten und presst in ziemlich starken Wehen einen kleinen Fetzen Nachgeburt aus. Ihr ist nicht wohl in ihrer Haut. Um 21 Uhr ist sie dann mit der Chefin beim Tierarzt, während der Assi den Stall hütet. Hedda wird durchgeschallt, außerdem wird ein Abstrich gemacht: keine Infektion, keine Entzündung, aber offensichtlich noch Restmüll in den Geburtswegen. Sie bekommt Oxytocin gespritzt, um weiter Wehen auszulösen, braucht aber kein Antibiotikum. Um 22:15 Uhr sind die beiden wieder zurück.
Die Zwerge haben unterdessen größtenteils fest geschlafen, gelegentlich ein wenig über den mangelnden Nachschub protestiert, waren aber sehr handzahm. Nun aber haben sie ordentlich Kohldampf und Hedda muss gleich wieder in die Bütt. Ein bisschen Überredung braucht sie schon, aber dann legt sie sich hin.
Das tun wir jetzt auch, sehr gespannt und ein wenig besorgt über die nächste Zukunft. Wer hätte jemals gedacht, dass man beim Blues besorgte Bürger finden würde? Nur Fianna hat ihre Bedenken großzügig zu den Akten gelegt und braucht nur wenig Nachhilfe, um sich mit Herrchen im Schlafgemach einzurichten. Wenigstens sie ist normal.
Samstag, 29. Mai 2021
Die Nacht ist ruhig, Hedda muss nachts mehrmals zum Pressen und Pipimachen raus. Sonst meldet die Chefin aus dem Kinderzimmer keine Vorkommnisse.
Spannend ist jetzt, wie sich der gestrige Versorgungsausfall auf der Waage abbildet. Das Ergebnis könnte man etwa folgendermaßen interpretieren: Der frühe Vogel frisst den Wurm, den späten wurmt es hinterher. Späte Vögel sind Joschi und Jule, die beide eine Nullnummer liefern und bei ihren Gewichten von 770 g und 550 g bleiben. Zumindest Joschi dürfte mit diesem Gewicht nicht in den Unterzucker laufen und Jule macht auch keinen verwahrlosten Eindruck; vielleicht möchte sie ja demnächst bei Germany’s Next Top Model an den Start gehen. Die Aussichten stünden nicht schlecht. Alle anderen haben mehr oder weniger gut zugenommen, was die folgende Rennliste ergibt, in der Joschi zwangsläufig seine Pole Position verliert. Jackl 820 (+70), Jazz 790 (+50), Joschi 770 (0), Judica 750 (+20), Janitschek 740 (+40), Jasna 700 (+60), Jeannie 660 (+30), Jule 550 (0). Insgesamt legen die Jammertäler 270 g zu und bringen eine Durchschnitt von 722 g auf die Waage. Die Umstände geben keinen Anlass zur Sorge, dass beim nächsten „Stromausfall“ die ganze Brut an Hungerödemen zugrunde geht.
Unsere Erfahrung, besser früh einzugreifen, als hinterher in ernsthafte Probleme mit Fieber, Stress und plärrenden Welpen zu laufen, hat sich bewährt. Hedda presst immer noch heftig, schiebt aber jetzt deutlich mehr Abraum aus sich heraus. Unsere gemeinsamen Aufenthalte unter der Dusche häufen sich, aber Hedda lässt das gern mit sich geschehen. Ihre Temperatur ist weiterhin stabil entspannt, sie hat einen klaren Blick und ist völlig normal. Fast völlig normal, denn jetzt drückt sie sich zunehmend vor ihren Mutterpflichten!
Das kommt davon, wenn man den Teufel mit
Posttraumatische Versorgungsstörung?dem Beelzebub austreibt. Aber die Alternativen sind uncharmant. Der Teufel sind die Geburtsreste in Hedda, der Beelzebub das Oxytocin. Wir haben schon bei Anouk Oxytocin gegeben, weil sie so schlecht abblutete und in Fieber über 40° lief und so moderig stank, dass sogar Franzi im Keller verschwand. Der Unterschied bei Anouk war, dass wir ihr in häuslicher Therapie mehrmals kleinste Dosen spritzten, die sehr moderate Kontraktionen auslösten und Anouk sehr schonend wieder auf die Beine brachten. Hedda bekam gestern eine veterinär-medizinisch übliche Dosis, die kraftvoll zupackt. Grundsätzlich ist das nicht verwerflich, hat aber den Nachteil, dass jetzt zu den eh schon manifesten Gebärmutterkontraktionen noch die vom Saugreflex ausgelösten hinzukommen – auch das Säugen verursacht Kontraktionen – und das findet Hedda nun des Guten zu viel und verknüpft die unangenehmen Gefühle mit den Welpen. In dieser Logik muss sie sich ihre Welpen konsequenterweise vom Bauch fernhalten. Sie verweigert die Schnullerbox. Wir können ihr das eigentlich nicht übelnehmen. Wer hätte dafür kein Verständnis? Aber für ein Selbstverwirklichungs-Wochenende mit Schalmei und Schamane ist jetzt die falsche Zeit: Sie muss in die Kiste, und dabei müssen wir sie eben ein wenig unterstützen, ihr das Vertrauen geben, dass sie das schon hinbekommt, auch wenn es gerne vermeiden würde. Und das klappt, allerdings müssen wir bei ihr sitzenbleiben, ihr mit kleinen Leckereien das Unangenehme schmackhaft machen und sie in einer Dauerschleife loben. Ja, man könnte sich die ganze Angelegenheit geschmeidiger vorstellen, aber so geht es auch und so wächst man schließlich auch zu einem unschlagbaren Team zusammen. Trotz aller Nickligkeiten geht es uns, im Vergleich zu manch anderen, noch richtig Gold. Sorgen hat man immer, Sorgen um die Hündin und Sorgen um die Kinder, aber diese Sorgen, so berechtigt sie sind, so beherrschbar sind sie. Sofern es dabei bleibt…
Mittags machen
Jazz
Jacklwir dann die ersten Einzelportraits der Welpen, ein heißersehnter Service für die bildergierigen Welpenkäufer. Zwar sehen die Knirpse immer noch alle wie frisch gebadete Maulwürfe aus, aber selbstverständlich werden ihnen von ihren heimlichen Anhängern bereits erste extraordinäre Eigenschaften zugeordnet, welche nur sie telepathisch per WhatsApp empfangen,
Jeanniedie dem Rest der Welt sowie den Züchtern jedoch für alle Zeit
Janitschekverborgen bleiben werden. Längst plädiert der Chronist den üblichen soziologischen Gruppen von Reichen, Superreichen, Mittelgeschichteten, Unterschichtigen, Dummen und Klugen, Bildungsnahen, Bildungsfernen und Bildungsresistenten, Klugen, Schlauen, Doofen, Säufern, Trinkern , Fressern, Hungerkünstlern, Ästheten, Grobianen, Rauchern, Nichtrauchern, Skrupellosen und Feinsinnigen, Ballermännern und
JuleBaumumarmer
Jasnan, Lustigen und Trauerklöpsen, und, ach, wer weiß nicht, wem sonst noch alles, eine Gruppe der Welpenkäufer hinzuzufügen, die eine gesondert zu betrachtende Untergruppe der Reichen, Superreichen, Mittelgeschichteten, Untergeschichteten, etc. wären; nur aus der Gruppe der Dummen sollte man sie entfernen, denn solche sucht man unter Hovawartkäufer meist erfolglos – sonst wären sie keine Hovawartkäufer. Solche soziologischen B
Joschie
Judicatrachtungen entstehen zwangsläufig während der Fotoarbeiten, um dem Unmut über die wieselflinken Portraitverweigerer etwas Meditatives entgegenzusetzen, die Ungeduld einzuhegen und den Schaden an der eigenen Seele in Grenzen zu halten. Es wäre zu überprüfen, wie viele große Denkerkarrieren ihre Anfänge in der Welpenfotografie nahmen.
Nach dem Abendmenü können wir Heddda überzeugen, sich wieder zu ihren Kindern zu gesellen, und dann bietet sie ihnen eine halbe Stude lang den vollen Mammaservice, füllt sie ab und pflegt sie. Die Kleinen hören gar nicht mehr auf zu genießen, Joschi, vom heutigen Wiegeergebnis noch unter Schock, klappert jede Zitze nach verwertbaren Restbeständen ab und wird auch immer fündig. Währenddessen betreibt Hedda intensive Intimpflege bei ihren Kindern, damit die Kleinen hinten loswerden können, was sie sich vorne einflößen. Bei dieser gesamten Fütterung sehen wir erstmals keine Wehe, die Hedda durchläuft. Allerdings beginnt heute Abend die Zeit der strengen Düfte, denn jetzt fangen die Welpen an, echten Kot zu produzieren, den ihnen die Mutter ausmassiert. Wenn es nach dem Chronisten ging, könnte er auch gerne drinnen bleiben.
Bei der anschließenden Zitzeninspektion stellen wir fest, dass Heddas Gesäuge schon kräftig von den Zugriffen ihrer Kinder gezeichnet ist; Kratzer und Schrunden allüberall. Das heißt: Krallen schneiden! Entzündungen können wir jetzt am allerwenigstens brauchen. Der Zeitpunkt ist günstig, denken wir, denn die Zwerge sind pappsatt und schläfrig vom Verdauen, meinen wir. Also werden sie aus der Kiste geholt, auf den Schoß des Assis gehoben und nach alter Bader-Manier zurechtgestutzt. Der altgediente Bader-Assi hat immer noch die ruhigere Hand als die hypermotorische Chefin. Dann mal los…
Fassen wir
Judica kämpft um ihre Designernägeldie nun folgenden 20 Minuten der Einfachheit halber so zusammen: Des Menschen Einbildung übersteigt seine Bildung bei weitem. Oder anders ausgedrückt: Unterschätze nie den Überlebenswillen von einwöchigen Welpen! Wenn der eingebildete Mensch meint, die ganze Situation und die Welpen im Griff zu haben, irrt er gewaltig. Nicht eine(r) dieser acht Überlebenskünstler ergibt sich kampflos, alle wehren sich nach Kräften, als ginge es um ihr kleines nacktes Leben und als hätte sich die Lügenparole herumgesprochen, wir hätten den bedauernswerten Jodel auf dem Gewissen und würden auch ihnen nach dem Leben trachten. Dementsprechend zeigen sie es dem Baderwastl, und packen alles aus, was an
Janitschek gehts leger anKraft und Geschmeidigkeit bereits jetzt in ihren Maulwurfskörpern schlummert. Am gewaltigsten drückt Judica ihr Missfallen aus, zäh, hartnäckig und trickreich wie eine Partisanin, und wenn sie schon Zähne hätte, trüge der Assi jetzt ihre Wundmale zu Bett. Alle wehren sich nach Kräften und Möglichkeiten – außer Janitschek. Der setzt auf eine Art Kaffeehaus-Widerstand, weil er möglicherweise die Pflege seiner feschen Marken für zukunftsweisender hält als den Ruf als Samurai. Vielleicht hat er schon mal etwas vom Beruf eines Markenbotschafters gehört und verspricht sich davon einiges. Das heißt aber nicht, dass er keinen Widerstand leistet, das schon, aber nur bis zu dem Punkt, an dem der gegnerischen Widerstand einsetzt. Auch eine Strategie. Entscheidend ist, dass alle unversehrt aus der Prozedur kommen, keinem ein Härchen gekrümmt wurde, alle Zehen noch an Ort und Stelle sind. Blut ist keines geflossen, nur die Krallen sind ein wenig gestutzt. Altes Bader-Handwerk eben. Und auf die Guillotine hat der alte Herr Bader eh noch nie keinen geschickt.
Sonntag, 30. Mai 2021
Heute Morgen sieht Heddas Darmproduktion schon wieder sehr ermutigend aus, man kann sagen, sie hat fast wieder einen normalen Stuhl. Ihre Temperatur stabilisiert sich langsam immer ein wenig mehr nach unten, liegt demnach jetzt im Schnitt knapp über 38°, was den Züchter glücklich macht, vor allem unter dem Aspekt der Geburtsreste in ihrem Bauch, mit denen sie immer noch zu tun hat. Aber es sieht danach aus, als ob wir an dieser Baustelle von ernsten Problemen verschont bleiben könnten.
Aber es zieht sie weiterhin nicht zu ihren Kindern. Wenn man sie dazu anhält, kommt sie dem nach und erfüllt ihren Auftrag auch gewissenhaft. Wobei es immer mehr den Anschein hat, dass Hedda nicht eigentlich Abstand von ihren Kindern halten möchte, sondern eher von den Kindern in der Schnullerbox. Denn wenn wir sie ins Kuddebett legen und ihr die Zwerge reichen, zickt sie nicht herum, sondern übt sich in Geduld und Kinderpflege. Offenbar verknüpft sie eher die Box mit ihren Wehentätigkeiten als die Kinder. Allerdings müssen wir auch im Kuddebett bei ihr sitzen, weil das brave Mädchen, jedem unserer Schritte getreulich folgt. Wenn wir weggehen, geht sie auch. Das hat man dann von solchen Schattenwesen. Jahrein, jahraus weiß man so etwas zu schätzen, aber manchmal bekommt man für diese Gefolgschaft auch die Quittung.
Ein Blick
Ausgebüxt – Janitschek und Joschiauf die Gewichte zeigt, dass Joschi bei seiner vom Überlebenskampf geprägten Noagerlsauferei gestern den anderen fast die ganze Milch abgegraben hat. 110 g hat er zugenommen, sich von 770 auf 880 g hochgeschlemmt und den Spitzenplatz zurückerobert. Ihm folgen Jazz (+70) und Jackl (+40) gleichauf mit 860 g. Judica bringt es auf 800 g (+50). 790 g (+50) wirft der Markenbotschafter Janitschek in die Waagschale. Dann tut sich eine Lücke auf: Jasna 700 (0), Jeannie 680 (+20) und Jule 600 (+50). In Summe beträgt die Auflastung 390 g und das Durchschnittsgewicht liegt heute bei 771 g.
Trotz dieser unverdächtigen Milchleistung macht uns heute eine Zitze etwas Sorgen. Das Problem besteht ja darin, dass die Schnuller möglichst gleichmäßig und am besten komplett leergepumpt werden sollen. Geschieht das nicht, ergibt sich ein Milchstau, also Dickmilch anstatt Vorzugsmilch. Grundsätzlich ist gegen
Heddas leidgeprüfte ZitzeDickmilch nichts einzuwenden, sie soll ja auch sehr gesund sein, nur bei einer laktierenden Hündin ist sie eher unerwünscht. Auch in dieser Disziplin haben wir unsere Erfahrungen gesammelt und werden schnell nervös, wenn uns da etwa auffällt. Heute fällt uns eine gut gefüllte, aber eben auch etwas zu feste Zitze auf. Wenn wir nicht demnächst eitrige Milch auspressen und Quarkwickel auflegen wollen, sollten wir schnell handeln. Wir legen drei der stärksten Trinker an diesen Zapfhahn und lassen sie machen, aber sie kriegen ihn nicht frei, weil vorne schon ein ziemlich fester Pfropf sitzt und die Milch dahinter nicht durchkommt. Wir legen Hedda im Garten in die
Milchgeysirstabile Seitenlage und dann macht sich die Chefin an eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Ausdrücken. Meist handelt es sich dabei um Talgknubbel oder Mitesser, aber eine verstopfte Milchdrüse tut es auch. Nachdem die Dickmilch herausgepresst ist, spritzt die leckere Sahne 30 bis 40 cm hoch aus Hedda heraus. So etwas hast du noch nicht gesehen! Eine beispiellose Verschwendung ist das; die Hungerhaken verzehren sich nach Manna und hier schießt das Lebenselixier wie ein Geysir ins Leere und macht niemanden mehr satt. Schade drum, aber uns ist es lieber als Topfen mittels Quarkwickel (und unter Fieber) zu entfernen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir noch dokumentieren, dass die Spitze dieser Zitze schon angeknabbert ist und etwas absteht. Wie schaffen die das? Die haben doch noch gar keine Zähne! Und die Krallen sind auch bereits gekappt. Vielleicht sollten wir statt Calendulasalbe besser Tabasco auftragen.
Ganz frei bekommen wir den Milchschnuller nicht, aber wir sind zuversichtlich, dass sich die Zwerge so lange an ihm abmühen, bis er wieder fließt. Zur Not muss Joschi ran. Bis wir den Tag beschließen, brauchen wir keinen Quarkwickel und kein Antibiotikum. Die Jabberwockys erweisen sich als richtige Schlabberwockys und füllen sich engagiert und geräuschvoll ab.
Montag, 31. Mai 2021
Heute Morgen, 31. Mai um 6:30 Uhr: 3 °C und der Nachttau auf der Windschutzscheibe ist angefroren. Morgen, so erzählt man sich, sei der meteorologischer Sommeranfang. Wenn so die Erderwärmung aussieht, wollen wir sie nicht haben! Aber der Himmel über dem Mangfalltal ist blau, so blau wie der Punkt auf Jules Schulter. Es wird ein makelloser Frühlingstag, der es aber nicht über 20 °C schafft.
Hedda darf heute Morgen einen langen Spaziergang mit Fianna, ihrem Frauchen und der Herzensfreundin Krümel machen: Einmal um den Speichersee bedeutet für sie fast eine Stunde Kinderfreizeit; denn noch immer legt sie sich nicht aus freien Stücken zu ihren Kindern und braucht etwas Ermutigung. Mit ein bisschen Hilfe ist sie dann jedoch Mutter ohne Punktabzüge. Noch immer hat sie sporadische Gebärmutterkontraktionen, und wir sind sehr gespannt, ob sie sich nach deren Verschwinden wieder proaktiver, wie man heutzutage sagt, ihrem Nachwuchs zuwendet.
I
Jeannienteressant ist, dass von Heddas Milchverknappung immer ein Jollyjoker profitiert und die anderen sich mit dem Rest abfinden müssen. Vor allem Joschi ist es, der offenbar den Dreh, wie man an Milchsubventionen kommt, am besten raushat; einmal waren es 100 g, einmal 110 g, einer Karriere als Bauernlobbyist steht somit nichts im Wege. Aber 60 bis 80 g haben die meisten irgendwann mal geschafft. Heute ist es die zauberhafte Jeannie, die uns mit satten 110 g glücklich macht. Von einer Geburtsdepression ist bei ihr nichts mehr zu spüren. Der Reihe nach: Jackl 890 (+30), Jazz 930 (+70) übernimmt die Spitze und verdient sich den Kampfnamen „Mampf-Mamma“, Janitschek 840 (+50), Jeannie 790 (+110), Joschi 910 (+30), Jule 610 (+10), Jasna 730 (+30) und Judica 810 (+10), insgesamt 340 g mehr bei einem Schnitt von knapp 814 g.
Und damit ist über die erste Woche der Jays alles berichtet. Eine Woche haben wir und die Zwerge bereits hinter uns gebracht, leider nicht ohne Verlust. Wer schon einmal einen Welpen zu einem späteren Zeitpunkt verloren hat, weiß, wie viel größer der Schmerz dann ist. Wir hätten schon jetzt gerne darauf verzichtet. So etwas braucht niemand. Wir danken dem unglücklichen Königsjodler dennoch, dass er den Weg zu uns gefunden hat, weil wir auch nur so seinen Verlust empfinden können. Wir behalten dich, kleiner Jodel, in unseren Herzen, wie wir auch deine frühen Vorgänger Atlan und Dylan nicht vergessen haben.
Zugegeben, es war eine anspruchsvolle und sorgenvolle Woche, wir können uns an entspanntere erinnern, aber auch an quälendere. Die meistkolportierte Erzählung ist die, dass die erste Woche die coolste sei, sozusagen easy-going, weil die Hündin ja alles selbst erledigt, die Kinder süß und knutschig sind, nicht nerven oder sich nicht unentwegt aus dem Staub machen und überall ihre stinkenden Daseinsnachweise hinterlassen. Und einem dabei auch noch ständig an den Beinkleidern und Nerven zerren. Doch gerade beim ersten Wurf einer Hündin weiß man nie, wie sie sich verhält, ob sie genug Milch hat und wie sie sich den Welpen gegenüber verhält. Wie wir gesehen haben, kann Vieles passieren und auf alles sollte man gefasst sein. Von einer entspannten Woche kann nicht die Rede sein. In unserem Fall bereichert noch eine äußerst kinderaffine Oma das Bild, und auch bei ihr weiß man vorher nicht, was man zu erwarten hat und welche Schwierigkeiten sich ergeben. So ein erster Wurf ist immer eine Lotterie.Hedda hat das Erbe ihrer Oma Franzi in den Genen, die einerseits eine höchst robuste Rabaukin war, aber andererseits mit Wehwehchen nur schlecht umgehen konnte. Hedda ist ihr darin sehr ähnlich, sie hat sehr viel von ihrer Oma: Sie ist schnell wie ein Skorpion, sehr beweglich, arbeitsfreudig, blitzgescheit und überaus freundlich. Und sie ist, wie ihre Oma, bereit, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, aber wenn die Wand dagegenhält, ist der Aua-Faktor groß. Ein bisschen sich das Bein vertreten, kann schon mal den Ruf nach dem Notarzt auslösen. In der Tiefe ihrer zauberhaften Seele ist sie eine Art weiblicher Jürgen von der Lippe: ein Hypochonder mit starkem Auftritt. Das macht sich jetzt bei ihren Problemen mit den Geburtsrückständen und den künstlichen Wehen bemerkbar. Da möchte sie lieber in ihrer Mupfel verschwinden und auf ein baldiges Ende der Zumutungen hoffen. Wir vermuten stark, dass das Oxytocin ihren Hormonhaushalt heftig durcheinandergeschüttelt hat, weil sie die Mutterinstinkte nicht mehr abrufen kann, was sie vor diesem Eingriff leidenschaftlich konnte. Wir sind gespannt, ob sich das ändert, wenn die Wirkung des Hormons aufhört. Wir glauben sicher, dass sich ihre vollen Mutterinstinkte wieder durchsetzen, wenn die Aufräumarbeiten in ihrem Bauch beendet sind. Erste Hinweise auf eine Rückkehr zur Normalität sind uns nicht entgangen. So ist sie ein starke Befürworterin kurzer Pipi-Runden, um schnell wieder bei ihren Kindern zu sein. Längere Ausgänge versucht sie übers Tempo zu verkürzen. Auffällig ist, dass sie Fianna zur Seite drängt oder sich vor der Schnullerbox querstellt, wenn sie sich ihr mehr als gebührlich nähert. In dieser Hinsicht lässt sie über Urheberschaft und Zuständigkeit keine Zweifel aufkommen. Aber sie erledigt das immer charmant und mit einer Rose im Knopfloch. Auch nachts besucht sie ihre Zwerge immer wieder mal, sieht nach dem Rechten und vergewissert sich, dass noch alle da sind. Nur zur Fütterung ist sie eben aus den beschriebenen Gründen noch nicht ohne Unterstützung bereit. Aber das wird wieder. Momentan ist sie unzweifelhaft hormonell ein wenig durch den Wind und generell etwas wehleidig – nichts, was nicht in den Griff zu kriegen wäre. Wir schaffen das!
Aber wenn wir jetzt mal das Jammermodul abschalten, haben wir nicht allzu viel Grund zu klagen: Die Welpen gedeihen, die Mutter wird die Kurve kriegen, die Oma wacht über uns alle, der Frühling ist auch schon erwacht und wenn das Wetter in den nächsten Wochen Outdoor-freundlich wird, sind die Lasten der ersten Woche schnell vergessen.
Dienstag, 1. Juni 2021
Wie ein wunderbarer luftiger Frühling beginnt der erste Sommertag, an dem er sich zu wolkenlosen 23 °C aufschwingt. Den Jadwigas und Jaromirs in der Schnullerbox des Blues ist das reichlich Banane, aber uns halt nicht. Wir freuen uns auf Wärme und darauf, dass nun alles für eine coronare Entspannung angerichtet ist. Und ausgerechnet jetzt liegen diese quengelnden Energiebündel in der Blues-Kiste und torpedieren mit ihrer bloßen Existenz, dass wir von diesen zarten Sommerfrüchten naschen dürfen, indem wir beispielsweise im Garten unseres Lieblingsreataurants, hoch über Bad Aibling, sitzen und den lauen Abend bei feinen Speisen genießen. Bis die Bande endlich draußen ist, hat der Wirt bestimmt schon sein ganzes Pulver verkocht oder die Kurgäste sind wie Heuschrecken über ihm eingefallen und haben ihn ratzeputz leergefressen. Oder es kommt schon die nächste Welle…
Hat denn wenigstens der schlaue Bauer einen Trost? Schönes Wetter auf Fortunat, ein gutes Jahr zu bedeuten hat. Immerhin, auch wenn der Reim holpert wie ein Bulldog auf dem Stollenacker. Heute ist der Tag des Fortunatus und wir werden ihn auch beim Wort nehmen, den selbsternannten Glücksbringer.
Werfen wir erst einmal einen Blick auf die Zwergengewichte. Weil die letzte veröffentlichte Chronik des Blues schon eine Woche zurückdatiert, lohnt es sich dort anzuknüpfen und gleich zu Beginn eine Richtigstellung vorzunehmen.
JeannieAm Montag, den 31. Mai haben wir über Jeannies Gewichtexplosion gejubelt, weil sie 110 g zugenommen habe. So, wie wir da gejubelt haben, fährt uns heute Morgen der Schrecken in die Glieder: Jeannie hat von gestern auf heute 50 g abgenommen! 50 g von 790 g, so schnell schmelzen nicht einmal die Polkappen und das ist schon furchterregend genug. Aber an der kleinen Zauberin ist überhaupt nichts Erschreckendes, sie freut sich ihres Lebens und zeigt keinerlei Spuren von Auszehrung. Deshalb geben wir in diesem Zusammenhang einen morgendlichen Wägefehler zu Protokoll: Wir haben am Montag – Schlafblick? Morgenlicht? – der Waage etwas Falsches abgelesen. Oder wir haben in morgendlicher Unterzuckerung anderthalb Pfund Brot auf die Waage gelegt und geglaubt, es sei Jeannie. Wie falsch unsere Messung tatsächlich war, wissen wir nicht, ein Fehler war sie.
Aber auch heute haben wir einen Knalleffekt zu vermelden: Jackl, den eine der Rüden-Aspirantinnen bereits als den „Bürgermeister“ der Knirpse bezeichnete, dieser Jackl hat von gestern auf heute – Achtung! – 150 g zugenommen, von 890 g auf 1040 g. Wir überprüfen die Digitalanzeige zweimal, und sie bleibt dabei: 1040 g. Das ist fast ein Sechstel seines bisherigen Gesamtgewichts an einem Tag! Damit lässt er sogar „Mampf-Mamma“ Jazz und den nimmermüden Joschi alt aussehen. Aber sehen wir uns die ganze Wahrheit in ihrer specktakulären Reihung an:
Jackl 1040 (+150), Joschi 990 (+80), J
Joschi und Jacklazz 990 (+60) … und dann kommt lange nichts. Weiter geht’s mit Judica 880 (+70), Janitschek 840 (0, aufwachen kleiner Träumer!), Jasna 760 (+30), Jeannie 740 (-50, Fehlerkorrektur) und Jule 680 (+70). Wenn diese Acht ein Ruder-Achter wären, wäre Jackl nicht der Bürgermeister, sondern der Schlagmann, aber so einer, mit dem das ganze Boot einen Schlag hätte wie er selbst und auf einem Schlag absaufen würde.
Was Hedda angeht, durcheilt sie nur noch äußerst selten eine Kontraktion, folgerichtig wird sie zunehmend gelassener, aber dennoch verliert sie jetzt wirklich viel Geburtsabraum; überall hinterlässt sie schleimige Blutspuren und Gewebsreste, das sieht zwar etwas eklig und erschreckend aus, ist aber genau das Gegenteil und vor allem notwendig. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie nun schon wieder das anfängliche Mama-Programm abruft, aber in dieser Hinsicht sind wir sehr zuversichtlich. Spannend ist zu beobachten, wie sie sich offenbar an die eigene Belastungsgrenze herantastet, denn vier Kinder am Bauch und in der Box meistert sie ohne Zucken, aber bei acht empfiehlt sie sich geschmeidig. Grundsätzlich wäre das auch kein Problem, wenn wir erst die Zarten zu ihr lassen würden (Jule, Jasna, Jeannie und Janitschek) und den vier Quartalssäufern den Rest zum Auslecken geben würden. Dafür würde einiges sprechen, wäre aber familienhygienisch problematisch.
Und den Zwergen geht es jetzt schon wie ihrer
Rudelschlummern im KuddebettMama: sie liegen mit Begeisterung im Kudde, was daran liegen mag, dass man aus diesem geradezu schwerelos entschwinden kann: Ein müheloser Schwung auf den Wulst und – plopp – schon ist man in der großen, weiten Welt. Meist kommt dann die Oma, die Augen und Ohren hat, wie sie nur erfahrene Mütter haben, und petzt beim Personal. Dann ist der Ausflug auch schon wieder vorüber und man kann einen weiteren Anlauf starten, bis das Sandmännchen die Regie übernimmt. Von nun an ist es egal, ob Kudde oder Kiste.
Nach nun neun Tagen lassen sich bereits erste Charaktereigenschaften der Welpen feststellen, zwar nur fragmentarisch, weil auffällig, aber immerhin. Joschi beispielsweise ist ein liebenswerter, zünftiger und offenbar sehr zufriedener Geselle, der aber möglicherweise nur deswegen so sehr in sich ruht, weil er unentwegt an der Füllgrenze satt ist und verdaut. Joschi ist nämlich ein gnadenloser Zitzenbulldozer, der seine Nahrungsaufnahme erst dann beendet, wenn er alle mütterlichen Zapfhähne auf Restbestände abgearbeitet hat. Bei dieser Umsetzung seiner Überlebensstrategie kennt er weder Bruder noch Schwester, dann panzert er durchs Zitzengelände und räumt alles ab, was ihm im Weg ist. Fatalerweise scheint er auch überall noch fündig zu werden, was seine Motivation anfeuert, weil Erfolg, wie wir wissen, der beste Lehrmeister ist.
Bezüglich der
Mamma Mia-BarTrinkfestigkeit unseres Nachwuchses müssen wir generell festhalten, dass wir so eine Saufpartie noch nie hatten. Joschi ragt in dieser Hinsicht nur als Spitze aus dem Milchberg, denn auch die anderen verlustieren sich unermüdlich, mal abgesehen von Ernährungsnormalos wie Jasna, Jule, Janitschek und, mit Abstrichen, Jeannie. Wenn sie nicht vorher vor Erschöpfung umkippen, suchen die anderen zwanzig Minuten zäh und erbarmungslos an ihrer Mutter herum, obwohl dort nach zwanzig Minuten definitiv nichts mehr abzugreifen ist. Das ist der Grund, warum sich Hedda schon jetzt mit multiplen Schändungen ihres Gesäuges herumschlagen muss. Wenn man das in die Betrachtungen einbezieht, schlägt sie sich wirklich tapfer und hat mehr als einen Grund, die eine oder andere Mahlzeit ausfallen zu lassen. Das ist nicht nur der inzwischen fast völlig verschwundene Leibschmerz infolge des Oxytocins, das ist reiner Eigenschutz.
Mittwoch, 2. Juni 2021
Wir könnten die heutige Chronik mit dem Wetter beginnen (schön, warm und makellos), das tun wir aber nicht. Wir könnten auch den Bauernschlaumeier zu Wort kommen lassen, aber das werden wir auch nicht. Wir könnten mit dem Knaller aufmachen, dass Hedda heute erstmals nach dem Wurf in der Mangfall baden war; aber das ist kein Aufmacher, sondern ein Langweiler, weil bisher wenig Gelegenheit zum Baden bestand. Natürlich könnten wir das Gewichtmanagement an den Beginn unserer Erörterungen stellen. Und auch das ist uns, vor allem dem Chronisten, der Rede erst später wert.
Der Chronist besteht darauf, das erste Wort C
Dauertrommler Charlieharlie Watts, dem Trommler der Rolling Stones, zu widmen, der heute 80 Jahre alt wird. 80 Jahre – und noch immer sitzt er hinter seinem Rührwerk und arbeitet sich eineinhalb oder zwei Stunden ab. Wenn man ihn so sieht, scheint er eine späte Replik jener unermüdlichen Trommeläffchen aus den Gründerjahren dieser Republik zu sein. Mick Jagger drückte schon vor Jahren seine Fassungslosigkeit über Charlies Leistung aus und räumte ein, dass er selbst schon nach zehn Minuten hinterm Schlagzeug tot vom Stuhl fällt. Und der alte Mick ist topfit! Only the good die young, behauptete einst Billy Joel. Demnach müsste Charlie lausig schlecht sein. Vermutlich sieht das Billy heute auch etwas anders – er feierte im Mai auch bereits seinen 72. Geburtstag.
Damit beenden wir die Heldenverehrung für den heutigen Tag und widmen uns den Zweit- und Drittrangigkeiten, zum Beispiel den Gewichten. Heute gibt es keine Ausreißer und keine Faster, heute melden wir eine schöne, stetige Gewichtsentwicklung:
Jackl 1060 (+20), Jazz 1050 (+60), Joschi 1030 (+40) – und damit hat der Dauerzuzler am zehnten Lebenstag als Erster sein Geburtsgewicht verdoppelt, Judica 920 (+40), Janitschek 900 (+60), Jasna 800 (+40), Jeannie 760 (+20) und Jule 740 (+60). Insgesamt haben die acht 340 g zugenommen und wiegen im Schnitt 907,5 g.
Eigentlich geht derzeit alles seinen geregelten Gang, bis Joschi am späten Nachmittag die ganze Schnullerbox vollkackt. Die konsequente Antwort darauf heißt: Wäschewechsel. Auf diesen findet auch Joschi postwendend eine Antwort, indem er wieder alles volldarmt. Abgesehen von dem ekelhaften Gestank, der das Anwesen des Blues augenblicklich umflort, schrillen unter diesen Umständen schnell die Alarmglocken. Es lässt sich nicht verhindern, dass sie Kinder jetzt langsam selbst beginnen, ihren Darm zu leeren, und der Duft dieses
Joschigackerlgelben Zeugs übersteigt die Körpergröße der Produzenten ums Dreifache, das kennt man, aber dass einer solche Mengen absondert und dann auch noch zweimal hintereinander, ist uns in dieser Form noch nicht passiert. Die erste Folge dieser Analeruption ist die unumgängliche Reinigung seiner Geschwister unterm fließenden Wasser, weil die sich natürlich nicht schnell genug vom Acker machen konnten oder sich gedankenverloren darin wälzten. Das übernimmt die Chefin, der Assi ist zu diesem Zeitpunkt anderweitig beschäftigt und schafft es deshalb auch nicht, das Ereignis fotografisch zu dokumentieren. Die zweite Folge ist die Sorge um den kleinen Kerl, denn, wie gesagt: So etwas haben wir noch nicht erlebt. Wir hoffen inständig, dass er nur seiner Völlerei Tribut zollen musste und sich nichts eingefangen hat, was in diesem Alter fatal wäre. Zumal der kleine Stinker sowieso andauernd vor sich hin jammert, singt, knarzt und lautbildnerisch auffällt, sodass man nicht weiß, ob das zu seinem Standardrepertoire gehört oder Klagelaute sind. Jedenfalls ist sogar Hedda von dieser Situation so berührt, dass sie es als notwendig ansieht, in die Schnullerbox zu steigen und nach dem Rechten zu sehen. Das zumindest ist ein positives Signal, ob es dafür einen negativen Grund gibt, werden wir bald wissen. Und dort bleibt sie auch, bietet allen einen leckeren Milchshake, den auch Joschi nicht ablehnt. Anders gesagt: Er pumpt sich wieder voll bis zum Überlauf. Die Vernunft würde jetzt empfehlen, die Mutter aus der Kiste zu beordern, damit sich der Quartalssäufer nicht weiter volllaufen lassen kann, das wäre aber gerade in dieser Phase der Normalisierung keine gute Idee. Wie man es macht, ist es Kacke. Diese Nummer fährt uns in die Glieder, und entspannt sind wir bis auf weiteres nicht.
Doch im Laufe des Abends entspannen wir uns immer mehr, denn es kommt zu keinen weiteren Auffälligkeiten. Joschi ist so wie immer, zufrieden, knarzend, quäkend und quengelnd und dabei völlig mit sich im Reinen. Er schläft hingebungsvoll und hat offenbar, trotz der zusätzlichen Milchrationen, nichts mehr zu entleeren. Offenbar musste er nur mal schnell zwei Liter Milch entsorgen.
Die selbständige Darmentleerung ist ein wichtiger Schritt hin zum selbständigen Hund. Und dazu gehört auch die nicht von der Mutter provozierte Blasendränage. Jetzt sehen wir schon mal so einen Zwerg in einer endkomischen Körperhaltung beim – erfolgreichen – Versuch, seine Blase zu entleeren. Dabei heben sie schon den gleichen verklärten Blick wie die Großen, bloß eben mit noch immer geschlossenen Augen. Ja, man kann auch mit verklebten Augen verklärt blicken.
Dieser Tag ist ein echter Meilenstein für Hedda
Hedda wieder voll im Einsatzzurück zur Normalität und zum geregelten Mutterleben. Am späten Abend, als sich die Chefin schon zufrieden von innen bewundert, findet sie der Assi in der Schnullerbox bei ihren Kindern vor, sitzend zwar, aber bereit, sie zu speisen. Mit dem Hinlegen ohne Hilfestellung haben die meisten Anfängerhündinnen Probleme, weil die Kinder wie die Jünger am Ölberg kreuz und quer in der Kiste verstreut liegen, und dann haben die Mütter Angst, eines zu zerquetschen. Erfahrenen Müttern passiert das nicht mehr, sie steigen in die Kiste, locken ihre Hungerleider auf eine Seite, und wenn dann alle jubilierend dorthin stürzen, wechselt sie zur anderen Seite und legt sich hin. Dann ist zwar das Geplärre groß, aber sie kapieren schnell, wie das Spiel läuft. Hedda wird das auch noch lernen. Vielleicht kann sie in dieser Angelegenheit mal ihre Mama fragen.
Nachts, so berichtet die Chefin, ist Hedda auch noch ein paar Mal in der Kiste, was ihre Kinder zum Leidwesen der Chefin, aber eben auch zu ihrer Zufriedenheit, freudig kommentieren.
Wir haben doch gewusst, dass Hedda die Kurve wieder kriegt!
Donnerstag, 3. Juni 2021
Die katholischen Christen feiern heute das Hochfest Fronleichnam, das nichts mit einem Leichnam zu tun hat, sondern aus dem mittelhochdeutschen vrône lîcham abgeleitet ist und so viel wie der Leib des Herrn bedeutet, womit die bleibende Gegenwart Jesu Christi gemeint ist. Die unkatholischen Heiden des Bairischen Blues feiern heute dagegen das Fest der Blauen Augen, was nichts mit platzierten Faustschlägen zu tun hat, sondern mit einem blitzblauen Erwachen: Jazz hat als erste ihr Augen geöffnet und uns aus stahlblauen Augen angeblinzelt.
Jazz riskiert ein AugeSie scheint von der neuen Perspektive selbst überrascht zu sein, und uns geht, wie immer in diesem besonderen Moment, das Herz über. Man kann gar nicht anders, als in diesem historischen Augenblick leise den Song von Ideal aus dem Jahr 1990 vor sich hinzusummen:
Bloß deine blauen Augen machen mich so sentimental - so blaue Augen. / Wenn du mich so anschaust, wird mir alles and're egal - total egal. / Deine blauen Augen sind phänomenal - kaum zu glauben. / Was ich dann so fühle, ist nicht mehr normal.
Frank Sinatra wurde zu Lebzeiten Ol‘ Blue Eyes gerufen. Dürfen wir Jazz jetzt Cool Blue Eyes rufen? Wir denken, das wäre zu viel der Ehre, denn schnell wird uns klar, dass sie nicht die Einzige ist, der heute ein Licht aufgegangen ist: Jeannie, Judica und Janitschek haben auch schon ihre Jalousien gerafft und staunen nicht schlecht, was da um sie herum vorgeht. Später gesellt sich auch noch Jasna zu den Durchblickern. Viel dürften sie noch nicht sehen, aber erste Eindrücke sind auch beeindruckend.
So viel zu
Jasnaunserem ganz persönlichen Hochfest, jetzt zum täglichen Brutgeschäft und der Ballastverteilung. Dabei wird klar, dass Jazz heute den Augenblick auch auf der Waage nutzt und mit 70 g plus zu Jackl aufschließt, der es nur auf 60 plus brachte, also Jazz und Jackl: 1120 g. Jackl verdoppelt damit ebenfalls sein Geburtsgewicht. Joschi 1070 (+40), Jasna – herrjeh, schon wieder so ein Explosionsgeschehen – 930 (+130!), Judica 930 (+10), Janitschek 900 (0) springt und ruht, springt und ruht, heute ruht er wieder, verdaut und erfreut sich seiner neuen Aussichten, Jeannie 820 (+60) und Jule 790 (+50). Das ergibt 420 g mehr und ein Durchschnittsgewicht von 960 g.
Vorgestern haben wir begonnen, einen etwas spezielleren – ersten! – Blick auf Joschi zu werfen, heute schiebt sich Jeannie ein wenig in den Vordergrund, und zwar, als wir sie von ihrer Mutter weghebe(l)n, damit die endlich aus dem Kudde kommt, nachdem sie bis zur Auszehrung ausgelutscht wurde. In diesem Moment, als der Assi Jeannie hochhebt, entlässt sie unter sich ein Wasserfällchen, das sich gewaschen hat; es ist geradezu unheimlich, wie viel Wasser aus einer keinen Mädchenblase plimpern kann. Falls uns irgendwann danach sein sollte, unserem Nachwuchs ein Denkmal zu setzen, könnte es für Jeannie, analog zum Brüsseler Manneken Pis, die Vagener Mademoiselle Pisse werden. Aber jetzt, verehrte Freunde, wird’s gespenstisch. Mit dieser Idee kämen wir nämlich zu spät: So eine Mademoiselle Pisse gibt es bereits! Und wo? Logo, in Brüssel. Im Zuge der Gleichberechtigung wurde dem Pinkelbuben aus dem Jahr 1619 ein Pipimädchen zur Seite
gestellt, 1987 war das, rund 500 Meter vom Pinkelbuben entfernt in der Impasse de la Fidelité. So weit, so normal, schließlich wäre ja auch Adam ohne Eva vermutlich irgendwann in ganz unparadiesische Depressionen versunken, und das Pinkelbüblein hat es immerhin dreieinhalb Jahrhunderte tapfer im Zölibat ausgehalten. Doch jetzt kommt der eigentliche Spuk in dieser Geschichte. Hat jemand eine Ahnung, wie das Brüsseler Pipimädchen heißt? Nee? Jeanneke Pis! Woher weiß denn unsere süße Jeannie von ihrer Brüsseler Zwillingsschwester Jeanneke und pinkelt, wie diese, frischfrommfröhlichfrei drauflos? Aber: Ganz im Gegensatz zur sehr kurz angebundenen Jeanneke ist unsere Jeannie ein fröhlicher Ausbund an Bewegungsfreude; sie ist nämlich die erste, die auf ihren wackeligen Stummelbeinen schon sehr munter herumwackelt und nicht mehr bäuchlings kriecht wie ihre Geschwister (die allerdings meist ein deutlich höheres Gewicht zu stemmen haben).
Mit dieser Episode schließen wir diesen Donnerstag und freuen uns auf morgen, den letzten Ferientag der Chefin. Ab nächste Woche muss der Assi in die Bütt – und die Chronikleser ein bisschen länger auf neue Geschichten aus dem Jammertal warten.
Freitag, 4. Juni 2021
Gestern genossen wir einen kraftvollen Sommertag und auch heute kann die Sonne offenbar gar nicht genug kriegen vom Strahlen, allerdings hat sie die Rechnung ohne den Abend gemacht, was man bekanntlich nie tun sollte, denn da wird sie von reichlich Sturm und Regen ins Bett geschickt.
Heute öffnen sich die Tore des Bairischen Blues
für die ersten Besucher, we open up the pearly gates, vor denen die erwartungsfrohen Aspiranten seit zwei Wochen genauso hoffnungsvoll antichambrieren und an dieselben klopfen, wie sie hoffentlich dereinst on heavens door knocken werden. Möge ihnen die Übung dann gelingen; für die ersten wird der Traum schon heute Wirklichkeit. Bisher hatten nur unsere unverzichtbaren Kreißsaal-Assistentinnen Zutritt. Doch ab jetzt geht’s auf, nicht nur die Tür, sondern vor allem auch rund, wie wir ja schon im Titel dieser Chronik prophezeien.
Doch etwas ist anders als bei den neun Würfen davor: Erstmals stehen zu diesem Zeitpunkt bereits alle Glücklichen fest, die uns am 18. Juli einen Liebling entführen dürfen, auch wenn sie noch nicht wissen, welchen. Aber sie alle sind die ersten, die ein strahlendes Auge auf die Knutsch- und Knötterbande werfen dürfen und hoffentlich anschließend wieder mitnehmen werden (das Auge, nicht die Bande).
Damit wäre eigentlich schon alles für heute gesagt, aber die Kür wäre keine Kür, wenn sie nicht von der Pflicht zu einer gemacht würde, also ohne Pflicht keine Kür, deshalb jetzt der Pflichttermin Gewichtsdoku:
Jackl 1160 (+40), Jazz 1140 (+20, Geburtsgewicht verdoppelt), Joschi 1070 (0), Jasna 980 (+50), Janitschek 960 (+60), Judica 940 (+10), Jeannie 850 (+30) und Jule 790 (0). Heute also wieder einmal ein Fatburner-Tag mit nur 210 g Zulage und einem neuen Durchschnittsgewicht von 986,25 g. Das ist auch gut so, denn was einem widerfahren kann, wenn man mit Unverstand in sich hineinpumpt, haben sie vielleicht von Joschi gelernt, der alles hinterrücks wieder hergeben musste, was er sich vorne erstritten hat.
Neue blaue Augen blinzeln uns auch an: Jackl und Jule. Jetzt fehlt nur noch Joschi. Tomorrow is another day…
Samstag, 5. Juni 2021
Heute widmen wir uns unverzüglich der Speckrollen-Statistik, denn auch der schönste Sommertag kann den Tag nicht schöner beginnen lassen als ein so ausgewogener Morgen wie dieser, schon gar nicht, wenn er abends in Sturm und Dauerregen mündet.
Um es kurz zu machen: Alle Acht haben den Diätteufelchen den Laufpass gegeben und wieder Vergnügen an Mutters Doppelrahmstufe gefunden, was dazu geführt hat, dass drei weitere ihr Geburtsgewicht verdoppeln konnten. Jetzt fehlen nur noch Jeannie und Judica in dieser Doppel-Whopper-Statistik. Lassen wir die Zahlen in ihrer schlanken Schönheit auf uns wirken.
Jazz heißt die neue Gewichtsführerin: 1270 g (+130) – und genau so sieht geballte Lebensfreude aus. Jackl hat auch nicht gefastet und mit 60 g nicht an Kalorien gespart, aber es reicht dennoch nur für 1220 g und den zweiten Platz. Joschi ist die Zuverlässigkeit in Person, dritter Platz mit 1170 g (+100). Da schafft er sich gleich 100 g drauf, ohne sie gleich wieder rücklings abgeben zu müssen, dann tritt er trotzdem auf der Stelle. Aber offensichtlich wollte er das Ergebnis nicht so recht glauben und wollte selber sehen; aus diesem Grund hat jetzt auch er, als Letzter, blaue Kinderaugen. Janitschek hat offenbar keine Lust mehr, immer in der Model-Abteilung gelistet zu werden: 1080 (+120), Chapeau, vierter Platz und Geburtsgewicht verdoppelt. Jasna bleibt am Hauptfeld dran: 1040 (+60) und auch das Geburtsgewicht verdoppelt. Als nächste geht Judica über die Ziellinie: 990 (+50), ihr folgt Jeannie mit 920 (+70), und das zarte Julchen mampft sich 90 g drauf und landet trotzdem mit 880 g nur auf dem letzten Platz, weil ihr die anderen von der Zickenfraktion den kleinen Triumph nicht gönnen wollen. Wart nur ab, Jule, deine Zeit kommt noch. Immerhin: Geburtsgewicht damit auch verdoppelt. Das war mit 680 g Zugewinn ein erster kulinarischer Schwergewichts-Tag, der das zugewonnene Gesamtgewicht auf 1071 g hochschraubte.
Ganz spurlos
Heddas Bauch muss gesalbt werdengeht diese Zapforgie allerdings nicht an Hedda vorbei: Ihr Bauch und ihre Zitzen sehen wirklich sehr strapaziert aus. Wir legen sie in den Garten, was sie gerne mit sich geschehen lässt, und Salben ihre Wunden mit Calendula. Sie scheint es zu schätzen, und wir werden sehr bald wieder zum Nagelclip greifen müssen.
Um die Fragen des Wohlergehens unserer Mutter gleich mitzubeantworten: Es geht ihr inzwischen richtig gut. Heddas Stuhl ist fest und dunkel, fast wie in ihren besten Tagen. Sie verliert noch immer Geburtsreste, aber jetzt ohne Oxytocin-Kontraktionen. Das Hormon scheint auch aus dem Körper zu sein, weil sie jetzt auch wieder die anfänglich gezeigte Brutpflege leistet. Aus diesen Aussagen lässt sich ableiten, dass wir auch keine Fiebermessungen mehr vornehmen, weil weder ihr äußeres Erscheinungsbild noch ihr Verhalten Hinweise auf Fieber oder andere Probleme zulassen. Das scheint sie allerdings als Verlust zu empfinden, weil dadurch natürlich der Rektalzwieback ausfällt. Den geben wir jetzt eben für die geschmeidige Zitzensalbung, was sie gleich noch ruhiger und entspannter liegen lässt. Fianna ist es sowieso egal ob sie für kein Thermometer oder keine Salbe mitbelohnt wird.
Hedda ist jetzt tatsächlich wieder die Mutter, die wir aus ihren ersten Tagen kannten; sie ist unaufgeregt engagiert, keine Glucke, aber immer zugegen und bereit. Wenn sie sich abseits legt, um eine Haube Schlaf zu ergattern, ist immer ein Ohr und ein Nasenloch auf Empfang. Auch während der Spaziergänge ist ihr der Weg zurück wichtiger als der davon. Nachts sucht sie mehrmals die Schnullerbox auf. Diese Patrouillen kommen in zweifacher Ausführung vor, dem Kontrollgang und dem Milchgang. Der erste dient der Überprüfung der Vollzähligkeit und geht mehrmals nachts ohne größeren Aufwand über die Bühne. Anders verhält es sich mit dem Milchgang. Der findet etwa zweimal statt und benötigt unbedingt die Unterstützung von Frauchen, weil die nämlich den unsortiert herumliegenden Welpenhaufen so sortieren muss, dass die milchschwere Mutter einen Liegeplatz findet. Dafür wird die Chefin geweckt. Das Thema hatten wir ja schon besprochen. Die Chefin sitzt dann mit schweren Lidern und Gliedern vor der Kiste und lauscht um zwei Uhr nachts den Mampfgeräuschen ihrer Zöglinge. Abgesehen von diesen beiden nächtlichen Auftritten, könnte die Chefin eigentlich wieder ins Familiengemach ziehen, was sie in früheren Würfen zu dieser Zeit bereits vollzogen hatte. Man kann schließlich auch im Schlafzimmer nachts geweckt und ins Erdgeschoss beordert werden, so groß ist der Unterschied nicht. Der Show-Stopper ist Fianna! Wenn der gesamte Blues nach oben zieht, müssen wir für Hedda die Türen offen lassen, damit sie ihre nächtlichen Inspektionsgänge (die ohne Milchentsorgung) vornehmen kann. Wir befürchten jedoch, dass Fianna diese Gelegenheit schamlos ausnutzen wird und sich klammheimlich durch die Nacht in Richtung Küche aufmachen und dort ihr Gluckenpotential zur Verfügung stellen würde. Das haben wir noch ganz gerne unter Kontrolle. Tagsüber lassen wir sie inzwischen schon öfter zu den Zwergen, um sie abzuschnüffeln und abzulecken – und die scheinen das sehr zu genießen –, aber ohne Kontrolle wollen wir kein Fass aufmachen, dass die Oma letztlich den Kindergarten übernimmt und die Mama ihren Teint pflegt.
Der Kindergarten selbst zeigt immer mehr Profil. Wenn sie jetzt gemeinsam im Kudde liegen, dann entwickeln sie sich zunehmend als Individuen mit Gemeinschaftsanschluss: Sie beginnen sich gegenseitig wahrzunehmen. Sie nehmen Kontakt untereinander auf, lecken sich mal die Nase oder kauen einem Geschwister auf den Zehen herum. Auch Mamas Zehen sind jetzt schon mal Objekt der Begierde, was die gerne mit sich machen lässt. Aus der Individualstruktur entsteht jetzt eine Rudelstruktur. Das heißt jedoch nicht, dass sie den lieben langen Tag zusammen kuscheln, es bedeutet, dass sie ihre Individualität ausprägen und sich derer dann in der Gemeinschaft versichern.
Denn die Jays sind, so viel lässt sich schon konstatieren, ein ausgeprägter Haufen von Individualisten. Der von außen verordnete Aufenthalt im Kuddebett wird inzwischen nachhaltig in Frage gestellt und so lange hintertrieben, bis die Situation den Wünschen entspricht. Dieses Spiel treiben heute Jazz, Jeannie und Jule, ein Trio Infernal weiblichen Widerspruchsgeistes. Dass Jeannie bereits ein sehr kraftvolles Getriebe hat und damit schon einigermaßen geländegängig unterwegs sein kann, haben wir bereits erwähnt. Jazz ist das Kraft- und Willenspaket des Trios und Jule wirkt nur zart, ist jedoch voller Energie und eigener Vorstellungen. Dieses Trio versucht heute minutenlang, das Kuddebett zu verlassen, was ihm auch gelingt. Unentwegt plumpst eine der Drei über den Kudderand auf den Küchenboden. Wenn wir sie wieder zurücksortieren, setzen sie sofort zu einem neuen Versuch an. Wir machen das Spiel mit ihnen gute fünf Minuten und sie mit uns, eine sehr lange Ausdauer für solche Schlafzwerge, dann lassen wir sie plumpsen und dort liegen, wo sie aufkommen – und binnen Sekunden fallen alle drei in einen zufriedenen Schlummer; Ziel erreicht, Freiheit, wie sie sie verstehen gewonnen, alles gut.
Wie immer, zeigen die einen zu diesem Zeitpunkt mehr Profil als die anderen. Doch letztlich sind das Momentaufnahmen. Mit einiger Erfahrung wissen wir, dass nichts bleibt, wie es ist und dass aus vielem, was noch nicht ist, viel werden kann. Schon viel zu oft haben wir erlebt, wie aus den Wort- und Rädelsführern liebenswerte Mitläufer und aus Mauerblümchen meinungs- und durchsetzungsstarke Standartenträger wurden. Im Moment darf man vieles zur Kenntnis, aber wenig allzu ernst nehmen. Jazz ist, wie schon erwähnt, ein richtig selbstsicheres Persönchen, die eine Aura von Souveränität und Pfiffigkeit ausstrahlt. Nicht nur sie selbst dürfte davon überzeugt sein, dass dort vorn ist, wo sie ist. Wir glauben das derzeit auch. Fast das Gegenteil ist Janitschek, ein urlustiger Herzbube und Lausbub,
Ist Jazz eine Fußfetischistin? der offenbar jeden Augenblick seines noch so kurzen Lebens zu genießen scheint, vor lauter Zufriedenheit auch mal eine Mahlzeit verpasst und sich darüber selbst am meisten beeumeln kann. Jackl trägt die Anfänge eines Anführers in sich, deren er sich aber noch nicht sicher ist, mal lauthals den Helden spielt und mal im Nirgendwo der Schnullerbox in Deckung geht. Jasna und Judica sind derzeit noch die Unprofiliertesten, obwohl man schon kaum, dass man das schreibt, registriert, wie sich Judica mit Herzchen und Lufballönchen an die Chefin heranwanzt und ihr den Bauch zum Kraulen präsentiert. Jasna scheint sich ihrer kraftvollen Existenz einfach noch nicht bewusst zu sein, sie ist nach Jazz das Muskelpaket der Amazonen und irgendwann wird sie davon Kenntnis nehmen; dann sind wir mal gespannt. Jule ist tatsächlich zart, aber mit die Fitteste auf ihren Beinchen, aber noch zurückhaltend, was für den Augenblick eine ziemlich schlaue Strategie sein könnte. Jeannie ist lebhaft, fit und häufig im Rampenlicht, was der Fotograf bei Sichtung der Tagesausbeute mit einigem Unbehagen registriert; denn wieder hat er sich von ihr bestechen lassen und andere übersehen. Und dann ist da noch Joschi. Kann sich noch jemand an den legendären österreichischen Sportreporte Edi Finger erinnern? Das ist der, der bei der Fußball-WM 1978 das Spiel Deutschland gegen Österreich kommentierte und beim Siegtreffer der Österreicher jenes legendäre „Tooor, Tooor, Tooor, […] I wear narrisch!“ in die Welt hinausbrüllte. So ein meinungsstarker und emotionaler Kommentator in der Kuschelbox und daneben ist u
Die Schnullerbox geht aufnser Joschi: Immer die Klappe auf, immer am Quasseln, Kommentieren und Lamentieren; eine Quatschbox, gegen den eine monatelang nicht abgehörte Telefonbox wie das Schweigegelübde der Mafia wirkt. Noch so wenig erlebt und schon so viel zu erzählen!
Nachmittags kommen wir dem immer offensichtlicheren Wunsch der Zwerge nach und öffnen die Schnullerbox, sodass sie, zumindest in unserer Gegenwart, nach Belieben ein und aus können. Sie nehmen unser Angebot dankend an, wackeln hochinteressiert herum und fallen dann erschöpft in einen tiefen Schlaf, dort wo er sie gerade überwältigt. Ob sie jetzt auch das Gefühl des Campers nachempfinden können, irgendwo frei zu stehen, mit nichts als Natur drumherum? Wir denken schon. Abends geht es nach einem halben Tag in Freiheit wieder in die Schnullerbox und alle fallen nach all den Aufregungen in ein kuscheliges Koma.
Sonntag, 6. Juni 2021
Trüb ist das Mangfalltal, sehr trüb und voller Wasser: Landregen, auch Schnürlregen genannt, treibt die Luftfeuchte auf 80%. Dankenswerterweise geht der Außendusche nachmittags das Wasser aus und es ist nur noch dampfig bei 20 °C; nichts für Herzschwächlinge.
Unsere Jays haben keine Herzschwäche, die haben nur wir und unsere Besucher ihnen gegenüber. Aber das ist eine andere Erzählung. Für heute halten wir fest und summen mit Hannes Wader: … denn was neu ist wird alt und was gestern noch galt, gilt schon heut‘ oder morgen nicht mehr. Das gilt sicher heute und morgen und für den Rest der Verweildauer unserer Zwerge. Gestern sind sie noch herumgestolpert oder eher
Undercarpet – Undercoverherumgeschlingert, heute verstehen die ersten schon, dass man auf einem Fliesenboden die Hinterbeine etwas steiler unter den Körper bringen muss, damit man bei Druck auch einen Vorschub zustande bringt. Den Ausstieg, genauer den Auspurzel, beherrschen bereits alle und diejenigen, die den Einstieg von einem Vetbed aus ins Kudde versuchen, schaffen das auch. Nur die Mühseligen, die es vom Fliesenboden aus versuchen, strampeln sich hinten ab wie der Frosch im Milcheimer, mit dem Unterschied, dass der darauf hoffen kann, einen Butterberg zu erstrampeln und von dort aus wegzuhüpfen – diese Hoffnung haben unsere Zwergfrösche nicht; sie bekommen von uns einen Lift, sonst würden sie sich möglicherweise eine Herzschwäche einstrampeln (Kurve gekriegt, Erzählung gerundet!).
Brandneu
Judicaist heute Morgen, dass sie unsere Annäherung und die von Hedda und Fianna über die Nase und ihre Wärmesensoren wahrnehmen. Als Mama und Oma nach dem Morgenspaziergang tropfnass nach Hause kommen, schlummern acht Jays selig im Kuddebett. Noch bevor die
Jules lazy sunday afternoonDamen und die Chefin den Küchenbereich betreten, weil sie zuerst draußen eine Frottierung über sich ergehen lassen müssen, was im übrigen völlig lautlos geschieht, wacht einer nach der anderen auf, stemmt den Oberkörper hoch und pendelt nach der Wärmequelle. Die ist noch fünf Meter weg und um die Ecke, aber sie haben ihr Pflegepersonal schon in der Nase. Binnen Sekunden liegt der ganze Haufen auf dem Küchenboden und macht sich auf die Suche. Und jetzt gibt es auch das zweite Frühstück. Diese Wärmesensorik ist überlebenswichtig, um den warmen Mutterleib zu erfühlen, der eine Milchbar zur Verfügung stellen kann. Jetzt aber reichen die Sensoren weit über den körpernahem Bereich hinaus; das geht so weit, dass wir nun in der Küche schon größere Umwege machen, wenn sie schlafen: Wenn wir nämlich nahe an ihnen vorbeigehen, sind sie sofort hellwach und stürzen sich uns entgegen. Und dabei sind die gerade erst zwei Wochen alt
Nun also: zweites Frühstück für die
JoschiHungerleider. Anschließend machen alle einen kleinen Verdauungsspaziergang rund ums Kudde und legen sich vor ihrer offenen Schnullerkiste auf die Auslegeware zum Schlafen. Nur Joschi, dem Dauerkommentator, ist es jetzt nach Einsamkeit. Und so krabbelt er ins Kudde und schläft dort allein. Judica findet diese Idee bestechend und macht es ihm nach. Und so ruhen die beiden allein im Kudde, die anderen draußen. Was ist daran so erzählenswert? Die Geschichte hat eine Fortsetzung. Nach der nächsten Speisung, als alle erschöpft und unter der Last der Verdauung im Kudde einschlafen, macht sich Joschi wieder davon, diesmal aus dem Kudde raus, und schläft wieder allein, diesmal eben draußen (Judica verpennt die Aktion diesmal). Was lehrt uns das? Reden, viel Reden, kostet enorm viel Energie, Energie, die man wiedergewinnen muss. Joschi weiß schon jetzt, dass der nie ungestörte Schlaf zwischen seinen ratzenden, kratzenden und rumorenden Geschwistern nicht genug Energie zurückgeben kann, wie er sie für seine nächste Wachrunde braucht. Und er weiß sich zu helfen. Wer so viel quasseln kann und die dazugehörige Überlebensstrategie kennt, muss sich um seine Zukunft kaum Sorgen machen.
Sonst ist dieser Sonntag ziemlich ruhig, und nur eine kleine und sehr ruhige Besuchseinheit bereichert den Tagesablauf der Jays, quasi ein deutscher Sonntag mit Kaffee und ohne Kuchen.
Uns bleibt deshalb nur noch, die Gewichtsstatistik nachzureichen und dann die Akte für diesen Sonntag zu schließen:
Jazz 1290 (+20), Jackl 1240 (+20), Joschi 1200 (+30), Janitschek 1110 (+30), Jasna 1090 (+50), Judica 1040 (+50), Jule 930 (+50) und, schau an, Jeannie 920 (0). Das macht sehr schlanke 250 g Zuwaage und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 1102,5 g. Da haben beim gestrigen Besucheraufkommen einige das Futtern vergessen und gemeint, von Streicheleinheiten wird man auch groß und stark. So kann man sich irren. Heute gab es keinen Grund, unterschwellige Zitzenaktivitäten zu zeigen. Wir sind auf morgen gespannt.
Montag, 7. Juni 2021
Dann wollen wir doch die Speckkatze gleich aus dem Sack lassen:
Vorneweg weiterhin Jazz mit 1350 (+60),
Jacklaber Jackl holt auf: 1330 (+90). Stabiler Dritter bleibt Joschi mit 1250 (+50). Janitschek sichert seinen vierten Platz mit 1180 (+70) ab und Jasna folgt auf Platz fünf mit 1110 (+20). Dann kommen die Leichtgewichte: Judica 1040 (0), Jeannie 1020 (+100) und Jule 940 (+10). Das sind heute wieder 400 g plus bei einem Durchschnittsgewicht von 1152,5 g. Das buttert den gestrigen Magerquark deutlich auf, auch wenn Judica und Jule wieder mal zu verträumt waren. Aber es lässt sich natürlich nicht übersehen, dass die Boliden allein mit ihrer Körperfülle die Leichtgewichte immer häufiger abdrängen; da kann so ein Zwerg noch so wendig, strebsam und flink sein, am Ende hat der Rammbock die Nase vorn. Das muss uns aber nicht aus der Ruhe bringen, denn bislang haben wir keinen Welpen mit Anzeichen von Mangelernährung und sobald wir mit der Zufütterung beginnen, was schon sehr bald geschehen wird, hat sich diese Diskussion erledigt, dann gibt es keine Zweiklassengesellschaft mehr.
Wie fit und agil die ganze Bande
Joschi allein außer Haustatsächlich ist, erleben wir heute, indem wir sie bereits kreuz und quer in der ganzen Küche verstreut sehen; gerade waren sie noch damit beschäftigt, nicht den Kontakt zum Kudde zu verlieren oder sich wenigstens seiner Nähe zu versichern, schon streunen sie überall herum, natürlich jammernd und unter Beschwerden und Hilferufen, aber sie wollen es wissen. Darüber kann man sich sehr freuen, muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass ab sofort Pfützenalarm herrscht. Denn, und das ist immer wieder für uns die absolute Sensation, sobald sie den Schlafbereich selbständig verlassen, suchen sie für ihre Geschäftchen einen Platz möglichst weit abseits. Manchmal sind der Darm oder die Blase noch schneller als die Beinchen, aber das Bestreben ist unübersehbar. Wir stellen also mit Stolz und Freude fest, dass am Ende der zweiten Lebenswoche unsere Jays schon fast stubenrein sind …
Nun ist also auch die zweite Woche vorüber – und der Chronist hat sich nichts sehnlicher gewünscht. Die erste Woche ist unkalkulierbar und oft sehr belastend, aber wenn die endlich geschafft ist, hat man es mit einer Woche zu tun, die an Ereignislosigkeit schwer zu überbieten ist. Natürlich machen die Kinder Fortschritte, über die man berichten kann und der eine oder die andere liefern auch mal eine liebenswerte Schnurre. Aber das war’s dann auch. Die Bilderausbeute ist entsprechend bescheiden, weil sieben Tage Küchen-Kiste-Kudde-Bilder schlafender oder herumlümmelnder Welpen unter häufig fragwürdigen Lichtverhältnissen keine Chronik entscheidend aufhübschen können. Wir hoffen nun auf eine ereignisreichere dritte Woche, in der, so viel können wir aus Erfahrung versprechen, doch ein bisschen mehr geboten sein wird.
Dienstag, 8. Juni 2021
Wie jetzt der Medardus wettert, solch Wetter 30 Tage zittert. Na denn: Prost! Der Medardus zeigt sich im Mangfalltal einigermaßen zwischenmenschlich mit viel Wolken und Gewitterdrohen, aber am Ende kann er sich nicht entscheiden und lässt es bleiben. In anderen Gegenden lässt er es dafür umso mehr krachen.
Auch heute zeigt sich, dass die Zwerge nicht immer alle an Mutters Bar gleichmäßig zum Zuge kommen, wieder haben zwei ein wenig abgenommen. Noch zögern wir mit der Zufütterung, weil die Zwerge dafür erst in der Lage sein müssen, ihre Zunge anders einzusetzen als sie um eine Zitze herumzuschlingen und mit ihr einen Unterdruck zu erzeugen. Sie brauchen dazu die Fähigkeit, mit ihr zu lecken. Um in dieser Hinsicht etwas Beschleunigung zu erzeugen, stellen wir ihnen eine großen, schweren Blumenuntersetzer mit Wasser auf, damit sie üben können und gleichzeitig mehr Flüssigkeit bekommen als durch Mutters Sahne. Mal sehen, wie weit sie schon sind, einige versuchen sich immerhin schon irgendwo und irgendwie mit einem Hinterbeinchen im Sitzen zu kratzen. Das ist allerdings etwas für die Abteilung Komik, weniger für die Abteilung Körperhygiene; es ist hat alles noch sehr schwer, aber das Bedürfnis und das Bemühen wird deutlich. Lange dauert es nicht mehr, bis sie auch darin fit sind.
Werfen wir also den bereits routinierten
Janitschek geht in DeckungBlick auf die Gewichtsentwicklung. Da macht sich Jazz klammheimlich auf und davon: Jazz 1450 (+100), die macht ihrem Namen Mampf-Mamma alle Ehre. Dagegen nehmen sich die 0 g plus von Jackl recht erbärmlich aus, aber er hält noch den zweiten Platz mit 1330 g. Joschi bleibt der Stabilo-Boss auf dem dritten Platz mit 1310 (+60). Auch Janitschek ermannt sich nicht, die Schwäche seiner Brüder zu nutzen und Jazz zu düpieren (Männersolidarität eben!), sondern begnügt sich mit 30 g plus (1210). 1150 (+40) meldet Jasna, 1110 blinken bei Judica auf, stolze 70 g plus. Jeannie beginnt die neue Woche mit einem runden Kilo, und demnach mit 20 g minus. 30 g lässt Jule liegen und startet mit 910 g in die neuer Runde. Das ergibt dann 250 g Zunahme und ein Durchschnittsgewicht von knapp 1184 g.
Es geht also seinen Gang, mal flotter, mal träger, aber es geht vorwärts. Aber dass sich schon heute Nachmittag unser Versprechen vom Abspann der zweiten Woche, dass die dritte ereignisreicher werden würde, bewahrheitet, geht uns jetzt doch zu schnell. Vor allem der Umfang des belebten Ereignishorizonts verschluckt uns binnen Minuten so flott wie der eines Schwarzen Lochs. Wenn man merkt, was los ist, dreht es einen schwindelig im Kreis und dann ist man verschluckt. Aus. Ende.
JuleGenau so fühlen wir uns heute am späten Nachmittag, den wir eigentlich nur mit einer ersten Fotosession der Jays im Garten abrunden wollten. Das Shooting verläuft auch mit viel Freude, denn die Zwerge zeigen sich im unbekannten Gras ziemlich souverän, jedenfalls nicht verschreckt oder gar verschüchtert. Sie sind mit ihren zwei Wochen ein ziemlich cooler Haufen. Doch bei Sichtung von Jules Bildern, fährt uns ein mächtiger Schock in die Glieder: Auf keinem Bild von ihrer rechten Seite sehen wir ein Auge! Wir holen uns den Zwerg und sind fassungslos: Jules rechtes Auge ist geschlossen, und es sieht aus, als ob
An Tagen wie diesen hängt sogar Jeannie wie tot überm Zaunhinter den Lidern nichts wäre. Über Andrea, die auch für einen Jabberwocky auserkoren ist und in der Tierklinik Oberhaching für geschmeidige Abläufe sorgt, bekommen wir gleich für morgen 12 Uhr einen Termin bei einer Augenspezialistin. Danke, Andrea, in solchen finsteren Momenten kommt man so besser über die Runden – with a little help of our friends.
Die Nacht beim Blues ist voller Gespenster. Es rumort heftig in den Köpfen und den Eingeweiden, weil wir nicht wissen, wie es mit Jule weitergeht, was letztlich davon abhängt, ob ihr linkes Auge in Ordnung ist. Eine völlig blinde Jule wird es auf dieser Welt nicht geben. Die Nächte sind kurz, wenn man Welpen hat, diese Nacht ist die kürzeste und schlafloseste seit langem.
Mittwoch, 9. Juni 2021
An Tagen wie diesen hilft es, die gewohnten Routinen einzuhalten und sich nicht von der Tageslast aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Deswegen unterscheidet sich der Morgen des 9. Juni nicht von den seiner Vorgänger. Ob er sich von dem des 10. Juni unterscheiden wird, entscheidet sich High Noon.
JazzJetzt werden erst wieder einmal die Gewichte genommen, und wenigstens die geben Grund zur Freude. Der heutige Gewichtstag könnte unter dem Motto stehen: Jazz – Up, up and away, weil ihr derzeit einziger ernsthafter Konkurrent Jackl schwächelt. Also:
Jazz 1510 (+60), Joschi 1390 (+80), Jackl 1340 (+10), Janitschek 1310 (+100), Judica 1130 (+20 und als letzte das Gewicht verdoppelt!), Jasna 1130 (-20), Jeannie 1070 (+70) und Jule 1020 (+110). Zumindest Jule ließ sich gestern von der Aufregung um sie nicht aus dem Konzept bringen, nach einer Phase der Zurückhaltung wieder einmal kräftig zuzulangen. Das zeugt von einer unübersehbaren (!) mentalen Stabilität. Wir verzeichnen heute 430 g Zuwaage und 1237,5 Durchschnittsgewicht.
Um 11:15 Uhr verfrachten wir Hedda auf den Boden des Bluesomobils hinter den Fahrersitz, legen ihr Jule ans Herz, die Chefin sitzt mit einem wachen und einem trüben Auge daneben und der Assi chauffiert seine kostbare Fracht ins Ungewisse. Hinter ihm ist Mucksmäuschenstille, wenn man mal von lustvollen Schmatzgeräuschen absieht. Fast eine Dreiviertelstunde arbeitet sich Jule durch Mamas Milchbar und scheint mit sich und der Welt völlig im Reinen. Um 12 Uhr wird sie dann von einer strahlenden Mitarbeiterin der Klinik Oberhaching ans Herz gedrückt und an deren Brust davon getragen, während Hedda mit ihrem Frauchen, völlig entspannt, die Entführung ihrer Tochter begleitet. Die Drei verschwinden und der Assi leidet 20 Minuten im Auto, bis der ganze Trupp mit einer erlöst wirkenden Chefin zurückkommt. Die Begutachtung durch Frau Dr. Baier-Heimstädt ergibt folgenden Sachstand: Das rechte Auge ist nicht angelegt, unter den Lidern ist nichts, höchstens ein Augenfragment. Das linke Auge wirkt völlig normal, zeigt keinerlei Verwachsungen oder Verklebungen auf Netzhaut oder Linse, was auf eine spätere Blindheit schließen ließe und reagiert auf Lichtimpulse. Über die spätere Sehleistung lässt sich bei keinem Welpen in diesem Alter eine zuverlässige Aussage machen, weil sich das Auge noch in Entwicklung befindet. Die Tierärztin ist bei Jule völlig entspannt und sehr zuversichtlich, dass sie mit einem Auge ein fast völlig normales Leben wird führen können. Nur mit Züchten wird es nichts werden. Fürs Erste kommt Jule auf Wiedervorlage in der achten Woche, zum Zweiten haben sie und ihre Mama die Herzen der halben Klinik im Sturm erobert.
Auf der Heimfahrt finden wieder Gespräche im Blindentransporter statt. Jule stärkt sich derweil wieder stumm an Mamas Bar. Wir warten jeden Moment darauf, dass sie uns das Auto vollspeit, weil ein so kleiner Hund eine solche Fett- und Proteinportion unmöglich problemlos verstoffwechseln kann, meinen wir. Aber Jule kann, die ganze Strecke über, 45 Minuten. Zuhause legt sie sich zu ihren Geschwistern und verdaut lautlos und konvulsionsfrei.
Wir halten für die Gegenwart und die Nachwelt also fest: Jule ist ein Montagsprodukt mit leichten Fertigungsmängeln, und der Assi adelt sie mit dem Namen „Blind Jule Johnson“, entliehen von dem einzigartigen Blues- und Gospelmusiker Blind Willie Johnson aus der erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Der war zwar ganz blind, dafür ist Jules stimmlicher Beitrag noch nicht mal halb so eindrücklich wie seiner; Jule ist eine eher leise Vertreterin der Jays. Ihre genussvoll stumme Reise nach Oberhaching ist dafür ein starker Beleg.
Uns fällt ein Stein vom Herzen. Mit einer einsichtigen Jule können wir gut leben, so wie auch sie davon kaum beeindruckt sein wird, zumal sie nichts anderes kennt. Wir kennen eine Hündin, die halbseitig blind einen großartigen Schutzdienst gemacht hat. Mit Wahrscheinlichkeit wird der optische Mangel ihre Nasenentwicklung noch verstärken; einer Karriere als erstklassiger Fährtenhund stünde als auch nichts im Wege. Eines müssen wir aber gleich klarstellen. Wegen des Auges wird Jule nicht billiger zu haben sein, im Gegenteil: Sie hat schon jetzt mehr Fahrstunden als die anderen sieben in diesen acht Wochen bei uns je haben werden (das hoffen wir jedenfalls!) und ist schon heute komplett automobilstabil. Diese Umstand muss in der Preisgestaltung seine Berücksichtigung finden 😉.
An dieser Stelle ist es uns besonders wichtig, die unglaublich vielen Aufmunterungen zu erwähnen, die uns seit gestern erreicht haben, denn der Flurfunk war natürlich schneller als unsere „offizielle“ Bekanntmachung bezüglich Jules Gebrechen. Wegen der fachlichen Aussagkraft ist es zwangsläufig Frau Dr. Baier-Heimstädts Mutmacher, der uns wieder den Glauben an Jules Zukunft gegeben hat, aber nicht weniger ergreifend sind die Reaktionen von Freunden und vor allem der aktuellen Welpenkäufer, von denen keine(r) auf vermeintliche Ansprüche besteht, die, im Falle eines Verlustes von Jule, vom Kauf zurücktreten oder auch eine blinde Jule zu sich nehmen würden. Wir sind sehr gerührt und wünschen allen Züchtern solche Käufer; der landläufige Umgangston ist leider gelegentlich ein anderer, selbst wenn es kein Unglück zu bewältigen gibt.
Für den Moment sind wir dem Defekt entsprechend unglücklich, den Umständen entsprechend glücklich und, angesichts Jules Melkleistung, gespannt, wie die Gewichte der sieben anderen morgen aussehen werden. Viel kann für sie nicht übriggeblieben sein.
Apropos: Diese sieben erwarten uns schlafend und in der fürsorglichen Obhut der Oma, als ob wir nur mal zehn Minuten weg gewesen wären.
Aber beim Blues scheint sich immer ein Unglück über ein gerade gewonnenes Glück legen zu müssen. Um das zu erklären, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit blicken. Neun Würfe stehen bisher in unserer Biografie, bei knapp der Hälfte hatten wir einen kapitalen Schaden zu verzeichnen, einen, der immer unangenehm, während eines Wurfe aber fatal ist. Einmal war der Kanal verstopft, sodass uns die Sch… in die Waschküche lief, ein andermal gab die Waschmaschine ihren Geist auf, dann die Spülmaschine und, fast schon der kapitalste aller kapitalen Schäden, die Kaffeemaschine! Und heute? Geht uns das Licht im Eßzimmer aus. Schalter kaputt? Dimmer kaputt? Dimmersicherung im Eimer? Lampe kaputt? Wir sind beide keine Elektriker und die uns gegebenen Möglichkeiten der Schadensfindung enden schnell. Die schnelle Lösung, die letztlich keine Lösung ist, ist eine lausige Stehlampe neben dem Tisch, die wenigstens das Nötige tut, ohne uns glücklich zu machen. So etwas kann man brauchen… jetzt, ausgerechnet jetzt.
Donnerstag, 10. Juni 2021
Regnet’s am Margaretentag, dauert der Regen 14 Tag‘. Heute regnet es fast den ganzen Tag, teilweise heftig, immer wieder von Gewittern gestützt. Das würde heißen: Zwei Wochen Hausarrest für unsere Zwerge. So gemein kann der Himmel nicht sein! Wir entziehen Margarete das Vertrauen, weil wir nicht auf Bauern bauen. Damit wäre auch die Abteilung Lyrik einmal zu Wort gekommen und hat sich nicht für einen weiteren Einsatz empfohlen.
Dementsprechend desillusioniert wenden wir uns der lyrischen Ästhetik der Zahlen und der Gewichtsstatistik zu. Wir erinnern uns, dass Jule gestern auf ihrem Ausflug nach Oberhaching Mutters Vorräte, jedenfalls nach unseren Vorstellungen, geplündert haben müsste. Das heutige Ergebnis lässt darauf kaum – wie sagt man heutzutage? – belastbare Schlüsse zu. Was man sagen kann: Jazz ist immer weiter auf und davon, als ob sie von nur für sie angelegten Notvorräten wüsste. In der Gesamtschau sieht das dann so aus:
Jazz 1580 (+70) – und dann tut sich schon bis zum Zweiten ein Loch von 220 g auf: Jackl 1360 (+20).
Judica und JasnaJanitschek (1350, +40) mampft sich auf das Niveau von Joschi hoch, weil der gestern zu häufig auf Wanderschaft und in Sachen Klagemauer unterwegs war und dabei 40 g abgenommen hat, und damit ebenfalls 1350 g auf die Waage bringt. Anschließend trudelt total unspektakulär die Mädelsfraktion ein: Judica 1240 (+110), Jasna 1160 (+30), Jeannie 1090 (+20) und Jule 1070 (+50), macht insgesamt 300 g mehr und hebt das Gesamtgewicht auf 1275 g. Aber welche Schlüsse können wir aus dieser Statistik ziehen? Etwa, dass Jule selbst bei Dauerdruckbetankung nicht mehr als 50 g anlegen kann, vielleicht hat sie ja ein eingebautes Überlaufventil, das für das nötige körperliche Augenmaß sorgt (ausgerechnet: Augenmaß bei Jule!). Wir könnten auch ventilieren, dass Jazz ein spezielles Schweinegen trägt, das sie selbst von einer Handvoll Bucheckern wachsen und gedeihen lässt. Dagegen spricht, dass sie nichts von einem Schwein hat. Judica muss beobachtet werden, weil sie eventuell eine (un)heimliche Trinkerin ist, die möglicherweise genau jene Noagerl aufspürt, die Jule entgehen. Und über Joschi ist schon alles gesagt: Quasseln und Filibustern geht an die Substanz. Wenn das zudem auf einem nicht enden wollenden Pilgerpfad d
Joschiurch unsere Küche geschieht, muss man sich nicht wundern, dass er kein Fett ansetzt.
Aber seien wir ehrlich, es sind doch genau solche Unikate, die uns das Herz öffnen und die Erzählung rechtfertigen. Ja, Joschi ist ein Dauerquassler und ein Dauerläufer, das letztere ist er, weil er am besten von allen auf den Beinen ist. Wenn er nicht schläft, dreht er schon während der Morgenroutinen unermüdlich seine Runden durch unsere Küche, erzählt uns von seinen Träumen und beschwert sich, dass wir ihn nicht unverzüglich aus jener Ecke gerettet haben, in der er soeben Hals über Kopf gestrandet ist. Seine Kreise erstrecken sich schon bis an die Grenze zu unserem Treppenhaus, das er sicher bald inspizieren wird, wenn wir dem nichts entgegenstellen.
Judica steht ihm kaum nach, schweigt aber auf ihren Wanderungen, was darauf schließen lässt, dass Joschis Gewichtsverlust der Quasselei zuzurechnen ist, nicht der Körperertüchtigung. Sie versteht sich auf diese
Off limits for puppiesUndercover-Aktionen, die wir so lieben, weil sie nicht abzusehen sind. Heute Morgen schafft sie es doch tatsächlich, sich ungesehen aus unserem Blickfeld zu mogeln, ins Wohnzimmer zu trudeln und uns dort unter den Tisch zu kacken. Jawoll, das nötigt uns allen Respekt ab, macht uns aber auch die Notwendigkeit der sofortigen Käfighaltung klar. Anbindehaltung lehnen wir strikt ab, aber ohne Einfriedung geht nichts mehr. Wir sperren die Zugänge zum Wohnzimmer ab! Das weckt wiederum Joschis Forschergeist, und er treibt sich minutenlang, bis zum nächsten Schlafanfall, an den Sperren herum und sucht nach einer Schwachstelle. Das ergibt folgendes Bild: An ihm werden wir noch viel Freude haben und, falls es sich als zutreffend herausstellen sollte, dass er mit seiner Schwester Judica gemeinsame Sache macht, werden wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Mal sehen, wer demnächst die besseren Argumente hat…
Ein weitere Änderung unserer Abläufe kann nicht mehr aufgeschoben werden: Hedda und Fianna müssen ab sofort im Wohnzimmer gespeist werden. Wir können die Vorbereitungen nicht diskret genug gestalten, dass die Jays nicht mitbekommen, was ansteht. Selbst wenn sie tief und fest schlafen, während sich Mama und Oma auf leisen Sohlen zu ihren Schüsseln in der Küche schleichen (die machen das, wenn wir es ihnen bedeuten, die können sogar ganz leise, wenn sie wollen), sind sie blitzschnell hellwach, folgen ihren Antennen und fummeln ihnen an den Beinen herum, versuchen an die Zitzen zu kommen und krähen, was das Zeug hält. Selbst einer
Fianna leistet Oma-Diensteliebevollen Mutter und einer mit allen Wassern und Beschwernissen gewaschenen Oma vergeht dabei der Appetit. Also ab heute: Ammenspeisung im Wohnzimmer.
Trotzdem oder gerade wegen dieser Aufdringlichkeiten, zieht es Fianna immer wieder zu ihren Enkeln, um ihnen die Nasen zu lecken und sie zu putzen. Die genießen den Oma-Service sehr, wir weniger, weil das nun mal der Mama-Job ist. Omas sind fürs Wochenende, nicht für die Alltagsseelsorge da. Aber, und das lässt uns dann doch wieder gnädig wegsehen, sie spielt auch herzergreifend und voller Zuwendung mit ihnen. Dagegen haben wir überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: Eine Spieloma ist das Beste, was einem Sprössling passieren kann. Und wir sind uns hundert Prozent sicher, dass Fianna ihren Enkeln im Spiel alles zeigen wird, was sie brauchen, um ein toller Hovi zu werden. Genau dafür sind Omas da!
Freitag, 11. Juni 2021
Vor uns ein wunderschöner weiß-blauer Sommertag, der sich auch nicht mehr in die Schmuddelecke treiben lässt, nur ein paar Wolkenfelder duldet und somit ein vielversprechender Einstieg in ein noch vielversprechenderes Wochenende wird.
Überhaupt nicht vielversprechend ist Heddas Zitzen-Maladie. Immer wieder wird ein Zapfhahn fest, aus dem die Zwerge nicht genug herauszuzeln können und dadurch die Milchpassagen verstopfen. Meist handelt es sich dabei um dieselbe, die Probleme macht. Dann liegt Hedda wieder einmal flach und die Chefin knubbelt und rubbelt und massiert und streift, bis die Kanäle wieder frei sind und statt Eiter wieder Milch fließt. Des Assis Schoß ist derweil das Ruhekissen für Heddas Haupt, das gerne in Richtung Bauch zucken würde, um der Qual ein schnelles Ende zu bereiten und der Chefin die gebotenen Schmerzgrenzen zu setzen. Aber Hedda ist ein wirklich braves Mädchen, das sich zwar schwertut, aber einsieht, dass die Behandlung besser ist als der dauerquälende Knoten im Euter. Dann gibt es einen lockernden Spaziergang, auf dem sie alles vergisst und anschließend einen Quarkwickel, der die Hitze aus ihrem Leib zieht. Es sieht aus, als sei diese Zitze ein ähnliches Montagsprodukt wie unsere Jule, das für die Zwerge nicht durchgängig genug ist, damit sie auch alles abzapfen können. Der verbleibende Rest wird dann zu Quark.
Um
Jazz kommt sogar mit Panacur klar 9 Uhr schreiten wir zur anstehenden ersten Entwurmung mit Panacur. Die Chefin hebt den Kandidaten oder die Kandidatin auf ihren Schoß, zieht die Spritze auf und schiebt den überraschten Schoßhockern die Pampe zwischen die Lefzen, und schon ist der Spuk vorbei, der Patient staunt und kommt gar nicht dazu, sich richtig zu wundern. Aber das geht auch anders, wie wir wissen. Da ist schon die weiße Creme durch die Küche geflogen, unter Abscheu verschleudert, gerade dass die Knilche nicht noch ein
Jules Geschmack ist es nichtangeekeltes Bäh hinterhergeworfen haben. Doch heute bleibt sogar das T-Shirt gesellschaftsfähig, die Mäuler kaum versabbert, und der Fotograf dreht mit leeren Händen ab: nichts Verwertbares. Dieser Mangfall-Achter verhält sich bei dieser doch grenzwertigen, weil abtörnenden Behandlung, so wehrhaft wie eine Rommee-Runde im Altersheim. Das hat seine Vorteile, aber solche Musterschüler loten die Grenzen unserer Erfahrung aus. Das kann doch nicht so toll schmecken, das muss doch irgendwie eklig sein, und nein, sie würden es morgen sicher nicht bestellen, aber wenn es auf den Tisch käme, würden sie es wieder brav schlucken. Da die Kur an drei Tagen in Folge verabreicht werden muss, werden wir morgen mehr wissen.
So friedlich die acht sind, so sehr loten sie nun ihre Fähigkeiten aus und intensivieren ihre Kontakte untereinander; zu Deutsch heißt das: Sie fangen an zu balgen und zu raufen und sich in die Nasen zu beißen. Interessant ist, dass sogar die Dauerlaberer bei diesen Rangeleien die Klappe halten. Offenbar beißt sich beißen und quasseln so sehr, dass sogar Joschi daran scheitert.
Während sich der Mangfall-Achter mit sich beschäftigt und Stück für Stück seine kleine Welt erobert, setzen wir ganztägig Heddas Zitzenkur fort, einmal mit Quarkwickeln, das nächste Mal mit Krautwickeln, damit sich der Stau löst, keine Hitze entsteht und wir auf ein Antibiotikum verzichten können. Das wäre zwar nicht abträglich für die Welpen, aber was nicht sein muss, sollte auch vermieden werden. Bisher klappt das gut und Hedda ist guter Dinge.
Wir bewegen uns nun stracks auf das Ende der dritten Woche zu, und dementsprechend kann man die Zwerge schon mal auswärts zum Essen führen; immer nur Mamas Milchküche ist doch langweilig und vor allem für Mama, wie wir sehen, eine Tortur, auch weil die kleinen Biester schon wieder Krallen wie Ameisenbären haben. Wir bereiten also eine Portion Welpenmilch, wie bereits beschrieben, und so, wie sie Mama Hedda immer noch jeden Morgen bekommt, bringen den Shake auf Körpertemperatur – und es kann losgehen: Laken auf den Boden, ein kleiner Twist-off-Deckel mit etwas Milch darauf gestellt und dann bekommt Jazz als erste ihren Auftritt. Womit rechnet man nach neun Würfen bei dieser Übung? Mit dusseligen Kleinkindern, die eher in dem Milchpfützchen ertrinken als daraus zu trinken. Auch mit orientierungslosen Zitzenschnullis, die noch nicht einmal mit Milchgeruch in der Nase einen Plan haben, was sie mit dem Sahneschälchen anstellen sollen, aber auch mit Zerstörertypen, die das Geschirr herumschleudern und durch den Flur treten, Grobmotorikern eben, denen es an jeglicher Ehrfurcht vor einem solchen göttlichen Manna mangelt. Alles schon erlebt, nichts davon würde uns überraschen. Es überrascht uns noch nicht einmal, dass Jazz zu jenen Geschöpfen zu zählen scheint, die etwas mit Tischsitten anfangen können: Sie lässt sich die kleine Nase in die Milchsuppe stupsen und beginnt zu züngeln, konzentriert und zielorientiert, verliert schon mal den Kontakt zum Essgeschirr, lässt sich aber willig reorganisieren und schnabelt weiter, bis das Deckelchen leergeschlurzt ist. Dann arbeitet sie noch den Überlauf rund um das Deckelchen herum ab, lässt nichts verkommen, sucht nach weiteren Quellen, wird nicht fündig und macht sich davon. Showdown. Ja, denken wir, Sonderbegabung eben, die noch nie durch eine Futterbehinderung oder Essstörungen aufgefallen ist, die klare Prioritäten im Leben hat und alles danach ausrichtet. So etwas haben wir auch immer schon gehabt.
Und
Janitschekdann kommt Janitschek, der Schani aus dem Wienerwald, der – wir schwören – seiner Schwester nicht zugesehen hat, und zieht exakt die gleiche Show ab: fokussiert, zielsicher, kontrolliert und nachdrücklich, und das bei dem kleinen Hektiker, der sich schon mal selbst überholt vor lauter Eifer und Begeisterung! Jasna setzt den Reigen fort. Wir merken, ab jetzt wird es für alle etwas schwerer, weil die beiden ersten natürlich die Umgebung des Deckels eingemilcht haben, was die Zielfindung
Jasna erschwert. Und Jasna tut sich tatsächlich schwerer, stapft im Milchdeckel herum, weil ja auch Kleopatra ihre Schönheit aus Bädern in Eselsmilch bezog, kommt aber letztlich auch klar, obwohl sie etwas mehr Hilfe braucht. So weit, so normal. Auch schön, mal keinen hochbegabten Welpen an der Milchreiche zu haben. Jeannie ist dann wieder die Vollkonzentrante in Persönchen, lässt sich jedoch gegen Ende der Speisung von den Milchlachen um ihre Füße herum aus dem Konzept bringen. Jule hat nachvollziehbar anfängliche Orientierungsschwierigkeiten, findet aber letztlich über Nase und Zunge zügig den Zugang zur Milch und verliert ihn auch nicht wieder. Judica ist die erste, der wir einen einigermaßen üblichen Verhaltenskodex zubilligen können: erst widersetzlich, dann ohne Plan, dann voller Euphorie und schließlich von allem Regelwerk befreit; der Assi schließt sie für ihre ihm so ähnliche Mittelmäßigkeit ins Herz. Wie sähe eine Welt voller Sonderbegabten aus? Sehr sonderlich vermutlich.
Jackl,
Jacklder sich immer mehr zum ruhenden Zentrum der acht entwickelt, ohne Bürgemeisterallüren zu pflegen und seinen Schlag immer mehr im Griff hat, setzt den Reigen der Tischgesitteten eindrucksvoll fort und lässt keinen Zweifel daran, dass man auch unauffällig anführen kann und nicht durch Trumpelhaftigkeiten herumprotzen muss. Hätten wir ihm ein feines Löffelchen gereicht, wäre er womöglich auch damit klargekommen. Wundert es jemand, dass wir nun sehr gespannt auf Joschi sind? Und wie froh wir sind, dass Joschi auch an der Armenspeisung im Flur der von uns geschätzt Joschi bleibt: etwas unsortiert, Hansdampf, liab’s Herrgöddle vo Biberach, was isch no dees?, aber er entledigt sich der Herausforderung wie ein Mann, putzt auch gleich noch den Flur und den Hof, lässt nichts übrig und sich nichts nachsagen – und das alles schweigend, ohne ein Sterbenswörtchen. Manche schaffen es sogar, mit vier Beinen im Milcheimer an Format zu gewinnen. Noch so ein Auftritt, und wir rufen ihn Josch oder gar Josuah. Der Abspann folgt dann gottlob dem uns sehr bekannten Muster: Alle fallen übereinander her, lecken sich die Köpfe und die Beinchen ab, alles verklebt von süßer Milch, Mama und Tante lassen sich nicht lumpen und helfen bei der süßen Körperpflege mit, und am Ende haben alle acht Stehstrubbelfrisuren, gezuckert und gegelt, aufgebrezelt und irgendwie gossig mondän. Ob wir sie vielleicht auch noch ein bisschen ablutschen sollen? Es wäre uns sehr danach.
Und nach diesem ereignisreichen Abendmahl, findet auch noch die Wiedervereinigung des Blues im Schlafgemach statt. Die Türen bleiben offen, Hedda trägt ihre Wickelbinde um den Bauch und kuschelt sich an den Assi, wie sie es kennt und so lange entbehren musste. Ihre Temperatur beträgt 38,1°, es ist also alles gut und wie gemacht für ein glücks- und sonnenbestrahltes Wochenende.
Doch bevor der Assi sich in Morpheus‘ Arme schmeißt, memoriert er noch schnell die Gewicht von heute, weil er doch morgen wissen muss, wie erfolgreich die Armenspeisung im Flur heute war:
Jazz 1590, Janitschek 1460 (uff!), Jackl & Joschi 1390, Judica 1290, Jasna 1280, Jeannie 1100, Jule 1090. Und gute Nacht…
Samstag, 12. Juni 2021
Jetzt sind wir aber mal gespannt! Bevor irgendetwas anderes der Beschäftigung und Erwähnung wert ist, wird mit dem zweiten Sonnenstrahl die Waage befragt.
Es hätte uns sehr gewundert,
Jacklwenn Jazz die gestrige Milchparty nicht maximal genutzt hätte, sich weiter auf und davon zu machen; Maximalverstoffwechslung, dein Name sei Jazz. Also: Jazz 1690 (+100). Allerdings muss man Jackl zugutehalten, dass er die Gefahr aus der Tiefe der weiblichen Urgründe erkannt hat und versucht dagegenzuhalten, was ihm männiglich gelingt, aber die allzu groß gewordene Lücke nicht schließen kann: Jackl 1490 (+100), geht doch, wenn auch nicht weit genug. Dann kommen die beiden Pappnasen, der Dauerplauderer Joschi und der Jani-Schani aus dem Wienerwald, Arm in Arm untergehakt, mit 1460 g dahergeschlendert, was nicht ganz korrekt ist, denn der Schani hat wieder mal eine komplette Stoffwechselpause eingelegt (0) und der Plauder-Edi mit 70 g plus untergehakt. Wir sind inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass Janitschek der Markenvertreter für kynologisches Intervallfasten ist (JaniFast® Slimline). Als Fünfte im Fatburner-Race kommt heute Judica ins Ziel: 1340 (+50). Jasna hat sich für ein Wochenendseminar bei Jani angemeldet und versichert ihn mit 0 g plus (1280) ihrer Glaubensschwesterschaft. Das Ende des Felds bilden, wie gewohnt Jule 1160 (+70) und Jeannie 1130 (+30), die sich nach unserer Erfahrung bis zum Tag des Abschieds schön paritätisch die Rote Laterne überreichen werden. In der Summe ergibt das 420 g plus und ein bisschen über 1376 g Durchschnittsgewicht.
Damit sind wir sehr zufrieden, obwohl nicht zu übersehen ist, dass fast die Hälfte des Zuwachses auf die Konten von Jazz und Jackl gehen. So gesehen, hätte bei den sechs anderen getrost ein bisschen mehr hängen bleiben können, aber einerseits kann man gegen Heilfaster wenig ausrichten und andererseits fordert auch der erste Teil der Entwurmung ihren Tribut, die immer ein wenig als Appetitzügler wirkt. Die systemische Frage drängt sich dann allerdings auf, ob die Entwurmung eventuell bei Jazz und Jackl wirkungslos bleiben wird oder ob sie die Pampe in ihren Futterplan integriert haben. Heute gibt es die zweite Portion der ersten Entwurmung, und dann werden wir morgen wieder ein wenig mehr wissen.
Da nun unsere Neugier in Sachen Gewicht befriedigt ist, können wir uns diesem Samstag zuwenden. Die erste Erkenntnis ist: Wetter brillant! Sommer auf dem Land, Schwalben in der Stratosphäre und Heißluftballone irgendwo dazwischen. Zweite Erkenntnis: Heddas Zitzenanomalie macht einen zufriedenstellenden Eindruck, dann steht einem schönen Morgenspaziergang nichts mehr im Wege.
Der endet allerdings mit einem Unwohlsein bei Heddas Pflegepersonal, weil wir nach ihrem Spaziergang und dem anschließenden Frühstück bei ihr wieder eine dickere Zitze ausmachen und 39,3° messen; das ist ein wenig zu viel, als dass es uns egal sein sollte. Und da so etwas immer an Wochenenden anfällt, sorgen wir vor und besorgen uns bei der befreundeten Tierärztin Tanja aus der Nachbarschaft ein Antibiotikum. Sicher ist sicher. Das einzig wirklich Sichere ist allerdings die Versorgung der Zitze, der sich die Chefin mehrmals heute hingebungsvoll widmet, immer wieder etwas Eiter extraktiert, bis sich das Gesäuge wieder in einem
Jeannie mag keine Wurmpaste mehreinsatzfähigen Zustand befindet und die Temperatur dort angekommen ist, wohin sie gehört. Das Antibiotikum liegt ungeöffnet auf Wiedervorlage in der Schublade.
Gegen 10 Uhr erfolgt die zweite Runde der ersten Entwurmung, welche die Jays ebenso klag- und widerstandslos über sich ergehen lassen wie gestern.
Jetzt steht einem großen Tag nichts mehr im Wege, denn es haben sich ein paar Besucher angemeldet, deren unzweifelhaft wichtigster Heddas Ex-Lover Lando ist, der Papa eben. Aus Niedersachsen kommt er angereist, um nachzusehen, was seine Ex aus seinen Lendengewächsen macht und ob auch wir sie seinen Vorstellungen entsprechend umsorgen. Das Ergebnis seiner Visite ist
Lando will sehen, was er gemachtvielschichtig zu bewerten. Erste Schicht: Lando verhält sich seinen Kindern gegenüber gelassen, aber auf Distanz. Erwachsene Rüden haben meist ein sehr gespaltenes Verhältnis zu ihren Kindern, finden sie abstoßend und nehmen Reißaus. Wir hatten schon solche, die im hohen Bogen über die Welpensperre im Garten geflohen sind, dabei Kopf, Kragen und Beine riskiert haben, nur um diese lästigen Fellzwerge auf Distanz zu halten, zumal Welpen sich an jeder Zitze vergehen, die sie zu fassen kriegen – auch wenn an diesem Bauch nur eine einzige ist. Unerhört! Lando sieht sich die selbstverschuldete Bescherung über die Flurabsperrung hinweg an, fühlt sich familiär hingezogen, Sekunden später jedoch handfest abgestoßen, vertrieben wie ein Taugenichts bei Tiffany's. Fianna ist es, die erledigt, was ihrer Meinung nach erledigt werden muss, von Hedda aber nicht vollzogen wird. Wenn man die Plagen schon neun Wochen mit sich herumschleppt und sich dann noch acht Wochen mit ihnen herumschlagen muss, braucht man manches, aber sicher keinen Wochenend-Frauenversteher und Kinderschmuser. Hedda sieht das nicht so alttestamentarisch streng, war doch nett mit ihm, oder? Und aufgedrängt hat er sich jetzt auch nicht direkt und den großen Daddy gespielt. Im Grunde war es doch nur verständliche Erzeugerneugier. Fianna setzt die Grenzen.
Die zweite der
Hedda präsentiert Lando ihren Nachwuchsmehrschichtigen Betrachtungsweise betrifft sein Verhältnis zu Hedda, das immer noch kräftig zu glimmen scheint und nun wieder heftig angefacht wurde. Er macht sich an sie heran, wo es geht und peinlich so schlecht es geht, weil das Hormonkontinuum Mann nun mal so insistierend konstruiert ist, selbst wenn das Feuer der Angebeteten nur noch Asche ist. Aber echte Männer nehmen auch mit eiskalten Schultern vorlieb, zumal sie überzeugt sind, dass sich diese wieder erwärmen, wenn man sich nur lange genug an ihnen anlehnt. Heddas Schultern erwärmen sich nimmermehr (bis zur nächsten Läufigkeit jedenfalls nicht). Und so ist ihr Verhältnis ein abgekühltes ihrerseits und ein enttäuschtes seinerseits, das vom Umgangston getrennt lebender Elternteile bestimmt wird.
Dritte Betrachtungsschicht: Lando und die Grande Dame des Blues. Von Hedda unter Wert abgewiesen, erkennt Lando, dass es eine Alternative gibt, und offenbar nicht die schlechteste. Und so kann er sich den Paradiesvogel in der Hand durchaus attraktiver vorstellen als den zickigen Spatz in der Voliere. Was er nicht ahnt, ist, dass Fianna zwar in einem Welpenparadies lebt, sich für dieses auch geschäftsführend verantwortlich fühlt, aber ein Paradiesvogel ist, der jenseits seiner fruchtbaren Tage aufdringlichen Männern, je nach Tageslaune, furchtbare Tage bescheren kann. Nach diesen ersten Begegnungen ist Lando vermutlich der erste Mann, der nach einer Überdosis von Einläufen eine Verstopfung bekommen hat. Aber wenn die Begehrlichkeit über die Einsicht
Landotriumphiert und Einläufe im Viertelstundentakt generiert, muss der vor sich selbst Hergetriebene in die Ausnüchterungszelle, also in seine Box im Auto. Hätte Schiller der Szenerie beigewohnt, wäre ihm sein Vers aus dem „Ring des Polykrates“ vermutlich folgendermaßen geraten: Noch keinen sah ich fröhlich enden / Auf den mit immer schnellen Händen / Fianna ihre Gaben streut. Doch gemach, gemach: Lando ist nach der Begegnung mit Fianna weder physisch gerupft, noch seelisch gebrochen; auf ihren Spaziergängen kommen die drei gut miteinander klar, sodass sich die Gefechtslage nach beidseitiger Anpassung der Diskussionskultur zunehmend entspannter gestaltet. Man, ja, auch Mann, lernt Distanz zu wahren und zu schätzen, in deren weiten Grenzen der Abend ausgesprochen harmonisch verläuft.
Nur der Wetterbalg kann nach einem schönen, aber gewitterlastigen Nachmittag wieder einmal seine Blase nicht halten und pinkelt auf den heißen Grill. Schwamm drüber…
Sonntag, 13. Juni 2021
Noch hängt morgens Gewitterluft im Mangfalltal, aber die Sonne will jetzt endlich mit der Herumsudelei und -sauerei schlussmachen, und so erwacht ein schöner Sommertag, mit einem Himmel wie ihn der niedersächsische Lando aus seiner bayerischen Jugendzeit noch erinnert: weiß-blau mit einem zarten Lüftchen, das den Bäumen zart unter die Blätter streicht, wie es sich Lando auch zwischen ihm und den Blues-Damen und deren Röckchen hätte vorstellen können. Wurde nichts daraus, dafür darf er das bayerische Lüftchen genießen.
Während Lando, Fianna und Hedda einen langen und freundschaftlich verbundenen Morgenspaziergang machen, werfen wir einen Blick auf die heutigen Gewichte und Heddas Menüplan. Letzteren reichen wir noch einmal aus, weil sicher nicht mehr alle wissen, was sie den ganzen Tag über in sich hineinstopft, um dem Mordsappetit ihrer Kinder gerecht zu werden. Gleich morgens nach dem Aufstehen kredenzen wir ihr eine kräftige Milchsuppe (körniger Frischkäse, Ziegenmilch, Eier, Distelöl) mit pürierter Banane, Haferflocken und Frubiase Calcium. Nach dem Morgenspaziergang, der meist sofort danach erfolgt, gibt es trockenes oder eingeweichtes Welpenfutter, nachmittags dasselbe noch einmal und abends reichen wir ihr Frischfleisch mit Flocken oder Vergleichbarem. Das sollte reichen, um acht Kinder großzuziehen. Also werfen wir einen prüfenden Blick auf das Resultat dieser Kalorienakkumulation und auf die Waage.
Und das sieht dann schon bei der ersten Kandidatin dünn aus und lässt Dünnes vermuten: Jazz legt nur 40 g zu (1730). Wenn sie sich nicht den Magen verdorben hat oder ebenfalls zu Janitscheks Intervallfaster-Truppe übergelaufen ist, dann werden wir heute bei der Endabrechnung nicht viel Freude haben. Eigentlich wäre das die Gelegenheit für die Verfolgermachos, aber die einigen sich heute auf einen kleinmütigen Waffenstillstand bei 1520 g, Joschi plus 60 und Jackl plus 30. So wird das nichts. Janitschek fastet immer noch: 1460 (0), strahlt aber mit seinen Sonnenblumen-Marken übers ganze Gesicht. Jasna war wohl vom Fastenseminar nur wenig begeistert und holt nach, was sie sich vorgestern vorenthalten hat: 1380 (+100). Nach ihr kommt das Ernährungsprekariat: Judica 1350 (+10), Jule 1200 (+40) und Jeannie 1140 (+10). Wer lesen kann, weiß, dass das gestern ein Fastentag für alle war und wer rechnen kann, summiert das alles auf 290 g Auflastung. Das Durchschnittsgewicht steigt auf 1412,5 g. Spätestens jetzt wird unser Verdacht bestätigt, dass die Wurmkur den Gewichtsknick verursacht, denn gemampft haben sie alle sehr eifrig.
JeannieDieser E
Jacklrnüchterung folgt logisch die nächste Einzelbefütterung mit Welpenmilch. Wegen des Kaiserwetters zelebrieren wir diese im Garten. Im Grunde zeigt sie uns das gleiche Bild wie vorgestern. Weil sie nun nicht mehr völliges Neuland betreten und schon ein bisschen mit dem Schüsselchen umgehen können, zeigen die Jays heute kleine Wesensunterschiede oder erste Charakterzüge. Robust und druckvoll mit einem kämpferischen Einschlag machen sich heute Janitschek, Judica und Jazz den Inhalt des Schälchens untertan,
JasnaJule hat
Fiannaoffenbar ein klar definiertes Ziel vor dem einen Auge und leert die Schale Zungenschlag für Zungenschlag, Zug um Zug wie ein Melkroboter, und auch die restliche Viererbande kommt genauso gut klar wie vorgestern, mal etwas desorientiert, dann wieder zielorientiert, mal das Schälchen aus den Augen verloren und wieder gefunden oder von freundlichen Händen zurückgeführt, gelegentlich scheint die verschüttete Milch im Gras von höherem Wert zu sein als die im Napf, alles völlig nachvollziehbar und unterm Strich von großer Ziel- und Treffsicherheit. Trotz der kleinen Verhaltensvarianten sind alle höchst effizient, erkennen sehr schnell, worum es geht, setzen ihre Zunge präzise ein, und nur ganz selten steht mal einer mit den Füßen im Napf. Das ist schon sehr ungewöhnlich, aber wir werden uns darüber nicht beschweren.
Dann muss uns auch Papa Lando wieder verlassen. Er hat, trotz seiner Hormonschübe, bei uns einen starken Eindruck hinterlassen, denn es ist ein Unterschied, ob man einen Rüden in einer Deckveranstaltung erlebt und ihn nur auf das Eine reduziert oder ihn als ganzen Kerl ohne besondere Erwartung unter seinem Dach erleben darf. Die Erwartung hatte eigentlich nur er, nur eben die falsche. Als das geregelt war, erlebten wir einen sehr ausgeglichenen, überaus freundlichen Kuschelbären, dem bei Gelegenheit der Schalk aus den Augen spitzt und der bei anderer Gelegenheit eben das ist, was er sein soll: ein Hovawartrüde, ein Wachhabender und ein Möchtegernrechthabender. Wenn er nur einen Teil davon an die Jays weitergegeben hat, dürfen sich die designierten Welpenentführer jetzt schon freuen. Und sie dürfen sich, abgesehen von dieser Aussicht, tatsächlich jetzt schon freuen, denn Lando hat zugesagt, den Abschied seiner Kinder vom Blues am 18. Juli mit seiner Anwesenheit zu vergolden. Einzeln wird er sie ins Leben entlassen, ihnen noch ein paar eindringliche Worte mitgegeben und, wie wir, hoffen, dass alle acht die Kurve in eine lange und glückliche Lebenslaufbahn kriegen.
Nachdem Lando und alle anderen Besucher abgereist sind, freut sich der gesamte Blues bei einem sehr harmonischen Abendspaziergang über die Kinder, die Menschen, das Wetter und die Welt. In solchen Augenblicken gibt es keine Probleme, keine halbblinden Kinder, keine vereiterten Quarkzitzen, keine Fressmonster und keine Hungerhaken, keine Nervensägen und keine Schlafmützen, keinen Arbeitsstress und keinen Schlafmangel, keine Überzuckerung und keine Unterzuckerung, sondern nur den Blues in seinem Kinderglück.
Das
Was is'n das?Leben beim
Rock am RingBlues geht aber weiter, jedem himmelblauen Blick ins Paradies zum Trotz. Für die Zwerge bedeutet das wieder ein neues Lernprogramm, diesmal in Form einer gemeinsamen Mahlzeit am Futterring. Wir bringen den Ring in den vorabendlichen Garten, stellen ihn in die Wiese – und schon sind die ersten Verdächtigen mit ihrer Nase im noch leeren Napf. Das bedeutet nicht, dass sie schon wissen, was jetzt folgt, sondern ausschließlich, dass sie noch neugieriger sind als Else Stratmann. Dann wird die Milch eingelassen und den Hungerleidern der
Heiße Schlacht ums leere Büffetrechte Weg gewiesen. Selbst bei dieser relativ disziplinierten Kompanie am Einzelnapf haben wir nicht erwartet, dass sie sich am Ring ebenso distinguiert und gesittet geben, nein, wir erleben, was wir bei dieser Übung immer erlebt haben: Rock am Ring. Träumer vor dem Trog, Panzerkommandanten, Kameradenschweine, Ellbogenspreizer und Erlebnisgourmets, aber am Ende sehen sie alle aus wie der Frosch im Milcheimer: Milchmädchen und Milchbubis von der Sohle bis zum Scheitel mit Strubbelfrisuren und Klebefüßen. Daran erfreuen sich vor allem Hedda und Fianna, die dieses klebrige Missgeschick mit Eifer und Sorgfalt zu beheben trachten. Danach haben die Zwerge immer noch Strubbelfrisuren, aber dafür habe die Damen schon ihre warme Milch vor dem Schlafengehen gehabt. Praktisch.
Das Ende dieses herrlichen Sommersonntags markiert der dritte Teil der ersten Entwurmung. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen als das, was schon gesagt wurde: Die Jays lassen sie nahezu teilnahmslos über sich ergehen und fallen nach diesem ereignisreichen Wochenende in einen traumbestickten Schlaf. Gute Nacht, ihr werdet euch noch wundern; das war erst der Anfang.
Montag, 14. Juni 2021
Nun geht’s ziemlich stracks dem Sommer entgegen, was uns bezüglich der Außenhaltung unserer Schutzbefohlenen sehr entgegenkommt; Freilandhaltung im Regen wäre der Horror. Aber heute messen wir wolkenlose 26 °C und hoffen auf eine lückenlose Fortsetzung, egal was der mürrische Mangfallbauer darüber denkt.
In vier Wochen, am 14. Juli, ist der achtwöchige Kindergeburtstag beim Blues schon fast vorüber, dafür feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag und feuert aus allen Rohren, und der Assi wird zum hundertsten Mal seine Jakobinermütze suchen und wird sie zum genauso vielten Male nicht finden. Es hat etwas Ernüchterndes, wenn die Zukunft so vorhersehbar ist.
Und während man auf dem Kalender, eher durch Zufall, den 14 Juli in die Augen und den Kopf bekommt, regt sich die Frage, was denn der heutige 14. Juni wert wäre und zu bieten hat? Schauen wir doch mal nach… Aha: Ein gewisser Ernesto Guevara, „Che“ gerufen, wurde am 14. Juni 1928 geboren. Dios mío, der wäre auch schon 93! Und 18 Jahre später entwand sich dem Schoß einer schottischen Auswanderin ein Knabe mit den Vornamen Donald John, hintenrum heißt er auch heute noch Trump. Beide an einem 14. Juni… Der eine Arzt und Philanthrop, der den christlichen Ansatz, auch die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf die eine geschlagen wird, nicht zu seinem Lebensmotto erkor, sondern es als zielführender erachtete, auch das andere Ohr abzuschlagen, wenn das eine schon gekappt ist. Und der andere ist ein Armleuchter und Misanthrop, dem alles gerade so recht ist, wie er es sich zurechtlegen kann. Der eine Caballero und Guerillero mit großem intellektuellen Potential, der andere Narzist und Nazist mit vorwiegend innersekretorischem Potential. Wie kann ein Tag so etwas gebären, als wäre er ein Vers aus der Feder des Mühlhiasls? Aber, aufgemerkt, unsere Jule hat mit beiden etwas gemeinsam, so viel Trost darf sein: Beide waren oder sind auf einem Auge blind, was den Vorteil hat, sich von der anderen Seite der Welt wegdrehen zu können. Und dann ist da noch ein Geburtstag, der eines Mannes, dem es vermutlich zur Lebensaufgabe geworden wäre, sich mit jenem zu beschäftigen, dem das Intellektuelle zu sehr in die Drüsen gerutscht ist. Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 geboren. Und vielleicht hätte er sogar die Notwendigkeit gesehen, sich auch mit dem Caballero näher zu beschäftigen, was sich mit dessen für die Demenz doch allzu frühen Tod erübrigt hatte. Wer weiß? So ein Tag, so wundersam wie heute… oder hatte etwa Reinhard Mey genau diesen Tag im Sinn, als er formulierte: Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund?
Mit diesem
Hedda kann mit sich zufrieden seinTitel hätten wir also wieder geschmeidig die Kurve zu unseren Jabberwockys und den mit ihnen verknüpften täglichen Pflichten, Routinen und Erlebnissen gekriegt.
Hedda, das ist deutlich geworden, ist eine ambitionierte Mama, aber keine Milchkuh, was sich in der teils zaghaften Gewichtsentwicklung ausdrückte. Wir verweisen ausdrücklich auf die schüchterne Einschränkung „teils“. Bekanntlich gibt es Leute, die aus Sch… Geld machen können und solche, die aus wenig viel zaubern können – jazz is aber gut mit den Anspielungen!
Wie dem auch sei: Die Zufütterung zeigt jetzt Wirkung. Nur nicht
Joschibei jener, welcher wir soeben einen kleinen Seitenhieb verpassten, bei Jazz. Die hat sich nach Tagen ungenierter Völlerei offenbar für ein Fastenintervall entschieden und eine Nullrunde geliefert: gestern wie heute 1730 g. Wir machen uns deswegen keine Sorgen, im Gegenteil. Joschi hat sich seit langem wieder auf den zweiten Platz gefuttert, obwohl er währenddessen den Schnabel nicht gehalten hat: 1610 (+90). Jackl kommt mit 1570 (+50) aus dem Schlaf, gefolgt von Janitschek mit 1560 (+100), der nach zwei Fastentagen wieder Lust auf Leben verspürte. Dann reißt die Kette wieder ab, wobei sich Judica
Janitschek liebt Karliemit 100 g plus (1450) alle Mühe gab, nicht abreißen zu lassen. Dagegen kam Jasna offenbar mit der Rempelei am Futterring nur suboptimal zurecht und liefert eine Null (1380). Und noch ein Persönchen will sich nicht abhängen lassen, wenn auch das Potential nie zu einer Walküre oder Brünnhilde reichen wird, aber 160 g für Jeannie (1300) lassen ihr anfänglich gezeigtes Kämpferherz wieder schlagen. Und sogar Jule will sich nichts nachsagen lassen: 1260 (+60). Das sind 560 g Aufschlag und bringen ein Durchschnittsgewicht von 1482,5 g. Für uns bedeutet das vor allem, dass wir Hedda langsam entpflichten können und die externen Mahlzeiten gut ankommen und gut vertragen werden.
Vielleicht sollten wir noch einen kleinen Seitenaspekt in die Gewichtsdiskussion einführen, den wir bisher unterschlagen haben, auch weil wir seine Relevanz nicht belegen können: Jazz und Jasna hatten heute Morgen ihre Schlummerkiste verlassen, hatten also nachts die 30 cm-Barriere überstiegen und lagen friedlich schlummernd im Kudde, beziehungsweise auf der Decke. Sie schienen mit sich und der Welt im Reinen, trotzdem können wir nicht ausschließen, dass sie nach längerem Todeskampf nur in einen Erschöpfungsschlaf gefallen waren und wegen dieser Nahtoderfahrung viel Gewicht verloren hatten. Sie sind es ja, die heute eine Nullnummer liefern. Weder wegen der entgangenen Gewichtszunahme noch wegen der mutmaßlichen Nahtoderfahrung werden wir für die beiden ein Kriseninterventionsteam anrufen. Wenn es so ist, geschieht es ihnen recht. Das einzige, was wir machen werden, ist, heute ein weiteres Brett einzulegen.
Dieser Ausbruch signalisiert den Wandel in unserer Kinderstube. Jetzt hockt nämlich die ganze Bande schon morgens in der Küche, putzmunter oder gelangweilt, recken alle gemeinsam die Köpfchen gen Himmel und bringt ein kollektives Geheul wie von einem ganzen Wolfsrudel zu Gehör. Lecko, was ist das denn? So einen Gefangenenchor hatten wir noch nie. Die Vermutung des Assis, das Geräusch des Zauberstabs beim Mixen der Welpenmilch habe das Geheul verursacht, zerschlägt sich bei weiteren Versuchen, die nicht mit Geheul beantwortet werden. Nun gut, was soll’s: Hunde stammen halt vom Wolf ab und manchmal kommt er noch zum Vorschein.
Doch nicht nur solche Highlights machen den anstehenden Wechsel in unserem Alltagsverhalten deutlich. Immer mehr wird der aktive Kontakt zu uns gesucht. Sie laufen uns an, und hinterher, tapsig noch, aber zielstrebig. Man muss nun schon sehr achtgeben, wohin man tritt, und mindestens ein Auge sollte immer den Küchenboden im Blick haben. Obwohl dieses „eine Auge“ logischerweise eine Anspielung auf Seeräuber-Jenny Jule sein könnte, was sie nicht ist, können wir sie heute trotzdem nicht aus der Verantwortung lassen, sondern müssen sie einer allgemeinen Rüge zuführen: Sie pinkelt heute sehr schamlos, coram publico, in einen der nagelneuen Birkenstock-Schlappen der Chefin! Beim besten Willen lässt sich ein solch halbseidiger Affront nicht mit halbseitiger Blindheit rechtfertigen.
Für uns bedeutet das alles, dass wir für den Rest unserer Zeit auf jegliches Zeitmanagement verzichten müssen, weil nichts mehr wie gewohnt abgearbeitet werden kann. Wann immer etwas erledigt werden soll, hat ein Zwerg etwas dagegen, hält einen auf oder kackt einem vor die Füße. Zeitmanagement bedeutet für die nächsten fünf Wochen: Sieh zu, wie du über die Runden kommst und freu dich, wenn dein Frühstück schon eine Stunde später auf dem Tisch steht.
Zu den eifrigsten
Judica Protagonisten der herzdolchenden Zeitdiebe gehört Judica. Sie führt derzeit die Garde der besonders anhänglichen Schatten an, huscht uns andauernd zwischen den Füßen herum, wuselt hierhin und dorthin und sucht sofort wieder unsere Nähe. Wenn sie besonders viel Zuneigung ausdrücken will, kneift sie uns auch gerne mal in die sommerlich nackten Zehen. Was jetzt noch als Liebesbiss durchgehen kann, weil die Zähnchen zwar bereits spürbar, aber noch nicht richtig durchgebrochen sind, wird in spätestens zwei Wochen zur Systemfrage: flüchten oder erschlagen?
Mittags servieren wir im Garten wieder eine Milchmahlzeit am Ring, was sich als Herausforderung erweist, weil die Jays schon recht schnell auf den Beinchen unterwegs sind, wir aber unseren Garten noch nicht gesichert haben. Das bedeutet: Alle Mann und Frau (Besucher sind herzlich eingeladen) bitteschön Leben retten! Denn während der Ring, Milch und Knirpse in den Garten gebracht werden, sind die bereits dort Ausgesetzten schon auf Entdeckungstour. Der größte Magnet ist dabei unser Wasserbecken, das alle anstreben, als ob von ihm ihr Überleben abhinge. Vermutlich gibt es kaum ein Lebewesen, das nicht alle Sinne auf Wasser fokussiert hat und sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlt. Das mag unter anderen Umständen lebensrettend sein, hier und heute wäre es das nicht. Jackl ist der hartnäckigste Wassermann, womöglich hat er eine Wünschelrute eingebaut: Egal, wohin wir ihn bringen und wo wir ihn aussetzen, er dreht um und ist umgehend wieder unterwegs zur Zisterne. Erst als wir ihn am zweitwichtigsten Elixier des Lebens, der Milch, ein verlockendes Angebot machen, lässt er sich überreden und vergisst die lebensspendende Oase am Rand des Paradiesgartens.
Nachmittags verbringen wir mit einem kleinen Besucheraufgebot im Garten und die Jays liegen mit uns unterm Apfelbaum und schlafen; war ja auch megaanstrengend heute. Jetzt ist Ruhe und Idyll.
Das
Jasna bei der Pediküreändert sich abends: Der Assi lädt die Familie kurz nach 20 Uhr zum Stelldichein im Nagelstudio. Viel zu lange haben wir den Termin vor uns hergeschoben, aber Heddas Wohlergehen verträgt keinen Aufschub mehr. Einer nach der anderen muss auf den Baderschoß und Nägel lassen. Wie viel wehrhafter sind sie seit dem ersten Pediküre-Termin am 29. Mai geworden! Jetzt heißt es beherzt zupacken und ebenso beherzt wie feinfühlig zukneifen. Alle überleben, meist unter heftigen Protesten und Kündigungsandrohungen, Me-too-Parolen gehen ihnen auch schon geschmeidig von den Zungen und die Frage, ob sich der Assi der schweren Körperverletzung (§ 224 StGB) oder der Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) schuldig macht, wird lautstark thematisiert.
Da
Jackl mit seinem ersten Tatardie körperliche Unversehrtheit aller nach der Prozedur belegbar ist (kein Blut!) und das zukünftige Wohlwollen der Schutzbefohlenen auch in unserem Interesse liegt, ködern wir die Kampftruppe anschließend mit einem Angebot, das sie zwar noch nicht einschätzen können, aber auch nicht ablehnen wollen: die erste Fleischmahlzeit, gereicht aus den Händen des Schänders.
JazzAlle bekommen ein etwa walnussgroßes Kügelchen Rinderhack vor die Nase gehalten, und alle verstehen sehr schnell, was ihnen hier beschert wird. Eine Fleischkugel dieser Größe ist keine Kleinigkeit, aber alle hauen das Ding ratzeputz weg,
Julesauen sich dabei kaum ein und scheinen hellauf begeistert zu sein. Vegetarier scheinen jedenfalls nicht unter ihnen zu sein. Jetzt haben wir also auch diese Premiere zur großen Begeisterung aller gemeistert und können mit einiger Gelassenheit auf die nächste Woche blicken: Milch lieben sie und Fleisch verschlingen sie, jetzt fehlt zur Grundausstattung nur noch der Trockenfutterbrei. Wir haben keine Sorge, dass wir es dabei mit Langzähnen zu tun haben werden.
Vor dem Stubenappell und nach dem Betthupferl ertastet die Chefin bei Hedda schon wieder eine feste Zitze, was sich diesmal allerdings wie ein Hämatom im Gesäuge anfühlt. Wir haben keine Ahnung, woher das stammen soll. Der Assi, der Hedda abends und nachts ausgeführt hat, kann sich an keinen Vorfall oder Umstand erinnern, der so etwas zur Folge haben könnte. Rätselraten hilft jetzt nicht weiter, Hedda geht mit einem Krautwickel ins Bett. Mal sehen, was morgen los ist.
Wegen der ausgebüxten Partisaninnen am Morgen, sorgt ein weiteres Brett (10 cm) in der Schnullerkiste für Nachtruhe in der Küche. Republikflucht hat seinen Preis. Aber was soll man schon machen? Auch wir hatten nie die Absicht eine Mauer zu bauen.