Sonntag, 6.11.2022

Blood on the tracks…

Fianna ist bereits seit Ende Oktober läufig, aber diese neuen Blutspuren erregen Verdacht. Eine Inspektion bei Hedda bestätigt ihn: fünf Wochen zu früh!

1M3A3726 1 250Bei soviel Hovi-Kontakt spielen Heddas Hormone verrücktEine Woche Hundeurlaub mit Geschwistern, Kindern, Onkeln, Tanten und Freunden im Bayerischen Wald haben ihr Hormonleben offenbar so befeuert, dass sie beschloss, die Causa K-Wurf umgehend anzugehen.

Was ihr möglicherweise in den Kram passt, bringt uns ein wenig in Bedrängnis. Einen Bräutigam, den Ludwig aus der Grauzone, haben wir zwar schon überzeugen können, aber einen Ersatz haben wir noch nicht, was sich bei einem Ersttäter, wie es Ludwig ist, dringend empfiehlt. Der muss jetzt schnell besorgt werden. Außerdem hätte der ursprüngliche Zeitplan einen Deckakt während der Weihnachtsferien erwarten lassen, was für eine Lehrerin ein ideales Szenario gewesen wäre. Das hat sich nun erledigt. Andererseits hat es auch etwas für sich, wenn man den Leuten nicht an Weihnachten oder Silvester auf den Wecker gehen muss.

Sehr schön ist, dass der Wurf nach Heddas neuer Agenda Mitte März abgegeben wird, was allen ein langes Hundejahr bescheren wird, den Kindern etwa mit geöffneten Hundeschulen und Löwenzahnwiesen und Hedda mit einem unbekinderten Sportjahr. Es hat eben alles seine Vor- und Hinterteile. Ändern können wir sowieso nichts…

 

Montag, 7.11.2022

IMG 6618 1 250Erste UntersuchungUm 18:30 Uhr sprechen wir mit Hedda bei Frau Dr. Dusi-Färber in Vaterstetten vor, unserem zuverlässigen Decktagsorakel seit unserem ersten Wurf. Noch immer schickte sie uns punktgenau zum Decken. Daran soll sich auch beim K-Wurf nichts ändern.

Heute, am zweiten Tag der Läufigkeit, steht nur eine bakteriologische Untersuchung an, weil Kleinstzeug in der Scheide schon manchen Wurf verhindert oder ihm geschadet hat. Das konnten wir auf diesem Weg in bisher zehn Würfen erfolgreich vermeiden. Bakterien sind überall und auch unverzichtbar, auf bestimmte Arten sollte man aber im Zusammenhang mit einem Wurf besser verzichten. Hedda lässt den Abstrich über sich ergehen, ist dann aber schneller wieder aus der Praxis als sie drinnen war. Obwohl ihre erste und bislang letzte Erfahrung mit dieser Praxis auf den März 2021 zurückgeht, kann sie sich offenbar noch gut daran erinnern, dass sie schon Angenehmeres als eine solche Unterruten-Inspektion hinter sich gebracht hat.

Und weil auch Würmer nicht die geeignete Begleitung für Welpen sind, nehmen wir gleich noch eine Entwurmung für Hedda und Fianna mit, wie das gute Praxis sein sollte, bevor man sich zur Reproduktion aufmacht.

 

Samstag, 12.11.2022

Weil bei Hedda Coli-Bakterien nachgewiesen wurden, beginnen wir heute mit der Antibiose.

 M3A7926 1 250Fianna feiert ihren 11. Geburtstag mit HeddaUnd  M3A7583 1 250Hedda bei hrer IGP1dann feiert Fianna heute auch noch ihren 11. Geburtstag und Hedda tritt zu ihrer IGP 1 an. Die läuft sie mit Herzblut, lässt aber im Überschwang der Sportbegeisterung Punkte liegen (siehe: Schlagzeilen, Hart aber fair vom 12.11.). Aber vielleicht hat sie den Fokus bereits auf neue Ziele gerichtet.

 

Montag, 14.11.2022

Um 13 Uhr sind wir wieder bei Frau Dr. Dusi-Färber, und heute wird es ernst.  

Als erstes ist ein Scheidenabstrich für die Zytologie fällig, weil die Fachfrau am Zustand der Zellkerne recht genau den aktuellen Status der Läufigkeit ablesen und auf die wahrscheinliche Deckbereitschaft schließen kann.

Ein Blick mit dem Spekulum in Heddas Scheide liefert weitere Hinweise, weil sich auch die Schleimhaut mit dem Fortgang der Hitze verändert.

Letzten und wichtigsten Aufschluss über das wahrscheinliche Datum der Ovulation und damit der Fruchtbarkeitstage liefert das Progesteron mittels einer Blutspende. Eigentlich müsste Heddas Blutdruck während dieses Praxisaufenthalts hochbrausen und der edle Saft ins Röhrchen spritzen, stattdessen braucht die Dottoressa fast eine Pumpe, um Hedda die nötigen Tropfen abzuzapfen. Die gibt die brave Dulderin – und verweigert trotzig die Mitarbeit. Ohne Heddas Einverständnis verabreden wir einen nächsten Praxisbesuch für Mittwoch.

Am späten Nachmittag erreicht uns das Ergebnis des Progesterontests.: 3,45 ng/ml. Die Ovulation findet etwa bei einem Wert von 6 statt. Die erfolgversprechenden Decktage erstrecken sich vom Tag der Ovulation bis zwei Tage danach (was nicht heißt, dass danach nichts mehr geht).

 

Mittwoch, 16.11.2022

Hedda jumst und sumst den ganzen Tag herum, lauert an- und ausdauernd vor der Terrassentür, will raus. Sie ist eine hormongeflutete Nervensäge.

So wird schon der Morgenspaziergang zur Herausforderung. Hedda geilt sich an jedem duftenden Grasbüschel auf (und hier duften alle Grasbüschel), gehorcht kaum noch und kann demzufolge eigentlich nicht mehr von der Leine gelassen werden. Eine solche Hitze-Performance haben wir bislang weder bei ihr noch bei einer ihrer Vorgängerinnen beobachtet. Noch nicht einmal ihr Morgengeschäft kriegt sie geregelt. Für uns bedeutet das, dass es heute schon höchste Zeit ist: Hedda ist reif.

Inzwischen steht auch Kosinus vom Nadjangrund (Kuno) als Ersatzrüde bereit. Es ist also angerichtet.

Um 8:15 Uhr sind wir erneut beim Orakel. Wieder spekuliert Frau Doktor in Heddas Scheide, deren Fältelung sich sehr erfolgversprechend weiterentwickelt hat. Dazu kommt nochmal eine Zytologie und eine Blutentnahme, die Hedda ebenso standhaft zu verhindern sucht wie am Montag. Hilft aber nichts, wir haben genug Zeit. Das Progesteron-Ergebnis wird uns für den frühen Nachmittag zugesagt.

Darauf warten wir aber nicht mehr, weil Hedda alle Register zieht, um ihren hormonellen Druck endlich in Taten umzusetzen. Zuhause angekommen, packen wir unverzüglich unseren Reise-Franz – wer ein Wohnmobil hat, braucht keinen Fahrplan und keine Unterkunft.

Ludwig wir kommen!

Um 11:15 Uhr fahren wir bei regnerischen 6 °C los und froh gestimmt unserem K-Wurf entgegen. Ziel ist Calw im Nordschwarzwald, wo Ludwig mit seinen Leuten und dem um einen Wurf älteren Halbbruder Kalevi lebt.

Während der Fahrt nach Calw erfahren wir den heutigen Progesteronstand: 6,93 ng/ml. Ein Deckversuch lohnt sich also bereits. Überraschen kann uns das Ergebnis nach Heddas nerviger Performance heute nicht.

Eine Reihe von Autobahnstaus zwingt uns zu einer Achterbahnfahrt durch den Nordschwarzwald, was uns deutlich langsamer vorankommen lässt als Heddas Progesteron-Anflutung. Um 15:15 Uhr stellen wir dann doch unseren Franz vor Ludwigs Anwesen ab, ringsherum kleine, oft alteingesessene Häuschen, Stallungen, Schuppen, Wiesen, Äcker und Pferde. Über uns ein nahezu bayerisch weiß-blauer Himmel. Das sieht alles sehr versprechend aus.

 M3A8039 1 250Der erste Deckversuch sieht schon super ausWeil es um diese Jahreszeit schon bald dunkel sein wird, halten wir uns nicht mit langen Vorreden oder Kaffeeklatsch auf, sondern lassen den blonden Grauzonen-Ludwig sofort zu seiner Braut. Hedda ist sehr angetan von ihrem Versprochenen, aber der Jungmann, der gestandene Damen bisher nur vom Duft her kennt, müht sich recht kraftverschwenderisch und erfolglos ab; so eine männliche Jungfrau hat es nie und nirgendwo leicht. Nach dreißig Minuten brechen wir ab und trinken erst einmal Kaffee. Ludwig ist ein richtig Netter, und das scheint Hedda ebenso zu sehen. Obwohl: In ihrem Zustand ist ihr vermutlich jeder recht.

Neuer Anlauf um 17 Uhr. Ludwig scheint seinen ersten Auftritt während der Pause resümiert und daraus Schlüsse gezogen zu haben. Jedenfalls lässt er eine gewisse Lernkurve erkennen, obwohl er den Zugang zu Hedda noch immer rings um sie herum sucht. Hedda steht wie die Bavaria auf der Theresienhöhe, nur wenn er sich etwas zu plump von hinten nähert, macht sie einen kleinen Schritt nach vorn und Ludwig hat das Nachsehen; sie testet den Lover nach allen Regeln der weiblichen Verführungskunst aus. Auch diesmal bleiben beide unvollendet, als wir um 17:25 Uhr abbrechen, um Ludwigs Kraftreserven nicht schon am ersten Tag aufzubrauchen.  

Um 20:15 Uhr rufen wir die beiden zur Nachtschicht auf die regen- und taunasse Wiese. Unter den Spots von Stirn- und Taschenlampen gibt sich Ludwig nochmal richtig viel Mühe und kommt dabei der Öffnung des Sesams schon recht nahe, aber mehr als 20 Minuten eifrigen Mühens schafft er heute nicht mehr.

Für morgen sind wir sehr zuversichtlich. 

 

Donnerstag, 17.11.2022

Nachts trommelt Regen auf unser Womo und morgens liegt der Nordschwarzwald unter fetten Wolkenbergen bei 6 °C.

Nüchtern (die Hunde) und keinesfalls ernüchtert (die Menschen) schlagen wir den Gong zur vierten Runde um 8 Uhr. Wieder gibt Ludwig eine halbe Stunde sein Bestes, verliert sich jedoch zu oft in Nebenschauplätzen. Hedda steht zwar weiter wie eine Eins und schiebt ihm ihr Hinterteil so oft wie möglich unter die Nase und seine Vorderbeine, aber wenn er sich der Idealposition nähert, macht sie nur einen winzigen Schritt nach vorn – und er hängt wieder zwischen Baum und Borke. Das unterscheidet den wollenden Lehrling vom wissenden Meister: Der packt zu und lässt sie nicht mehr aus. In solchen Fällen hält man die Hündin gerne mal am Halsband fest, damit sie nicht weg kann, aber das muss ein Rüde in diesem Gemütszustand auch tolerieren. Erfahrene Hasen lassen sich davon kaum von ihrem Ziel abbringen, Nachwuchskünstler irritiert das oft und sie steigen wieder ab. So endet auch der vierte Anlauf nach einer halben Stunde mit einem erschöpften Ludwig und einer frustrierten Hedda.

Wir sitzen bei einem üppigen Frühstück zusammen und sind weiterhin guter Hoffnung, dass Hedda dies auch bald sein wird.

 M3A8054 1 250Ludwig und HeddaRunde 5 um 10:50 Uhr. Beide sind weiterhin voller Zuneigung, nur mit der Zueignung tut sich Ludwig weiterhin schwer. Mehrmals fehlt nicht viel, aber knapp daneben ist eben auch daneben. Es fehlt am Können, nicht am Wollen. Und Ludwig will, obwohl ihm schön langsam die Beine schwer werden und der Schnauf ausgeht. Hedda gibt dabei unverdrossen die Animierdame; unverrichteter Dinge will sie augenscheinlich nicht nach Hause. Nach 40 Minuten geht sie erst einmal wieder in ihr rollendes Heim, um sich zu sammeln und von Fianna gerammelt zu werden, die nach ihren drei Deckakten immer noch genau weiß, was und wie gespielt wird.  

IMG 6630 1 250Eine letzte Chance wollen wir den beiden noch geben, dann soll geschieden sein. Um 13:30 Uhr ist es so weit. Ein stattlicher Regenbogen spannt sich über den blitzblauen Nordschwarzwald wie eine Verheißung. Doch auch sie verpufft in Ludwigs redlichem Bemühen. Ihm geht sichtbar die Puste aus. Es macht keinen Sinn mehr. Wir sind alle ein wenig traurig, aber Meister fallen nicht vom Himmel, sondern oft genug erst einmal aus allen Wolken. Wir sind sicher, Ludwig hat die Zukunft noch vor sich. In diesen beiden Tagen hat er enorm viel gelernt. Vielleicht war er auch nicht mutig und frei genug, sich seiner Braut überzeugter zu nähern, weil das Zusammenleben mit seinem älteren Halbbruder möglicherweise eine gewisse Zurückhaltung mit sich bringt, um nicht in Rangordnungskonflikte zu steuern. Wer weiß das schon?

Wir verabschieden uns herzlich und etwas traurig, aber auf beiden Seiten ohne Groll und Zerknirschtheit und versprechen uns, in Kontakt zu bleiben: Ludwig ist längst nicht abgehakt.

Jetzt muss es also der Kosinus-Kuno aus der Pfalz richten. Der hat immerhin mit vier erfolgreichen Deckakten seine Nachwuchs-Meisterschaft hinlänglich nachgewiesen.

Wir fahren nach Frankenthal im Dreiländereck von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Zwar lassen wir die Schwarzwald-Achterbahn bald hinter uns, aber wegen der nimmer endenden badischen Stauverlässlichkeit mäandern wir dennoch zähflüssig unserem heutigen Ziel entgegen. Um 17:15 Uhr stehen wir in Kunos geräumigem und hermetisch von der Außenwelt abgeschlossenen Hof im Herzen Frankenthals. Es ist bereits dunkel und hat 9 °C, der Himmel ist verhangen, aber nach kräftigem Regen aktuell kontinent.

Nach einer kurzen und sehr freundlichen Begrüßung lassen wir Hedda heraus und sich durch die herbstlich erschöpften Gartenbeete schnüffeln, als wir unter dem Dach einer mächtigen Tordurchfahrt das Nageln vierer Pfoten hören: Der blonde Kuno fliegt herbei.

IMG 6631 1 250Kuno und Hedda in der Pfälzischen NachtHedda kann es kaum glauben, dass ihr heute nochmal ein Liebhaber bereitet wird und tobt mit ihm um die Wette. Der hat jedoch nach zwei Kreisen genug und nimmt sich die Braut zur Brust. Beim dritten Aufsprung hat er sie sich zurechtgelegt, Hedda pfeift auf – und nach sieben Minuten ist es vollbracht. Hedda klagt, wie es viele Hündinnen tun, wenn ihr ein Liebhaber im Kreuz hängt, aber Anstalten, ihn loszuwerden macht sie nicht. Nach zwölfminütiger Hängepartie lassen die beiden voneinander ab und scheinen mit sich und der Welt sehr zufrieden. Das können sie auch sein. Und wie wir es erst sind! Im Dunkeln ist eben gut Munkeln. Vor allem aber im Trockenen, denn kurz nach dem Vollzug setzt der Regen wieder ein.

Heike und Hans, Kunos Hausangestellte, laden uns zu einer Brotzeit ein, die sich lange in den Abend zieht. Doch die Hauptperson ist den ganzen Abend über Kuno, der sich als nimmermüde Knutschkugel outet, ein goldblonder Engel mit schlitzohrigem und herzbrecherischem Charme. Wenn er das seinen Kindern mitgibt, erstrahlt bald jede finstere Hütte in goldenem Glanz, ganz so wie unsere einstmals traurig-schwarzen Novemberklamotten… Das hat mit seinem Kuscheln der Kosinus getan.

 

Freitag, 18.11.2022

IMG 5573 1 250Der Wormser DomNachts trommelt der Regen aufs Dach. Morgens hat er schnell ausgetrommelt und macht einem lockeren Himmel Platz. Nach einem gemeinsamen Frühstück laden uns Heike und Hans auf eine kleine Rundfahrt in die Nachbarschaft ein. Es liegt ja alles so nahe beisammen hier: Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg, Speyer, Worms, Kaiserslautern, … – alles quasi auf Armlänge rundum. Wir machen zuerst einen kleinen Abstecher zum Rhein, der nach dem dürren Sommer wieder einen normalen Wasserstand pflegt, dann statten wir dem Wormser Dom einen Besuch ab, den wir beide noch nicht gesehen hatten und landen schließlich in Oggersheim im Mayerbräu, einer alteingesessenen Brauerei mit standesgemäßer Wirtschaft. Dort polstern wir das noch nicht ganz verdaute Frühstück noch einmal kräftig auf und fahren satt und sehr zufrieden durch eine regensatte Wasserlandschaft zurück nach Frankenthal.

Dort terminieren wir den zweiten Deckakt auf 15:30 Uhr. Bis dahin ist Siesta.

 M3A8123 Bearbeitet 1 250Kuno und HeddaEs M3A8181 1 250Auch der zweite Deckversuch ist erfolgreich ist 15:40 Uhr, als Kuno wieder seiner Hedda entgegenfliegt, sie unverzüglich in die Arme schließt und nicht mehr herausgibt. Heute braucht er kaum fünf Minuten, um die sehr bereitwillige Braut zur Mutter zu machen. Dem kurzen Anlauf folgt ein entsprechend kürzeres zehnminütiges Hängen.

Jetzt sind wir alle überzeugt, dass alles getan ist, um den K-Wurf Wirklichkeit werden zu lassen: Zwei ideale Deckakte zur rechten Zeit. Wann soll es denn etwas werden, wenn nicht unter solchen Umständen?

Wir schließen die Akte Kuno mit einem köstlichen Pflaumenkuchen und Kaffee und begießen den Akt anschließend mit Pfälzer Rieslingsekt. Ein Hoch auf die Karambas, Karachos und Kamikazes und: Möge die Übung gelingen!

Gespeist wird heute nicht mehr, dafür bis in die Nacht hinein geplaudert und erzählt, weil wir nicht die Absicht haben, uns Freitagabend nach Hause zu stauen. Jetzt haben wir es nicht mehr eilig. Und auch die Hochzeiter scheinen sich allmählich zu entspannen. Is ja nix mehr zu tun, außer abzuwarten und Wein zu trinken…  

 

Samstag, 19.11.2022

Nach dem Frühstück mit einem quicklebendigen Kuno und seinen überaus gastfreundlichen Leuten, verlassen wir den Tatort um 10 Uhr bei 5 °C und Regen.

Noch haben wir aber etwas zu erledigen, und zwar in Wachenheim, gleich um die Ecke: Wir können nicht ohne Rieslingsekt aus dem Hause Zimmermann von gestern Abend abreisen. Wie zu erwarten, bleibt es dann nicht beim Sekt, sondern nach einer kleinen Weinverkostung landen noch drei verschiedene Riesling-Lagen und ein Blanc de Noir in unserer Heckgarage. Nun muss der große Wurf gelingen, damit wir die kulinarischen Kosten über die Käufer des K-Wurfs refinanzieren können (die üppige K-Alliteration dieses Satzes ist kein Zufall!).   

Um 11 Uhr machen wir uns dann endgültig auf den Weg nach Hause, wo wir um 16:40 Uhr nach fast tausend Kilometern wieder ankommen.

 

Wir danken Sylvia, Thorsten und Ludwig aus Calw sowie Heike, Hans und Kuno aus Frankenthal für ihre Gastfreundschaft und die schöne und bereichernde Zeit mit ihnen. Wir werden uns auch in Zukunft noch viel zu sagen haben.

Ein besonderer Dank geht an das Gymnasium Dr. Florian Überreiter in München, das unsere Zuchtmeisterin für die Fortpflanzungsfahrt freistellte.  

 

Wenn der Deckakt erfolgreich war, ergeben sich für Interessenten folgende Termine:

 M3A8189 1 250Erschöpft, aber zufrieden: das Brautpaar Kuno und HeddaUltraschall i M3A8207 1 250Ein letztes Küsschenn der Woche vom 12. bis 16. Dezember 2022

Wurftag: 18./19. Januar 2023

Welpenabgabe: exakt 8 Wochen nach dem Wurftag

      

Mit Hovawarten kann man nicht planen! Jedenfalls nicht mit unseren.

Soeben haben wir den geplanten K-Wurf angekündigt, den Deckrüden vorgestellt und dabei frühestens im Dezember mit Heddas Läufigkeit kalkuliert – da macht sie uns schon einen Strich durch die Rechnung.

Während unserer Hundewoche auf dem Edberghof im Bayrischen Wald scharten sich so viele tolle Hovis um Hedda, dass sie es mit der Läufigkeit nicht mehr abwarten wollte und mal fix fünf Wochen zu früh, am 6. November, zu bluten begann. Der heutige Besuch bei unserem Decktagsorakel Dr. Dusi-Färber, bei dem es ausschließlich um die bakteriologische Untersuchung der Scheide geht, um in dieser Hinsicht keine unerwünschte Überraschung zu erleben, bestätigt immerhin, dass es sich um eine ganz normale Läufigkeit handelt und nicht um ein voreiliges Intermezzo.

Also mal wieder Planänderung:

Geplanter Deckakt um den 18.11.2022,
geplanter Wurftermin um den 20.01.2023
Welpenabgabe Mitte März

Irgendwie halten uns unsere Hunde immer auf Trab.

Dienstag, 13. Juli 2021

jasna M3A6193 1 250 web 250 2Keine ruhige Minute...Reinhard Mey widmete 1979 der Dauerauslastung infolge seines Söhnchens ein Klageliedchen:
Keine ruhige Minute / Ist seitdem mehr für mich drin / Und das geht so, wie ich vermute, / Bis ich hundert Jahre bin. Was hat der zu jammern mit einem gerade mal dreijährigen Einzelsohn?! Wir haben es mit acht durchtriebenen Vorstadtterroristen zu tun, die uns nun tatsächlich kaum noch eine ruhige Minute gönnen. Gelegentlich erscheint es uns, als ob sie ihre Schlaf- und Wachphasen untereinander abstimmten, um uns auf Trab zu halten. Irgendeine(r) ist immer auf Betriebstemperatur und hat Flöhe unterm Pony. Aber selbst wenn wir alles andere als glücklich sind, diese Bande nur noch diese Woche betreuen zu dürfen: Hundert Jahre müssen es tatsächlich nicht sein. Ob der alte Barde diese Unruhe bis zu seinem Hundertsten ertragen muss, bleibt doch zumindest fraglich; er ist im 79. Lebensjahr und der besagte Quälgeist Frederik ist auch bereits 45 und dürfte aus dem Gröbsten raus sein.

Aber klar: Dieses Thema können wir nicht umschiffen. Die Kinder sind in der achten Woche, fit wie acht Turnschuhe (stinken gottlob nicht wie diese) und schreiben uns das Tagesprogramm vor, und zwar ohne schöpferische oder entschöpfende Pausen. Als der kleine Maxl einmal sehr ungebührlich mit seinem Rosenkranz umging, wurde er zur Rede gestellt und darauf hingewiesen, dass auf jeder dieser Rosenkranzkugeln ein Heiliger oder eine Heilige säße, mit denen man nicht so umgehen dürfe. Der Maxl nahm‘s brav zur Kenntnis, ging davon, zog seinen Rosenkranz aus der Hosentasche, legte ihn über seinen Zeigefinger und begann, ihn mit den Worten „Auf geht’s Jungs, jetzt geht’s rund“ im Kreis zu schwingen. Wir beherbergen gerade acht Maxl und befinden uns in einem Dauerschleudergang. Dabei sind wir bestimmt keine Heiligen.

Joschi und JasnaJoschi und JasnaUm der Wahrheit die Ehre zu geben, hatten wir noch nie so pflegeleichte Kinder wie die Jabberwockys. In unserem Küchenblock lagern wir in Weidenkörben Gemüse und andere Tagesutensilien. Bei allen bisherigen Würfen mussten wir zumindest den untersten, großen Korb schon frühzeitig entfernen, sonst gäbe es ihn heute nicht mehr. Bei den meisten mussten auch die darüberliegenden Körbe beizeiten in den Keller umziehen. Doch unter der soften Herrschaft der Jabberwockys erfüllen noch bis heute alle Körbe ihre Aufgabe und waren noch nie in Gefahr; einmal ein bisschen die Zähne daran geschärft und das war es dann.

JudicaJudicaSo wie wir keine Heilige auf Rosenkranzkugeln sind, so sind auch diese Zwerge keine Engel. Sie beißen in die Hacken und zwacken in den Nacken, sie zerren an Hosen, entführen Sandalen und zernagen Schnürsenkel. Und Grünzeug hat in der Welt eines Karnivoren keine Existenzberechtigung; alles Erreichbare wird zerhäckselt, mit einer Langmut, die ihnen sonst kaum zu eigen ist. Ein ungeschützter Lavendelstrauch gleicht nun dem Schwarzwald nach dem Orkan Lothar. Doch all diese Übergriffe folgen ihrem Spieltrieb und ihrer Neugier. Selbst wenn es wehtut, erkennen wir weder Aggression noch Mutwille. Sie wollen eben die Welt, in die wir sie versetzt haben, begreifen, und das können sie nur mit ihren Zähnchen, weil die Füße dafür nicht gedacht und zu tollpatschig sind. Dementsprechend wenig Nachdruck legen sie in die meisten ihrer Attacken, oft ist es, als wollten sie uns erkunden wie es ein guter Arzt macht. In den Anfängen seiner Praxis kann das dann auch mal ein bisschen ungelenk und schmerzhaft sein.

Jetzt sollten wir uns wieder einmal der Gewichtsstatistik zuwenden. Nach fünf Tagen mit explosiven Zugewinnen, welche das Hungerergebnis vom 7. Juli mit spärlichen 660 g der Peinlichkeit preisgaben, kehrt jetzt wieder etwas Normalverbrauch kein. Heute sind es beschauliche, dem Alter angemessene 1720 g.

Jackl und JeannieJackl und JeannieJackl marschiert vornweg, legt 280 g drauf und meldet 7300 g (mit diesem Gewicht haben wir in der Vergangenheit oft abgegeben). Aber noch darf er sich nicht zu sicher fühlen, denn Joschi liegt nur 30 g hinter ihm (7270, +280), er hält also immer noch Schritt und lässt sich nicht abschütteln. Ebenfalls standhaft bleibt Jazz, die 250 g zunimmt und auf 6900 g kommt. Janitschek müht sich redlich ab, Schritt zu halten, aber der Kasper verbraucht mit seinen Kapriolen einfach zu viel Energie, um den Dreien vor ihm das Brezenstangerl abspenstig zu machen; mit 150 g erzielt man bestenfalls einen Achtungserfolg, bleibt aber deutlich auf Distanz (6520). Judica hat sich mit 210 g Zuwachs auf 6230 g und an Jasna vorbeigefuttert, die eine Nullrunde dreht (6120). Dass nun keine Überraschung auf uns wartet, ist vorhersehbar. Und dennoch schenkt Jeannie mit 310 g den anderen einen ein (5850), und auch Jule lässt sich mit 240 g plus nicht lumpen (5130).          

Trotz dieses Ernährungswohlstands, sieht auch heute Morgen unsere Küche wieder aus, als wären über Nacht die Heinzelmännchen am Werk gewesen. Wenn die Knirpse dieses Verhalten über den Abgabetag hinaus beibehalten, dürfte wohl ein kleiner Hygieneaufschlag angebracht sein.

JanitschekJanitschekDer Tag zieht sich wechselhaft dahin und die Jays spielen sich um Kopf und Kragen, bis dann Papa Lando vor der Tür steht (Papa ante portas), um die letzten Tage seiner Kinder zu begleiten und ihnen ein paar nützliche Ratschläge mitzugeben. Das muss er jedoch recht schnell verschieben, denn der Ansturm auf ihn ist so jubilös, dass er es vorzieht sich zurückzuziehen. Als Erzeuger und Teilzeitvater hat man es nicht leicht beim Nachwuchs. Immerhin ist er entzückt, seine Liebe wieder zu sehen, was seinen Schritt so federnd macht, dass sogar Fred Astair einen erstaunten Blick aus seinem Grab riskiert. Die Avancen für seine zuletzt etwas sperrige Liebe Fianna, dosiert er heute jedoch so feingliedrig, dass sie keine Einwände haben kann und ihn auf angemessener Distanz an ihrer Seite duldet. Soll einer behaupten, junge Kerls würden nichts dazulernen. Lando hat seine Zeit jedenfalls genutzt und trägt jetzt den Nutzen einer entspannten Freundschaft davon.       

Kurz nach 16 Uhr ist es dann schlagartig vorbei mit der Idylle: Ein grellscharfer Blitz und ein sehr rabiater Donner treiben die Gesellschaft ins Haus, wohin Lando wegen der allzu großen Nähe nicht eingeladen wird. Damit ist dann auch der Tag im wesentlichen auserzählt. Nach einer Stunde Dauerregen und Gewitter geben sich Aufklarungen und Schauer die Klinke in die Hand. Für uns bedeutet das, dass wir mit der Situation Frieden schließen und uns mit unseren Kindern und Landos Personal einschließen. Man hat sich ja auch zu viel zu erzählen, als dass es langweilig würde und kann ja auch mal zufrieden sein mit dem, was man hat.

 

Mittwoch, 14. Juli 2021

Diese Zufriedenheit erfährt allerdings einen deutlichen Knacks, wenn sich der Wetterbalg morgens immer noch nicht entschließen konnte, die Biege und einem welpenfreundlichen Wetter Platz zu machen; es ist graugrau und regnerisch. Wir hätten ja genug zu tun, um von diesem Wetter keine Notiz zu nehmen, aber mit der Bande im Haus haben wir noch einiges mehr zu tun. Wenn wir schon von Arbeit reden, die in aller Regel der jeweils unumgänglichen Pflicht zuzuschreiben ist, beginnen wir mit dem, was die Pflicht ein wenig spannend macht: das Wiegeprotokoll.

Und da fährt uns gleich zu Beginn ein kleiner Schock in die Glieder. Wir können gut nachvollziehen, dass Jackl seinen filzlauslästigen Verfolger Joschi gerne endgültig abschütteln würde, aber auf seinem Niveau gleich nochmal 320 g zuzulegen (7620), erscheint uns doch ein wenig zu pausbäckig. So sehen wir das, aber Joschi schien von Jackls Zwischenspurt so geflasht, dass ihm nur bescheidene 150 g gelangen (7420), und so liegt jetzt mit 200 g schon ein Festmeter Leibesfülle zwischen den beiden. Wir haben schon vor geraumer Zeit beschlossen, dass Jazz ihren alten Spitzenplatz nie mehr zurückerobern würde und recht behalten. Heute legen wir uns fest, dass auch Joschi aus dem Rennen ist, immer vorausgesetzt, dass nicht noch eine Krankheit oder ein Durchfall dazwischenfunkt. Jazz ist offenbar unserer Meinung, lässt sich zu keinerlei Kraftprotzereien provozieren und geht einfach ihren Weg: 7100 (+200). Das gilt auch für Janitschek, der ebenfalls mit seinem 4. Rang zufrieden scheint, 240 g zulegt und bei 6760 g ins Ziel kommt. Aber es liegen eben zwischen ihm und Jackl doch schon fast ein Kilo Unterschied, dabei ist Jackl nicht adipös und Jani nicht magersüchtig. Judica führt die Funkenmariechen an: 6380 g (+150). Ihr folgen Jasna mit 6320 g (+200) und Jeannie, die offenbar noch nicht vorhat, das letzte Licht vor dem Schlusslicht bleiben zu müssen und stramme 300 g aufpackt (6150). Ob es noch zu einem kleinen Coup am Ende reichen wird? Fraglich. Nicht fraglich ist Jule, die sich nicht um die Rangeleien schert, 190 g anschaufelt und mit 5320 g den letzten Platz beansprucht; den nimmt ihr keiner mehr. Den Durchfall, der das noch verhindern könnte, wollen wir nicht mehr erleben…  Allerdings haben heute auch die beiden letzten Jays, Jeannie und Jule, ihr erforderliches Abgabegewicht erreicht.     

Fünf Tage vor dem Abschied würde man am liebsten die Kinder nicht mehr aus den Armen lassen, aber dem steht der Alltag entgegen, es ist einfach zu viel zu tun. So beginnen wir, sicher nicht zu früh, mit der Erstellung der Welpenordner, um deren Gedeih sich Landos Chefin Ilke große Verdienste erwirbt. Während wir die Infos auf ihre Aktualität prüfen, korrigieren, nachliefern, umschreiben, drucken und uns mit dem vermaledeiten Drucker herumschlagen, sortiert sie die fertigen Beiträge und Infos in die Ordner. Das ist eine wirklich ganz große Hilfe, weil selbstverständlich keine Rede davon sein kann, kontinuierlich am Ball zu bleiben; den Ball werfen nämlich die Knirpse ins Spielfeld oder holen ihn nach Belieben wieder raus. An ein systematisches Arbeiten ist nicht zu denken. Danke Ilke!

Und während der Arbeit fällt der Blick des Chronisten aufs Kalenderblatt und sieht: 14. Juli. In jungen Jahren zog er sich an diesem Tag seine Jakobinermütze über, die ihm jedoch in den Stromschnellen des Lebens irgendwann auf immer vom Haupt gerissen wurde und nicht mehr auffindbar ist. 14. Juli 2021: 232. Jahrestag des Sturms auf die Bastille, französischer Nationalfeiertag. Über Paris fliegen heute wieder Militärjets mit blau-weiß-roten Rauchfahnen, die Franzosen platzen vor Nationalstolz und der Chronist hat nicht einmal mehr seine Mütze. Dafür betritt er den Balkon vor seinem Arbeitszimmer, packt die ihm größtmögliche Geste aus und grüßt seine Kinder im Garten: „Allons enfants, vous êtes ma partie!“ Die Gegrüßten würdigen ihn keines Blickes. Sind eben keine Franzosen, sondern eine hessisch-bayerische Melange, die Musik nur mit Handkäs und Bierzelt in Einklang bringen. Na, wartet nur! Und allen, die jetzt herumbeckmessern und mit Guillotine totschlagargumentieren, sei gesagt: Die Franzosen haben wenigstens eine Revolution hingekriegt! Dass das nicht immer so geschmiert geht wie ein Lobbyistentreffen, ist schon klar. Aber nach ihrem König haben sie sich immerhin einen Kaiser mit Stirnlocke eingehandelt. Und wofür haben wir unseren Kaiser eingetauscht? Für einen österreichischen Gefreiten mit Rotzbremse. Alles weitere ist dann auf beiden Seiten unappetitlich, Details ersparen wir uns… Wir gleiten von den Jabberwockys zu den Jérômes und Juliettes ab. Also, wieder zurück!

Jetzt könnte sich jemand fragen: Was schwafelt der denn so aufdringlich von der Revolution der Franzosen, die doch auch ihren Blutzoll gefordert hat und in vielen Teilen wenig rühmlich war. Just (nein, nicht St. Just!) darin liegt der Charme dieses erzählerischen Ausflugs, weil die Jays heute, am Revolutionstag, wie die Revolutionäre aller Klassen und Zeiten ebenfalls noch zur Ader gelassen werden! Das ist der Lohn für ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Tageshymne vom Balkon. Die letzte Woche hält einiges bereit für die Zwerge; und dazu gehört der Impftermin, an dem sie auch gechippt und zum Wohle von Wissenschaft und Forschung zur Ader gelassen werden.

Um kurz vor 9 Uhr packen wir die Delinquenten in den Caddyllac, wie sie es vom Ausflug schon kennen, chauffieren sie nach Bruckmühl, gleich um die Ecke und überlassen sie unserer Nachbartierärztin Tanja und ihrem Schicksal. Früher wurden wir bei dieser Gelegenheit regelmäßig von einem ganzen Tross von Freunden begleitet, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen und uns zur Hand gehen wollten, aber unter den Bedingungen von Covid müssen wir diesmal allein klarkommen. Das Praxispersonal hilft, die Impflinge in die Praxis zu bringen, wo die ersten schon alles vollgepinkelt haben, bevor die letzten eingetroffen sind. Kurz nach 9 Uhr liegt der Bürgermeister Jackl auf dem Foltertisch und geht den anderen auf dem Leidensweg voran, wie es sich für einen pflichtbewussten Anführer gehört.

Und für einen pflichtbewussten Tierarzt gehört es sich auch, die Welpen gründlich zu untersuchen: Augen, Ohren, Zähne, Nabel, Herz und Lunge, bevor man zur Untat schreitet. Diesen Generalcheck haben alle mit Bravour bestanden; die Jays sind kerngesund. Und das ist schon mal das Wichtigste.

Janitschek hat einen hohen BlutdruckJanitschek hat einen hohen BlutdruckAber dann. Diese Herzlinge sind bereits die Nummer 10 in unserer Zwingergeschichte, und wir haben bei dieser Gelegenheit so ziemlich alles erlebt, was man sich vorstellen kann, Kampfhähne, Abwehrkünstler, Schlangenhunde, Wutbeseelte, selten Gelassene oder stumme Dulder, meist hatten wir es jedoch mit empört nach der Sittenpolizei kreischende Vergewaltigungsopfer zu tun – und exakt solche haben wir heute hier zu bändigen. Keine(r) ist aggressiv, keine(r) beißt um sich, aber die Stimme erhebt sich an die Schallgrenze. Empörtes Me-too-Geplärre lässt die übrige Kundschaft auf den Fluren Schlimmes vermuten. Doch mit festen Griffen und sanftem Nachdruck fügen sich alle ins Unvermeidliche, weil in der Zuchtordnung Vorgeschriebene. Die Mehrheit tut das unter massivem Protest und lässt sich auch nicht von dem Judica bekommt einen hübschen TapeverbandJudica bekommt einen hübschen TapeverbandHinweis beruhigen, dass ihre frühen Vorgänger noch eine Tätowierung hätten ertragen müssen. Vor allem der Aderlass löst bei allen eine Welle der Empörung aus. Dabei ist ausgerechnet die Gegenwehr der eigentliche Grund der Pein, weil selbst die routinierteste Ärztin, unterstützt von Helferinnen und Zuchtchefin, alle Hände voll zu tun hat, den vorgesehenen Piks in eine dauerbewegte Vene zu platzieren. Doch alle Geschmeidigkeit führt nicht aus der Bredouille, niemand kommt aus, alle müssen liefern. Zur Belohnung bekommen sie einen schicken Tapeverband angelegt, der ihre Eitelkeit befriedigt und die Empörung verrauchen lässt. Damit ist eigentlich die Hauptaktion vorüber. Die anschließende Impfung nehmen sie kommentarlos hin; Impfverweigerer gibt es beim Blues nicht. Der Chip in die linke Schulterseite löst anschließend noch einen mittleren Widerstand aus, aber bei manchen scheint sich eingeprägt zu haben, dass es den Aufstand nicht lohnt. Sind eben doch schlaue Kinder, unsere Jabberwockys.

Man darf nicht darum herum reden: Die schlimmsten Weicheier sind die Buben, und damit bestätigen sie unsere Erfahrung: Je größer der Held, desto größer die Memme. Da machen die Jays keine Ausnahme, sondern bestätigen JuleJuleeine wurfübergreifende Erfahrung. Bei den Damen verhalten sich vor allem Jeannie und Jule weniger damenhaft als ihre Schwestern, was nicht bedeutet, dass deren Verhalten einen Eintrag im Tierarzt-Knigge verdient hätte. Kurz: Sie benehmen sich alle nach Kräften daneben – und sorgen damit für herzerweichende Heiterkeit beim Personal. Was ist eigentlich schlimmer: Geschändet zu werden oder im artikulierten Leid nicht ernst genommen zu werden?

Nach ziemlich genau einer Stunde ist alles vorüber, vorbei und vergessen. Die Geschundenen und Geschändeten werden wieder unter Mitwirkung der gesamten Mitarbeiterschaft und den Schmachtlauten der Kundschaft im Wartezimmer ins Auto verfrachtet und in ihren sicheren Heimathafen verschifft. Dort ist dann tatsächlich alles längst vergessen und eine rauschende Party angesagt.

Die Party währt genau so lang, bis der nächste Wolkenbruch einen Umzug ins Haus erfordert; dort kommen sie dann tatsächlich ein bisschen zur Ruhe. Abends kehrt dann ein Anflug von Sommer ins Mangfalltal zurück und wir können mit Lando und seinen Leuten den Abend im Freien verbringen und plaudern bis uns die Spucke ausgeht.

An den Kindern geht die Impfung nicht ganz spurlos vorüber: Weicher Stuhl ist bei allen die Reaktion – bis auf Jeannie, die vertrotzt sogar dieses Zugeständnis. Was nicht sein soll, darf nicht sein. Ich habe keine Impfung nicht, nein, eine Impfung hab ich nicht…       

  

Donnerstag, 15. Juli 2021

Nachts kommt das triste Wetter zurück und beschert uns einen grauen und regnerischen Morgen bei 13 °C um 5 Uhr.

JoschiJoschiAn den Folgen der gestrigen Impfung kaut nur noch Joschi mit weichem Stuhl, die anderen haben sich wieder stabilisiert. Aber bei den Gewichten zeigt sich eine höchst interessante Konstellation, die allerdings nicht unbedingt einen Bezug zur Impfung haben muss, denn die Spanne liegt zwischen 0 g und 510 g. Die Gesamtzunahme von 1920 g, 170 mehr als gestern, lässt jedenfalls nicht auf einen Einbruch wegen der Impfung schließen. Wer jetzt raten will, wer der Maximal- und wer der Minimalverwerter ist, kann sich ja mal eben einen Kaffee machen oder aufs Klo gehen, sitzen und sinnen. Wir schreiten zur Auflösung des Rätsels.

Jackl 7970 (+350), Joschi 7620 (+200), Jazz 7400 (+300), Janitschek 7270 (+510), Judica 6520 (+140), Jasna 6510 (+190), Jeannie 6380 (+230) und Jule 5320 (0). Das Durchschnittsgewicht liegt damit heute bei 6873,75 g. Jule hat offenbar in ihren Abwehrkämpfen viel Energie liegengelassen, aber wo Janitschek sich 510 g ergaunert hat, bleibt sein Geheimnis; ein Vorbild an Gelassenheit und innerer Ruhe war er jedenfalls in der Praxis nicht.  

Drei Tage vor Abgabe steht noch einiges auf der Agenda, beispielsweise, die Fotos für die Welpenordner zu schießen. Das ist immer eine etwas knifflige Angelegenheit, weil man natürlich möglichst lange warten will, um am Abgabetag ein einigermaßen aktuelles Bild zu haben. Andererseits läuft man Gefahr, dass einem das Wetter in die Suppe spuckt. Bisher hatten wir immer Glück und auch heute zieht der Himmel um 8 Uhr die Stores auf, nicht, dass er uns dabei ein strahlendes Lachen geschickt hätte, aber zumindest hat er den Sprühnebel eingestellt und ein paar Lux mehr angeboten, was wir umgehend nutzen, um die Portraits zu schießen.

Wegen der regen Baumaßnahmen in unserer Nachbarschaft sind uns in den Jahren schön langsam alle fußläufigen Plätzchen mit dem geeigneten Licht abhandengekommen. Deswegen gilt es erst einmal die Standortwahl zu bewältigen, was uns dann doch überraschend schnell gelingt. Allerdings ist es, als wir den ersten Kandidaten, Jackl, zum Thingplatz bringen, 8:15 Uhr und die halbe Hundebevölkerung Vagens ist beim Morgenspaziergang unterwegs. So ergibt es sich, dass die Spreizung der Reaktionen auf unsere Models etwa so mächtig ist wie die heute Morgen auf der Waage: Von der panischen Flucht eines Heldenhaften Rüden bis zum Milcheinschuss mancher zweibeinigen Spaziergängerinnen ist alles drin. Nur haben wir keine Zeit, allen Informations-, Kuschel- und Stöhnbedürfnissen zu entsprechen, weil wir das Wetterfenster nutzen müssen, bevor es wieder zugeht.

JacklJacklJackl führt also den Reigen der Modelle um 8:15 Uhr an und lässt uns auf ein einigermaßen entspanntes Shooting hoffen. Ganz Bürgermeister, gibt er sich überwiegend repräsentativ, ohne jedoch die Flöhe in seinem Hintern gänzlich unter Kontrolle halten zu können. Wenn das so weitergeht, sind wir, mal von den Transportwegen – ein Model zurück, das andere herbei – in einer halben Stunde durch.

Janitschek, als nächster, JanitschekJanitschekhat einen anderen Plan. Wir wissen nicht, ob er vorhat seinen Specküberhang von gestern abzubauen, jedenfalls ist er kaum vor die Linse zu bekommen. Die Fotoassistentin gibt alles, um den Knirps bei Laune und in Position zu halten, aber manchmal ist sogar alles nicht genug. Der Fotografeur rutscht auf den Knien herum, um dem Wiesel zu folgen, in der Hoffnung, wenigstens eine Zufallspose einzufangen – nichts. Wenn er Fotos für einen Flohzirkus zu machen hätte, wäre er mit diesem Modell bestens bedient. Als wir ihn schließlich doch abgeschossen haben, ist der optimistische Zeitplan Vergangenheit.

JoschiJoschiJoschi gibt sich dann wieder etwas positionsstabiler und zieht es vor, sich erst einmal einen Überblick über die Situation zu verschaffen, bevor er sich auf Wanderschaft macht. Dem in vielen Jahren mit allen Wassern gewaschenen und auf alles vorbereitete Fotografen genügt das, um die gewünschten Lichtbilder in den Kasten zu bekommen.

Jazz eröffnet das JazzJazzDamenprogramm. Sie orientiert sich an Janitscheks lotterhaftem Gebaren (als ob sie das nötig hätte, die sonst so Autonome) und gewährt uns keine Sekunde Zeit zum Justieren des Ziels. Man könnte Jazz‘ Auftritt etwa auf die Kurzformel bringen: Kaum ist die Hand vom Hund weg, ist der Hund von der Hand weg. Aber irgendwann kriegt sie der Fotograf alle, auch die Chefschwester.

JeannieJeannieNun wird Jeannie auf die Bühne gebracht und ist nahe dran, den Fotografen auf die Palme zu bringen. Sie schafft es, Jazz vergessen zu machen. Die dem Chronisten vorliegende Bilderserie ihres Auftritts ergibt, in der Reihenfolge der Häufigkeit der Motive, etwa folgendes Ergebnis: unscharf, Motivationsspielzeuge vor dem Gesicht, Assistentinnenhände vor der Nase, Rückenansichten und eine Serie von fröhlich auf den Fotografen zustürmende Jeannies. Als wir glauben, etwas Verwertbares im Kasten zu haben, ist es 9 Uhr und der Fotograf schon einmal durchgeschwitzt.

Auftritt Jule. Von Auftritt kann jedoch keine Rede sein, JuleJuleman sollte ihre Performance eher als Auflage bezeichnen, denn Jule ist vom relativen Substanzverlust auf der Waage (Nullnummer!) so geschwächt, dass es ihr kaum gelingt eine Sitzposition einzunehmen; andauernd knicken ihr die Stummelbeinchen weg und sie liegt im Grünzeug, bereit ein Nickerchen zu machen. Wenn wir sie aber mal zu einer aufrechten Position überzeugen können, ist sie flitzer als Jeannie unterwegs. Dann geht sie wieder in die Knie. Und wenn wirklich alles ein gutes Ende zu nehmen scheint, Jule mal für Sekunden dem Fotografen ein Lächeln gewährt, kneift sie zu dem toten rechten Auge auch noch das linke zu. Wenn so Siegesgöttinnen aussehen…

JasnaJasnaAber Jasna bringt die Seele des Fotografen wieder ins Gleichgewicht. Nicht, dass sie seinen und den Anweisungen der Assistentin folgen würde, aber ihr Verhalten ist durchschaubar und demnach planbar, schließlich machen wir das hier nicht zum ersten Mal. Für Jasna gilt die einfachste aller einfache Formeln: beharrlich spielen, beharrlich beißen und, wenn das zur Genüge ausgelebt ist, beharrlich sitzen. Wenn man die ersten beiden Sequenzen überstanden hat, ist der Rest pures Vergnügen.

Judica JudicaJudicabringt im letzten Gang noch ein wenig Glanz in unsere Seelenhütte. Fast wie Jackl gibt sie sich staatsmännisch, als würde sie sich als Bürgermeisterin bewerben wollen, wird jedoch als Frau nicht jederzeit ihrer Neugier und ihren Flausen Herr, besticht aber als Schlussakt durch klare Handlungsstränge, die den Fotografen am Ende nicht über Gebühr fordern oder gar überfordern. Er ist dankbar, dass Hedda ihm nur acht Flöhe mit Flausen geschenkt hat und nicht zweimal elf wie Fianna. Unter diese Bedingungen läge er jetzt wohl am Mangfalldamm mit dem Touristenhinweis, in Stein gemeißelt: Wanderer kommst du nach Vagen / Verkündige dorten / Du habest mich liegen gesehen / Wie das Pack es befahl.

Nach dem zähen Beginn ging der Rest dann doch erstaunlich flott: 9:20 Uhr ist es, als der Chronist seine Kamera verräumt und seine geschundenen Knie heimwärts richtet. Der Himmel hat es gut mit uns gemeint, besser jedenfalls als die selbstgefälligen Modelle, und lässt erst mittags wieder Regen fallen. Egal, jetzt ist wieder Ordnerzeit.    

Besondere Erwähnung ist heute der auffällig zurückhaltende Appetit der Zwerge. Fast mäkelig stochern sie in ihrem Futter herum und lassen auch bei Einzelspeisung noch etwas in ihren Schüsselchen zurück. Die Impfung macht ihnen also doch mehr zu schaffen als es gestern den Anschein hatte. Auch ist der Stuhl durchgängig wieder etwas breiig.

Auffällig wird die Futtermäkelei am späten Abend, als der Assi seine Kontrollrunde durch den Schlafsaal der Jays dreht und sich fragt, warum er sein müdes Haupt nicht längst zur Ruhe gebettet hat: Nichts zu entfernen, nichts zu entsorgen, kein Würstchen, kein Breichen, kein Teich. Die Küche könnte mit kleinen Einschränkungen als Reinraum durchgehen (den Transit haben wir inzwischen nachts geschlossen), wohin er blickt, nur knörzende und im Tiefschlaf zuckende Kinder.

Dann eben: Gute Nacht, Freunde. Es wird Zeit für mich zu gehen…

 

Freitag, 16. Juli 2021

Der Tag der Trennung naht mit Siebenmeilenschritten. Es sind diese letzten Tage, die uns morgens zuraunen liegenzubleiben, weil etwas, das nicht beginne auch nicht enden könne. Doch nichts ist so flüchtig wie das Morgenrot.

Deutlich handfester Jasna und JudicaJasna und Judicageht es heute Morgen bei den Jabberwockys zu: Jetzt machen sie Morgenkrawall, gerade so, als ob sie unsere diesbezügliche Lobhudelei der letzten Tage zurechtrücken wollten, schließlich will man nicht als Morgenmuffel und Weichspüler in die Annalen des Blues eingehen. Um 5:30 Uhr schicken sie im Garten die Wutz auf die Reise, so spektakulär, dass wir die Reinigungsroutinen vorläufig einstellen und erst einmal die Nachbarschaft weiterschlafen lassen. Diese Planänderung fällt uns allerdings ungewöhnlich leicht, weil trotz der reinlichen Kinder nachts auch morgens nur ein einziges Häufchen unsere Küche schändet. Damit lässt sich eine planerische Kehrtwende leicht einleiten.  

JasnaJasnaAn dieser Stelle drängt es uns, die Empfehlung von Jasnas zukünftiger Futtermeisterin angemessen zu würdigen. Sie, als Altphilologin einschlägig bewandert, empfahl uns kürzlich, bezogen auf unseren Vergleich der Küche mit den legendären Ställen des Augias, es doch einfach mit dem Bezwinger dieses Saustalls zu halten: Herakles habe die Fundamente der Ställe an einer Seite aufgebrochen und durch einen Kanal das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios durchgeleitet und somit die widerliche Stallarbeit sehr elegant erledigt. Herzlichen Dank für den hilfreichen Tipp. Heute kommen wir ohne diese doch etwas aufwändige Lösung und mit nur einem kleinen Fitzelchen Klopapier zurecht. In der Vergangenheit hätte man darüber nachdenken können. Leider haben wir nur eine Mangfall, die zudem seit einiger Zeit durch massive Dammbauten schwer umzuleiten wäre. Und ob die Verwüstung der kompletten Vagener Au mit der eleganten Reinigung des Blues-Stalls, vor allem unter Würdigung des Strafrechts, zu rechtfertigen wäre, bleibt fraglich. Wäre die Ratgeberin keine Altphilologin, sondern Juristin, würden wir sie gerne für diesen unseren Fall mandatieren. Andererseits ist ein solches Mitleben und -fiebern nicht genug zu würdigen und rührt uns zutiefst. Herzlichen Dank also fürs Mitdenken. Aber einer Altphilologin müssen wir bestimmt nicht die schlichten Gesetzmäßigkeiten der tradierten Gesellschaftshygiene näherbringen: Was Herakles gebührt, gebührt dem Blues noch lange nicht oder in gepflegtem Latein: Quod licet Jovi non licet bovi.

Von all diesen und anderen Erwägungen nicht betroffen ist die Waage, die auch heute wieder unters Joch und geschätzte 55 Kilo Welpensubstanz buckeln muss. Spannen wir sie und uns nicht länger auf die Folter.

Jackl ist nicht mehr aufzuhalten: Mit 170 g mehr überspringt er erwartungsgemäß die 8000er Hürde und landet bei 8140 g. Allerdings gibt sich Joschi noch nicht geschlagen: Mit 270 g plus folgt er ihm mit 7890 g und guten Aussichten, morgen ebenfalls die acht Kilo zu knacken. Jazz hält ihren 3. Platz, bekommt aber mit 180 g plus (7580) keinen Aufwind mehr für einen finalen Höhenflug. Und dann der Hypermotoriker des Fotoshootings, Janitschek, das Springteuferl in der Mangfallau: 20 g plus (7290) sind die Rache des Universums für die Pein, die er dem Fotografeur angetan hat. Das hat er nun davon. Teile des Personals haben kein Bedauern übrig. Die Damenreihung ist weiterhin so spannend wie das Telefonbuch von Castrop-Rauxel. Judica liefert das Tages-High mit 310 g (6830), was bestimmt auch mit ihrer gesetzten Performance vor der Kamera zu tun hat. Jasna folgt ihr mit 6670 (+160). Jeannie lauert knapp hinter ihr, immer bereit für einen kleinen, aber spektakulären Coup: 6650 (+270), ein Zugewinn, der in ihrem Fall gegen die Hypothese des Substanzverlustes infolge hyperaktiven Modellierens spricht. Und Jule spielt sich in ihrer eigenen Gewichtsklasse mit sich selber: 5500 (+180). Für heute ergibt das ein Plus von 1560 g und ein Durchschnittsgewicht von 7068,75 g.

Vorgestern mussten wir die Zwerge durch die Mühlen der medizinischen Vorsorge schicken, gestern trieben sie uns als ADHS-Kinder in den kleinen Wahnsinn und heute erfolgt der letzte der offiziellen Termine: die Wurfabnahme. Diese besteht im wesentlichen aus zwei Teilen, der Erscheinungsbildbeurteilung und dem Wesenstest.

Jule kuschelt sich durchJule kuschelt sich durchKurz vor 11 Uhr erscheint die Normenkontrolle in Person zweier Zuchtwartinnen, die auch nicht zögern, ihren Auftrag umgehend abzuarbeiten. Was die optischen Belange angeht, gibt es wenig Beanstandungen, Joschi hat nach wie vor einen kleinen weißen Bruststrich, der aber zu unbedeutend ist, um Folgen zu haben. Manchen fehlt das, was andere im Überfluss haben: Farbe. Aber auch auf diesem Feld gibt es keine generellen Beanstandungen, die etwa Auswirkungen auf die Zuchtzulassung habe könnten. Nur Jule hat sich für alle ihre Geschwister geopfert und sich einen Ansatz zur Doppelmarke gegönnt, der zum Zuchtausschluss führen würde, wenn der nicht schon durch das fehlende Auge gegeben wäre. Jule nimmt also alle Last auf sich und gibt ihren Geschwistern freie Bahn. Wie gesagt: Keine Klagen. Die Ruten sind in Ordnung, die Zähne, das Pigment, alles perfekt in der Norm und nicht zu beanstanden. Alle acht zeigen sich bei dieser Erscheinungsbildbeurteilung unbefangen, aktiv und neugierig; so soll es sein.

Janitschek schmust sich durchs ExamenJanitschek schmust sich durchs ExamenDoch nun kommt der Lackmustest: der Wesenstest. Dabei wird der Welpe in einen Raum gebracht, den er noch nie gesehen oder betreten hat. An diese Vorgabe halten wir uns peinlich, weil auch wir wissen wollen, wie sich unsere Kinder unter Stress verhalten, und dabei haben wir schon manche Überraschung erlebt. Wenn der Welpe in diesem Raum ist, wird er eine Minute nicht beachtet und nicht angesprochen; er muss also mit diesem Paralleluniversum allein klarkommen. Nach dieser Minute wird er angesprochen, soll über eine Raschelfolie gehen, mit einem Ball spielen, soll etwas Krach aushalten und mit einem Lappen spielen und, falls genügend Mumm und Beutetrieb vorhanden sind, diesen auch wegtragen. Für einen acht Wochen alten Welpen ist das in einer fremden Umgebung ziemlich viel Herausforderung. Großen Einfluss auf das Testergebnis nimmt logischerweise die Tagesform und der momentane Aktivitätsgrad des Welpen; bei acht Testkandidaten kann man es kaum verhindern, dass wir den einen und die andere aus dem Schlummer holen müssen, was zwangsläufig Einfluss auf das Ergebnis hat.   

Wenn wir ein Zeugnis schreiben müssten, würde die Kopfzeile lauten: Alle mit Bravour bestanden!

Jazz zeigt ihre ZähneJazz hat nichts zu verbergenDie Konfrontation mit einer völlig fremden Umgebung zwingt sie nicht in die Knie, sondern regt alle an, sich umzusehen und nachzusehen, was es da so alles zu sehen gibt. Das macht einer intensiver und nachdrücklicher, ein anderer etwas bedächtiger, aber keine(r) geht in die Knie und ruft nach Mami. Selbstbewusstsein und Traute haben sie alle. Mit dem Ball, der Folie und dem Krach auf einem Karton kommen sie ohne Beanstandung zurecht, auch hier etwas unterschiedlich in der Ausprägung, aber Angsthasen haben wir keine aufgezogen. Als die Zuchtwartinnen den Beutelappen anbieten hat keine(r) damit Probleme, zwar ist die Resonanz auf das Beuteangebot unterschiedlich – schnell, sehr aktiv, oder etwas abwartend –, doch letztlich nehmen alle das Beuteangebot an und zerren mit den Zuchtwartinnen um den Lappen. Auch das erfreut den Züchter, obwohl gerade an diesem Punkt häufig die Tagesform den Ausschlag gibt und die größten Beutegeier am wenigsten Laune haben, jetzt und hier ein Angebot anzunehmen, dem von ihrer Seite keine Nachfrage vorausgegangen ist. Eine allgemeine Aussage über einen Wurf lässt sich nur über die Mehrheit der gezeigten Verhalten treffen: wenn nahezu alle auf das Spiel eingehen, dann stimmt die Richtung, wenn kaum einer mitspielt, ist es keine Tagesform mehr. Und nun stellt sich die Beutefragen aller sportlich interessierten Züchter: Nimmt das Zwerglein den Lappen auch und trägt ihn nach dem Beutespiel weg: Alles meins! Bei den Jabberwockys haben sieben diesen Wunsch der Züchter erfüllt. Und jetzt wollen alle wissen, wer die Lusche ist… … …  JANITSCHEK! Doch exakt in diesem Punkt sieht man die Schwächen und offenen Flanken eines solchen Tests, der nie die ganze Wahrheit vermitteln kann: Janitschek fehlt es nicht an Beutetrieb, er ist von dem Geschehen überwältigt wie ein Kind, das erstmals auf einem Jahrmarkt ist und vor lauter Treiben hinterher nicht mehr weiß, was es gesehen oder gemacht hat. Janitschek, der Umtreiber vom Dienst, hat einfach keine Zeit, sich mit dem JacklJackl bringt so schnell nichts aus der Ruheläppischen Lappen eingehend zu beschäftigen, bevor er nicht alles abgearbeitet hat. Zubeißen, ein wenig daran zerren: ok, aber das muss fürs Erste reichen. Es gibt noch viel zu tun, packen wir’s an! Und flitz – schon ist er wieder weg.

Schließlich will man noch wissen, wie die Welpen sich nach dem Stress in der gewohnten Umgebung verhalten, ob sie Stressreaktionen zeigen oder wieder fließend in den Alltag zurückgleiten. Alle zeigen sich völlig unbeeindruckt, was man dann auch bei der Erscheinungsbildbeurteilung sehen kann, die nach dem Test stattfindet: entspannt, freundlich, neugierig und aktiv. Zum Schluss bekommen alle ein lebhaftes Temperament attestiert.

Wenn heute nicht der Vortag vom Vortag des letzten Tages wäre, könnte er einer unserer schönsten Tage sein! Unsere Jabberwockys machen uns richtig glücklich. Unser Dank gilt Annemarie und Geli für diese sehr korrekte, aber liebenswerte Wurfabnahme. Bei ihnen stand jederzeit der Welpe im Zentrum, nicht das Papier, das ungeduldig auf Einträge wartet. Ihr dürft das nächste Mal gerne wiederkommen.          

JeannieJeannieDas Ergebnis des Beutespiels im Test wundert uns schon länger nicht mehr, weil wir zunehmend die Objekte ihres wachsenden Beutetriebs sind. Der Garten ist kein Eden mehr, sondern eher ein Aden (der Leser möge dem Chronisten diesen plumpen Wortwitz verzeihen). Für uns ist problematisch, dass sie inzwischen natürlich alle ein- und Ausgänge kennen und wir uns nicht mehr von einer wartenden Meute davon schleichen können, um einen Jani kommt niemand ausJani kommt niemand ausAnderen Zugang zu benutzen. Die sind clever genug, alle Zugänge im Blick zu haben und umgehend anzusteuern. Doch wir betrachten ihr Paradies noch immer als unseren Garten und erheben Anspruch darauf, diesen zu betreten, wann wir das für nötig und wünschenswert halten. Aber unbeschadet entkommt man diesem Mob nicht mehr. Natürlich legt sich der Hype, wenn wir den ersten Ansturm überstanden haben und die Zwerge zur Tagesordnung übergehen, aber ganz schadlos vergehen die Tage nicht mehr. Dabei sind sie doch soooo liiieb! Nur blöd, dass der Übergang von herzzerreißend zu hosezerreißend so übergangslos ist.

Heute verharren die Jays überwiegend im verhaltenen Aktivitätsmodus und hängen viel herum; die jüngste Vergangenheit zehrt doch ein wenig an ihrer Substanz. Das kommt uns sehr entgegen. Doch Schlaraffia liegt anderswo, wir haben noch etwas vor mit ihnen, damit sie nicht als ausgeruhte Urlauber aus- und anderswo einziehen, sondern als lebenstaugliche Aktivkapseln.

Wir nutzen eine Lücke in den ständig drohenden Wolkenbergen, die so umfangreich ist, dass sie uns voraussichtlich mindestens eine Stunde nicht zu Leibe rückt, und gehen mit den Zwergen noch einmal auf Wanderschaft.

AbendspaziergangUm 18 Uhr verladen Spaziergangwir die Acht wieder im Caddyllac und fahren ins Grüne, nahe der letzten Wanderstelle. Heute haben wir reichlich Begleitung: Landos Herrschaften, dazu Alexandra mit Familie und Freunden, insgesamt zehn Begleitpersonen. Und dann geht es über tiefe Wiesen, über Stock und Stein, durch Matsch und Wald, ein Dreiviertelstunde, die den Stummelpummeln so viele Eindrücke beschert, dass sie heute kein Animationsprogramm mehr brauchen. Ein bisschen unglücklich ist der Fotograf, weil er vor lauter Menschen kaum noch Hunde zu Gesicht JazzJazzbekommt, bMatscheziehungsweise Motive, die einer Veröffentlichung nicht widersprächen. Dafür bekommt er formatfüllende Popos in allen Formen und Lebenslagen, Beine, Füße, Stiefel, hundeheischende Hände, jedenfalls nichts, was nach Veröffentlichung drängt. Auch der Versuch, den Kindern vorauszueilen, um sie von vorne zu erwischen und die Folger als Hintergrundkulisse zu benutzen, scheitert kläglich: Jeder Fluchtversuch wird sofort erkannt und vereitelt. Wenn der rennende Fotograf sich umdreht, hechelt ein freudiger Haufen bereits zu seinen Füßen: Wir sin all dor! Und da steht er der fixe Hase, von acht pummeligen Igelchen gestellt. Es ist ein Ein Lied zum AbschiedKreuz… Was soll’s! Wir bringen die Bande nach Hause, und die ist so platt, dass wir für heute definitiv unsere Ruhe haben werden.

Das Wetter hält, ist zwar sehr bewölkt und gelegentlich drohend, aber es hält. Wir werfen den Grill an und verhocken mit Landos und Alexandras Leuten fast bis Mitternacht in langen und launigen Gesprächen. Es sind solche Abende, die den Abschied leichter machen, weil sie uns zwar die Welpen nicht erhalten können, aber die Menschen zurückgeben. Und sie sind unsere eigentliche Welt, in der wir leben. Die Welpen sind nur eine wiederkehrende Parallelwelt.

 

Samstag, 17. Juli 2021

Sehr grau beginnt ein eh schon trister Tag. Die Wetterfrösche drohen der Region schwere Unwetter an. Das sind beunruhigende Aussichten, die den trüben Aussichten ins Blatt spielen. Wenn nur ein Viertel dessen, was Teile von NRW und RP in die Katastrophe gerissen hat, bei uns ankommt, helfen keine Gewitterkerzen mehr. Für diejenigen, die gerade nicht betroffen sind, ist es sein Segen, dass nicht nur das Tief Bernd über dem Westen langsam zieht (die Chefin kann sich schon wieder eines Grinsens nicht erwehren), sondern auch die anderen Systeme langsam vorankommen, sodass man hoffen kann, sie schlafen ein, bevor sie uns erreichen. Für den Augenblick gehen schwere Regenfälle nieder und sonst nichts. Die Zwerge sind unter solchen Bedingungen draußen und drinnen und draußen und drinnen und… Was will man machen? Sie können sich gut mit sich selbst und uns beschäftigen, langweilig wird es uns allen nicht.

Verstörend ist nicht nur das Wettergeschehen, sondern der Appetit der Jays. Jule verschmäht morgens ihr Frühstück komplett. Anzeichen von Unwohlsein gibt sie aber nicht, sie ist putzmunter. Auch die anderen lassen einiges in ihren Näpfen zurück, nur drei Schüsselchen sind leergeputzt. Was ist da los? Wir rätseln. Futtermäkler oder -verweigerer hDer Korb muss weichenDer Korb muss weichenatten wir noch nie. Mögen sie die Milch nicht mehr, was in diesem Stadium schon mal sein kann? Beanstanden sie das Fehlen der Eier in der Welpenmilch, die wir bis auf ein halbes pro Kopf reduziert haben? Keine Ahnung. Auch während der Tagesfütterungen sehen wir eine gewisse Zurückhaltung, führen das jedoch auf den neu eingeführten Rübenmix zurück, den sie möglicherweise nicht mögen. Aber solange die Bande das Haus und uns auf den Kopf stellen kann, machen wir uns keine Sorgen. Apropos Haus auf den Kopf stellen: Heute, am letzten Tag, müssen wir den großen Weidenkorb aus dem Küchenblock entfernen, jetzt erst haben sie ihn sich als Opfer ausgeguckt. Man muss sie einfach herzen.  

Wenn es eng wird, helfen Routinen, auch wenn sie keinen inneren Wert mehr haben. Putzen, klar, muss sein. Wiegen? Ja, muss sein, auch wenn keine Sensationen mehr zu erwarten sind. Na denn:

Jackl 8170 (+30), Joschi 8050 (+160), Jazz 7590 (+10), Janitschek 7540 (+250) – was ist denn das für eine Achterbahn?? – Judica 6900 (+70), Jasna 6820 (+150), Jeannie 6710 (+60) und Jule – wie? – 5300 (-200!). Wollen dJuleJuleie sich mit uns einen Jux machen? Oder hat Jule unser Flehen erhört und ihr Gewicht heruntergefahren, damit sie nicht mehr abgegeben werden darf? Mit 5300 g liegt sie jedenfalls wieder unter der kritischen Marke. Das ergibt 730 g plus an einem Tag. Wenn wir Jules Minus abziehen, bleiben noch mickrige 530 g. Gut, sie hatten mäßigen Appetit und reichlich Bewegung, aber so eine Minderperformance ist kaum zu erklären, zumal alle frisch und munter sind, auch wenn der Stuhl bei den meisten wieder etwas breiig ist, aber keinen Anlass zur Besorgnis liefert. Vermutlich muss man sich einfach ein wenig zurück- und nicht so wichtig nehmen, den Dingen ihren Lauf lassen und nicht in allem eine Verschwörung sehen. Das Leben ist ein einziges Auf und Ab, und viele Abs sind genauso unerklärlich wie die Aufs, nur die letzteren hinterfragen wir nicht, weil sie uns lieber sind als die Abs.

Wir lassen es, wie es ist, erledigen die Restarbeiten für die Welpenordner und den morgigen großen Tag und lassen die Zwerge ihr Leben leben, das sie heute mit viel Tempo, wenn immer sie im Freien sind, abspulen. Nein, krank ist von denen niemand.  

 

Sonntag, 18. Juli 2021

Wenn man eine Gartenparty zum Abschied der herzigsten aller Herzigen feiern möchte, passt strömender Regen mit Hang zum Weltuntergang nicht so recht ins Drehbuch. So begrüßt uns jedenfalls unser letzter gemeinsamer Tag um 5:30 Uhr bei 17 °C.

Die Kinder sind unzufrieden und nervig, wahrscheinlich weil sie spüren, dass wir nicht dieselben sind wie all die Tage. In ihrer Unruhe finden sie sogar heraus, wie sie die Sperre zum Treppenhaus knacken können, was sie seit Installation der Deckenstütze nicht mehr versucht, jedenfalls nicht mehr geschafft haben. Heute finden sie eine neue Passage, die sie wochenlang hätten finden können, aber offenbar nicht gesucht haben. Sollen sie eben, wenn es ihnen wichtig ist; wir machen die Glastür zum Treppenhaus zu und steigen über die Ausbrecher. Auf das bisschen Leibesübung kommt es nach acht Wochen auch nicht mehr an.

FiannaEndspielFianna macht uns Sorgen: Die Oma hat Weltschmerz. Nach drei Würfen brauchen wir ihr nicht zu erzählen, was heute auf dem Programm steht; sie zieht sich auf den Kellerabsatz zurück, ganz sicher nicht, um uns nicht im Weg zu sein. Wir geben ihr Ignatia, was tatsächlich gegen Trennungsschmerz hilft, bei Anouk, die schon mal bei Abschied eines Welpen in die Knie ging, bei Franzi, die überaus robust und nach fünf Wochen eine berufstätige Mutter wurde und größere Teile der Erziehung an Anouk delegierte, aber auch litt, wenn sie ihre Kinder hergeben musste. Und auch Fianna hat die Trennungen deutlich besser bewältigt, wen wir ihr Ignatia gaben. Das gilt nicht für den ersten Wurf, weil die Hündinnen da noch nicht wissen, was abgeht. Dennoch haben wir Hedda mit diesem Wissen schon seit zwei Tagen Ignatia gegeben; schaden tut es nicht und wenn es sie entspannt, haben alle etwas davon.

Auch heute Morgen zahnen die Jays etwas mäkelig an ihrem Frühstück herum, und wir haben den Verdacht, dass die schon bei uns ihr Umerziehungsprogramm beginnen, mit dem sie sehr bald ihre neuen Futtermeister vor die Frage stellen werden: Sollen wir der Verweigerung nachgeben und etwas anderes anbieten oder sollen wir das Kind verhungern lassen? Nicht nachgeben! Weil der Zwerg sicher speist, wenn er Hunger hat. Aber sie werden es versuchen und nicht jede(r) wird widerstehen. Ja, es sieht so aus, als würden sie schon bei uns einen Probedurchgang starten wollen. Aber das ist definitiv der falsche Plan! Es gibt ein ordentliches Frühstück, wie es für sie vorgesehen ist und siehe da: Nach etwas herummäkeln sind schließlich beide Futterringe geleert. Und es waren alle beteiligt, darauf haben wir schon ein wachsames Auge geworfen.

Nun also ist es Zeit, die Schlussgewichtung vorzunehmen, die für alle Zeit und in Stein gemeißelt bewahrt werden wird. Und weil es sich nicht ziemt, am Ende noch eine billige Dramaturgie aufzubauen, nur um ein bisschen Effekt zu haschen, nehmen wir es gleich vorweg: Die Jabberwockys sind gewichtsmäßig wieder voll in der Spur. Es gibt keinen Grund mehr, die gestrigen Sorgenfalten weiter zu pflegen. Here we go:

Jackl: 8430 (+260)  Joschi: 8320 (+270)  Janitschek: 7920 (+380)  Jazz: 7810 (+220)  Judica: 7040 (+140)
Jasna: 7030 (+210)  Jeannie: 6940 (+230)  Jule: 5590 (+290)

Wie schon erwähnt: Alle haben ihre Diät eingestellt und noch einmal 2000 g zugenommen. Das ist ein Wort und ein Akt der Versöhnung. Dass Jackl keinen Einbruch mehr zulassen würde, war schon lange klar und dass Joschi ihm folgen würde ebenfalls. Aber dass Janitschek, der farbenfrohe Partisan, noch im letzten Akt die Bazooka herausholen und die stramme Jazz auf den Blechplatz abschieben würde, war nicht abzusehen. In der zweiten Tabellenhälfte blieb die gewohnte Ordnung bestehen, obwohl wir nicht wissen, ob Jasna nicht doch noch an Judica vorbeigekommen wäre, wenn sie ihren Endspurt nur einen Tag früher angezogen hätte: Zehn Gramm sind der denkbar knappste Abstand. Jeannie hat sich, wie all die Tage, stabil und verlässlich nach oben gefuttert und Jule nochmal ein Schlussstatement geliefert: Ich will hier weg und abgegeben werden; mit 5590 g liegt sie wieder deutlich über dem erforderlichen Gewicht. Und jetzt kommt die Waage in den Karton und muss auf den nächsten Wurf warten.   

Das Wetter scheint Mitgefühl mit uns zu haben, und so können wir den Garten für den Abschied vorbereiten. Es wird, wie immer, eine bayerische Brotzeit geben, die uns allen den Abschied ein bisschen leichter machen soll. Die Kidnapper können angeregt miteinander plaudern und sich kennenlernen, wir sind beschäftigt uns abgelenkt und am Ende ist der Garten leer und das Herz trotzdem voll.

Doch, bevor es zum Festmahl kommt, verlässt uns Judica um 8:45 Uhr. Ihre neuen Leute sind schon gestern mit dem Wohnmobil angereist, um heute gleich morgens entspannt und gemächlich ins Hessische zu verschwinden. Servus, Jude, mach’s gut.

Janitschek verlässt uns kurz vor 13 Uhr in Richtung Wien und Joschi folgt ihm gleich darauf ins nahegelegene Ostermünchen. Beide werden uns nicht aus den Augen verlieren, so ist der Plan. Um halb Drei macht sich Jeannie auf den Weg nach Pforzheim und zehn Minuten später rollt Jazz in Richtung Bayerwald und Jackl steht schon bereit, sich in den Chiemgau davonzumachen. Um 15 Uhr verlässt uns Jasna nach Taufkirchen, was eigentlich kein richtiges Verlassen ist; man sieht sich.

Jetzt wäre das Jabberwocky-Paradies schon gespenstisch leer, wenn nicht die Piratin Jule noch bis kommenden Freitag bleiben und uns einen geschmeidigen Übergang in den Alltag bescheren würde.     

Eigentlich stünde nun, wie nach allen Partys, Aufräumen auf dem Plan, aber weil Jule noch Ansprüche anmeldet, die ihr auch zustehen, lassen wir das Paradies, wie es ist. Für einen Welpen ist es dennoch zu groß und ein wenig zu großspurig. Mit Heddas und Fiannas Unterstützung wird sie es trotzdem noch genießen können. Und wir verschieben das Rammadamma (bayer: Aufräumen = räumen tun wir) auf nächste Woche. Jetzt legen wir die Beine hoch und freuen uns auf eine Woche mit der Piratin.

Und was macht Hedda? Sie hat ihre Kinder ziehen lassen, keine Träne verdrückt und widmet sich nun ihrem kleinen verbliebenen Goldstück. Wenn sie diesen Pragmatismus und ihre Lebensfestigkeit an ihre Kinder weitergegeben hat, dürfen wir uns alle glücklich schätzen. Sie ist nicht nur ein Goldstück, sondern ein ganzer, großer Schatz.

 

Epilog I

Familie LieglFamilie LieglJackl lebt jetzt in Schnaitsee, im schönen Chiemgau.

Es gibt Typen, bei denen man sich fragt: Wo nehmen die ihre Selbstgewissheit und Souveränität her? Wer hat ihnen das Vorturner-Gen eingeschleust? Solche, wie Greta Thunberg, die mit 17 Jahren die Vollversammlung der Vereinten Nationen herwatschen, dass denen das Hören und Sehen vergeht, wo andere sich am Vortag so vollgesoffen hätten, dass der Termin auf übernächstes Jahr hätte verlegt werden müssen. So einer ist Heddas Erstgeborener. Und so ist es fast zwangsläufig, dass ihm bereits früh in seinem kleinen Leben der Titel „Bürgermeister“ verliehen wird: selbstbewusst, klar in der Birne, zupackend, wo es die Situation erfordert, aber auch moderierend, wo Hitzköpfe ein Fell untereinander verteilen wollen, ohne den anderen etwas abzugeben. Natürlich ist der Bürgermeister der Jays auch ein durchtriebener Bauer wie der Schex, der sich bei seinen Amtshandlungen nicht selbst vergisst. Doch überwiegend ist er der Gute-Laune-Bär und Ruhepol zwischen seinen manchmal irrlichternden Geschwistern, gelegentlich majestätisch, bei Bedarf hemdsärmlig. Einer wie Jackl kann mit der Linken einen Maibaum aufstellen, mit der Rechten die Goaßl schnoiz’n (die Geisel schnalzen) und, mangels Blaskapelle, sich nebenbei selbst den Marsch dazu blasen. Bei so einem ist irgendwie alles am rechten Fleck, nicht nur das Herz. Eigentlich kann man so eine Type nicht wirklich kaputtkriegen oder aus der Bahn werfen. Der ist, wie er ist und geht seinen Weg. Wenn er seinen Weg nicht ganz allein gehen muss, sondern gelegentlich an die Hand genommen wird, wird er seinen neuen Leuten viel Freude und wenig Sorgen bereiten. Wie jeder von uns, hat auch Jackl ein Schwarzes Loch in seinem Innersten, das unsere finstere Seite und das Nichts beschreibt, in dem alles, auch das helle Licht in uns, verschwindet. In Jackl haben wir an dieser Stelle auch etwas gefunden, aber keinen alles verschlingenden Abyss, sondern seinen Massepunkt, der ihn stabilisiert und kaum kippen lässt. Wenn dieses Loch dort bleibt, wo es ist und hingehört, wird es Jackl ein langes Leben im stabilen Gleichgewicht halten. Dafür ist er im erdigen Chiemgau bestens aufgehoben, weil dort kaum jemand leicht abhebt. Seine Ruhe und Wesensfestigkeit wird er gleich zu Beginn seines neuen Lebens zum Wohle seines alten Hausgenossen Max einbringen können, dem er, der schwerkrank ist, hoffentlich in seinen verbleibenden Tage noch einen leichtfüßigen Schlussakkord seines Lebens beschert.  

 

Familie KimFamilie KimJazz zieht in den Bayerischen Wald, nach Rohrmünz, hoch über Deggendorf.

Nach Jackl hat uns Hedda Jazz ins Nest gelegt, mutmaßlich mit der Absicht, uns nach dem Bürgermeister eine Bürgermeisterin zu bescheren. Gleich zu Beginn, so ihre Strategie, zwei echte Ansagen. Und dennoch ist Jazz kein weiblicher Jackl, damit würden wir es uns zu leicht machen. Jazz hätte das Zeug und die Werkzeuge dazu, hat sie aber in der Kiste gelassen. Jazz ist acht Wochen lang ihre eigene Galaxie, um die sich nicht alles, aber vieles drehte. Sie hat Jackls breite Brust und die dazu passende Autorität; sie stellt etwas dar. Aber sie ist nie gravitätisch, eher burschikos und zugänglich, jedoch nur solange sie nicht „ihr Ding“ macht, und das macht sie oft. Sie geht voran, andere folgen ihr – und wenn es kopfüber in den Keller geht. Für uns ist sie schon bald die „Autonome“, die ihren Tagesplan nicht nach ihren Geschwistern richtet, sondern ihren eigenen hat und verfolgt. Jazz ist ein schillerndes Mosaik, das gerade durch fehlende Steine und scheinbare Fehlfarben zu einem faszinierenden Kunstwerk wird. Nichts an Jazz ist glatt und erwartbar, und gerade die vermeintlichen Brüche fügen das Bild zusammen. Heraus kommt kein Rembrandt und schon gar kein Spitzweg, sondern ein echter van Gogh. Jazz gehört zu unseren All-time-Favoriten aller unserer Welpen, weil wir ab- und tiefgründige Charaktere lieben, solche, denen man alles zutraut, aber nie etwas nachsagen kann. Wann immer wir vor einem Rätsel standen, gehörte Jazz zu den Erstverdächtigen. Überführen konnten wir sie nie. Aber wir wissen – und sie weiß, dass wir wissen.
Wenn wir jetzt eine Hündin behalten hätten, um unsere Zucht fortzusetzen, wäre die Wahl letztlich auf Jazz gefallen. Im Zwinger vom Waldläufer hat sie nun die Gelegenheit, an anderer Stelle die Fahne des Bairischen Blues hochzuhalten. Doch bis es so weit ist, muss sie unserem alten Freund Dacapo noch ein wenig mit jugendlichem Übermut den Lebensabend erfrischen.    

 

Familie Tschernutter-GroßFamilie Tschernutter-GroßJanitschek trägt die Farben des Bairischen Blues nach Fischamend in Österreich.

Wir haben die Beiträge und Einlassungen in unserer Chronik bezüglich Janitschek nicht gezählt, aber mutmaßlich ist dieser Wirbelwind derjenige mit den meisten Erwähnungen. Wo fängt man an? Und wo hört es auf, wenn es überhaupt aufhört. Versuchen wir es damit: Janitschek ist ein Spiegelbild seines Papas Lando und damit schön, so, wie man sich einen schwarzmarkenen Hovawart vorstellt. Den Vergleich mit weiteren Eigenschaften steht uns nicht zu, weil wir Lando nicht acht Wochen am Stück begutachten konnten. Jani, so viel steht fest, ist der Gaudibursch unter den Jays, ein unermüdlicher An- und Umtreiber, ein rasender Reporter, ein Häuslschleicher und Kusshandwerfer. Wenn bei ihm etwas zuverlässig sitzt, dann ist es der Schalk in seinem Nacken. Ihm entgeht nichts, keine Action, die er nicht bereichert, er ist unentwegt unterwegs, kann jederzeit und unerwartet überall auftauchen wie ein Schachtelteuferl, kurz: Janitschek ist unermüdlich wie ein Duracell-Häschen. Mit seiner Allgegenwart geht er seinen Geschwistern schon mal auf den Wecker, die ihm jedoch alles verzeihen, weil man ihm nichts krummnehmen kann. Dafür gibt ihm seine Oma einmal einen Nasenstüber, weil er ihr doch ein bisschen zu distanzlos wird. Der bringt ihm eine geschwollene Nase und Schlitzaugen ein und stellt ihn für zwei Tage ruhig. Doch Jani kann auch ganz anders. Zum Beispiel kann er ein hingebungsvoll Schmuser und herzzerreißender Charmeur sein – bis ihn sein Wespennest im Hintern wieder zu neuen Taten treibt. In diesem kleinen Wirbelwind steckt so viel Substanz, dass man damit ein kleines Universum füllen könne. Doch heute wissen wir, dass unser Universum noch viel mehr Geheimnisse birgt, als wir uns vorstellen können. Der bei weitem größte Posten ist dabei die dunkle Materie und dunkle Energie, von denen wir nicht viel mehr wissen, als dass es sie in unvorstellbarer Menge gibt. Und sie findet sich auch in allen starken Charakteren, wie Janitschek einer ist. Zum Glück machen sie bei ihnen nur den eindeutig kleineren Teil aus. So eine dunkle Seite des kleinen Sonnenscheins ist seine Eifersucht, die er in den letzten Tagen beim Blues gegenüber seinen Geschwistern entwickelt, wenn er Menschen für sich beansprucht. In ihr manifestiert sich jener Teil der dunkeln Energie, die aus einem Thronfolger und strahlenden Prinzen einen Schwarzen Ritter machen kann. Wir zweifeln jedoch keine Sekunde daran, dass Janitschek diese Kapriolen seiner Seele in Griff bekommt und das wird, was er schon bei uns immer wieder war: der galante und pfiffige Jani-Schani aus dem Wienerwald. Heißt es nicht immer, dass das Milieu den Charakter formt? Eh kloar…  

 

Familie DörflingerFamilie DörflingerJeannie hat ihre Spielwiese nach Pforzheim verlegt.

Äußerlich kommt Jeannie ihrem Bruder Janitschek sehr nach, auch sie hat alles, was man sich bei einem schwarzmarkenen Hovawart wünscht. Und auch bei ihr ist die Lebensfreude das zentrale Antriebsaggregat. Jeannie ist schnell, Jeannie ist wendig und vor allem geschickt. Vermutlich ist sie die größte Spielratz unter ihren Geschwistern. Welpen spielen immer gern, weil sie sich im Spiel ihre Welt erobern und verstehen. Wenn Jeannie so viel versteht wie sie spielt, müsste sie es einmal zur größten Philosophin aller Zeiten bringen. Es gibt einfach nichts, was sie nicht bespielt, anfangs großflächig und ausgelassen, dann immer kleinteiliger und selbstvergessener, als ob sie in ihr Objekt hineinhören würde. Sogar ein getrockneter Hühnerfuß ist nicht zum Verspeisen gedacht, sondern zum Ergründen. Während ihre Geschwister irgendwo verschwinden, um sich das Ding hineinzuraspeln, spielt sie mit ihm, als ob sie es zum Leben erwecken wollte, um darauf mit ihm Fangen zu spielen. Bei solch selbstvergessenen Spielen kommt ihr schon gelegentlich ein Spielzeug abhanden, weil andere eine nutzbringendere Verwendung dafür haben. Unter diesen Umständen weiß man nicht so recht, ob ihre Leidenschaft für Hosenbeine ebenfalls diesem Spieltrieb zuzuschreiben ist oder doch dem, was man allgemein als Beutetrieb bezeichnet; weh tut beides. Eine Draufgängerin ist Jeannie nicht; auf manche Umständen will sie sich nur zurückhaltend einlassen, so ist sie die Einzige, die auf der Waage konsequent kein Leckerchen akzeptiert. In dieser Hinsicht ist sie so eisern wie Janitschek in allen Lebenslagen flexibel. Wenn man von dieser Marotte absieht, wird sie mit allen anderen Herausforderungen, die sie mit Skepsis begleitet, schnell warm. Wir haben mit Jeannie einen Heidenspaß, weil auch sie, wenn sie nicht gerade im Spiel versunken ist, ein herrlich lustiger Fratz ist, den man ins Herz schließen muss. Rundum bezaubernd eben, unsere Jeannie, die uns schnell vergessen lässt, dass ihr Start ins Leben sehr holprig war. Beinahe hätten wir ihr diese Zeilen nicht widmen müssen.      

 

Familie MenacherFamilie MenacherJoschi bezieht eine Hütte in Ostermünchen, rund 15 km nordöstlich des Bairischen Blues.

Wir müssen jetzt einfach mit der Tür ins Haus fallen, weil bei diesem liebenswerten kleinen Kerl einfach keine Vorreden angebracht sind: Joschi ist ein hundertprozentiges Herzstück. Punkt. Dabei ist er der vermutlich begabteste Verwandlungskünstler, den wir je großzogen. Er beginnt seine Welpenkarriere als Dauerredner, Plaudertasche und Gesellschaftsreporter, was ihm bei einem namenlosen Verehrer den zweifelhaften Ehrentitel „Baby Schimmerlos“ einbringt, nach jenem legendären Klatschreporter aus Kir Royal. Wenn es irgendwo nörgelt, plärrt, greint oder filibustert, gibt es keinen Grund nachzusehen, wer etwas zu sagen hat: Es ist immer Joschi. Dann schweigt er plötzlich, nimmt Haltung an, verpuppt sich und gibt kurz darauf sein Debüt als Hosenschnalzer und Bürgermeisterkopie. Da selbst er mit dieser Rolle nicht warm wird, steht er eines Morgens als lachender Vagabund aus seinem Lager auf und befindet, dass ein sonniges Gemüt auch dem unwürdigsten Mistwetter im Paradies den Stachel nimmt. Seither lacht Joschi. Er besetzt Schöße, lässt sich das Bäuchlein kraulen und lacht dabei wie ein zufriedener Buddha. Eigentlich lacht Joschi immer. Naja, wenn es um Pansenfetzen oder Hühnerfüße geht, setzt er auch mal aus, gibt den grimmen Hagen, erinnert sich an die Bürgermeisterrolle – und lacht anschließend noch herzhafter, weil einem Geschwister das Lachen und der Appetit vergangen ist. In den Adern dieses Bürschleins fließt wahrscheinlich eine Mischung aus Blut, Juckpulver und Lachgas. Doch wer ihn nur auf seine herzlichen Umgangsformen und sein Lachen reduziert, übersieht, dass Joschi so ganz nebenbei einer der Pfiffigsten seines Standes ist; er lernt sehr schnell, setzt blitzschnell um und weiß ganz genau, wo der Bartl den Most holt. Mit dieser Ausstattung kommt man normalerweise sehr geschmeidig durchs Leben.
Alle diese Eigenschaften und Vorzüge kann er ab sofort auf Tauglichkeit überprüfen, weil er bei einem in die Jahre gekommen Golden Retriever-Rüden einzieht, der sich sicher nicht so leicht von ihm ein X für ein U vormachen lässt. Aber: Mit einem Lachen kommt man um die ganze Welt.

 

Andrea StibitzkyAndrea StibitzkyJule richtet sich ihre Stube in Sauerlach, 20 km nordwestlich des Blues, ein.

Den Augenblick, an dem man feststellt, dass ein Augenblick fehlt, vergisst man nie mehr. Das Fehlen von Jules rechtem Auge versetzt uns kurzfristig in eine Art Schockstarre. Man muss als Züchter mit vielem rechnen, aber ein fehlendes Auge gehört nicht zu den verbreiteten Horrorszenarien. Die erste Frage ist: Funktioniert das linke Auge? Heute können wir strahlend verkünden: Und wie! Jule lebt, Jule sieht und Jule ist – und das ist die Königsbotschaft – ein ganz normaler Hovawart, mit all seinen Eigenschaften und Abgründen. Eine dieser Eigenschaften ist bei Jule die unbändige Freude, wenn wir uns ihr nähern, selbst wenn wir nur in ihre Nähe kommen. Dann wedelt nicht das Schwänzlein an Jules hinterem Ende, sondern es wackelt und windet sich der ganze Hund und das Schwänzlein saust herum wie ein Windrädchen. Jule kann sich über Menschen freuen, als hätte sie mehrere Wochen Isolationshaft hinter sich. Trotz des fehlenden Auges hat die Kleine keinerlei Orientierungsprobleme und findet zuverlässig den Weg, den sie eingeschlagen hat, und das auch in höchstem Tempo, eine Gangart, die sie übrigens besonders liebt. Gemächlich kommt bei Jule eher selten vor. Jule gehört auch zu denen, die am längsten aktiv sind und nur kurze Ruhepausen benötigen. Für uns bedeutet das, dass die Schicht meistens erst beendet ist, wenn Jule das Licht ausknipst. Während der Fotosession überlegt sie es sich dafür anders und legt sich hin, wenn sie sitzen sollte. Ein echter Hovawart eben. Jule ist, das sollte man eigentlich nicht erwähnen müssen, ein echter Sonnenschein, der je nach Sonnenstand, allerdings auch lange Schatten werfen kann. Anders gesagt: Ein fehlendes Auge lässt keine Rückschlüsse auf eventuell fehlende Zähne zu. Und Jule hat alle und auch alle im Einsatz. Sie gehört zu den griffigsten Krokodilen des Jaw-Clubs. Aber dann lacht sie wieder und wackelt, fehlt nur noch, dass sie schnurrt. Als Zarteste der Jays ist sie zwangsläufig für die Bullys ein gefundenes Fressen. Denken sie. Denken sie aber inzwischen nicht mehr, denn der Knubbel kann nicht nur Hosenbeine und Mädchenhaare, sondern auch Bruderohren und Schwesternnasen. An Feiertagen lässt sie es auch mal auf Ohrfeigen beruhen. Knubbelig, klein, blitzschnell, fix im Kopf, handfest und schmiegsam – um Jule wäre es tottraurig gewesen, wenn wir ihr ein Leben ohne Augenlicht hätten ersparen müssen. Wir wüssten gar nicht, was wir verloren hätten. Oder doch: einen echten bezaubernden Hovawart eben.
Wenn es nach Jules neuer Dompteurin geht, soll sie richtig viel Sport machen und Prüfungen ablegen. Und weil man nur gut sein kann, wenn man Siege im Visier hat, darf Jule ab sofort den Namen der griechischen Siegesgöttin Nike tragen. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

 

Dr. Claudia KemperDr. Claudia KemperJasna bleibt auch in der Nähe, nur wenige Kilometer von Jule, in Taufkirchen

Jasna hat optisch nicht viel mit Jeannie zu tun, aber darüber hinaus kann sie ihre Verwandtschaft mit ihr nicht verleugnen. Sie ist ein nimmermüdes Spielmobil und Energiebündel mit zwei ausgeprägten Schlitzohren. Wenn irgendwo beim Blues eine Intrige angezettelt wird, Aus- oder Einbrüche geplant werden und zu Treibjagden geblasen wird, ist Jasna zur Stelle. Weil halbe Sachen nicht auf Jasnas Agenda stehen, kann es dann eben schon vorkommen, dass man im Keller landet und für zwei Tage kleine Brötchen backen muss. Zwischen ihren kleinen und meist liebenswerten Teufelein trägt sie gerne ein Gesicht wie eine Mischung aus schwarzer Madonna von Tschenstochau und Maria Magdalena beim Letzten Abendmahl. Stille Wasser gründen bekanntlich tief, trüben aber niemals selbst irgendein Wässerchen. Beunruhigender ist es, wenn sie gerade nicht im Einsatz ist, dann ist sie nämlich meist unauffindbar. Sie gehört zu dem kleinen und exklusiven Amazonentrupp (plus Jazz und Judica), der sich gerne aus dem Staub macht und sich unter unseren Hecken eingräbt wie Landser an der Front. Der Assi gibt zu seiner Schande zu, dass er nicht nur einmal nach ihr Ausschau hielt und sie nicht entdeckte. Wahrscheinlich schüttelt sie sich vor Lachen, wenn er wieder an ihr vorübergeschlichen ist. Aber was für Jazz gilt, gilt auch für Jasna: Wir lieben diese ab- und tiefgründigen Malefize, ohne die das Züchterleben nur aus Futterbereitung und Futterentsorgung bestehen würde. Zum Glück hecken auch die kreativsten Köpfe nicht unentwegt neue Schurkenstückchen aus, sodass ihnen Zeit bleibt, ihre Schokoseite zu offenbaren –und die ist bei Jasna sooo süüüß. An ihr wird nachvollziehbar, dass man jemand zum Fressen gern haben kann. Um dieser Gefahr zu entgehen, kehrt sie wahrscheinlich ihre raue Seite nach außen, denn wer beißt schon gern in eine ungeschälte Rambutan. Hinter dieser kleinen Abenteurerin steckt unendlich viel Herzigkeit und Knutschpotential. Und wer einen Augenaufschlag wie Amy Winehouse riskieren kann, muss sich nicht wundern, wenn Umärmelungen häufiger anfallen als erhobene Zeigefinger.
Die Gunst ihrer neuen Chefin musst sie sich ab jetzt mit der fünfjährigen Gamba teilen, die weniger subversives Potential in sich trägt, sich aber von ihr sicher nicht aufs Abstellgleis schieben lässt. Das bedeutet: arrangieren. Und ab und zu so kleine Brötchen backen wie seinerzeit im Keller.             

 

Familie FröhlichFamilie FröhlichJudica zieht in den Zwinger von Acro Bado im hessischen Rödermark.

Judica ist ein typischer Fall für eine Schreibblockade. Es geht dem Chronisten viel durch den Kopf, aber er möchte keine Plattitüden aufschreiben. Und wenn es so unendlich schwerfällt loszulassen, muss man eben die schmerzenden Momente hinter sich bringen, bevor man mit befreitem Herzen frohgemut sein kann. Gehen wir es an. Judica hätten wir gar nicht abgeben dürfen. Judica gehört zum Blues. Judica ist Fianna! Wir können uns kaum erinnern, jemals beim Gedanken, einen Welpen abgeben zu müssen, so großes Magengrimmen gespürt zu haben. Aber dann setzte sich die Vernunft durch: Selbst wenn wir uns jetzt eine Hündin hätten behalten wollen, wäre es dennoch nicht Judica geworden. Noch eine Fianna… nein. Wir hätten uns gegen das Herz und für die Vernunft entschieden und Jazz behalten; Abwechslung braucht die Welt, keine Klone. Abgesehen davon, dass Judica mehr Rouge trägt als Fianna, ist sie auf dem gleichen Holz gewachsen. Und wer unsere vielfältigen Elogen über unsere Fianna kennt, ahnt, worauf wir mit Judica verzichtet haben. Nein, sie ist kein Engel und schon gar keine Heilige, sie hat Zähne, wo sie hingehören und weiß sie einzusetzen. Sie hat einen Kindskopf, den man getrost als Dickschädel bezeichnen kann. Sie dreht ein krummes Ding und einem dabei eine lange Nase. Manchmal kann auch sie auf Schwarze Madonna machen, aber nie auf Maria Magdalena, so viel Verstellung liegt ihr nicht. Was sie auszeichnet, wie keines ihrer Geschwister, ist ihre Menschenliebe. Seit Judica auf ihren Stummelbeinchen ein paar Meter gehen kann, haben wir ein Deja-vu: Judica ist ständig in unserer Nähe – wie Fianna vor zehn Jahren. Sie liegt auf unseren Füßen, wenn wir kochen oder Futter bereiten, sie sitzt hinter uns, wenn sie nicht auf unseren Füßen liegen kann und strahlt uns von ganzem Herzen an und bittet darum, auf den Arm genommen zu werden. Draußen ist sie viel öfter in unserer Nähe als alle anderen. Wenn die ganze Bande eine Fantasia im Paradies reitet, macht sie häufiger als alle anderen einen kleinen Abstecher, um nach dem Rechten zu sehen. Sie ist uns so sehr an die Herzen gewachsen, weil sie sich bedingungslos an sie geschmissen hat.
Und wie sind wir froh, als feststeht, dass unsere Menschenfreundin in Landos Elternhaus einziehen wird und dort zukünftig für hoffentlich weitere kleine Landos sorgen soll. Jetzt können wir sie beruhigt ziehen lassen. Mit ihrer Mitbewohnerin Ladisha wird sie sich gut verstehen und sie sich mit ihr, daran haben wir keine Zweifel.
Judica hört in ihrem neuen Leben auf den Namen Jördis.

 

Epilog II

Jules verlassenes ParadiesJules verlassenes ParadiesDer Alltag ist zurück in unserem Leben. Jule (Nike) machte uns den Abschied und Übergang leicht und bescherte uns für die wenigen Tage weit mehr Freude als Last.

Die Kinder sind in die Welt gezogen und eingezogen, dort angekommen und längst zuhause. Wir vermissen sie nicht und gelegentlich doch. Als Ausgleich dürfen wir den weiteren Weg einiger von ihnen in der Welpenschule und auf dem Hundeplatz verfolgen. Sie haben alle nichts von dem verloren, was sie bei uns ausmachte; sie sind bestens untergekommen und machen nicht den Eindruck, dass sie zu uns zurück wollten. Mehr können wir uns nicht wünschen.

Wir haben also allen Grund Dank zu sagen, denen, die HeikeDie Chefin ist glücklich und zufriedenunsere Kinder bei sich aufgenommen haben und allen, die am Gelingen des J-Wurfs beteiligt waren, manche weit über das übliche Maß hinaus. Einzelverbeugungen ersparen wir uns. Wer diese Chronik verfolgt hat, weiß, wen wir meinen und diejenigen wissen, dass sie gemeint sind. Eine Ausnahme machen wir mit der Tierklinik Oberhaching und Frau Dr. Baier-Heimstädt, die unendlich einfühlsam mit Jule und unseren Sorgen umging. Bei ihr wird Nike auch in Zukunft in besten Händen sein. Den größten Anteil am Gelingen der Jays haben jedoch Hedda und Lando, die wir dafür gar nicht fest genug ans Herz drücken können: Vergelt's Gott, ihr zwei. Hedda drücken wir ein- bis dreimal mehr ans Herz als üblich, weil sie alle unsere Erwartungen an sie übertraf: Sie war eine großartige Mama und fremdelte bereits beim ersten Mal keinen Augenblick mit ihrer neuen Rolle. Man weiß ja nie… Und Fianna gab eine liebevolle Oma, aber keine, die sich ihren Enkeln zum Fraß vorwarf; drei Mutterschaften mit 30 Kindern machten aus ihr einen Kraftort und eine Instanz, eine Autorität also, die der Mutter den Rücken freihielt und ihr Raum gab, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Danke, Fianna.    

Der Bairische Blues taucht nun wieder in den Alltag ab. Wann er aus ihm wieder auftauchen wird, überlassen wir dem Schicksal und den laufenden Ereignissen. Bis dahin

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life

 

Dienstag, 29. Juni 2021

Mit kräftigen Wolken, die sich auch schnell mit einem elementaren Platsch entleeren, startet dieser Dienstag in die neue Lebenswoche der Jays. Geht ja schon gut los… Immerhin wird es bald besser und schließlich sogar schön, bei 25 °C nachmittags.

An Dienstagen hat die Chefin halbtägig Dienst in München, weshalb sie vom Assi um 7 Uhr zur Bahn gefahren wird. Bei Regenwetter sind die Zwerge in dieser Zeit im Haus. Als der Assi nach einer knappen halben Stunde wieder zurückkommt, findet er unter seinem Essplatz am Tisch ein noch fast dampfendes Häuflein. Das Verursacher (maximal gegendert!) ist nirgendwo zu sehen und ruht gewissenlos zwischen seinen pennenden Geschwistern. Wie kam der Haufen unter den Esstisch? Die naheliegende Antwort: Via Transit in einem Hund. Nächste Frage: Wo ist die Passage, auf welcher der Hund mit dem Häuflein im Darm den Transit verlassen und das Esszimmer betreten konnte? Das Schlupfloch findet sich ganz am Ende des Transits, wo das Gitter hinter der Terrassentür verschwindet. Genau dort ist ein ausreichend großer Spalt zwischen ihm und der Wand. Sicher hat das Hündli das Gitter nicht von der Wand weggezogen. Die Logik von Elementen, die untereinander mit Stäben verbunden und wie eine Art Ziehharmonika aufgestellt sind, damit sie nicht kippen, ist, dass sich die Kraft, die man an einer Stelle der Ziehharmonika ansetzt, in unterschiedlicher Weise auf die anderen Elemente auswirkt. Anders gesagt: Wenn man an einer Stelle gegen ein Element drückt und Glück hat, kann es sein, dass sich an anderer Stelle das Sesam öffnet. So wird es gewesen sein: Irgendwo dagegen gedrückt oder geblödelt und das letzte Element hinter der Terrassentür löst sich von der Wand. Wenn die Terrassentür geöffnet ist, kommt niemand an diese Öffnung, ist sie aber geschlossen, wie in dieser halben Stunde unserer Abwesenheit, ist der Spalt nicht von der Tür abgedeckt und lädt zu neuen Ufern ein.

Was lehrt JacklJackluns diese kleine Schandtat? Erstens, dass manche (!) unserer Kinder jede Gelegenheit nutzen, sich abseits der Verkehrswege zu erleichtern, auch wenn sie dabei Abwege beschreiten müssen. Das ist eine hygienepolitisch löbliche Leistung. Noch beeindruckender aber ist, dass das Täter (wieder maximal gegendert) auch schnurstracks den Ausgang aus dem Neuland wiedergefunden hat. Es deutet nichts darauf hin, dass das Untier lamentierend durch unser Esszimmer mäanderte und zwar ein Ein, aber kein Aus mehr gefunden hat. Nein, wir sind sicher, der Täter oder die Täterin hat erledigt, was zu erledigen war und sich auf direktem Weg wieder durch den Spalt aus dem Staub gemacht. Das wäre dann allerdings eine kognitive Spitzenleistung, vergleichbar mit jemandem, der Rubiks Würfel einmal durch Zufall richtig zusammenkurbelt und es dann im Anschluss gleich wieder hinbekommt, ohne die Logik verstanden zu haben. Beim Nachdenken, wem diese Leistung zuzutrauen wäre, kommt der Assi zu dem Schluss: Allen. Leider. Andererseits: Bingo! Wer wünscht sich schon doofe Kinder? Und die Klügsten sind eben fast immer die Unberechenbarsten. Ein ganzes Glück gibt es nicht, auch wenn man den Täter oder die Täterin in unserem Fall jetzt zu Recht als Klugscheißer bezeichnen muss (oder darf). Diese kleine Episode zeigt, dass man auch aus Scheiß eine Geschichte machen kann und lässt vermuten, dass sich der Verfasser mit ihr für ein Volontariat bei der Zeitung mit den vier großen Buchstaben bewerben möchte.

Die Geschichte liefert jedoch eine willkommene Brücke zu einem verwandten Thema: die Konsistenz der Darmendprodukte unserer Schützlinge. Die des heimlichen Entsorgers war von überwältigender Stabilität und Formschönheit. Schon aus diesem Grund hätten wir gerne gewusst, wer es war, denn die Mehrzahl der Häuflein werden jetzt immer mehr zu Breilein. Das ist zwar erwartbar, hätte aber auf unserem Dielenboden im Esszimmer der Freude über die kognitive Höchstleistung einen schweren Dämpfer verpasst. Die Erklärung für die Moussierung der Würstlein liegt einerseits im schnellen Wechsel und der ständigen Erweiterung des Nahrungsangebots, womit die jungfräulichen Därmchen erst klarkommen müssen. Dabei gibt es Anpassungsprozesse, die lieber wir in Kauf nehmen und uns damit herumschlagen, als sie unseren Auserwählten aufzubürden. Das gehört nach unserem Züchterverständnis zum Geschäft. Ein anderer Grund ist das Grünzeug im Paradies, an dem sie sich ständig vergreifen. Es ist zwar nichts Giftiges darunter, aber der Darm eines kleinen Karnivoren braucht ein wenig Zeit, sich von Milch auf Fleischliches umzustellen, wobei Vegetarisches in ursprünglicher Form nicht vorgesehen ist. In verdauter Form, etwa aus dem Magen oder Darm eines Beutetiers, ist es höchst willkommen und verträglich, aber mit Kriechendem Günzel muss er sich erst noch anfreunden. Wichtig ist für uns, dass derzeit nichts auf von außen eingetragene Infekte hinweist, wie wir sie Ende letzter Woche kurz erwähnt haben. Wir bleiben dabei, erst und nur darüber zu sprechen, wenn es notwendig wird.

Es dürfte unsere treuen Leser nicht überraschen, dass die Beschäftigung mit dem Ende des Nahrungszyklus‘ einen direkten Blick auf dessen Beginn und seine Folgen anbietet.

Der Menüplan gestern sah so aus: morgens gegen 5:30 Uhr dreiJazzJazz Portionen Welpenmilch, mittags (ca. 11 Uhr) 400 g Belcando Trockenfutter (eingeweicht), nachmittags (ca. 15 Uhr) 500 g Hühnchen mit Kartoffelbrei und Möhren, abends (flexibel) wieder 400 g Trofu. Das Ergebnis auf der Waage sieht heute Morgen folgendermaßen aus:

Jazz 4030 (+280, erste Achtpfünderin), Jackl 3910 (+300), Joschi 3890 (+110), Janitschek 3470 (+110), Judica 3410 (+210), Jeannie 3280 (+170), Jasna 3230 (+220) und Jule 2710 (+90), das summiert sich auf 1490 g und ein Durchschnittsgewicht von 3491,25 g.

Die Jays sind, wie alle Kinder, nicht nur dauerhungrig, sondern lernen allmählich, die Anzeichen einer nahen Mahlzeit richtig zu interpretieren. Ob es die stereotypen Geräusche sind, die in immer etwa der gleichen Reihenfolge und Verbindung ablaufen – Dosenklappen, Napfscheppern, Wassergaben, etc. –, sie kommen jetzt immer häufiger herbeigelaufen und lungern in der Küche herum, um den großen Augenblick nicht zu verpassen. Möglicherweise identifizieren sie jetzt immer sicherer die einschlägigen Düfte, die olfaktorisch auf ein Highlight des Tages hindeuten. Kurz: Wir haben es inzwischen nicht mehr mit gerade aufgewachten Traumtänzern, sondern mit äußerst aufgeweckten Schiebern und Dränglern zu tun.

JasnaJasnaViel mehr ist über diesen Dienstag kaum zu berichten. Die Kinder sind im Puppy Paradies, spielen und schlafen, rasen und ruhen, kneifen und keifen, und wenn die Oma meint, sie könnten wieder einmal eine neue Herausforderung vertragen, versucht sie hartnäckig, ihnen das Schlafgewand der Chefin ins Paradies zu liefern, was der Assi, der eigentlich längst einen Status-Upgrade verdient hätte, zu verhindern weiß, weil es sonst schnell so aussehen würde wie der Heilige Rock zu Trier.

Gegen 17 Uhr ist es dann vorbei mit der Idylle, und zwar so fix, dass der ganze Blues knapp an einen unheilgen Schock vorbeigeschrammt wäre: Ein schweres Wetter zieht übers Land, gerade, dass es nicht zum Hagelunwetter reicht. Aber es hat gereicht, sogar einem unserer Flugdruiden, Hagelfliegix oder Magihagelix, einen Landescheinwerfer zu zerteppern. Diesem Wetter ist wirklich nix mehr heilig.

Nachdem sich die Wolkenberge aJule im RegenJule im Regenusgetobt haben, prasseln sie nur noch satten Regen auf uns herab – und unsere Zwerge machen Rabatz, weil sie wieder ins Freie wollen. Also: raus mit ihnen. Nun spüren sie erstmals nicht nur nasses Gras unter den Pfoten, sondern richtigen Ganzkörperregen. Aber glaubt einer, dass die sich angewidert abwenden und wieder ins Trockene abhauen? Nee, die tollen sich nass und dämlich vor Freude. Leider müssen wir ihnen diesen Spaß doch schneller als ihnen lieb ist verderben, denn wir haben nichts gegen ernährungsbedingte Durchfälle, aber gegen Verkühlungs- und Durchnässungsdurchfälle und Blasenentzündungen haben wir sehr viel. Einschluss. Und Schluss.

Zum diesem Schluss noch zwei Gedanken zum Tag. Heute feiert die Christenheit den Feiertag Peter und Paul, bei den katholischen hat er sogar den Status eines Hochfestes. Dem Bauernpropheten, obwohl mehrheitlich katholisch, zumindest in Bayern, fällt dazu nicht mehr ein als: Regnet es an Peter und Paul, wird die Ernte faul. Eine äußerst bescheidene Würdigung! Im Allgäu, wo der Assi aufgewachsen ist und von dessen doch gelegentlich recht robuster Lebenseinstellung er sich einfach nicht ganz freimachen kann, lernte er: Peter und Paul hauen einander aufs Maul. Und das fordert doch eine zauberhafte Analogie zu unseren Kindern heraus: Jule und Joschi hauen einander aufs Goschi. Ein echtes Hochfest unter dem Titel: Gewalttätige Piratin macht Publikumsliebling platt. Und schon wären wir wieder bei dem Blatt mit den vier Buchstaben.   

Aufs Goschi gehauen, das soll der zweite und letzte Gedanke zum Tag sein, haben die Engländer die Deutschen, und zwar im Fußball. Die singen jetzt wieder „Rule Britannia, rule the waves!“ und Die Mannschaft versenkt ihre Euro-Karriere an den Ufern der Themse. Im Achtelfinale! Ein Österreicher könnte sich noch mit dem Lebensmotto Ein Achterl in Ehren… trösten, aber einem Deutschen ist ein Achterl so gut wie nichts, eine Halbe sollte es schon mindestens sein. Nun hat es noch nicht einmal zu einem Vierterl gereicht. Versenkt wurde das deutsche Flaggschiff von zwei Herren namens Sterling und Kane, und deshalb wendet sich der Chronist hiermit direkt an den Imageblasenpuster und Großillusionisten des DFB, Oliver Bierhoff, mit der Bitte um die Produktion zweier neuer und wirkmächtiger Imagefilmchen. Eine Vorschlag wäre etwa, sich Clint Eastwoods Klassiker Million Dollar Baby zu bedienen, etwa unter dem Titel Million Sterling Bubi. Besser noch fände er ein Remake des Orson Welles-Klassikers Citizen Kane, zeitgemäß adaptiert unter dem Titel Shitizen Kane. Mal sehen, ob dem Image-Oli dazu etwas einfällt.

Wenn ihm nichts einfällt, haben wir mit diesem Gedanken jedenfalls wieder zu den besch…eidenen Anfängen dieses Tage zurückgefunden. Gute Nacht. Noch ein verschmitzter Gedanke, bevor der Schlaf das Hirn verdunkelt: Heißt der Trainer der Engländer, der den Deutschen die Pearly Gates geöffnet hat, nicht zufällig Southgate? Es gibt keine Zufälle.

 

Mittwoch, 30. Juni 2021

Heute gewähren uns die Kinder eine Morgenruhe bis 5:30 Uhr, bis sie sich zu Wort melden. Das freut den Schläfer, nicht aber den Putzmeister, denn nun haben sie schon all das abgeliefert, was an anderen Tagen im Garten landet.

Im Garten landen die Zwerge heute eher seltener, denn nach den vielen heißen TagenJoschi und Jeannie putzen die FutterschüsselJoschi und Jeannie putzen die Futterschüssel liegt eine stramme Westlage, immer wieder mal mit Regen und frischem Wind, über dem Mangfalltal. Unter diesen Umständen können wir die Jays sich nicht draußen selbst überlassen, sondern müssen sie immer wieder ins Haus holen. Zwischendrin geht es dann wieder raus zum Toben und Kuscheln in der Deckenburg.

Aus diesem Grund muss der Assi heute eine völlig neue Putzvariante implementieren: das Intervallputzen, das genaugenommen ein Eternalputzen ist, weil es immer dann und dort stattfindet, wo gerade nicht gespielt oder geschlafen wird (Intervall). Da aber die geputzten Flächen sofort wieder eingesaut werden, und zwar nicht nur von nassen Pfoten, sondern auch von undichten Blasen und Därmen, muss regelmäßig nachgearbeitet werden (eternal), weil sonst selbst ein Herkules diesem Augiasstall nicht mehr Herr würde. Der Wahrheit zuliebe müssen wir sowieso einräumen, dass die Zwerge ihre Neigung zum Innenklo in den letzten Tagen wiedergefunden haben, was der Tatsache geschuldet ist, dass sie sich durch die andauernde Freilandhaltung ihrer Behausung entfremdet haben. Das hat zur Folge, dass sie draußen als ihren Lebensraum begreifen, der auch einige Bedürfnisstellen kennt, aber das Haus immer mehr zum Rückzugsort und zur Toilette wird.

Jasna und Joschi im ReifenkinoJasna und Joschi im ReifenkinoAn solchen Tagen lässt sich das beispielhaft beobachten, wenn sie nach kurzer Zeit drinnen Rabatz machen und an der Terrassentür randalieren, weil sie raus wollen, egal wie es dort zugeht. Nichts wie raus! Und dann, nach einer kurzen Kontroll- und Toberunde, zurück in die Höhle und ab in die Betten. Mit zwei Ausnahmen: Jazz und Judica. Jazz, weil sie generell Solo-Ansprüche pflegt und niemals auf Dauer ein gemeinschaftliches Schlafzimmer beziehen würde und Judica, weil sie immer unsere Nähe sucht, den Kontakt nicht verlieren und uns selbst aus verschlafenen Augen heraus noch im Blick behalten möchte. Wo du hingehst…       

Damit erschöpft sich schon der Inhalt dieses Mittwochs: nachmittags immer wieder Regen, die Jays mal drinnen, mal draußen. Ihnen ist es offenbar wurscht. Und dem Assi und seiner Chefin notgedungen auch.

Dieser 30. Juni ist so geräuscharm, dass wir uns heute nur noch der Gewichte annehmen und dann Feierabend machen. An dieser Front könnte der Tag doch noch in die Annalen des Blues eingehen: 1960 g Zuwachs sind eine Ansage, wenn auch letztlich dem Vortag anzurechnen.

Jazz 4310 (+280), Joschi 4200 (+310), Jackl 4110 (+200), Janitschek 3780 (+310), Judica 3600 (+190), Jeannie 3530 (+250), Jasna 3450 (+220) und Jule 2910 (+200), die damit ein Durchschnittsgewicht von 3736,25 g auf die Waage bringen.

Um die ganze Tagesration im Blick zu haben, vervollständigen wir hier den gestrigen Menüplan: morgens drei Portionen Welpenmilch mit zwei zermatschten Bananen, vormittags 400 g Trofu (Belcando), nachmittags 500 g Kopffleisch mit Reis, abends 400 g Trofu (Belcando) und nachts noch zwei Hände Platinum-Puppy-Bröckchen („Hühnerfutter“). Die waren es bestimmt, quasi das Betthupferl, das unsere Zwerge zu Schwergewichten aufpumpte.

Mal sehen, was der Juli bringt. Nichts ist sicher, nur der Abschied.

 

Donnerstag, 1. Juli 2021

Jasna und Jeannie trainieren an der SchaukelwippeJasna und Jeannie trainieren an der SchaukelwippeDer Juli beginnt, wie der Juni endete: trüb, grau, stark bewölkt und regnerisch – wirklich alles andere als ein wünschenswertes Welpenwetter. Aber beklagen dürfen wir uns natürlich nicht, bisher waren wir eher überversorgt als vernachlässigt. Aber die Aussichten sind schon mehr besorgniserregend als beruhigend: Fängt der Juli mit Tröpfeln an, wird man lange Regen hab’n. Konkreter wird der Bauernprophet morgen: Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter sich 40 Tage hält. Ob heute oder morgen, es sieht nicht gut aus. Nur dieser andauernde 40-Tage-Rhythmus geht einem langsam auf den Zeiger; dauernd hält sich das Wetter genau 40 Tage gemäß der jeweiligen Vorlage. Was soll der Quatsch? Jeder weiß, dass es noch nie so war und nie so sein wird. Also: Was hat es mit dieser 40 auf sich?

Schon weit ins Altertum reicht dieser 40-Tage-Mythos. Ursächlich geht er vermutlich darauf zurück, dass 40 Jahre ein vollkommenes Alter zu sein schien, was besonders in Zeiten erstrebenswert war, in denen kaum jemand auf eine Lebenserwartung von 40 Jahren hoffen durfte. Darauf ist es zurückzuführen, dass viele frühgeschichtlichen Herrscher 40 Jahre geherrscht haben sollen (z.B. Salomon und David), eine Hervorhebung der Elite gegenüber dem kurzlebigen Volk. Aber das kann noch gesteigert werden, indem man das ideale Heiratsalter auf das 40. Lebensjahr festlegt, so war Isaak 40 Jahre alt, als er seine Rifka heiratete. Und auch Esau heiratete mit 40. Das sollte wohl signalisieren: Wer erst mit 40 heiratet, hat noch ein bisschen Leben vor sich. Aber auch der Regen in der Sintflut ergoss sich 40 Tage und Nächte über Noah und seine Arche. Mose verbringt 40 Tage auf dem Berg Sinai, bis er mit dem Allmächtigen die Gesetzestafeln ausgehandelt hatte und sie seinem Volk vorlegen konnte. Auch das Volk Israel verbringt 40 Jahre in der Wüste, eine erstaunlich Zeit, wenn man es dabei nur vom Sinai bis ins Westjordanland schafft. Eine solche Völkerwanderung kann nur einer wie Mose anführen, dessen Leben gewöhnlich in dreimal 40 Jahre eingeteilt wird: 40 Jahre lang hat er seine Ruhe, 40 Jahre lang wird er auf seine Aufgabe vorbereitet und 40 Jahre lang übt er dann seinen Dienst am Herrn und seinem Volk aus (an eine Rente mit 67 durfte der damals wirklich nicht denken). Und das alles zu Zeiten, in denen schon 30 Jahre ein ganzes Leben waren. 40 Tage und Nächte fastete Jesus in der Wüste, bis er endlich Hunger bekam (kein Wort davon dem Intervallfaster Janitschek!) und deshalb dauert auch die christliche Fastenzeit 40 Tage (außer den Sonntagen, die keine Fastentage sind). Es gäbe noch mehr solcher Beispiele, aber wir sollten es bei diesen belassen und nur noch darauf hinweisen, dass sich diese Zahl bis in unsere Zeit durchgemurmelt hat, nicht nur im Bauernkalender, nein auch die leidige Quarantäne, von der wir inzwischen alle die Nase so voll haben, ist darauf zurückzuführen. Das französische quarantaine beschreibt die 40-tägige Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen. Wie vollkommen ein Lebensalter von 40 Jahren sein muss, lehrt uns unsere Verfassung: 40 Jahre muss eine Person sein, die zum Bundespräsidenten gewählt werden will. Warum ausgerechnet 40? Dazu zuckt das Bundespräsidialamt nur mit den Schultern; die wissen es auch nicht. Ist eben so, seinerzeit auf Herrenchiemsee von lauter alten Männern, weit jenseits der 40, festgelegt, auch sie gefangen in einer Zahlenmystik wie die ganze Welt rundumadum…  Zurück in die Welt der Jays und ihres Personals.

Frei vJeannieJeannie hat einen Schuhtickon jeder Mystik Jeannieist dieser Donnerstag, an dem die Chefin wieder aushäusig ist und der Assi die Kindern hudern und pudern muss. Zuerst aber, gleich am frühen Morgen, kümmert er sich um sein ramponiertes Knie mit ein wenig Sport im Studio. Bei seiner Rückkehr aus dem Training findet er vier (4, nicht 40) sehr unschöne Breigebilde in der Küche vor, die ihm den an sich angenehmen Morgen ein wenig verderben. Das sieht nach mehr aus als nach Unpässlichkeiten wegen der Darmanpassungen und vegetarischer Zusatzernährung im Garten. Jetzt üben sich beim Assi die Alarmglocken doch schon mal mit Probeläuten.

Es scheint also nun doch die Zeit gekommen zu sein, über das zu sprechen, worüber wir nur bei Bedarf sprechen wollten: Bakterielle Durchfälle. Die aktuelle Phase der Welpenentwicklung ist dadurch geprägt, dass die Mutter nicht mehr oder nur noch sporadisch stillt. Damit entfällt für die Welpen der Immunschutz, der über die Muttermilch geliefert wird. Sie selbst konnten bislang nur einen sehr rudimentären Immunschutz aufbauen. Den bekommen sie erst mit der Impfung in der achten Woche. Aus diesem Grund spricht man in der sechsten bis achten Woche von einer Immunlücke. Wenn die Welpen in dieser Zeit angegriffen werden, haben sie dem wenig entgegenzusetzen, und in der Regel gehen sie dann alle einmal durch die Durchfallhölle (und wir auch). Meist dauert die einen Tag, an dem sie mehr tot als lebendig scheinen, und dann stehen sie auf wie Phönix aus der Kacke und sind wieder putzmunter – und der nächste legt sich hin und ist platt wie eine Flunder. In schlimmen Fällen ist der Infekt so massiv, dass der Stuhl blutig wird und das Kind ernsthaft in Gefahr gerät. Wir haben das einmal erlebt und wünschen uns das kein zweites Mal. Damals ging letztlich alles gut, aber wer weiß. Diese Infektionsgefahr ist der Grund, warum wir gerne Winterwürfe haben, weil dann die Bedingungen für Erreger und Keime aller Art deutlich ungünstiger sind.

Jetzt also vier Breie in der Küche, Erzeuger unbekannt. Die erste Maßnahme ist Vital Moor ins Futter, ein Moorextrakt, das den Darm reguliert (ist zwar erst für Hunde ab sieben Monaten, funktioniert aber auch bei den Zwergen, wie die Vergangenheit bescheinigt). Außerdem geben wir noch die Moro-Suppe dazu. Das hilft, wenn der Durchfall allgemeiner Art ist, also von einer Unverträglichkeit kommt. Der Moor kommt also gleich ins aufgeweichte Trockenfutter um 11 Uhr, in der Hoffnung, dass er seine Schuldigkeit tut. Nun heißt es: warten und die Augen offenhalten. Das ist allerdings einigermaßen komplex, weil es heute immer wieder regnet, weshalb die Jays heute einen Pendelverkehr zwischen drinnen und draußen praktizieren, was die Verfolgung der kleinen Ärsche kompliziert. Die einen finden es anständig, draußen zu machen, die anderen halten drinnen für komfortabler. Und der Assi wandert zwischen den Welten, in der frustrierenden Gewissheit, nie den Tätern auf der Spur zu sein, sondern nur ihre Tat registrieren zu können. Drinnen ist draußen, wie wir wissen, alles Kacke wie Blase. Egal.

So mäandert dieser Donnerstag dahin, und der Assi legt wahrscheinlich auf seiner Spurensuche mehr Kilometer zurück als die acht zusammen.

Janitschek ruhtJanitschek ruht...Doch es geht noch meJule hat was dagegenJule hat etwas dagegen...hr heute. Dieser 1. Juli ist ganz und gar von Kulinarischem geprägt. Das beginnt schon am frühen Morgen, als die Chefin Reis fürs Nachmittagsmahl aufsetzt, aber, kurz bevor sie das Haus verlässt, befindet, dass das etwas zu wenig sein könnte und deshalb noch eine Handvoll Natureis nachlegt und dem Assi den Auftrag gibt, den Reis schön weich zu kochen und nicht anbrennen zu lassen. Der Assi lässt den Reis daraufhin auf homöopathischer Flamme vor sich hin simmern. Als er nach nicht mehr nachprüfbarer Zeit seinen erfahrenen Finger tief in den Welpenreis bohrt, ist der wunderbar schlonzig und überhaupt nicht angebrannt. So soll er sein. Nachmittags serviert jJanitschek schmollt...Janitschek schmollt...er ihn zusammen mit zwei Gläsern Hühnchen, Moro-Suppe und dem Moor. Ein Fest für die Feinschmecker. Doch er staunt nicht schlecht, als im weiteren Verlauf des Nachmittags der Welpenoutput aussieht, als ob sie alle Würmer hätten, lauter kleine, weiße Pünktchen in den Gaben. Eingeweihte wissen jetzt Bescheid: Der Naturreis, der viel länger braucht, bis er weich ist, als der Standardreis, war noch nicht durch. Aber jetzt ist er durch, und zwar durch die Jays, allerdings ohne seine segensreiche Wirkung entfalten zu können. Immerhin war der Großteil der Reisgabe in einem verwertbaren Zustand, was gerade jetzt, bei einem etwaigen Beginn einer Durchfallpassage von unschätzbarem Wert sein könnte: Hühnchen mit Reis, das Zaubermahl für dünnen Stuhl.

Als die Chefin abends nach Hause kommt und sieht, was die Knirpse so abliefern, wird die Beförderung vom Putzmeister zum Futtermeister vorübergehend auf Eis gelegt. Doch – Triumph! – Hochmut zahlt sich meistens selbst zurück. Hört, hört…  

Wie berichtet, war es diese Woche wieder einmal zu einer Hähnchenaktion beim Blues gekommen. Die Knorpelstücke legen wir dabei für die Großen weg, weil sie für die Zwerge noch zu klobig sind, um sie zu verarbeiten. Abends legt also die Chefin diese Knorpel den Großen als Schmackofatz mit ins Futter. Doch kaum haben die beiden ihre Näpfe leer, marschiert Hedda schnurstracks in den Garten und würgt den Zwergen das ganze Zeug vor. Was für ein Fest! In der Natur ist das die normale Art, Welpen Fleisch und Ähnliches zur Verfügung zu stellen, was sie selbst noch nicht klein kriegen. Vor allem sind es die Milchsäurebakterien, die bei dem Vorverdauungsprozess mitgeliefert werden, von besonderem Wert, weil sie die Speisen erst richtig bekömmlich machen. Nur liegt in unserem Fall nicht eine matschige Fleischmasse vor den Welpen, sondern Hühnerknorpel, noch genauso hart und sperrig wie zuvor. Aber bevor wir eingreifen können, machen sie sich alle wie ausgehungerte Fastenprediger über das Zeug her und hauen es weg. Und sie lehren uns, dass auch gerade mal fünfeinhalb Wochen alte Hundekinder damit klarkommen. Zu Kreuze kriecht die Chefin deswegen nicht, aber vom harten Reis ist vorerst keine Rede mehr.

So neigt sich ein sehr spezieller Tag dem Ende zu, der vorwiegend vom Ein-, Durch- und Ausgang von Nährstoffen geprägt war und morgens mit der Waage begann, die uns vom Segen des Vortags in Kenntnis setzte:JoschiJoschi

Jazz 4470 (+160), Jackl 4460 (+350, der hat sich offenbar etwas vorgenommen), Joschi 4200 (0), Janitschek 3870 (+90), Judica 3720 (+120), Jasna 3600 (+150), Jeannie 3600 (+70) und Jule 3020 (+110, und damit auch sechspfundig!). Das war heute Morgen ein deutlicher gedämpfter Aufschwung von nur 1050 g. Aber wenigstens löste sich im Laufe des Tages das Fragezeichen über Joschis 0 auf: Er ist der „unbekannte“ Lachenproduzent. Aber so lange er nicht in einer Ecke liegt wie ein totes Hühnchen und lachen kann, wie es nur Joschi eigen ist und weil er eigentlich immer lacht, können wir uns die Sorgenfalten schenken.

Bevor der Assi sich in die Waagerechte begibt, macht er gegen 23:30 Uhr noch einen Kontrollgang im Schlafsaal – und würde am liebsten gleich wieder vergessen, was er hier wollte: Es sieht aus wie bei Schweins, nein, nicht wie bei Frau Esther Schweins, sondern wie bei Familie Sau! Überall Teiche und Würste, teils feste, teils weiche und dazwischen erbrochene Hähnchenknorpel. Jetzt ist aber eine Rückerstattung der Vorwürfe fällig. Sein Büßergang hält ihn noch fast 45 Minuten in Atem, währenddessen die braunmelierten Schwarzkittel alle wach werden und die Gelegenheit nutzen, ihm praktischerweise gleich noch einen Nachschlag vor die Füße zu legen. Immerhin – ohne Trost kann der Gepeinigte nicht leben – wächst so die Hoffnung auf einen nahezu rückstandfreien Morgen. Der käme aber dummerweise der Chefin zugute.

 

Freitag, 2. Juli 2021

Heute ist uns alles egal, heute lassen wir uns bis 6JazzCool Jazz:30 Uhr nicht aus den Betten treiben; heute ist ja Schlaraffia im Küchenstudio. Die dicke Luft, die aus dem Erdgeschoss bis ins Schlafzimmer nach oben zieht, als die Chefin die Kinderstube öffnet, und dabei dem dösenden Assi mit dem Odeur sehrsehrsehr alter Unterhosen in die Nase beißt, lässt auch einen Berufsträumer erwachen. Er hat sich ehrlich bemüht heute Nacht, aber die kleinen Ärsche haben ihn zum Narren gemacht. Man ist versucht, solche Zustände fotografisch festzuhalten, sieht dann aus nachvollziehbaren Gründen doch davon ab. Wir wollen den Morgen mann- und frauhaft anpacken und auch keine Erbsen zählen, sondern uns aufs Wesentliche konzentrieren: Es sieht schlimm aus, aber es ist nicht schlimm, alarmierende Stuhlproben sind nicht darunter, dünne schon. Reichlich. Und da die Meute putzmunter unterwegs ist, müssen wir uns derzeit auch um keine(n) Sorgen machen.

Nun denn, wohlauf, wir werfen einen morgendlichen Blick auf die kleinen Saubären.

Jazz hat Jackls Attacke abgeschmettert: 4620 (+150). Das war nicht allzu schwer, denn Jackl hat gelost [gelu’hst] und nur 40 g zugenommen (4500). Das könnte ein Hinweis sein, dass er zu den Teichwirten in unserer Küche gehört. Joschi hat dagegen seinen Magen-Darm-Blues überwunden und seine Nullrunde von gestern wettgemacht: 4450 (+250). Zielstrebig zeigte sich auch Janitschek am Büffet, der nun als Vierter ein Achtpfünder ist: 4040 (+170). Die Riege von Jazz‘ Ehrenjungfrauen führt Judica an: 3860 (+140). Ihr folgt Jeannie mit 3800 (+200), die damit Jasna in die vorletzte Reihe abservierte, weil man mit 20 g plus (3620) eben keine Lorbeeren gewinnen kann. Jule macht sich keinen Stress, reiht sich kameradschaftlich neben Jasna ein, indem auch sie sich mit 20 g begnügt und den Reigen mit 3040 g beschließt. Üppig war das nicht: 990 g und heute ein Durchschnittsgewicht von 3991,25 g. Die Magenverstimmung, vielleicht auch der kernige Naturreis und sicher JasnaJasnadie erbrochenen Hühnerknorpel tragen die Hauptverantwortung für die aktuelle Baisse. Das regelt sich wieder.

Hedda können wir dazu jedoch nicht mehr einspannen, die hat ihr Brutgeschäft abgeschlossen, ist nur noch mütterliche Freundin und Spielkameradin. In dieser Rolle zeigt sie mindestens so viel Talent wie als Bardame. Nur wenn Gäste zugegen sind und mit ihr spielen, zerren, werfen und rangeln, dann vergisst sie, dass sie Kinder hat und ist selbst der größte Kindskopf. Es wird Zeit, dass der Alltag ohne Verantwortung und Verpflichtungen wieder Einzug hält, einfach wieder Hund sein, einfach wieder Hedda sein. Wir versprechen es ihr, und sie tobt gleich doppelt los.

Solche Gäste erwartet sie heute: Rosita und Achim, die Züchter des Zwingers von Acro Bado, kurz: die Windelwickler unseres Papas Lando. Sie werden heute die Zuordnung unserer Jabberwockys beschließen, weil die beiden sich für eine unserer Mädels entscheiden werden, die dann die Zucht bei Acro Bado fortsetzen soll. Jazz, die Großwesirin der Jays ist schon vergeben, die war schon länger nicht mehr im Schaufenster, und Jule kommt mit ihrem Einauge für die Zucht nicht in Frage und ist auch schon bestens JudicaJudicauntergekommen. Auf dem Laufsteg stehen demnach Jasna, Jeannie und Judica. Die beiden tun uns ehrlich ein wenig leid, aber abgesehen davon, dass wir uns für Jazz entschieden hätten, wenn wir uns hätten entscheiden müssen, würden wir bei den dreien auch ins Schleudern kommen. Jasna, das schelmische Temperamentsbündel, Jeannie, die unermüdliche und herzliche Spielmaus oder Judica, die Menschenfreundin mit dem strammen Kieferschluss. Wie soll man sich da entscheiden? Nach mehreren Stunden der inneren Kämpfe, der Beobachtung und des Vergleichens, fällt die Entscheidung: Es wird Judica sein, die hoffentlich den Acrobaden noch ein paar Landos und Lindas schenken wird. Das Zeug dazu könnte sie haben, aber der Weg dahin ist weit. Good Luck, Baby! Unseren Segen hast du.  

Während sich die einen mit der Wahl quälen, genießen die anderen den Tag. Unter Sonne, Wind und Wolken lässt es sich völlig unbefangen toben (und dabei, sofern man zu den Kandidatinnen gehört, noch ein paar Punkte sammeln). JanitschekJanitschekInzwischen ist das Bewegungsrepertoire der Jays sehr variantenreich. Sich durchs Paradies jagen ist die Basisübung, schnell sind sie inzwischen und wieselflink in ihren Wendungen. Aber natürlich sind es all die Stoffspielzeuge, die man herumschleppen und zernagen kann, anderen abjagen oder wieder erobern muss. Dazwischen stehen Gleichgewichtsübungen auf dem Programm, schon deshalb, weil man in diesem Paradies sich kaum eine größere Strecke, noch dazu auf möglichst direktem Weg, zurücklegen kann, ohne über irgendetwas Schaukeliges oder Wackeliges zu müssen. Ihnen ist das bereits alles völlig Banane. Auch Gitter, die im Weg liegen, hindern sie nicht. Und dann gibt es ja auch noch Menschen, die einen zur Erholung auf den Schoß liften und küssen und dabei Gurrlaute absondern wie die Tauben. Man kann sich nicht beschweren, wenn man in diesen Tagen Welpe beim Blues ist.     

Außer, wenn man Joschi heißt und heute wieder einmal einen Männerschnupfen hat. Dann klagt er sich die Stimmritzel wund, lamentiert, weil er entweder nicht genug JazzJazzBeachtung findet oder weil er ins Haus will oder weil gerade der Schoß nicht frei ist, den er sich auserkoren hat. Und wenn das auch nicht Grund genug zum Plappern ist, erzählt er uns und seinen Geschwistern, dass er eigentlich in die Küche möchte oder sein Kackplatz schon von einem anderen Haufen belegt ist oder die Tunnelröhre beim Betreten dunkel und hinten wieder hell ist. Was für ein Komödiant; der Gottschalk Thomas hat wahrscheinlich auch mal so angefangen.

Abends legt sich der Tag, der so anders als erwartet begonnen hat, genau so schlafen, wie man es sich wünscht. Die Kinder sind bester Dinge und müde, alle haben seit heute einen sicheren Hafen, auf den sie sich freuen dürfen, ihr Kot ist wieder fest – außer bei Jazz, die güllt und erbricht sich. Aber hinfällig scheint sie nicht zu sein. Wir sind bester Hoffnung, dass auch sie nur einen Streifschuss bekommen hat wie Joschi und morgen wieder unauffällig ist.  

Und nun also, Vorhang auf für die Zuteilung unserer Jays. Was uns besonders freut, ist, dass doch einige in erreichbarer oder gar großer Nähe bleiben. Nun denn:

Jackl wird ein Chiemgauner und zieht nach Schnaitsee, in die Nähe von Wasserburg /Inn.
Jazz zieht in den Bayerischen Wald nach Rohrmünz bei Deggendorf.
Janitschek geht nach Fischamend in Niederösterreich, wenige Kilometer südöstlich von Wien.
Jeannie zieht ins baden-württembergische Ispringen bei Pforzheim,
Joschi bleibt uns treu und richtet sich ein Studio nur ein paar Kilometer weiter in Ostermünchen ein.
Auch Jule hat von ihrem neuen Zuhause in Sauerlach nur 30 Minuten zu uns,
Jasna braucht von Taufkirchen bei München auch kaum länger.
Judica, das haben wir schon ausgeführt, hat ihr zukünftiges Zuhause im Zwinger von Acro Bado, im hessischen Rödermark.

Hier tobt für die Jays in Zukunft das LebenDorthin verschlägt es unseren J-Wurf

Uns ist es egal, wo sie landen, uns interessiert nur, wie sie landen. Bei all unseren Käufer haben wir keinen Zweifel, dass unsere Kinder sehr weich landen werden und bestens aufgehoben sind. Unter diesen Umständen stellt sich der Schlaf fast von selbst ein.

 

Samstag, 3. Juli 2021

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Um 4:45 Uhr versuchen wir, die Schläfrigkeit von gestern wettzumachen und die Jays noch vor ihrem Morgengeschäft aus dem Schlaf zu holen. Das gelingt auch sehr gut, nur vier sehr ordentliche Häufchen duften uns entgegen, einer davon ist kein Haufen, sondern ein Teich und stammt nachweislich von Jazz. Der scheint es trotzdem nicht an Lebensfreude zu mangeln; ihr geht es gut.

JoschiJoschiSchauen wir also gleich mal auf die Gewichte, ob die einen Rückschluss auf den Fitnesszustand der Knirpse haben, denn letztlich ist das der Grund, warum wir täglich wiegen, nicht der, dass wir den Kleinen Hühnerfutter als Bestecherli anbieten können. Und schnell gibt es keinen Zweifel mehr, dass Jazz durch ein kleines Tief geht, denn heute muss sie den Bürgermeister und den Quatschkopf vorbeiziehen lassen.

Jackl 4840 (+340), Joschi 4670 (+220), Jazz 4530 (-90), Janitschek 4310 (+270), Judica 4040 (+180, jetzt auch Achtpfünderin), Jeannie 3900 (+100), Jasna 3880 (+260) und Jule 3230 (+190). Das sind 1470 g mehr als gestern und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 4175 g. Solche Bewegungen in der Spitzengruppe befeuern immer die Neugier des Chronisten, ob es Jazz jemals wieder schaffen wird, ihren alten Stammplatz an der Spitze zurückzuholen. Die Vermutung neigt zum Zweifel, denn gerade zum Ende der acht Wochen legen die Rüden meist so kräftig zu, dass sie die weiblichen Kraftwerke kurzerhand überrennen.

Janitschek schläft auf Girgls RuteJanitschek schläft auf Girgls RuteAuf uns und die Jays wartet heute ein schöner weiß-blauer Bayerntag mit 25 °C am Nachmittag (den Regen am späten Abend unterschlagen wir, weil er nicht ins Klischee passen will).    

Klar, dass sich an einem Samstag viel Besuch einstellt und klar, dass die Knirpse von hinten bis vorn und von oben bis unten gehätschelt und getätschelt werden. Das ist ja der Grund für die Besucher und zu beehren. Wegen uns allein bewegt sie doch niemand hierher. Mit Kindchenschema können wir eben nicht mehr dienen.

Einer der Besucher ist Girgl, der Frontmann und Fanfarenbläser aus unserem G-Wurf. So mächtig er ist, so beeindruckend er für die Welpen sein muss, so handfest und bayerisch hemdsärmelig er sein kann, für die Jays ist er einfach nur ein unendlich geduldiger und sanfter Buddy. Er strolcht zwischen ihnen herum, begrüßt sie und wird begrüßt, sollte eine(r) zu aufdringlich werden, macht er Platz und beschäftigt sich mit einem anderen. Die Zwerge dürfen JacklJacklihn in die Fersen kneifen, an den Ohren ziehen, wenn sie ihm ein Küsschen geben, knutscht er zurück und wenn er sich hinsetzt oder -legt, hat er auch nichts dagegen, dass seine Rute einem müden Haupt als Ruhekissen dienen soll. Dann sitzt oder liegt er und hält still. Fehlt nur, dass er Eiapopeia singt.

So viel an Wochenende los ist, so wenig ist zum Berichten los. Die Großen geben sich Kaffee und Kuchen hin, gelegentlich mit einem Welpen auf dem Schoß, die Zwerge geben sich sich selbst hin und gehen völlig in ihrem kleinen Leben auf. Und so verstreicht der Tag und liefert viele glückliche Gesichter. Hunde und Menschen strahlen und sind zufrieden, Jazz und Joschi sind auch wieder dicht – dann löst Jackl um 23 Uhr in der Küche die Darmschleusen. OK, der nächste. Möge er so glimpflich davonkommen wie die beiden anderen.

 

Sonntag, 4. Juli 2021

Recht trüb und ein wenig regnerisch erhebt sich der 4. Juli aus der Asche der Nacht, gerade so als wollte er seine historische Größe verschleiern, den Maßanzug gegen einen Rupfensack tauschen, um im Dunklen unterzutauchen. Oder ist es gar das Büßerhemd, das er sich heute übergezogen hat?

VJoschi mit seiner MamaJoschi mit seiner Mamaermutlich hat wieder Niemand keine Ahnung nicht wovon wir sprechen. Am 4. Juli 1776 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit vom britischen Empire. Das war sicher keine schlechte Idee. Aber eine gute Idee muss nicht zwangsläufig zu einem guten Ende führen, wie uns in jüngster Vergangenheit bewiesen wurde. Dennoch ist es nicht verkehrt, heute mit den Amis ihren Unabhängigkeitstag zu feiern, gerade weil es dabei genug Gründe gibt, sich zu besaufen. Es muss ja nicht Bourbon sein, bestimmt hat niemand etwas dagegen, wenn wir zu einem feinrauchigen Scotch oder einem Gaumenschmeichler aus Irland greifen.

Egal, ob man die Manifestation der USA als Fluch oder Segen betrachtet, auch über das Ereignis hinaus trägt dieser Tag Historisches im Gefieder. Gespenstisches geschieht genau 50 Jahre nach dem Independence Day, am 4. Juli 1826, als der erste und zweite Präsident der Vereinigten Staaten, John Adams und Thomas Jefferson, wie nach Absprache, gemeinsam sterben. Hat der Himmel uns dabei mit einem Zaunpfahl gewunken? Das kam irgendwie verstrahlt daher, wie später Marie Cure, die am 4. Juli 1934 an den Folgen ihrer Forscherleidenschaft verstirbt. Dabei hätte es der Himmel dann auch belassen können, aber am 4. Juli 1949 schickt er uns Horst Seehofer auf die Welt; vielleicht infolge exzessiven Bourbonkonsums. Fünf Jahre später hatte er, der Himmel, nicht Seehofer, dann offenbar das Bedürfnis, uns dafür Abbitte leisten zu müssen und bescherte uns das Wunder von Bern mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Von beiden haben wir bis zum heutigen Tag nicht erholt.

DJudicaJudicaiese Überleitung können wir uns nicht entgehen lassen und kehren zum 4. Juli 2021 zurück, indem wir freudig protokollieren, dass Jackl sich offenbar über Nacht erholt hat. Zwar rechnen wir damit, dass weitere Jays in den folgenden Tagen die Flügel strecken werden, wenn das aber so abläuft wie bei den ersten drei, sollen sie strecken. Morgens finden wir jedenfalls keinen Durchfall mehr, sondern nur noch Stabiles und Festes. Das ist auch deswegen erwähnenswert, weil wir gestern erstmals zu der zermanschten Banane einen Apfel in die Morgenmilch gerieben haben, der den kleinen Därmchen anscheinend einen zusätzlich positiven Kick gegeben hat.

Aber Jackls Unpässlichkeit lässt sich in der Gewichtstabelle nicht verheimlichen, die lügt nämlich nicht, auch wenn one apple a day kept the doctor away. Das rettet dem Bürgermeister seine Spitzenposition auch nicht. Jetzt hat Joschi – sogar ganz offiziell – das Sagen. Und Jazz kommt trotz eifrigen Bemühens nicht an den beiden vorbei.

Joschi 4940 (+270), Jackl 4790 (-50), Jazz 4760 (+230), Janitschek 4530 (+220), Judica 4150 (+110), Jeannie 4110 (+210, jetzt auch achtpfundig), Jasna 4000 (+120, und ebenfalls im Vier-Kilo-Klub), den nun nur noch Jule als großes Ziel vor dem Auge hat: 3340 (+110). Die Jays haben gestern 1220 g zugenommen und melden ein Durchschnittsgewicht von 4327,5 g.  

Jeannie und GismoGismo könnte Jeannies Lieblingsonkel werdenIm Verlauf des Tages bekommen die Herzensbrecher noch zwei prominente Besucher, zuerst ist das Isi aus unserem I-Wurf, die aus dem österreichischen Thalgau vorbeischaut, sich dann aber doch mit Augenkontakt aus gebührender Distanz begnügt; das Gewusel ist ihr nicht ganz geheuer. Anders zeigt sich Gismo (Gosh) aus dem G-Wurf, der ein ähnlich entspannter Buddy ist wie sein Bruder Girgl. Wer die beiden Kindergärtner bei der Arbeit beobachtet, wird nie mehr behaupten, dass Schutzdienst aus Hunden enthemmte Einzelkämpfer macht. Nie hätten sie leichteres Spiel als mit diesen Pimpfen. Aber selten sind sie sanfter.

Das soll er dann auch gewesen sein, der Independence Sunday, der nachmittags den trüben Morgen vergessen macht, sich dann aber doch noch auf seine schlechten Anlagen besinnt: Regen und verhuschte Gewitter rundum. Aber: Kein neuer Patient! Das macht uns mindestens so viel Hoffnung, wie den Amis die Unabhängigkeitserklärung vor 245 Jahren…  

 

Montag, 5. Juli 2021

An der Darmfront ist gespenstische Ruhe. Die Jays halten dicht, das Personal hält eine kleine Dankandacht. Und doch hat auch dieser Morgen etwas Belastendes. Die sechste Woche geht zu Ende und wir haben den Eindruck, da draußen steht schon einer und poliert die Sense. Wie bedrohlich doch das Banale sein kann. Hannah Arendt prägte den Begriff von der „Banalität des Bösen“, als sie Adolf Eichmann in seinem Prozess in Jerusalem erlebte. Wir schließen uns dem Gedanken an und nennen es die „Bedrohlichkeit des Banalen“.     

Dann bleiben wir eben weiter beim Banalen und erledigen unsere Morgenroutine: JuleJuleHunde ab ins Paradies, Hedda hinterher, Küche von Tretminen befreien, Welpenmilch komponieren, die heute drei Portionen groß wird und nur sechs Eier schwer ist, weil wir nun langsam die Eier abbauen, bis sie bei der Abgabe keine Rolle mehr spielen. Aber drei Bananen und sechs Löffel Distelöl machen den Shake zu einem echten Booster. Dann steigen alle auf die Waage, was vermutlich keine Welpenschar so geduldig mitgemacht hat wie diese, jede(r) mit ein paar kleinen Leckereien beruhigt. Dann wird es Zeit für einen morgendlichen Schönheitsschlaf, während drinnen der Pi-Pa-Putzemann tanzt.  

Die Waage gibt kund und zu wissen: Alle sind wieder auf dem Wachstumspfad, nur Judica fällt ein wenig ab, was aber eher eine Nachlässigkeit zu sein scheint als ein Alarmsignal, denn sie war zu keiner Zeit auffällig.

Joschi 5160 (+220, sechs Tage hat er vom Achtpfünder zum Zehnpfünder gebraucht), Jazz 5060 (+300, hello again…und auch im Zehnerklub), Jackl 4920 (+130), Janitschek 4630 (+100), Jasna 4240 (+240), Jeannie 4230 (+120), Judica 4180 (+30, ganz schön abgeschmiert) und Jule 3520 (+180), gesamt 1320 g und ein Durchschnitt von 4492,5 g.

So ein Montag nach einemJacklJackl geschäftigen Wochenende ist beim Blues kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen; hier herrscht Zirkusluft: Eine Sensation jagt die nächste. Dabei konzentriert sich viel auf die Futtervarianten. Heute konfrontieren wir sie gleich mit zwei Neuerungen. Vormittags servieren wir Platinum Trockenfutter, ein wenig eingeweicht, was bei diesem Futter sonst nicht nötig ist, aber dafür kommt es auch als Bröckchen in den Ring. Die Zwerge fremdeln damit überhaupt nicht und inhalieren das Zeug schneller als der Futtermeister, der offiziell immer noch Assi und Putzmeister ist, weil seine Beförderung zum Futtermeister nach dem Reisdesaster ausgesetzt wurde, mitzählen konnte. Hau weg. Eine(r) hat wohl doch zu eifrig weggehauen, weil sich bald danach in der Küche erbrochene Futterbröckchen auftauchen, Verursacher(in) unbekannt.  

Am frühen Abend begeistern wir die Jays (aber vor allem uns) mit drei getrockneten Hühnerbeinen, die wir den acht vorwerfen. Jetzt geht die Post ab! Jede(r) will haben, aber drei sind fünf zu wenig.

Jasna mit HühnerkralleJasna mit HühnerkralleAlso schauen, wie man zu seinem Recht am Hühnerhax kommt. Joschi und Jazz setzen sich kraft Masse und Autorität durch, und Jasna, auch nicht mehr zierlich, vor allem aber nicht auf den Kopf gefallen, findet ziemlich fix ein lauschiges Plätzchen, an dem sie unentdeckt bleibt. Vorerst. Nicht lange, denn doof sind die anderen auch nicht. Dann muss auch sie teilen, was auch den beiden anderen widerfährt. So machen die drei dürren Hühnerbeinchen mal alle Mäulchen durch, werden herumgezerrt, geklaut und versteckt. Doch am Ende landen sie zerwirkt und zerraspelt in acht Kindermägen, nur die Klauen werden verschmäht. Heikles Pack! Im Klauen große Klasse, aber Klauen auf die Rote Liste setzen.  

Zwischen diesen Mahlzeiten (die Hühnebeine sind natürlich nur ein Snack außer Konkurrenz) beehrt uns noch Gamba, die Schwester von Girgl und Gismo, die ebenso unkompliziert mit den Knirpsen umgeht wie diese. Sie bleibt mitten unter ihnen und sehr gelassen, obwohl sie sich nicht zum Spielpartner machen lässt. Das sollen sie, bitteschön, unter sich ausmachen.  

JanitschekJanitschekWas sich an diesem Montag eher relaxed anhört, war letztlich doch ziemlich viel Neues und Ermüdendes. Offensichtlich war es so ereignisreich, dass der Assi nachts um 23:30 Uhr bei seinem Kontrollgang nur tief schlafende Kinder und eine blitzblanke Küche vorfindet. Die sind wirklich platt. Die Ernte wartet morgen Früh auf die Chefin.

Die Zeit, die Zeit kennt keine Gnade. Zwei Wochen noch bis Buffalo (was übrigens bei der Unabhängigkeitserklärung noch nicht dabei war). Was antwortete Woody Allen einmal auf die Frage eines Reportes nach Tod und Sterben? „Ich habe nichts dagegen, aber ich will nicht dabei sein.“