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6. Woche (27.03.2019 - 02.04.2019)
Mittwoch, 27.03.2019
Die sechste Idefix-Woche beginnt, wie die fünfte aufgehört hat: grau, trüb und nieselig bei 3 °C morgens um 6 Uhr. Nachmittags schiebt das Thermometer bis auf 10 °C hoch, aber als meteorologischer Aufschwung geht das nicht durch; es bleibt nämlich konsequent trüb. Sicher ist nur, dass das Wetter des Benedikt keine Woche durchgehalten hat, also auch nicht halten wird, was es versprochen hat, nämlich einen benediktinisch strahlenden Sommer. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil die heutige Prognose das ausschließt: Ist an Rupert der Himmel wieder rein, so wird er’s auch im Juli sein. Von rein kann keine Rede sein. Doch lasst uns mal das Glas nicht halb leer sehen, sondern packen wir den Hundertjährigen bei seiner schwabbeligen Rhetorik, denn er prognostiziert im Juli, nicht den ganzen Juli. So kann man sich vor Regressansprüchen freihalten und wir können auf mindestens einige schöne Tage im Juli rechnen. Was wir auch ohne den nieseligen Rupert getan hätten.
Wesentlich erfreulicher liegt die Brutküche des Bairischen Blues vor der Chefin, als sie diese um 6 Uhr betritt: Schlafende Kinder und ein einzelnes, kümmerliches Häuflein. Dieses Eremitenhäuflein ist zudem stramm und wohlgeformt, also ein Beleg, dass die Ides die Entwurmung 2.2 auf dem Küchenblock bestens weggesteckt haben. So eine Entwurmung kann ja sehr unerfreuliche Begleiterscheinungen haben, die uns, wie es scheint, erspart bleiben.
Iltschi findet, es könnte etwas mehr seinZur Belohnung wird heute die morgendliche Welpenmilch, statt mit Bananen, mit geriebenem Apfel angereichert. Die Idefixe nehmen es, wie es kommt, und sie nehmen es mit vollen Backen; wenn man als Karnivore schon Veggie-Zeug zu sich nehmen muss, dann ist es eh schon egal, ob Apfel oder Banane.
Mit Fianna Milchleistung geht es dagegen stetig bergab. Morgens und abends einmal im Stehen säugen, ist das höchste der Gefühle; mehr kann sie nicht mehr und mehr will sie auch nicht mehr. Die Idefixe sind jetzt richtige Quälgeister. Einerseits sind sie noch nicht groß genug, dass sie ruhig im Sitzen saugen könnten, also hüpfen sie hoch, hampeln herum und versuchen sich am Gesäuge hochzuziehen, andererseits lässt die Gier auch eine ruhigere Herangehensweise gar nicht zu. Wer die Beißerchen der Idefixe schon in den Fersen verspürte, weiß, was Fianna jetzt erduldet. Bald werden die Idefixe singen: No milk today, it wasn't always so... Uns soll es recht sein, wenn die Plackerei ein Ende hat.
Wir erhöhen deshalb auf vier Fütterungen täglich, was wir bis zur Abgabe so beibehalten werden (und anschließend noch eine Weile beibehalten werden sollte). Morgens gibt es die Milch, Vormittags Trockenfutter,
Einzelfütterung mit Entwurmungnachmittags unterschiedliches Fleisch mit Reis oder Flocken etc. und abends wieder Trockenfutter. Die abendliche Trockenfuttergabe hat sich insofern bewährt, als dass sie die Darmaktivitäten besser einhegt als abendliches Frischfleisch. Heute Mittag gibt es beispielsweise Rinderkopffleisch mit Pansen und Kartoffelflocken. Und wir ersetzen erstmals die Futterringe durch Einzelschälchen. Das bietet sich heute an, weil wir dadurch gleich mittags in die Schüsselchen jeweils 2 ml Panacur tröpfeln und somit die Entwurmung 2.3 durchziehen können, was aber nur Sinn macht, weil uns noch weitere Hände zur Verfügung stehen, die uns unterstützen sicherzustellen, dass auch jeder Idefix nur seine Schale auslöffelt und nicht die Wurmkur der anderen abräumt. Auch diese neue Herausforderung – neue Fleischrichtung, Kartoffel, Einzelschüsseln mit integrierter Entwurmung – bestehen sie mit Bravour.
Trotz Fiannas Milchdepression gedeihen die Kleinen prächtig: Irax +310 (3710), Iltschi +190 (3500), Inouk +90 (3490), Isi +150 (3470), Iberl +140 (3420), Indra +180 (3250), Ilmo +200 (3200) und Ignaz +130 (3200).
Auch abseits der Futterschüsseln erweitern die Idefixe ihren Horizont zügig. Heute gerät, aus welchen Gründen auch immer, der uralte Welpentunnel in ihren Fokus. Dieses vermutlich älteste Requisit unseres Equipments (so genau kann das niemand mehr bestimmen), entgeht schon seit Jahren der Entsorgung, weil er, wie guter Käse, immer besser wird – und Löcher hat. In seinem Fall ist es ein seitliches Loch, das mit jedem Wurf größer
Tunnel für Seiteneinsteigerwird und damit die Attraktivität sprunghaft steigert. Ein Tunnel, das man an einer Seite betreten und an der anderen verlassen kann, hat jeder und ist langweilig. Unseres kann auch seitlich und mittig betreten und verlassen werden. Hinter diesem Loch kann man lauern und ein durchrennendes Geschwister unversehens von der Seite und draußen attackieren. Man kann aber auch, wenn der Ausgang durch pfotenreibende Wegelagerer blockiert ist, den Schlauch durch das Loch und zum Missvergnügen der anderen spontan verlassen, was eine extra rasante Treibjagd auslöst. So langsam eignen sich die Idefixe alle Varianten und Möglichkeiten dieser Angströhre an und sind heute sehr ausgiebig damit beschäftigt. Es ist davon auszugehen, dass uns dieses Requisit irgendwelche Nachfolger der Idefixe in zwei Teile zerrissen haben werden und die zwei Teile nicht die Hälfte der Attraktivität des einen löchrigen mehr haben werden.
Donnerstag, 28.03.2019
Morgens ist es noch bedeckt und hat 3,5 °C, aber langsam macht der Tag die Fenster ein wenig auf und lässt etwas weiß-blauen Frühling ins Haus.
Die Anpassung der Fütterung auf vier Mahlzeiten hat den Idefixen einen kräftigen Schub gegeben. Waren es gestern noch 1390 g Zugewinn, futterten sie sich gestern stramme 1550 g auf die Rippen. Irax beansprucht davon 270 g für sich und nähert sich unaufhaltsam den vier Kilo (3980). Inouk folgt ihm mit Abstand und 240 g (3730). 200 g legt Isi zu und arbeitet sich auf den dritten Platz vor (3670). 150 g haben für Iltschi nicht gereicht, den zweiten Platz zu verteidigen, sondern kegeln ihn auf den vierten Platz (3650). Iberl hält mit +190 g seinen fünften Rang bei 3610 g. Nun tut sich ein großes Loch auf, weil offenbar keiner sich eine 3500 an die Brust heften will; dieser ganze Bereich bleibt unbesetzt. Dafür stoffwechselt sich Ignaz mit satten 240 g auf den sechsten Rang hoch (3430). Ilmo behält seinen vorletzten Platz (3390, +190) und Indra löst Ignaz ganz hinten ab (3330, +80).
Heute passen wir die Trockenfütterung langsam der Realität an, indem wir es nicht mehr pürieren, sondern nur noch lange einweichen und als sehr weiche Stückchen geben. Es wird nicht überraschen, dass die Idefixe das noch nicht einmal zur Kenntnis nehmen.
Mama verstopft das TunnelDas Tunnel ist auch heute noch der Mittelpunkt der idefixen Aktivitäten, mit dem Highlight, dass auch Mama Fianna mitmacht, indem sie sich mit ihrer ganzen Körperfülle in die Röhre schiebt und ihre Kinder vor eine unlösbare Aufgabe stellt: Wie sollen wir an diesem Stopfen vorbeikommen? Schon rein massemäßig ist es praktisch unmöglich, sich an ihr vorbei zu quetschen, außerdem spekuliert sie nur darauf, dass ihr irgendein großspuriger Möchtegernheld ins Arsenal läuft. Wie man beweisen kann, sind noch nicht einmal Inouk oder Irax selbstvergessen genug, diesen Versuch zu wagen. Somit verliert das Tunnel vorerst seinen Reiz. Zumindest solange der mütterliche Pfropfen sich dafür interessiert. Doch das ändert sich erfahrungsgemäß schnell und die Bande wird wieder mit Hurra durch die Röhre preschen.
Wenn wir schon gerade über Helden und solche, die es vielleicht noch werden wollen, sprechen, können wir die Gelegenheit nutzen, die Idefixe einmal kurz ins Rampenlicht zu setzen und einen Blick auf sie zu werfen. Tatsächlich tun wir uns bei ihnen wirklich schwer. Was konnte der Blues-Fabulierer schon alles seiner Feder entlocken, um die Kinder zu charakterisieren, doch bei den Idefixen ist es gar nicht leicht. Sie sind sehr homogen in ihrem Verhalten; keiner spielt sich übermäßig als Leader of the Pack auf und lässt unentwegt die Hosenträger schnalzen und genauso gibt es keinen, der sich das Treiben aus der Ferne anschaut und wartet, bis sein Tag, kurz nach dem Weltuntergang, schon noch kommen wird. Nein, solche hatten wir sowieso nie, aber wir hatten schon die sehr extrovertierten Forschen und die introvertierten Forscher.
IndraLadies first –
Isiund Ende der Charakterschau. Wenn wir die beiden noch vermitteln müssten, würden wir den Interessenten sagen: Mach die Augen zu und greif rein, du bekommst nichts Falsches, sondern jeweils nur eine Kopie der anderen. Isi und Indra sind Spiegelbilder, zwar optisch unterschiedlich, aber charakterlich ein Arsch und ein Kopf. Beide sind alles, nur nicht zurückhaltend, sondern neugierig und forsch. Sie haben die Nase meist ganz vorn, auch dort, wo das Feuer gerade aufflammt oder noch nicht ganz erloschen ist. Kurz: Sie sind mutig und geschickt, haben Herz mit Verstand und gelegentlich ihre Brüder besser im Griff als sich selber. Müssten wir uns entscheiden, würden wir nur die Farbe sprechen lassen.
IraxBei den Rüden sind mehr Unterschiede zu beobachten, allerdings keine charakterlichen Klassenunterschiede. Irax gibt natürlich den Chef, was schon durch die körperliche Überlegenheit bedingt ist: Wer mehr mampft, hat mehr Muckis. Wer mehr Muckis hat, den juckt es öfter und wer es öfter jucken lässt, der bekommt mehr ab, vom Futter und vom Leben. Die Natur ist in ihren Grundstrukturen ziemlich durchschaubar gestrickt. Aber Irax lässt nie den Silberrücken raushängen, den einige seiner Vorgänger mit Hingabe pflegten. Er ist investigativ und selbstbewusst und zieht mit großem Selbstvertrauen durchs Leben. Und er ist absolut kein Raufer, testet aber immer wieder die Stabilität seiner Positionen durch und klopft seine Geschwister auf Loyalität ab. Die kommen aber alle mit ihm gut klar und betrachten den Brummer als ihresgleichen.
InoukInouk ist der Thor Heyerdahl der Idefixe, ein von seinen Fähigkeiten überzeugter und von der Unverzichtbarkeit seiner Bemühungen völlig überzeugter Entdecker. Er ist mit der Nase fast immer als Erster vorn dran, manchmal schlägt ihm in dieser Hinsicht Indra ein Schnippchen, aber generell übergibt er Neuerungen und Unbekanntes vorgekostet und fertig zum Gebrauch seinen Geschwistern. Das bringt ihn mitunter in missliche Situationen (Gewächshaus!), aber nicht aus der Fassung; was heute schiefgeht, biegt sich morgen wieder hin. Halb leere Gläser scheint es für Inouk nicht zu geben, und wenn doch, dann muss man eben nachschenken. Wird schon, passt schon, kommt gerade recht. Er ist einfach überall und manchmal sein Hinterteil vor dem Hirn am Ort des Geschehens.
IberlIberl gehört zu jenen Mainstreamern, die nie besonders auffallen, schon gar nicht aus der Rolle fallen, aber immer dabei sind. Iberl würde sich nie aus Entdeckerleidenschaft im Gewächshaus verkeilen, aber wenn ihn sein Weg zufällig dort hinein führen würde, würde er es auch unter die Lupe nehmen, nicht im Sturm und binnen zwei Minuten, sondern gründlich und Schritt für Schritt, einen Topf nach dem anderen examinieren, und wahrscheinlich würde er wie die antike Ariadne einen Faden hinter sich herziehen, um anschließend wieder den Weg heraus zu finden. Optisch kommt er derzeit am meisten nach dem Papa. Vielleich auch ein Grund, warum er immer so einen zufriedenen Eindruck macht.
IlmoIlmo ist der "Huberbub" der Idefixe. Als "Huberbuam" sind Alexander und Thomas Huber, Extrembergsteiger aus dem Berchtesgadener Land, bekannt. Und Ilmo ist ein Huberbub, weil er vermutlich der geschickteste Kletterer und Gleichgewichtsexperte der Idefixe ist. Jedes Gerät im Erlebnispark wird nahezu unverzüglich von Ilmo einer Prüfung unterzogen, bestiegen und als kalter Kaffee wieder zu den Akten gelegt. Ilmo ist in der Tat sehr geschmeidig und sicher auf seinen kurzen Beinchen. Aber auch mit seinen Zähnen ist er gut im Geschäft; wenn er einem in die Fersen geht, versäumt er nicht, einen charmanten Blick nach oben zu werfen, um sich ein Lob und unsere Bewunderung abzuholen. Allerdings ist Ilmo auch jener, der die meisten Rügen seiner Mama einstecken musste, die er offensichtlich bestens weggesteckt hat. Er ist wirklich ein sehr charmanter Herzensbrecher, der auf der Must-have-Liste einiger unserer Freunde ganz oben steht.
IltschiIltschi ist kräftig und zeigt es auch. Iltschi ist lustig und hat selbst Spaß an sich. Iltschi lässt nichts aus und beglückt jeden sozialen Brennpunkt mit seiner Anwesenheit. Und wenn man sich umdreht und angestrahlt wird, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit das Lächeln von Iltschi. Aber vor allem hat Iltschi ein Talent für den Magischen Zirkel, weil er immer und überall sehr geschickt mit seinen Vorderpfoten agiert. Er nimmt sich alles vor, stupst und kugelt es herum, zupft an Tüchern, klaut sich Handtücher (nicht mit den Zähnen), fummelt sich in herumstehende Taschen, umfasst Hände und lässt sie nicht mehr los, kurz: Iltschi hat alles im Griff. Vielleicht war er in seinem vorherigen Leben ein Waschbär. Um in der Diktion zu bleiben: Iltschi ist ein richtig griffiger Typ.
IgnazFehlt noch Ignaz, der Kleine. Klein aber nur an Gestalt, nicht im Geiste. Ignaz ist einfach immer nur gut gelaunt, treibt mit allen seine Späße, spielt mit sich und der Welt, gibt Gas und überholt sich dabei selber, kugelt herum und dreht Pirouetten den lieben langen Tag; im Varieté wären er und Iltschi eine Sensation. Die Reorganisation der Welpenkiste gehört auch zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, denn Ignaz schläft fast ausschließlich in einem von ihm neu dekorierten Ambiente. Augen hat er wie Bonbons, die kein Wässerchen trüben, dabei ist er der griffigste Wadenbeißer und Hosenreißer. Wie ein Schraubstock kann er zumachen – und dabei, ja, eben: kein Wässerchen trüben. So zierlich er ist, so pfiffig und durchsetzungsfähig ist er. Unter die Räder ist er unseres Wissens noch nie gekommen.
Und alle zusammen haben diesen himmelnden Herzschmerzblick, der ein einziger Schrei zu sein scheint: Ich bin ein Welpe, nimm mich auf den Schoß!
Freitag, 29.03.2019
Ein unsagbar schöner Frühlingsmorgen liegt über dem Mangfalltal: oben Sonne und unten Nebel bei -0,5 °C. Da legt er sich wieder ins Zeug, der Hundertjährige und weit aus dem Fenster: Wie St. Berthold gesonnen, so der Frühling wird kommen.
Der Chefin und dem Assi kommen beim Anblick der morgendlichen Küche ganz andere Assoziationen: Es riecht aus den Aborten, 's wird Frühling allerorten. Die Küche sieht einfach nur beklagenswert aus. Aber nicht nur die Küche, auch die Schnullerkiste wurde heute Nacht aufs Erbärmlichste entwürdigt. Deshalb wird sie heute noch abgebaut, bevor sie aussieht und stinkt wie ein Pissoir auf dem Oktoberfest.
An den Futterschüsseln haben die Idefixe gestern eine schöpferische Pause eingelegt: 980 g. Inouk überquerte erwartungsgemäß die Vier-Kilo-Marke: 4150 (+170). An ihm lag es also nicht, dass die Ausbeute etwas bescheiden war. Schauen wir mal weiter. An Isi offenbar auch nicht, sie schiebt sich mit 150 g plus wieder auf den zweiten Platz (3820). Iberl hat sich mit respektablen 170 g den dritten Platz ergattert (3780). Inouk ist von zwei auf vier gerutscht: kaum messbare 10 g mehr bringen ihn auf 3740 g. Iltschi verliert auch einen Platz und ruht sich auf Platz fünf aus: 3710 (+60). Ilmo wollte nicht auf dem vorletzten Platz versauern und gab sich 170 g, die ihn mit 3710 g einen Platz vorrücken lassen. Den tauscht er mit Ignaz, dem 80 g nicht reichen, um sich weiter nach vorne zu schieben (3510). Schlusslicht bleibt Indra ganz knapp mit 3500 g und 170 g plus.
Die TafelrundeInouk hängt dann herum, ist sichtlich etwas krank und verweigert die Zwischenmahlzeit. Auch andere haben jetzt weichen Stuhl, was vermutlich daran liegt, dass sie sich durch den ganzen Garten fressen und alles anknabbern, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Das härtet ab, ist aber im Augenblick nicht besonders
Inouk am Katzentischerfreulich. Natürlich bleibt auch abzuwarten, ob Inouks Unwohlsein vielleicht der erste Auftritt eines Virus' ist, der sich breitzumachen versucht. Nachmittags kommt er allerdings wieder auf die Beine und hat seine Unpässlichkeit offenbar einfach weggeschlafen. Bei der Nachmittagsmahlzeit bekommt er eine eigene Schüssel abseits seiner Geschwister, damit er neben diesen nicht ohne Sinn und Verstand in sich schlingt, was er kriegen kann. Aber auch so haut er das Hühnchen ratzfatz und mit ausgeprägtem Appetit weg und findet, dass es durchaus etwas mehr hätte sein können. Er ist also wieder bei Gesundheit, wenn auch nicht ganz bei Sinnen.
Mama schaut, ob Irax noch o.k. istIm Laufe des späten nachmittags und des Abends hat immer mal ein anderer der Idefixe etwas Durchfall, genau können wir das nicht zuordnen, weil wir natürlich nicht immer daneben stehen.
Später hängt mal einer oder eine etwas durch und abends macht Indra ein wenig schlapp und dünn, aber so richtig erwischt es keinen. Die Kontrolldichte und der Überwachungsapparat ist an diesem Abend nahezu ohne Lücken, weil Anna-Maria und ihre Eltern heute bei uns einen dreigängigen Steirischen Abend ausrichten, zu dem auch Hakuna mit ihren Leuten aus der Schweiz angereist ist. So viele wachsame Augen hat man selten, und demnach entgeht kaum das kleinste Wehwehchen der Beobachtung, vor allem von Anna-Maria, welche die Idefixe mit Argusaugen verfolgt und dabei beinahe ihr Backhendl vernachlässigt. Wie kann man sich auch mit steirischen Spezialitäten vollstopfen, wenn Indra Bauchgrimmen hat?
Wir beschließen, trotz der noch nicht bedrohlichen Ausmaße der Unpässlichkeit und des dünnen Stuhlgangs, die auch bei uns schon bestens bewährte Moro'sche Karottensuppe zu kochen. Dabei müssen die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden. Durch diese überlange Kochzeit entstehen Oligosaccharide, die die Darmwand von innen auskleiden und zu einem beträchtlichen Teil verhindern, dass sich dort Erreger festsetzen können, weil viele Erreger solche Zuckerverbindungen meiden. Wir geben den Idefixen, jedem einen großen Löffel dieser pürierten Suppe, den sie gern annehmen. Wir haben für alle Fälle meist ein paar eingekochte Gläser dieser Suppe zuhause und können sie nur empfehlen.
Nun haben wir also einen steirisch prallen Magen und die Idefixe einen etwas angeschlagenen Darm. Beides wird sich regeln und legen.
Samstag, 30.03.2019
Trotz der hohen Erwartungen an die Karottensuppe, betreten wir die Küche morgens mit gemischten Gefühlen, und dann: nichts. Kein fester Haufen, keine braune, stinkende Brühe. Nichts außer einiger Urinlachen. Dazu putzmuntere Welpen, die uns das Putzen fast erspart haben. So viel Glück am Morgen darf man nur selten feiern.
Dazu kommen um 5:30 Uhr -2 °C und keine Wolke am Himmel. Und das ändert sich den ganzen Tag nicht, außer der Temperatur natürlich, die sich bis auf 17 °C hochschwingt. So ein zauberhafter Frühlingstag, der passende Partner zu unserer zauberhaften Karottensuppe. Und was jubelt der Hundertjährige? Wie der 30. März, so der Sommer. Wenig poetisch und wenig glaubhaft. Wer so viel lügt, dem glaubt man auch nicht, wenn man nichts lieber täte als genau das. Aber insgeheim tragen wir diesen 30. März im Herzen und hoffen auf die Macht der unverbrüchlichen bäuerlichen Wahrheitsliebe.
Egal, ob der Sommer wird, wie der 30. März es verspricht: Heute ist ein Bilderbuchtag und die Welpen sind den lieben, langen Tag draußen.
Die unverzichtbare Anna-Maria, die auch heute wieder jedem Idefix-Po nachspioniert, ob sein Output ihren Vorstellungen entspricht und jede Unregelmäßigkeit unverzüglich der Zuchtleitung meldet, hat heute Verstärkung in Person von Soo-Mi aus Niederbayern bekommen. Soo-Mi ist acht Jahre alt und das Patenkind der Chefin. Sie hat eine Mama aus Westfalen und einen Papa aus Korea, und weil die beiden sich nicht einig
Anna-Maria im Einsatzwurden,
Soo-Mi bei der Arbeitwo sie lieber leben wollten, haben sie sich für die goldene Mitte entschieden: Niederbayern, nur ein paar Kilometer oberhalb von Deggendorf, in einem Dorf, das wie ein Fliegenschiss auf der bayerischen Landkarte pappt. Soo-Mi ist mit ihrer Mama alleine vom Berg herunter und zu uns gekommen, weil der Papa zuhause die 14-jährige Benta und den 11-jährigen Dacapo, zwei Hovis aus unserem Hause, hüten muss, um vor allem Benta die Fahrerei und den Welpenstress zu ersparen. Nun haben sich also Soo-Mi und Anna-Maria bei den Idefixen gefunden und angefreundet und fühlen sich gemeinsam für diese verantwortlich. In dieser Hinsicht sind sie die legitimen Nachfolgerinnen von "Teichgräfin" Verena und "Endmoränchen" Sophie, die viele Würfe von deren Hinterlassenschaften befreiten und sich unvergessliche Verdienste um unsere Welpen erworben haben. Bei manchen alten Weggefährten sind die Teichgräfin und das Endmoränchen mindestens so geläufig wie die Namen der oft schon verblichenen Welpen. Nun sind die beiden in die Welt gezogen, die eine ist in Essen unabkömmlich, die andere wird in Kanada gebraucht, und stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Da kann man traurig sein oder sich freuen und glücklich schätzen, dass man so kompetenten Nachwuchs findet, der die Mühsal der Deexkrementierung klaglos auf sich nimmt und immer mindestens vier Arme für die Idefixe frei hat. Man macht sich ja doch immer wieder Gedanken, wie lange man sich die Züchterei antun möchte; schließlich wird man ja nicht jünger mit dem Alter. Doch mit der Aussicht auf solche Unterstützung kann man sich leichter auf den einen oder anderen weiteren Wurf einigen.
Weniger begeistert als Anna-Maria und Soo-Mi ist Heddas Schwester Hakuna, die aus der Schweiz kam, um ihre direkten Nachfolger(innen) in Augenschein zu nehmen. Ihr geht es, wie es Hedda und auch Halina ergangen ist: Sie könnte auf die schnatternde und lästige Brut gut verzichten, trägt Schaum vor dem Mund und zieht sich, so oft es geht, ins Haus zurück. Unser Hinweis, dass vor zwei Jahren auch sie so eine lästige, grölende, beißende und scheißende Verzichtbarkeit war, lässt sie kalt und nicht gelten. Selbst die immer souveräner werdende und milder gestimmte Hedda kann durch ihr Vorbild an dieser Abneigung nichts ändern: Hakuna wirft sich, wie gewohnt, uns ans Herz und auf die Füße, solange diese weit genug von ihren Halbgeschwistern Abstand haben.
Noch nicht mal einer Premiere und ganz besonderen Attraktion kann sie etwas Gutes abgewinnen: Das Pansen-Round-Up des Blues. Ab der sechsten Woche gibt es bei uns traditionell Pansen am Stück, ungewaschen, aber ausgeschüttelt. Für den, der es mag ein Leckerbissen, für alle anderen kulinarischer Bolschewismus. Heute ist es soweit. Wir verteilen handtellergroße Pansenfetzen in die Meute. Erster Eindruck, der uns aus Erfahrung nicht überrascht: Für die Idefixe scheint es sich um einen Leckerbissen zu handeln. Jedenfalls sind sie ganz wild auf die Brocken. Zweiter und ebenfalls nicht überraschender Eindruck: Die wissen vom ersten Augenblick an, wie sie mit diesen gummigen Teilen umgehen müssen. Sie halten die Dinger mit den Vorderbeinen fest und zerren daran, bis sie etwas abgerissen bekommen oder hinten überkippen. Außerdem wissen sie instinktiv, dass man
Irax und Ilmosich den Gummi zwischen die Backenzähnen klemmen muss, um ihn zerkleinern zu können. Interessant ist die Strategie, mit der sie ihre Beute sichern bzw. ergattern. Die Strategien sind erfahrungsgemäß unterschiedlich. Die meisten, und das ist Standard, versuchen, sich ihr Stück
Ignaz auf der Flucht vor den Geschwistern zu sichern, was meist schiefgeht und zur Folge hat, dass fast alle damit beschäftigt sind, im Kreis herum zu klauen; klaust du meins, klau ich dir deins. Dass es dabei laut werden kann, lässt sich denken. Doch es sind immer ein paar im Rudel, die ihre eigenen Strategien verfolgen. Ignaz verschwindet ungesehen, als ob er eine Tarnkappe tragen würde, hinter dem Tunnel, klemmt sich zwischen dieses und den Gartenzaun und zerwirkt völlig ungestört sein Pansenstück. Inouk ist der nächste, der sich in den hintersten Gartenteil
Inouk bearbeitet den Pansen |
Inouk sieht ein stilles Fleckchen |
Inouk im Pansen-Separée |
verdrückt, dort, wo das Welpengitter in einem Spitz an die Gerätehütte anschließt. Dort liegt er dann, den Kopf mit dem Pansen im Spitz und das Hinterteil in Richtung Garten. An diesem Hinterteil müsste man vorbei, wenn man an den Pansen wollte, aber das schafft keiner. Inouk macht dann sehr unmissverständlich deutlich, dass er nicht im Traum daran denkt, auch nur ein Jota von seinem Pansen abzugeben. Das versteht jeder und jede. Es sind längst alle fertig mit dem Pansen und der Welt, da wirkt Inouk noch immer in seinem Hideaway an seinem Pansen herum. Auch Indra findet eine ruhige Stelle und bleibt lange unentdeckt. Der Rest der Meute verbraucht, wie bereits erwähnt, bei der Abwehr der Begehrlichkeiten und dem Kampf um die Neu- und Rückgewinnung der Beute weit mehr Energie als sie aus dem bisschen Pansen gewinnen können, das sie verzehren, denn natürlich bekommen sie mit ihren Zähnchen nicht viel davon ab. Was dann verzweifelt oder erschöpft zurückgelassen wird, wandert in die Mägen von Mutter und den Halbschwestern, die jede Bewegung der acht mit scharfem Blick verfolgten, ihnen ist nichts entgangen, kein Ignaz, kein Inouk und auch keine Indra. Sie hätten jederzeit die genaue Position der drei und auch der sonst irgendwo entsorgten Pansenstücke berichten können. Und was wir ihnen nicht offiziell geben, finden sie; unter einer kleinen Palette, unterm Buchs, hinter dem abgedeckten Grill. Es ist ein Charakterstück, das unter Beteiligung des Pansen zur Aufführung kommt, und darauf freuen wir uns immer ganz besonders.
Zum Schluss erfüllen wir noch flugs die Gewichtspflicht, die viel aussagt über die Differenz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Gestern hatten die Idefixe nur sparsame 980 g zugenommen, aber heute legen sie, trotz der vermeintlichen und offensichtlichen Darmkrise kräftig zu: 2200 g. So kann man sich täuschen.
Irax 4500 (+350), Isi 4160 (+340), Iberl 4090 (+310), Iltschi 4010 (+300), Ilmo 3880 (+320), Inouk 3850 (+110), Ignaz 3800 (+290), Indra 3700 (+200). Krank sieht diese Gewichtszunahme nicht aus, höchstens bei Inouk könnte man, gemessen an den Ergebnissen der anderen, eine Schwächephase konstatieren. Wenn uns da nicht mehr bevorsteht, erklären wir die Idefixe zu Immunifixen.
Sonntag, 31.03.2019
Mama Fianna und ihr IlmoHeute Morgen fehlt uns eine Stunde: Es ist Sommerzeit. Und der Sommerzeit angemessen, gibt die Sonne alles. Dieser letzte Märzentag ist nichts als schönster Frühling. Wem in der Folge des makellosen 30. März die Aussicht auf einen grandiosen Sommer noch nicht ausreichen, dem können wir eine ausführliche Verlängerung anbieten: Wie der 31. März, so der Herbst. Wenn es so käme, könnte man jetzt schon das Lamento der dürregeplagten Bauern hören. Wurscht: Das preisen wir einfach ein.
Wenn Soo-Mi bei uns übernachten darf, muss Anna-Maria die Dachstube mit ihr teilen, keine Frage. Und so übernehmen die beiden, den Umständen entsprechend, etwas übernächtigten Nachwuchszüchterinnen den Morgendienst zusammen mit der Chefin. Und der Assi leistet es sich, die verlorene Stunde mit geschlossenen Augen auszugleichen, was auch dadurch möglich wird, dass die Idefixe die Küche heute in einem sehr gutbürgerlichen Zustand übergeben.
Ob die gemessenen Gewichte nun eine Anpassung an die Kalorienhausse von gestern darstellen oder eine verzögerte Reaktion auf die Unpässlichkeit sind, können wir nicht sagen, aber nach den gestrigen 2200 g bringen sie heute nur 1070 zusätzliche Gramm auf die Waage, wobei auffällt, dass ausgerechnet die Schwergewichte einbrechen, Isi sogar auf den vierten Platz durchgereicht wird. Aber der Reihe nach.
Irax 4570 (+70), Iltschi 4190 (+180), Iberl 4190 (+100), Isi 4180 (+20), Inouk 4090 (+240, offenbar wieder topfit), Ignaz 4040 (+240!), Ilmo 4000 (+120), Indra 3800 (+100).
Isi mit ihrem PansenAuch
Indra im Buchsversteckheute gibt es wieder Pansen am Stück. Und es ergibt sich innert weniger Augenblicke die gleiche Szenerie wie gestern: Inouk sucht seine bewährte Ecke auf und Indra schlüpft unter die Buchshecke. Isi schafft es auch für wenige Minuten, hinter dem Tunnel außer Sicht zu gelangen, was allerdings nicht lange unbemerkt bleibt, und so beschäftigen sich wieder zwei ungestört mit ihrem Pansen und die anderen mit ihren Geschwistern. Allerdings machen sie heute deutlich schneller schlapp, was nicht daran liegt, dass sie des Pansens überdrüssig sind, sondern Temperaturen nahe an die 20 °C den Zwergen unter freiem Himmel ganz schön zu schaffen machen.
Zu schaffen machen sich auch die Idefixe, und zwar an Soo-Mis nagelneuen Sneakers, was die aber nicht in Verzweiflung stürzt, sondern dazu veranlasst, die gemeuchelten Schuhe stolz ihrer Mama zu präsentieren: Schau, die Welpen haben die neuen Schuhe kaputt gemacht. Sollte sich dereinst ihr Auserwählter solchen Vandalismus' schuldig machen, dürfte die Reaktion weniger liebevoll ausfallen.
Fianna hat immer ein Geschenk für ihre KinderAbe
Hedda, total entspannt mit ihrer Indrar mit dem Heranwachsen der Idefixe wird sowieso alles anders. Das zeigt sich besonders an Hedda, die inzwischen eine große Gelassenheit gegenüber den Kleinen an den Tag legt. Nur wenn sie ihr zu sehr an die Wäsche gehen, brummt sie, aber sie vergreift sich nicht, sondern läuft weg. So soll es sein und so darf es sein. Sie bewegt sich nun sehr entspannt in dem wilden Haufen und wenn es ihr zu viel wird, stellt sie sich vor die Gewächshaustür und bittet, ins Haus gelassen zu werden. So haben sich alle bestens arrangiert.
IberlUnd
Ignazschließlich endet dieses brillante Wochenende mit der Bekanntgabe der Welpenzuordnung, die nun auch die letzten Zweifel beseitigt und alle übers Frühlingswetter hinaus glücklich macht. Nur wir haben mindestens eine Träne im Knopfloch, weil kein Welpe in der näheren Umgebung bleibt. In allen Würfen blieben wenigstens eine kleine Zahl der Kinder auf Rufweite, in
Inoukden
Iraxletzten beiden schien es, als trauten sich die Kleinen gar nicht weg von Mama und ihrem Augiasstall. Doch die Idefixe ziehen in die Welt. Drei gehen nach Österreich, zwei bleiben in Bayern, zwei gehen nach Baden-Württemberg und einen zieht es nach NRW. Ignaz geht ins schwäbische Aalen, Irax nach Düren, Iberl atmet in Seefeld Tiroler Luft, Isi bewacht zukünftig das "Tor zum Salzkammergut" in Thalgau und Indra zieht es ins Oberallgäu, nach Sonthofen. Ilmo trägt den
Isi Ruf des Bairischen Blues bis ins niederösterreichische
IndraSt. Pölten und, last but not least, wird Iltschi ins Unterallgäu, nach Bad Grönenbach ziehen. Da wir vier der neuen Besitzer als verdiente und bestens beleumundete Besitzer von Blues-Hunden kennen und schätzen lernten, sind wir voller Zuversicht, dass es alle acht sehr gut getroffen haben und wir gut schlafen können, wenn wir an unsere Idefixe in der Fremde denken.
Montag, 01.04.2019
Den 1. April mußt überstehn, dann kann dir manch Gut`s geschehn. Auf den ersten Blick ist der Chronist überzeugt, dass er einen Frühlingsjodler der Wildecker Herzbuben vor sich liegen hat, nicht zuletzt, weil neben der kunstvollen Poetik auch die inhaltliche Wucht des Reims das Genre zu neuen, unergründeten Ufern zu führen scheint, gleichsam die Renaissance als Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit volksliederlich nachbildet. Doch Nachfragen bei den Herausgebern des Hundertjährigen-Nachlasses ergaben, dass der Alte wohl infolge einer diskontinuierlichen Einnahme von Ritalin und Betablockern an geistigen Übersprungshandlungen litt. Man dürfe, so wurde ihm mitgeteilt, nicht jedes Wort auf die Viehwaage legen, schließlich sei er ja weder der Mühlhiasl noch Nostradamus gewesen, sondern nur ein bescheidener Agrometeorologe. Auf gut bayerisch übersetzt, könnte man diese Ausführungen auch so interpretieren, dass er gelegentlich eben ein b'suffas Waagscheitl war. Für nicht Bayern sei erklärt, dass das Waagscheit der Teil des Zuggeschirrs in einem Gespann ist, das die Zugkraft der eingespannten Tiere ausgleicht, also quasi in der Waage hält. Wenn das Waagscheit aus der Balance gerät, sich also verhält wie ein Betrunkener, ist das ein b'suffas Waagscheitl und gar nicht gut fürs Gespann. Der Hundertjährige war bei der Verfassung dieses Reims offenbar etwas aus der Verfassung und der gebotenen Balance.
Schön langsam scheint auch das Frühlingswetter ein wenig aus der Balance zu kommen, es wird betrüblicher, wolkiger und auch windiger. Nachmittags bleibt das Thermometer bei 14 °C stehen, was den Idefixe bei ihren Aktivitäten entgegenkommt.
Pansen-Isi Heute
Ignaz und Ilmo bekommen die Idefixe den Rest des Pansens, bei dessen Verarbeitung sie heute keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen, möglicherweise, weil Inouk und Indra mittlerweile durchschaut sind und nicht mehr aus den Augen gelassen werden. Isi ist, wie es scheint, am intensivsten mit der Verarbeitung ihres Stücks beschäftigt, jedenfalls nagt, kaut und zerrt sie unermüdlich und sehr beharrlich.
Um den Zwergen einen gewissen Ausgleich für die durchs Zerren an dem Gummiteil stark strapazierte Nackenmuskulatur anzubieten, räumen wir ihnen heute das Schwebebrett in den Garten. Das Schwebebrett ist ein in einem Rahmen an vier Seilen aufgehängtes Brett, das sich demnach frei dreidimensional bewegen kann, und das auch tut. Es erfordert also schon ein entwickeltes Balancegefühl, jedenfalls mehr als das eines b'suffenen Waagscheitls, weil man sonst sehr schnell kopfüber von Bord geht. Langsam sind die Idefixe in einem Alter, wo sie mit einer solchen Herausforderung umgehen können. Die eifrigsten Erstbesteiger und Tester sind erwartungsgemäß Ignaz und natürlich Ilmo, der Äquilibrist der Idefixe. Doch lange wird es nicht mehr dauern, bis sie sich dieses Schleuderbrett untertan machen werden.
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Ilmo auf dem Schwebebrett |
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Die Zwerge sind bezüglich ihres Stuhls noch immer nicht stabil, was aber weder ihnen Beschwerden, noch uns Kummer macht. Sie sind aktiv und lebenslustig, und die Gewichtstabelle liefert auch keine Anhaltspunkte für Sorgen. Im Gegenteil: Mit 1330 g belegt sie, dass die Idefixe kräftig auf dem Vormarsch sind. Sehen wir uns die Gewichtsentwicklung einmal aus dem Blickwinkel des Gewichtsgewinns seit gestern an. Ignaz +260 (4300), Ilmo +230 (4230), Inouk +200 (4290), Iberl +160 (4350), Indra +150 (3950), Irax +120 (4690), Isi +110 (4290) und Iltschi +100 (4290).
InoukWie munter sie sind und wie aktiv sie sich in unser Leben einklinken, bekommen wir immer wieder zu spüren, wenn wir uns zwischen ihnen bewegen wollen. Die Idefixe sind schnell geworden, allerdings auch sprunghaft und unkontrolliert in ihren Bewegungen, was es unmöglich macht, sich zwischen ihnen einigermaßen nach den üblichen Regeln zu bewegen. Sie sind praktisch überall, vor uns, hinter uns, zwischen unseren Beinen, von links nach rechts und umgekehrt querend. Die Folge ist, dass wir nur sehr schleppend, manchmal im Wortsinne einen Welpen am Bein schleppend, vorankommen, was den anderen die Möglichkeit gibt, uns zu überholen und vor uns
aufzubauen, uns anzuhimmeln und um einen Armlift anzuflehen. Aber nicht nur das Gehen ist beschwerlich, auch das Stehen wird zur Akrobatik, beispielsweise, wenn man versucht mehrere Kilo gekochter Hähnchenschenkel an der Arbeitsfläche zu Hundefutter zu verarbeiten, wie wir das heute Abend wieder auf dem Programm haben. Dann steht man nicht einfach ergonomisch geübt an seinem Arbeitsplatz, sondern mit dem Abstand von mindestens zwei Welpen vom Arbeitsplatz entfernt, die dort den Schlaf der Gerechten schlafen. Und sollte man von seinem Arbeitsplatz wegtreten wollen, ist die Wahrscheinlichkeit, hinter sich einen Idefix zu Brei zu treten, groß. So ungefähr könnte man sich ein Denkmal für den eingehegten Arbeiter vorstellen. Der Ordnung halber muss allerdings angefügt werden, dass sich die Mutter und Halbschwester große Verdienste um die Entwicklung dieser Position erworben haben, indem sie es den Kleinen vorexerzierten, wo man zu liegen hat, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Und gelehrig sind sie ja.
Wenn man dann die Mühsal des Züchtertags hinter sich gebracht zu haben glaubt, meldet sich Isi zu Wort. Isi schreit. Isi krakeelt. Isi plärrt. Isi will die Nacht nicht in der Küche verbringen. Isi will im Garten schlafen. Unsere Anouk hat uns eine Reihe sehr jähzorniger Kinder geschenkt, die unsere akustische Resilienz maximal auf den Prüfstand stellten, so gewaltig, dass manch einem die Adern vor Zorn und Lautstärke zu platzen drohten. Doch
Isidas hatten wir bisher mit Franzis und Fiannas Kindern hinter uns gelassen. Und nun: Isi. Aus heiterem Himmel, ohne jede Vorwarnung. Isi sitzt zwischen Küche und Transitsperre und plärrt mit erhobenem Haupt. Und plärrt. Der Assi ist überzeugt, dass das Kind von einem Darmwind oder anderen internistischen Gebrechen geplagt wird. Die Chefin meint: Sie hat eine Macke, sie zickt. Die Chefin muss ja wissen, wovon der Assi keine Ahnung hat. Denn nimmt er die vor Leid zickende Isi in seine Obhut und an seinen Platz am Tisch, um mit ihr gemeinsam Zeitung zu lesen. Und schau: Isi interessiert sich fürs Feuilleton, tritt es sogar mit Füßen. Beim Sport wird sie unruhig und angesichts des Ministerpräsidenten beginnt sie zu jammern und will wieder weg. Der Assi setzt sie verständnisvoll zurück in die Küche – und Isi schreit. Wir gehen ihr aus dem Weg und warten. Nach zwanzig Minuten, als die gesamte Truppe im Tiefschlaf liegt, gibt sie erschöpft auf und legt sich ebenfalls aufs Ohr. Es bleibt sie Frage: Is sie doof? Wir verschieben die Beantwortung auf die nahe Zukunft.
Dienstag, 02.04.2019
Bringt Rosamund Sturm und Wind, so ist Sybille (29. April) uns gelind. So etwas kommt uns bekannt vor. Stürmisch ist es nicht, aber ein strammer Ostwind fegt durchs Tal, der die 18 °C nachmittags deutlich frostiger erscheinen lassen. Da wir über den 29. April an dieser Stelle keine Auskunft mehr geben werden, möge sich jeder selber um die Relevanz dieser Ankündigung kümmern.
Mehr Freude und Zuversicht hätte uns eine Aussage beschert, die etwa so hätte lauten können: Kommt Rosamund mit Scheiß daher, bleibt der Sommer bis Silvester. Das holpert ebenso gefällig wie die hundertjährige Lyrik und wäre für heute ein echter Mutmacher, denn die Bluesküche sieht ziemlich verheerend und verheert aus. Schwer zu sagen, welches die Auslöser dieser Schweinerei sind. Sicher ist es alles Mögliche, das die Idefixe im Garten auftreiben und verkosten, was kein Schaden ist, weil es ihre Immunkraft stärkt und dem Magen-Darm-Trakt positive Impulse für die Zukunft gibt. Wir packen unsere Welpen nicht in Watte, weil sie unser Haus lebenstüchtig verlassen sollen, auch wenn sie uns auf dem Weg dahin Bescherungen liefern, auf die wir natürlich auch verzichten könnten. Andererseits könnte es sein, dass sie das Welpenfutter von Platinum, das wir ihnen gestern erstmals einfach als Bröckchen gegeben haben, noch nicht so gut vertragen und verarbeiten können. Diese Vermutung drängt sich ein bisschen auf, weil wir in zwei Hinterlassenschaften solche Restbröckchen entdecken. Aber selbstverständlich kann das alles auch Folge einer anderen Unverträglichkeit sein. Wir setzen mit dem brockigen Trockenfutter heute jedenfalls aus und geben Karottensuppe und später Ulmenrinde ins übliche Futter. Das kommt schon wieder ins Lot, kränkeln tut ja keiner. Höchstens der Assi beim Anblick der Bescherung am frühen Morgen. O Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen...
Alles wieder gut, Ignaz?Ignaz hat abgenommen. Ausgerechnet der zarte Ignaz (der eigentlich gar nicht mehr so zart ist). Offensichtlich hat er doch ein wenig an irgendetwas gelitten, was er jedoch mannhaft und überzeugend verbarg. 50 g hat er gestern liegen gelassen, wodurch sich seine Anstrengungen der vergangenen Tage in Luft auflösten: Er ist wieder Klassenletzter. Aber auch Irax musste sich mit 70 g plus bescheiden, was er vermutlich auch nicht ganz freiwillig tat. Um Ignaz den gebührenden Respekt zu erweisen, zäumen wir die Tabelle heute mal von hinten auf. Ignaz -50 g (4250), Indra +340 (4290), Ilmo +120 (4350), Iltschi +180 (4470), Isi +240 (4530), Inouk +240 (4530), Iberl +180 (4530), Irax +70 (4760). Das sind 1320 Gramm für alle.
Ignaz stärkt sich an Mamas FrühstückAls ob die Idefixe uns mitteilen wollten, dass wir ihre Rationen gefälligst etwas zu erhöhen hätten (was ihre Gewichte nicht rechtfertigen), versuchen sie schon morgens um neun Uhr, ihrer Mama etwas zu entlocken und sind dabei auch erfolgreich. Nein, sie machen sich nicht an ihren Zitzen zu schaffen, sondern bringen sie dazu, dass sie ihnen ihr Frühstück vorwürgt. Dazu stürzt sich die ganze Bande ziemlich massiv auf sie und trillert sie an den Lefzen, worauf Fianna ihr Frühstück erbricht. Blöd nur, dass sie zwar einem Instinkt folgen, aber offensichtlich nicht wissen, was sie damit bewirken, denn nun wollen plötzlich alle an die Zitzen, was Fianna auch einigermaßen widerwillig zulässt, während nur Ignaz sich über das Erbrochene hermacht und es fast völlig wegschlabbert, bis Isi sich zu ihm gesellt und mit ihm den Rest teilt. In der Natur ist dieses vorverdaute Futter ein wichtiger Teil der Welpenernährung, in der Zucht machen das die meisten Hündinnen nicht mehr. Bei uns hat nur Anouk bisher dem Drängen der Welpen nachgegeben und vorgewürgt. Gut, dass die Natur sich weiter ihre Rechte sichert und durchsetzen kann. Erst als die anderen einsehen mussten, dass an der Bar schon längst Sperrstunde ist und Fianna ihnen das auch sehr deutlich klarmacht, werden sie auf die kläglichen Reste von Fiannas Frühstück aufmerksam, die Isi und Ignaz übergelassen haben, und stürzen sich darauf wie Fliegen auf den Kuhfladen. Aber da ist nichts mehr zu holen.
Die TellerschaukelAls neue Attraktion kommen heute die Tellerschaukel und der Lamellenvorhang in den Garten. Die Tellerschaukel ist, wie der Name schon andeutet, eine große Stoffschaukel in Tellerform, die an drei Riemen etwa 20 Zentimeter über dem Boden schwebt. Der Lamellenvorhang besteht aus gelben Kunststoffstreifen, die vom Gartenhaus herabhängen, durch die man toben und an denen man kräftig ziehen kann. Heute wird beides noch etwas argwöhnisch begutachtet, aber spätestens morgen treibt die Neugier die Idefix voran, um auszuprobieren, was man diesen Teilen anstellen kann.
Noch werden die bekannten Gerätschaften sattsam und mit viel Körpereinsatz genutzt, was die Energie der Idefixe schnell aufbraucht. Wenn dann die Zeit gekommen ist, ein Auge zuzumachen, stürze sie alle, als ob der Kapo die Glocke schlägt, innert zwei Minuten in die Betten und ratzen weg. Ende der Vorstellung. Wir können uns wieder etwas zurückziehen und anderem widmen.
Abends registrieren wir dann mit großer Erleichterung, dass Isi wieder ein gutes Mädchen ist und nicht mehr plärrt. Sie interessiert sich nicht mehr fürs Feuilleton und auch der bayerische Ministerpräsident treibt ihr nicht mehr den Zorn in den Kopf, sondern sie fügt sich dem Unabänderlichen und schläft schweigend mit ihren Geschwistern in den nächsten Tag und die nächste Lebenswoche hinüber.
Wir finden, dass diese Woche sehr glimpflich abgelaufen ist, Virus hat sich keiner zu uns verlaufen, nur ein paar Futteranpassungen der Därmchen haben die Kleinen und uns geplagt. Wenn es nicht mehr ist.
5. Woche (20.03.2019 - 26.03.2019)
Mittwoch, 20.03.2019
Um 4:30 Uhr ist die Nacht in den Frühling hinein schon vorüber. Indra ist es, die offenbar der Ansicht ist, uns möglichst viel von diesem für viele Menschen schönsten Tag des Jahres, dem Frühlingsbeginn, gönnen zu sollen, indem sie unauthorisiert die Schnullerbox verlässt. Wie sie es auch immer geschafft haben mag, über die komplett aufgebaute Sperre zu klettern, jetzt, um halb fünf liegt sie mutterseelenallein in der Küche und plärrt herzerweichend um Hilfe und Erlösung.
So, als übernächtigte und übelgelaunte Frühgeburt, tritt also dieser Frühling in unser Leben, gerade so, als wäre er angesoffen und mit Schlips im Haar zu einem Vorstellungsgespräch erschienen. Doch er berappelt sich, dieser 20. März. Die frostigen -3,5 °C während Indras Mordiosolo baut er nachmittags noch bis auf 7 °C auf, um nachts wieder im Minus zu versinken. Aber dieser Frühlingsbeginn weiß nicht, was Wolken sind, offenbar nie gehört, dementsprechend glücksverheißend ist er: Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang. Der Märzenpoet würde es etwa so ausdrücken: Wie sich die Sonne zum Frühling wendet, so auch unser Sommer endet. Ja denn, weg mit all den düsteren Erwägungen der jüngsten Vergangenheit; wir tanzen einen Sommer lang.
Ignaz und IndraGegen 10 Uhr, als sich die Temperaturen einigermaßen stabil im Plusbereich eingefunden haben, öffnen wir die Terrassentür, um die ganze Bande zu entlüften (und um zu putzen). Doch nur Ignaz und Indra nehmen das Angebot an und schauen sich draußen um. Eine gute halbe Stunde tun sie das fast allein, nur gelegentlich bekommen sie Gesellschaft von einem ihrer Geschwister, die den Frühlingsanfang lieber in der Küche verschlummern. Dann sind wir der Meinung, dass sie sich genug der Frühjahrsmüdigkeit hingegeben haben und schmeißen allesamt raus, damit wir endlich das Futter zubereiten und Ordnung schaffen können. Kaum sind sie alle draußen, versetzt das Geräusch des Zauberstabs, mit dem wir das Trockenfutter zu Püree verarbeiten, alle zusammen in unmittelbare Alarmbereitschaft. Dieses Geräusch können sie also auch schon in den richtigen Kontext bringen. Um ganz sicher zu gehen, dass sie sich nicht getäuscht haben, übersteigen Inouk, Indra, Ilmo und Iltschi, in dieser Reihenfolge und mit einigem Kraftaufwand, die mobile Sperre, die den Transit von der Terrasse trennt, das sind 30 Zentimeter, aber sie hebeln sich plopp, plopp, plopp, plopp darüber, sprinten durch den Transit und bauen sich in der Küche und in der Futterecke auf, wo die Chefin den Zauberstab bemüht. Der Rest der verhinderten Futtertruppe mault derweil auf der Terrasse herum. Es stellt sich nun die Frage, ob sie zu ungeschickt oder zu feige sind, die Sperre zu überwinden oder aber einfach schlauer als die vier Aktivisten, die nämlich jetzt auch in den Garten zurück gebracht werden, wo serviert wird. Ihr Aufwand war zwar beeindruckend, aber reine Energieverschwendung. Nun wird also gefuttert und drinnen geputzt. Nach der Fütterung, streifen sechs Idefixe durch den Garten – außer Ignaz und Indra, die sich von ihrem vorangegangenen Inspektionsgang erholen müssen. Als wir nach dem Putzen die Terrassentür wieder öffnen, stürmen alle zum Schlafen in ihre Höhle – außer Indra und Ignaz, die sich wieder zu Zweit auf den Weg machen. Wenn man einmal in der antizyklischen Spur ist, kommt man da so schnell nicht wieder raus.
Aber jetzt gibt es keinen Grund mehr, die Terrassentür zu schließen, und so finden wir unsere Idefixe bald überall, draußen im Sammellager, im Transit, in der Küche, jeder und jede nach ihren Neigungen und Bedürfnissen.
Isi versucht sich an Cafè LatteDieser
Isi, frisch aus der DuscheTag mit kaum Besuchern dient den Idefixen, mit ihrem Reich vertraut zu werden. Und sie nutzen diese Gelegenheit. Isi lernt beispielsweise, dass man auch in einer nur schwach gefüllten Wasserschale ausrutschen und pitschnass werden kann sowie, dass man manchmal auf einem Schoß am Kaffeeschaum lecken darf. Knabberstangen lässt auch jemand fallen und finden reißenden Absatz; in diesem Zusammenhang lernen die Idefixe, dass Hedda diese auch vom Tisch klauen kann, dafür aber beim Personal keine Bewunderung auslöst. Indra versucht ein VetBed aus dem Schlaflager zu zerren, woran sie scheitert und beim schnellen Abgang auf die Nase fällt. Generell wirft man immer mehr interessierte Blicke auf die Ein
Iltschi knabbert sich durchrichtung des Spielplatzes, ohne sich schon intensiv damit zu beschäftigen.
Bescheiden ist heute auch die Gewichtstatistik: 340 g. Da hatte Muttern vermutlich eine Frühlingsverstopfung. Das arbeiten wir heute schnell ab: Ignaz 1950 (+30), Irax 2500 (+30), Iberl 2170 (+10), Isi 2320 (+60), Indra 2000 (+70), Ilmo 2120 (+70), Inouk 2210 (+70) und Iltschi 2170 (0).
Donnerstag, 21.03.2019
Nachdem Indra uns und ihren Geschwistern gestern zeigte, dass und wie man die Schlummerbox geschmeidig verlassen kann, beugen wir uns der normativen Kraft des Faktischen (Georg Jellinek), indem wir gestern Abend die Box offen ließen und die Kinder ihren Schlafplatz selbst wählen ließen, in der Kiste, in der Küche oder im Transit. Sie haben das Angebot dankend und schweigend angenommen und sich mit einem sehr tiefen und langen Schlaf bedankt, welcher der Chefin heute bei der Morgeninspektion nur einen ganz kleinen Saustall beschert. Die Mehrzahl der Idefixe erledigen ihr Morgengeschäft erst nach der ersten Milchspeisung bei Mama im Garten.
Wegen Fiannas gestern offenbarten Lieferproblemen, erhöhen wir unsere zusätzlichen Mahlzeiten ab heute auf drei. Und heute Vormittag gibt es erstmals die Welpenmilch mit gequetschter Banane. Ja, das weckt Begehrlichkeiten hinsichtlich des etwas einseitigen Angebots der Mama, die doch bitteschön auch mal Bananenmilch liefern könnte.
Bananenmilch...Auch ohne Bananenmilch und dritter Mahlzeit haben sich die Gewichte gestern wieder normalisiert. Allerdings darf man nicht unterschlagen, dass der Löwenanteil der 530 g in Isis und Iltschis Fettdepots eingelagert wurden. Bei Iltschi machten das gestern 170 g (2340) und bei Isi 140 g (2460) aus. Ilmo hat wieder einen Fastentag eingeschoben (2120) und die anderen ließen es beim Nötigsten bewenden: Ignaz +50 (2000, und damit der letzte Vierpfünder), Irax +50 (2550), Iberl +50 (2220), Indra +30 (2030) und Inouk +40 (2250).
Die Schlacht ums ReishühnchenBei prächtigem Wetter gibt es mittags im Garten wieder Hühnchen mit Reis und einem Löffel Ulmenrinde, dem sie mit großem Appetit zusprechen. Allerdings sind die Idefixe noch richtige Stubenhocker: Fressen draußen unter dem weiß-blauen bayerischen Himmel kommt gut an, aber zum Schlafen danach ist die Küchenhöhle viel sicherer. Dort kuscheln sie sich zu ihrem Verdauungsschlaf zusammen, nur die Mama liegt alleine im Garten. Wahrscheinlich ist ihr diese Auszeit gerade recht.
Indra auf dem SchaukelbrettAber
Ilmo, der Womanizerwenn sie sich in ihrem Spielplatz aufhalten, weiten sie ihre Interessen immer mehr aus. Der kleine Reifen, der seit seiner Ausbringung in den Garten ein sehr einsames Leben führte, bekommt heute von Ilmo Besuch, der sich einmal im Kreis herum sehr für ihn interessiert und dann behutsam durchquert. Indra wagt einen Versuch auf dem Schaukelbrett, das sie kopfüber abwirft und dadurch ihr Interesse noch steigert. Heute ist es für Indra allerdings noch zu früh, hinter das Geheimnis der Beherrschung dieses Möbels zu kommen. Aber schon hat wieder ein Teil ihres Lebensraumes seine Fremdheit verloren. Stück für Stück erobert sich das Leben so seinen Raum.
Dieser Donnerstag ist wegen des Wetters und der stillen Zufriedenheit der Idefixe ein richtig schöner und in sich ruhender Tag. Dazu könnte er der Einstieg in einen schönen Sommer sein: Wie das Wetter sich zeigt nach Benedikt eine Woche lang, so zeigt es sich den ganzen Sommer lang. Viel schöner als heute kann es sich kaum noch zeigen, das Wetter. Es müsste halt nur noch eine Woche durchhalten.
Freitag, 22.03.2019
Heute Morgen entsorgt die Chefin zwölf Häufchen der Idefixe, die kurz nach Mitternacht vom Assi unter nahezu hygienischen Bedingungen in den Schlaf geschickt worden waren. Für die rund fünf Stunden bis zum Erscheinen der Chefin ist das eine beachtliche Leistung. Da allerdings die berechtigte Befürchtung besteht, dass sie ihre Darmperistaltik noch weiter üben werden, kommen sie mit der ersten Handlung in den Garten, um sich dort ungehindert ausleben zu können und gleich auch noch gefüttert zu werden. Das schafft in jeder Hinsicht Ruhe, die man morgens um fünf Uhr im Garten auch einhalten sollte.
Dieser Ablauf wird nun bis zum Schluss beibehalten: Die Zwerge frühstücken ihren Milchbrei, der Assi macht den Stall sauber und dann wird je nach Arbeitsbelastung des Assi, mehr oder weniger gemeinschaftlich gewogen. Das ist der Grund, warum wir uns heute (und in Zukunft) an ganz andere Gewichte gewöhnen müssen als bisher; die Idefixe haben schon vor dem Wiegen gefrühstückt. Und das schlägt sich auf die Hüften und die Waage nieder.
Dann mal los. Irax 2730 g (+ 180), Isi 2700 g (+240), Iltschi 2560 g (+220), Inouk 2510 g (+260), Iberl 2430 g (+210), Ilmo 2410 g (+290), Indra 2240 g (+210) und Ignaz 2200 g (+200). Das sind 1810 g an einem Tag (und einem Morgen). Wenn man die einzelnen Gewichtsgewinne der letzten Wochen Revue passieren lässt, dann zeigen diese Zahlen, wie viel ein Welpe bei einer einzigen Mahlzeit aufpolstert, bis er es dann im Laufe des Tages verbraucht, wieder aufbaut und wieder verbraucht...
Indra testet das FederbrettDieser
IlmoFreitag ist so schön wie der gestrige Donnerstag, und die Idefixe machen dort weiter, wo sie gestern noch etwas schüchtern in das Spielzeugparadies eingetaucht sind. Heute geht es schon merklich mutiger zur Sache, und man spürt bei allen die Neugier, jetzt endlich herauszufinden, was dieser ganze Krempel hier soll. Jetzt wird schon mal versucht, das Federbrett zu erklimmen, was noch nicht klappt oder man legt sich in die bereitgestellten Höhlen. Wem diese Höhlen nicht gut genug sind oder, wer keinen Platz mehr findet, zieht sich ins Haus zurück und tankt dort neue Kraft für neuen Mut.
Isi bei der NormenkontrolleAls ob das für solche Winzlinge nicht schon Abenteuer genug wäre, müssen sie heute noch eine kleine Prüfung bestehen: Die Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Da müssen sie keine Kunststücke zeigen und auch nicht mutig sein, sondern nur stillhalten und sich begutachten lassen. Wie haben sie sich entwickelt? Wie steht es mit den Marken und den unerwünschten Abzeichen? Sind die kleinen Ruten
Iberl mit komplettem Scherengebissin Ordnung oder haben sie Fehlstellungen? Sind die Nabel gut verheilt? Sind sie wohlgenährt oder zu wohl genährt? So etwas will die Zuchtwartin sehen, und dazu müssen sie einfach nur zwei Minuten Ruhe geben sowie geduldig und lieb sein. Am Ende ist die Normenkontrolleurin sehr zufrieden und hat vor Mutterglück rote Bäckchen. Es ist eigentlich nichts an den Zwergen auszusetzen, nur Iltschi könnte an der Brust eine (unerwünschte) Doppelmarke entwickeln. Das muss man jedoch abwarten, weil die Farbentwicklung in diesem Alter noch fröhliche Urständ feiert und sich in alle Richtung bewegen kann. Die Idefixe haben sich vorbildlich gegeben und der Zuchtwartin viel Freude gemacht. Und uns wundert das nicht, weil wir ihre Entwicklung täglich verfolgen können, aber glücklich über diese acht sind wir dennoch.
Samstag, 23.03.2019
Inouk wärmt sich und einen SchoßEs
Irax und Ilmo ist schade, dass man über einen so makellosen Frühlingstag nicht viel berichten kann, außer dass die Stare sich langsam hier niederlassen und sich ein Quartier suchen. Außer den Staren finden sich natürlich an solch einem Tag Besucher ein, mit denen man die Sonne auf der Terrasse genießt und den Idefixen beim Tollen, Entdecken und Schlafen zusieht. Wenn es den Besuchern zu sehr in den Fingern juckt oder ein Schoß in der frühen Frühlingssonne doch noch etwas Frische verspürt, müssen die Kleinen auf die Schöße und Glücksdienste leisten. Das macht dann alle glücklich.
Inouk entdeckt den FutterknopfHeute bekommen die Welpen mittags zum ersten Mal industrielles Nassfutter (von Platinum), das sie ohne Zögern wegspachteln. Man hat fast den Eindruck, dass sie überhaupt nicht registrieren, dass sie soeben in eine neue Futterwelt vorgedrungen sind, und wahrscheinlich ist es auch so. Hauptsache es haut rein.
Wir dürfen uns also morgen auch wieder über eine sehr wuchtige Gewichtstabelle freuen, die heute allerdings "nur" 1690 g ausweist. Die verteilen sich wie folgt: Irax 2990 g (+260), Isi 2850 g (+150), Iltschi 2800 g (+240), Inouk 2700 g (+190), Iberl 2690 g (+260), Ilmo 2540 g (+130), Indra 2460 g (+220) und Ignaz 2440 g (+240). Dieses Ergebnis bringt die Reihenfolge noch nicht durcheinander, alle haben ihre Positionen gehalten, aber an einigen Positionen ist man sich schon ziemlich auf die Pelle gerückt, was auf baldige Rochaden schließen lässt. Vor allem Ignaz lässt aufhorchen, der bis auf 20 g an Indra herangerückt ist und sicher nicht ruhen wird, bis er die rote Laterne los ist.
Ilmo macht sich sein BettNachdem die letzten Besucher spät abends gegangen sind, drängt der gesamte Bairische Blues förmlich in die Koje. Für die Welpen war das ein ganzer Tag voller neuer Entdeckungen und Aufregungen, für Fianna und Hedda galt das gleiche plus der Verantwortung für die Kinder und demnach viel zu wenig Schlaf für einen Hund. Sie schaffen es an solchen Tag kaum einmal, ein Auge zuzudrücken; das zehrt an der Substanz. Und auch wir verspüren nach all den Gesprächen, all dem Essen und Trinken und natürlich der Betreuung der Idefixe, die einen nie zur Ruhe kommen lässt, dass eine Haube Schlaf jetzt sehr gut tun würde.
Sonntag, 24.03.2019
Wieder zieht der Frühling mit seinem grünen Band durchs Land und beschert uns einen Wonnentag. Und das nicht nur wegen der ungetrübten Sonne. Die aber legt nach den alten Bauernregeln fest: Scheint auf Sankt Gabriel die Sonn’, hat der Bauer viel Freud’ und Wonn’. Liturgiekenner und -puristen werden jetzt sofort aufschreien und einwenden, dass der Gabriel seit 1969 seinen Namenstag am 29. September feiert. Doch seit wann schert es einen Bauern und seinen Begleiter durchs Jahr, ob die da unten am Heiligen Stuhl einem Heiligen seinen Stuhl vom März in den September verschieben? Nach den Römischen müsste der Bauer heute der Katharina gedenken, was ihm und uns auch recht sein soll. Bitteschön: Sonnenschein an Kathrein, lässt den Sommer wonnig sein. Ist doch auch schön, muss ja nicht immer das Original sein.
Vor dem morgendlichen Wiegegang bekommen die Idefixe heute eine aufgemotzte Welpenmilch, der wir jetzt Hüttenkäse zugeben, weil sie mit der Grobkörnigkeit des Hüttenkäses nun schon zurecht kommen. Das Frühstück sieht demnach so aus: 250 g Magerquark, sechs Eigelb, sechs Esslöffel Distelöl, ein Becher Hüttenkäse und zwei Bananen. Aufmerksame Leser werden merken, dass wir die Menge inzwischen verdoppelt haben, was beim Appetit des Nachwuchs auch zwingend geboten war. Und das geht über die Zungen wie himmlisches Manna mit Gänseleber.
Ignaz, erschöpft nach der AufholjagdDie Rennliste liest sich heute morgen wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Ignaz hat es geschafft! Der Reihe nach: Irax (3270 g, +280) kontrolliert das Feld von vorne. Iltschi drückt sich an Isi vorbei, was bei 310 g Zunahme auch nur schwer zu verhindern ist: 3110 g. Da kann Isi mit den gut gemeinten 200 g nichts ausrichten: 3. Platz und 3050 g. Die drei sind die ersten Sechspfünder und rein optisch fast schon schlachtreif. Iberl ist auch einen Platz nach vorne gerückt, aber noch im U-3000-Feld: 2910 g (+220). Die zweite Hälfte führt Inouk (2810 g) an, der mit Iberl den Platz tauschte; mit 110 g ist bei diesen Gigantophagen auch nicht viel Staat zu machen. Und dann – Tusch – taucht Ignaz aus den Wäldern auf und beansprucht den sechsten Rang: 2700 g (+260). Ilmo ist auf dem besten Weg, den Ignaz zu machen, hält aber den siebten Platz noch: 2640 g (+100). Die Ignatia heißt jetzt
Indra und InoukIndra mit 2620 g (+160). Das sind wieder stolze 1640 g, und wir beschließen, den Kalorienhahn ein wenig zu drosseln, weil einige Modelle von oben wie ein Saugroboter aussehen. Die Idefixe scheinen exzellente Futterverwerter zu sein, was für ihre neuen Futterverwalter höchste Wachsamkeit bedeuten muss. Die Königsregel für die Welpenernährung lautet bekanntlich: groß hungern! Überversorgung sorgt schnell für die gleichen Wohlstandswehwehchen und -krankheiten wie beim Menschen. Unser Bestreben war es noch nie, propere Speckrollen abzugeben, sondern kerndlg'fütterte Kraftwerke, die nicht beim ersten Lufthauch umkippen. Bisher ist uns das ziemlich gut gelungen, und deshalb wird jetzt erst mal ein klein wenig gebremst: weniger Kalorien, mehr Spielerien.
Eddy auf KinderbesuchZumindest
Eddy und Ignazdie zweite Forderung dürfte heute kein Problem sein: Papa Eddy kommt zu Besuch, sieht sich seinen Nachwuchs an und stellt sich seiner künftigen Verwandtschaft vor. Schwer zu sagen, ob er eher als charmanter Souverän oder als souveräner Charmeur durchgeht, jedenfalls erobert er die Herzen im Sturm. Er stellt sich der ungewohnten Situation, macht sich bei seinen Kindern bekannt, was nicht schwer ist, weil die
Den Papa ist stolz auf seine Kinderihm in dieser Hinsicht zuvorkommen, ihn umwuseln und Ansprüche stellen. Eddy kommt damit klar, zeigt keine Fluchtreflexe und keinerlei Aggression; ein Papa, wie er im Bilderbuch steht. Die Eddy-Touristen können sich gar nicht sattsehen an "ihrem" Papa, dafür können sie sich mit Weißwürsten, Brezen und bayerischen Getränken sattessen und den Brand löschen, den die stramme Märzensonne in den Adern und den Gesichtern aufglühen lässt.
Ilmo diskutiert auf AugenhöheAufblühen tun natürlich unter diesen Voraussetzungen auch die Idefixe, die zur Hochform auflaufen und die Gesellschaft mit- und zu Beifallskundgebungen hinreißt. So viel Glück mit dem Wetter, so viel Glück mit dem Papa und so viel Glück mit den Gästen: Ein unvergesslicher Tag, den es so und in dieser Zusammensetzung nie wieder geben wird.
Gegen unsere Diätabsichten, aber unter Einbeziehung des enormen Energieverbrauchs an einem solchen Tag, bekommen die Idefixe heute Mittag erstmals normales und gewolftes Rindfleisch (kein Luxustatar) mit Reis. Ihnen ist es sowieso egal, was in der Schüssel ist, sie machen keine Vermerke an der Speisekarte, um mit Nachdruck Varianten einklagen zu können, nein, durch ihre Mundöffnungen verschwindet alles, das ihnen vorgesetzt wird.
Nachdem die letzten Besucher gegangen sind, ist Fianna offenbar der Ansicht, dass ihre Kinder heute einfach nur herzerweichend toll waren und sie deshalb besonders belohnt werden müssten. Sie legt sich ins Kuddebett, worauf alle angewackelt kommen und einer nach der anderen von ihr bespielt wird; Fianna ist unübersehbar in bester und entspannter Blödellaune, knibbelt ihre Kinder überall, kneift sie ins Bein, kugelt sie herum. Die sind ganz überrascht, weil sie ihre Mama so noch nicht kennen (wir schon), wo sie doch oft so streng mit ihnen ist. Und sofort sind alle da, um mitzumachen. Es entwickelt sich ein herzerweichendes Spiel im Kudde, Mama im Kreise ihren Welpen, die gar nicht aufhören wollen, aber vom Schlaf übermannt rings um ihre Mama einschlummern. Was für eine Szene. Heute können wir Fianna nur schwer überzeugen, ihre Kinder allein zu lassen und mit uns nach oben zu gehen.
Montag, 25.03.2019
Graupelschauer oder doch schon Hagel?Der Frühling bekommt weiche Knie. Das Wetter gibt nach. Morgens ist es schon stark bewölkt bei 8 °C und nachmittags ziehen einige Schneeschauer übers Land. Sogar ein Graupelschauer mit erbsengroßen Kugeln prasselt vor den Idefixen nieder, die sich auf der Terrasse davon aber nicht wirklich stören lassen. Sie schauen auf, nehmen den Unfug zur Kenntnis und schlafen, aneinander gekuschelt, weiter. Diese Entwicklung lässt nicht viel Hoffnung auf einen brillanten Sommer, weil das Benedikt-Wetter offenbar keine ganze Woche durchhält. Wird also nichts mit einem ungetrübten Sommer. Aber was weiß der Hunderter eigentlich vom Klimawandel? Ist der überhaupt noch seriös? Wir setzen voll auf maximale Erderwärmung und schicken den Insulanern in der Südsee einen Container voller Schwimmreifen.
Heute ist Mariä Verkündigung und logischerweise einer jener Lostage, die alle Wetterpropheten in helle Aufregung versetzt. Dass genau heute die Schwalben kommen, halten wir für Unfug; wir haben noch keine gesehen (An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum). Bedrohlicher ist schon dieses hier: An Mariä Verkündung hell und klar, ist ein Segen für das ganze Jahr. Und was ist an Mariä Verkündigung dunkel und trüb? Wir wollen es nicht wissen.
Aber wir wollen wissen, wie den Idefixen der gestrige Tag mit allen seinen Aufregungen und Aktivitäten bekommen ist und stellen fest, dass sie ihn gut verkraftet haben. Die 1450 g gehen bestimmt aufs Konto der vielen Bewegung, denn als Diättag konnte der gestrige nicht durchgehen. Im einzelnen sieht es so aus, dass nur Isi die Reihenfolge durcheinanderbringt, weil sie Iltschi wieder auf den dritten Platz abgedrängt hat. Irax 3290 g (+20), Isi 3230 g (+180), Iltschi 3210 g (+100), Iberl 3120 g (+210), Inouk 3080 g (+270), Ignaz 2900 g (+200), Ilmo 2890 g (+250) und Indra 2840 g (+220). Keine Frage: Die zweite Reihe hat sich noch längst nicht ergeben, da ist richtig Feuer unter dem Topf und die vorne sollten sich vorsehen.
Wegen des miesen Wetters, spielt sich heute viel im Haus ab oder sie liegen draußen und schlafen. Es ist heute ein typischer Regenerationstag nach dem gestrigen Trubel. Nur der Assi schleicht erfolglos mit der Kamera herum, um irgendein Bild zu bekommen. Es gibt eben Tage, da wünscht er sich, er wär sein Hund und läg faul auf seiner Decke und säh sich mitleidig zu...
Doch abends ist er wieder obenauf. Die Idefixe müssen zur zweiten Wurmkur antreten. Wegen der sehr fragwürdigen Akzeptanz der ersten Entwurmung und der Verkleisterung der Küche mit Panacur, beschließt die Chefin heute ein neues Verfahren: In ein kleines Schüsselchen kommt etwas Nassfutter mit Wasser und dazu
Isi schmeckt die Wurmkurdie 2 ml Panacur. Die Schüssel wird auf den Küchenblock gestellt und die Zwerge dürfen sich dort oben, schön nacheinander, selber kurieren, weil diese Aktion auf dem Boden nie funktionieren würde; entweder würden alle um den einen Mampfer herumturnen und lästig sein, oder, wenn wir alle zusammen kurieren würden, bekämen manche eine ganze Jahresration und andere nichts ab. Deshalb die Einzelkur auf dem Küchenblock, die geradezu sensationell hinhaut; die stehen da und schlabbern mit Begeisterung, was sie vor kurzem noch zum Speien fanden. Und außerdem sind sie sehr sicher (natürlich sichern wir sie ab), turnen nicht herum und machen keine Anstalten, sich von dem Möbel zu stürzen. Das werden wir uns merken und an den nächsten beiden Tage gleich noch vertiefen. Darauf hätten wir auch schon früher kommen können, aber das Flubenol machte eben keine solchen Probleme. Anschließend gibt es die Abendmahlzeit (Trockenfutterpampe), die auch noch bestens ankommt. Fressen und schlafen, dazwischen ein wenig Wind machen, Hosenbeine testen, Fersenbeine kneifen und überall hin pinkeln – ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Ignaziraxiberlisiindrailmoinoukiltschi heiß!
Dienstag, 26.03.2019
Morgens um fünf findet die Chefin nur drei stramme und offenbar kerngesunde Häufchen in der Küche, auch, weil der Assi noch eine nicht sehr üppige, aber dennoch erfolgreiche Nachternte gesammelt hatte. Das freut den Züchter und den Morgenmuffel gleichermaßen. Die Kleinen kommen, wie jetzt jeden Tag, sofort in den Garten, damit die Chefin die gröbsten Misthäufen beseitigen kann, was heute ja praktisch ausfällt, und die Morgenmilch zubereiten kann. Da die Idefixe inzwischen wirklich sehr fixe Kinder sind, kennen sie jedes Geräusch und können es korrekt zuordnen. Ein Zauberstab signalisiert unmittelbar bevorstehende Nahrungsaufnahme und macht die Zwerge sehr aufdringlich. Eine geordnete Bewegung ist unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet. Da das in der Küche zubereitete Futter auch unfallfrei ins Freie und zu Boden gebracht werden muss, lenkt die Chefin den Hungerhaufen mit dem sogenannten "Vogelfutter" ab, das sind kleine, auf den Boden geworfene Bröckchen von Platinum Welpenfutter. Das Angebot ist so unwiderstehlich, dass es tatsächlich gelingt, das Interesse der ganzen Meute auf die Futterbröckchen zu lenken und die Futterschalen auf den Boden zu stellen. Auch das ist eine Premiere für die Idefixe, denn Trockenfutter in seiner ursprünglichen Form kennen sie noch nicht. Ein Problem haben sie damit aber auch nicht. Nächster Meilenstein abgehakt.
Fianna sucht einen SpielpartnerWenn man
Auch Hedda bleibt mit ihrem Schwein allein den Glücksmomenten der Nahrungsaufnahme absieht, ist es heute eher garstig draußen. Bedeckt ist es, sehr bedeckt, bei 1,5 °C. Später ziehen einige Schneeschauer vorbei, aber nachmittags teilen sich Sonne und Wolken den Himmel. Ist es um Ludger draußen feucht, bleiben auch die Kornböden leicht. Unseretwegen. An einem Tag 40 Tage Frost, am nächsten nichts als Sonne und Wonne einen ganzen Sommer lang, dazu volle Scheuern und dann wieder leere Kornspeicher. Wovon soll denn der Bauer jetzt seinen Rachenputzer schwarz brennen? Es ist ein Graus mit dieser Welt.
Inouk wagt den Aufstand! 320 g hat er sich gestern unter die rotzfreche Nase geschoben und mit 3400 g zu Irax aufgeschlossen, der es nur auf 110 g brachte. Mit nur 90 g Zugewinn schafft es Isi, ihren dritten Platz zu halten (3320 g). Mit 3310 g (+100) folgt Iltschi auf dem vierten Platz. Iberl belegt mit 3280 g (+160) den fünften Platz. Bis hierher sind die Abstände ziemlich zusammengerückt; zwischen den beiden Ersten und dem Fünften liegen nur 120 g. Dann tut sich eine kleinen Lücke auf: 3070 g für Indra (+230!) und Ignaz (+170). Nach dieser Gewaltaktion von Indra hat nun Ilmo die rote Laterne: 3000 (+110). Es ist also weiterhin Bewegung in der Truppe, die mit 1290 g Zunahme nicht kurz vor einem Hungerödem steht.
Hedda und IndraTrotz des zugigen und frischen Wetters, sind die Idefixe viel draußen. Sie kuscheln sich zusammen oder sehen sich um, je nach Laune und ob Mama, Halbschwester oder Zweibeiner ihre Bemühungen verfolgen und bejubeln. Einen Herzensbrecher landet Hedda, die, wie sie meint, unbeobachtet, Indra ihr ganzes Herz ausschüttet und mit ihr minutenlang spielt. Die beiden kneifen sich, kuscheln, schnäbeln und rasen herum, aber nur solange niemand zusieht, dann geht Hedda wieder auf Distanz und summt das Lied der Wise Guys: "Kinder find ich nicht so toll, tut mir wirklich leid..." Muss ja nicht jeder wissen, dass in ihrer Brust ein Herz aus Ideflex schlägt. Pass nur auf, wir kriegen dich schon noch rum.
Ilmo und IndraWas auffällt ist, dass sich jetzt die Rangeleien häufen. Alle tragen nun eine kleine Zündschnur am Hintern, die sofort Feuer fängt, wenn sich ein anderer Hintern daran reibt. Und huuusch und tuschschsch. Rummms. Zwei Sekunden dauert die Explosion, dann geht man wieder getrennte Wege – und trifft sich mindestens zweimal jeden Tag. Rangordnungen werden getestet, erstritten, eingeklagt und wieder verworfen. Alles ist im Fluss, nichts hat Bestand, muss aber ständig auf den Prüfstand. Es macht überhaupt keinen Sinn, darüber Buch zu führen oder tiefschürfende Psychogramme daraus abzuleiten. Wenige Minuten später liegen wieder alle zusammen, übereinander und untereinander im Bett und erzählen sich Gute-Nacht-Geschichten.
Es sind ganz andere Geschichten, die berichtenswert sind. Beispielsweise, wenn Inouk nicht nur Irax auf der Waage herausfordert, sondern binnen (ach, liebe Schweizer: innert!) Minuten vom Welteneroberer zum Bettnässer wird. An der Gartenseite unseres Hauses ist ein kleines, gläsernes Gewächshaus angebaut, in dem unserer Kübelpflanzen zusammen mit den Kakteen überwintern. Noch ist es nicht warm genug, um die Kübel schon wieder auszuwildern, weshalb das Häuschen noch immer vollgestopft ist. Die Tür zum Glashaus steht aber häufig offen, auch weil man von dort in die Hundedusche gelangt und von dort wiederum weiter ins Haus, was es uns ermöglicht, den Welpenspielplatz von dort oder vom Wohnzimmer (Transit) zu betreten und zu verlassen. Das ist bei einem so gewitzten Haufen, wie es die Idfixe sind, von großem Vorteil, weil man sie auch mal in die falsche Ecke tricksen kann, um über die andere ins Haus zu kommen. Man glaubt ja nicht, wie flink die inzwischen sind und jederzeit in der Lage, einem den Weg zu verstellen oder ein Bein zu stellen. Man muss inzwischen schon trickreich sein, um zurecht zu kommen. Heute steht also die Glastür zum Glashaus auch wieder offen, und Inouk ist der Erste, der es wagt, sich dort einen Überblick zu verschaffen. Das Problem ist nur, dass er genau das nicht tut, sondern sich, ganz ohne Überblick und demzufolge ohne Durchblick, innert Sekunden von der Tür zwischen allen Kübeln hindurch bis in die hinterste Ecke des Glashauses durchwühlt – und feststeckt. Man muss ihm zugute halten, dass er männigliche Anstrengungen unternimmt, dieser sehr misslichen und beengten Situation zu entkommen, aber scheitert. Wo immer er landet, er steckt zwischen den Kübeln fest. Ratten hätten ein solches Problem intelligent gelöst, nicht aber ein Hovawartbub in Windeln. Der Assi amüsiert sich köstlich an den Bemühungen des Inouk vom Bairischen Blues, sich selbst wieder aus der Misere zu manövrieren, überzeugt, dass er es schaffen wird. Doch die weichen Herzen weiblicher Besucher wollen dem verzweifelten Nachwuchs keinen selbst erarbeiteten Erfolg gönnen, räumen die Kübel beiseite und retten ihn. Welch eine Schmach für den stolz gestarteten und letztlich vom WHW (Weiberhilfswerk) befreiten Inouk. Es dauert keine zwei Minuten, bis er wieder ins Glashaus spaziert, wahrscheinlich um die Scharte auszuwetzen, und bei diesem Versuch noch vor der dramaturgischen Zuspitzung gerettet wird. Kann es schlimmer kommen? Der Assi geht jede Wette ein, dass Inouk für den Rest seines Lebens jedes Glashaus aufsuchen wird, um sich von diesem frühkindlichen Trauma zu befreien, einmal wenigstens Held im Glashaus sein und eventuell mit Steinchen schmeißen. Ach, Inouk, wie gern hätte der Assi dir dieses Los erspart.
Inouk meistet die Wurmkur brillantDie Entwurmung 2.2 am Abend gibt zwar Gelegenheit, sich einigermaßen zu rehabilitieren, was aber nur unvollständig gelingen kann, weil auch die Geschwister wie die Erben von Reinhold Messner auf dem Küchenblock stehen und sich ihre Pana-Kur einverleiben. Eigentlich müssten wir sie gar nicht mehr festhalten, so sicher und stabil bewegen sie sich dort oben. Für gescheitete Helden kein Ort der Wiedergutmachung.
Drei Wochen stehen uns (und Inouk) noch gemeinsam bevor. Der Assi verspricht Inouk, ihm in den abschließenden drei Wochen eine Gelegenheit zu verschaffen, sich zu rehabilitieren. Vornehmlich aber werden wir eher besorgt in die Zukunft schauen, weil nun die kritische Zeit der schwindenden Immunkraft der Welpen anbricht, jene Zeit, in der der Immunschutz durch die säugende Mutter fast komplett verschwindet, aber bis zur anstehenden Impfung in der achten Woche möglicherweise nicht genug eigene Widerstandskraft aufgebaut werden kann, um jeden Angriff von außen abzuwehren. Wir drücken den Idefixe ganz kräftig die Daumen und versuchen, alles von ihnen fernzuhalten, was ihnen auf Magen, Darm und anderswohin schlagen könnte. Wenn nur die Gegner nicht so heimtückisch und klein wären.
4. Woche (13.03.2019 - 19.03.2019)
Mittwoch, 13.03.2019
IltschiMit dem Ende dieser Woche werden die Idefixe die Halbzeit bei uns hinter sich gebracht haben. Sie werden viel Neues kennengelernt haben und uns so ans Herz gewachsen sein, dass wir sie nicht mehr weggeben wollen. Denn diese vierte und die fünfte Woche sind die mit der knuffigsten und herzmörderischsten Ausstrahlung: Das Babyschema kommt zur vollen Entfaltung, aus den Maulwürfen sind Hunde geworden, aber solche, die noch küssen anstatt zu beißen. Und sie versuchen alles mögliche, schaffen auch schon sehr viel, sind aber meist noch so tapsig, dass einem das Herz weich wird.
Das Wetter begleitet uns mit einem unerfreulichen Aprilmix aus Regen, Wind und gelegentlicher Sonne. Die Temperaturen bewegen sich sehr stabil zwischen 3 °C und 7 °C. Wenn man Optimist ist, kann man einen Trend zur Besserung erahnen, wenn nicht, weiß man, dass dieses Wetter in dieser Jahreszeit wenig Hoffnung auf Besserung zulässt.
Da Fiannas leidende Zitze fast schon wieder genesen ist, konnte sie ihre mütterlichen Dienste auch wieder in vollem Umfang erfüllen, deren Einschränkung gestern zu einer Gesamtbilanz auf der Waage von bescheidenen 310 g geführt hatte, wobei Ignaz gleich 50 g abgenommen hatte. Gestern gab es jedoch die erste Fleischmahlzeit, die Tatarbällchen, und dementsprechend neugierig sind wir auf das heutige Wiegeergebenis. Dabei werden wir immer wieder in unserer Beobachtung bestätigt, dass die großen Verlierer des einen Tages
Ignazdie ebenso großen Gewinner des nächsten sind und die Kriegsgewinnler von gestern müssen ihren Triumph meist erst einmal sacken lassen und verdauen, während die gemäßigten Portionierer ihr gemäßigtes Niveau weiterführen. Wenn also Ignaz gestern 50 g verloren hat, dann hätte sein Bedürfnis nach Ausgleich besonders stark sein müssen, und das war es: +140 g (1460)! Iberl beantwortet dagegen die 100 plus von gestern mit +20 g (1660). Irax hält Regelwerke offenbar für weit überschätzt und kontert die 120 von gestern mit 90 g heute (1850). Isi beendet ihre gestrige Nullrunde mit +90 (1680). Die anderen liegen mehr oder weniger im mittleren Segment: Indra +30 (1520), Ilmo +40 (1550), Inouk +70 (1630) und Iltschi +20 (1650). Das alles summiert sich heute auf stattliche 650 g.
IberlTraditionell nutzen wir die erste Gelegenheit nach zwei bis drei Wochen, die Welpen ins Freie zu einem Foto-Shooting zu bringen, um brauchbare Bilder zu bekommen. Heute ist das Wetter zwar nicht brillant, aber die Sonne zeigt sich immer mal wieder, und 7 °C sind für wenige Minuten für die Welpen auch nicht zu kalt. Zu kalt wäre es allerdings für den bäuchlings im Gras liegenden Fotografen, wenn er sich nicht mit einer Isomatte schützen würde. Doch bevor der erste Welpe seinen Auftritt bekommt, entdeckt Hedda den auf dem Bauch ruhenden Fremden in ihrem Garten und stürzt sich mit Gebrüll auf ihn – bis sie ihren Irrtum
Ilmo geht schon auf Entdeckungstourbemerkt und sich dennoch auf ihn stürzt, allerdings nicht mehr mit Gebrüll, sondern mit vollem Körpereinsatz und ihrer ganzen Zuneigung. Hundeliebe kann sadistische Züge annehmen. Schnell sind die Zärtlichkeiten ausgetauscht und die Welpen bekommen ihren Auftritt, einer nach der anderen werden sie auf ein VetBed platziert und abgelichtet. Da das Wetter diesen Tag des ersten Freigangs etwas weiter nach hinten verschoben hat als in den vorherigen Würfen, sind sie alle sehr relaxed, sehen sich einigermaßen entspannt um, und Irax, Ilmo und Indra verspüren sogar Lust auf einen kleinen Ausflug von ihrer Decke ins Gras. Das machen sie alle wirklich sehr professionell. Auch an diesem Beispiel zeigt sich, wie viel Entwicklung sich in wenigen Tagen abspielt.
Indra Weil die Knirpse so selbstsicher sind und alles wegstecken, als könnten sie noch mehr ab, konfrontieren wir sie noch mit der ersten Milchfütterung abseits von Mamas Bar. Ein kleines Schälchen mit der selbst angerichteten Welpenmilch (125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl) werden jedem einzeln vor die Nase gestellt, die wir ihnen kurz in das Schälchen tauchen – und schon geht die Schlabberei los. Praktisch alle meistern dieses kleine Husarenstück souverän, was eben auch wieder auf die rund vier Tage fortgeschrittene Entwicklung zurückzuführen ist. Was haben ihre Vorgänger nicht alles an Komödie geliefert, was haben die sich angestellt! Die hier schlabbern und sauen sich ein, weil ihnen gelegentlich der Kopf in die Milch purzelt, aber sie wissen, worum es geht und wie sie sich anzustellen haben.
Wir sind richtig stolz auf unsere Idefixe, und sie sind ziemlich platt nach all den Aufregungen heute.
Donnerstag, 14.03.2019
Wer es noch nicht glauben wollte, dass diejenigen recht haben, die heuer ein verregnetes Frühjahr vorhersagen, und dazu gehört auch unser allseits geschätzter Hundertjähriger, der muss sich nun belehren lassen: Der März gefällt sich unter der Dusche. Im Laufe des Tages wird es immer lausiger draußen, der Regen nimmt stetig zu und der Wind bläst sich auf. Mehr als 5 °C sind uns nicht gegönnt. Landregen und Seewind, das ist es, wonach sich kein wintermüdes Herz sehnt. Nur die Bauern strahlen über alle Backen, weil sie ihre Gülle ausbringen können und das Wasserdefizit des letzten Jahres auf dem besten Weg ist, in Vergessenheit zu geraten.
Sehen wir uns erst einmal die Gewichtstabelle an, bevor wir uns in meteorologische Verzweiflung stürzen; vielleicht liefert sie ja Anlass zu ausgelassener Freude. Doch das Ergebnis ist durchwachsen, was an den unterschiedlichen schöpferischen Qualitäten der Milchschlabberer liegen könnte. Immerhin war die erste
InoukBegegnung mit einem Schüsselchen eine besondere Herausforderung, der nicht alle in gleichem Maße gewachsen waren. Da wäre beispielsweise der dauerpräsente Alleswager Inouk, immer vorn dran, immer on tour, aber an der Milchschale schien er überfordert zu sein: -30 g (1600). Dennoch kein Grund, sich über ihn Sorgen zu machen; bei seinem Aktionsradius ist eine schlanke Taille immer von Vorteil. Auch nur von spärlichem Erfolg war Isi gesegnet, die langsam ihren weiblichen Genen Tribut zollen muss und den Anschluss an die männliche Führungsriege verliert: +10 g (1690). Den Hammer holte wieder einmal Irax heraus. Mal sehen, welche Qualitäten er sonst noch entwickeln wird, aber in Sachen Nahrungsaufnahme ist er jetzt schon unschlagbar: +130 (1980) – einsame Spitze. Sehr einsame Spitze. Alle anderen bewegen sich in den üblichen Margen, wobei der fixe Ignaz auch wieder mitten in der Kapelle ist: +70 g (1530). Damit ist er zwar immer noch der Leichteste, aber er robbt sich heran. Iberl macht 80 g gut und steht jetzt auf 1740. Indra löffelt sich 60 g hinein (1580) und bei Ilmo (1620) und Iltschi (1720) sind es jeweils 70 g. Das ergibt zusammen 460 g, die Fianna nicht mehr alleine aufbringen musste. Es läuft.
Und weiter geht es mit den rasanten Entwicklungsschritten, die heute besonders auffällig bei Isi zu beobachten sind: Sie hat nämlich den kleinen Galopp entdeckt. Immer wieder bringt sie ihre Stummelbeine besonders flink in Bewegung, wieselt herum wie Super-Super-Super-Pep in der Coaching-Zone, und scheint die verdutzten Blicke ihrer Geschwister zu genießen. Wer kann schon sagen, ob es dieser gesteigerte Bewegungsdrang ist, der sie in der Gewichtsbilanz abrutschen lässt, oder das reduzierte Gewicht die Bewegungsfreude anfeuert. Das alte Thema Ursache und Wirkung bleibt wieder einmal ungelöst.
Nach den Fleischbällchen vorgestern und den Milchschälchen gestern, steht heute Abend der nächste Schritt hin zum gestandenen Hovawart auf dem Plan: Die gemeinschaftliche Milchspeisung aus dem Futterring, also so
Auf der Suche nach dem richtigen Drehetwas wie das gemeinschaftliche Löffeln der Milchsuppe in bayerischen Bauernfamilien. Das werden zwar die wenigsten der Idefixe später praktizieren müssen, weil sie Singulärprinzen und -prinzessinnen sein werden, aber diese Fütterung unterstützt die soziale Entwicklung der Knirpse und erstickt eine Futteraggression frühzeitig. Was bei bayerischen
Dreh gefundenBauern funktioniert, sollte bei den Idefixen auch klappen. Ihre Vorgängern haben sich auch sozialverträgliche Tischsitten angewöhnt. Die Welpenmilch kommt in den Futterring, der kommt auf ein Laken auf den Boden und dann tönt, wie zu allen Zeiten beim Blues, der unvermeidliche Futterruf "Matze, Matze, Matze", zum ersten Mal. Und schon kommen sie angewieselt, nicht, weil sie dem Ruf folgen, sondern, weil sie jedem Laut folgen, der ein Versprechen sein könnte. Aber diesem Ruf werden sie nun bis zum Auszug beim Blues täglich folgen, und sie werden noch als alter Hund die Ohren spitzen (!), wenn er an ihr Ohr dringt. Heute klappt es erwartungsgemäß noch nicht bei allen, weil sie der eine oder die andere wieder in irgendeine Ecke festgerannt hat, aber dann werden sie eben zur Futterstelle expediert und stürzen sich dazwischen und hinein. Alle kein Problem, ob Fleisch, ob Milchschälchen oder Futterring: Was nach Nahrhaftem aussieht, wird akzeptiert. Das kriegen heute auch alle super hin, als die absoluten Supermampfprofis erweisen sich jedoch Irax, Inouk und Indra, die sich geben, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als diesen Ring auszuschlabbern. Fianna und Hedda üben sich derweil in Geduld; sie bekommen anschließend den Rest aus der Rührschüssel und dem Ring, den sie gemeinschaftlich mit den Idefixen blank polieren. Ja, auch Hedda, überwindet sich, zieht dann aber doch die Rührschüssel vor. Gut Ding ist schon viel besser geworden, will aber immer noch ein bisschen Weile haben.
Das sieht alles schon sehr schön aus mit den Idefixen, am schönsten ist aber, dass Fiannas leidende Zitze wieder völlig gesund und einsatzbereit ist.
Freitag, 15.03.2019
Heute laufen wir in richtiges Sturm- und Regenwetter hinein. Es ist zwar mittags wärmer als gestern, aber viel nasser und vor allem noch viel stürmischer. Und das soll, wie man hört, noch längst nicht alles sein. Der Wetterbalg hat noch Körner im Sack, die er uns um die Ohren blasen möchte. Und jetzt vergeht auch den fröhlich odelnden Bauern das Lachen, denn Lukretia feucht, Kornsäcke leicht. Ja, wurscht, sagt da der bayerische Milchbauer lakonisch, was interessieren mich die Kornsäcke; das Gras wächst auch bei Sintflut. Aber nicht, wenn die Böden steinhart gewalzt sind, dann wachsen bei anhaltendem Lukrezia-Wetter bald Seerosen auf den Wiesen, schön anzusehen, aber wohl nicht das erhoffte Rinderfutter.
Isi mit Mama im vertrauten GesprächNun wollen wir wissen, wie sich die gestrige Ringfütterung auf die Taillen der Idefixe ausgewirkt hat und sind sehr zufrieden. Wir arbeiten uns zur Abwechslung mal von oben nach unten durch, und oben steht, wer hätte das gedacht?, Irax, der als erster Vierpfünder gelistet werden kann: 2030 g (+50). Ihm folgt in weitem Abstand Iltschi: 1830 (+110); ihm scheint die Restaurant-Variante gut zu tun und zu munden. Iberl belegt mit 1780 g den dritten Platz (+40). Ilmo (+110) und Isi (+40) teilen sich den nächsten Platz mit 1730 g. 1690 g (+90) bringt Inouk auf die Waage – und Ignaz ist nicht mehr der Letzte, jedenfalls nicht der alleinige Letzte: Er hat mit satten 90 g plus zu Indra (+40) aufgeschlossen. Beide melden 1620 g. alle zusammen haben 570 g aufgelastet und machen einen kerngesunden Eindruck.
IgnazIgnaz ist tatsächlich ein richtig stämmiges und kompaktes Kerlchen geworden, weil er sich auch mit Vergnügen den neuen Essgewohnheiten hingibt. An Mamas Bar wird er manchmal schon ein wenig weggerempelt, aber am Ring kann er sich ein wenig besser mit den Hinterbeinen einstemmen und seinen Platz verteidigen. Ilmo ist eher das Gegenteil von Ignaz: Er zieht das Muttibräu vor, die neue Art von Rittergelage behagt ihm gar nicht. Er verweigert sich nicht, aber verlässt den Ring, sobald er das erste Sättigungsgefühl verspürt.
Da muss er jetzt durch, denn mittags und abends geht es wieder mit allen
Nachschlag für Iberl und Iltschianderen in den Ring. Was gestern noch mit der Frage behaftet war: Was ist das, was soll das, wie geht das?, ist mittags schon ziemlich gut beantwortet und abends bereits zur Selbstverständlichkeit geworden: Sie hocken und schlabbern, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Vor allem die beiden Damen neigen zu sehr rustikalen Tischsitten, indem sie einmal im Kreis durch den Ring panzern. Dementsprechend verklebt kommen sie anschließend aus dem Gelage. Aber sogar Ilmo wird langsam lockerer und findet sich mit der Ellenbogenbar ab. Aber nie würde er auf die Idee kommen, sich wie eine Sau durch den Trog zu schieben. Das ginge wirklich zu weit.
Zwischen den Mahlzeiten üben sie engagiert fürs Leben. Isi trainiert mit Leidenschaft und ausdauernd den gestern entdeckten Galopp und rammt schon mal einen Schläfer beiseite, alle zusammen bemühen sich intensiv
Iraxum den Spielwarenpark, obwohl ihnen noch die Kraft zu bemerkenswerten Aktionen fehlt. Aber am Ohr des Krokodils knabbern geht, vermutlich weil es sich vom Ohr eines Geschwisters kaum unterscheidet. Inouk macht Kilometer und ist eine ständige Gefahr für uns, also genau genommen ist er ein fröhlicher Selbstmörder. Irax legt sich gern mal mit Isi an, die ihm dafür auf die Ohren haut und Ignaz muss sich am laufenden Band unter einem Geschwisterhaufen herausarbeiten, unter den er geraten ist. Iltschi ist auch ein ewig Präsenter und Allgegenwärtiger, vor allem aber ist er überall dabei; wo ein Fass aufgemacht wird, jubelt er "Oans, zwoa, g'suffa". Sie sind eben alle neugierig, richtig pfiffig und beginnen langsam, unser seelisches Gleichgewicht auf die Probe zu stellen. Und Fianna hält ihren Bauch hin (jetzt schon häufiger im Sitzen) und leckt mit stoischem Pflichtbewusstsein die Lachen ihrer Kinder auf. Manchmal haben wir den Eindruck, dass sie gegen unsere tätige Mithilfe nichts einzuwenden hat. Ist ja auch ein anstrengendes Leben als Mutter von acht kleinen Nervensägen.
Samstag, 16.03.2019
Es stürmt und stürmt und stürmt. Allerdings hält sich der Regen sehr zurück. Nach den Orkantiefs Bennet und Eberhard haben wir es nun mit Heinz und Igor zu tun. Schön, dass sich letzterer wenigstens an die aktuelle Nomenklatur des Blues hält und ein I seinen Namen anführt. Darin können aber nur wir ein bisschen Trost finden, alle anderen haben zu Recht langsam die Nase voll von diesem stürmischen Frühjahr. Nachmittag ist Igor dann weiter gezogen, vielleicht nach Russland zu Väterchen Frost, und hinterlässt einen sonnigen Bayernhimmel mit bis zu 18 °C. Da sich auch im Laufe des Tages keine Wolken mehr finden lassen, die unseren Nachthimmel wärmen könnten, rutscht das Thermometer nachts wieder auf unter 0 °C ab. Macht nichts, nachts darf es schon noch ein bisschen kühlen, aber für die kommenden Tage hätten wir schon gerne ein bisschen Blau und Wärme für die Freiluftsaison der Idefixe. Mit der andauernden Käfighaltung sollte es nämlich allmählich ein Ende haben.
Der Welpenparcours entstehtWir nutzen das freundliche Wetter zum Aufbau des Welpenparcours im Garten. Mit von der Partie ist wieder das erfahrene und zuverlässige Hiasl-Team, also die Wasserträger und Nachlassverwalter von Heddas Bruder Hias, der nur einen Kilometer Luftlinie entfernt Hof hält. Erst wird der noch nicht aus der Dachkammer befreite Rest des Welpenkrams
... und stehtgeholt, also alle Parcours-Utensilien und Spielzeug. Dann wird der Zaun gebaut und gleichzeitig die Idefixe in den Garten gebracht. Die sollen sich ruhig anschauen, welchen Aufwand wir ausschließlich für sie betreiben, von dem, was sie letztlich von unserem Garten übriglassen werden, wollen wir schon mal gar nicht reden. Nach vier Wochen und unter 32 Welpenbeinen (alle anderen vier- und zweibeinigen Besucher und Mitbewohner unberücksichtigt), könnten wir uns veranlasst sehen, einen neuen Rasen auszubringen. Wir werden diese Erwägungen gegebenenfalls noch rechtzeitig in die Preiskalkulation für die Welpen einfließen lassen.
Das Transit-Team im EinsatzDas Welpenparadies ist nicht ohne den weithin bekannten Blues-Transit denkbar, der das Welpenhabitat Küche mit dem Gartenparadies so verbindet, dass der dazwischen liegende Wohnbereich den hin- und herziehenden Vandalen, vor allem deren Zähne und Ausscheidungsorgane, nicht zum Opfer fällt. So zerschneidet der Transit unser Wohnzimmer in einen Ess- und einen Lümmelbereich wie eine bayerische Autobahn ein einstmals zusammenhängendes Biotop. Der Unterschied zwischen ihr und unserem Transit ist der, dass die bayerische Bürokratie für die Überwindung der Autobahn gelegentlich Unterführungen oder Wildbrücken einplant, was in unserem Fall nicht
Der Transit ist einsatzbereitgenehmigt wurde, weshalb uns nun vier Wochen Steigegymnastik über 50 Zentimeter hohe Hürden bevorstehen, so eine Art Family-Stepping. Wer als behauptet, Welpenaufzucht erschöpfe die Substanz der Züchter und brächte sie an ihre physischen Grenzen, unterschlägt die leistungssteigernden Wirkungen solcher Übungen. Zumindest gilt das für den Blues. Andere sollten sich dann eben auch einen Transit zulegen, anstatt ihren körperlichen Zerfall zu beklagen. Bestimmt werden auch wir nach den acht Wochen den Strapazen Tribut zollen müssen und in einen tagelangen Tiefschlaf fallen, dabei allerdings so geschmeidig sein, dass wir den alle zusammen in der Schnullerbox zubringen könnten.
Fast zwei Stunden sind die Idefixe jetzt im Garten, begutachten unsere Bemühungen um den Aufbau ihres Freigeheges, wackeln ein bisschen herum, halten ihren Aktionsradius noch sehr beschränkt. Einerseits ist natürlich alles noch sehr fremd hier und will erst entdeckt werden, andererseits sind die gemessenen 17 °C nachmittags nur gelegentlich zu verspüren. Wenn Wolken sich vor das Welpenparadies schieben, fühlt es sich erheblich frischer an, weswegen sie sich in einem Korb oder bei den Menschen zusammenrotten und Wärme austauschen. Früher haben wir anfangs meist nur einen kleinen Teil des Gartens für die Kinder bereitgestellt, weil deren Radius sowieso sehr eng ist, aber seit dem letzten Wurf wird er sofort komplett aufgebaut, um nicht ein zweites Mal an die Arbeit zu müssen. Aber dafür ist die ganz große Freiheit eben im Moment noch zu übermächtig für die kleinen Entdecker. Es wird ja eh nicht lange dauern, bis sie sich das alles untertan gemacht haben werden.
Inouk am TrockenfutterpüreeHeute Vormittag wird der Speiseplan ein weiteres Mal erweitert, und zwar um püriertes Trockenfutter. Das Trockenfutter wird in Wasser eingeweicht, püriert und mit einem Esslöffel Ulmenrinde angereichert. Ulmenrinde unterstützt den Magen- und Darmtrakt und soll bei der Gewöhnung an die verschiedenen neun Reize jenseits der Muttermilch einen Durchfall verhindern. Bisher haben wir damit beste Erfahrungen gemacht. Den Idefixen ist das neue Angebot, mit oder ohne Ulmenrinde, sowieso erst einmal suspekt, was allerdings nur wenige Sekunden anhält, dann, nach dem ersten Abtasten und Reinschmecken, hauen sie sich voll wie die Landsknechte und kommen sofort damit klar. Vor allem Ignaz zögert anfangs beharrlich, gibt dann aber so Gas, dass er am liebsten noch einen Nachschlag bestellen würde.
Diese Umstellung ist also auch gelungen, jetzt müssen wir noch die Stoffwechselendprodukte abwarten – und eine Wasserschale bereitstellen. Die Flüssigkeit über die Muttermilch reicht jetzt nicht mehr aus. Indra ist die Erste, die sich mit dem Wasser beschäftigt und auch gleich weiß, was man damit tun kann. Und schon züngelt sie hinein.
Was das Trockenfutter für die Gewichtstatistik bringt, werden wir morgen wissen, heute gilt es zu überprüfen, wie sich die Milchgabe gestern aus dem Ring ausgewirkt hat. Möglicherweise lassen die Gewichte auf das Sozialverhalten an der Gemeinschaftstafel schließen. Der erste Blickfang ist der Gesamtumsatz: 660 g. Der zweite Blick fällt auf Isi: 200 g! Das könnte in die Kategorie Sozialschmarotzer einzusortieren sein, weil sich demnach sieben Geschwister mit 450 g bescheiden müssen. Also von oben nach unten in der Auflastungstabelle: Isi 200 g (1930). Damit ist sie wieder auf den zweiten Rang gerückt. Iberl folgt mit Anstand und 120 g (1900), dritter Rang. Inouk genehmigt sich 100 g (1790), sechster Rang. Somit bleiben für fünf Idefixe noch 240 g übrig; das sieht alles nach Nahkampf im Ring aus. Von diesen 240 g nimmt sich Ilmo 90 g (1820), fünfter Rang, und Indra zweigt sich 80 g ab (1700), siebter Rang. Der Rest verteilt sich auf Iltschi
Auf einem leeren Drehtablett nimmt sogar Irax nicht zu(+50, 1880), vierter Rang, und die beiden Schlusslichter mit jeweils 10 g: Irax (2040, 1. Platz) und Ignaz (1630, 8. Platz). Dass Ignaz nach seiner zögerlichen Annäherung nicht zum König des kalten Büffets werden würde, war klar, aber Irax' Zurückhaltung muss uns entgangen sein. Kein Tag ohne Überraschungen. Isis Ringexzess ist optisch unübersehbar, denn sie nimmt allmählich die Form eines Ritter Sport-Riegels an: quadratisch eben und rotiert jetzt wie ein kleiner Kugelporsche durchs Revier. Gute Güte, wenn die so weitermacht, müssen wir sie doch auf Fastendiät setzen. Doch bei genauer Betrachtung ist sie nur proper, keinesfalls adipös. Das verwächst sich mit der Pubertät.
Bei seiner Nachmittagsrunde schaut Heddas Bruder Hias noch kurz herein und stürzt sich, ganz anders als Hedda und Halina, mit schierer Freude auf die Idefixe, spielt sie an, quietscht und bellt um sie herum, schiebt sie mit der Nase durch den Garten, hat Sternchen in den Augen und würde am liebsten alle einpacken und mitnehmen. Der Hias, ein Halbruder und guter Onkel, wie man ihn sich wünscht.
Aber nun ist für heute wirklich genug geboten gewesen. Nach so vielen Abenteuern fallen alle zusammen in einen traumlosen Schlaf. Kaum einer zuckt und hickert. Es ist ziemlich still diese Nacht im Idefix-Habitat.
Sonntag, 17.03.2019
Sonniger Gertrudentag, Freud’ dem Bauer bringen mag. Und weil wir keine Bauern sind, aber Hausgärtner, freuen wir uns über: Ist Gertrud sonnig, wird’s dem Gärtner wonnig. Denn es ist ein sonniger Gertrudentag heute, der sich bis zu 17 °C aufschwingt. Ein wenig Unsicherheit macht sich allerdings breit, weil wir morgens -2 °C messen und der Hundertjährige postuliert: Friert’s an Gertrud, der Winter noch vierzig Tage nicht ruht. Kann Freud und Leid so nah beisammen liegen? Wir lehnen das ab und legen fest, dass mit Tag auch Tag gemeint sein muss und nicht der nächtliche Morgen oder die morgendliche Dämmerung. Alles, was recht ist! Wo kämen wir da hin?
Morgens, in der Dämmerung, als uns wegen der Temperaturen noch vierzig Tage Winter drohten, weckt uns Fianna, weil sie zu ihren Kindern will. Sie schläft nun ja wieder fest bei uns, aber morgens treibt es sie hinab, allerdings geht das nicht alleine: Frauchen muss mit. Mit ihr nach dem Rechten sehen. Loben und Pfötchen halten. Doch Frauchen bittet um gnädigen Aufschub, der ihr gewährt wird, allerdings nur etwa zehn Minuten, dann wird die Habitatsinspektion unumgänglich. Frau Chefin torkelt mit ihrer Mutterhündin in die Küche, und sie stellen gemeinsam fest, dass es keinen Grund zur Inspektion gegeben hätte, weil hier alles in bester Ordnung ist, die Kinder still und protestfrei in der Box schlummern, besser: schlummerten. Denn jetzt sind sie wach und bestehen auf Beachtung, Freilassung und ein erstes Frühstück. So beginnt dieser Gertrudensonntag – nicht jedoch für den Assi, der nicht gebeten wurde, nicht gemeint war und deshalb abwartet, bis die Temperatur über Null ist und baldigen Frühling im Gepäck hat. Die beiden erledigen das da unten schon ohne ihn. Nicht lange ist ihm diese Abstinenz vergönnt, aber in diesen Zeiten ist jede Minute mehr wertvoll.
IlmoSein erster Blick fällt auf die Gewichtstabelle, weil er natürlich auf die Erfolge der Trofu-Fütterung neugierig ist. Und was er sieht, ist eine Explosion, die keine Mutterhündin leisten könnte: 910 g! Lassen wir einfach die Kiloparade kommentarlos an uns vorüberziehen und beginnen beim Anführer Irax. Irax 2150 (+110), Iltschi 2100 (+220), Isi 2040 (+110), Iberl 2010 (+110). Iltschi, Isi und Iberl haben damit auch das Vierpfünder-Abzeichen erworben. Ilmo 1900 (+80), Inouk 1870 (+80), Indra 1770 (+70) und Ignaz 1760 (+130). Es steht außer Frage, dass das Trockenfutterpüree allseits gut ankommt, und auch Ignaz voll überzeugt ist, während Ilmo noch der einzige ist, der ein wenig fremdelt und sich vielleicht eher über ein Kindermenü bei McDonald's freuen würde. Aber der Futterneid drückt es rein und wird ihn auch schnell überzeugen.
Erstens, um dieser Überzeugung ein wenig Nachdruck zu verleihen und zweitens, weil die Darmauslieferungen der Idefixe geradezu beispielhaft fest und wohlgeformt sind, zögern wir nicht, morgens gleich wieder auf das Trockenfutterpüree zu setzen, das nun schon auf große Begeisterung stößt. Bedrohte Hungerhaken wie Isi sorgen für ausreichenden Kaloriennachschub, indem sie sich wie ein Panzer einmal durch den Ring arbeiten und ihre Geschwister vom Trog kicken. Andere liegen quer über der Schale, die Hinterbeine auf ihrer Ausgangsseite, Vorderbeine und Nase auf der Gegenseite in der Pampe. Nun ja, an den Tischsitten müssen wir noch arbeiten.
Da man jeden schönen Tag nutzen sollte, steht heute natürlich wieder Freigang auf dem Programm, zumal die Prognosen für die nächsten Tage nicht viel Gutes ahnen lassen. Doch stellen immer noch die Terrasse und das darauf befindliche Bett den Rahmen der Idefix-Mobilität dar; viel weiter wagen sie sich nicht hinaus, einzelne gelegentlich, aber sie sind schnell wieder zurück. Erst einmal, so die Devise, Terrasse abspeichern, dann Kreise ziehen, denn der Fluchtpunkt muss für alle Fälle eine sichere Bank sein. Wenn man sich im Ernstfall erst zurechtfinden muss, ist es für die Orientierung zu spät. Sie sind also nicht feige, die Idefixe, sondern höchst klug. So läuft das hier noch alles sehr moderat ab, keine Hektik, kaum Kämpfe, wenn dann nur Kämpfchen, kein Akustikterror, sondern herum stapfende, sich orientierende, auf den Arm genommene oder schlafende Zwerghovis. Ein kleines Idyll, das es zu genießen gilt.
Klug verhalten sich die Kleinen auch bezüglich ihrer Ausscheidungslogistik, denn kaum dass der Transit ein Teil ihres Lebensraums geworden ist, allerdings der, im Vergleich zu Küche und der Terrasse, am wenigsten genutzte, wird er von den Idefixen umgehend zur Sanitäranlage erkoren, was wieder einmal belegt, dass ein Hund, der die Möglichkeit hat, sich von seinem Lager zu entfernen, seine Notdurft möglichst weit entfernt verrichtet. Durchgängig kriegen sie das allerdings nicht hin, weil sie, wie alle Kinder, oft genug von ihrem Darm oder ihrer Blase überrascht werden und dann eben dort liefern, wo sie gerade sind.
Damit muss man sich abfinden, obwohl man von idealen Verhältnissen selbstverständlich träumen darf. Ideal sind die Idefixe nicht, aber unwiderstehlich.
Montag, 18.03.2019
Heute endet die Nacht um 3:30 Uhr, weil Fianna zum Zählappell in die Küche stapft, alle Kinder weckt, damit sie auch keines übersieht, ihnen dann auch noch ein Spielzeug aus der Schnullerkiste klaut, was die schlaftrunkene Bande zu Recht empört. Dann stapft sie wieder ins Schlafzimmer, lässt sich schwergliedrig halb auf ihrer Beute
Herzliche Morgenbegrüßungnieder und macht wieder Bubu. Außer ihr sind jetzt vermutlich alle im Haus wach. Der Protest in der Küche schaukelt sich auf und hört nicht mehr auf. Fianna hütet schläfrig ihr entwendetes Spielzeug, offenbar ohne schlechtes Gewissen und ebenfalls ohne jegliche Absicht, diesem Treiben ein Ende zu machen. Was taugt ein so viel besseres Gehör des Hundes, wenn es offenbar gegen Lärm immun ist? Das Hoffen auf ein schnelles Ende ist jedenfalls vergebens. Kurz nach 4 Uhr schließen wir die Schlafzimmertür. Fianna lässt das völlig kalt, sie hat ihr Mamaprogramm für heute schon absolviert, und Hedda ist sowieso froh, wenn sie möglichst wenig von denen da unten mitbekommen muss. Wir müssen einsehen, dass es mit dem nächtlichen Einschluss langsam schwierig wird. Lange machen die das nicht mehr mit.
Fianna kümmert sich um das Wohl ihrer KinderAuch tagsüber schleppt Fianna jetzt dauernd Spielzeug herum, das sie ihren Kindern unterjubeln will, Krokodil, Waschbär, Eselskopf, die aber haben keinen Sinn für ihre Offerten und zeigen nun ihr, wahrscheinlich als Retourkutsche, die kalte Schulter. Mütter und ihre Kinder... Und Übermütter erst!
Es ist an der Zeit, sich wieder der körperlichen Entwicklung der Idefixe zu widmen, für die mentale scheint ja Fianna ihre, nicht immer, erfolgreichen Methoden zu haben. Ilmo wäre da zuerst zu erwähnen, weil er offenbar noch immer nicht ganz mit dem Trockenfutter an der Gemeinschaftstafel warm werden will. Er verweigert jeglichen körperlichen Aus- und Anbau und verharrt auf seinen 1900 g (0). Irax ist nach seinem Diättag vorgestern wieder voll in der Spur: 2280 g (+130). Iberl lässt sich auch nichts nachsagen: ebenfalls 130 plus (2140). Und auch die anderen mischen mit: Isi 2130 (+90), Ignaz 1850 (+90), Inouk 1950 (+80), Iltschi 2170 (+70) und Indra 1840 (+70). Das mach zusammen wieder einmal 660 g. Wohlgenährt sehen alle aus, und auch Ilmo hat keine eingefallenen Bäckchen.
Schön langsam müssen wir von den bestrahlten Gipfeln des reinen Kinderglücks hinabsteigen ins Tal und uns den beschwerlichen Mühen der Ebene stellen, wie man so sagt. Wenn der Assi von seiner Einkaufstour (Eier, Eier, Eier, Hüttenkäse, Quark, Klopapier sind die Megarenner auf dem Einkaufszettel), nach Hause kommt,
Indra kümmert sich schon mal ums Wischtuchverstaut er nicht, wie gewohnt, die Einkäufe, sondern ist mindestens 20 Minuten mit den Erledigungen der Welpen beschäftigt, die bei seiner Ankunft alle auf einen Schlag wach werden, ihn mit Hurra begrüßen – und aus allen Rohren drücken und liefern. Zwischen den Verrichtungen wird nach Herzenslust gerangelt und gerannt, und da kein Assi (noch nicht mal eine Chefin) überall gleichzeitig sein kann, verteilen sich die Lieferungen ganz schnell flächig und großräumig. Die Mutter beteiligt sich zwar weiterhin an der Beseitigung der flüssigen Lieferungen, aber auch sie kann nicht so schnell lecken, wie ihre Kinder nachliefern. So geht es dahin, das soeben gekaufte Klopapier für die festen Lieferungen. Und die Handtücher für die Flüssigkeiten stapeln sich auf der Kellertreppe für die Wäsche. Es ist jetzt schon langsam ein ganz schöner Saustall. Die Kleinen stört dieses Hin und Her überhaupt nicht, im Gegenteil, sie stören mit, wo immer sie können. Sie setzen sich auf den Wischlappen, sie beschäftigen sich mit dem Klopapier und zählen, ob es noch alle Blätter auf der Rolle hat, sie stehen dem eifrigen Assi auf den Füßen, damit er nicht so schnell vorankommt, sie folgen ins Klo und machen an der engsten Stelle einen Stau, damit die draußen genügend Zeit haben, sich zu entfalten. Als Alleinix unter acht Querschlägern hat man jetzt große Mühe Haltung zu bewahren und den Workflow nicht aus den Auge zu verlieren. Nur Irax hat das Potential, den Contenance-Verlust zu provozieren, weil er bei jeder Gelegenheit dem Assi am Hosenbein hängt und wissen will, wer länger kann. 2280 g haben schon eine beachtliche Zugkraft. Und das alles geht jetzt erst los. Die Ebene wird noch ganz schön beschwerlich. Aber die frohe Botschaft ist, dass die Idefixe immer noch erstklassige Ausscheidungen um den Assi herum verteilen, fest und wohlgeformt, was die Beseitigung erleichtert und das Herz erfreut. Sofern sie nicht unter die 32 Beine geraten sind.
Das alles ist sehr erfreulich und macht auch die Mühen der Latrinenebene beherrschbar, nur der Frühling, der will noch nicht mitspielen. Wobei: Im Grunde sind wir sogar schon im April, denn draußen tut der März, wie der April immer will. Es saut herum, Schneeschauer treiben durchs Tal, dazwischen gönnt sich auch die Sonne einen Blick in den Augiasstall des Blues. Vielleich ist das der Grund, warum sie lieber die Wolkenstores vorzieht. Ist ja auch gar zu gruselig dort. Und irgendwie anrüchig.
Dienstag, 19.03.2019
Diese Nacht schließen wir die Tür im 1. Stock um 2 Uhr, weil Fianna ihre Welpenvisite vorzuverlegen versucht. Das geht nun wirklich zu weit. Um dringliche Erledigungen scheint es sich dabei nicht zu handeln, denn nach dem Verschluss legt sie sich wieder hin und wir haben Ruhe bis 5:30 Uhr.
Draußen zieht der märzliche April langsam weiter, wobei die Betonung auf langsam liegt. Noch immer treiben gelegentliche Schnee- und Graupelschauer durchs Land, aber die Wolkenlücken und gar sonnigen Abschnitte nehmen deutlich zu. Was bedeutet das nun für unsere Jahresprognose? Heute feiern Joseph und Sibylle ihren Namenstag, und bezüglich der Sibylle erinnern wir uns an den 11. März, der uns prophezeite: Bringt Rosamunde (11. März) Sturm und Wind, so ist Sibylla uns gelind. An Rosamunde hatten wir ein noch mieseres Sturmwetter als heute, weswegen wir auf eine sehr gelinde Sibylle hoffen durften. Und was nehmen wir heute zu Protokoll? Eine stürmisch-ungestüme Sibylle, nicht so zauselig wie die Rosamunde, aber ganz bestimmt keine gelinde. Nichts als fake news der alten Systemmedien. Was den Josef angeht, müssen wir auf die Überprüfung seiner Glaubwürdigkeit noch ein bisschen warten: Josephi klar, ein gutes Jahr. Von klar kann schon mal keine Rede sein, bestenfalls von einigen klaren Momenten. Wir werden sehen und hoffen in diesem Fall inständig auf die systemischen fake news. Lügen können im richtigen Zusammenhang ausgesprochen wünschenswert sein, oder?
Die gestrigen Trockenfuttergaben haben voll ins Kontor gehauen, so voll, dass sogar der zögerliche, aber immer mehr auf den Geschmack kommende Ilmo wieder Pausbäckchen bekommt, weil bei 840 g Zuwachs selbst ein langsamer Futterer genug abbekommen muss. Heute haben dafür Iltschi und Iberl einen Diättag eingelegt. Kurz, knackig und ohne Kommentar: Irax 2470 (+190), Isi 2260 (+130), Iltschi 2170 (0, ?), Iberl 2160 (+20), Inouk 2140 (+190), Ilmo 2050 (+150), Indra 1930 (+90) und Ignaz 1920 (+70).
Fianna säugt jetzt überwiegend stehendBei so vielen und reichhaltigen Restaurantgängen werden Fiannas Dienste immer weniger gebraucht, allerdings immer wieder eingefordert, was sie gelegentlich mürrisch macht, weil sie nicht mehr viel zu liefern hat und die Bande sie ziemlich malträtiert. Deswegen säugt sie praktisch nur noch im Stehen, weil sie dabei mehr Kontrolle über das Geschehen unter ihr hat und die Tafel sofort aufheben kann, wenn es ihr zu heftig wird. Einen Idefix, dem die neuen Tischsitten noch nicht geläufig sind, schickt sie ganz schnell in die Büßerecke, wo er sich lauthals, aber unbeachtet von allen beschweren kann. Fianna will definitiv keine Spinnenmutter sein, die, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, von ihren Kindern ausgeweidet wird.
Gekochtes Hühnchen mit ReisHeute
Drunter und drüber Nachmittag gibt es die erste richtig feste Nahrung, denn das Trockenfutter wird ja als Brei angeboten. Was heute im Ring liegt, ist ein einstmals glückliches, jetzt aber gekochtes Hühnchen aus dem Allgäu. Als Sättigungsbeilage reichen wir gekochten Reis, angereichert wieder mit Ulmenrinde. Sollte es uns wundern, dass so ein Huhn eine beträchtlich höhere Anziehungskraft hat als eine nahrhafte Spachtelmasse? Nein, sicher nicht. Die Idefixe hauen rein, als ob es kein Morgen gäbe. In der Futterschale geht es nun im Wortsinne drunter und drüber.
So wie sie sich am Esstisch ausleben, genießen sie ihr Leben auch jenseits der Mahlzeiten in vollen, aber noch immer recht kurzen, Zügen, dann rotten sie sich wieder zu einem Fellhaufen zusammen und verarbeiten das Erlebte im Schlaf. Wenn sie allerdings nicht ruhen, geben sie auch keine Ruhe, sind überall, und weil es acht sind, tatsächlich überall, folgen uns auf Schritt und Tritt, tauchen plötzlich aus dem Nichts auf, legen den Betrieb lahm und zwingen uns zu gewagten Balanceakten. Wenn wir die Glastür zum Eingangsbereich schließen und Fianna draußen bleibt, können sie sie schon sehr präzise orten und starren sie durch die Glastür an. Wenn in der Tür nur die Sperre eingepasst ist und Mama dahinter liegt, sitzen sie auf der anderen Seite oder versuchen sogar an der Sperre hochzusteigen, um nach Mama zu sehen. Das sind sehr beeindruckende kognitive Leistungen, und dabei haben wir noch vier Wochen dieser rasanten Entwicklung vor uns. Gut dass wir aus Erfahrung wissen, was sie für uns noch alles bereithalten werden. Überraschen werden sie uns (wahrscheinlich!) nicht.
Indra, kommt offenbar sogar bei Hedda gut an Während der gestrengen Mutter bei Ilmo immer wieder mal die Hand ausrutscht, obwohl er in unseren Augen ein ausgesprochen liebes und leutseliges Kerlchen ist, allerdings auch ein bisschen naseweis, was Mamas Kontrollinstanz aktivieren könnte, ist Indra Fiannas Herzenswanze, die es immer und immer wieder schafft, sich an sie anzuwanzen. In all unseren Würfen hatten wir solche geschickten Kindern, die es im Gefühl haben, wie man die Mama betrillern muss, damit ihr Radar und ihre Sprengfallen abgeschaltet werden. Während andere bei den gleichen Versuchen in ein kurzes, aber markantes Sperrfeuer geraten, schaffen sie es durch die Linien und kuscheln sich an Mama, die ihnen dafür auch noch das Hinterteil massiert. Was die haben, was die anderen nicht haben, ist uns seit jeher ein Rätsel geblieben, zumal kein einziges der Kinder verhaltensauffällig wäre. Es sind vier Wochen alte Welpen, die die Welt erkunden, doch für manche hat die Welt einen warmen Bauch, für der Mehrzahl einen Drachenhauch. Dabei haben wir auch nie die Erfahrung machen müssen, dass diese bevorzugten Kindern verzogen wären oder sich anders, im Sinne von nachteilig, entwickelt hätten; es wurden immer alle typische Anouk-, Franzi- und Fiannakinder. Indra ist also von den Idefixen das Herzwänzchen (was nicht heißt, dass sie sich darauf bis zum Ende ihres Aufenthalts beim Blues verlassen kann), alle anderen werden von Fianna nach den Regeln der Zunft liebevoll, aber streng erzogen. Wie wir von Fianna und ihren Vorgängerinnen wissen, ist diese Schule eine erstklassige Vorbereitung für ein Leben als verträglicher und arttypischer Hovawart. Die wenigen Fälle, in denen diese Erziehung scheiterte, ist definitiv nicht den Müttern, sondern den neuen Herrschaften anzulasten. So weit reicht nicht einmal der Drachenhauch einer erbosten und besorgten Mutter, um dies zu verhindern.
Irax, fast immer im BetriebsmodusNach vier Wochen könnte man schon mal eine kleine Analyse der Idefixe wagen, aber wir tun uns diesmal wirklich schwer: So groß sind die Unterschiede nicht. Der Trupp ist ziemlich homogen. Inouk und Indra sind vielleicht die auffälligsten Dauerläufer und Adabeis, Indra die interessierteste Fersenkneiferin, außerdem lieg sie sich schon mal gern mit ihrem grünen Bruder Irax in den Haaren, wobei man nie weiß, wer das Huhn der Rangelei ist und wer das Ei. Irax vergreift sich gerne mal an Isi, die ihm dafür eine Linksverdrehte zwischen die Hörner gibt, weil ihr seine anderen empfindlichen Stellen vermutlich noch nicht bewusst sind. Ilmo und Iltschi sind ziemlich wissbegierig und in ihrem Forscherdrang gelegentlich auch penetrant, was zumindest bei Ilmo zu den schon erwähnten Erziehungsmaßnahmen
Isimütterlicherseits führt. Ignaz ist wahrscheinlich der geborene Herzensbrecher und für seine körperlichen Nachteile erstaunlich respektlos mitten im Getümmel. Und Iberl ist wieder eines jener Exemplare, die nie großartig auffallen, aber bei genauem Hinsehen trotzdem nie fehlen, wenn zum Halali geblasen wird. Es ist eben wie im richtigen Leben: Es gibt die Auffälligen und die scheinbar Unsichtbaren, die brodelnden Schluchten und die stillen Wasser, aber wer schon mal im scheinbar totenstillen Wasser des Alderney Race in der Nordsee versucht hat, sein Schiff auf Kurs zu halten, weiß, welche Kräfte direkt unter der Oberfläche wirken. Nein: Die sind wirklich alle auf ziemlich gleichem Niveau, der eine macht mehr Bohei und der andere lässt Tatsachen sprechen. Und morgen ist sowieso schon wieder alles anders.
Die Chefin meint, die Idefixe seien die liebsten Kinder, die wir je hatten. So süß wären noch keine gewesen. Die können wir nicht abgeben. Die Wahrheit ist: Das hat sie in der 4. Woche immer aus Überzeugung gesagt, und lieb waren auch all die anderen. Wie man weiß, haben auch sie alle (Ausnahmen Fianna und Hedda) ihre Kinderstube verlassen. Es wird alles seinen bekannten, teils schmerzhaften, Weg gehen. Aber jetzt feuern eben die Herzkammern so sehr Stakkato, dass jeder Kardiologe seinem EKG-Gerät ein Notstromaggregat spendieren würde, um für alle Fälle gewappnet zu sein.
Doch bei all diesen Betrachtungen mit Herz und Seele, geht das gewohnte Leben beim Blues weiter, das heißt: Es fängt gerade wieder richtig an. Im konkreten Fall dürfen heute Abend Fianna und Hedda nach Schnee und Matsch und den Beeinträchtigungen durch die Idefixe wieder eine Fährte suchen. Es ist schon dunkel und die Fährenchefin braucht eine Hirnbirn, dass sie nicht vom Weg abkommt, aber die beiden suchen wie Schnüffelautomaten, die brauchen kein Licht, nur Begeisterung und Sehnsucht, endlich wieder suchen zu dürfen. Wieder zurück, werfen die Augen der Chefin fast so viele Sternchen wie bei der Betrachtung der Idefixe: Beide haben im ganz hohen Vorzüglich gesucht. Ein paar Kinder und ein Winter können nichts kaputt machen. Fahrradfahren verlernt man auch nie. Und wenn man sich einen Winter lang auf die erst Ausfahrt gefreut hat, macht sie besonders viel Spaß.
Die Halbzeit haben wir nun geschafft. Jetzt beginnt die Hauptzeit und die Endzeit. Wir hoffen auf gutes Wetter, stabile Nerven und eine stabile Gesundheit der Idefixe.