3. Woche (06.03.2019 - 12.03.2019)

Aschermittwoch, 06.03.2019

Der Aschermittwoch kommt sehr frisch und wolkenlos in die Gänge: -2 °C. Später legt er seine frostige Attitüde ab und schwingt sich zu sonnigen 15 °C auf. Ob der Hundertjährige nun recht hat oder nicht, lässt sich aus diesen Temperaturen nur schwer vorhersagen: Um den Tag des Fridolin, da zieht der letzte Winter hin. Wir wollen es hoffen, glauben aber noch nicht so recht daran. Ein kleines Säckchen Schnee oder zumindest ein bisschen Frost hat er bestimmt noch für uns übrig.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, singen die ermatteten Pappnasen, und meinen damit das närrische Treiben, dem sie nun entsagen müssen. Am Aschermittwoch geht es los, predigen die Westchristen und meinen damit die 40-tägige Fastenzeit bis zum Karsamstag. Je nach Interessenlage kann man das eine bejubeln und das andere beklagen. Unsere Interessenlage wäre, dass sich Fianna weder an das eine noch das andere hält: Wir halten es mit Kinderfasching bis zum 16. April, wenn wir die Idefixe aus dem Paradies verjagen und bitteschön keine Fastenzeit, sonst müssen wir die Bande nicht verjagen, weil sie uns vorher schon davongeflogen wäre. Dem Augenschein nach denkt Fianna nicht daran, uns und ihren Kindern christlich-karnevalistisches Brauchtum zuzumuten und versieht ihren Dienst wie bisher. Ein Blick auf die kalorische Tagesbilanz des Faschingsdienstag mag dies bestätigen.

Irax legt 60 g zu und beschließt seine Regentschaft als "Seine Tollität Irax I." mit 1350 g. Es ist anzunehmen, dass ihm der Sinn auch weiter nach Führungsanspruch und kaum nach Fastendiät steht. Die tolle Partnerin an seiner Seite, Prinzessin Isi I., folgt ihm getreulich durch Dick, weniger durch Dünn, und gibt das Zepter bei einem Fasnachtsendgewicht von 1220 g (+50) ab. Die närrischen und nun arbeitslosen, aber ehrgeizigen IgnazIgnazHofschranzen und Kratzfüße heißen Ilmo, Inouk und Iltschi, alle mit 1190 g gewogen, aber für den Thron zu leicht befunden, wobei sich Inouk und Iltschi weiterhin Arm in Arm im Narrensprung bewegen (+90), während Ilmo das Bivirat mit +70 g zum Triumvirat aufbläst. Iberl gibt mit 1180 g (+60) den Mundschenk seiner Tollitäten (Graf Schenk Iberl von Drunter und Drüberl). Auf der Mauer, auf der Lauer hockt das Blümchen Indra (1150, +20), allzeit bereit, den Sprung an die Seite des abgedankten Monarchen zu wagen, aber derzeit noch zu schwach um die Brust. Die unverzichtbare Rolle des karnevalistischen Hofnarren ist dem kleinen, aber feinen Ignaz vorbehalten: 1030 (+40) und gerade zum Ende seiner offiziellen Amtszeit mit einem kühnen Narrensprung über das Doppelpfund gehopst.

Was sich heute Morgen andeutet, wird uns vor allem in den nächsten beiden Wochen beschäftigen und faszinieren: Ein nahezu stündlicher Update der aktuellen Fähigkeiten. Heute Morgen liegen alle noch in der Schlummerkiste und ratzen vor sich hin, zufrieden und mit sich im Reinen, als das Telefon rappelt. Und im Nu sind alle wach und schnattern wie ein ganzer Ententeich. Die Idefixe hören jetzt tatsächlich und nehmen den Ton nicht nur als ein belangloses Hintergrundgeräusch wahr, sondern als eine neue und kommentierbare Erfahrung.

Diese rasante Entwicklung nimmt im Laufe des Tages weiter Fahrt auf, indem sie mit einem Mal, wie auf ein heimliches Signal, die nähere Umgebung ihrer Kiste und des Kuddebetts verlassen, sich zur Inspektion der IlmoIlmo, noch unter Mamas Fittichen...Küche Ilmo... und schon unterwegsaufmachen und sich auf die weltabgewandte Seite des mittig gestellten Küchenblocks wagen, außer Sicht von Lager und Mama; kein Sichtkontakt mehr, kein Funkkontakt, nur noch Jammerkontakt, den die Mama aber ignoriert. Fianna greift nur ein, wenn der Klagelaut Gefahr signalisiert; Jammerlappen gibt sie keinen Support. Inouk gehört zu den Ersttätern, auch Ilmo und Indra, obwohl diese Erwähnung schon nach spätestens zwei Stunden nur noch Auf EntdeckungstourAuf Entdeckungstourhistorischen Wert hat, weil dann alle durch die Küche rutschen und lauter bewegliche Hindernisse darstellen werden. Fianna liegt derweil irgendwo, beobachtet ihre Kinder mit Wohlgefallen und bietet ihnen die Bar, wo immer sie sich gerade aufhält und die Zwerge der Appetit überkommt. Von Fastendiät kann also gottlob keine Rede sein.

Seit wir die Türen für Besucher öffneten, drängen diese erwartungsfroh herein, und eine dieser Besucherinnen ist Halina, Heddas Wurfschwester. Jetzt sind wir aber gespannt, wie sie sich den Idefixen gegenüber verhalten wird. Erwartungsgemäß stürmt sie im Überschwang des Glücks und der Wiedersehensfreude mit einer mächtigen Bugwelle in die Küche – bis sie von zehn Zentimeter hohen Aliens zum abrupten Stillstand gebracht wird. Und tschüß... Im Laufe des Tages sucht sie auch keine weitere Begegnung dieser Art mehr, sondern hält sich so abseits wie möglich. Wenn man berücksichtigt, dass Halinas und Heddas Oma Franzi vor der Begegnung mit Welpen mit allen Vieren auf jeden erreichbaren Tisch geflüchtet ist und später dennoch drei Würfe großzog, müssen wir uns vorerst keine Sorgen machen. Alles normal, wie es scheint. Hündinnen dieses Alters könnten zwar schon Mütter sein, aber als Halbschwestern oder Tanten taugen sie noch nichts. Und ob sich ihre Brüder ebenso pieselig anstellen, wollen wir derzeit lieber nicht testen, weil Hedda auf direktem Weg in die Standhitze ist. Ob dann die Welpen der Hitze den Rang ablaufen und den Rüden die Lust abkaufen oder ob sie vor lauter überbordender Hitze unter die Räder kommen würden, wollen wir nicht wissen. Es bleiben ja noch ein paar Wochen, in denen wir das ohne Standhitze erproben können. Unsere letzten Erfahrungen mit jungen Rüden endeten mit Flugfluchten über den Welpenzaun im Garten. Abwarten...

 

Donnerstag, 07.03.2019

Perpetua und Felizitas bringen uns das erste Gras. Ja, vielleicht dort, wo der Hundertjährige aus dem Fenster sprang, aber nicht im Mangfalltal. Hier liegt das erste Gras bereits mit Schnappatmung unter der Gülle. So gesehen ist das wenig freundliche Wetter mit Regen und Wind ein Segen für das erste Gras.

Heute vor 122 Jahren ließ ein Arzt namens John Harvey Kellogg seinen Patienten erstmals Cornflakes auftragen, die er mit seinem Bruder erfunden hatte, und die schon damals neben getrocknetem und breit gewalztem Mais hauptsächlich aus Zucker bestanden. Wie es den Patienten ergangen ist, deren Genesung durch dieses vegetarische Grundnahrungsmittel beschleunigt werden sollte, wissen wir nicht; wie es unseren Idefixen ergehen würde, wenn wir ihnen diese Erfindung aus der neuen Welt vorsetzen würden, können wir ahnen, vor allem wenn wir sie noch mit einer weiteren Erfindung dieses Arztes toppen würden: mit Erdnussbutter. Wir bleiben vorerst noch bei Muttermilch, jedenfalls solange Fiannas Quellen nicht zu spärlich fließen. Vorgestern haben sie für alle zusammen 480 g geliefert und gestern spendierten sie genauso viel. Am trotzigsten verweigert Isi die Fastenanweisung für die nächsten 40 Tage: 110 g können auch kaum noch als Ausrutscher durchgehen, sondern müssen als flagrante Fastenverweigerung bewertet werden (oder sie deuten auf die Einnahme von Cornflakes mit Erdnussbutter hin). Mit den erworbenen 1330 g kann sie sich zwar vom Fußvolk absetzen, aber dem Powerverwerter Irax nicht gefährlich werden: 1440 (+90); er weiß, wann er den Turboknopf drücken muss. Interessant ist das Zerwürfnis des gestern noch schunkelseeligen Triumvirats Ilmo, Inouk und Iltschi, die mit ebenbürtigen 1190 g auf die Reise gegangen waren. Jetzt meldet Iltschi 1250 (+60), Ilmo 1230 (+40) und Inouk 1220 (+30). Verbrüderungen und Verpaarungen in der Narrenzeit sind eben nur selten von gedeihlicher Dauer. 1230 g bringt auch Iberl auf die Waage (+50), und Indra hat die Hoffnung, einst an Irax Seite Isi abzulösen, noch längst nicht aufgegeben: 1210 (+60). Ignatius, der feurig Erleuchtete, vertraut indes auf den Sieg der Beständigkeit und Beharrlichkeit:  1070 (+40).

Irax beim MorgenspaziergangIrax beim MorgenspaziergangSeinen morgendlichen Verdauungsspaziergang absolviert Irax als Rundgang um und durch die gesamte Küche. Wenig später folgt Indra seinem verdauungsfördernden Beispiel – und bleibt genau unter dem Futtergestell und jener Schüssel sitzen, aus der Hedda gerade ihr Frühstück zu sich nimmt. Welches Ende wird dieses Drama wohl nehmen? Ein versöhnliches, wenn auch ungesundes, weil Hedda ihre sowieso schon sehr hohe Schlagzahl beim Futtern noch verdoppelt, was allen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation Hohn spricht, und sich dann fluchtartig entfernt. Aber sie nimmt lieber Schäden am eigenen Leib und Leben in Kauf, als dass sie sich die Göre zur Brust nimmt. Da weiß man ja kaum, was einem lieber sein soll.

IndraIndraHeute beobachten wir auch, dass erstmals ein von Besuchern mitgebrachtes und von Fianna in den Ring geworfenes Spielzeug Interesse findet. Es wird beschnuppert, besetzt, ein wenig hin- und her gezerrt (Ignaz und Indra), und dann ist es wieder uninteressant. Für passionierte Isi und InoukIsi und InoukSpielereien sind sie einfach noch zu jung, aber das Interesse ist geweckt. Allerdings beschäftigen sie sich schon sehr nachdrücklich miteinander: Erste Schnäbeleien, Rangeleien und Kämpfchen werden bereits in Szene gesetzt und ohne Sieger beendet. Lautlos. Auch das wird sich sehr bald ändern. Denn bellen können sie schon, und wenn sie erst gecheckt haben, dass bellen und raufen so erfüllend ist wie Leberkäs mit Weißbier, dann geht es hier tatsächlich zu wie am Stammtisch. Etwas Geduld noch. Nur wenige Tage verbleiben uns noch für den Genuss stiller Körperertüchtigung.

 

Freitag, 08.03.2019

Gestern verbrachte Fianna die ganze Nacht in der Küche bei ihren Welpen, heute hatte sie sich entschlossen, ihre Nacht bei uns im Schlafzimmer zu verbringen. Um kurz nach vier Uhr und gegen sechs signalisieren ihr die fordernden Rufe aus der Küche, dass es angebracht ist, Mutterdienste zu verrichten. Aber jetzt geht das Spektakel dort unten erst recht los; alle buhlen um einen Platz an Mamas Theke, aber im Gegensatz zu den lautlosen Schnäbelspielen verläuft der Kampf um die besten Plätze im gehobenen Dezibelbereich. Als eigentliches Problem stellt sich aber schnell heraus, dass Mama nicht der Meinung ist, liefern zu müssen, sondern nur nach dem Rechten sehen wollte. Da sie keinen Handlungsnotstand entdeckt, trollt sie sich wieder ins Schlafgemach. Der Protest schaukelt sich demgemäß so auf, dass wir überzeugt sind, dort unten acht kleinen Gelbwesten Kost und Logis gewährt zu haben. Jetzt beginnt es also, dass sie Forderungen stellen und lautstark einklagen.

Nach unserem Erscheinen in der Küche, stellen wir beruhigt fest, dass sich unter den verstummten Gelbwesten kein Hungerleider befindet, jedenfalls keiner, dem das anzusehen wäre. Allerdings, und da ist unsere Waage unbestechlich, sind seit gestern geringfügige Einbußen zu verzeichnen. Die sind allerdings nicht Fiannas Unlust an der Verabreichung eines Vorfrühstücks zuzuschreiben, sondern der Vielzahl von Besuchern gestern, weswegen der eine ungewohnt viel in Bewegung war und die andere womöglich mehrere Mahlzeiten auf InoukInouk – In der Ruhe liegt die Kraftwilligen Schößen verträumte. Andere wiederum scheint der Touristenstrom förmlich zu großer Form auflaufen zu lassen. Der größte Schaugewinnler ist, na, wer?, – Ignaz! 120 g an einem Tag, dazu braucht er sonst drei Tage. Jetzt steht er mit 1190 g zu Buche und immer noch am Ende des Geleitzugs. Iberl ist der zweite Profiteur. Er stopft sich mit 80 g auf und erobert mit 1310 g den zweiten Platz. Dieser Vorstoß lässt ahnen, dass Isi, der Kronprinzessin, irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein muss. Was das ist, wissen wir nicht, höchstens, dass sie eine der aktivsten Schoßhopper war, und das kostete ihr vermutlich die verlustigen 30 g. Somit rutscht sie auf 1300 g ab. Ungefährdet an der Spitze, aber nicht ungerupft bleibt Irax, der eine Nullrunde einlegt und sich mit seinen 1440 g immer noch sehen lassen kann. Indra meldet heute 40 g und 1250. Das ehemalige Triumvirat geht weiterhin getrennte Wege: Inouk 1280 (+60), Ilmo 1290 (+60) und Iltschi 1300 (+50).

Wir hatten es ja schon vergangene Woche fest eingeplant und dann doch verplant: Krallen schneiden. Diese kleinen Sicheln sind scharf wie die Hölle und können die Zitzen maximal malträtieren. Fianna sieht schon etwas geschändet aus, ist aber noch kreuzfidel und ohne Anzeichen einer Entzündung. Wir kennen das und wissen, Pediküre bei IltschiPediküre bei Iltschiwas es bedeutet, Eiter aus einer entzündeten Zitze zu streichen und Quarkwickel anzulegen. Es ist also höchste Zeit, die kleinen Sensenmänner und -fräuleins zu entwaffnen. Das ist traditionell der Job des Assi, weil er trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer eine ruhige Hand hat und die Chefin zwar fast so viel weiß wie der liebe Gott und wie er alles hört und alles sieht, aber eben auch ein bisschen schielt, was der reinen Erkenntnis keine Hindernisse in den Weg legt, aber im Kleinteiligen zu verheerenden Übergriffen geeignet ist. So bekommen die Idefixe also alle geschnittene Nägelchen, gestutzt vom Assi, der hinterher deutlich erhöhte Temperatur hat, weil sich die sechs Burschen und zwei Dirndl wehren wie ein Mann. Sack und Asche, haben die schon gewalttätige Power in ihren durchschnittlich knapp 1300 g Körpermasse. Die können eigentlich nur aus Muskeln bestehen, abgesehen von Darm und Blase natürlich.

Zur Strafe für ihre wenig kooperative Haltung bekommen sie gleich anschließend den ersten Teil der ersten Entwurmung. Und das ist eine richtige Sauerei! Bislang hatten wir für die Wurmkur immer Flubenol, doch derzeit hat unser Tierarzt nur Panacur verfügbar, weil, wie uns erklärt wurde, Flubenol den meisten Kunden zu teuer IberlIberl – Rosskur wenn es sein muss, Panacur bestimmt nichtsei und wie Blei im Lager gelegen hätte und verdorben sei. Das muss man akzeptieren, allerdings nicht goutieren. Panacur hat gegenüber Flubenol zwei entscheidende Nachteile: Es ist deutlich flüssiger und schmeckt offenbar abscheulich. Die Idefixe schleudern uns die Pampe widerwillig um die Ohren. Im Umkreis von zwei Metern sehen wir aus wie Maler Klecksel am ersten Tag des ersten Lehrjahrs. Boden, Tisch, Hosen und Jacken, alles weiß gesprenkelt und  verkleistert. Wenn das eine Strafaktion für die Idefixe hätte sein sollen, dann war es ein Rohrkrepierer. Und es gibt keine Entwarnung: Die Aktion muss an drei aufeinander folgenden Tagen durchgezogen werden. Im Anschluss ist der ganze Blues erschöpft und ermattet, die Zwerge kauern sich bei Mama zusammen, um ihr das Lied von ihrem Leid zu singen. Die Mama hat gar nicht so viel Zungen, um alle trösten zu können und wir brauchen auch nichts mehr heute. Schicht nach der Schlacht.

 

Samstag, 09.03.2019

Die Welt ist allseits voller Rätsel. Wir denken ernsthaft darüber nach, unsere unschmeichelhaften Einlassungen über das Wurmmittel Panacur zu widerrufen und es stattdessen als universelle Masthilfe für alles Belebte anzupreisen. Zum allgemeinen Verständnis lassen wir ohne weiteren Kommentar die Gewichtstabelle an uns vorüberziehen:

An der Bar wird es langsam engAn der Bar wird es langsam engIrax 1540 (+100), Iltschi 1420 (+120), Ilmo 1400 (+110), Iberl 1400 (+90), Isi 1380 (+80), Inouk 1370 (+90), Indra 1320 (+70) und Ignaz 1250 (+60). Das sind 720 g Gewichtszunahme an einem Tag, und ausschließlich durch Mamas Milchshake – und Panacur, obwohl mindestens die Hälfte der vorgesehenen Gabe am Boden, auf dem Tisch und an uns klebte. Die Probe aufs Exempel und die wissenschaftliche Auswertung von Panacur als Welpenmast erfolgt heute mit der zweiten Portion der ersten Entwurmung und morgen in der Tabelle.

Dreierlei lohnt, dass wir heute darüber berichten, und zwar über die hellhörigen Ohren, die strammen Waden und die erwachenden Zähne. Fangen wir bei den letzteren an, weil dieses Topic am schnellsten abgearbeitet ist: Jetzt spürt man die kleinen Beißer schon, noch sind sie nicht durchgebrochen, aber es kann sich nur noch um wenige Tage handeln. Noch kneifen die Idefixe nur mit ihrer Kauleiste, bald werden sie uns mit ihren Kampf- und Spielzeugen malträtieren und auch noch ordentlich Spaß dabei haben.

Das Gehör der Kleinen ist nun schon beachtlich gut justiert und sie entwickeln damit schon jetzt jene Fähigkeiten, die sie später einmal auszeichnen werden: Sie beginnen schon die Nadel in den Heuhaufen fallen zu hören. Denn selbst im Schlaf arbeitet ihr Gehör jetzt schon, was es uns fast unmöglich macht, mit irgendetwas auch noch so leise zu hantieren: Sie hören es, sie werden wach, sie recken die Köpfe machen sich auf die Suche nach der Quelle. Für uns bedeutet das erhöhte Wachsamkeit bezüglich herumstreifender Welpen.

Und damit wären wir natürlich bei den strammen Waden der Mangfalltaler Nixen und Tunixen. Nicht nur, wenn sie sich auf der Streife nach einer Geräuschquelle befinden, sind sie auf Expedition. Die Küche haben sie Auf dem Weg zu neuen UfernAuf dem Weg zu neuen Uferninzwischen als ihr natürliches Habitat in Besitz genommen (wir sind darin allerdings geduldet), und die ersten machen sich schon auf den Weg, das Wohnzimmer zu erobern. Sehr weit trauen sie sich dort noch nicht hinein, aber wir rechnen bereits für morgen mit dem Schlimmsten. Lange dauert das ja nicht, bis sie sich überall heimisch fühlen. Und mit dem Schlimmsten meinen wir natürlich nicht die Spaziergänge, sondern die Hinterlassenschaften der Wildpinkler und Würstlmeister. Die Küche hat sich schon zu einer Art Abtritt entwickelt, vor allem unter dem Tisch erleichtern sie sich mit Vorliebe, weil sie dort ein Höhlenerlebnis haben und wir uns am schwersten tun, dort unten zu putzen.

Diese Dauerpräsenz der Idefixe ist, wie man ahnt, eine ziemliche Herausforderung für Hedda, wobei sich ihr Verhalten gegenüber der Zwerge in drei Kategorien bewegt. Kategorie 1 ist ein Besucherschoß, auf dem sich ein Idefix räkelt. Dieser Alien ist ein relativ vertrauenswürdiger und ermöglicht einen direkt Kontakt mit der Nasenspitze. Ähnlich verhält es sich mit einem nicht aufgeschoßten Welpen, der sich langsam und behäbig wackelnd vor Hedda her bewegt, also von ihr weg. Auch dann übernimmt die Neugier das Regiment und schafft es, Heddas Nase unter das Stummelschwänzchen zu dirigieren, die sich dort allerdings nur für Sekunden aufhält. Ob es am Geruch liegt oder am unter dem Schwanz schwindenden Mut der Nasenträgerin, entzieht sich unserer Erkenntnis. Kategorie 3 ist der direkt auf Hedda zusteuernde Welpe, frontal, bedrohlich selbst dann, wenn er, Freundschaft signalisierend, quietscht und krächzt und mit der weißen Fahne wedelt. Dann zeigt Hedda ihre Waffen und gibt Fersengeld. Frontale Annäherung und Hund – zwei Welten, die wohl nie so zusammenkommen werden. Das gilt auch, wahrscheinlich sogar besonders für Welpen, deren Bewegungsmuster so bedrohlich wirkt, dass sie gar nicht klein und unbeholfen genug sein können, um nicht den Abwehrreflex auszulösen. Wir sind jetzt schon sehr gespannt, wie sich das entwickelt, wenn die Idefixe unseren Garten in Besitz nehmen und bespielen. Ob Hedda dann mitmacht? Oder wie ihre Oma die Szene vom Tisch aus beobachtet? Vorerst ist der Beitrag eines Besuchers, sie solle sich mal nicht so haben, in spätestens einem Jahr wäre sie vermutlich selbst Mama und würde ihre Kinder genauso großziehen wie Fianna, wie die Androhung des nahen Todes noch vor der Erdbeerzeit. Hedda verschwindet für mindestens eine Stunde in den Kavernen des Blues und rechnet sich vermutlich aus, wie groß ihre Chance, gemessen an ihrer Eitelkeit ist, die bevorstehende Zuchttauglichkeitsprüfung mit großer Geste zu vermasseln, um diesen angedrohten Kelch noch rechtzeitig umkippen zu können. Wir werden sehen. Letztlich bleibt sowieso kaum eine Frage unbeantwortet.

Abends erfolgt dann die erwähnte Zweitration der Entwurmung, deren Gestaltung sich in nichts von der gestrigen unterscheidet: Die Welpen sind ungehalten und kaum zu halten, das Idefix-Habitat ist ein Augiasstall und Herr und Frau Herkules stehen da wie besudelte Pudel. Morgen ist der Tag der Wahrheit über Panacur.

 

Sonntag, 10.03.2019

Die christliche Zahlenmystik liefert Stoff für ganze Bibliotheken und zieht sich unbarmherzig durch unseren Alltag. So bezieht sich die Sieben auf den siebten Tag, an dem die Schöpfung abgeschlossen war und der Herr sich von den Strapazen ausruhte. Es gibt sieben Geister vor dem Thron Gottes, im Herzen des Menschen sind sieben Gräuel, am goldenen Leuchter sieben Lichter und am Passah-Fest isst man sieben Tage gesäuertes Brot. Die Zwölf ist auch so eine ständig wiederkehrende Zahl. So kennen wir die zwölf Patriarchen als die Vorfahren der zwölf Stämme. Das neue Jerusalem soll zwölf Grundlagen für seine Mauer haben mit den Namen der zwölf Apostel. Und natürlich wird die Mauer zwölf Tore haben. Man könnte die Reihe verlängern. Heute haben wir es aber mit einer anderen Zahl zu tun: mit der Vierzig. Mose prüfte sich selbst vierzig Jahre in der Wüste, außerdem war er zweimal für vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg beim Herrn und aß kein Brot und HundekuchenStatt 40 Tage Fasten: "Hundekuchen" am Sonntagtrank kein Wasser. Kundschafter erforschten das Land vierzig Tage lang. Die Stämme wurden vierzig Jahre lang in der Wüste erprobt. Saul, David, Salomon und Joas wurden jeweils durch eine Regierungszeit von vierzig Jahren geprüft. Auch Elias Zeit der Versuchung am Berg Horeb war vierzig Tage lang. Dass Jesus sich vierzig Tage lang in der Wüste der Askese verschrieb und von Tod und Teufel versucht wurde, weiß jeder. Heute haben wir es mit den vierzig Märtyrern, bzw. Rittern zu tun. Und da blubbert es aus dem Hundertjährigen, als ob er noch ein Vierziger wäre: 40 Ritter mit Eis und Schnee, tun dem Ofen noch 40 Tage weh. Oder: Regen, den die Vierzig senden, wird erst nach 40 Tagen enden. Ein Tusch auf die Lyrik: Wie es an 40 Ritter wittert, wittert es noch 40 Tage. Und weil die Vierzig sich so allein vorkommt, bekommt sie zur Unterstützung auch noch die Sieben: Wie unser Wetter auf 40 Ritter fällt, es sich noch 7 Wochen hält. Und was bedeutet das nun für uns? Nicht viel Gutes. Mit Frost haben wir es heute nicht zu tun, eher mit mildem Frühling, der allerdings bald mit Regen und Orkan einhergeht. Es ist das Sturmtief Eberhard, das den grimmen Bennet ablöst. Glauben wir also dem Hundertjährigen, müssen wir nicht unbedingt mit vierzig Tagen Orkan rechnen, aber den Regen sollten wir sicherheitshalber schon mal einplanen. Das heißt: Regen bis Ostern. Dann dürfen wir auf Besserung hoffen (wenn der Alte nicht noch was im Köcher hat), aber falls es am 27. Juni – Achtung: Siebenschläfertag! – Mistwetter hat, geht das glatte sieben Wochen so weiter. Und der Sommer ist dahin.

Wir haben es jedoch derzeit mit der Acht zu tun, mit den acht Idefixen, für die die Bibel auch noch einige Stellen bereithält. So war beispielsweise die Beschneidung am achten Tag. Bei uns fand sie trotzig erst am 17. Tag statt. Der Auferstehungstag ist der achte Tag, einen Tag nach dem siebten, dem Sabbath, an dem der Herr ruhte. Und dann eben wieder aufstand. Da hat sich der Herr doch ausgesprochen menschlich verhalten. Ruhen und wieder aufstehen. Das beherrschen sogar die Idefixe ohne Einweisung durch ihre Mama. Und ganz schön langsam entwickelt sich aus dem Aufstehen immer mehr ein kleiner Aufstand. Ganz und gar rührend ist jedoch die Tatsache, dass in der Arche des Noah acht Seelen gerettet wurden, um mit einer neuen Welt anzufangen. Was den Blues angeht, können wir dem zustimmen: Acht Seelchen werden demnächst in die Welt ausschwärmen. Ob sie diese auch gleich retten werden, lassen wir dahingestellt. Falls die acht Seelen der Arche jedoch die Neue Welt aufgebaut haben sollten, darf man gelegentlich bedauern, dass sie gerettet wurden. Es ist eben nobody perfect. Noch nicht einmal der Schöpfer. Vielleicht hatte er die Idee mit den acht zu rettenden Seelen halt gerade im döseligen Erwachen zwischen dem siebten und achten Tag. Da hat man schon mal neben einem schlechten Atem auch ein schlechtes Karma.  

Wenden wir uns den profanen Niederungen der kleinen Blues-Welt zu. Die Chefin ist heute auf der Jahreshauptversammlung des RZV in Himmelkron (irgendwie bekommen wir den Himmel heute nicht aus den Kleidern). Als Vorsitzende der Landesgruppe Süd gilt Kindersegen nicht als hinreichender Grund für Abwesenheit. Also ist der Assi für einen unschönen, sturmgebeutelten Sonntag des Jahres 2019 Chef. Blöd nur, dass sich bei ihm keinerlei Chef-Feeling einstellt, weil sich seine Aufgaben um keinen Deut ändern. Ruhe findet er jedenfalls keine, jene Ruhe, die einen die Welt von einem Chefthron herab betrachten lässt. Die acht sind ziemlich anhaltend unterwegs, einer oder eine jedenfalls immer, kaum dass mal Gruppenruhe angesagt ist. Und wenn immer einer unterwegs ist, lässt er immer irgendwo ein Teichlein liegen. Oder ein Würstchen. Chefsache. Andere finden den Weg zu Mama nicht wieder und krälen nach Erlösung. Chefsache. Acht kleine Stolpersteine im Dauereinsatz in der Bluesküche.

Seine Aufgabe wird aber durch die Entwicklungssprünge der Zwerge erheblich erleichtert, denn die meisten reagieren schon auf Ansprache, folgen Lockversuchen, kommen zögerlich herbei, weil sie auch schon Orientierung in der Küche haben. Wenn sie die Küche in Richtung Flur und Hausflur verlassen, verlässt sie auch die Orientierung schnell, dann hängt schon mal einer mit der Nase im Spalt der Klotür und kommt nicht mehr vor oder zurück. Die schlimmsten akustischen wie psychischen Folgen haben diese Verkeilungen, wenn der siebenfache Jubel der Geschwister die Öffnung der "Bar Mama" verkündet. Und einer sitzt im Rahmen der Klotür fest! In solchen Fällen wird aus dem Teilzeitchef ein Kriseninterventionsteam.  Es wäre ja der Geschichtsschreibung kaum zu vermitteln, dass in der Arche Bairischer Blues nur sieben Seelen gerettet würden.

Eine ganz andere Sache ist es, wenn der Expeditionsdrang der Idefixe nicht vor Heddas Bein halt macht, die gerade bei der Nahrungsaufnahme ist und keine Lust zur Flucht verspürt. Oben mampft Hedda Trockenfutter und unten knibbelt ein fixer Ide an ihrem Bein. Darauf reagiert sie sehr unwirsch, weil die Nahrungsaufnahme Alles verrammeltAlles verrammelteine Flucht geradezu verbietet. Also heißt der Beschluss: Futtergestell ab sofort aus der Küche und ins Wohnzimmer, das gleichzeitig mit den seit Jahren bekannten und bewährten Sperren unzugänglich gemacht wird. Das gibt Fianna und Hedda die verdiente Ruhe bei den Mahlzeiten und garantiert ganz nebenbei, dass die Wasserschüssel nicht in naher Zukunft ebenso einer Inspektion unterzogen wird wie alles andere. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir die Küche trocken legen müssten, weil sich so ein Naseweis an der Schüssel hochzieht, um mal zu sehen, welche besonderen Leckereien sich darin befinden, wenn Hedda so zickig reagiert. Nun haben also die Damen Ruhe beim Futtern und die Zwerge können nicht mehr ins Wohnzimmer oder den Eingangsbereich, wo als erstes die Kellertreppe lockt. Alles verrammelt.

Nun kann sich Hedda also ungestört im Wohnzimmer aufhalten und die Zwerge beobachten. Auch im Eingangsbereich ist sie vor ihnen sicher. Nur: Zwischen all diesen Zufluchtsorten stehen Sperren, zwischen dem Welpenhabitat Küche und dem Wohnzimmer ein mächtiger Oxer von 52 Zentimetern Höhe. Zwischen den Welpen und dem Eingangsbereich drohen sogar 60 unüberwindbare Zentimeter. Machen wir es kurz: Bei ihrem ersten Versuch, das Wohnzimmer zu verlassen, zerlegt die federleichte Hedda die Kontinentalsperre. Und so wird aus dem Chef schon wieder ein kleiner Assi, der im Keller mit Werkzeug hantieren muss. Auf dem Hundeplatz federt sie über die Meterhürde wie ein Grashüpfer und springt in ihrem Garten aus dem Stand aufs Hochbeet, um Freunde zu begrüßen und vermeintliche Feinde auf Distanz zu halten, aber 52 Zentimeter im Reich der Aliens bringt sie an die Grenzen. Aber eben nicht drüber. Seither baut sie sich vor den Sperren auf und begehrt um Durchlass. Die Rollen der Chefs sind eben andere als früher. Heute schreibt auch keine Sekretärin mehr einen Brief. Selbst ist der Chef heute. Jawoll. Und beim Blues verrückt er, der Sprunghaftigkeit seiner Nachwuchshoffnung folgend, unentwegt Habitatsperren. Da ist es doch völlig wurscht, wenn er morgen wieder ein Assi ist.

Ignaz' Pana-KurIgnaz' Pana-KurUnd Isis Pana-KurIsis Pana-Kurweil der Assi eben im Hauptberuf Assi ist und kein Chef, hätte er beinahe vergessen, die Gewichte zu liefern. Machen wir es kurz, sozusagen von links nach rechts: Ignaz 1250 (0), Irax 1640 (+100), Iberl 1450 (+50), Isi 1460 (+80), Indra 1390 (+70), Ilmo 1450 (+50), Inouk 1390 (+20) und Iltschi 1480 (+60). Damit ergibt sich eine Gesamtbilanz von 430 g, was eine Beteiligung von Panacur am Zugewinn praktisch ausschließt. Das Rätsel wird rätselhafter. Doch die dritte Charge der Panacur-Kur wird dennoch fällig. Und die Idefixe zeigen weiterhin kein Einsehen mit den Kur-Fürsten...

 

Montag, 11.03.2019

Schnee, Graupel und SturmSchnee, Graupel und SturmEin strammer Wind treibt Schnee- und Graupelschauer durchs Mangfalltal und bereitet damit den Boden für die gute Kunde der Rosamunde: Sturm und Wind an Rosamunde bringen eine gute Kunde. Oder: Bringt Rosamunde Sturm und Wind, so ist Sybilla (19. März) uns gelind. Der Hundertjährige hält sich weiterhin konsequent an das berüchtigte Motto von Konrad Adenauer: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Gestern sieben Wochen andauernde Kassandrarufe, heute schon wieder Schnee und Wind von vorgestern. Wir sollten uns an die harten Fakten halten und nicht an ein hirnweiches Faktotum, also an die Gewichte.

Beginnen wir doch gleich mit Ignaz, dem kleinen Herzensbrecher, der sich gestern eine Nulldiät verordnet hatte und dafür heute 120 g draufsattelt (1370). Heutzutage spricht man in einem solchen Fall wohl von Intervallfasten, was allgemein als höchst gesundheitsfördernd eingestuft wird. Wir dürfen uns also auf einen kernigen, knuffigen und kerngesunden Ignaz freuen. Dafür nullerte gestern der mächtige Irax, der ebenfalls zum Intervallfasten neigt, sich dafür aber an den fastenfreien Tagen vollschlägt wie früher das arme Volk bei Hochzeiten, Taufen und Totenfeiern. Irax verharrt heute auf seinen 1640 g von gestern. 90 g gönnt sich Iberl (1540) und Isi holt sich mit +130 g (1590) den Platz der Kronprinzessin zurück. Indra bewegt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten voran (1440, +50), ebenso Ilmo (1510, +60). Mit +20 stand bei Inouk eher Schmalkost auf dem Plan (1410). Und Iltschi zieht seines Weges mit mal weniger und mal etwas mehr; heute sind es +60 g und 1540. Das sind in der Endabrechnung stattlich 530 g, Fiannas zweitbeste Leistung. Und noch immer leistet sie das aus Bordmitteln, ohne Hilfe von außen. Chapeau.

Inouk ist bei der morgendlichen Erstbegehung des Idefix-Habitats nicht in der Schnullerbox anzutreffen, in die wir die Zwerge noch immer, ohne größeren Widerstand, nachts sperren. Inouk watschelt still vergnügt und mutterseelenallein durch die Küche, meckert ein bisschen und scheint seinen Morgenspaziergang zu genießen. Wegen der Gleichbehandlung aller Idefixe, wird er wieder in die Box gepackt – aus der er schnurstracks wieder ausbüxt. Einmal Oberkannte Latte anpeilen, ein bisschen Irxenschmalz einsetzen und, schwupps, ist er drüber. Das überzeugt uns in dreierlei Hinsicht: Erstens, es war kein Zufall, sondern Absicht. Zweitens, bevor wir ihm noch weitere Trainingseinheiten gönnen, öffnen wir die Box und lassen auch den Rest der Bande in die Freiheit. Und drittens: Ab sofort reich die 30-Zentimeter-Sperre nicht mehr aus, wir müssen auch den 10-Zentimeter-Aufbau einlegen. Das reicht in der Regel so lange, bis sie die Kiste sowieso ablehnen und wir sie abbauen. Dieser Bewegungsdrang ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum dieser Kerl niemals ein Irax werden wird; der ist wirklich dauernd unterwegs. Obwohl: Irax ist auch ein Ewigpräsenter, aber entweder verschafft er sich mehr und besseren Zugang zu den Quellen oder er ist ein besserer Futterverwerter. Das wird man in ein oder zwei Jahren beurteilen können, wenn aus den Knirpsen Hovawarte geworden sind und die Grundkonzepte jedes einzelnen wirklich erkennbar werden.

Für uns stellt sich allmählich das bekannte Welpenfeeling ein, das uns gelegentlich aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Vor allem ist es die liebenswerte Penetranz ihrer Präsenz: Wo wir sind, sind uns die Knirpse auf den Fersen. Wenn es allerdings nur die Fersen wären, könnte man damit geschmeidig umgehen, nein, es sind unsere Füße und unsere Schuhe, die sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit besetzen, vor allem aber die Putzlappen, mit denen wir ihre flüssigen Hinterlassenschaften beseitigen wollen. Kaum flutscht so ein Lappen über den Boden, hockt schon mindestens einer oder eine darauf und lässt sich herumkutschieren, derweil drei andere in einer fernen Ecke ebenfalls ihre Blasen entleeren, mit Hurra durchlatschen und flächig in der Küche verteilen. Dahinter scheint ein Plan zu wirken, der maximalen Spaß für die Zwerge verspricht. Uns verspricht es mindestens einen zusätzlichen, eigentlich völlig überflüssigen, Putzgang pro Tag, weil die weitläufig verteilten Überflüsse nicht mehr ordnungsgemäß entsorgt werden können. Wir geben zu: Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn wir dürfen uns glücklich schätzen, dass Fianna noch immer alle Teiche ihrer Kinder plichtschuldigst beseitigt, wenn sie es mitbekommt. Wenn die Zwerge aber erst einmal ihre Därmchen konsequent hier entleeren, meist alle acht in kurzer Folge, und Fianna ihren Dienst verweigert, dann geht es erst richtig los. Dann tun wir gut daran, die Moränen in Echtzeit zu entsorgen... Das heißt Dauerpräsenz unsererseits.

Irax und IndraIrax und IndraAn Tagen Fianna schaut sich das Treiben in Ruhe anFianna schaut sich das Treiben in Ruhe anwie diesem, wo sich keine Besucher und keine Schöße zum Besetzen finden, beschäftigen sich die Idefixe neben den Grundtugenden schlafen, trinken und verdauen vor allem untereinander. Die ersten kleinen Kämpfe und Rangeleien werden ausgefochten, man verkeilt sich mit den Kiefern, besteigt sich gegenseitig von hinten, legt eine Pfote in den Nacken des anderen – alles Übungen für die Gesellschaftsfähigkeit des erwachsenen Idefix. Noch läuft das alles meist im Stillen ab, aber bald schon werden sie das dazugehörigen Schlachtengebrüll mitliefern. Niedlich. Noch.

Gar nicht niedlich ist, was wir gegen Mitternacht, als die Chefin nach Hause kommt, feststellen: Fianna hat eine harte und dicke Zitze. Das Fieberthermometer liefert, 39,1 °C. Und der Assi hat nichts bemerkt, weil er nicht andauernd an seiner Hündin herumfmmelt und diese in ihrem Verhalten auch völlig unauffällig war; Spaziergang nachmittags fröhlich und lebhaft, Abendmahlzeit mit großem Appetit und der Pinkelgang um 23 Uhr ebenfalls komplett unauffällig. Von der Chefin bekommt er dennoch eine Rüge wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Ihre erste Handlung jedenfalls ist die Kontrolle des Gesäuges, und da kommt das Malheur an den Tag. Wir versuchen erst einmal die Zitze zur Abgabe zu bewegen, was ein bisschen gelingt, dann legen wir einen saugstarken Idefix an, um den Milchfluss in Bewegung zu bringen. Der zieht an, sagt bäh und wendet sich ab. Also heißt es, die Verhärtung auszustreichen. Offenbar ist die Zitze noch nicht entzündet, denn Eiter finden wir noch keinen, aber die Aktion ist zeitaufwändig und eine Tortur für Fianna, die sie allerdings stoisch und geduldig über sich ergehen lässt. Dieses Problem hatte sie beim letzten Wurf auch schon, allerdings bereits mit Eiter. Möglicherweise rührt das daher, dass diese vorderste linke Zitze etwas mickrig ist und vermutlich auch nur spärlich liefert. Somit wurde sie nicht richtig entleert, und was da zurückblieb, verdickte sich und machte sich auf den Weg zur Entzündung. Über eine Stunde arbeitet sich die Chefin an der Zitze ab, bis das Gröbste geschafft ist. Nun bekommt die Dame einen Quarkwickel und darüber Heddas schicken Jane-Fonda-Body. Gegen ein Uhr verschwindet die Chefin im Bett. Der sorglose Assi muss zur Strafe noch den Wickeldienst übernehmen (abwarten, Wickel abnehmen und Quarkbatz aus dem Haarkleid waschen). Für ihn endet der 11. März um 2 Uhr des 12. März.

 

 Dienstag, 12.03.2019

Um halb fünf Uhr ist die Nacht schon wieder vorüber und die Spannung zum Greifen. Fiannas Temperatur ist auf 37,6 °C unten, sie macht einen fitten Eindruck und die Zitze ist zwar noch nicht im gewünschten Zustand, aber die harte Schwellung stark zurückgegangen. Also wird wieder gedrückt und ausgestrichen, einmal und zweimal. Dann kommt ein weiterer Quarkwickel zum Einsatz und nachmittags noch einer. Fianna schätzt diese Wickelei, weil sie erstens einem kleinen Duschgang nie abgeneigt ist, mit dem wir ihr den Quark aus dem Fell waschen, und außerdem ist der entwickelte und ziemlich trockene Quark eine gern genommene Zwischenmahlzeit. Soll sie haben, ist ja nichts als Protein, und davon kann sie jede Menge vertragen. Es sieht gut aus. Die Alarmglocken werden wieder eingepackt und das ganz ohne Medikamente.

Die Versorgung der Idefixe hat unter dem Malheur allerdings ein wenig gelitten, und zwar ganz unterschiedlich. Ignaz hat 50 g abgenommen (1320), Isi (1590) und Ilmo (1510) haben ihr Gewicht gehalten, die anderen ließen sich durch die zitzelige Unpässlichkeit ihrer Mutter nicht von ihrem Gedeih in Richtung Vererb stürzen: Irax +120 (1760), Iberl +100 (1640), Inouk +60 (1470), Indra +50 (1490), und Iltschi +30 (1570).

Iltschi und der ElchIltschi und der ElchHeute Isi und der FuchswurmIsi und der Fuchswurmbekommen die Idefixe Gesellschaft in ihrer Küchenöde, und zwar ziehen die unverzichtbaren Welpengesellschafter ein, die in keinem Wurf fehlen dürfen und sich bei allen Kindern besonderer Beliebtheit erfreuten: die schwarze Ratte, der braune Elch und der rostige Fuchswurm. Für uns ist es jedenfalls keine Überraschung, dass sich auch die Idefixe umgehend auf diese neuen Hausgenossen stürzen, möglicherweise auch deshalb, weil die sich absolut unempfindlich gegenüber den kleinen Zähnchen der Zwerge verhalten, die nun tatsächlich durchgebrochen sind und die sie bereits tapfer testen.

Ilmos erste FleischmahlzeitIlmos erste FleischmahlzeitUm Inouks erste FleischmahlzeitInouks erste Fleischmahlzeit14:38 Uhr ist es dann soweit: Trotz 40-tägiger Fastenzeit bricht für die Idefixe die Zeit der unbegrenzten Fleischeslust an. Feinstes Tatar haben wir bei unserem Metzger besorgt und zu acht kleinen Bällchen geformt. Und dann wird Milchbubi für Milchmädchen, einer nach der anderen, auf bayerische Grundversorgung umgestellt. Auf dem Schoß der Chefin werden sie initialisiert, und es scheint ihnen sehr zu munden, jedenfalls stellen sie sich sehr geschickt an, was auch daran liegt, dass wir diese Umstellung diesmal ein paar Tage sIgnazIgnaz könnte einen Nachschlag vertragenpäter vornehmen, wodurch die Zwerge schon deutlich geschickter sind als ihre Vorgänger. Jeder Tag ist wie ein Quantensprung in der Entwicklung. Was sie mit ihren Vorgängern verbindet, ist die äußerst sorgfältige Fellpflege in der Geschwisterrunde nach der Speisung, weil sie zwar geschickt sind, aber nicht so, dass sie nicht trotzdem noch über und über mit Fleischresten bestückt sind. An dieser Bereinigung beteiligt sich auch Mama Fianna,  der keine ihrer Sprösslinge durch die Lappen geht, das heißt, dass ihr alle unter den Zungenlappen geraten.

Das komische Dessert zum Fleischgericht ist Inouk vorbehalten, der Mamas achtlos auf dem Boden zurückgelassenen Quarkbecher entdeckt und sich darüber und hinein stürzt. So weit, so normal. Dass ihn aber noch nicht einmal Unruhe überkommt, als er das Ding nicht mehr loswird, weil sich sein Bollerkopf darin verspreizt, lässt Rückschlüsse auf das momentane Nervenkostüm des Komikers Inouk im QuarkbecherInouk hängt im Quarkbecher festzu. Er räkelt sich ein wenig, windet sich wie ein Wurm und dann ist er das Ding wieder los und zieht unbeeindruckt davon. Störend sind nur die Geschwister, die sich lästig an seiner Quarknase verlustieren.

Diese Woche hat viel Neues für die Idefixe gebracht: eine Entwurmung, eine lästige Pediküre, neue Spielgenossen und Fleisch vom bayerischen Weiderind. So oder so ähnlich wird es weitergehen; nahezu jeder Tag eine Wundertüte für die Idefixe und noch mehr Besucher. Fünf ereignisreiche Wochen liegen noch vor uns allen. Packen wir sie an. Und stehen wir sie durch!

 

2. Woche (27.02.2019 - 05.03.2019)

Mittwoch, 27.02.2019

Nun, da die erste Woche erfolgreich geschafft ist, stehen uns noch sieben Wochen bevor, aber von Zurücklehnen kann nicht die Rede sein. Für diese Woche erwarten wir, dass die Idefixe Augen und Ohren öffnen und schon mal einen kleinen (offiziellen!) Freigang in der Küche bekommen. Die Krallen werden wir ihnen wohl auch noch stutzen müssen, damit sie ihrer Mutter nicht an Leib und Leben gehen. Karnevalistische Pappnasen stehen uns zwar nicht ins Haus, aber bevor, was sich in einer Häufung von Krapfengaben ausdrücken und die traditionelle Übersäuerung unserer Mägen in die Wege leiten dürfte; denn mit dem Karnevals-/Fasching- /Fastnachtsende, und damit dem Ende der zweiten Woche, haben sich die ersten, nahen Vertrauten zu einer Kurzvisite angemeldet, was vor allem daran liegt, dass am Faschingssonntag ein großer Faschingsumzug mit 34 Mottowagen durch Vagen kursiert, was dem Bedürfnis, uns zu besuchen, wachsen lässt.

Noch ist das Wetter frühlingshaft warm mit viel Sonne, was sich allerdings zum Wochenende deutlich ändern soll: Wind und Regen sind angesagt. Da werden die Pappnasen leicht zu Matschnasen und diese werden sich bei uns einnisten und bei Krapfen und Kaffee abwettern. Die Zwerge werden es überleben, Krapfen bekommen sie aber nicht.

Für heute schwadroniert der Hundertjährige: An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her. Freunde, glaubt dem Greis bitte kein Wort! Wir haben seit dem offiziellen Winterbeginn am 21. Dezember knapp zehn Wochen Winter hinter uns, und diese meteorologische Spaßbremse möchte uns zehn weitere Wochen auf die Augen drücken; damit steuert er die zweite Maiwoche als Winterende an. Das liegt vermutlich daran, dass der Hundertjährige, der völlig zurecht aus dem Fenster sprang und hoffentlich auf nimmer Wiedersehen verschwunden ist, ein Schwede ist. Aber dann soll er sich bitteschön nicht in bairisches Brauchtum einmischen!

So, jetzt ist es dem Chronisten leichter und er kann sich seiner Hauptaufgabe widmen. Dazu gehört in der Welpenzeit die Übermittlung der Gewichte. Manch ein treuer Verfolger der Blues-Geschicke und unserer Würfe mag die tägliche Gewichtstabelle vermissen, die wir in allen Würfen jeden Morgen frisch aktualisiert veröffentlichten – und damit die gesamte Anhängerschaft zu morgendliche Web-Junkies machten. Wie geht es den Welpen?? Und vor allem: Wie geht es meinem Welpen?? Wir haben uns für den I-Wurf entschieden, es diesmal zu unterlassen. Dafür gibt es einige gute Gründe. Erstens wollen wir eine eh schon gesellschaftsweit drohende Webanhängigkeit nicht noch befeuern. Zweitens: Die Welpen entwickeln sich naturgemäß sehr individuell, und wer mit drei Jahren der Mächtigste oder Zarteste ist, entscheidet einzig der genetische Bauplan jedes Einzelnen, nicht die tägliche Zu- oder Abnahme. So ist es ganz normal, dass das Nesthäkchen nach der Geburt erst einmal hinterherbummelt, während die Fettgranden alle ihre Vorteile nutzen. Aber nur vorerst; oft genug werden die Erste die Letzten sein und andersrum. Das kann man sogar in der Bibel nachlesen. Drittens und logische Folge aus zweitens: Daraus entwickelt sich ein Run und Hype auf die Top-Performer, der zwar unbegründet, aber nicht zu verhindern ist. Deshalb haben wir beschlossen, die Gewichte nur in der Wochenchronik zu übermitteln, da kann man alles nachlesen, ohne in eine tagesaktuelle Schnappatmung zu verfallen. Denn viertens: Es machte sich schnell eine Katastrophenstimmung breit, wenn um sieben Uhr morgens die neuen Gewichte noch nicht verfügbar waren. Da summten und brummten alle Leitungen, ob noch alle lebten, keiner im Fressnapf ersoffen sei oder andere Katastrophenszenarien zu gewärtigen seien. Dabei haben wir nur ein bisschen länger geschlafen, getrödelt oder unsere Pflicht vergessen. Wir sind es unseren Käufern und Interessenten schuldig, sie den Tag in Ruhe und Gelassenheit angehen zu lassen, nicht aber, sie in Unruhe zu versetzen. Fünftens: Es lässt sich nicht verhindern, dass die Zwerge irgendwann einmal eine Infektion und einen Durchfall bekommen können, dann schlägt sich das sofort und vehement in der Gewichtstabelle nieder und löst schlagartig Panik aus, weil die wöchentliche Berichterstattung der Tagestabelle hinterherhinkt. Panikanrufe können wir an solchen Tagen am allerwenigsten gebrauchen, obwohl sie verständlich sind. Solche Attacken haben bisher alle unsere Welpen überstanden, aber durch die quälenden Sorgen der zukünftigen Besitzer werden sie nicht schneller fit. Daraus folgt, sechstens, jetzt und hier die aktuelle Gewichtsverteilung.

Fianna und ihre IdefixeNoch haben alle Platz an Mamas MilchbarGestern haben sich die meisten eher zurückhaltend an Mamas Milchbar bedient, was sich in 390 zusätzlichen Gramm ausdrückt. Auch das sind, um an das Gesagte anzuschließen, ganz normale Aufs und Abs: Mütter sind keine Milchmaschinen, sonst hätte sie uns Müllermilch schon längst abgeworben, und Welpen sind keine Quartalssäufer; die haben mal mehr Appetit, mal weniger. Am meisten Appetit hatte gestern Iltschi, der sich 80 Gramm zusätzlich einverleibte und nun bei 830 g steht. Iberl nutzte auch die Gunst der Stunde und griff 70 g ab, was ihn auf 810 g aufwertet. Isi scheint eher selten ein Völlegefühl zu spüren und reichert sich wieder mit nahrhaften 60 g an (880). 50 g machten Inouk (850) und Indra (830) gut. Der Rest war noch genügsamer: Der Erste und der Letzte bescheiden sich beide mit 30 g, was Irax weiterhin in der Pole-Position hält (890) und Ignaz am zarten Ende (720). Ilmo hatte nach 20 g schon genug und hält sich mit 820 g im Mittelfeld mit Luft nach beiden Seiten. Das passt, die Kinder sollen harmonisch wachsen und nicht explodieren. Und harmonisch sind alle.

Inouk und IgnazInouk und Ignaz – Dem Körbchen entkommenFianna nimmt sich inzwischen ziemlich viele Auszeiten außerhalb der Schnullerbox, was völlig in Ordnung ist, solange die da drinnen zufrieden sind und den halben Tag verschlafen. Man lässt sich von solchen langen Auszeiten auch leicht täuschen, denn die Schluckspechte haben mittlerweile einen kräftigen Zug und saugen ihre Mutter in maximal fünf Minuten leer. Was soll sie dann noch in der Kiste? Jetzt muss wieder produziert werden. Mangel spüren die Kleinen definitiv nicht, sonst ginge es ganz anders zu. So aber herrscht die meiste Zeit sattsamer Friede, der nur vom schläfrigen Knarzen der Idefixe unterbrochen wird, meistens, wenn sie sich umlagern oder strecken. Dann entsteht Unruhe, weil irgendeiner über alle anderen kriecht und sie aufweckt, was die Gestörten unwirsch kommentieren. Gleich darauf breitet sich wieder Ruhe übers Lager. Fianna riskiert bei solchen Gelegenheiten noch nicht mal ein Auge; sie weiß, wann es geboten ist. Jetzt jedenfalls nicht. Allerdings stellen wir fest, dass sie schon beginnt, im Sitzen zu füttern; offenbar empfindet sie das als entspannter. Allerdings, wenn sie einen Rundumschlag in Körperpflege für nötig hält, legt sie sich hin, nimmt sich alle einzeln zur Zunge und kugelt sie herum, während sie vorne noch am Irax bekommt eine AbreibungIrax bekommt eine AbreibungZapfhahn angedockt sind. Dann wird der Bauch massiert und der Po geputzt, was immer wichtiger wird, weil die Zwerge nun schon beginnen, sich selber zu lösen. Pinkeln tun sie größtenteils schon, und der Darm kann vereinzelt auch schon ohne Mamas Hilfe. Um so wichtiger ist Mamas Nachsorge, weil sie sonst ständig in ihrer Kacke liegen würden. Irax und Inouk ist das heute schon passiert und machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Wasserhahn. Frisch geduscht kommen sie wieder zurück in die Obhut der Mutter, die sichtbar froh ist, dass wir ihr diesen Dienst abgenommen haben.

Und bei all der Geschäftigkeit dieser Tage darf natürlich eine ganz wichtige Sache nicht in Vergessenheit geraten: Hedda feiert heute ihren zweiten Geburtstag. Happy Warten auf den GeburtstagskuchenWarten auf den Geburtstagskuchenbirthday, geburtstag 2 kkleine Rübennase! Du bist trotz dieser Bande von Wichtigtuern immer noch das Wichtigste neben deiner Mama, und in sieben Wochen sind sie eh wieder fort. Für heute gibt es erst einmal viele liebevolle Hände, ein Geburtstagsbesuch mit Gratulation und Rindernase von Anna-Maria, dann noch Sport auf dem Hundeplatz und abends eine Fleischbombe fürs Bauchgefühl. Somit bist du schon mal deutlich wichtiger als dein Assi, der Stallwache halten und sich um deine Halbgeschwister kümmern muss, keine Rindernase und keine Fleischbombe bekommt, nur abends bei deinem Bruder Hias einer Geburtstagseinladung Folge leisten darf. Immerhin. Wenn man so kurz gehalten wird, ist sogar das kleine Glück von großer Bedeutung.

Anschließend bezieht die Chefin wieder das Familienlager, was Fianna in eine Art unverhofften Glückstaumel versetzt und Hedda zurückhaltend zur Kenntnis nimmt, weil sie sich jetzt im Schlafzimmer wieder stark einschränken muss. Mit dem Assi allein zu zweit, das hätte eine Option fürs Leben sein können, aber jetzt wieder die beiden. Nun denn... Fianna gibt sich diesem wiedergewonnenen Glücksgefühl uneingeschränkt hin und verlässt das Schlafzimmer keine Minute in dieser Nacht. Dass es im Erdgeschoß bis in den Morgen ruhig bleibt, belegt unsere Annahme, dass die Idefixe keinen Hunger leiden. Allerdings kann man auch davon ausgehen, dass diese Nacht voller fiannischer Seligkeit der Gewichtstabelle morgen keinen Höhenflug  bescheren wird.

 

Donnerstag, 28.02.2019

St. Roman hell und klar, bedeutet ein gutes Jahr. Geht doch. Und schließt einen Winter bis in den Mai hinein aus, sonst wäre es kein gutes Jahr, in Schweden vielleicht, aber nicht im Mangfalltal. Hat doch Vorteile, wenn der Hundertjährige heute nicht mehr weiß, was er gestern geschnullert hat. Was sagt uns ein Blick in den Himmel? Morgens -1,5 °C und wolkenlos, dann ziehen Föhnlinsen hektisch übers Tal, getrieben von einem stattlichen Föhnsturm bei 16 °C. Das bedeutet nach unserer Interpretation: ein gutes Jahr.

Wie zu erwarten war, schlägt sich Fiannas nächtliche Kistenabstinenz noch einmal in den Gewichten nieder: 370 Gramm über alle. Und bei einer solchen Gemengelage zeigt sich, wie entscheidend es für das eigene Fortkommen ist, im richtigen Augenblick zur Stelle zu sein. Wer Gelegenheiten verstreichen lässt, muss eben Abstriche machen. So finden wir heute ein höchst lehrreiches Tabellenbild vor. Zwei der acht nehmen zusammen 180 Gramm für sich in Anspruch, zwei verpennen und legen eine Nullrunde ein, die restlichen 190 Gramm legen sich auf die Hüften der verbleibenden vier. Vorhang auf: Wer ist wer? Machen wir es spannend und beginnen bei den vieren mit den aufgeteilten 190 Gramm. Das sind Ilmo mit 60 g (880), Iltschi (880) und Iberl (860) mit 50 g und schließlich Indra mit 30 g (860). Bleiben zwei Asketen und zwei Gourmets. Diät und ihr Gewicht haben Inouk (850) und Isi (880) gehalten, was der letzten nicht schaden dürfte. Somit sind auch die Abräumer bekannt: Irax, der Tabellenkopf und Ignaz, der Erste und Tabellenletzte, Anna-Marias Herzbube und von dieser wegen seiner Po-Markierung, zärtlich "mein Rötling" gerufen. Beide reüssieren mit 90 Gramm, was Irax' Frontstellung mit 980 g zementiert und Ignaz (810) die Rote Laterne nicht nimmt. Nur Statistiker verstehen das stille Glück, das dem Insider ein Blick auf eine dröge Tabelle beschert.

Heute ist für Fianna ein besonderer Tag: Ihr Leben gewinnt wieder ein bisschen Alltag zurück. Sie darf mit der Chefin, Hedda und Krümel die ganz große Morgenrunde gehen, später gesellen sich auch noch Odin und Jack, die Franzosenbullis dazu. Das bedeutet eineinhalb Stunden babyfrei, eineinhalb Stunden Revierkontrolle und Wiederinbesitznahme, eineinhalb Stunden Spiel, Spaß und Spannung. Bei ihrer Rückkehr leuchtet sie förmlich vor Zufriedenheit – und stürzt sich sofort und pflichtschuldigst in die Schnullerbox. Man darf annehmen, dass sie ihren Kindern an diesem Morgen nicht nur die immer gleiche Milchspeise, sondern mit ihr eine Menge Glückshormone verabreicht.

Ob Glückshormone auch übermütig machen? Wahrscheinlich, denn Inouk macht sich heute schon wieder einmal aus seiner Kiste davon, diesmal, anders als am Montag, ohne Deckenwulst oder Unterstützung durch Geschwisterleiber, sondern ausschließlich durch Wille, Findigkeit und Muskelkraft. Und – schwupps – ist er weg. Gut, dass dem Assi die Aktion nicht entgeht, weil sich der Auf-und-davon-Inouk schnurstracks auf den Weg in den Spalt zwischen Kiste und Küchenwand macht. Zählt man dann die Häupter seiner Lieben und sieht, es sind statt achte sieben, dann setzt einiges an Kopfzerbrechen ein. Zwischen Kiste und Wand sucht man sicher nicht sofort, auch wenn einem einige Kniffe der Zwerge nicht mehr fremd sind. So kommt der Exilant also vor der vollständigen Unsichtbarwerdung wieder in die Schnullerbox und gibt sich damit auch zufrieden.

Eine Woche später hätte der Assi es möglicherweise mit einem Lockruf versuchen können, den Dissidenten Iberl und IlmoIberl und Ilmozur Ordnung und in die Gemeinschaft zurück zu rufen. Denn die Idefixe beginnen ganz langsam akustische Signale wahrzunehmen. Wenn Fianna vor ihrer Box fiemt, scheinen die ersten schon jene lustigen Fleischlappen, die man später als Ohren erkennen wird, zu spitzen. Viel tut sich jetzt noch nicht, aber lange wird es nicht mehr dauern, dass sie jedem Laut ihrer Mama Gehör schenken. Ob Inouk unter diesen Umständen den Rückkehrbefehlen des Assi gefolgt wäre, überlassen wir der Phantasie unserer Leser, der Assi meint ja, weil Inouk bestimmt ein ganz Braver und Hochbegabter ist. Die Chefin führt die Zeigerfingerspitze an ihre Stirn.

Tatsächlich treibt den Assi ein ganz anderes Problem um, und das kennt er von nunmehr neun Würfen: Es ist das Leid mit den Tagesbildern. Die Gewichtstabelle abzuschaffen ist eine Sache, aber keine Tagesbilder mehr zu veröffentlichen, ist schlicht nicht denkbar. Dabei ist diese Pflicht eine echte Qual in diesen ersten Tagen, wenn die Knirpse nur in der Kiste liegen und schlafen oder sich an Mamas Brust die Wänste vollschlagen. Unter diesen fotografisch unergiebigen Umständen, lungert das Personal mit der Kamera im Anschlag um die Kiste herum wie die Paparazzi um die einschlägigen mallorquinischen Fincas, nur um einen nackten Hintern vors Objektiv zu bekommen. In unserem Fall geht es natürlich nicht um einen nackten Hintern, von denen haben wir gleich acht, sondern um das megasüße Babyface des Tages. Aber die da drinnen denken nicht daran uns diesen Gefallen zu tun, wie die auf Malle, und es bedarf des einen glücklichen Moments, um sich und die Welt glücklich zu machen. Wir sehnen den Tag herbei, wenn sich die Bande im Freien austoben kann.

 

Freitag, 01.03.2019

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. So haben es die Älteren unter uns noch gelernt, obwohl es gerade zu jener Zeit kaum noch Rösslein gab, und schon gar keine mehr bei den Bauern. Die lagen nämlich gerade in einem kollektiven Todeskampf. Heute gibt es wieder Rösslein beim Bauern, aber eher nicht, um die Felder zu bestellen, sondern um den Urlaubern auf dem Bauernhof eine heile Welt zu vermitteln, die es damals so wenig gab wie heute. Und wenn der Bauer heute die Rösslein einspannt, dann begnügt er sich nicht mit einem oder zwei, sondern hängt sich gleich tausend vors Odelfass. Die Welt ist heute einfach viel profaner, und ein Lied könnte etwa so beginnen: Im Märzen die Mändy ein Selfie versend't. Der Wallach daneben ist ihr fast bester friend. Wie dem auch sei, ob die Mändy nun herzelt und schnurrt und der Wallach für Seligkeit schnaubt oder nicht: Es ist März, wo nicht nur der Bauer mit seinen Fendt-Rösslein die Böden zementiert, sondern auch im Garten des Blues die Vöglein eifrig auf Quartiersuche sind und die Märzenbecher ihre Köpfe erheben. Idylle im Mangfalltal, in die wir, wenn sich das Wetter weiter so zugängig zeigt, bald die Idefixe entlassen werden. Noch Iltschi unter der DuscheIltschi muss auch unter die Duscheist es nicht so weit, zumal es heute morgen bei 10 °C regnet, nicht der ideale Start ins Outdoor-Leben. Nachmittags verzieht sich der Regen und macht Sonne, Wolken und Wind Platz. Wir werden noch etwas Geduld haben müssen, bis die Zwerge wetterfest sind, auch wenn uns das Leid mit den Tagesbildern dazu verleiten könnte, die Bande an die frische Luft zu setzen und zu sehen, welche neuen Motive sie uns liefern. Man kann die Entrüstungsschreie förmlich hören: Zehn Tage alt und ausgesetzt! Gemach, gemach, wir werden nichts überstürzen, zumal wir, bäuchlings im Frühlingsgras liegend und nach Motiven lurend, die eigentlich Benachteiligten wären und mit deutlich schlimmeren Folgen zu rechnen hätten als die Fellzwerge.

Zum Einzug des März stellen wir mit Freude fest, dass es Fianna heue Nacht deutlich länger im Kreise ihrer Lieben gehalten hat als gestern; folgte sie uns gestern auf den Fersen ins Familiengemach, verbrachte sie heute Nacht noch mindestens zwei weitere Stunden in und nahe der Box. Das lässt uns vermuten, dass dann eigentlich die Gewichtsbilanz wieder eine zumindest bescheidene Hausse aufweisen müsste. Und tatsächlich lieferte Fianna gestern wieder 410 Gramm aus, eine sehr passable und angemessene Leistung. Nur der zarte Ignaz hat davon nichts mitbekommen, sondern 10 g abgenommen (800). Daran ist nichts Bedenkliches; das Bürschlein ist kräftig und pumperlgesund. Dass es in den Würfen regelmäßig solche Nachzügler gibt, liegt in der Natur der Sache. Die Spermien des Rüden sind nach dem Deckakt bis zu 72 Stunden lebens- und zeugungsfähig. Das bedeutet, dass die Differenz der Fruchtanlage drei Tage betragen kann. Wenn man dann noch den Nachdecktermin nach zwei Tagen hinzurechnet, steigt die Wahrscheinlichkeit von Nachzüglern bis dahin, dass bei der Auslieferung welche noch gar nicht lebensfähig sind, aber eben trotzdem mit aufs Band kommen. Zwei solcher lebensunfähigen, weil noch nicht fertige, Welpen hatten wir auch schon. So ein kleiner Nachzügler, zwei bis drei Entwicklungstage hinter seinen Geschwistern, ist Ignaz. Dass er rundum lebensfähig ist, wissen alle, die ihn schon kennengelernt haben. Aber er hat es eben noch schwerer, sich ebenbürtig durchzusetzen und den Geschwistern die Milch abzugraben. So weit es uns möglich ist, helfen wir da ein bisschen nach, indem wir ihn zuerst an die Bar lassen, wenn er aber ein Nickerchen bevorzugt, soll er eben schlafen. Auch schlafen ist gesund und macht stark. In Fiannas bisherigen Würfen hatten wir auch je einen Nachzügler, Gaudi und Hubsi. Beide sind prächtige Rüden geworden und alles andere als Schlafhauben. Auch Fiannas Schwester Franca war eine kleine Nachzüglerin, bei der erst in der letzten Woche bei uns der Knopf aufging; dann aber mit einem kräftigen Schnalzer. Wer möchte, kann sich von ihren jetzigen Besitzern gerne bestätigen lassen, dass sich die drei nicht nur zu kräftigen Hovawarten herausgewachsen haben, sondern auch in jeder Hinsicht solche sind.

Diese von Ignaz verschmähten 10 g bedeuten, dass die anderen sieben 420 g zugenommen haben.  Bescheiden gab sich heute Irax, der sich mit 30 g begnügte, was ihm trotzdem ausreichte, um die 1-Kilo-Marke zu überwinden (1010). Richtig Alarm machte Isi mit 110 g und 990 g gesamt. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie die letzten 10 g zum Kilo wahrscheinlich auch noch in Angriff genommen, aber möglicherweise stand ihr die Milch schon an der Oberkante Unterlippe oder Fianna ist eine halbe Stunde zu früh ins Schlafzimmer verschwunden. 70 g macht Iltschi gut und schiebt sich mit 950 g auf den dritten Platz der Fettrangliste. Ihm folgen Indra (+80) und Ilmo (+60) mit 940 g. Inouk (+40) und Iberl (+30) bringen 890 g auf die Waage. Danach kommt nur noch Ignaz, der aber, und auch das gehört zur ganzen Wahrheit, gestern wahrhaft heldenhafte 90 g aufgelegt hatte; auch daran muss man sich erinnern. So ein kleines Bäuchlein will Weile haben zu expandieren, bis es den anderen Fressmaschinen Paroli bieten kann. Die Zunahme, die natürlich kein Tsunami ist, bestätigt, dass Fianna ihren Mutterpflichten sorgfältig nachkommt und sich nichts nachsagen lässt.

Indra riskiert einen ersten BlickIndra riskiert einen ersten BlickUnd falls noch jemand an Ignaz' Ganzheitlichkeit zweifeln sollte, sei ihm an dieser Stelle mitgeteilt, dass es aus seinen Sehschlitzen zuerst himmelblau blitzt. Heute. Der kleine Ignaz hat den ersten, wenn auch noch nicht den ganz großen Durchblick. Seine Schwestern Indra und Isi machen es ihm gleich darauf nach. Es gehört zum Schönsten, wenn die Zwerge einen ersten winzigen Blick in die Welt riskieren – und plötzlich Hunde sind und keine explodierten Maulwürfe mehr.

Für Hedda ist es einerlei, ob die kleinen Hausbesetzer sie nun sehen können oder nicht; sie will sie nicht sehen. Nur wenn die Chefin wieder einmal einen Kuschelkandidaten oder eine -kandidatin auf dem Schoß hat, rückt sie ein wenig näher, vermutlich weil sie endlich begreifen will, welchen Affen sie an diesen Affen gefressen hat? Allerdings muss sie zugeben, dass sie nicht zu kurz kommt, so viel Fairness muss sein. Und so etwas würde Hedda auch nie behaupten, zumal sie jede Gelegenheit nutzt, von uns eine Streicheleinheit abzugreifen. Aber trotzdem: Dieser Zirkus muss nicht sein! Darauf hätte sie verzichten können. Fianna geht darauf gar nicht ein; sie macht ihr Ding, das macht sie gut, und lässt ihre Tochter zicken. Vielleicht macht sie sich ja Gedanken, wie sie reagiert hätte, wenn man ihr als Jungfrau so eine Ladung Verdruss vor die Nase gesetzt hätte? Für sie war die Welt ganz anders ausgestattet: mit Mama und Tante Anouk. Das war wie ein Sechser im Lotto, nur schwer vergleichbar mit einem Achter in der Kiste.

Gestern haben wir erstmals das große Kuddebett vor die Kiste gestellt und die Zwerge dorthin ausgelagert, was sie sofort und unübersehbar genossen. Heute ist das schon Alltag für die Kleinen. Wenn immer wir zuhause sind, kommen sie ins Kudde und Mama wird dazu beordert, weil auch sie den Welpendienst in diesem Bett dem in der Schnullerkiste vorzieht; da kann man sich ausstrecken bis zum Überlappen, da kann man sich fläzen und den über Bord Gegangenen ungläubig und bewundernd nachäugen. Sie ist ja auch so stolz auf ihre Bande und hudert und pudert sie bei jeder Gelegenheit.

Diese fürsorgliche und liebevolle Betreuung ihrer Kinder – darüber sollten wir für ein paar Zeilen innehalten – ist von unschätzbarem Wert für die Entwicklung der Welpen. Noch bis weit über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinaus stritten sich die Schulen darüber, was mehr, oder gar den einzig gültigen Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums hat: die Gene oder die Umwelt, in der es groß wird. Heute wissen wir, dass beides das Wesen eines Individuum prägt. Aber wir wissen noch mehr, vor allem nämlich, dass die Gene keine statische, unverrückbare Größe sind, sondern, je nach Umwelt und sozialen Bedingungen, unterschiedlich zum Zuge kommen und unterschiedliche Ausprägungen ermöglichen. Dieser Zweig der Licking MotherLicking MotherGenetik wird Epigenetik genannt. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es "schlafende" Gene, beziehungsweise Genfunktionen gibt, also solche, die vorhanden, aber nicht aktiviert sind. Je nachdem, welchen Umweltbedingungen das Individuum ausgesetzt ist, werden durch die sogenannte Methylierung Gene angeschaltet oder eben nicht. Das gilt für viele Ausprägungen eines Individuums. Warum Fiannas liebevolle Welpenpflege höchst wertvoll für deren Entwicklung ist, wurde in breit angelegten Studien mit Ratten gezeigt. Bei Ratten gibt es, wie überall, gute und schlechte Mütter, solche, die sich aufopfernd um ihren Nachwuchs kümmern und solche, die sich mehr um sich selber kümmern. Die ersten heißen in der Wissenschaft "Licking Mothers", die zweiten "Non Licking Mothers", also Mütter die ihre Kinder lecken, pflegen und mit ihnen kuscheln und solche, die das unterlassen. In allen Studien entwickelten sich unter dem Einfluss von "Licking Mothers" selbstbewusste, mutige, zutrauliche und ausgeglichene Ratten mit einem hohen Lernvermögen. Der Nachwuchs von "Non Licking Mothers" entwickelte sich hingegen ängstlich, FamilienidyllFamilienidyllunsicher und stressempfindlich. Hinter dieser unterschiedlichen Entwicklung steckt die oben angesprochene Methylierung eines Rezeptors für das Stresshormon Cortisol, was bedeutet, dass dieser Rezeptor bei Geburt des Individuums abgeschaltet ist. Durch die Fürsorge der "Licking Mothers" wird diese Methylierung aufgehoben und der Cortisol-Rezeptor kann wirksam werden. Dass es sich tatsächlich um das Anknipsen eines Genschalters handelt und die unterschiedliche Entwicklung nicht auf irgendwelche anderen äußeren Bedingungen zurückzuführen ist, konnte nachgewiesen werden, indem die Würfe verschiedener Rattenmütter direkt nach der Geburt vertauscht wurden. In allen Fällen entwickelte sich der Nachwuchs entsprechend dem Verhalten der jeweiligen Ziehmutter, also die Ziehkinder fürsorglicher Mütter entwickelten sich unter der Aufzucht nichtfürsorglicher Mütter stressanfällig, ängstlich und unsicher und andersherum.  [Quelle: Sommerfeld-Stur, Rassehundezucht, Müller Rüschlikon 2016.]

Fianna ist definitiv eine fürsorgliche Mutter, die ihre Kinder ständig pflegt und mit ihnen kuschelt. Aber es ist nicht nur Fiannas Fürsorge, die aus unseren Welpen lebenstüchtige und umgängliche Hunde machen: Es ist das gesamte Umfeld, das die Entwicklung beeinflusst und prägt. Dazu gehören auch wir als Züchter – und alle unsere Besucher, die unseren Welpen ein wahres Kuschelparadies bereiten. Liebenswerte, pfiffige und selbstbewusste Hunde haben viele Väter und Mütter, nicht nur Fianna und Eddy. Fianna und wir sorgen für diese Entwicklung schon seit dem 19. Februar. Ab nächster Woche werden sich noch viele Hände und Schöße in diesen Prozess einbringen und zur positiven Charakterentwicklung der Idefixe beitragen. Ihre künftigen Besitzer dürfen sich schon mal auf acht unwiderstehliche Herzensbrecher freuen – und viel Arbeit.

 

Samstag, 02.03.2019

Fianna kommt heute erst um 4 Uhr morgens zu uns ins Schlafzimmer, sieht also ihren nächtlichen Aufenthaltsort zunehmend bei ihren Welpen. Offenbar wird ihr das immer wichtiger, als bei uns zu liegen. Möglicherweise ist das für sie auch entspannter, als ständig vom ersten Stock ins Erdgeschoß zu lauschen, ob es dort irgendetwas zu regeln gibt. Demnach sollten auch heute die Gewichte zur allgemeinen Zufriedenheit ausfallen, denn für den Moment ist es uns wichtig, dass Fianna ausreichend liefert und wir noch nicht zufüttern müssen. Zufüttern ginge in diesem Entwicklungsstadium nur über die Flasche, weil die Zwerge noch nicht selber lecken können; das entwickelt sich erst in ein paar Tagen. Auf eine solche Aktion können wir gut und gerne verzichtet, zumal es leider häufig vorkommt, dass die Milch aus dem Fläschchen in die Lungen gelangt, was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann. So etwas braucht kein Mensch. Also sehen wir mal nach, wie der Fütterungszustand heute ausfällt.

IsiIsiIsi nuckelte sich 100 g an den properen Mädchenleib und mit 1090 g an Irax vorbei (1080, +70). Damit ist Isi die zweite Doppelpfünderin. 980 g bringen Ilmo (+40) und Iltschi (+30) auf die Waage. Indra hat 970 g (+30), Inouk landet mit einem Aufschlag von 70 g bei 960 g und für Iberl reicht es mit 50 plus für 940 g. Und Ignaz schreitet unverdrossen fürbass: 20 plus und 820 g. Das sind für alle zusammen wieder 410 Gramm, wobei Irax, Isi, Ilmo und Iberl ihr Geburtsgewicht verdoppelten. Gratulation. Und heute haben auch Ilmo und Iltschi kleine, himmelblaue Sehschlitze, aus denen sie zwar noch nichts sehen können, aber sich der Anmutung eines Hundes annähern.

Als Wohnzimmer, Spielplatz und Milchbar ist das Kuddebett nun fest etabliert; eigentlich liegt die ganze Bande nur noch dort, schläft, nölt, kräht und lässt sich von Mama versorgen. Beeindruckend ist, dass die Idefixe schon jetzt eine Art Stubenreinheit etablieren, die man in diesem Entwicklungsstadium eigentlich noch nicht erwarten Irax schleicht sich aus dem KuddeIrax schleicht sich aus dem Kuddewürde. So suchen Irax und Inouk bewusst den Weg aus dem Bett, um ihr kleines Notdürftlein auf dem Küchenboden zu verrichten. Als wir sie nichtsahnend wieder zu ihren Geschwistern setzen, machen sie so lange herum, bis sie aus dem Pulk wieder einen Ausgang und zum Kudderand finden. Dann stürzen sie sich darüber und hinaus, machen nochmal einen kleinen Buckel und erledigen den Rest. Dann ist wenigstens Irax fertig. Inouk hat noch ein drittes Mal zu schaffen, bis er erschöpft zwischen seinen Geschwistern einschläft. Irax beweist bei dieser Latrinenübung, dass er mit seinen Matschebeinchen schon ziemlich gut auf dem glatten Boden zurecht kommt: Er bewegt sich tatsächlich in einem Watschelgang, jedenfalls weit entfernt von dem Kriechen, was sie bisher alle zeigen. Dieses Bedürfnis, das Bett zum Darmoliern zu verlassen, beobachten wir auch bei Indra.

IberlIberlIberl ist auch schon recht gut auf den Beinen. Auch ihn drängt es aus dem Bett, allerdings nicht zur Darmreinigung, sondern zur Mama-Kantine, die achtsam vor dem Bett lagert. Völlig unbedrängt von seinen Geschwistern saugt er sich an einer Zitze fest, nickt dann ein bisschen ein, lutscht dann wieder und als die Quelle versiegt ist, platziert er sich um und bedient sich an der nächsten. Das Gelage hält er ganze zwanzig Minuten durch, bis ihn seine Saugmuskulatur im Stich lässt. Morgen werden wir einen besonders scharfen Blick auf Iberls Gewichtsentwicklung werfen.

Für Fianna scheint sich dieses Arrangement wie ein Bild von Spitzweg zusammenzufügen: Die Kinder, behütet in einem offenen Lager, nicht in einem bayerischen Guantanamo, sie selbst, je nach Stimmungslage, frei um die Manege herum drapiert, und das alles nach zwei langen, gemeinsamen Spaziergängen. Wieder zuhause widmet sie sich wieder ihrem Kinderdienst und geht nahezu in ihm auf. Auch das ist kein Selbstläufer, weil viele Hündinnen ihren Mutterjob einschränken, wenn sie wieder in die gewohnten Alltagsroutinen zurückkehren. Nicht so Fianna, wir haben ihr ja auch die Sache mit der Methylierung und der Epigenetik genau erklärt. Das schien sie schon beeindruckt zu haben. Ab in die Kiste...

 

Faschingssonntag, 03.03.2019

Der Faschingssonntag beginnt mit wolkenlosen 3 °C, schwingt sich zu ebensolchen 14 °C auf und legt sich mit wolkigen und windigen 5 °C schlafen. So verkünden wir denn frohgemut: Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde. Es geht also, wie bereits verkündet, bergauf mit dem Frühling.

Heute haun wir auf die PaukeHeute haun wir auf die PaukeBergauf Fasching in VagenDiesen freundlichen Herrn haben wir für die Stress-Sozialisierung der Idefixe engagiertgeht es auch mit den Idefixen, die heute alle mit offenen Augen das närrische Treiben in Vagen bestaunen, wo nachmittags 20.000 Besucher den Faschingsumzug mit 34 Mottowagen bestaunen, bejubeln, befeiern, betanzen und betrinken. Da kommen sogar die stämmigen Mauern der alten Bauernhäuser mächtig ins Vibrieren, wenn die Burschen und Dirndln auf den Wägen ihre Dezibel so zum Anschlag bringen, dass das Zwerchfell den Herzmuskel massiert. Wir sind jedenfalls mit Freunden mittendrin dabei und überlassen Fiannas Brut ihrer Obhut. Die werden Augen machen, wenn wir voller Konfetti zurückkommen.

IndraIndraDoch selbstverständlich erfüllen wir vor den Feierlichkeiten unsere Züchterpflicht und haben dabei, wie angekündigt, ein besonderes Augenmerk auf Iberls Morgengewicht, nachdem er gestern Nachmittag Fianna eine 20-minütige Iberl-Dränage gelegt hatte. Aber, weil wir heute noch anderes vorhaben, erledigen wir die Pflichten in gebotener Kürze: Irax (+110, 1190), Inouk (+70, 1030, Geburtsgewicht verdoppelt), Iberl (+70, 1010), Ignaz (+50, 870), Isi (+40, 1130), Ilmo (+40, 1020), Indra (+40, 1010), Iltschi (+10, 990). Herrje, wer soll diesen Irax aufhalten? Die insgesamt 430 Gramm gingen zu fast einem Viertel an den Zitzenprinzen, die anderen sind nicht viel mehr als seine Narrhallatruppe. Alaaf und Helau.

Wenn wir uns schon mit der Nahrungsaufnahme beschäftigen, werfen wir einen kurzen Blick auf Fianna, die wir mittlerweile von einem Viergangmenü auf drei Gänge umgestellt haben. Morgens bekommt sie weiterhin ihre proteinhaltige Milchmahlzeit, die beiden mittleren Mahlzeiten ersetzen wir durch eine kräftige Portion Platinum Puppy und abends gibt es weiterhin Fleisch oder Hühnchen mit Reis, Flocken oder Nudeln. Frubiase und Metrovetsan ergänzen die Morgen- und Abendmahlzeiten. Metrovetsan bekommt nun auch Hedda zur Unterstützung ihrer Läufigkeit.

Die Schnullerkiste gerät langsam komplett ins Hintertreffen, weil die Idefixe einen Narren am Kuddebett gefressen haben und von selber kaum noch auf die Idee kommen, ihre Muffkiste aufzusuchen. Fianna lebt es ihnen natürlich auch vor, weil sie den Raum und Luft dem doch eher stickigen Ambiente der Kiste vorzieht. So sind alle zufrieden, die Kinder schnullern mit und an der Mutter im Kudde – und die Chefin hockt in der Schnullerbox. Narrhalla eben.

 

 Rosenmontag, 04.03.2019

Sturm und StimmungSturm und StimmungEs Die Welt im Sturm zum Greifen nahDie Welt im Sturm zum Greifen nahgeht frisch los heute Morgen. 0 °C sind zwar nicht unüblich für die Jahreszeit, aber, wie wir finden, gänzlich unangemessen. Dann aber brist es auf und abends fegt ein prächtiger Sturm durchs Mangfalltal, dessen Motor ein Sturmtief namens Bennet ist. Was da oben am Dach randaliert, dringt aber nicht bis hinab ins Kinderzimmer, zumal das Gehör der Idefixe erst noch im Werden ist. Erste Reaktionen auf Geräusche zeigen sie schon, aber das reicht längst nicht, um sich aus Angst vor einem Sturm die Decke über den Kopf zu ziehen.

Iltschi, Indra, InoukIltschi, Indra, InoukAber wenn das eine noch nicht ist, kann das andere ja schon geworden sein, die Stimme zum Beispiel. Die kleine Twitterbande bellt jetzt tatsächlich. Das sind unzweifelhaft Bellgeräusche, die sie sich entlocken und keine Schreilaute mehr. Offensichtlich haben sie selber den größten Spaß an ihrem unerwarteten Stimmbruch, dass sie wie angehende Symphoniker den ganzen Tag mit wachsender Begeisterung üben. Das gilt natürlich nur für die Wachphasen, obwohl es, wie bei uns Menschen auch, Schlafredner gibt, die ihre Bettnachbarn ungeniert und gnadenlos zutexten.

Wir sind ziemlich entzückt von diesen irren Entwicklungsschritten, welche die Idefixe machen; man kann ihnen bei ihrer Hundwerdung förmlich zusehen. Am meisten beeindruckt, wie man täglich heranreifende Persönlichkeiten erkennen kann, die sich nun unzweifelhaft herausbilden. Wenn einer, weil er ungeschickt postiert ist, über den Kudderand kullert, ist das keine Folge einer bewussten Entscheidung und zeugt nicht von Persönlichkeit. Selbst das bewusste Verlassen des Lagers, um die hintere Notdurft zu verrichten, wie wir es Inouk allein in der KisteInouk, in die Schnullerkiste ausgewandertbeschrieben haben, ist keine Frage der Persönlichkeit, sondern die eines angeborenen Verhaltens, um das Lager sauber zu halten, sobald man dazu körperlich in der Lage ist. Wenn sich aber Inouk aus dem Schlafpulk seiner Geschwister erhebt, zum Rand des Bettes watschelt, sich darüber rollt, die fünfzig Zentimeter Distanz zur Schnullerkiste überwindet und sich mitten in dieser von allen anderen als überholt erachteten Muffkiste zusammenrollt und weiterschläft, dann zeigt sich hier eine kleine Persönlichkeit. Der hat einen Plan und sich für etwas entschieden und es durchgezogen. Was ihn dazu bewegt, werden wir nie wissen. Aber in sein kleines goldenes Büchlein werden wir es eintragen.

Heute verdoppeln die drei Letzten ihr Gewicht. Einer ist Ignaz, der das bei seinen 460 g Geburtsgewicht natürlich auch schon etwas früher hätte schaffen können, der aber, wie wir wissen, ein langsamer Stoffverwechsler ist. Heute hat er schon wieder 50 g aufgepolstert, das sind in zwei aufeinander folgenden Tagen stattliche 100 g, und so macht er eine Verdoppelungs-Punktlandung bei 920 g. Tärä! Die anderen IgnazIgnazbeiden sind Indra und Iltschi, deren 520 g Startgewicht naturgemäß eine erheblich anspruchsvollere Herausforderung darstellte. Indra legt heute 30 g drauf und landet ebenfalls punktgenau bei 1040 g, während Iltschi mit 60 g einen doppelt so großen Sprung macht und die Waage mit 1050 g belastet. Das heißt aber auch, und das ist keine Überraschung, dass Ignaz der einzige Idefix ist, der unter einem Kilo verharrt und somit den Namen zurecht trägt. 60 g packt sich Irax drauf und zieht dahin und die Karawane mit Abstand und 1250 g hinter sich her. Bemerkenswert ist, dass es sich Isi leisten kann, einen Tag mit Nulldiät einzulegen und dennoch mit 1130 g den zweiten Platz zu halten. Iberl bleibt mit 80 g plus mehr als nur am Ball, sondern ersäuft sich mit 1090 g den dritten Rang. Bleiben noch zwei, die wie Iltschi heute mit 1050 g in die Bücher eingetragen werden: Ilmo +30 und Inouk +20. Dem hat wohl das Betthupferl gefehlt, weil er sich aus der Mensa entfernte und ins Schnullerlager gewechselt war.

 

Faschingsdienstag, 05.03.2019

Es ist wieder etwas wärmer geworden und der Wind hat sich etwas beruhigt, aber abgezogen ist er noch nicht.

Zum Ende der zweiten Woche rollt der Betrieb beim Blues in routinierten Abläufen: Fianna verbringt große Teile der Nacht bei ihren Kindern, Hedda die ganze Nacht bei uns, möglichst weit weg von den Kindern. Die Idefixe verbringen die Nacht natürlich in der Schnullerbox, liegen aber tagsüber fast durchgehend im Kudde oder davor auf dem Boden. Die Chefin vollzieht den Morgenappell mit Kistendienst und Wiegen, der Assi verschläft diesen Teil meist, weil er weiß, dass er demnächst als Küchenreiniger ausgeschlafen, fit und sehr stark sein muss. Die Mutter pflegt und speist ihre Kinder, Hedda lauert im Hausgang auf den Ausgang. Der Rest des Tages geht in die üblichen Tagesabläufe über und entwickelt sich den Rahmenbedingungen entsprechend.

Die Gewichte zäumen wir heute einmal von hinten auf und wundern uns nicht, dass wir dort zuerst über Ignaz stolpern: 990 (+70); stramme Leistung und doch knapp vorbei. Einen Paarlauf unter Männerfreunden liefern IlmoIlmo – Körperpflege muss seinsich Inouk und Iltschi, beide 50 plus und 1100. 1120 g bringen Ilmo (+70) und Iberl (+30) auf die Waage, was natürlich nichts anderes bedeutet, als dass Iberl nur einen Tag auf dem Stockerl verbringen durfte. Indra erinnerte sich an fülligere Zeiten und versucht mit 90 g, an diese wieder anzuknüpfen (1130): dritter Stockerlplatz von Iberl übernommen. Verbleiben die beiden Granden, die sich nicht übernehmen mussten, um ihre Position zu wahren. Beide gönnen sich sparsame 40 g, das macht für Isi 1170 und für Irax 1290. Zwischen Zar und Zausel klafft ein Loch von 300 Gramm, und dazwischen nimmt sich das Volk gegenseitig die Butter vom Brot. Es geht halt zu wie im richtigen Leben bei den Idefixen.

Wenn sich schon nicht allzu viel ereignet im kleinen Blues-Kosmos, werfen wir eben wieder einen Blick aufs Wesentliche: die Persönlichkeitsentwicklung. Schließlich wollen alle einmal einen schillernden Charakter, eine echte Type mit nach Hause nehmen und kein blickdichtes Allerweltsmodell. Inouk, beispielsweise, erweitert gerade seine Ein- und Ausstiegstechniken. Während seine Geschwister ineinander verknäult im Kuddebett ruhen, macht er sich auf den Weg und kugelt über den Rand nach draußen. Und weil es ihm dort alleine zu öde ist, findet er schnell die Technik, wie man seinen dicken Po wieder hineinwuchten kann; das kostet etwas Mühe und Muskeleinsatz (bayer.: Irxenschmalz), aber er schafft es. Und ob es daran liegt, dass er daran Gefallen gefunden hat oder selbst nicht so recht an seine Fähigkeiten glauben mag: Er macht's gleich nochmal, raus und wieder rein, diesmal schon deutlich geschmeidiger. Und nochmal. Und nochmal. Dann verlassen ihn die Irxen und er legt sich zu Mama und erzählt ihr von seinen großen Taten.

Gestern konnten wir Inouk beobachten, wie er sich von seinen im Kudde schlafenden Geschwistern entfernte und in die Kiste zum Schlafen wackelte, heute liefert uns Indra das genaue Gegenteil. Weil wir die Bande kurzfristig in der Schnullerbox kaserniert hatten, um anderen Dingen des Alltags nachzugehen und sie nicht unbeaufsichtigt lassen wollten, lagen alle dort zusammen und schlummerten. Als wir uns wieder um sie kümmern konnten, nahmen wir das Sperrbrett wieder weg. Nach kaum drei Minuten wirft Indra einen Blick rundum, stemmt sich zwischen ihren Geschwistern hoch und legt sich auf das VetBed vor der Kiste. Und da richtet sie sich häuslich und bequem ein, während ihre Geschwister bis zum nächsten Milchappell in der Kiste verweilen, obwohl auch sie zwischendurch einmal wach werden und sich neu sortieren und orientieren müssen. Jeder Tag legt neue Steinchen ins Idefix-Mosaik.

Generell gilt, dass die Zwerge die Kiste konsequent ignorieren, allerdings einen Umschluss, wenn er nötig ist, still dulden. Noch! Bevorzugt liegen sie nun dort, wo die verbrauchte Kraft sie stranden ließ, im Kudde, direkt vor dem Kudde oder auch schon mal unter dem Tisch davor. Und das bedeutet für uns ab sofort: Augen auf und Füße am Boden lassen. Die Gefahr, einen Idefix zu einem Ideflat zu treten, wächst jetzt stündlich, weil ihr Investigationstrieb sie nun schon zu größeren Ausflügen antreibt. Die Zukunft sieht schlurfende und zum Boden starrende Rudelführer und jauchzende, sich frei entfaltende Milchzwerge.

FiannaFianna, topfit für die kommenden AufgabenNun liegen die ersten zwei Wochen der Idefixe erfolgreich hinter uns. Die Krallen haben wir ihnen noch immer nicht geschnitten, was jetzt wirklich dringlich ist, und einen Kurzaufenthalt im Garten wollten wir wegen der stürmischen Wetterlage und den teils frischen Temperaturen auch noch nicht wagen. Jetzt stehen also die Wochen der Verdichtung bevor: Krallenpflege, Solitärfütterung, Entwurmung, Action, Erlebnispark, Spaziergänge, und was uns sonst noch alles einfällt, und natürlich Besucher, denn ab heute sind unsere Türen für Interessenten, Käufer, Freunde, Nachbarn und Neugierige aller Art weit offen. Anrufen, mailen, whatsappen und kommen – Besucher sind herzlich willkommen. Denn, was haben wir in dieser Woche gelernt? Je mehr die Idefixe gelickt und geliked werden, desto toller entwickeln sie sich. Machen wir uns ans Werk!

 

1. Woche (20.02.2019 - 26.02.2019)

Mittwoch 20.02.2019

Es sind die ersten Tage, die uns immer unter Dauerspannung halten, weil jetzt so viel gutgehen wie schieflaufen kann. Natürlich kommen später andere Risiken hinzu, wie etwa Durchfälle und Infektionen, denen die Knirpse noch weitgehend schutzlos ausgeliefert sind, aber in diesen ersten Tagen liegt unser Hauptaugenmerk auf der Mutter; die Welpen machen einen gesunden und stabilen Eindruck, aber bei der Mutter muss man erst einmal abwarten, ob sich noch unliebsame Überraschungen eröffnen. Blutet sie gut ab? Trägt sie noch Plazentareste in sich, die ihr zusetzen? Hat sie genug Milch? Bekommt sie einen massiven Durchfall? Es ist jedenfalls nicht die Zeit, sich entspannt zurückzulehnen.

Während der Assi mit Hedda eine einigermaßen ruhige Nacht im Familienbett verbrachte, hat die Chefin im Wohnzimmer Stallwache gehalten und nicht viel Schlaf abbekommen, weil die Indieweltgesetzten die Fianna mit ihren KindernGlückliche Mama mit ihren KindernKlappe nicht halten können und unentwegt plappern. Das kennt sie zwar von früheren Bruterfolgen, macht es deswegen aber nicht besser. Mit dem Morgengrauen kommt dann der erste Rundumcheck. Welchen Eindruck macht die Mutter? Sie sieht frisch aus wie der junge Tag. Abgehakt. Dann die Temperaturkontrolle, die jetzt noch wichtiger ist als vor der Geburt, weil sie da nur ein wichtiger Indikator für die nahende Geburt war, jetzt ist sie aber der Gradmesser für den Zustand der Wöchnerin. Um 6 Uhr zieht die Chefin das Thermometer mit 38,4 °C unter Fiannas Rute hervor. Das gibt's doch nicht! Das ist ja fast Normaltemperatur. Frisch gebackene Mütter haben eigentlich immer erhöhte Temperatur bis hin zum Fieber. Nicht so Fianna. Eine Kontrollmessung kommt zum gleichen Ergebnis. Das sieht natürlich so gut aus, dass man sich fast fragt, ob wir die Geburt nur geträumt haben. So kann es jedenfalls weitergehen.

Anschließend unternimmt Fianna mit der Chefin eine kleine Runde um unsere Stamm- und Pinkelwiese, den sie in vollen Zügen genießt und bei dem sie nie den Eindruck macht, als ob sie gestern acht Welpen in die Welt gesetzt hätte. Sie hüpft herum wie Flip, fordert ihren Ball, ist rundherum quietschfidel und hat eine Ausstrahlung wie die Königin von Saba. Einzig ihr Stuhlgang ist auffällig – aber nur für Leute, die noch nie einen nachgeburtlichen Kotabsatz gesehen haben: Er ist breiig und pechschwarz. Beides kommt von acht verspeisten Nachgeburten, gigantische Eiweißbomben, die für den Brei und die Farbe verantwortlich zeichnen. Wir sind ja schon froh, dass sie nicht einen strammen Strahl herausschießt, den sogenannten Hydrantenstuhl, der häufig als Folge der Proteinbombe eintritt. Dagegen geben wir seit jeher Podophyllum, ein homöopathisches Mittel, das unsere Mütter über alle Würfe hinweg von diesem Ungemach verschonte. Und so bekommt sie zu ihrem gekochten Morgenhühnchen wieder Podophyllum, dazu Arnica zur besseren Heilung der vielen Mikrotraumata in ihren Geburtswegen und Metrovetsan, ein ebenfalls homöopathisches Mittel, das dafür sorgt, dass die Hündin schnell und gut abblutet, denn Blutreste in den Geburtswegen bedingen Fäulnisprozesse und damit Fieber. Zumindest für den Moment scheint sich dieser Gabenmix positiv auszuwirken: Fianna macht einen topfitten Eindruck.

Fianna und IsiFianna und IsiAber auch die Welpen sind wohlauf und knauzen in der Schnullerbox; offenbar sind sie wohlgenährt und zufrieden. Diesen Eindruck bestätigt auch die erste Gewichtskontrolle, bei der alle zusammen 40 Gramm abgenommen haben. Eine Gewichtsabnahme am ersten Tag ist jedoch völlig normal. Indra und Iltschi haben über Nacht jeweils 20 Gramm liegen gelassen, Ignaz, Iberl und Inouk 10 Gramm, die gewichtige Isi hat ihr Gewicht gehalten (nicht schon am ersten Tag Schwäche zeigen!),Ilmo hat 10 Gramm und Irax 20 Gramm zugenommen, macht zusammen 40 Minus. Passt. Ausgemergelt und abgemagert sieht hier niemand aus.

Nur das Nesthäkchen Hedda ist durch den Wind und sucht ihre Position in diesem Auf- und Umtrieb. Sie ist überzeugt, dass ihr gerade eine bisher sehr heile Welt unter den Beinen wegbricht; da helfen auch viele Streicheleinheiten nichts. Es sind diese starken Gerüche nach Blut und Fruchtwasser, die uns wegen des ständigen Bettenwechsels kaum auffallen, aber für eine feine Hundenase eine gemeine Herausforderung sind. Dazu kommt das unentwegte Geknirze und Gegickel, das Quietschen und Knauzen, das den stolzen Eltern ein güldenes Klingeln im Ohr ist (außer nachts), für die Außen- und Nebenstehende jedoch eher eine Art Tinnitus. Schuld ist ihrer Meinung nach ihre Mutter, die diese ganze Misere allein zu verantworten hat, und deshalb pöbelt sie sie kurz und eindringlich an, als die sich ihrem Rückzugsort hinter der Haustür nähert. Ranz! Psychogeschwätz ist jetzt wirklich das Letzte, das ihr fehlt und langatmige Erklärungen braucht sie auch nicht. Und Fianna? Dreht sich um, lässt ihre Tochter spätpubertieren und trollt sich wieder. Die wird schon wieder normal; den Gören geht es einfach zu gut heutzutage, und vom Leben haben sie keine Ahnung. Aber warte nur. Sie ahnt offenbar, dass die kleine Rübennase auch irgendwann nach Blut und Fruchtwasser duften soll. Fianna fechten solche Rüpeleien nicht an; da schwebt sie drüber und davon. Und die Rübennase muss wieder selber mit sich klarkommen. Was zumindest an der frischen Luft beim Morgenspaziergang schon bestens funktioniert; da ist sie die immerwährende Hedda, unbeschwert, luftgetragen und spielrauschig bis zum Herzstillstand. Nur nach Hause will sie nicht mehr. Dann doch lieber Herzstillstand...  Aber wir wissen ja alle: Letztlich kommen die guten Mädchen in den Himmel und die anderen überall hin, auch in die verabscheute Brutfabrik.

Als zweites Frühstück nimmt Fianna körnigen Frischkäse mit Ziegenmilch und Frubiase Calzium  zu sich, das ihren heftigen Kalziumabbau durch die Milchsauger ausgleichen muss. Wie sehr eine Geburt und die Zitzenzuzler den Kalziumhaushalt einer Hündin plündern, sieht man an ihren Zähnen: Die elfenbeinernen Luxusbeißer werden schon während der Geburt bernsteinfarben und wechseln anschließend in ein hässliches Gelbbraun – innert (ach, was liebe ich dieses Schweizer Wort!) weniger Stunden. 

Am frühen Nachmittag stärkt sich Fianna noch einmal mit Hühnchen und einer Trockenfutterbeilage, das sie mit Appetit verspeist, schließlich lassen ihr diese kleinen Isegrimms kaum etwas übrig von dem, was sie zu sich nimmt. Danach unternimmt sie mit der Chefin bei 13 °C und frühlingsfrischer Sonne einen kleinen Spaziergang um die Wiese. Nach ihrer Rückkehr wird sie von Hedda, gegen deren Gewohnheit, recht reserviert begrüßt, weil ihr die Mama offenbar total fremd und irgendwie unheimlich geworden ist. Sie wird wohl noch einige Therapiesitzungen mit sich selber machen müssen, um im neuen Rollenspiel anzukommen. Das wird ihr gelingen. Schadet ja nicht, wenn man langsam erwachsen werden und sich aus dem mütterlichen Kokon lösen muss.

Um 19 Uhr liefert das Rektalometer eine Fiannentemperatur von 37,6 °C. So viel Normalität lässt uns nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Die Nacht verbringt  die Chefin nahe ihrer Brut und der Assi mit Hedda im Familienlager, weit weg von den Gerüchen und der Lärmbelästigung. Hedda schläft wie ein Murmeltier. Wahrscheinlich hofft sie, dass die Nacht nie enden möge.

 

Donnerstag, 21.02.2019

Die Nacht der Chefin ist erwartungsgemäß unruhig, nicht, weil es den Idefixen schlecht ginge, sondern weil sie sich so viel zu erzählen haben. Es ist ja einer jener sinnfreien Mythen, dass Männer maulfaul seien. Sechs Kerls am Stammtisch vor ihrem Bier sind alles andere als maulfaul, und sechs Burschen am Zapfhahn der Mutter haben immer noch einen Mundwinkel frei, aus dem heraus sie warme Luft absondern können. Dass sich die beiden Mädels dieser Konversation nicht verschießen, liegt nahe. Man muss diese Dauerberieselung eine Nacht ertragen haben, um a) zu wissen, woher der Begriff twittern kommt und b), um mehr als einen, exakt acht gute Gründe zu haben, alle Vorbehalte diesem Quatschmedium gegenüber bestätigt zu bekommen.

Doch jede Nacht geht zu Ende und die Nachtmahre lösen sich im fahlen Licht eines Februarmorgens in Hirngespinste auf. Wenn die glückliche Mutter morgens um 6 Uhr mit 38,3 °C aus der Kinderkiste steigt, kann der Tag kaum besser beginnen, selbst wenn die Quatschköpfe darin noch immer ohne Punkt und Komma twittern.

Wenn man den Gesprächsbedarf der Zwerge in Betracht zieht, kann man über deren Befindlichkeit zweierlei schließen, entweder, sie haben Anlass, sich zu beschweren oder es gilt das Gegenteil: Sie quatschen uns und dem lieben langen Tag ein Ohr ab, weil sie vor lauter Sorglosigkeit nichts Besseres zu tun haben. Die Gewichtskontrolle legt das Zweite nahe. Zusammen haben sie 140 Gramm, zugenommen, wobei keiner IberlIberlabgenommen hat. Ihr Durchschnittsgewicht liegt heute bei 513,75 Gramm (gestern: 496,25, nach der Geburt: 501,25). Da kann man natürlich aus voller Brust trillern. Ignaz (450) und Ilmo (500) haben ihr Gewicht gehalten, Iberl (470) und Inouk (490) haben 10 Gramm zugenommen, Irax und Isi liegen mit 560 Gramm gleichauf und haben auch beide 20 Gramm zugelegt, Iltschi legte 30 Gramm auf und wiegt nun 530 Gramm. Indra hat vermutlich die Klappe und sich ans Büffet gehalten: +50, macht 550. Damit zeigt sich wieder einmal die Frauenpower, die von Isi mit 560 Gramm angeführt und von Indra mit 550 bestätigt wird. Nur Irax hält mit Isi noch die Spitze. Irgendwann werden die Mädchen dann aber klein bei- und nachgeben müssen und die Burschen vorbeiziehen lassen.

Ein gemeinsamer Spaziergang fürs gemeinsame GlückEin gemeinsamer Spaziergang fürs gemeinsame GlückFianna ist, nicht nur wegen ihrer formidablen Körpertemperatur, richtig gut drauf , sondern besteht auch darauf, die Chefin und Hedda auf eine kleine Runde begleiten zu dürfen. Sie ist eine fürsorgende Glucke, die aber ihre eigenen Bedürfnisse nicht vor lauter Gluckerei aus dem Blick verliert. Schlank ist sie wieder und federt auf leichten Beinen neben den beiden her, als hätte ihr der Verlust der wochenlangen Last Flügel verliehen.

Hedda genießt diesen Spaziergang zwar sichtlich, legt aber weiterhin keinen Wert darauf, wieder nach Hause zu kommen. Da ihr dieser Wunsch unerfüllt bleibt, arrangiert sie sich mit den häuslichen Gegebenheiten und geht Fianna und den Twittern aus dem Weg. Ihr Platz ist vorrangig der Eingangsbereich, weit genug weg und außer Sicht der Schnullerbox. Wenn allerdings zur Speisung gerufen wird, gibt sie ihre Zurückhaltung und Distanz gegenüber ihrer Mutter auf, und sie schlemmen, wie gewohnt, Seit an Seit und Schulter an Schulter. Und da stört es sie auch nicht, dass direkt hinter ihr die Zwerge plappern. Die Sorge, angesichts der rundum gewaltigen Kaloriennachfrage, unter die Räder zu kommen und Stammgast bei der Bruckmühler Tafel zu werden, lässt sie ihre Abneigung für wenige Minuten vergessen, dafür aber die Schlagzahl erhöhen; sie war schon immer doppelt so schnell wie ihre Mama, aber jetzt ist sie schon fertig, bevor diese eruiert hat, was im Napf liegt.

In ihm liegt heute, und das ist bis auf Weiteres Fiannas Menüplan (Varianten sind gewollt und erwünscht), morgens eine große Portion selbstbereitete Welpenmilch mit Hüttenkäse, mittags eine ebenfalls große Portion gekochtes Hühnchen mit Reis, aufgepimpt mit Metrovetsan und Frubiase, nachmittags, gegen 17 Uhr, wieder eine große Portion Trockenfutter und abends Rind pur oder mit Pansen oder Innereien. Dazwischen gibt es zwei- bis dreimal Arnica und Podophyllum. Normalerweise müsste Fianna bei diesem Speiseplan aufgehen wie eine Dampfnudel, aber sie nähert sich schon wieder ihren Idealmaßen. Unglaublich, wie viel Energie diese acht Vampire ihr entziehen. 

Am späten Nachmittag liegt Fiannas Temperatur bei 37,4 °C, und wir bleiben dabei: So cool war noch keine unserer Mütter am zweiten Tag nach der Geburt, Fianna eingeschlossen. Das positive Gesamtbild bestätigt sich in Fiannas Stuhlgang, der weiterhin breiig ist, allerdings mit Tendenz zur Normalität. Da unterscheidet sie sich von Hedda, die heute eine ordentliche Flitzekacke hat, weil ihr diese häuslichen Umstände offenbar doch auf ihren sonst äußerst stabilen Darm schlagen. Dagegen gibt es allerdings ein unschlagbares Hausmittel: Spaziergang mit ihrer Hundefreundin Krümel und Lieblingsfreundin Anna-Maria. Dass deren Mutter für alle zusammen Verpflegung mit sich schleppt, wird dankend akzeptiert, aber nicht weiter thematisiert, weil sich Hedda, Krümel und Anna-Maria selbst genug und ein Kosmos für sich sind, die ihre Außenwelt wahr-, aber kaum zur Kenntnis nehmen. Man hat eben sein Personal, hat man keines ist man ein armer Hund, jedenfalls kein Hovawart. Und die Cockerpoo-Hündin Krümel ist längst zum Hovawart geworden, auch wenn sie nicht so aussieht. Vielleicht besteht sie ja demnächst auf rassekorigierende OPs. Anna-Maria hat alle RecheAnna-Maria hat alle RechteDurchaus denkbar. Die Drei also, Hedda, Krümel und Anna-Maria, unternehmen, begleitet und geleitet von einer Butlerin, einen mehr als zweistündigen Spaziergang durchs Mangfalltal mit angeschlossenem Picknick. Hier rennt und tobt sich Hedda ihre Alltagssorgen aus dem Kopf. Als die Tour jedoch ein Ende nehmen muss und Anna-Maria ihre Krümel nach Hause bringen soll, während Hedda von der Butlerin wieder an ihren Stammsitz abgeliefert wird, beschließt Hedda, sich Krümel anzuschließen und sich auf unbestimmte Zeit bei ihr einzuquartieren. Dieses Ansinnen wird allerdings vereitelt, und so kehrt sie leidenschaftslos in ihre Zwitscherbude zurück und hofft vermutlich auf eine tägliche Wiederholung dieser ausgedehnten Auszeit. Die nächste Mahlzeit wird ihr die schalen Gefühle wieder vertreiben.

Die vier haben jedenfalls eine vorfrühlingshaften Spaziergang bei fast 14 °C hinter sich gebracht, und falls sie den Eindruck gehabt haben sollten, dass ihnen die Sonne etwas schmalbrüstig und ausgezehrt vorkommt, ist das durchaus im Bereich des Möglichen, weil wir seit unserem letzten Wurf, vor zwei Jahren, eine Photovoltaik-Anlage installiert haben und demnach die ganze Power, die wir für die dauerlaufenden Waschmaschine und Trockner brauchen, nun dieser unserer einzigen Sonne abtrotzen. Bei unserem gegenwärtigen Wäscheberg muss es nicht wundern, wenn sich die gute, alte Sonne wundert, was ihr da unversehens bei ihrer Visite über dem Mangfalltal angetan wird. Aber sie ist mit ihrem Ausnahmezustand nicht alleine: Der Assi ist auch schon eher fahl als vorfrühlingshaft bronziert, weil er aus dem Keller kaum noch herauskommt und langsam zum Kellerassi mutiert. Doch auch er wird sich erholen, wie auch Frau Sonne wieder zu alter Strahlkraft zurückfinden wird.

Nachdem wir uns nun ausgiebig selbst bedauert und die Quasselstrippen in der Box beklagt haben, dabei den Zustand der Mutter bewundert und den der Tochter dokumentiert haben, darf man sich die Frage stellen: Gibt es sonst nichts Erwähnenswertes über die Idefixe? Also bitte! Am dritten Lebenstag! Wobei: Iltschi haben wir heute schon ertappt, wie er versucht hat, auf seinen Matschebeinchen durch die Kiste zu wackeln. Immerhin. Und außerdem ist es ihm schon gelungen, sich mit dem linken Hinterbeinchen hinterm linken Ohr zu kratzen. Das ist, anders als der Gehversuch, allerdings eine motorisch schon sehr bemerkenswerte Leistung. Ob er darüber nachgrübelt, warum er den Namen eines legendären Pferdes tragen soll, wo es doch seine nachdrückliche Absicht ist, selbst einmal zur Legende zu werden? Er wird es uns nicht verraten. Und wir warten ab, womit er uns überraschen wird.

 

Freitag, 22.02.2019

Es ist stark bewölkt und regnet. Morgens hat es 7 °C und mittags 14 °C; das ist zwar für die Jahreszeit unangemessen warm, aber mit den Frühlingsgefühlen ist es vorerst vorbei. Egal: Echten Frühling erwarten wir, wenn die Knirpse in die Außenanlage sollen; jetzt kann es gerne noch ein bisschen regnen. Wenn wir uns zur Abwechslung wieder einmal dem Hundertjährigen widmen, gibt es wirklich keinen Grund zur Klage. Wenn’s an Petri Stuhlfeier kalt, die Kält noch 40 Tage anhalt oder Weht es sehr kalt um Petri Stuhl, denn bleibt's noch 14 Tag kuhl. Von Kälte kann wirklich keine Rede sein, außer bei Fianna vielleicht, die auch heute Morgen wieder 38,2 °C kuhl ist. Dagegen das hundertjährige Kontrastprogramm: Ist es mild und nach Petri offen der Bach, dann kommt auch kein großes Eis mehr nach. So soll es sein. Unser Vertrauen in den Hundertjährigen ist ungebrochen.

Vielleicht ist Fianna sogar ein bisschen zu kuhl, weil sie ziemlich viel pinkeln muss, beim Ausgang schon gleich zu Beginn drei-, viermal hintereinander und dann auch immer wieder. Vielleicht hat sie sich eine leichte Blasenentzündung  geholt. Wir beobachten das. Sonst ist sie so locker und fidel wie immer. Fieber hat sie jedenfalls keines, daran besteht kein Zweifel.

Und sie blutet immer noch heftig nach, was gut ist, aber sie selbst am meisten stört. Wenn sie mit der Zunge gar nicht mehr unter ihrem Schwanz herausfindet, bringen wir sie in die Hundedusche und gönnen ihr eine kleine Abreibung. Fianna steht auf diese Behandlung, geht gerne mit in die Dusche, stellt sich unter der Brause in Position und genießt die warmen Wasserstrahlen. Dann wird sie noch abfrottiert, was ihren Glückszustand weiter fördert, und wieder zu ihren Kindern geschickt. Das genießt sie alles sehr und liegt danach wie die kinderreiche Kaiserin Maria-Theresia mit ihrer ganzen Brut im Bett und im Glück. So eine hippe Duscha hatten wir noch nie (ihre Tochter nimmt sich fast das Leben, wenn sie in die Dusche gebracht wird).

inoukinoukDen Zwergen scheinen die Duschaktionen mit anschließendem Umtrunk auch nicht schlecht zu bekommen, jedenfalls lässt ein Durchschnittsgewicht von 551,25 Gramm (gestern 513,75) auf einen prächtigen Gedeih hoffen. Und so ist es auch. Arbeiten wir einfach die Gewichtstabelle von oben nach unten ab: Indra 610 g (+60), Irax 600 g (+40), Isi 580 g (+20), Iltschi 570 g (+40), Ilmo 560 g (+60), Inouk 510 g (+20), Iberl 500 g (+30) und Ignaz 480 g (+30). Das macht eine Auflastung von 300 Gramm aus, übrigens exakt so viel wie am gleichen Tag beim H-Wurf (allerdings hatte Fianna damals drei Mäuler mehr satt zu kriegen).

 

Samstag, 23.02.2019

Nach dem Regen kommt der Frühling zurück, allerdings mit Ostwind, und das bedeutet Dauersonnenschein bei 0 °C morgens, 3 °C nachmittags und -6 °C am späten Abend. Aber schön ist es. Das finden auch die Stare, von denen heute ein erster Männertrupp auf Quartiersuche lärmend durchs Mangfalltal zieht. Da hätten die Knirpse aber eine Freude, wenn wir ihnen diese Kreischer mit ins Nest setzen würden. Und Hedda erst!

Zu Fiannas Temperaturen äußern wir uns vorerst nicht mehr, weil die morgens und nachmittags jeweils um 0,1 bis 0,2 Grad abrutschen, der Allgemeinzustand sich also weiter bessert. Sie lässt noch immer viel Blut liegen, vielleicht, um nicht auf ihre geliebte Dusche verzichten zu müssen. Uns ist das eine so recht wie das andere.

 Auf der Waage bestätigt sich, dass Fiannas viele Duschen eine ausgesprochen gewichtsfördernde Wirkung haben. Heute hat Irax mit 660 g (+60) die Führung in der Hüftspeck-Rallye übernommen. Ihm folgen die Amazonen Indra mit 650 g (+40) und Isi mit 640 g (+60). 630 g (+60) bringt Iltschi auf die Waage, Ilmo folgt mit 610 g (+50) und Inouk mit 600 (+90). Iberl (560) und Ignaz (540) hilft es bei dieser Konkurrenz nichts, dass sie sich mit mächtigen 60 Gramm keine Blöße gaben. Insgesamt waren das von gestern auf heute 480 gemeinschaftlich ermampfte Gramm, was andererseits bedeutet, dass Fianna dafür etwa einen Liter Milch liefern musste. Jetzt weiß man, warum sie bei einem solchen Speiseplan nicht zunimmt. Den Zunahmen entsprechend sind die Knirpse auch in einer Topverfassung, und wenn man sie hochnimmt, hat man ein halbes Kilo strammen und festen Körper in der Hand, an dem kein Fett und auch sonst nichts Wabbeliges ist. Man spürt schon jetzt: Was sich da in der Hand räkelt und wehrt, wird sehr bald ein richtig durchgearbeitetes Muskelpaket sein.

IndraIndraDerIltschiIltschi heutige Tag bringt ein wenig Abwechslung und Aufregung in den ereignisarmen Schlaf-Trink-Alltag der Zwerge, denn es kommt die Zuchtwartin zur Erstbegutachtung. Innerhalb der ersten Lebenswoche müssen sie sich einem kleinen Check unterwerfen, bei dem es vor allem darum geht, einen ersten Eindruck zu gewinnen: Sind sie gesund? Sind sie wohlgenährt? Entsprechen sie dem Rassestandard, zumindest so weit, wie man das zu diesem Zeitpunkt feststellen kann? Wohlgenährt sind augenscheinlich alle und einen kranken Eindruck macht keiner. Eine Gaumenspalte kann keiner haben, sonst hätte er (oder sie) nicht so kräftig zunehmen können. Die Näbel sind ebenfalls ohne Beanstandung, die Ruten lassen auch keinen Defekt erkennen und Farbabweichungen treten sehr bescheiden auf, etwa der Bruststrich bei Irax und die Ignaz und seine MamaIgnaz und seine Mamaweißen Zehenspitzen bei Ilmo. Ob und wie sich das verwächst, muss abgewartet werden. Und so sind wir sehr zufrieden mit dem, was uns Fianna und Eddy in die Kiste gelegt haben, zumal die acht auch ziemlich wehrhaft sind und ihren Protest gegen diese Behandlung lebhaft zum Ausdruck bringen; Schlafmützen sind sie nicht. Sogar Hedda findet, dass diese Welpenbeschau eine gute Gelegenheit wäre, einmal selbst einen Blick auf die Bande zu werfen und steckt doch tatsächlich ihre Nase unter Ignaz' Schwänzchen, was Mama Fianna sehr wohlwollend registriert und ihr umgehend assistiert. Das reicht Hedda dann auch; die Dosis macht das Gift, wie man weiß. Zu viel wäre jedenfalls nicht wünschenswert. Und deshalb trollt sie sich wieder und hat etwas zu grübeln.

 

Sonntag, 24.02.2019

Puuh: -7 °C sind zwar februartypisch, aber von dem an Petri Stuhlgang angekündigten Frühling doch noch ein ganzes Stück entfernt. Das liegt natürlich am Ostwind, der sich zwar merklich abgeschwächt hat, aber immer noch viel Frische aus dem nahöstlichen Kühlschrank hereinhaucht. Dabei ist der Hundertjährige bezüglich des heutigen Tages voller frühlingshafter Zuversicht: St. Mattheus hab ich lieb, denn er gibt dem Baum den Trieb. Der wird sich schön bedeckt halten, der Baum. Doch die nächste Vorhersage gibt dem Assi wirklich zu denken: Wenn Matthias kommt herbei, legen Gans und Huhn das erste Ei. Woher, so fragt er sich, nahm denn der Hühnerhof um die Ecke all die Eier, die er in den vergangenen Tagen in Fianna stopfte? Flugeier aus Namibia etwa? Und dann auch noch falsch ausgezeichnet! Oder bereiten die ihren Hühnern einen ganzjährigen Matthias-Frühling? Kaum meint man, die Welt in ihren großen Strichen verstanden zu haben, zermartert man sich das Hirn mit Hühnereiern. Kleinteiliger geht es kaum.

Diese Eier tragen jedenfalls beträchtlich zu Fiannas  Leistung als Marketenderin ihrer Brut bei, die weiterhin über jeden Verdacht erhaben ist. Auch heute Morgen kann sie um 480 Gramm aufgelastete Kinder präsentieren, hat demnach wieder einen Liter Milch produziert und ausgeliefert.

IraxIraxIrax hat seine Frontposition mit 720 g (+60) verteidigt, stark bedrängt von den Mädels Isi (+60) und Indra (+50), die 700 Gramm auf die Waage bringen. Ihnen folgen Ilmo mit 690 g (+80) und Inouk mit 670 g (+70). Ein bisschen durchgereicht wurde Iltschi mit 660 g (+30). Die beiden zarten Buben am Ende der Tabelle können sich weiterhin ins Zeug legen wie sie wollen, die Igelbande der anderen sechs ist immer schon da. Deswegen bleibt Iberl trotz 60 Gramm plus und 620 Gramm auf dem vorletzten Platz, kräftig bedrängt von Ignaz (610), der sich sogar 70 Gramm einverleibte. Hilft nichts. Unsere Erfahrung sagt, dass das jetzt erst eine Weile so bleiben wird. Oft genug kommen die Zarten am Ende ganz groß raus, und wenn nicht, dann eben nicht. Hungerhaken hat Fianna noch nie in die Welt entlassen.

Fianna Fianna lässt sich nicht aus der Ruhe bringenNicht nur die Idefixe gedeihen prächtig, auch Fianna erholt sich sichtbar von der Geburt. Das gilt vornehmlich für ihre Zähne, die jetzt wieder weiß werden und sich dem gesunden Gesamtbild nicht mehr widersetzen, aber auch ihre erhöhte Blasenaktivität hat sich wieder normalisiert. Alles im frühlingsgrünen Bereich also.

Nach Heddas gestrigem Vorstoß in Richtung Ignaz, versucht sie es heute mit einem schnellen Blick ins Aussiedlerkörbchen. Das Aussiedlerkörbchen kommt zum Einsatz, wenn die gute Stube geputzt und das Bettzeug ausgetauscht werden muss. Das passiert in den ersten Tagen, wenn die Mutter viel Blut und Fruchtwasser verliert, vier bis fünf Mal am Tag (kann auch öfter sein), reduziert sich dann, wenn diese Belastung vorbei ist, auf etwa zweimal und geht sprunghaft in die Höhe, wenn die Knirpse ihre Därme und Blasen ohne Zutun der Mutter frisch von der Leber weg entleeren. Dann ist wieder Rush Hour für den Assi im Keller (und der Sonne geht wieder das Licht aus). Das erste Körbchen mussten wir schon austauschen, weil die fette Bande sich nur einmal übereinander wälzen musste, und schon lagen sie in der Küche. Und jetzt gibt Hedda vor, sie interessiere sich eigentlich nur für das neue Körbchen, überhaupt nicht für dessen Inhalt. Wenn sie meint... Die Inspektion des Körbchens ist jedenfalls nach wenigen Sekunden abgeschlossen, und sie macht sich wieder davon.

Eine neue Mutwallung überkommt Hedda, als Krümels Anna-Maria mal sehen will, was aus den Frischgeborenen, denen sie ihren Segen mitgeben durfte, inzwischen geworden ist. Keine Mutter kann entspannter bei ihren Kindern liegen als Fianna, wenn Anna-Maria ihr Beistand leistet, ihr Ausdauer und Kraft zuspricht und die Nase krault und nebenbei Ignaz im Schoß hält. Angesichts eines so paradiesischen Friedens, hält es sogar Hedda nicht mehr abseits, schließlich könnte ihre Zurückhaltung zur Folge haben, dass ihr Fianna den Rang bei Anna-Maria abläuft . Das ist zwar nicht zu befürchten, aber Hedda baut lieber vor und verbringt ein paar Minuten an Anna-Marias und Ignaz' Seite, nur wenige Zentimeter von ihren Halbgeschwistern entfernt. Steter Tropfen wird auch diesen heddischen Granit höhlen.

 

Montag, 25.02.2019

Auch heute wird der Baum nicht auf die Idee kommen, einen Trieb zu treiben, denn -4,5 °C werden seine Frühlingsgefühle weiterhin im Zaum halten. Im Tagesverlauf wird er es sich villeicht anders überlegen, denn bei 10 °C könnte man schon eine kleine Triebspitze wagen. Die Weidenkätzchen machen es ihm schon seit Wochen vor, wie man jeden Sonnenstrahl nutzt.

Fianna hat es, was die Aufbrezelung ihres Nachwuchses angeht, gestern etwas gemütlicher angehen lassen, aber immer noch für 450 Gramm Zuwachs gesorgt. Rennliste: Irax (800, +80), Isi (770, +70), Indra (750, +50), Iltschi (730, +70), Inouk (730, +60), Ilmo (710, +20), Iberl (700, +80) und Ignaz (630, +20).

Die Abgabe von Stoffwechselendprodukten entspricht inzwischen der Nahrungsaufnahme. Das bedeutet, dass die von Fianna verströmten und nun größtenteils verflogenen säuerlichen Gerüche fast nahtlos von Kloakengerüchen abgelöst werden. Es wabert ein schwerer Latrinenduft durch die Räume des Blues. Erstaunlich ist nur, dass so wenige winzige Würstchen eine so vehemente atmosphärische Belastung auslösen können. Dieser Meinung ist auch Fianna und lehnt jegliche Verantwortung dafür ab. Sie verweigert den Welpendienst so lange, bis die anrüchigen Därmlinge beseitigt sind. Und wen trifft es meistens? Genau. Ausgerechnet den, dessen empfindsamstes Körperteil seine Nase ist. Aber wenn es nur die Nase wäre! Die Zwerge entwickeln bereits Verhaltensformen, für die man sie loben müsste, wessen man sich in der Praxis aber doch enthält. Zum Beispiel graben sie sich unter eines der VetBeds und erleichtern sich dort. Wenn der Assi dann den ganzen Bettenberg aus der Kiste hebt, kann es ihm schon passieren, dass er mit vollem Griff... Ach, lassen wir das. Von der Mutter gibt es dafür Lob, und sie lässt sich wieder herab und nieder.

Inouk, der KorbflüchtigeInouk aus dem KorbHeute Ilmo aus der KisteIlmo aus der Kisteflitzt, während der Verschiebung ins nun neue und vermeintlich ausbruchssichere Aussiedlerkörbchen, Inouk über dessen Rand davon. Kräh! Und wenig später, wieder zurück in der Schnullerbox, nutzt Ilmo den Rücken eines schlafenden Geschwisters und macht sich über die zehn Zentimeter hohe Bordwand der Kiste davon. Noch keine Woche alt und seiner kleinen Welt schon so überdrüssig.

Damit wären wir bei Hedda, die es überdrüssig ist, immer nur als Randfigur geführt zu werden, deswegen bringt sie sich aktiv ins Geschehen ein und meldet sich läufig. Und der Assi wunderte sich schon, warum Fianna plötzlich mit einer so seltsamen Tröpfchenblutung aufwartet. So hat nun auch Hedda ihren gewichtigen Anteil am Geschehen und darf mit der gebotenen Aufmerksamkeit rechnen. Oder will sie uns gar mitteilen, was Mama kann, könnte ich auch?

 

Dienstag, 26.02.2019

Noch immer erwacht der Morgen in schwachen Minusgraden, aber der Amselbock (ja, wir wissen, eigentlich müsste es Hahn heißen), also der Amselbock verspürt schon den Trieb, der dem Baum noch abgeht und singt. Das erste Morgenkonzert dieses Jahres, und er räuspert sich noch ein wenig, muss die Stimme noch etwas trainieren und ölen, aber nichts und niemand verkündet den Frühling so charmant und sicher wie der schwarze Sänger auf dem Dach. Danke. Mal sehen, ob die Eisdiele drüben in Bruckmühl schon geöffnet hat.

Zurück in die Niederungen der Chronistenpflicht. Fianna gönnte den Kleinen gestern nur 420 Gramm. Nein, es besteht kein Grund, uns Care-Pakete zu schicken, aber ihr vorwurfsvoller Blick richtet sich an den Assi, der ihrer Meinung nach die Bescherungen nicht schnell genug beseitigt hatte, was sie von der nötigen Fürsorge abgehalten habe. Immer ist der Assi schuld, der im übrigen, was wegen entsprechender Nachfragen noch einmal verdeutlicht werden muss, immer noch ein Assistent ist und kein Asylant oder Asozialer, weil er sonst ein Asy oder ein Aso wäre. Bedenklich, wie sich der gesellschaftliche Sprachgebrauch und die allgemeinpolitische Gefechtslage direkt auf die Belange des Blues auswirken. Also, wieder zurück. Heute kommt der Chronist irgendwie nicht vom Fleck. 420 Gramm gestern sind kein Grund den Notstand in der Schnullerkiste auszurufen. Am meisten griff sich Ilmo von diesem Kuchen ab: 90 Gramm, ergeben insgesamt für ihn 800 g. 70 Gramm gönnte sich Inouk und kommt damit ebenfalls auf 800 g. 60 Gramm gab es für Irax und – schau, schau – für Ignaz, nur die Schlussbilanz fällt erwartungsgemäß sehr unterschiedlich aus: Irax 860 g und Ignaz 690 g. Die Welt ist ein schlechter Ort. Isi hält mit 50 Gramm plus und 820 g noch immer den Platz hinter Irax. 40 g ergeben für Iberl 740 Gramm, die 30 g von Indra reichen für 780 g und 20 g für Iltschi summieren sich auch auf 750 g. Das Durchschnittsgewicht der Idefixe beträgt nun 780 g. Und alle sind topfit und lebhaft.

So lebhaft, dass es sie einfach nicht mehr in ihrem Aussiedlerkörbchen hält, und wenn es passt machen sie sich immer wieder mal über die Bordwand davon. Wir müssen jetzt wirklich aufpassen, dass uns nicht einer oder eine bei den Putzdiensten unter die Beine gerät. Das geht so fix bei denen, dass man es kaum mitbekommt, wenn wieder einer auskommt. Erst wenn sie sich beklagen und nach der Mama schreien, weiß man, dass wieder ein Verlust zu verzeichnen ist. Die Mutter fühlt sich allerdings nicht weiter bemüßigt, sich der Sache anzunehmen, höchstens, dass sie den Auskömmling für sich identifiziert. Mehr nicht. Ein Wiedereingliederungsprogramm für Republikflüchtlinge kennt sie nicht. Wozu hielte man sich denn einen Assi, wenn nicht für solche Dienste? Diese Fluchtreflexe bedeuten aber auch, dass der Assi alle Türen offenhält, wenn er im Haus unterwegs ist, um am Mordio-Geschrei zu erkennen, dass Alarm ist. Noch besteht keine Gefahr, dass die Zwerge größere Strecken zurücklegen oder gar ins Treppenhaus gelangen können, dazu reichen ihre Schubkräfte auf dem glatten Boden noch nicht, aber man muss sie ja nicht ihrem Schicksal überlassen. Auch wenn die Mutter durchaus für lehrreiche Maßnahmen plädiert.

Kinder sind VertrauenssacheKinder sind VertrauenssacheNach einer kurzen Mittagsrunde um die Wiese mit Fianna, wird sie bei ihrer Rückkehr von Hedda bis zur Schnullerbox begleitet. Hedda tut, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, streckt ihr Nase in die Box, kurz nur, sehr kurz, näselt noch ein wenig mit Fianna, die einigermaßen verdutzt wirkt und schlendert wieder davon. Die Neugier lässt es nicht zu, dass sie sich acht Wochen abstinent hält, irgendwann muss das Eis brechen. Eine Woche Idefixe wäre dafür doch ein guter Anlass.