Dienstag, 22. Juni 2021

Vielleicht sollten wir uns einen kleinen Rückblick auf die vergangene Woche gönnen, bevor wir in die fünfte Lebenswoche der Jabberwockys starten.

Außerhalb unseres kleinen Habitats waren es vor allem die schweren Gewitter, die dieser Woche ihren Stempel aufdrückten, aber von uns nur wenig Notiz nahmen. Am Dienstag gestalteten wir unseren Garten mithilfe einiger ausbruchssicherer (?) Gitter zum Raubierkäfig um und bestückten ihn mit ein paar Spielgeräten, damit Leben im TransitLeben im Transitdie Insassen nicht gleich merken, dass es nun in Vagen eine Außenstelle von Guantanamo gibt. Die Hitze ließ aber nur eine räumlich sehr begrenzte Nutzung des von uns als Paradies bezeichneten Gefängnisses zu. Am Mittwoch begannen wir gezielt mit Heddas Befreiung von ihren lästigen Milchegeln am Bauch. Außerdem inszenierten wir einen unspektakulären Dog-Walk zum Zwecke einer Halbzeit-Fotosession. Der Freitag stand im Zeichen des Transits und dessen Vereinnahmung, die sich mit wachsendem Erfolg bis zum Sonntag hinzog. Am Ende der vierten Woche konnten sich die Zwerge schon gar nicht mehr erinnern, wie überhaupt ein Leben ohne Transit möglich war. Ab Sonntag blieb die Schlummerkiste nachts offen, und die Jays machen seither keinen Gebrauch mehr von ihr, es sei denn als kuscheliges Familienklo 🤦‍♂️. Im Laufe der Fütterungen wurde der universelle Futterruf Matze-Matze-Matze etabliert, der die Beinsicherheit und Geschwindigkeit der Kinder schon aus ernährungstechnischen Gründen dermaßen beschleunigte, dass aus urkomischen Rollatoren flitzeflinke Boxautos, auch Scooter genannt, wurden, die alles aus dem Weg räumen, was ihnen im Weg steht. Die Zwerge selbst haben sich martialisch bewaffnet und versäumen keine Gelegenheit, sich mit den Einsatzmöglichkeiten ihres neu erstandenen Arsenals vertraut zu machen. Und zwei haben sich so schamlos an unsere Besucher angewanzt, dass sie bereits jetzt ihre zukünftige Anschrift kennen.

Dann können wir uns nun in neue Abenteuer stürzen. Doch in dieser Hinsicht sieht es heute ziemlich mau aus; was soll sich schon ereignen an einem Tag, der noch nicht einmal dem hundertjährigen Bauern eine Erwähnung wert ist. In solchen Momenten kann man sich über die kleinsten Nichtigkeiten freuen, vor allem aber werden sie, die man sonst vermutlich übersehen würde, sichtbar.

Janitschek staunt, wie Jule Joschi flachlegtJanitschek staunt, wie Jule Joschi flachlegtEine Erwähnung wert ist das nachgewittrig nasse Gras im Garten, als die verschlafenen Held(inn)en des Blues morgens in die Freiheit entlassen werden. Es ist das erste Mal, dass sie nasses Gras unter den Fußpolstern spüren, aber das stört sie nicht. Sie sind nicht einmal verwirrt, sie latschen einfach herum, erledigen ihre Morgentoilette, sehen sich um, ob noch alles in alter Ordnung ist, schlagen und vertragen sich und warten auf der Terrasse die Lieferung des Frühstücks ab.

Bevor wir uns der Hauptattraktion des Tages widmen, werfen wir einen Blick auf die Gewichte. Nach dem guten Kilo, das sie sich alle zusammen gestern gegönnt haben, lassen sie es heute etwas geruhsamer angehen – mit einer Ausnahme. Immer ein wenig als Bruder Leichtfuß eingestuft zu werden, scheint Janitschek doch haarscharf an den Tatsachen vorbei argumentiert zu sein, denn natürlich ist er ein gewichtiger Teil der Jays und möchte dies nun auch auf der Waage manifestiert wissen, und 260 g sind eine echte Ansage, vor allem, wenn es alle zusammen nur auf 840 g bringen. Und damit rückt er, zumindest vorerst, auf den dritten Platz vor. Also jetzt der Reihe nach:

Jazz 2760 (+80), Joschi 2690 (+190), Janitschek 2640 (+260), Jackl 2620 (+100), Jeannie 2240 (+100), Judica 2240 (+20), Jasna 2160 (+100) und Jule 1920 (+80). Das ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2408,75 g.

Im Zentrum des heutigen Tages steht die Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Bei dieser Zwischenbeschau geht es darum, generelle Fortschritte oder Veränderungen im Erscheinungsbild (z.B. die An Judicas Zahnstellung ist nichts zu bemängelnAn Judicas Zahnstellung ist nichts zu bemängelnMarken) zu dokumentieren und vor allem jene, die bei der Erstabnahme noch gar nicht sichtbar waren, wie etwa Nabelbrüche oder die Zahnstellung. Vor allem Rückbisse sind keine Kleinigkeit, aber aus nachvollziehbaren Gründen bei der Erstabnahme nicht zu erkennen. Das gilt selbstverständlich auch für Jules Fehlauge, das nunmehr offiziell dokumentiert ist. Um die geneigten Leser nicht auf die Folter zu spannen: Die Jays haben keine Nabelbrüche und durchwegs korrekte Zahnstellungen, auch Rutenanomalien haben sie seit ihrer Geburt nicht nachgeliefert. Und, so jedenfalls die Sicht des Züchters, sie sind generell noch viel schöner geworden (was im Protokoll leider nicht vermerkt ist); Zuchtwarte sind bei der Ausübung ihres Amtes normalerweise nicht ästhetik- sondern vorwiegend faktengetrieben. Aber für den emotionalen Blickwinkel gibt es ja die rosagold-beseelten Züchter. Die Zwerge lassen die Fleisch- und Nabelschau nahezu unbeteiligt über sich Jasna lernt schreibenJasna kontrolliert die Eintragungenergehen, haben offenbar keine größeren Einwände, dass auch mal jemand, anders als wir oder die aufdringlichen Kaufaspiranten, an ihnen herumfummelt und lassen sich sogar lammfromm ins neuerstandene Waffenarsenal blicken. Sind sie nicht zauberhaft schlicht, diese Mäuschen? Können kein Wässerchen trüben, nur unsere Küche können sie mit ihren Wässerchen trüben, aber den Schoß einer Zuchtwartin nass zu trüben, auf die Idee kommen sie nie und nimmer. Möglicherweise haben diese Überlebenskünstler schon nach vier Wochen das Credo aller Duckmäuser verinnerlicht: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Daran ist vor allem im Fall unserer Zuchtwartin Annemarie nicht zu zweifeln, einen ordentlichen Knuff und Kniff hätte sie trotzdem verdient und vertragen. So endet dieses Treffen in einer dem Chronisten wesensfremden Harmonie, nicht zuletzt, weil Attacken und Widersetzlichkeiten Schreib- und Lesestoff liefern, Zuträglichkeiten aber nicht einmal fürs literarische Niveau der Apotheken-Umschau reichen. Mal sehen, ob wir die Knirpse vor der Endabnahme ein wenig scharfmachen…

Weil sie so artig waren, belohnen wir die Knirpse abends mit einem Pfund püriertem Hühnchen mit Kartoffelflocken, was sie wie das gewohnte Kopffleisch abräumen, ohne uns einen Dank für die neue Geschmacksnote auszusprechen; nicht gemault ist bekanntlich gelobt genug. Aber der Speiseplan ist um eine Variante erweitert, und darauf kommt es an.

Dann verabschiedet sich der Tag wieder mit heftigen Gewittern und schwerem Hagel, die sich allerdings abermals nur bis an die Außengrenzen von Vagen wagen. Derzeit ist Vagen das kleine keltische Dorf mit zwei Druiden, die Hagelfliegix und Magihagelix heißen.

 

Mittwoch, 23. Juni 2021

Der Morgen trägt noch viele nachgewittrige Wolken, kann sich aber von seinem dampfig schweren Erbe nicht freimachen. Es will einfach nicht luftiger werden, allen nächtlichen Gewalttaten zum Trotz; um 5:30 Uhr messen wir noch immer 18 °C. 

Dann tun wir eben im Schweiß unseres Angesichts das, was getan werden muss und den Namen Putzen und Wiegen trägt, wobei vor allem das Erste die Luftfeuchte weiter hochtreibt. Also wird erst gewogen, dann geputzt und den Rest regeln die Flegel.

Bevor wir das Kalorienprotokoll veröffentlichen, versichern wir hier und an Eides Statt, dass wir uns gestern nicht im Regal vergriffen und eine größere Portion Schweinshaxen verfüttert haben. Mangfalltaler Hühner haben aber einen ähnlichen Nährwert. Das muss vorab gesagt werden, denn das heutige Ergebnis gibt Anlass, unsere Futteraussagen in Zweifel zu ziehen.

JJazzJazzazz 3070 (+310, damit knackt sie die Drei-Kilo-Marke), Joschi 2880 (+190), Jackl 2860 (+240), Janitschek 2770 (+130), Judica 2520 (+280), Jasna 2450 (+290), Jeannie 2370 (+130) und Jule 2030 (+110). Da ist in der Reihenfolge doch einiges in Bewegung gekommen. Falls jetzt gerade kein Handy oder Taschenrechner bereitliegen sollte, übernehmen wir gerne die Rechnung und verlautbaren einen Tagesgewinn von 1680 g und ein Durchschnittsgewicht von 2618,75 g.

An Tagen wie diesen, von denen man nicht weiß, ob man sie ins schwarze oder goldene Buch eintragen soll, muss man sich Bedenkzeit gönnen, am besten mit putzen. Das schwarze Buch käme etwa in Betracht, wenn man das Jahr 2016 heranzöge, an dessen 23. Juni 51,9 % der Briten meinten, dem alten Europa den Rücken kehren zu müssen, um ein noch älteres Empire wiedererstehen zu lassen. Einen kleinen Eintrag ins goldene Buch verdient eventuell der 23. Juni 1966, an dem die Beatles zu ihrer ersten Deutschlandtour starteten. Wenn jemand etwas Gewichtigeres anzumelden hat…, kann sich eh kaum noch eine(r) daran erinnern, die meisten haben sich damals, in musikalisch grauer Vorzeit, noch in ihren Windeln herumgeflegelt, wie die Chefin, um sich ein paar Jahre später einreden zu lassen, dass Moden Talking etwas mit Musik zu tun hat.

JacklSchönen Tag zusammen, ich bin der liebe JacklTempi passati! Und Schwamm drüber, Schrubber und Wasserschlauch raus: Die Terrasse ist fällig, weil diese Prinzen und Prinzessinnen keinen Respekt vor gar nichts haben und ihnen noch nicht einmal ihre und unsere Terrasse heilig ist, und deshalb möfft‘s da draußen wie in einem Pissoir auf der Wiesn.

Aber dann schwingt sich dieser Tag ohne Eigenschaften doch noch zu einem dramaturgischen Höhenflug auf, dem wir die belächelte Langeweile vorgezogen hätten. Es ist, wie so oft, ein Augenblick der Ablenkung, der die Geschicke wendet. Vor wenigen Minuten eingetroffene Besucher haben unseren Damen etwas zum Knabbern mitgebracht, was diese in einen schlitzäugigen Ruhemodus ins Gras bringt. Wir bringen derweil das Welpenfutter in den zwei Futterringen in den Garten und stellen es einige Meter von unseren Mädels ab, rufen die Kinder zur Tafel, sammeln säumige Irrläufer zusammen – und in diesem Moment nähert sich einer von denen, Janitschek, tolpatschig seiner knabbernden Oma und will sehen, was die Feines hat. Oma zieht die Joschi tröstet JanitschekJoschi tröstet JanitschekLefzen, der Enkel hat keine Ahnung, was Lefzen sind und was sie zu bedeuten haben, wenn sie die Zahnreihe für einen Moment freigeben und insistiert auf Information bezüglich der Leckerei. Wir sind beschäftigt, haben die beiden nicht im Auge, und da rappelt es: Fianna erteilt Janitschek eine Lektion in Gehorsam. Der plärrt auf und rennt mit blutender Nase davon. Irgendwie hat sie ihn grob und stumpf erwischt, ein Zahn ist jedenfalls nicht im Spiel. Jeder, zumindest alle, die schon mal Nasenbluten hatten, wissen, wie gut Nasen durchblutet sind, als sie sich oft genug erfolglos abmühten, den Blutstrom zu stoppen. Janitschek kommt in warme Arme, Mama Hedda ist mit seinem Aufschrei augenblicklich zur Stelle, weiß genau, dass das Kind nicht nur irgendwie zornig herummault, sondern tatsächlich unter die Räder gekommen ist. Janitschek wird mit einer größeren Portion Taschentücher gepflegt und getröstet, wobei das Letztere schlechter funktioniert; der Schani hat Schmerzen und ist untröstlich. Nach einigen Minuten lassen wir ihn wieder zu seinen Geschwistern, die sein Leid kaltherzig ignoriert hatten, und er versucht sich wieder einzugliedern, was aber an der immer noch träufelnden Nase scheitert. Man weiß, wie eine blutende Nase erst tropft und dann verstopft, angenehm ist das nicht. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, wie gerne behauptet wird, aber sie lässt Körper und Seele langsam wieder zueinanderfinden, und so kommt auch Jani wieder zur Ruhe. Die Oma hat dafür einen ordentlichen Anschiss bekommen, der ihr wahrscheinlich ähnlich an die Seele geht wie Janitschek seine blutende Nase; so etwas kennt sie nicht von uns. Aber das muss jetzt sein. Wir können nachvollziehen, dass sie mit der Erfahrung von dreißig Welpen weiß, was sie zu tun hat und was sie tun darf, aber für die Erziehung ihrer Kinder ist Hedda JuleBeinahe hätte die Piratin Jule einen Komplizen bekommenzuständig. Die kennt sich damit noch nicht so richtig aus, und deshalb entsteht ein Vakuum, in das der bedauernswerte Jani gesaugt wurde. Das passiert nicht noch einmal, deswegen die knackige Ansage an Fianna. Nun ist die Stimmung beim Blues etwa so abgründig wie die der Remainer im Gespaltenen Königreich vor fünf Jahren. Janitschek zieht sich zurück, wir lassen ihn nicht mehr aus den Augen. Mit der Zeit kommt er auch zur Ruhe und sucht seinen Frieden im Schlaf.

Den Schlaf finden wir irgendwann auch, aber Frieden haben wir mit der Situation noch lange nicht geschlossen. Gut ist nur, dass Janitschek außer einer dicken Nase keine körperlichen Schäden davongetragen hat. Was, wenn Fianna mit ihrem Zahn ein Auge getroffen hätte? Dann könnten wir heute schon ein kleines Piratenschiff zu Wasser lassen.      

 

Donnerstag, 24. Juni 2021

Um 0:30 Uhr will Hedda zu ihren Kindern, kann aber nicht, weil wir die Türen im Erdgeschoss und im ersten Stock geschlossen halten. Sie besteht darauf und ist lästig, vielleicht muss sie ja mal nach ihrem malträtierten Jani sehen. Die Chefin erbarmt sich und steigt mit ihr in die Niederungen des Blues. Dort werden sie freudig begrüßt, und Hedda legt sich zu ihren Kindern. Acht fette Fellmaden rangeln sich um fast versiegte Zapfstellen. Wozu das? Das Ergebnis ist vorhersehbar: Die Mutter bricht die Übung schnell wieder ab und die Plagen plärren. Ende des Zwischenspiels.

4:00 Uhr: Die Kinder verlangen nach ihrer Mutter und machen ein solches Spektakel, dass wir sie sogar im Dachstudio nicht überhören würden. Die Mutter überhört, die Oma gibt vor, nichts mehr zu hören und dem Personal vergeht das Hören und Sehen so sehr, dass es nach einigem Hin- und Herwälzen und erfolglosen Fluchtversuchen unter die Decke die Nacht für beendet erklärt.

Willkommen neuer Tag, welcher der Geburtstag von Johannes, dem Täufer sein soll. Prima: Vom mitternächtlichen Regen in die morgendliche Traufe und jetzt auch noch getauft. Komme es, wie es wolle, wir sind längst mit vielen Wassern gewaschen. Doch aufgemerkt: Der Name des Täufers beginnt mit einem J, könnte also auch mehrfach unter unseren Schutzbefohlenen vergeben werden, etwa Johannes, der Erste, Johannes, der Zweite, Johanna, die Erste, und so weiter. Und welchen Vorteil hätten wir davon? Nun, jener Täufer, namens Johannes, wurde auf Bitten einer gewissen Salome, Tochter des Herodes Antipas, seines Hauptes entledigt und als Belohnung für einen sehr fragwürdigen Tanz jener Stangentänzerin Salome auf einem Silbertablett serviert. Ob sie ihn mit Blattgold überziehen ließ oder wie einen Schweinskopf verspeiste oder einfach nur entsorgen ließ, ist nicht überliefert. In uns aber reift nach dieser Nacht der Wunsch, uns acht kleine Johanna- und Johannesköpfe servieren und wie Jagdtrophäen an die Wand nageln zu lassen. Was ein Glück, dass von denen da keine(r) Johann* heißt. Gerade nochmal davon gekommen.

Lassen wir sie am Leben und zur Waage. Ist doch egal, wodurch man sein seelisches Gleichgewicht wiederfindet und sein Schlafdefizit abarbeitet.

Jule chilltJule chilltJazz 3160 (+90), Jackl 3030 (+170, Sechspfünder), Joschi 3020 (+140, Sechspfünder), Janitschek 2800 (+30, ihm ist gestern Abend mutmaßlich der Appetit vergangen), Judica 2620 (+100), Jeannie 2540 (+170), Jasna 2530 (+80) und Jule 2210 (+180), ergibt einen Fett- und Muskelzuwachs von 960 g bei einem Durchschnittsgewicht von 2738,75 g.        

Die Donnerstage sind die Komplextage im Leben des Blues, weil die Chefin fast zwölf Stunden außer Haus ist und der Assi den 32-beinigen Tatzelwurm allein an der Backe hat. Das geht natürlich, aber darüber hinaus geht nichts; ein eventuell vorhandenes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) sollte an solchen Tagen unter Kontrolle sein. Wenn das Wetter, wie heute: Sonne, Wind und Wolken, keinen Schabernack treibt, läuft der JeannieJeannieLaden fast von allein: Die Kinder tummeln sich im Paradies oder schlafen, schauen, wenn der Transit geöffnet ist, einmal in der Guten Stube vorbei, fordern ihre regelmäßigen Mahlzeiten ein und belasten das Zeitkontingent des Wachhabenden vorwiegend dadurch, dass sie ihn mit ihren Aktivitäten an die Kamera zwingen, anstatt allfällige Arbeiten, wie etwa diese Chronik, abzuarbeiten. Es gibt schlimmere Schicksale. 

Dass heute die ganze Aufmerksamkeit des Assis dem unglücklichen Janitschek gehört, versteht sich von selbst. So richtig ist er noch nicht in der Mitte des Zwergenlebens und auch seiner eigenen angekommen, noch ist er auf der Suche nach seinem seelischen Gleichgewicht, scheint aber auf einem vielversprechenden Weg zu sein. Sein entscheidender Show-Stopper JanitschekJani macht noch immer auf dicke Naseist wohl seine Nase, die von Fiannas Stüber eine Form zwischen Airdale Terrier und Seeelefant angenommen hat. Zudem hat er von den dicken Backen nur noch Augenschlitze. Statt auf dicke Hose zu machen, was sowieso nicht seine Paradedisziplin ist, macht er heute auf dicke Nase. Von dieser Verunstaltung seines sonst so wohlgeschnittenen Antlitzes abgesehen, geht er mit dieser Nase klugerweise allen Rempeleien aus dem Weg, denn die scheint noch ziemlich empfindlich zu sein. Dumm ist er nicht, der Schani, aber dadurch macht er den Eindruck, als ob er ein wenig dasig oder damisch wäre. Wie es aussieht, ist er aber nur ein sehr weiser Naseweis. Immerhin: Am Appetit mangelt es ihm nicht, aber er hält sich auch in dieser Situation ein wenig zurück, sodass wir für morgen keinen Gewichtshöhenflug von Jani erwarten.

JasnaLeckfinderin JasnaUnd noch jemand lässt kein Nachlassen der Aufmerksamkeit zu. Es ist das Amazonenpärchen Jazz und Jasna, denen Insiderkreise inzwischen jede Kleinteufelei zutrauen. Die beiden sind, wenn sie nicht schlafen, unermüdlich im Garten unterwegs, lassen kein Fitzelchen ihres Paradieses ununtersucht, drehen quasi sprichwörtlich jeden Stein und jedes Blatt um, graben Löcher, wo es der Boden zulässt, erzupfen sich die gesamte Flora Blättchen für Blatt, sind überall und nirgends, wobei besonders im letzteren Fall beim Assi die Alarmglocken schrillen, man kann ja nie sicher sein, dass wir das Paradies ausbruchsicher gestaltet haben, wovon wir zwar überzeugt sind, uns jedoch lieber nicht von den Leckfindern eines Schlechteren belehren lassen wollen. Bisher haben sie kein Leck entdeckt, aber passieren JazzJazz auf Erkundungstourkann das jetzt, genau in diesem Augenblick, da der Chronist klammheimlich triumphiert und seinen Triumph notiert.   

Wie sehr die Jays immer mehr mit ihrer Umwelt verwachsen, vor allem, indem sie wirklich ständig Neues zu- und einzuordnen versuchen, zeigt Jasna, die auf der Terrasse sitzt, während ihre Geschwister chillen, als sich im Nachbargarten etwas tut, was in unserem ausgeschlossen ist: Die Oma schaukelt ihren Enkel in einer Hängeschaukel, was Fianna nie in den Sinn käme, und plaudert mit ihm, der Enkel jauchzt auf, die Oma sagt nette Worte, so, wie das halt läuft, wenn Oma und Enkel miteinander spielen – und Jasna sitzt und peilt die Richtung, kann nicht sehen, woher das kommt, weil wir zu viel Grünzeug dazwischen gepflanzt haben, dreht den Kopf und ist ganz Ohr – und knüpft einen neuen Knoten in ihr neuronales Netzwerk. Sie weiß noch immer nicht, was sich dort drüben abspielt, aber sie hat ein weiteres Erfahrungsmuster abgespeichert, das irgendwann genutzt werden wird.

IJudicaJudica mimmt auch Fingern einer Sache haben sie schon so viele Verknüpfungen angelegt, dass das dazugehörige Verhaltensmuster, wie bereits mehrmals angesprochen, schon in die Nähe der Meisterschaft reicht: Die Biester haben es nun wirklich massiv auf unsere Zehen und Fersen abgesehen. Was bislang nur ein zärtliches Kneifen war, wird nun ein Zugriff. Und inzwischen macht es auch keinen Sinn mehr, Haupt- und Nebendarsteller auszuweisen; wenn dir fünf Zahnwale an der Hacke hängen, willst du gar nicht mehr wissen, wie sie heißen. Von wegen: Sie sind sooo süüüß!

Um 18:30 Uhr ist der Arbeitstag der Chefin endlich Vergangenheit, und sie lässt es sich nicht nehmen, mit Fianna und Hedda einen erholsamen Abendspaziergang zu machen. Der nimmt dann eine unerwartete Wendung, will es plötzlich wie aus Eimern schüttet und die drei pitschepatschenass zuhause ankommen. Vielleicht hatte Bob Dylan ein ähnliches Erlebnis, als ihm Rainy Day Women einfiel. Oder auch nicht, egal. Während sich die Chefin aus ihren nassen Klamotten windet und der Assi im Vorraum die Mädels frottiert, steht plötzlich Jasna zwischen ihnen und tut, als ob das die natürlichste Sache der Welt sei. Hat sie jetzt einen Höhenflug und fühlt sich dem Nazarener ebenbürtig, der ja einst zu Protokoll gab: „Wo zwei oder drei von euch versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“? Wir finden diese Anmaßung nur begrenzt lustig und wollen auch gar nicht abwarten, ob sie demnächst versuchen wird, übers Wasser zu gehen. Wir bringen sie zurück, wohin sie gehört und stellen fest, dass der Anschluss des Flurgitters an die Wand nur lausig sicher ist. Also schieben wir es prophylaktisch wieder zu, setzen die Ausbrecherin zurück und die Behandlung der Wet-T-Shirt-Ladies im Vorraum fort. Und schon ist sie wieder da, die mit dem gelben Kainsmal zwischen den Schulterblättern, triumphierend und mit Ohrfeigengesicht. Zefix, die will es wirklich wissen! Doch diesmal hat sie auch noch ihre Geschwister eingeladen, ihrem Ausbruch das nötige Publikum zu stellen. Jetzt wissen alle Bescheid! Der Assi holt aus dem Keller einen granitenen Pflasterstein und legt ihn vor das Gitter, damit die Komödie ein Ende hat. Und schon macht sich Janitschek an die Arbeit, dem Beispiel seiner Schwester zu folgen. Doch er scheitert; der Stein hält stand. Oh, wie süüüß, diese Bande…

Zur Strafe bekommen sie am frühen Abend gleich noch den ersten Teil der zweiten Entwurmungsrunde mit Panacur. Aber das ist für die immer noch keine Strafe; sie schlucken es runter und machen sich wieder auf zu neuen Taten. Komische Gesellschaft.

Zum Schluss gibt es eine ordentliche Portion Kopffleisch mit Kartoffelbrei und Karottensuppe, und dann haben wir genug von diese Tag, der Assi, weil er heute keine Welpen mehr sehen kann und die Chefin, weil sie den üblichen Thursday Overload Blues hat.

 

Freitag, 25. Juni 2021

Um 2 Uhr treibt Hedda Psychoterror im Schlafzimmer, macht Spektakel, jumst und summst, weil sie zu ihren Kindern will. Das schlafdurstige und schlaftrunkene Personal macht die Rechnung, welche Reaktion auf schnellstem Weg wieder in den Schlaf führt; die Chefin kommt zu dem Schluss: Nachgeben und mitgehen. Also taumeln Hedda und die Chefin ins Erdgeschoss und finden ein Ausbrecherquartett fröhlich flitzend und unseren Eingangsbereich inspizierend. Ist halt doch ein gutes Mädchen, unsere Hedda, der schnell klar war, dass da unten irgendetwas schwer aus dem Ruder läuft. Diejenigen, die da aus dem Ruder gelaufen sind, sind keine guten Mädchen und kommen auch bestimmt nicht in den Himmel: Jazz, Jasna (natürlich die beiden), Judica und Jeannie. Hedda nimmt sich die vier buchstäblich zur Brust, lädt auch die anderen zum Nachtgelage, und dann ist wieder Frieden, wenigstens was die Kinder angeht; wir finden ihn mehr schlecht als recht, weil unsere Sperre immer noch nicht ausbruchssicher, der Pflasterstein offenbar nicht schwer genug ist. Bis kurz vor 6 Uhr kehrt dann Ruhe ein, ein Ohr immer in Bereitschaft.

Eine Flasche zur SicherheitEine Wasserflasche soll's richtenWährend die Chefin morgens ihren First Level Support in der Küche verrichtet, bricht die Viererbande wieder aus. Und jetzt wird auch klar, wie durchtrieben diese Hosenscheißer schon sind. Zu viert, mehr über- als neben- oder hintereinander drängen sie in die Nahtstelle zwischen Gitter und Wand, quetschen dann die Schultern dazwischen und bringen auf diese Weise den Stein in Bewegung. Dabei sind wir so stolz auf unsere Ideale wie „Gemeinsam sind wir stark“ oder „Einer für alle, alle für einen“. Dieser Kraftakt gehört eher in die Kategorie „Marmor, Stein und Eisen bricht unter unserem Kampfgewicht“. Wir ersetzen den kampfschwachen Stein durch eine schwerere Flasche mit destilliertem Wasser – jedenfalls, bis uns etwas Besseres einfällt. Vorschläge, wie Löcher in die Wand zu bohren und das Gitter daran zu befestigen, lehnen wir kategorisch ab!    

Vormittags hat die Chefin einen Arzttermin. Im Feldlager ist alles ruhig. Auch das Weiberquartett schläft. Wie er so drüber nachdenkt, hätte der Chronist jetzt beinahe Triumvirat geschrieben, was gleich doppelt falsch gewesen wäre, weil Trium für drei steht und Virat für Männer. Wie würde man denn ein solches Geschwader aus vier Frauen nennen? Jetzt alle bitte Notizbuch hervorholen und aufschreiben (man weiß nie, wofür es noch gut sein kann): Quattuormulierat! Damit es geläufiger über die Lippen geht, könnten wir uns eventuell auch auf Quattromulierat einigen. Also: Auch die Quattromulis ruhen, was den Assi auf den Gedanken bringt, schnell in die Dusche zu springen; die Gelegenheit ist günstig. Doch kaum hat er sich nassgemacht, dringen von unten schon wieder Töne nach oben, die alles signalisieren, nur keine fröhliche Kinderschar: Dort ist etwas im Gange! Und zwar nichts Gutes. Raus aus der Dusche, rein in die Unterbüx und runter. Hedda steht mit drei Fragezeichen über ihrem besorgten Mutterhaupt und starrt die Kellertreppe hinunter, und als der Assi ihrem Blick folgt, erstarrt auch er. Was er vor sich hat, ist fast so geschichtsträchtig wie der Prager Fenstersturz aus dem Jahre 1618, nur handelt es sich hier um den Vagener Kellersturz. Jazz wimmert zusammengekauert kurz vor dem Treppenabsatz im Keller, die mutige Jazz, auf das Format eines Tröpfleins Spucke eingedampft. Direkt auf der Stufe unter dem Treppenabsatz jammert Jackl, der Bürgermeister und fast ganz unten im Keller zittert Jasna wie Espenlaub und winselt. Lecko! Jazz und Jackl scheinen außer einem kräftigen Dämpfer unbeschadet davongekommen zu sein, aber Jasna hat irgendetwas abgekriegt. Der erste und schrecklichste Gedanke ist, dass sie vom Erdgeschoss durch den Geländerspalt direkt nach unten gestürzt ist. Dagegen spricht, dass dort unten einige große Kartons lagern, die als Spielkartons für die Kinder dort vorgehalten werden, und dass sie in sie hätte stürzen müssen. Dann wäre es aber sehr unwahrscheinlich, dass sie auf einer Treppe gelandet wäre. Sie muss also irgendwie von oben bis fast nach ganz unten gekugelt sein. Für Häme über die Strafe für die ewige Ausbrecherei ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Jasna muss eine orthopädische Generalinspektion über sich ergehen lassen, alle vier Beinchen werden von ganz oben bis ganz unten durchgeknetet, gedehnt, verdreht, verknotet, massiert, geknickt und abgewinkelt, aber sie zeigt nirgendwo Schmerzreaktionen, ist nur völlig verschüchtert. Als sie wieder auf bekanntem Gelände in der Küche abgesetzt wird, trägt sie ihr Schwänzchen am Bauch und hinkt vorne links. Aber auch weitere Inspektionen kommen zu keinem anderen Ergebnis: Sie scheint grundsätzlich in Ordnung, allerdings in einer ungewissen Unordnung zu sein. Abwarten und beobachten.

In Stresssituation feuern die Synapsen besonders Die Deckenstütze Die Deckenstütze ist die Lösungeifrig und erfolgreich, weil ein Überleben sonst zur Lotterie würde, und so hat der Assi in Folge dieses Schocks endlich die Idee, wie die Sicherheitslücke im Flur versiegelt werden kann (ohne Löcher in die Wand zu bohren!). Vom Umbau vor vielen Jahren stehen im Keller noch zwei Deckenstützen untätig herum: Die müssen nun ran. Eigentlich müsste sogar eine reichen, also raus aus dem Keller, direkt an der Wand vor dem Welpengitter aufgespannt und eingespannt – und nichts kann mehr verschoben werden. Diese Position ist jetzt definitiv sicher (totsicher wäre unter den aktuellen Umständen der falsche Begriff).

Dafür hat es erst ein solches Malheur gebraucht, um auf die einfachste und wirksamste Idee zu kommen. Jasna bekommt gegen ihre Zerrungdehnungquetschung (?) mehrmals am Tag etwas Arnika, hinkt zwar weiter, gesellt sich aber wieder zu ihren Geschwistern, wenn auch sehr reserviert und auf Abstand bedacht. Die Lust an der großen Bühne ist ihr heute vergangen. Dass manche Feuerköpfe immer erst einen ganzen Löschzug brauchen, bis sie sich runterkühlen… Wohl ist uns heute nicht mehr, so etwas hängt in den Kleidern wie der Kaugummi am Schuh. Aber Jasna hat keinen bleibenden Schaden, so viel scheint schon sicher. Trotzdem!

Das ZirkuszeltUm diese Tag wenigstens einen kleinen freudigen Touch zu verleihen, bauen wir unser kleines Zirkuszelt auf, das seit Generationen der Blickfang im Paradies, sonst aber völlig nutzlos ist, weil es nur sich selbst genügt, kaum Besuch empfangen darf, höchstens einen, der in ihm unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Geschäft verrichten möchte. Aber es gehört eben dazu und bringt Farbe ins Stillleben.

Ein weiteres, Janitschek mit Onkel IltschiJanitschek mit Onkel Iltschiwenn auch bedeutend erfreuliches Highlight des Tages ist der Besuch von Heddas Halbbruder Iltschi aus dem Unterallgäu. Der hat sofort viel Freude an seinen neuen Halbneffen und -nichten, zeigt keinerlei Distanzbedürfnis zu ihnen, wie es erwachsene Rüden häufig haben, sondern tobt mit ihnen in gebotenem Rahmen herum und lässt sich als willkommenes Spielgerät instrumentalisieren. Das macht auch Hedda viel Freude, weil er ihr die Plagen ein wenig abnimmt.

Nachmittags setzen wir erstmal kleine Futterstückchen von Platinum-Puppy ein, um die Schar aus dem Garten in die Küche zu locken. Der grundsätzliche Nutzen dieser Methode ist der, dass die Zwerge dann mit dem Futter beschäftigt sind und den Transit freigeben, sodass wir die Terrassentür schließen können. Ohne Futtereinsatz flitzen immer einige hin und her wie der berühmte Sack Flöhe, und wenn man eine drin hat, ist der andere schon wieder draußen. Deshalb das „Hühnerfutter“, wie wir das nennen. Auf den Matze-Matze-Matze-Ruf stürmen alle ins Haus und in die Küche und sind beschäftigt. Das funktioniert natürlich heute noch nicht richtig, weil sie das Programm und Futterbröckchen noch nicht kennen. Deswegen müssen wir ihnen erst einmal die Nasen ein wenig draufstoßen, damit sie merken, was da auf sie wartet, aber dann sind sie echte Schnellspanner und nicht mehr abzulenken. So solls sein. Außerdem sind sie heut noch ausgiebig mit Kauen beschäftigt, was sie bisher auch nicht mussten, denn bislang war alles, was sie bekommen haben weich und breiig. Keine Frage: Der Ernst des Lebens schreitet von Tag zu Tag entschiedener auf sie zu.

Wenn wir schon gerade bei Ernährungsthemen sind, bietet es sich an, dass wir uns kurz mit deren heutigen Folgen auseinandersetzen:

Joschi, der HerzensbrecherJoschi, der HerzensbrecherJazz 3270 (+110), Jackl 3170 (+140), Joschi 3150 (+130), Janitschek 2860 (+60), Judica 2750 (+130), Jeannie 2650 (+110), Jasna 2620 (+90) und Jule 2250 (+40). Nach dem Top-Ergebnis mit 1680 g plus vorgestern und den 960 g gestern, reduzieren die Jays weiter und begnügen sich mit 810 g. Das Durchschnittsgewicht liegt heute bei 2840 g. Die Enthaltsamkeit kann natürlich von der gestern verabreichten ersten Portion der zweiten Entwurmung herrühren, deren zweiten Teil wir gleich anschließen. Morgen werden wir sehen, was die Waage dazu sagt.

Und zu guter Letzt bauen wir abends die Schlummerkiste ab. Bei vielen Züchtern bleibt sie bis zum letzten Tag stehen, bei uns nicht. Die Kinder sind de facto ausgezogen, treiben sich im Garten oder in der Küche und dem Transit herum, und nachts ist die Box verwaist. Sie fristet nur noch ein trauriges Dasein als Toilette, weil es sich in ihr so kuschelig verrichten lässt. Fehlen nur noch ein paar Magazine zum Zeitvertreib. Außerdem fließt immer wieder Urin unter die Box, den man bei den täglichen Reinigungen nicht rauskriegt. Also: weg damit. Anschließend stellen wir die Standardmöblierung wieder her und können uns in der Küche wieder bewegen. Jetzt ist auch der Pissgeruch aus der Bude, der sich unter der Kiste entwickelt hat; frische Luft für Mensch und Hund.

Damit lässt es sich mit freiem Kopf in eine klare Nacht gehen. Jasna hinkt zwar immer noch, aber sonst ist sie wieder fröhlich. Ob ihr der Sinn weiterhin nach Extratouren steht, verrät sie uns nicht.

 

Samstag, 26. Juni 2021

Dieser Samstag wird ein schöner Sommertag mit nichts als Warmluftdusche und Freilandtummeln. Natürlich gönnen wir dieses Glück nicht nur uns und unseren Welpen, sondern auch einer Reihe von Besuchern, die sich naturgemäß an Wochenenden in größerer Zahl als unter der Woche auf den Weg ins Mangfalltal machen. Und so ist dieser Samstag ein turbulenter mit viel Kinderbespaßung. Damit die nicht trotzdem nur auf Schößen herumhängen und sich langweilen, liefern wir ihnen noch ein bisschen neues Equipment, das ihre Neugier und ihren Eifer beflügeln soll.

Allzu viel, das klingt schon an, ist über diesen Samstag Jackl und JanitschekJackl und Janitscheknicht zu berichten. Interessant könnte sein, dass wir ab heute den Magerquark in der Welpenmilch durch körnigen Frischkäse ersetzen, weil die Knirpse nun mit der bröckeligen Konsistenz gut umgehen können. Und der Frischkäse ist von seinen Nährwerten noch etwas besser als der Quark. Auch die Tatsache, dass wir uns mit Quark beschäftigen, sagt alles über diesen Samstag aus.

Damit wir uns wenigstens mit etwas Handfestem beschäftigen und dabei gleich den offiziellen Teil hinter uns bringen, sehen wir uns gleich mal die Gewichte an:

Jazz 3300 (+60,) – das lässt schon ahnen, dass es auch heute nicht sehr üppig wird, Joschi 3270 (+120), Jackl 3270 (+100), Janitschek 3030 (+170 und auch über die Drei-Kilo-Marke), Judica 2840 (+90), Jeannie 2740 (+90), Jasna 2660 (+40) und Jule 2300 (+50). Wer sagt es denn: 720 g, macht im Schnitt 90 g für jede(n), ist kaum der Rede wert, aber dennoch wertvoll und ergibt ein Gesamtdurchschnittsgewicht von 2930 g. 

Jasna ist JasnaJasna hinkt nicht mehrfast wieder die alte, obwohl sie noch immer links vorne ein wenig tickt, aber sie ist nach altem Muster immer am Ereignishorizont und lässt nichts anbrennen. Jazz und Jackl merkt man ihr Schockerlebnis längst nicht mehr an, was eigentlich schade ist, weil man dadurch wieder mit allem denkbaren Blödsinn rechnen muss, den die beiden aushecken könnten.

Dafür kommt heute Jule unter die Räder, und zwar so saublöd, wie es nicht blöder, aber immer passieren kann: Sie lungert um Hedda herum, die springt von ihr und anderen genervt auf und tritt ihr mit ihren 30 kg auf Calico JuleCalico Juleden Hax – Aua! Von nun an hinkt auch Jule, und wenn ihr infolgedessen das Bein abfault, schnitzen wir ihr ein hübsches Holzbeinchen und JuleJule übt für die schwere Seeverkaufen sie als erste, echte vierbeinige Piratin. Mit den berühmtesten Korsarinnen Anne Bonny oder Mary Read kann sie bestimmt mithalten, zumal die beiden kein Holzbein und vermutlich zwei Augen hatten und sich deswegen nicht mit richtigen Piraten wie Long John Silver vergleichen können. Aber die beiden machten zusammen mit Jack Rackham, auch als Calico Jack bekannt, die Karibik unsicher und hatten einen mordsmäßigen Ruf. Als Schwester des bayerischen Calico Jackls erlauben wir uns, sie zur Calico Jule ehrenhalber zu ernennen.

Nachdem wir den Zwergen den dritten Teil der zweiten Entwurmung appliziert haben, sitzen wir mit unserer Kreißsaal-Assistentin Alexandra und deren Familie bis spät in die laue Nacht auf der Terrasse und spüren die Gewissheit, dass selbst hinkende Kinder kein Grund sein müssen, den Tag nicht zu genießen und einen Toast auf die Zukunft auszubringen.

 

Sonntag, 27. Juni 2021

Wir gratulieren den Dauerpennern und Saumseeligen, den Schnarchnasen und Narkoleptikern unter unseren Followern zu ihrem Jubeltag: Heute ist Siebenschläfer und der soll ja bekanntlich für das Wetter der nächsten sieben Wochen verantwortlich sein: Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. Da es uns in einem hinreichend langen Leben nicht gelungen ist, dieser Weissagung eine auch nur zweitrangige Berechtigung zu bescheinigen, führen wir diese Prophetie auf die Vermutung zurück, dass ihr Dauerpenner und Narkoleptiker einfach eingeschlafen und nach sieben Wochen zufällig beim gleichen Wetter wieder aufgewacht seid. Dazwischen schnarchschwarzer Blackout – und so entsteht eine Wetterregel. Für euch alle und jene, die euch followen, notieren wir für den heutigen Siebenschläfer ausschließlich sonniges Wetter mit gelegentlichen Wolkenschiffchen, die wie Calico Jules kleine Schaluppe über den blauen Bayernhimmel segeln. Wir sind sehr gespannt, was der Bauer von diesen Aussichten halten wird.      

Jackl JacklJacklist manchmal auch so eine bräsige Schlafratz. Bekanntlich hat er sich seinen Lieblingsschlafplatz in der Küche unter dem Küchenblock ausgesucht (den er sich seit einiger Zeit mit Judica teilen muss). Nach all den kalorienreiche Futtergaben widerfährt es ihm heute unversehens, dass er den Schlupf unter den Küchenblock noch gerade so hinbekommt, dann aber, nach einer ausgiebigen Schnarchrunde, seine Bürgermeisterwampe nicht mehr herausquetschen kann. Jetzt steckt er fest, der Jackl, Gefangener des eigenen Wohlstandsbauchs, in nur einer einzigen klitzekleinen Schlafrunde. Jetzt hat er gar nichts Bürgermeisterliches mehr, der Jackl, sondern nur noch etwas sehr Beklagenswertes. Jammern muss er, der stolze Jackl, und herausfummeln muss man ihn, der daraufhin maulend abzieht und möglicherweise seinen Schlafplatz für immer Judica allein überlassen muss. Bis auch die an ihren Maßen scheitern wird.     

JanitschekJanitschekWir nehmen die Gelegenheit wahr und widmen uns der Waage und stellen erfreut fest, dass trotz der dritten Wurmgabe das Wurmloch überwunden ist und die Stoffwechselkurve steil nach oben zeigt – außer bei Janitschek, der wieder einmal eine Runde Intervall-Fasten einlegt. Außerdem begrüßen wir heute, neben Jackl, Jazz, Janitschek und Joschi, Judica als neue Sechspfünderin.

Jazz 3650 (+320), Jackl 3520 (+250), Joschi 3460 (+190), Janitschek 3030 (0), Judica 3000 (+160), Jeannie 2990 (+250), Jasna 2790 (+130) und Jule 2450 (+150). Das ergibt eine Auflastung von 1450 g und ein Durchschnittsgewicht von 3111,25 g.

JeannieJeannieDiese Zahlen sind so schön und erfreulich, dass es wenig Gründe gibt, diesen ebenfalls schönen und sehr erfreulichen Sonntag ausgiebiger zu kommentieren; er ist einfach nur schön, ohne zusätzliche Werte.

Eine Kleinigkeit wollen wir aber dennoch kurz anfügen: Wir schließen nachts die Rollläden in der Küche, weil wir sehen wollen, ob die verlängerte morgendliche Finsternis eine positive Auswirkung auf unsere Morgenruhe hat.

 

Montag, 28. Juni 2021

Reden wir nicht lange drum herum: Die Rollläden nützen nichts, die Nacht ist um 4:45 Uhr zu Ende. Ein Versuch war es wert, aber er war ein Irrtum. Unsere Kinder haben eine innere Uhr und keine Rollläden vor den Lidern.

Jazz und JacklJazz und JacklHeute neigt sich die fünfte Lebenswoche der Jays dem Ende entgegen. Vor allem das enorme Körperwachstum ist es, was sie ausmacht. Selbst wir, die wir sie täglich um uns haben, staunen immer wieder, welchen Schub die Zwerge machen. Das geht so zügig, dass der Fotograf und Tagesbildner kaum noch eine Chance hat, bei der Auswahl der Bilder mehr als einen Tag zu beschummeln. Zumindest sehr aufmerksame Betrachter könnten dann schon Zweifel anbringen. Aber auch die Spielfreude und die Auseinandersetzung mit den Gerätschaften im Welpenparcours macht jetzt enormen Sprünge.  

Einen Sprung macht heute auch wieder die Gewichtsentwicklung – und Joschi, der aus dem Nichts mit einem mächtigen Satz die Tabellenführung übernimmt. Vor diesem Hintergrund ist die Sechspfündigkeit von Jasna nur eine Randnotiz.

Joschi 3780 (+320), Jazz 3750 (+100), Jackl 3610 (+90), Janitschek 3360 (+330, Fastenmodus beendet), Judica 3200 (+200), Jeannie 3110 (+120), Jasna 3010 (+220) und Jule 2620 (+170). Die gestrige Fressorgie manifestiert sich in 1550 g plus und einem neuen Durchschnittsgewicht von 3305 g.   

JanitschekJanitschek auf AbwegenWie wir immer wieder feststellen, dass Janitschek gelegentlich in eine Art Futter-Apnoe verfällt und dann wieder reinhaut, bis er platzt, so ergeben sich manchmal überraschende Hinweise auf mögliche Gründe dieser Achterbahnfahrt. Heute Morgen gibt Hedda ihren Kindern ein „Milchständchen“ auf der Terrasse, nur Jani kommt, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Zug und verarbeitet diese zügige Ausgrenzung, indem er sich zügig an Mamas Rute zu schaffen macht. Er hängt sich rein und zerrt, rüttelt und reißt, als ob er glaubte, Milch aus ihren Schwanzhaaren zuzeln zu können. Ein solches Ernährungsverhalten kann nur zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Eine andere Frage ist, ob er weiß, dass Mama ihm mit sieben Geschwistern am Bauch keine Watschn geben kann? Das wäre nach seiner endgültig abgeklungenen Gesichtsschwellung von erheblichem Vorteil. Gut, dass Hedda nicht nur eine lange Rute, sondern auch eine ziemlich lange Lunte hat.  

JasnaJasna, wieder topfitHeute ist wieder einmal Hähnchenaktionstag, weil unsere Vorräte langsam zur Neige gehen und gekochtes Hähnchen ein fester Bestandteil unseres Diätplans ist. Und das ist für alle Beteiligten ein Fest- und Feiertag, wie der Schlachttag für den Michel aus Lönneberga. Die Chefin kocht, der Assi zerlegt und die Chefin kocht ein. Das wäre so weit keine Erwähnung wert. Anders verhält es sich, wenn die Chefin dem zerlegenden Assi jene Knirpse ans Herz legt, oder besser: ans Bein legt, die soeben der Mittagshitze in die Küche entflohen sind und nun mit zugespitzten Nasen herumstreifen: Hier durchzieht doch etwas Fulminantes das vertraute Schlafgemach. Die Hitzerückzügler, Jackl, Jasna und Jule, werden unverzüglich – auf Anweisung der Chefin! – vom Assi mit frischem Hühnchen aus der Hand versorgt. So werden beim Bairischen Blues Welpen auf lebenslange Küchenbesetzung konditioniert. In diesem Fall sind es nur drei, die anderen verbrennen derweil in der Sonne Fett. Von der Küchenkonditionierung abgesehen, kann man verfolgen, wie sich inzwischen der Geruchssinn entwickelt hat und auch messerscharf interpretiert, dass dieser Hühnchenduft positiv einzustufen ist und verfolgt werden muss. Wir nehmen an, dass der Duft einer reifen Wassermelone nicht eine einzige Nase gen Himmel gezogen hätte.

FutterbatterieIm Anschluss an diese Zeremonie gibt es tatsächlich frisches Hähnchen, und zwar erstmals aus der Futterbatterie mit acht Einzelnäpfen. Jetzt ist die Zeit gekommen, einmal gemeinsam im Ring und einzeln zu füttern. Die Zwerge sollen am Ring lernen, keinen Futterneid zu entwickeln, aber dennoch zu ihrem Recht zu kommen. Im Einzelnapf sollen sie Respekt vor dem Napf des anderen lernen. Wenn eine(r) übergriffig wird, was laufend passiert, greifen wir ein und stellen die alte Ordnung wieder her. Uns bieten die Einzelnäpfe auch die einzige sichere Kontrollmöglichkeit über die Rationen; wir können sehen, wenn ein Napf nicht aufgegessen wird, dann ist meist Gefahr im Verzug, wir können die Rationen besser steuern und haben die Möglichkeit, im Notfall mit dem Futter ein Medikament gezielt zu verabreichen. All das ist im Ring nicht möglich. Die Jays verhalten sich fast so unheimlich vorbildlich, wie sie die Wurmpaste akzeptierten, und kontrollieren Nachbars Napf erst, wenn der eigene (fast) geleert ist. Das kennen wir durchaus anders, etwa dass die Welpen sich ähnlich wie bei einem dieser archaisch anmutenden Rittermahle verhalten haben: alles und alle drunter und drüber, und am Ende trägt jeder einen Helm aus Cromargan.

Noch eine Beobachtung belegt die Reife der Jays am heutigen Montag. Während die Mama sich wegen der Hitze tief ins Haus verzogen hat und ihre Kinder im Schatten des Apfelbaums spielen oder dösen, kommt Jack vorbei, nein, nicht Calico Jack, sondern Franzbulli Jack aus der nächsten Nachbarschaft. Jack ist eine Französische Bulldogge und ein guter Freund unserer Mädels. Der gibt nun vor unserem Garten Laut, weil er mitteilen möchte, dass er da ist und nichts gegen ein Pläuschchen hätte. Unsere Mädels denken aber nicht daran, ihr Höhle zu verlassen, und lassen den Ruf unbeantwortet. Aber die Jays haben ihn selbstverständlich nicht überhört, können ihn aber nicht einordnen, weil sie Jack nicht kennen und außerdem wegen unseres mächtigen Hochbeets, das wie ein Hünengrab zwischen dem Paradies und der Welt liegt, nicht sehen können. Und diese Situation ist bedrohlich: Mama nicht da, Feind ante portas – und wie die Lemminge huscht der ganze CJudicaJudicalan auf die Terrasse und schmiegt sich ans Haus. Bingo, Überlebensstrategie funktioniert auch.

Schön langsam sehen wir – ja was? Das Licht am Ende des Tunnels? Oder die Wand, auf die wir ungebremst zurasen? Diese Woche hatte mehr Aufreger im Gepäck als wir gebraucht hätten, aber wir, die Mädels und Jays haben sie gemeistert. Die nächsten Wochen werden kaum einfacher werden, denn jetzt machen sich Erreger aller Art bereit, uns in die Suppe zu spucken; es kommt die Zeit der drohenden Infekte. Darüber sprechen wir jedoch erst, wenn wir darüber sprechen müssen.  Drei Wochen noch bis Buffalo…

 

Dienstag, 15. Juni 2021

Bevor wir uns in die Niederungen der Kinderversorgung begeben, die sich durch viel Pepitakariertes, Kleinteiliges und Mikrokosmisches auszeichnet, empfiehlt es sich, einen bewundernden Blick auf das Makrokosmische und die Metaebene allen Existierenden zu werfen. Heute hat der Heilige Veit (auch: Vitus) Geburtstag, den er mit Edvard Grieg, Ingrid van Bergen, Herbert Feuerstein, Johnny Hallyday, Demis Roussos, Xi Jinping, Oliver Kahn und Ice Cube gemeinsam feiern darf. Doch anders als diese kleinkarierten Spezialbegabungen hat der Heilige Vitus das Große und Ganze im Griff, z. B., weil er für nicht weniger als den Lauf des Jahre zuständig ist: Nach St. Veit ändert sich bald die Jahreszeit. Donnerwetter, so ein Tausendsassa, dieser Vitus, legt einfach den Schalter für die nächste Jahreszeit um. Nicht genug damit: Der Wind dreht sich um St. Veit, da legt sich’s Laub auf die andere Seit‘. Was es sich, das Laub, bei allen anderen Heiligen nicht traut (schon wieder dieser unkontrollierte Lyrikschub!). Aber angesichts des heute zu erwartenden Wetters wollen wir den Veit doch gerne ein wenig beim Wort und ernst nehmen: Ist zu Sankt Veit der Himmel klar, dann gibt’s gewiss ein gutes Jahr. Klar doch, klar wie der heutige Himmel überm Mangfalltal.

Dennoch sind wir gut beraten, uns auf das augenblicklich Wesentlich zu konzentrieren: das Wohl und Wehe unserer Schutzbefohlenen. Soll sich der Vitusveit um den Wechsel der Jahreszeit kümmern, wir haben es überwiegend mit Trivialitäten wie Windelwechsel zu tun. Denn mit der nun beginnenden vierten Lebenswoche des Mangfall-Achters (was hätten wir nur gemacht, wenn Jodel nicht über Bord gegangen wäre? Einen Neuner gibt es bekanntlich nicht…), werden die Wege länger, die Tage noch kürzer, die Gefahren gefährlicher, die Unsitten unsittlicher und die Überraschungen zum Tagesgeschäft.

Gestern haben wir über unser Zeitmanagement philosophiert, und heute stecken wir tatsächlich schon mitten in dieser Zeitdisruption. Klar, wir wissen, wovon wir reden, erleben das Spektakel ja nicht zum ersten Mal, aber dass die Ankündigungen von den Gemeinten so schnell umgesetzt werden, haben noch nicht einmal wir uns ausmalen können. Tatsächlich lassen sie uns jetzt schon nicht mehr aus den Augen, wenn wir irgendwo auftauchen; wir werden verfolgt und, sofern möglich, besetzt. Das Pipiwischtuch wird schon mal festgehalten und am Wischen gehindert, was den Schutzdienstsportler freut, weil er sich immer freut, wenn der Hund auf Zug kontert. Das nötige Potential ist also schon erkennbar und müsste nur gehoben werden. Augenblicklich sind wir es, die es – unfreiwillig – heben, weil wir sonst unser Wischiwaschi nicht geregelt kriegen. Aber es gibt sogar Jabberwockys, die sich solche Situationen zunutze machen! Jasna nutzt beispielsweise die Gelegenheit, wenn der Assi einen Teich aufsammelt und pinkelt ihm gleich aufs Handtuch, das spart Zeit und Arbeit. Wie man sieht, gibt es viele und sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sich der Freundschaft seiner Mitmenschen zu versichern.

Des weiteren werden die Zwerge immer sicherer und schneller auf den Beinen, was sie maximal unkalkulierbar macht; schnelle Entschlüsse, klitzekleine Radien, und schon fliegt ein Gulliver quer durch die Küche. Idealerweise mit zwei Händen voll Geschirr. Um solche Szenen zu verhindern, hat es sich bewährt, nicht vorher in der Küche vorbeizuschauen, wenn man etwas Dringendes zu erledigen hat, sonst wird das Dringende zum Aufgeschobenen. Ansonsten gilt, was schon länger gilt und von uns schon angesprochen wurde: Immer mindestens ein Auge auf dem Boden und den Sturzraum im Blick.

Die Der Welpengarten ist aufgebautDer Welpengarten ist aufgebautAlternative für die immer bedrohlicher werdende Enge in der Küche ist der Garten. Deswegen beschließen wir heute, das Welpenparadies einzurichten. Das ist zwar noch etwas früh, denn eigentlich wäre das Ende der vierten Woche der geeignete Zeitpunkt dafür, aber das Wetter ist überwältigend schön, und selbst wenn die Knirpse noch nicht in der Lage sind, das ganze Angebot zu nutzen, so können sie sich eben auf kleinerem Raum daran gewöhnen und wir uns im Haus besser bewegen. Mittags schleppen wir also die Gitter heran, stecken sie zusammen und machen aus unserem Garten eine Raubtiermanege. Der größte und einzige Verlierer dieser Installation ist der Igel, der nun nicht mehr aus Nachbarsgarten quer über unseren trippeln kann, sondern, immer den Zaun entlang, große Umwege in Kauf nehmen muss. So etwas hält geistig frisch.

Dann werden Milchspeisung im Gartendie kleinen Raubtiere von uns in den Garten Eden gebracht, der nicht zwischen Euphrat und Tigris liegt, sondern irgendwo zwischen Mangfall und Leitzach. Das Gras, die ganze Umgebung ist ihnen ja nicht mehr neu, aber ab jetzt werden sie viel Zeit dort verbringen und ihre Fertigkeiten trainieren können. Damit die nötige positive VerknüpfungJasna und Jule im Cafe Puppy ParadiseJasna und Jule im Cafe Puppy Paradise hergestellt wird, stellen wir ihnen eine Milchmahlzeit hin, uns legen wir ein paar Kissen und Decken aus, und der Serail ist fertig. Den Nachmittag verbringen wir im Schatten des Apfelbaums, die Zwerge schlafen unbeeindruckt, werden gelegentlich von einer halben Handvoll Besuchern gestört, weil geknuddelt. Zum Wohle des Personals wird Kaffee und Kuchen serviert; irgendwie ist es tatsächlich wie im Schani-Garten, in dem sich der Jani-Schani besonders wohlfühlen müsste. Wir tun das jedenfalls und finden, dass wir mit der Eröffnung unseres „Café Puppy Paradise“ einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung der nach-coronaren Außengastronomie leisten.

TatsäGartenfestchlich ist dieser 15. Juni ein ausnehmend schöner Tag für uns und die Jays. Damit er auch der Anfang einer schöneren Zeit für Hedda und ihr Gesäuge wird, beginnen wir ab sofort mit der Entwöhnung der kleinen Kannibalen. Die positive Gewichtsresonanz der gestrigen Fütterung mit den Fleischbällchen bestärkt uns in dieser Maßnahme. Das bietet uns die Gelegenheit, einen Blick auf die Stoffwechselstatistik zu werfen.

Jazz 1880 (+150), Joschi 1710 (+100), Jackl 1660 (+90), Janitschek 1650 (+90), Judica 1600 (+150), Jasna 1500 (+120), Jule 1300 (+40) und Jeannie 1300 (0, das muss man erst mal schaffen!). Das ergibt eine Zunahme von 740 g und ein Durchschnittsgewicht von 1575 g.

Da nicht nur die körperliche Entwicklung JacklJacklsehr erfreulich ist, sondern auch die Milchmahlzeit zusammen mit dem Fleisch am Abend, keinerlei negativen Folgen für den Kotabsatz hatten – alles stabil und erfreulich –, können wir tatsächlich Hedda entlasten und nun vermehrt auf die Außengastronomie setzen.        

Auch für uns ist an solchen Tagen natürlich das Gartenrestaurant geöffnet, was nicht nur zur Entspannung beiträgt, sondern uns die problemlose Überwachung und Beobachtung unserer Schutzbefohlenen ermöglicht; so kann man gelassen bei einem gelungenen Spargelgericht sitzen, hat alles im Blick und im Griff und darf Zeuge sein, wie sich Joschi aus dem schlafenden Rudel unterm Apfelbaum löst, zu uns auf die Terrasse wackelt (den Weg hat er noch nie gemacht, das sind rund zehn Meter), zu unseren Füßen ein paar JoschiJoschiKringel mit eindeutiger Absicht dreht, mit dem Abtritt nicht zufrieden zu sein scheint, sich nach Südwesten in Richtung Hochbeet wendet (nochmal rund acht Meter), dort eine kleine Wurst gebiert und sich wieder zu seinen Geschwistern unterm Baum gesellt (sechs Meter). Welch eine epochale Leistung! Der kleine Kerl kann eventuell den Weg vom Apfelbaum zur Terrasse einplanen, weil er auf dieser Strecke schon mal hin- und hergetragen wurde und auch auf dieser Wegstrecke schon gefüttert wurde, das lässt sich also zusammenkalibrieren (wenn man genug Grips hat!). Aber die Strecke von der Terrasse zum Hochbeet und von dort wieder zurück zum Baum ist absolutes Neuland, zumal der Pimpf noch gar nicht in der Lage ist, die Distanz zu überblicken, also zu sehen, woher er gekommen ist und wohin er wieder will, dafür hat er noch viel zu viel Kartoffeln auf den Augen. Wir verneigen ins in größter Ehrfurcht vor Joschis Expedition (alles nur, weil er einen unbeobachteten Kackplatz brauchte!) und stellen dabei staunend fest, dass er auf dem gesamten Weg kein Wort gesprochen hat.

Das Welpenbrei im Gartenist schon Futterbreieine Sonderleistung von Joschi, obwohl natürlich auch die anderen gelegentlich ihr Lager für ihre Notdurft verlassen, aber eben nur die unbedingt nötige Distanz, weit genug weg vom Schlafplatz und nah genug, um ihn wieder zu finden. 

Bis 20:30 Uhr sind sie heute draußen Janitschek und JudicaJanitschek und Judicaund bekommen dort auch ihre erste Mahlzeit aus eingeweichtem und püriertem Welpen-Trockenfutter. Das putzen sie weg wie nichts, man könne auch sagen, sie inhalieren es, und lassen nichts über. Anschließend helfen sie sich gegenseitig bei der Fußwaschung der verkleisterten Beine, und Oma hilft, nicht ganz uneigennützig, mit. Mama bekommt den Rest in der Schüssel. Ein schönes und friedvolles, sattes und zufriedenes Familienidyll

Als wir sie wieder in ihre Küche zurückbringen, haben sie nicht mehr viel zu sagen, sondern sacken fast augenblicklich weg. Dream, ye terriers, dream…

 

Mittwoch, 16. Juni 2021

Der Tag ist jung und die Nacht noch nicht gestorben, da erlebt die Chefin den ersten Schock des Tages: Die Schlummerkiste ist total messy. Wer lesen und denken kann, ahnt, dass dieser Begriff eine sehr liebevolle Umschreibung dessen ist, was sie dort vorfindet. Heiliger Strohsack! Keine Frage: Die spätabendliche Gabe Trockenfutterbrei stellte die acht kleinen Därmchen vor eine noch nicht dagewesene Aufgabe. Bei Jazz haben wir den Eindruck, sie hat keine Zeit zum Wiegen, denn kaum haben wir ihr Ergebnis registriert und sie auf den Boden gesetzt, drückt sie sich einen Wunderwurm aus der Rückseite, den man diesem Persönchen nicht zutrauen würde. Und kaum tänzelt sie einigermaßen erleichterten Schrittes davon, liefert sie noch einen Nachschlag. Jetzt wundert uns nichts mehr. Aber alles, was wir vorfinden und beseitigen, ist in einem Top-Zustand, nix zu mäkeln, grad wie aus dem Lehrbuch. Nun sind wir natürlich gespannt, was die Waage dazu sagt.

Jazz Jazz nimmt alles, was ihren Körper formtJazz nimmt alles, was ihren Körper formt(vor dem Abort gemessen, eventueller Kisten-Output unbekannt: 2180. Damit ist sie nicht nur die erste Vierpfünderin, sondern sprengt mit 300 g plus alle Grenzen in diesem Alter. Alter, das glaubst du nicht! Dagegen wirkt Janitschek, der sich auf den zweiten Platz vorschleicht, immer noch wie ein Intervallfaster: 1830 (+180). Joschi 1780 (+70), Jackl 1770 (+110). Dann kommt die Spargel-Fraktion: Judica 1630 (+30), Jasna 1570 (+70), aber zum Schluss der Messreihe langen die Knubbelchen richtig zu: Jeannie 1470 (+170) und Jule 1440 (+140). Die Spreizung zwischen 2180 g und 1440 g wirkt natürlich enorm. ist aber, zumindest bei uns, nicht ungewöhnlich. Statistische Vergleiche mit anderen Züchtern stehen uns nicht zur Verfügung, zumal viele Züchter nur gelegentlich wiegen oder wenn es erforderlich ist, z. B. bei der Wurfabnahmen. Wir wiegen täglich, auch um Alarmzeichen frühzeitig zu erkennen. Und wenn kein Alarm zu erkennen ist, dient das Wiegen unserer Entspannung und Gelassenheit, wenn offenbar alle wachsen und gedeihen, auch wenn die Entwicklung unterschiedlich schnell voranschreitet. Wir kennen das und betrachten es als das, was es ist: eine genetische Disposition, im Fall von Jazz eventuell auch eine Spielform frühkindlicher Adipositas. Das gleicht sich meist sehr bald an, in den meisten Fällen zeigt sich schon vor der Wurfabgabe ein ganz anderes Bild. Das heutige Bild zeigt eine Gewichtsexplosion von 1070 g und führt zu einem Durchschnittsgewicht von 1708,75 g.    

Jeannie und Jule nach dem BadJeannie und Jule nach dem BadWeil wir Hedda vom Dasein einer Milchkuh befreien wollen, geben wir ihr auch ab heute keine Welpenmilch mehr, höchstens noch ab und zu, weil sie ihr schmeckt. Jetzt gibt es wieder Kraftfutter für aktive Mädels, keine Proteinbomben für Milchbarbetreiberinnen.

Sehr viel mehr ist über diesen herrlichen Sommertag mit 30 °C nicht zu erzählen, der nicht nur die Menschen in einen Sparmodus schickt. Der Tag fließt langsam und betulich im „Café Puppy Paradise“ dahin. Nur einmal lässt sich die Chefin eine Wohltat für ihre Kinder einfallen: Sie bekommen alle ein kühles Bad in einer kleinen Schüssel: Handwäsche mit Sonnentrocknung. Es scheint, dass sie den Service sehr genießen. Und später, wenn sie draußen im Jasna, die EntdeckerinJasna, die Entdeckerinrichtigen Leben angekommen sind, werden sie bestimmt nicht die Zehenspitzen ins Wasser stippen und sich angewidert abwenden. Ein Bairischer Blueser ist und bleibt ein Wasserhund! Die meisten jedenfalls… 

Als Fotograf wünscht man solche Tage zum Teufel. Immer nur schlafende und sich räkelnde Modelle lassen gelegentlich eine leise Verzweiflung aufkommen: Woher das morgige Tagesbild nehmen? Einen Tag kann man ja schummeln, aber zwei Tage fallen in diesem Alter schon auf. Und da liegen sie, verkriechen sich und tun nichts als nichts. Wenn dann doch Bewegung in die Bande und die Kamera zum Einsatz kommt, folgt die Ernüchterung bei Sichtung der Bilder. Ja, manchmal auch, weil sie nichts taugen, mehr aber, weil immer das gleiche freundliche Gesicht darauf zu sehen ist. Die Tagesbildstatistik würde es erforderlich machen, beispielsweise wieder einmal Jule zu zeigen.Judica und JasnaJudica und Jasna Aber Jule ist auf keinem Bild zu sehen. Dafür Janitschek. Auch Jasna wäre wieder einmal an der Reihe. Keine Jasna nirgendwo, höchstens von hinten beim Häufeln. Dafür Janitschek. Auch mit Joschi könnte man schnell mehrere Kalender füllen. Judica ist auch so eine verhinderte Politikerin, die immer auftaucht, wo eine Kamera in Anschlag gebracht wird. Bei Jazz ist es tatsächlich schwierig, sie zu übersehen, was auch ihr eine gewisse Überrepräsentanz beschert. Aber der größte Gatsby ist derzeit Janitschek. Zu seiner Entlastung räumen wir ein, dass es vermutlich weniger an seiner Kamerageilheit liegt, sondern an unserem Sehverhalten, das Auffälligkeiten besonders registriert und zur Kenntnis nimmt. Es ist kein Zufall, dass blonde Frauen viel häufiger abgelichtet werden als brünette oder sJackl und JeannieJackl und Jeanniechwarzhaarige, weil ihr Haar, vor allem unter Lichteinwirkung, das ganze Augenmerk auf sich zieht. Bei Jani sind es wahrscheinlich seine strahlenden Marken, die unsere Blicke magisch einfangen. Aber auch das ist keine Sonderheit des J-Wurfs; durch diese sehr hohle Gasse mussten die Fotografen des Blues schon neunmal. Und sie haben sie gemeistert.

Deckel drauf, Fenster auf und gute Nacht. Ob sie dem Assi so gut werden wird, lässt sich erst morgen beantworten. Fürs erste ist sein Schlaf eher unruhig, denn morgen steht die seit einem Monat verschobene Umstellung auf Glasfaser-Breitband an. Lieber ein Leben lang abhängig von billigem Alkohol als einen Tag von der Telecom… In diesem Sinne: Gute Nacht.    

 

Donnerstag, 17. Juni 2021

Schon um 5 Uhr steht das Tagesbild auf unserer Homepage zur Verfügung, denn es wäre ein Desaster, kein Tagesbild zu haben, nur weil die Telecom an unserer Leitung herumschlossert. Und niemand weiß, wann sie uns den neuen Service schalten werden, irgendwann im Laufe des Tages soll es geschehen, so hört man. Aber um 5 Uhr morgens liegen die Schlafmützen hoffentlich noch unter ihren Decken und können nichts dagegenhaben, dass wir ein Tagesbild auf unsere Seite stellen.  

So früh am Morgen ist die beste Zeit für die Gewichtskontrolle, weil dann sogar die Umtriebigsten noch etwas schläfrig sind. Gestern zweimal Welpenmilch und einmal eingeweichtes Trockenfutter (dazu gelegentliche Aufenthalte an der Mama-Bar) bringen die Knirpse richtig voran. Waren es gestern 1070 g, sind es heute 990 g, was das Durchschnittsgewicht auf 1832,5 g anhebt. JuleJuleWir hatten es also nicht mit einem nur von Jazz verursachten künstlichen Blow-Up zu tun, sondern sehen jetzt bereits eine Verstetigung der Gewichtsentwicklung. Im einzelnen stellt das so dar:

Jazz 2230 (+50), Joschi 1980 (+200), Jackl 1970 (+200), Janitschek 1930 (+100), Judica 1800 (+170), Jasna 1650 (+80), Jeannie 1570 (+100) und Jule 1530 (+90).   

Als die zweierlei Deutschen in Deutschland noch wussten, wohin sie gehörten und was richtig und falsch war, feierte man hierzulande am 17. Juni den Tag der Deutschen Einheit. Nach dem Vollzug der Einheit hat sich das in vielerlei Hinsicht erledigt, zumal heute Aufstände für die Freiheit, sollte es solche geben, eher als Aufstand gegen die Freiheit verstanden und abgeräumt werden. Das wäre zu bedenken, wenn sich manch eine(r) beklagt, dass wir so gar nichts von der DDR übernommen hätten.

Heute also kein Feiertag, sondern KrümelKrümel – Im nächsten Leben Hovawartein ganz normaler Werktag. Der Assi bringt die Chefin zur Bahn, damit die in die Arbeit kommt. Dann treibt er ein wenig Krankengymnastik für sein hines Knie, anschließend werden die Jays versorgt und das Haus. Um 14 Uhr hat die Chefin genug gearbeitet, aber nur, weil heute vor allem die Sonne auf Hochtouren arbeitet und Schüler wie Lehrer mittags nach Hause schickt. Jetzt bleibt also den ganzen Nachmittag Zeit, bei 33 °C im Schatten unseres Apfelbaumes mit den Kindern unsere ganz persönliche Einheit und Einigkeit zu feiern. Unsere Kreißsaal-Assistentinnen gesellen sich zu uns und den Jays, Anna-Maria bringt gleich noch ihre Eltern und Krümel mit, und so wird dieser Tag ein kaum schöner auszudenkender Feiertag mit Eiskaffee, Kuchen und später ein wenig Bier. Den Kindern geht vor lauter Streicheleinheiten schon fast das Fell aus.

JudicaJudicaViel ist nicht los im Café Puppy Paradise. Jackl quält sich aus der Deckung und produziert bei einer einzigen Sitzung gleich drei veritable Würstchen, Judica schafft es nach einigen Übungseinheiten endlich, sich hinterm Ohr zu kratzen und Jazz putzt sich sogar schon den Popo.

Dafür, dass wir für die vierte Woche mehr Action versprochen haben, ist derzeit relativ wenig los beim Blues, hauptsächlich weil die Hitze den Aktionsradius unserer Zwerge einschränkt und sie dadurch noch wenig Gelegenheit hatten, ihr ganzes Paradies in Augenschein zu nehmen und sich untertan zu machen. Sie liegen mehr oder weniger auf einem Fleck zusammen, unterm Liegestuhl oder unter einer kleinen Palette und verlassen ihr Lager nur für unaufschiebbare Geschäfte. Diese werden durch den Trofu-Brei mittags und die Milch nachmittags generiert; nach dem gestrigen Morgenzustand der Schlummerbox gibt es abends keinerlei Fleisch mehr, Milch ist für den Darm des Personals abends die bessere Wahl.   

Und siehe da, nachdem uns die Telecom den ganzen Tag über mit Hinhaltebotschaften versorgt hat (Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten sieben Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten fünf Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten drei Stunden ab), läuft das flitzeschnelle Internet tatsächlich am frühen Abend. Aber nur, weil die Chefin etwas nachgeholfen hat…

Ab jetzt geht bei uns die Post ab und rund, wie bald auch bei den Jays. Versprochen.

 

Freitag, 18. Juni 2021

Seit über 20 Jahren wird das Leben beim Bairischen Blues von Hunden bestimmt, was dazu führt, dass bei uns jeder Tag des Jahres ein Hundstag ist. Im Volksmund bezeichnet man allerdings den Monat zwischen 23. Juli und 23. August als Hundstage, also die besonders heißen Sommertage. Der Begriff geht bis in die Tage der alten Ägypter zurück und beschreibt den Verlauf des Sternenbilds des Großen Hundes von seinem Aufgang bis JeannieJeannie hauen die Hundstage umzu seiner vollen Sichtbarkeit. Durch die Schrägstellung der Erdachse ist jedoch heutzutage der Zyklus des Großen Hundes (wie der des gesamten Sternenhimmels) um einen Monat nach hinten verschoben und fällt somit in den beginnenden Herbst. Da man es mit solchen Dingen nirgendwo so genau nimmt, werden auch heute noch die heißen Tage des Jahres europaweit als Hundstage bezeichnet. Bei den Angelsachsen spricht man recht uninspiriert von dog days, und die Franzosen sondern mit la canicule eine Vokalsalve ab. Wenn man nun schlau ist, könnte man das canicule ums End-e kürzen, und schon sprächen wir von einem canicul, was mit Hundearsch zu übersetzen wäre. Und damit hätten wir flott den großen Bogen vom Großen Hund übers Sommerwetter zu unseren kleinen, herzigen Knubbelärschchen geschlagen. Zwischen Himmel und Erde ist eben nichts unmöglich.

Volle DeckungVolle DeckungEin solcher Hundstag ist auch der heutige Freitag, auch wenn er kosmologisch gar keiner sein dürfte. Auf 32 °C und sogar etwas mehr schwingt er sich hoch, verdirbt Fianna und Hedda die gute Laune und lässt die Zwerge unter allen verfügbaren Deckungen verschwinden.

Falls sie nicht gerade mit Sonnenabwehr befasst sind, entwickeln sich diese kleinen Herzensbrecher nun tatsächlich immer mehr zu Knochenbrechern – wenn man die Augen nicht überall hat. Das haben wir schon thematisiert, ändert aber nichts daran, dass sich daran bis zum Ende am 18. Juli nichts ändern, eher alles noch komplizierter werden wird. Wo man geht, lungert ein Haufen grölender Wegelagerer in den gewohnten Laufwegen, als ob sie in ihren ersten Lebenstagen nichts anderes zu tun gehabt hätten, als genau diese auszubaldowern, um uns irgendwann aus dem Hinterhalt heraus ein Bein zu stellen. Der Assi lehnt aus diesem Grund die Benutzung des Serviertabletts ab, um beispielsweise das Frühstück auf die Terrasse zu bringen: Kein Mensch kann nämlich sehen, was sich gerade unter diesem abspielt – und dann macht es bautz und der Wautz ist hin und das Frühstück gleich mit. Wir gehen also nicht nur sehr lange Ausweichwege durch unsere Küche, sondern auch viele mehr als üblich. Wem danach ist, der kann sich bei dieser Gelegenheit vom Evangelisten Matthäus verspotten lassen, der uns folgende Worte mit auf diese verschlagenen und verlegten Wege durch unsere Küche gibt: «Gehet ein durch die enge Pforte; denn breit ist die Pforte und geräumig der Weg, der zum Untergang hinführt, und viele sind es, die durch sie hineingehen. Wie eng aber ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben hinführt! Doch wenige sind es, die ihn finden.»

Wir finden, dass JanitschekJanitschek fühlt sich nicht angesprochenuns der breite Weg deutlich weniger dem Untergang entgegen führen würde als die Schleich- und Stolperpfade, mit welchen uns die Jennerweins direkt aus unserer Küche ins Jenseits befördern möchten. Aber vermutlich hat der Matthäus nie acht Welpen versorgen müssen. Der hat leicht reden von da oben herab.

Aber natürlich lieben wir es, wenn die Jays uns erkennen und uns entgegenfliegen, sobald wir in ihrer Nähe auftauchen. Wir sind auch überaus glücklich, wenn sie uns das Wischtuch verzerren, mit dem wir gerade versuchen, ihre Teiche zu trocknen oder, falls wir versucht sein sollten, das Pipituch mit den Füßen über den Boden zu bewegen, sich auf den Wischfuß legen, am besten gleich zu zweit. So wird schnell aus einem in die Jahre gekommenen Bollerkopf (gemeint ist selbstverständlich der Assi) eine peinlich anmutende Ballerina.

Wenden wir uns lieber erfreulicheren Dingen zu: Hedda hat, wie es scheint, ihre Leiden hinter sich gelassen und freut sich ihres Lebens. Vor allem hat sie offenbar die hinter ihr liegenden Malaisen vergessen oder verarbeitet, jedenfalls legt sie sie nicht ihren Kindern zur Last, sondern ruft sie immer wieder mal im Laufe des Tages zu sich an die Bar, ein Aufruf, den keine(r) überhört. Viel häufiger als viermal am Tag tut sie das nicht mehr, und das ist auch gut so; den großen Rest erledigen wir. Allerdings müssen wir unsere Milchration um die Hälfte erhöhen, weil die bisherige Portion (125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, drei Eigelb und drei EL Distelöl, wir erinnern uns) schneller verratzt ist als wir sie zusammenmixen können.

Dementsprechend erfreulich entwickeln sich die Gewichte unserer Zwerge: Heute verzeichnen wir drei neue Vierpfünder nach Jazz. Die ließ es ausnahmsweise mal geruhsam angehen: 2260 (+30). Jackl hat Joschi in der Verfolgerrolle abgelöst: 2110 (+140) und ist damit der zweite Viertelpfünder. Janitschek (+100) und Joschi (+50) laufen gleichauf mit 2030 g ins Ziel und haben es auch geschafft, die zwei Kilo zu knacken. Die Prinzessinnengarde wird jedoch noch ein bisschen spachteln müssen, bis sie zu den ersten vier aufschließen kann: Judica 1870 (+70), Jasna 1790 (+140), Jeannie 1074 (+170) und Jule 1640 (+110). Dass sie sich keine Mühe gäben, kann man ihnen wirklich nicht nachsagen, denn von den 810 g Zugewinn gehen allein 490 g auf ihr Konto. Das Durchschnittsgewicht nähert sich auch stramm den zwei Kilo: 1933,75 g.

Mittags beschließen wir, den Transit Der TransitDer Transitdurch unsere Gute Stube zu errichten, weil wir einerseits nicht wollen, dass Heddas multipel inkontinenter Nachwuchs auf dem Weg von der Küche in den Garten unser Wohnzimmer benutzt, wie es deutsche Autofahrer gerne mit ihren Raststätten halten. Aber wir wollen sie auch nicht unentwegt hin- und hertragen: Wer vier immer flottere Beine hat, soll sie selbst bewegen. Deshalb gibt es seit unserem ersten Wurf den inzwischen legendären Transit durch die Stube. Und weil wir schon im Bastel- und Gestaltungsmodus sind, verzurren wir noch ein Sonnensegel im Garten, um mehr Schatten bereitzustellen als der Apfelbaum in der Lage ist. Dann wird noch ein bisschen Spielgerümpel dazu geliefert und das Paradies hat eine neue Qualität und Anmutung bekommen. Neue Reize braucht der Zwerg.  

Das Paradies wird aufgehübschtDas Paradies wird aufgehübschtDen Transit bauen wir natürlich auf, während sich die ganze Bande im Garten befindet, befände sie sich nämlich in der Küche, befände sich wahrscheinlich deren Hälfte nicht mehr dort, sondern bereits im Himmel, totgetreten oder totgeschlagen. Das heißt einerseits, dass die im Garten nichts von den neuen Möglichkeiten wissen und andererseits, dass wir begierig darauf warten zu erfahren, wer ihn als erste(r) zur Kenntnis und in Besitz nimmt.

Dies geschieht punkt 18:45 Uhr, als die Chefin in der Küche die Welpenmilch zubereitet. Die Jays liegen im Schatten des Gartens und dösen. Offenbar inspiriert durch bekannte Lautsignale, macht sich Judica auf den Weg, eilt durch den ganzen Garten schnurstracks auf die Terrasse zu und überquert diese, als wäre sie ihr Wohnzimmer. Das ist schon bemerkenswert, JudicaJudicaweil sie mit unserer Terrasse bisher nicht vertraut ist; wir haben die Jays immer in den Garten getragen und dort haben sie sich ausschließlich im hinteren, schattigen Teil aufgehalten; große Entdeckerrunden standen ja bisher noch nicht auf dem Programm. Judica lässt sich also von fremdem Terrain nicht sonderlich aufhalten, peilt zielstrebig unsere Terrassentür an, zögert, staunt, gibt ihrem Herzen einen Stoß und betritt die Terra Incognita des Bairischen Blues, auch Transit genannt. Was jetzt kommt, übersteigt allerdings auch unsere Vorstellungskraft. Nach wenigen Schritten macht sie einen Buckel und drückt sich eine stramme Wurst aus dem Kreuz, nimmt damit offenbar unseren Transit in ihren Besitz und marschiert weiter in die Küche, um nachzusehen, wie es um ihr Abendmahl bestellt ist. Mannomann, so was von Girlie-Power!

Die Fütterung findet dann, wie gewohnt, im Garten am Ring statt, demnach sind alle draußen versammelt. Gleich nach der Speisung bricht das übliche Tohuwabohu aus, alle sind irgendwie miteinander beschäftigt, um alle verfügbaren Milchreste abzugreifen, Hedda und Fianna bekommen Schüsseln zum Auslecken. Dies ist nJazzJazzormalerweise nicht der Moment, der für große Aufbrüche steht, eher für Ein- und Abbrüche. Doch vielleicht gerade deswegen, gerade weil alle mit anderem beschäftigt sind, nutzt nun Jazz die Gelegenheit, für eine Expedition ins Unbekannte und stapft durch den Transit. Sehr zu ihrem Erstaunen findet sie an dessen Ende, in der Küche, ihre Mama vor, die sich ins Kudde schmiegt und ihre Tochter mit wenigen Worten zu einem kleinen Nachschlag an der Mama-Bar einlädt. Sonderspeisung ausgerechnet für Jazz. Jetzt wissen wir, woher das kommt. Jedenfalls ist es wieder eine kleine Lady, die mutig vorangeht. Uns überrascht das nicht, im Gegenteil. Neun Würfe waren fast immer die Mädels die Fixeren und Mutigeren; sie sind eben, wie bei uns auch, den Buben in diesem Alter eine Nasenspitze voraus. Doch schon an diesem Abend wird der Transit von allen mehr oder weniger souverän eingeweiht (und entweiht!). 

Am Ende eines eigentlich ereignislosen Tages mit viel Gedöse, aber eben doch ein paar Ereignisspitzen fallen die Zwerge in einen sehr zufriedenen Schlaf. Den finden sie noch immer in ihrer Schlummerkiste am sichersten. Und wir sind der gleichen Ansicht.

 

Samstag, 19. Juni 2021

Um 4:45 Uhr jubilieren die Mangfall-Lerchen in ihrer Schlummerbox, kreischen, jodeln, krähen und beginnen einen Sonnentanz in der Kiste, dass uns Hören und Sehen, vor allem aber das Schlafen vergeht.

Auch heute liegt wieder ein heißer und drückender Tag vor uns, dessen Hauptaktivitäten für Hedda und Fianna in den frühen Morgenstunden angesiedelt sind, das heißt: Die Chefin dreht große Runden und der Assi zu Hause am Rad, also auch Runden, allerdings mit dem Putzeimer. Zum Trost dient ihm, dass die aktuellen Herausforderungen kaum der Rede wert sind, verglichen mit dem, was in den folgenden Wochen in der Morgenküche auf ihn warten wird.

Gleich nach ihrem ausgedehnten Spaziergang und dem Morgenimbiss legt sich Hedda im Garten ins Hundebett, zu Marketenderdiensten bereit, was ein weiters Mal belegt, dass sie nun in Sachen Kinderversorgung komplett in ihrer mütterlichen Mitte angekommen ist, keine körperlichen oder mentalen Probleme mehr damit hat. Wie sie nun im Bette hingestreckt liegt, die Kinder aber in der Küche weiß, ruft sie sie zu sich, und dann geht das Rennen um die Pole-Position an der ergiebigsten Zapfstelle los. Sie fordert also ihre Kinder auf, durch den Transit zu ihr zu kommen. Wie wir wissen, haben das gestern auf eigenen Beinen nur Judica und Jazz geschafft. Insofern ist es keine Überraschung, dass diese beiden auch heute sofort im Bilde und on the road Jackl und JoschiJackl und Joschisind. In ihrem Windschatten eilt auch Jasna herbei und findet den rechten Weg. Jule und Jeannie trauen dem Frieden noch nicht, stellen sich doof oder tot, in der Hoffnung, einen Lift zu bekommen, der ihnen auch gewährt wird. Joschi und Jackl wollen nichts auf sich sitzen und sich nachsagen lassen, machen sich auch auf den Weg und finden, dass dieser Weg kein leichter sein wird, eher einer mit unerwarteten Tücken. Der Bürgermeister und die Sabberkachel schaffen es doch tatsächlich, sich in diesem von Gittern begrenzten Gang zu verirren, sich zu verlaufen und zwischen Gitter und Terrassentürflügel stecken zu bleiben – Sackgasse, plärr, Charlie Brown lässt grüßen. Vielleicht spricht auch nur Scham und Zorn aus dem Kasperltheater, das die beiden anzetteln. Für einen Logenplatz reicht es jedenfalls nicht mehr, aber für einen ganzen Eimer Spott vom Amazonengeschwader um Jazz. Und, fragt sich der aufmerksame Leser, und was treibt der Jani-Schani in diesem Welpenassessment? Janitschek verlässt sich auf seine westlevantinische Pfiffigkeit oder hat das Buch Ruth (1, Vers 16,17) gelesen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Und fußelt eifrig hinter dem Assi her, der Jule und Jeannie an die Bar bringt. Die krälenden Brüder lässt er hinter der Terrassentür stecken. Mit dieser Methode ist er zwar nie an vorderster Front (wozu auch?), aber immer auf der sicheren Seite und bleibt dabei gelassen und frohen Mutes, immer ein fröhlich Liedchen auf den Lippen. Ein schlauer Kerl, dieser Janitschek. Vielleicht sollte man doch öfter die Bibel lesen.     

Undercover-JanitschekUndercover-JanitschekDer Tag selbst ist angereichert mit einer Handvoll Besuchern und sommerheißem Nichtstun. Die Jays dösen, wenn sie nicht gerade zum Streicheldienst abgeordnet sind, im Schatten, wobei die meisten unter die eigentlich als Sitzgelegenheiten bereitgelegten Kissen und Polster kriechen. Eigentlich sollte man vermuten, dass es unter ihnen noch wärmer sein müsste, die Wahrheit dürfte aber lauten, dass das Gras unter ihnen frisch und kühl geblieben ist. An Überlebensstrategie fehlt es ihnen offenbar nicht.

Für andere Aspekte des Überlebens sind jedoch immer noch wir zuständig: Die Mahlzeiten, die Mutter nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stellen kann und soll. Heute bekommen sie morgens eineinhalb Portionen der Welpenmilch mit einer halben Banane (püriert). Mittags gibt es etwa 400 g Kopffleisch, fein püriert, mit Kartoffelbrei. Abends folgt dann nochmals eine doppelte Portion Milch mit Banane, was dann die Kapazitäten doch ein wenig übersteigt. Gefüttert wird weiterhin am Ring.

Dass diese Welpendiät nicht komplett an den Bedürfnissen vorbeigeht, bescheinigte uns die Waage am Morgen: Jazz 2400 (+140), Joschi 2340 (+310!), Jackl 2250 (+140), Janitschek 2160 (+130), Judica 2020 (+150, noch eine Vierpfünderin), Jasna 1900 (+110), Jeannie 1850 (+110) und Jule 1650 (+10), macht 1100 g Gewichtsgewinn an einem Tag und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2071,25 g, womit wir auch in dieser Hinsicht über zwei Kilo wären.

Spät nachts bringt der Assi die Kinder zu Bett, allerdings muss er ihnen keine Wiegenlieder singen; das erledigen sie selbst. Der Protest in der Schlummerkiste will heute nicht aufhören. Natürlich ist Joschi der Wortführer, aber er ist heute Nacht nicht allein. Für diese anhaltenden Beschwerden können nach unserer Erfahrung nur zwei Dinge verantwortlich sein: Entweder sie wollen nicht mehr in ihrer Kinderkiste nächtigen oder es ist ihnen heute zu warm, obwohl wir alle Fenster und Türen, soweit es vertretbar ist, offen haben. Aber es bewegt sich kein Lüftchen, was sich bewegt ist die Luftsäule, von den Stimmbändern der Jabberwockys zum Schwingen gebracht. Wenn sie damit nicht aufhören, müssen wir Fenster und Türen auch noch schließen. Der Assi setzt sie über die Folgen ihres Tuns in Kenntnis. Mal sehen, wieviel er bewirken kann. Ein gute Viertelstunde hört er sie noch, ermattend, erschlaffend. Ob er es ist, der da langsam aus dem Bewusstsein gleitet oder die Kinder, wer weiß…

 

Sonntag, 20. Juni 2021

Im nördlichen Wendekreis steht die Sonne heute im Zenit, hoch im Norden geht sie nicht unter und das bedeutet, dass wir heute den längsten Tag des Jahres genießen und die Sommersonnwende feiern dürfen. Wenn dann diese Sonne auch noch strahlt, steht uns ein wahrlich prächtiger Tag bevor.

Für uns und die Jays ändert sich erst mal nicht viel. Die Kinder erzwingen einen relativ geordneten Tagesablauf, der mit Wiegen, Putzen und Speisen beginnt, denn die Länge des Tages ist unseren Pfleglingen reichlich wurscht. Und uns auch. Die einen vermessen den Lebenslauf als Spanne zwischen der Wiege und der Bahre, wir vermessen unseren Tageslauf von der Waage bis zur Liege.

DannJoschiJoschi wollen wir doch mal wissen, ob Joschi seinen Turbospurt hinter Jazz her durchgehalten oder sie ihn auf Distanz gehalten hat. Zur Erinnerung: Gestern trennten die beiden nur noch 60 g – und er hat sich respektabel gehalten, nur 10 g ihr gegenüber eingebüßt. Jazz 2500 (+100), Joschi 2430 (+90), Jackl 2390 (+140), Janitschek 2290 (+130), Judica 2080 (+60), Jasna 2060 (+160, und ebenfalls die Zwei-Kilo-Marke genommen), Jeannie 1930 (+80) und Jule 1740 (+90) = 850 g und ein Durchschnittsgewicht von 2177,5.

Bekanntlich hat jede Nahrungsaufnahme Folgen, über die man sich meist nicht austauscht, es sei denn man wäre Baby- oder Welpenversorger. Dann gewinnt die Betrachtung der Rückstände eine Bedeutung, die den ersten Worten (heutzutage eher Instagram als Mama) und ersten Schritten nicht nachsteht. Das gilt selbstredend auch für uns. Es gibt keinen Buckel auf standfest ausgestellten Hinterbeinen, der von uns nicht argwöhnisch investigiert wird. Und bisher sind wir mit uns und den Jays sehr zufrieden. Trotz der wechselnden Angebote (Welpenmilch, Fleischbällchen, Trofu-Brei, Kopffleisch) bleibt der Output qualitativ hochwertig, sowohl in Form wie in Farbe. Die kraftvollen Wurstprodukte sind ausdrucksstark bei einer nachvollziehbaren Farbentwicklung von Senf (Milchüberhang) über rehbraun bis zum aktuell intensiven Maron. Alles also wie es sich ein Züchter wünscht. Nur eine Veränderung lässt uns mit einiger Sorge in die Zukunft blicken: das Größenwachstum! Wir haben den Eindruck, es eilt der Nahrungsmenge voraus.

Nicht unerwähnt kann in diesem Zusammenhang das unterschiedliche Abtrittsverhalten der Knirpse bleiben, das uns aber nach neun Würfen auch nicht mehr in die Verzweiflung treibt, obwohl ein gelegentlicher Arschritt durchaus erzieherisch wirksam sein könnte. Ja, es gibt hygienisch motivierte Individuen, die zum Zwecke der Darmentleerung die Küche durch den Transit verlassen und den neu gewonnen Freiraum „Garten“ ansteuern, um ihr Geschäft zu erledigen. Dass ihr Tun keinerlei Vorbildwirkung hat, zeigen jene, die aus dem Garten durch den Transit in die Küche eilen, ja: eilen, weil es drückt, und sich dort erleichtern, obwohl es im Garten unter weniger Zeitdruck sozial verträglicher möglich gewesen wäre. Diese Schutzhüttenscheißer können sogar dem abgebrühten Züchter gelegentlich den Draht aus der Mütze fliegen lassen. Aber was soll man machen? Schweigen, soll man und keine Namen veröffentlichen.      

Immerhin beweist diese Episode, dass der Transit immer mehr in den Lebensraum der Jays integriert ist. Vorgestern wurde er eingerichtet, gestern mussten wir ihnen zum Teil noch einen Blindenhund zur Seite stellen und heute gehört er zu ihrem Lebensraum. Die Lernleistung dieser Zwerge ist enorm und beeindruckend. Das hilft uns vor allem, wenn sich alle Zwerge oder auch nur einige in der Küche befinden und wir im Garten füttern wollen. Dann erschallt der Futterruf „Matze-Matze-Matze“ und, nur dreimal praktiziert, lässt er acht Kugelporsches in den Garten speeden. Dieser Ruf wird sie zu jeder Fütterung rufen und sie werden ihn bis zum Ende ihrer Tage nicht mehr vergessen. Machen wir uns nichts vor: Darauf zu reagieren ist eine Sache, am zweiten Tag den direkten Weg durch den Transit zu finden ist eine andere. Aber sie machen sich auf diesen Weg, sie wissen, wohin sie sollen, wo sie den Zugang zum Garten finden, aber manche finden auch heute nicht den Ausgang. Dem Ruf folgt eine Puppy-Stampede, die sich am Ende stark verdünnt. Manche bleiben immer noch im Transit stecken (plärr), die anderen finden zwar den Ausgang auf die Terrasse, wissen dann aber JacklJacklnicht mehr weiter, und nur zwei oder drei schaffen den erfolgreichen Zulauf bis zum Futterring. Und auch diese Namen werden aus Gründen der Pietät den anderen gegenüber verschwiegen. Maximal noch ein Tag, dann erübrigen sich diese Erzählungen. Dafür drängen sich andere auf, etwa solche Erfolgsgeschichten wie die des Jackl vom Bairischen Blues, der gestern noch zusammen mit seinem Bruder an der Klagemauer des Transits gescheitert ist, heute den Transit als willkommene Übergangslösung für seinen Stuhlgang nutzt, also nicht mehr drin, aber fast schon draußen. Man muss nicht alle Herausforderungen auf einmal bewältigen, die Erledigung über Milestones ist meist erfolgreicher. Ups, haben wir jetzt doch ein Geheimnis ausgeplaudert, das wir in der Brust bewahren wollten?

Wie sehr JudicaJudicader Transit schon in der Realität der Jays angekommen ist, zeigen sie uns, als wir sie während der Futterzubereitung (in der Küche) auf der Terrasse ausgeschlossen hatten und sie die vertrauten Töne offenbar bis hinaus hörten. Sie haben keine Sekunde Orientierungsschwierigkeiten, woher die Geräusche kommen und auf welchem Weg man zu ihnen gelangen könnte: über den Transit! Aber der liegt hinter der verschlossenen Terrassentür. Also steht die halbe Mannschaft auf den Hinterbeinchen und bearbeitet die Tür und krakeelt, damit sie nachgibt. Man kann gar nicht so schnell mitdenken wie die lernen. 

Aber es ist nicht nur das Lernen, das sie jetzt zu acht kleinen Überraschungspäckchen macht, sondern auch die körperliche Reife; die Kraft wächst parallel zum Hirn (wir hoffen, dass das in den nächsten Jahren dann andersrum ist). Das wirkt sich dann folgendermaßen aus. Einige Gitter des Transits haben Türchen, dass wir JasnaJasnanicht dauernd klettern müssen, wenn wir in den Wohnbereich oder ins Treppenhaus wollen. Die Tür ist zweigeteilt, unten ist ein zwanzig Zentimeter hohes Gitter, darüber das Türchen zum Öffnen. Wenn man über den Gittersturz im unteren Teil der Tür will, braucht man als Welpe Muckis, weil es nichts gibt, worauf man sich stützen und hochstemmen könnte. Bisher haben es einige schon versucht, uns auf diese Weise zu besuchen, hingen dann aber immer recht kläglich auf dem kleinen Gitter und schafften es nicht weiter. Jasna schafft es heute als erste! Und stiefelt wie selbstverständlich durch unsere Allerheiligstes. Ab jetzt heißt es also: Luken dicht. Etwas verstörend ist, dass ausgerechnet heute, am Tag von Jasnas Emigration, Internationaler Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen ist. Ist die etwas noch gewiefter als wir schon länger befürchten?

Immerhin liefert unsere Welt Gründe genug für diesen Internationalen Aktionstag. Wem aber nützt oder wen schützt der „Tag der Filtertüte in Deutschland“, den wir heute begehen sollten oder könnten? Melitta Bentz etwa, der Erfinderin der Filtertüten, die am 20. Juni 1908 den Gebrauchsmusterschutz für ihren neuen Papierfilter eingetragen bekam? Sollen wir jetzt unseren gerade komplett überholten Kaffeeautomaten stilllegen, in den nächsten Supermarkt rennen und Filtertüten kaufen, damit wir unseren Gästen heute, am Tag der Heiligen Melitta, endlich wieder mal einen echten Bohnenkaffee aufbrühen können? Blöd, dass wir ausgerechnet heute keine Gäste erwarten.

Da halten wir uns dann doch lieber an den amerikanischen „Tag des Vanille-Milchshakes“ (National Vanilla Milkshake Day) und bauen ihn zu einem „Vagener Tag des Vanille-Eiskaffees“ um. Dafür haben wir alles im Haus und verknüpfen irgendwie geschickt den Vanilla-Shake-Tag mit dem Kaffeefiltertag (ohne Filter); Kreativität bringt die Welt voran. So sitzen wir also mit unsere Kindern, der Mama und der Oma in unserem Garten, trinken Eiskaffee und essen köstlichen Besucherkuchen von gestern. Wenn jetzt ein Flüchtling vorbeikäme, wäre er bei uns ein gern gesehene Gast, da bräuchte er keinen UNHCR anrufen. Bei denen bekäme er nämlich keinen Eiskaffee mit Kuchen, höchstens einen Packen Formulare und einen Dolmetscher. Unser Gartencafé kommt ohne das alles aus.

Zwei FutterringeNeben der Kinderspeisung, die wir vornehmen und dabei inzwischen die doppelte Portion Milchshake in zwei Futterringe verteilen müssen, weil sonst die Zartbeflankten kaum noch ans Manna kämen, bietet Hedda immer wieder ihre Dienste an, freiwillig, weil frei von Qualen, aber nicht mehr sehr ergiebig. Die Zwerge nehmen ihr Angebot dennoch gerne an, müssen aber damit leben, dass Hedda ihre Theke nicht verdoppeln kann wie wir, weshalb die Schlacht an Mamas lauwarmem Büffet mit immer härteren Bandagen geschlagen wird. Zum Glück meist nur sehr kurz, weil die zu kurz Kommenden zwangsläufig von der Einsicht vertrieben werden und die Rammköpfe zwar zum Zuge kommen, der letztlich jedoch bestenfalls noch ein Züglein ist. Hedda hat fast fertig.

Wie man unseren Ausführungen entnehmen kann, verbringen wir diesen Sonntag ohne Besucher, auch ohne Flüchtlinge, strecken und recken uns mit unseren Kindern in der Sonne, dösen und holen versäumten Schlaf nach. Solche Tage sind in der Welpenzeit unverzichtbar, wenn man nicht vorzeitig in die Knie gehen will.

JazzJazzDie Kinder dürfen heute nach der gestrigen Erfahrung frei in der Küche schlafen. Es ist mucksmäuschenstill, als wir die Tür schließen. Wird wohl doch nicht die Hitze gewesen sein gestern, denn heiß und schwül ist es immer noch.

Und so ist die Nacht zwar wegen der Welpen ruhig, aber nicht wegen der äußeren Umstände: Es droht ein heftiges Gewitter! Es rumort und randaliert aus allen vier Himmelsrichtungen um uns herum, der Himmel ist blauschwarz. Wir lassen die Balkontür im Schlafzimmer wegen der frischen Luft noch offen, solange es eben geht, dann fährt ein Luftstoß durchs Haus, die Schlafzimmertür fliegt zu, gerade als wir im Begriff waren uns einzunesteln, und dann war der unbegonnene Traum schon wieder vorbei. Fianna versucht unter Frauchens Bett zu verschwinden und Hedda schäumt und will raus. Die beiden schieben Panik. Es ist das Erbe eines Hagelunwetters an Pfingsten 2019, das wir mit den beiden im Wohnmobil auf dem Weg in den Urlaub auf der A 96 am Ammersee erlebten. Wir befanden uns damals im Zentrum des Unwetters und fühlten uns wie unter Artilleriebeschuss. Der Lärm im Auto war furchterregend, die Dachfenster wurden durchschlagen und die Windschutzscheibe sprang. Wir vergessen diese Viertelstunde nie, aber wir können damit umgehen, Fianna und Hedda haben seither Panik, wenn die äußeren Umstände sie an diese Zustände im Womo erinnern. Wir können ihnen das nicht übelnehmen, aber wir können ihnen diese Gefühle auch nicht abnehmen. Wenn es uns bei dem Gedanken daran noch ganz spooky zumute ist, haben die beiden dem nichts entgegenzuhalten. Für sie ist es ein fürchterliches Deja-vu.

Zum Glück bleibt alles in sehr erträglichem Rahmen, reichlich Wind, ausreichend Regen, ohne in ein Unwetter auszuarten. Vor allem bleibt der Hagel aus. Vielleicht haben uns die Hagelflieger des Landkreises die Nacht und mehr gerettet. Unbekannterweise dafür herzlichen Dank. Die Nacht verläuft im Großen und Ganzen ruhig, Die Mädels bleiben jedoch bis zum Morgen eher skeptisch und auf dem Sprung. 

 

Montag, 21. Juni 2021

Die Nacht bleibt tatsächlich ruhig bis zum Morgen und aus der Küche ist bis 5:30 Uhr kein Laut zu vernehmen. Der Blitz wird dort nicht eingeschlagen haben, das wäre uns nicht entgangen. Also ist die große Zeit der Schlummerbox vorüber. Man steht jetzt auf Beinfreiheit.

Und noch etwas wissen wir zu würdigen: Wegen der langen Nacht, haben sie ganz vergessen, unsere Küche zur Latrine umzufunktionieren. Kein einzige Häuflein liegt herum. Wir lassen sie in den Garten, und siehe da, jetzt geht die Darmpost ab. So wünscht man sich das, und weiß, dass die Tage des unbeschwerten Glücks in Zukunft sehr dünn gesät sein werden.

JanitschekJanitschek geht ausnahmsweise vor der Kamera in DeckungHeute ist offizieller Sommeranfang, und der startet, wie die vergangenen Tage, sehr sonnig durch. Diese Gelegenheit nutzen wir gleich nach dem Morgenspaziergang und einem kräftigenden Frühstück für ein weiteres Fotoshooting im Garten. Es ist Tradition beim Blues, dass die Kinder nach vier Wochen ein Porträt geschenkt bekommen. Die Zeit rennt so rasant dahin, dass man sie zwischendurch mal für einen Augenblick anhalten und einfrieren muss – klick. Und noch ein Klick. Der Fotograf sehnt trotz des Zaubers des Augenblicks sein baldiges Ende herbei, weil er sich bäuchlings im Gras liegend nach Dehnung der Glieder sehnt. Allein die Models haben kein Einsehen und er dafür das Nachsehen. 

Wenn die Bedrängnis am größten ist, sucht man am besten die Befreiung in der meditativen Suggestion der Zahlen. Die lassen wir nun unkommentiert auf uns wirken: Jazz 2680 (+180), Joschi 2590 (+160), Jackl 2520 (+130), Janitschek 2380 (+90), Judica 2220 (+140), Jeannie 2140 (+210, vierpfündig!), Jasna 2060 (0), Jule 1840 (+100), macht 1010 g plus und ein Durchschnittsgewicht von 2303,75 g.

JudicaJudica hat eine eigene Methode der Teint-PflegeDamit die Verdauung dieser gewaltigen Zahlen nicht zulasten unserer Küche geht, bleibt der Transit jetzt ganztägig geöffnet, was das Prachtwetter natürlich anbietet. Das heißt, dass die Knirpse nun ganz allein entscheiden können, ob sie wegen des Teints Küchen-Indooring bevorzugen oder doch lieber den Schatten des Apfelbaumes genießen wollen. Es entwickelt sich ein ständiges Hin und Her, weil beides Vor- und Nachteile bringt, manchmal fehlt auch nur ein Spielgeschwister zum perfekten Glück und ein andermal ist eine Nervensäge zu viel. So sieht leider der Ernst des Lebens aus. Bisher konnte man sich noch beim Personal beschweren, wenn man gegen den eigenen Willen verpflanzt wurde, jetzt muss man sich vor sich selber rechtfertigen. Nach vier Wochen schon Managemententscheidungen solchen Ausmaßes…

Am späten Nachmittag bekommen sie wieder eine immer größere Portion Kopffleisch mit Kartoffelflocken serviert, jetzt sind es schon 500 g, und putzen es in Windeseile weg. Mäkelige Kinder haben wir nicht, aber solche Exemplare hatten wir noch nie; diese Exemplare werden erst später gemacht 😉.

Nachts ziehen wieder schwere Gewitter herum, die uns auch diesmal verschonen, aber schon wenige Kilometer in Richtung München alles kurz und klein schlagen. Der Bairische Blues ist eben doch eine Außenstelle des Paradieses. Nicht nur für die Kinder. Nichtsdestotrotz How to make die HalbzeitbilderHow to make die Halbzeitbilderwollen sich Fianna und Hedda auf solche Lobhudeleien nicht verlassen und entscheiden sich für Deckung, Fianna wieder unterm Bett der Chefin, Hedda kriecht lieber unter die Decke des Assi, hat aber Pech, weil bei solchen Temperaturen und geschlossenen Fenstern und Türen wegen des Sturms nirgendwo keine Decke ist, unter die man kriechen könnte. Dann kriecht sie ihm eben unter die Epidermis. Ach, Herzblatt…  

Mit diesen Betrachtungen findet die vierte Lebenswoche der Jays ihren Abschluss. Doch wie das Foto-Shooting in der vierten Woche fest im Traditionskalender des Bairischen Blues notiert ist, ist es gute Sitte, zur Halbzeit ein erstes, kurzes und flüchtiges Persönlichkeitsprofil zu wagen. Gehen wir es an.

JacklJackl: Der Zupackende mit dem festen Griff
Das hört sich gefährlicher an als es ist, weil Jackl vor allem in sich ruht und sich meist fest im Griff hat. Das ist die eine Bedeutung des festen Griffs. Die andere ist sein tatsächlich markanter Griff, wenn er einmal zupackt, was allerdings nicht häufig geschieht, weil er kein Raufer und Wichtigtuer ist. Wir haben noch nicht beobachtet, dass er einen Streit vom Zaun gebrochen hätte, aber wenn es zu Rangeleien kommt, weiß er sich zu wehren und lässt sich ganz sicher nicht die Butter vom Brot nehmen. So, wie er in sich ruht, lässt er die Dinge auf sich wirken, ist interessiert und sieht sich alles genau an, manchmal zu genau (Transitstrandung!). Wenn er nicht auf Erkundungstour ist, die ihn beispielsweise als ersten einmal um den Küchenblock geführt hat, spielt er gerne und intensiv. Die Umrundung des Küchenblocks muss ihn so stark bewegt haben, dass dieser derzeit sein bester Freund zu sein scheint, weil er jede Gelegenheit nutzt, unter ihm zu schlafen. Mehr Schutz und Sicherheit geht nicht. Jackl wurde schon früh als „der Bürgermeister“ bezeichnet, darin liegt viel Wahrheit, vor allem aber wären viele Gemeinden froh, wenn sie einen solchen Bürgermeister hätten.

JazzJazz: Die Autonome
Jazz ist eine Erscheinung. Das liegt einerseits an ihrem Format, wodurch man sie kaum übersehen kann. Jazz ist ein bayerisches Weibsbild, kein Gramm zu fett, aber gebaut aus Muskeln und Sehnen. Und so wie sie gebaut ist, gibt sie sich auch: resolut und voller Strahlkraft. Mehr als alle anderen hat sie ihren eigenen Kopf. Wenn sie schmusen möchte, macht sie das mit Hingabe, wenn sie ihre Ruhe möchte, sucht und findet sie diese. Wenn es ihr danach ist, schläft sie mitten im Rudel, wenn nicht, liegt sie weitab. Sie spielt leidenschaftlich und kann so tun, als ob es auf der ganzen Welt kein Spielzeug gäbe. Vor allem hat sie bewiesen, dass sie alles ganz genau wissen will und allem sehr intensiv auf den Grund gehen will, für alles Lösungen sucht und, falls es welche gibt, sie auch findet. Das findet nicht immer unsere ungeteilte Zustimmung, weil diese Forscherseele sie auch unberechenbar macht; mit Jasna zusammen führt sie inzwischen (kleiner Vorgriff auf die nächste Woche) den Ausbrechertrupp an. Jazz ist eine ausgesprochen starke Persönlichkeit mit großem Potential.  

JanitschekJanitschek: Die Welt und er sind schön
Der Jani ist der große Gatsby des J-Wurfs: schön, wohlgebaut, elegant und Beherrscher der großen Geste. Das hat er seiner (derzeit) nahezu perfekten Markenzeichung zu verdanken. Und da Kleider bekanntlich Leute machen, weiß auch er um seine Wirkung. Aber Achtung: Janitscheck ist kein hohler Geck. Er ist lustig, meist guter Dinge und guter Laune, gelegentlich ein Hansdampf in allen Gassen, aber kein nerviger Adabei. Er bricht erfolgreich alle Herzen, die er brechen will und bleibt für alle anderen ein herziger Charmeur. Mit seinen Geschwistern lebt er meist in Harmonie, obwohl auch er am vorderen Ende Zähne hat, deren Vorteile er mitunter zu schätzen weiß. Er ist immer mittendrin, nicht nur dabei, was zur Folge hat, dass sein Konterfei vermutlich von jedem dritten Foto in unserer schon umfangreichen Bibliothek strahlt.

JeannieJeannie: Die Kämpferin
Das Leben meinte es zu Beginn nicht gut mit ihr, weswegen sie mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Und genau das tat sie: Sie kämpfte, sie wollte leben – und sie lebt. Und wie! Wer sie jetzt erlebt, trifft auf eine eher zierliche, aber kraftvolle Hündin voller Energie. Anfangs war sie noch ein wenig unsicher, gelegentlich auch hektisch und unsortiert. Nichts mehr davon! Jeannie ist heute einer der Mittelpunkte der Jays, eine pfiffige und fröhliche Hündin, die vermutlich am meisten Spaß von allen an Spielsachen hat. Sie spielt mit allem und hingebungsvoll. Trotz ihrer körperlichen Nachteile lässt sie sich am Futterringe nicht abräumen, sondern bohrt sich rein und beißt sich durch. Sie findet immer einen Weg. Jeannie ist eine ungemein charmante, lustige und unkomplizierte Hündin.    

JoschiJoschi: Der Geschichtenerzähler
Bei Fußballfreunden ist der Bayer Thomas Müller auch als „Radio Müller“ bekannt, weil er auf dem Platz unentwegt Anweisungen gibt, motiviert und dirigiert. So einen haben wir auch: Radio Joschi. Ihm würde auch in Tausendundeine Nacht nie der Erzählstoff ausgehen. Joschi ist ein Unikum, wie man es selten hat. Und diesem Joschi kann man noch nicht einmal böse sein, wenn er einem nicht nur ein, sondern schon beide Ohren abgequatscht hat. Nichts, was er nicht kommentiert. Aber wir dürfen ihn nicht auf sein Erzähltalent reduzieren: Joschi ist ein sehr gelungenes Gesamtpakt. Er ist, vermutlich, weil er alles verbal verarbeitet, sehr ausgeglichen, sein eigener Mittelpunkt, dabei freundlich und fröhlich, immer mit von der Partie (klar, sonst hätte er als Klatschreporter nix zu erzählen), dreht selten richtig auf, aber auch nie durch. Und mit Streit kann er überhaupt nicht viel anfangen. Wenn da was in der Luft liegt, dreht er das Radio auf und kommentiert die Ereignisse.  

JuleJule: Die Piratin mit dem Durchblick
Sie war schon bei ihrer Geburt das Leichtgewicht der Jays und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Am Gewicht des ihr fehlenden rechten Auges wird es kaum liegen. Wer dieses kleine Kraftpaket wiegt und zu leicht befindet, wird sich wundern. Natürlich musste sie anfangs das Fehlen eines Auges optisch auf die Reihe bringen und wird es auch weiterhin tun müssen. Aber mangelnde Lebenstüchtigkeit oder Durchsetzungskraft ist bei ihr nicht festzustellen. Sie ist fester Bestandteil der Jays, oft genug mitten im Trubel und steht ihren Geschwistern in nichts nach. Gefallen lässt sie sich von ihnen nichts und kann bei zu grobem Spiel auch mal kräftig zurückkeilen. Sie ist ein echter Aktivposten, überall zugegen, wissbegierig und spielfreudig. Lebendes Spielmaterial scheint sie derzeit zu bevorzugen, zumindest Zehen, Knöchel und Fersen stehen aktuell auf ihrem Speiseplan ganz oben; in dieser Hinsicht ist Seeräuber-Jenny an der Spitze der Nahrungskette. Wer den Fehler macht, die kleine Piratin zu unterschätzen und sich wegen ihres Defekts um ihr Fortkommen sorgt, sollte sich besser um sich selber Sorgen machen: Die Jule hat auch mit einem Auge den vollen Durchblick.

JasnaJasna: Die immer Lustige
Manchmal denkt der Chronist: Was soll man über diesen Hund eigentlich schreiben? Ein Hund ohne Eigenschaften? Die Erfahrung lehrt: Gibt es eigentlich nicht. Die Erfahrung.2 legt dann nahe, besonderes Augenmerk auf dieses Exemplar zu legen. Und wenn es dann so weit ist, dass der Chronist etwas über diesen Hund schreiben muss, kann er sich eigentlich genüsslich zurücklegen und nichts schreiben, weil über sie, diese Jasna, schon fast alles gesagt ist, und zwar in den Kapiteln über ihre Geschwister. Ja, zu Beginn ihres Lebens war sie etwas unauffällig, was aber auch etwas mit ihrer optischen Bescheidenheit zusammenhing: kaum Marken, wenig Blickfang. Doch seitdem Leben und Bewegung in der Truppe ist, verkörpert Jasna nahezu alles, was über die anderen bereits gesagt wurde: Findig, umtriebig, neugierig, spielfreudig, mutig, immer vorne mit dabei und mitten im Geschehen, sogar schön, soweit man ohne Marken gefallen kann (Ansichtssache), Co-Chef-Entdeckerin neben Jazz, frohsinnig und unbekümmert. Im Gesamtpaket ist Jasna ein großes Glück und eine wunderbare Aufgabe.

JudicaJudica: Die Menschenfreundin
Auch über Judica ist bereits alles gesagt, allerdings müsste man sich dann mit den Profilstudien über unsere Fianna auseinandersetzen. Judica hat alles, um die rechtmäßige Erbin ihrer Oma zu werden, fast wie geklont. Sie ist lebensfroh und tiefgründig, beherzt und charmant und besticht durch ihre offene Beherrschtheit. Sie ist ein Fixpunkt in ihrem Rudel, ohne der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Sie gehört zu jenen ausdrucksstarken Geschöpfen, die nicht ständig präsent sein müssen, aber auffallen, wenn sie fehlen. Doch ihre hervorstechende Eigenschaft, und da gleicht sie ihrer Oma am meisten, ist ihr Menschenbezug. Wo wir sind, ist auch Judica. Es ist, als ob sie sich von Jani hätte anstecken lassen, das Buch Ruth zu verinnerlichen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Wenn wir einen Schatten um uns fühlen, ist es Judica. Wenn uns ein Welpe die Füße wärmt, ist es Judica. Wenn wir glauben, unversehens wieder eine Katze zu haben, kann es nur Judica sein. Sie sitzt und liegt und himmelt uns Menschen an. Biete ihr ein Königreich, dann bescheidet sie sich mit einem Arm. Fianna muss ihr erzählt haben, wie sie uns rumgekriegt hat…      

Mehr können wir nach vier Wochen noch nicht über unsere Kinder sagen, aber wenig ist es dennoch nicht. Die Chefin hat auch eine Meinung, und die lautet: Ich gebe keinen ab, die sind soooo süüüüß.

 

Dienstag, 8. Juni 2021

Wie jetzt der Medardus wettert, solch Wetter 30 Tage zittert. Na denn: Prost! Der Medardus zeigt sich im Mangfalltal einigermaßen zwischenmenschlich mit viel Wolken und Gewitterdrohen, aber am Ende kann er sich nicht entscheiden und lässt es bleiben. In anderen Gegenden lässt er es dafür umso mehr krachen.

Auch heute zeigt sich, dass die Zwerge nicht immer alle an Mutters Bar gleichmäßig zum Zuge kommen, wieder haben zwei ein wenig abgenommen. Noch zögern wir mit der Zufütterung, weil die Zwerge dafür erst in der Lage sein müssen, ihre Zunge anders einzusetzen als sie um eine Zitze herumzuschlingen und mit ihr einen Unterdruck zu erzeugen. Sie brauchen dazu die Fähigkeit, mit ihr zu lecken. Um in dieser Hinsicht etwas Beschleunigung zu erzeugen, stellen wir ihnen eine großen, schweren Blumenuntersetzer mit Wasser auf, damit sie üben können und gleichzeitig mehr Flüssigkeit bekommen als durch Mutters Sahne. Mal sehen, wie weit sie schon sind, einige versuchen sich immerhin schon irgendwo und irgendwie mit einem Hinterbeinchen im Sitzen zu kratzen. Das ist allerdings etwas für die Abteilung Komik, weniger für die Abteilung Körperhygiene; es ist hat alles noch sehr schwer, aber das Bedürfnis und das Bemühen wird deutlich. Lange dauert es nicht mehr, bis sie auch darin fit sind.

Werfen wir also den bereits routinierten JanitschekJanitschek geht in DeckungBlick auf die Gewichtsentwicklung. Da macht sich Jazz klammheimlich auf und davon: Jazz 1450 (+100), die macht ihrem Namen Mampf-Mamma alle Ehre. Dagegen nehmen sich die 0 g plus von Jackl recht erbärmlich aus, aber er hält noch den zweiten Platz mit 1330 g. Joschi bleibt der Stabilo-Boss auf dem dritten Platz mit 1310 (+60). Auch Janitschek ermannt sich nicht, die Schwäche seiner Brüder zu nutzen und Jazz zu düpieren (Männersolidarität eben!), sondern begnügt sich mit 30 g plus (1210). 1150 (+40) meldet Jasna, 1110 blinken bei Judica auf, stolze 70 g plus. Jeannie beginnt die neue Woche mit einem runden Kilo, und demnach mit 20 g minus. 30 g lässt Jule liegen und startet mit 910 g in die neuer Runde. Das ergibt dann 250 g Zunahme und ein Durchschnittsgewicht von knapp 1184 g.

Es geht also seinen Gang, mal flotter, mal träger, aber es geht vorwärts. Aber dass sich schon heute Nachmittag unser Versprechen vom Abspann der zweiten Woche, dass die dritte ereignisreicher werden würde, bewahrheitet, geht uns jetzt doch zu schnell. Vor allem der Umfang des belebten Ereignishorizonts verschluckt uns binnen Minuten so flott wie der eines Schwarzen Lochs. Wenn man merkt, was los ist, dreht es einen schwindelig im Kreis und dann ist man verschluckt. Aus. Ende.

JuleJuleGenau so fühlen wir uns heute am späten Nachmittag, den wir eigentlich nur mit einer ersten Fotosession der Jays im Garten abrunden wollten. Das Shooting verläuft auch mit viel Freude, denn die Zwerge zeigen sich im unbekannten Gras ziemlich souverän, jedenfalls nicht verschreckt oder gar verschüchtert. Sie sind mit ihren zwei Wochen ein ziemlich cooler Haufen. Doch bei Sichtung von Jules Bildern, fährt uns ein mächtiger Schock in die Glieder: Auf keinem Bild von ihrer rechten Seite sehen wir ein Auge! Wir holen uns den Zwerg und sind fassungslos: Jules rechtes Auge ist geschlossen, und es sieht aus, als ob JeannieAn Tagen wie diesen hängt sogar Jeannie wie tot überm Zaunhinter den Lidern nichts wäre. Über Andrea, die auch für einen Jabberwocky auserkoren ist und in der Tierklinik Oberhaching für geschmeidige Abläufe sorgt, bekommen wir gleich für morgen 12 Uhr einen Termin bei einer Augenspezialistin. Danke, Andrea, in solchen finsteren Momenten kommt man so besser über die Runden – with a little help of our friends.   

Die Nacht beim Blues ist voller Gespenster. Es rumort heftig in den Köpfen und den Eingeweiden, weil wir nicht wissen, wie es mit Jule weitergeht, was letztlich davon abhängt, ob ihr linkes Auge in Ordnung ist. Eine völlig blinde Jule wird es auf dieser Welt nicht geben. Die Nächte sind kurz, wenn man Welpen hat, diese Nacht ist die kürzeste und schlafloseste seit langem.

 

Mittwoch, 9. Juni 2021

An Tagen wie diesen hilft es, die gewohnten Routinen einzuhalten und sich nicht von der Tageslast aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Deswegen unterscheidet sich der Morgen des 9. Juni nicht von den seiner Vorgänger. Ob er sich von dem des 10. Juni unterscheiden wird, entscheidet sich High Noon.

JazzJazzJetzt werden erst wieder einmal die Gewichte genommen, und wenigstens die geben Grund zur Freude. Der heutige Gewichtstag könnte unter dem Motto stehen: Jazz – Up, up and away, weil ihr derzeit einziger ernsthafter Konkurrent Jackl schwächelt. Also:

Jazz 1510 (+60), Joschi 1390 (+80), Jackl 1340 (+10), Janitschek 1310 (+100), Judica 1130 (+20 und als letzte das Gewicht verdoppelt!), Jasna 1130 (-20), Jeannie 1070 (+70) und Jule 1020 (+110). Zumindest Jule ließ sich gestern von der Aufregung um sie nicht aus dem Konzept bringen, nach einer Phase der Zurückhaltung wieder einmal kräftig zuzulangen. Das zeugt von einer unübersehbaren (!) mentalen Stabilität. Wir verzeichnen heute 430 g Zuwaage und 1237,5 Durchschnittsgewicht.

Um 11:15 Uhr verfrachten wir Hedda auf den Boden des Bluesomobils hinter den Fahrersitz, legen ihr Jule ans Herz, die Chefin sitzt mit einem wachen und einem trüben Auge daneben und der Assi chauffiert seine kostbare Fracht ins Ungewisse. Hinter ihm ist Mucksmäuschenstille, wenn man mal von lustvollen Schmatzgeräuschen absieht. Fast eine Dreiviertelstunde arbeitet sich Jule durch Mamas Milchbar und scheint mit sich und der Welt völlig im Reinen. Um 12 Uhr wird sie dann von einer strahlenden Mitarbeiterin der Klinik Oberhaching ans Herz gedrückt und an deren Brust davon getragen, während Hedda mit ihrem Frauchen, völlig entspannt, die Entführung ihrer Tochter begleitet. Die Drei verschwinden und der Assi leidet 20 Minuten im Auto, bis der ganze Trupp mit einer erlöst wirkenden Chefin zurückkommt. Die Begutachtung durch Frau Dr. Baier-Heimstädt ergibt folgenden Sachstand: Das rechte Auge ist nicht angelegt, unter den Lidern ist nichts, höchstens ein Augenfragment. Das linke Auge wirkt völlig normal, zeigt keinerlei Verwachsungen oder Verklebungen auf Netzhaut oder Linse, was auf eine spätere Blindheit schließen ließe und reagiert auf Lichtimpulse. Über die spätere Sehleistung lässt sich bei keinem Welpen in diesem Alter eine zuverlässige Aussage machen, weil sich das Auge noch in Entwicklung befindet. Die Tierärztin ist bei Jule völlig entspannt und sehr zuversichtlich, dass sie mit einem Auge ein fast völlig normales Leben wird führen können. Nur mit Züchten wird es nichts werden. Fürs Erste kommt Jule auf Wiedervorlage in der achten Woche, zum Zweiten haben sie und ihre Mama die Herzen der halben Klinik im Sturm erobert.

Auf der Heimfahrt finden wieder Gespräche im Blindentransporter statt. Jule stärkt sich derweil wieder stumm an Mamas Bar. Wir warten jeden Moment darauf, dass sie uns das Auto vollspeit, weil ein so kleiner Hund eine solche Fett- und Proteinportion unmöglich problemlos verstoffwechseln kann, meinen wir. Aber Jule kann, die ganze Strecke über, 45 Minuten. Zuhause legt sie sich zu ihren Geschwistern und verdaut lautlos und konvulsionsfrei.

Wir halten für die Gegenwart und die Nachwelt also fest: Jule ist ein Montagsprodukt mit leichten Fertigungsmängeln, und der Assi adelt sie mit dem Namen „Blind Jule Johnson“, entliehen von dem einzigartigen Blues- und Gospelmusiker Blind Willie Johnson aus der erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Der war zwar ganz blind, dafür ist Jules stimmlicher Beitrag noch nicht mal halb so eindrücklich wie seiner; Jule ist eine eher leise Vertreterin der Jays. Ihre genussvoll stumme Reise nach Oberhaching ist dafür ein starker Beleg.

Uns fällt ein Stein vom Herzen. Mit einer einsichtigen Jule können wir gut leben, so wie auch sie davon kaum beeindruckt sein wird, zumal sie nichts anderes kennt. Wir kennen eine Hündin, die halbseitig blind einen großartigen Schutzdienst gemacht hat. Mit Wahrscheinlichkeit wird der optische Mangel ihre Nasenentwicklung noch verstärken; einer Karriere als erstklassiger Fährtenhund stünde als auch nichts im Wege. Eines müssen wir aber gleich klarstellen. Wegen des Auges wird Jule nicht billiger zu haben sein, im Gegenteil: Sie hat schon jetzt mehr Fahrstunden als die anderen sieben in diesen acht Wochen bei uns je haben werden (das hoffen wir jedenfalls!) und ist schon heute komplett automobilstabil. Diese Umstand muss in der Preisgestaltung seine Berücksichtigung finden 😉.     

An dieser Stelle ist es uns besonders wichtig, die unglaublich vielen Aufmunterungen zu erwähnen, die uns seit gestern erreicht haben, denn der Flurfunk war natürlich schneller als unsere „offizielle“ Bekanntmachung bezüglich Jules Gebrechen. Wegen der fachlichen Aussagkraft ist es zwangsläufig Frau Dr. Baier-Heimstädts Mutmacher, der uns wieder den Glauben an Jules Zukunft gegeben hat, aber nicht weniger ergreifend sind die Reaktionen von Freunden und vor allem der aktuellen Welpenkäufer, von denen keine(r) auf vermeintliche Ansprüche besteht, die, im Falle eines Verlustes von Jule, vom Kauf zurücktreten oder auch eine blinde Jule zu sich nehmen würden. Wir sind sehr gerührt und wünschen allen Züchtern solche Käufer; der landläufige Umgangston ist leider gelegentlich ein anderer, selbst wenn es kein Unglück zu bewältigen gibt.

Für den Moment sind wir dem Defekt entsprechend unglücklich, den Umständen entsprechend glücklich und, angesichts Jules Melkleistung, gespannt, wie die Gewichte der sieben anderen morgen aussehen werden. Viel kann für sie nicht übriggeblieben sein.

Apropos: Diese sieben erwarten uns schlafend und in der fürsorglichen Obhut der Oma, als ob wir nur mal zehn Minuten weg gewesen wären.

Aber beim Blues scheint sich immer ein Unglück über ein gerade gewonnenes Glück legen zu müssen. Um das zu erklären, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit blicken. Neun Würfe stehen bisher in unserer Biografie, bei knapp der Hälfte hatten wir einen kapitalen Schaden zu verzeichnen, einen, der immer unangenehm, während eines Wurfe aber fatal ist. Einmal war der Kanal verstopft, sodass uns die Sch… in die Waschküche lief, ein andermal gab die Waschmaschine ihren Geist auf, dann die Spülmaschine und, fast schon der kapitalste aller kapitalen Schäden, die Kaffeemaschine! Und heute? Geht uns das Licht im Eßzimmer aus. Schalter kaputt? Dimmer kaputt? Dimmersicherung im Eimer? Lampe kaputt? Wir sind beide keine Elektriker und die uns gegebenen Möglichkeiten der Schadensfindung enden schnell. Die schnelle Lösung, die letztlich keine Lösung ist, ist eine lausige Stehlampe neben dem Tisch, die wenigstens das Nötige tut, ohne uns glücklich zu machen. So etwas kann man brauchen… jetzt, ausgerechnet jetzt.   

 

Donnerstag, 10. Juni 2021

Regnet’s am Margaretentag, dauert der Regen 14 Tag‘. Heute regnet es fast den ganzen Tag, teilweise heftig, immer wieder von Gewittern gestützt. Das würde heißen: Zwei Wochen Hausarrest für unsere Zwerge. So gemein kann der Himmel nicht sein! Wir entziehen Margarete das Vertrauen, weil wir nicht auf Bauern bauen. Damit wäre auch die Abteilung Lyrik einmal zu Wort gekommen und hat sich nicht für einen weiteren Einsatz empfohlen.  

Dementsprechend desillusioniert wenden wir uns der lyrischen Ästhetik der Zahlen und der Gewichtsstatistik zu. Wir erinnern uns, dass Jule gestern auf ihrem Ausflug nach Oberhaching Mutters Vorräte, jedenfalls nach unseren Vorstellungen, geplündert haben müsste. Das heutige Ergebnis lässt darauf kaum – wie sagt man heutzutage? – belastbare Schlüsse zu. Was man sagen kann: Jazz ist immer weiter auf und davon, als ob sie von nur für sie angelegten Notvorräten wüsste. In der Gesamtschau sieht das dann so aus:

Jazz 1580 (+70) – und dann tut sich schon bis zum Zweiten ein Loch von 220 g auf: Jackl 1360 (+20). Judica und JasnaJudica und JasnaJanitschek (1350, +40) mampft sich auf das Niveau von Joschi hoch, weil der gestern zu häufig auf Wanderschaft und in Sachen Klagemauer unterwegs war und dabei 40 g abgenommen hat, und damit ebenfalls 1350 g auf die Waage bringt. Anschließend trudelt total unspektakulär die Mädelsfraktion ein: Judica 1240 (+110), Jasna 1160 (+30), Jeannie 1090 (+20) und Jule 1070 (+50), macht insgesamt 300 g mehr und hebt das Gesamtgewicht auf 1275 g. Aber welche Schlüsse können wir aus dieser Statistik ziehen? Etwa, dass Jule selbst bei Dauerdruckbetankung nicht mehr als 50 g anlegen kann, vielleicht hat sie ja ein eingebautes Überlaufventil, das für das nötige körperliche Augenmaß sorgt (ausgerechnet: Augenmaß bei Jule!). Wir könnten auch ventilieren, dass Jazz ein spezielles Schweinegen trägt, das sie selbst von einer Handvoll Bucheckern wachsen und gedeihen lässt. Dagegen spricht, dass sie nichts von einem Schwein hat. Judica muss beobachtet werden, weil sie eventuell eine (un)heimliche Trinkerin ist, die möglicherweise genau jene Noagerl aufspürt, die Jule entgehen. Und über Joschi ist schon alles gesagt: Quasseln und Filibustern geht an die Substanz. Wenn das zudem auf einem nicht enden wollenden Pilgerpfad dJoschiJoschiurch unsere Küche geschieht, muss man sich nicht wundern, dass er kein Fett ansetzt.    

Aber seien wir ehrlich, es sind doch genau solche Unikate, die uns das Herz öffnen und die Erzählung rechtfertigen. Ja, Joschi ist ein Dauerquassler und ein Dauerläufer, das letztere ist er, weil er am besten von allen auf den Beinen ist. Wenn er nicht schläft, dreht er schon während der Morgenroutinen unermüdlich seine Runden durch unsere Küche, erzählt uns von seinen Träumen und beschwert sich, dass wir ihn nicht unverzüglich aus jener Ecke gerettet haben, in der er soeben Hals über Kopf gestrandet ist. Seine Kreise erstrecken sich schon bis an die Grenze zu unserem Treppenhaus, das er sicher bald inspizieren wird, wenn wir dem nichts entgegenstellen.  

Judica steht ihm kaum nach, schweigt aber auf ihren Wanderungen, was darauf schließen lässt, dass Joschis Gewichtsverlust der Quasselei zuzurechnen ist, nicht der Körperertüchtigung. Sie versteht sich auf diese Off limits for puppiesOff limits for puppiesUndercover-Aktionen, die wir so lieben, weil sie nicht abzusehen sind. Heute Morgen schafft sie es doch tatsächlich, sich ungesehen aus unserem Blickfeld zu mogeln, ins Wohnzimmer zu trudeln und uns dort unter den Tisch zu kacken. Jawoll, das nötigt uns allen Respekt ab, macht uns aber auch die Notwendigkeit der sofortigen Käfighaltung klar. Anbindehaltung lehnen wir strikt ab, aber ohne Einfriedung geht nichts mehr. Wir sperren die Zugänge zum Wohnzimmer ab! Das weckt wiederum Joschis Forschergeist, und er treibt sich minutenlang, bis zum nächsten Schlafanfall, an den Sperren herum und sucht nach einer Schwachstelle. Das ergibt folgendes Bild: An ihm werden wir noch viel Freude haben und, falls es sich als zutreffend herausstellen sollte, dass er mit seiner Schwester Judica gemeinsame Sache macht, werden wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Mal sehen, wer demnächst die besseren Argumente hat…

Ein weitere Änderung unserer Abläufe kann nicht mehr aufgeschoben werden: Hedda und Fianna müssen ab sofort im Wohnzimmer gespeist werden. Wir können die Vorbereitungen nicht diskret genug gestalten, dass die Jays nicht mitbekommen, was ansteht. Selbst wenn sie tief und fest schlafen, während sich Mama und Oma auf leisen Sohlen zu ihren Schüsseln in der Küche schleichen (die machen das, wenn wir es ihnen bedeuten, die können sogar ganz leise, wenn sie wollen), sind sie blitzschnell hellwach, folgen ihren Antennen und fummeln ihnen an den Beinen herum, versuchen an die Zitzen zu kommen und krähen, was das Zeug hält. Selbst einer Fianna leistet Oma-DiensteFianna leistet Oma-Diensteliebevollen Mutter und einer mit allen Wassern und Beschwernissen gewaschenen Oma vergeht dabei der Appetit. Also ab heute: Ammenspeisung im Wohnzimmer.

Trotzdem oder gerade wegen dieser Aufdringlichkeiten, zieht es Fianna immer wieder zu ihren Enkeln, um ihnen die Nasen zu lecken und sie zu putzen. Die genießen den Oma-Service sehr, wir weniger, weil das nun mal der Mama-Job ist. Omas sind fürs Wochenende, nicht für die Alltagsseelsorge da. Aber, und das lässt uns dann doch wieder gnädig wegsehen, sie spielt auch herzergreifend und voller Zuwendung mit ihnen. Dagegen haben wir überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: Eine Spieloma ist das Beste, was einem Sprössling passieren kann. Und wir sind uns hundert Prozent sicher, dass Fianna ihren Enkeln im Spiel alles zeigen wird, was sie brauchen, um ein toller Hovi zu werden. Genau dafür sind Omas da!

 

Freitag, 11. Juni 2021

Vor uns ein wunderschöner weiß-blauer Sommertag, der sich auch nicht mehr in die Schmuddelecke treiben lässt, nur ein paar Wolkenfelder duldet und somit ein vielversprechender Einstieg in ein noch vielversprechenderes Wochenende wird.

Überhaupt nicht vielversprechend ist Heddas Zitzen-Maladie. Immer wieder wird ein Zapfhahn fest, aus dem die Zwerge nicht genug herauszuzeln können und dadurch die Milchpassagen verstopfen. Meist handelt es sich dabei um dieselbe, die Probleme macht. Dann liegt Hedda wieder einmal flach und die Chefin knubbelt und rubbelt und massiert und streift, bis die Kanäle wieder frei sind und statt Eiter wieder Milch fließt. Des Assis Schoß ist derweil das Ruhekissen für Heddas Haupt, das gerne in Richtung Bauch zucken würde, um der Qual ein schnelles Ende zu bereiten und der Chefin die gebotenen Schmerzgrenzen zu setzen. Aber Hedda ist ein wirklich braves Mädchen, das sich zwar schwertut, aber einsieht, dass die Behandlung besser ist als der dauerquälende Knoten im Euter. Dann gibt es einen lockernden Spaziergang, auf dem sie alles vergisst und anschließend einen Quarkwickel, der die Hitze aus ihrem Leib zieht. Es sieht aus, als sei diese Zitze ein ähnliches Montagsprodukt wie unsere Jule, das für die Zwerge nicht durchgängig genug ist, damit sie auch alles abzapfen können. Der verbleibende Rest wird dann zu Quark.

UmJazz wird entwurmtJazz kommt sogar mit Panacur klar 9 Uhr schreiten wir zur anstehenden ersten Entwurmung mit Panacur. Die Chefin hebt den Kandidaten oder die Kandidatin auf ihren Schoß, zieht die Spritze auf und schiebt den überraschten Schoßhockern die Pampe zwischen die Lefzen, und schon ist der Spuk vorbei, der Patient staunt und kommt gar nicht dazu, sich richtig zu wundern. Aber das geht auch anders, wie wir wissen. Da ist schon die weiße Creme durch die Küche geflogen, unter Abscheu verschleudert, gerade dass die Knilche nicht noch ein Jule wird entwurmtJules Geschmack ist es nichtangeekeltes Bäh hinterhergeworfen haben. Doch heute bleibt sogar das T-Shirt gesellschaftsfähig, die Mäuler kaum versabbert, und der Fotograf dreht mit leeren Händen ab: nichts Verwertbares. Dieser Mangfall-Achter verhält sich bei dieser doch grenzwertigen, weil abtörnenden Behandlung, so wehrhaft wie eine Rommee-Runde im Altersheim. Das hat seine Vorteile, aber solche Musterschüler loten die Grenzen unserer Erfahrung aus. Das kann doch nicht so toll schmecken, das muss doch irgendwie eklig sein, und nein, sie würden es morgen sicher nicht bestellen, aber wenn es auf den Tisch käme, würden sie es wieder brav schlucken. Da die Kur an drei Tagen in Folge verabreicht werden muss, werden wir morgen mehr wissen.

So friedlich die acht sind, so sehr loten sie nun ihre Fähigkeiten aus und intensivieren ihre Kontakte untereinander; zu Deutsch heißt das: Sie fangen an zu balgen und zu raufen und sich in die Nasen zu beißen. Interessant ist, dass sogar die Dauerlaberer bei diesen Rangeleien die Klappe halten. Offenbar beißt sich beißen und quasseln so sehr, dass sogar Joschi daran scheitert.

Während sich der Mangfall-Achter mit sich beschäftigt und Stück für Stück seine kleine Welt erobert, setzen wir ganztägig Heddas Zitzenkur fort, einmal mit Quarkwickeln, das nächste Mal mit Krautwickeln, damit sich der Stau löst, keine Hitze entsteht und wir auf ein Antibiotikum verzichten können. Das wäre zwar nicht abträglich für die Welpen, aber was nicht sein muss, sollte auch vermieden werden. Bisher klappt das gut und Hedda ist guter Dinge.

Wir bewegen uns nun stracks auf das Ende der dritten Woche zu, und dementsprechend kann man die Zwerge schon mal auswärts zum Essen führen; immer nur Mamas Milchküche ist doch langweilig und vor allem für Mama, wie wir sehen, eine Tortur, auch weil die kleinen Biester schon wieder Krallen wie Ameisenbären haben. Wir bereiten also eine Portion Welpenmilch, wie bereits beschrieben, und so, wie sie Mama Hedda immer noch jeden Morgen bekommt, bringen den Shake auf Körpertemperatur – und es kann losgehen: Laken auf den Boden, ein kleiner Twist-off-Deckel mit etwas Milch darauf gestellt und dann bekommt Jazz als erste ihren Auftritt. Womit rechnet man nach neun Würfen bei dieser Übung? Mit dusseligen Kleinkindern, die eher in dem Milchpfützchen ertrinken als daraus zu trinken. Auch mit orientierungslosen Zitzenschnullis, die noch nicht einmal mit Milchgeruch in der Nase einen Plan haben, was sie mit dem Sahneschälchen anstellen sollen, aber auch mit Zerstörertypen, die das Geschirr herumschleudern und durch den Flur treten, Grobmotorikern eben, denen es an jeglicher Ehrfurcht vor einem solchen göttlichen Manna mangelt. Alles schon erlebt, nichts davon würde uns überraschen. Es überrascht uns noch nicht einmal, dass Jazz zu jenen Geschöpfen zu zählen scheint, die etwas mit Tischsitten anfangen können: Sie lässt sich die kleine Nase in die Milchsuppe stupsen und beginnt zu züngeln, konzentriert und zielorientiert, verliert schon mal den Kontakt zum Essgeschirr, lässt sich aber willig reorganisieren und schnabelt weiter, bis das Deckelchen leergeschlurzt ist. Dann arbeitet sie noch den Überlauf rund um das Deckelchen herum ab, lässt nichts verkommen, sucht nach weiteren Quellen, wird nicht fündig und macht sich davon. Showdown. Ja, denken wir, Sonderbegabung eben, die noch nie durch eine Futterbehinderung oder Essstörungen aufgefallen ist, die klare Prioritäten im Leben hat und alles danach ausrichtet. So etwas haben wir auch immer schon gehabt.

Und Janitscheks erste MilchmahlzeitJanitschekdann kommt Janitschek, der Schani aus dem Wienerwald, der – wir schwören – seiner Schwester nicht zugesehen hat, und zieht exakt die gleiche Show ab: fokussiert, zielsicher, kontrolliert und nachdrücklich, und das bei dem kleinen Hektiker, der sich schon mal selbst überholt vor lauter Eifer und Begeisterung! Jasna setzt den Reigen fort. Wir merken, ab jetzt wird es für alle etwas schwerer, weil die beiden ersten natürlich die Umgebung des Deckels eingemilcht haben, was die ZielfindungJasnas erste MilchmahlzeitJasna erschwert. Und Jasna tut sich tatsächlich schwerer, stapft im Milchdeckel herum, weil ja auch Kleopatra ihre Schönheit aus Bädern in Eselsmilch bezog, kommt aber letztlich auch klar, obwohl sie etwas mehr Hilfe braucht. So weit, so normal. Auch schön, mal keinen hochbegabten Welpen an der Milchreiche zu haben. Jeannie ist dann wieder die Vollkonzentrante in Persönchen, lässt sich jedoch gegen Ende der Speisung von den Milchlachen um ihre Füße herum aus dem Konzept bringen. Jule hat nachvollziehbar anfängliche Orientierungsschwierigkeiten, findet aber letztlich über Nase und Zunge zügig den Zugang zur Milch und verliert ihn auch nicht wieder. Judica ist die erste, der wir einen einigermaßen üblichen Verhaltenskodex zubilligen können: erst widersetzlich, dann ohne Plan, dann voller Euphorie und schließlich von allem Regelwerk befreit; der Assi schließt sie für ihre ihm so ähnliche Mittelmäßigkeit ins Herz. Wie sähe eine Welt voller Sonderbegabten aus? Sehr sonderlich vermutlich.

Jackl, Jackls MilchspeisungJacklder sich immer mehr zum ruhenden Zentrum der acht entwickelt, ohne Bürgemeisterallüren zu pflegen und seinen Schlag immer mehr im Griff hat, setzt den Reigen der Tischgesitteten eindrucksvoll fort und lässt keinen Zweifel daran, dass man auch unauffällig anführen kann und nicht durch Trumpelhaftigkeiten herumprotzen muss. Hätten wir ihm ein feines Löffelchen gereicht, wäre er womöglich auch damit klargekommen. Wundert es jemand, dass wir nun sehr gespannt auf Joschi sind? Und wie froh wir sind, dass Joschi auch an der Armenspeisung im Flur der von uns geschätzt Joschi bleibt: etwas unsortiert, Hansdampf, liab’s Herrgöddle vo Biberach, was isch no dees?, aber er entledigt sich der Herausforderung wie ein Mann, putzt auch gleich noch den Flur und den Hof, lässt nichts übrig und sich nichts nachsagen – und das alles schweigend, ohne ein Sterbenswörtchen. Manche schaffen es sogar, mit vier Beinen im Milcheimer an Format zu gewinnen. Noch so ein Auftritt, und wir rufen ihn Josch oder gar Josuah. Der Abspann folgt dann gottlob dem uns sehr bekannten Muster: Alle fallen übereinander her, lecken sich die Köpfe und die Beinchen ab, alles verklebt von süßer Milch, Mama und Tante lassen sich nicht lumpen und helfen bei der süßen Körperpflege mit, und am Ende haben alle acht Stehstrubbelfrisuren, gezuckert und gegelt, aufgebrezelt und irgendwie gossig mondän. Ob wir sie vielleicht auch noch ein bisschen ablutschen sollen? Es wäre uns sehr danach.

Hedda mit BauchbindeUnd nach diesem ereignisreichen Abendmahl, findet auch noch die Wiedervereinigung des Blues im Schlafgemach statt. Die Türen bleiben offen, Hedda trägt ihre Wickelbinde um den Bauch und kuschelt sich an den Assi, wie sie es kennt und so lange entbehren musste. Ihre Temperatur beträgt 38,1°, es ist also alles gut und wie gemacht für ein glücks- und sonnenbestrahltes Wochenende.

Doch bevor der Assi sich in Morpheus‘ Arme schmeißt, memoriert er noch schnell die Gewicht von heute, weil er doch morgen wissen muss, wie erfolgreich die Armenspeisung im Flur heute war:

Jazz 1590, Janitschek 1460 (uff!), Jackl & Joschi 1390, Judica 1290, Jasna 1280, Jeannie 1100, Jule 1090. Und gute Nacht…  

 

Samstag, 12. Juni 2021

Jetzt sind wir aber mal gespannt! Bevor irgendetwas anderes der Beschäftigung und Erwähnung wert ist, wird mit dem zweiten Sonnenstrahl die Waage befragt.

Es hätte uns sehr gewundert, JacklJacklwenn Jazz die gestrige Milchparty nicht maximal genutzt hätte, sich weiter auf und davon zu machen; Maximalverstoffwechslung, dein Name sei Jazz. Also: Jazz 1690 (+100). Allerdings muss man Jackl zugutehalten, dass er die Gefahr aus der Tiefe der weiblichen Urgründe erkannt hat und versucht dagegenzuhalten, was ihm männiglich gelingt, aber die allzu groß gewordene Lücke nicht schließen kann: Jackl 1490 (+100), geht doch, wenn auch nicht weit genug. Dann kommen die beiden Pappnasen, der Dauerplauderer Joschi und der Jani-Schani aus dem Wienerwald, Arm in Arm untergehakt, mit 1460 g dahergeschlendert, was nicht ganz korrekt ist, denn der Schani hat wieder mal eine komplette Stoffwechselpause eingelegt (0) und der Plauder-Edi mit 70 g plus untergehakt. Wir sind inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass Janitschek der Markenvertreter für kynologisches Intervallfasten ist (JaniFast® Slimline). Als Fünfte im Fatburner-Race kommt heute Judica ins Ziel: 1340 (+50). Jasna hat sich für ein Wochenendseminar bei Jani angemeldet und versichert ihn mit 0 g plus (1280) ihrer Glaubensschwesterschaft. Das Ende des Felds bilden, wie gewohnt Jule 1160 (+70) und Jeannie 1130 (+30), die sich nach unserer Erfahrung bis zum Tag des Abschieds schön paritätisch die Rote Laterne überreichen werden. In der Summe ergibt das 420 g plus und ein bisschen über 1376 g Durchschnittsgewicht.

Damit sind wir sehr zufrieden, obwohl nicht zu übersehen ist, dass fast die Hälfte des Zuwachses auf die Konten von Jazz und Jackl gehen. So gesehen, hätte bei den sechs anderen getrost ein bisschen mehr hängen bleiben können, aber einerseits kann man gegen Heilfaster wenig ausrichten und andererseits fordert auch der erste Teil der Entwurmung ihren Tribut, die immer ein wenig als Appetitzügler wirkt. Die systemische Frage drängt sich dann allerdings auf, ob die Entwurmung eventuell bei Jazz und Jackl wirkungslos bleiben wird oder ob sie die Pampe in ihren Futterplan integriert haben. Heute gibt es die zweite Portion der ersten Entwurmung, und dann werden wir morgen wieder ein wenig mehr wissen.  

Da nun unsere Neugier in Sachen Gewicht befriedigt ist, können wir uns diesem Samstag zuwenden. Die erste Erkenntnis ist: Wetter brillant! Sommer auf dem Land, Schwalben in der Stratosphäre und Heißluftballone irgendwo dazwischen. Zweite Erkenntnis: Heddas Zitzenanomalie macht einen zufriedenstellenden Eindruck, dann steht einem schönen Morgenspaziergang nichts mehr im Wege.

Der endet allerdings mit einem Unwohlsein bei Heddas Pflegepersonal, weil wir nach ihrem Spaziergang und dem anschließenden Frühstück bei ihr wieder eine dickere Zitze ausmachen und 39,3° messen; das ist ein wenig zu viel, als dass es uns egal sein sollte. Und da so etwas immer an Wochenenden anfällt, sorgen wir vor und besorgen uns bei der befreundeten Tierärztin Tanja aus der Nachbarschaft ein Antibiotikum. Sicher ist sicher. Das einzig wirklich Sichere ist allerdings die Versorgung der Zitze, der sich die Chefin mehrmals heute hingebungsvoll widmet, immer wieder etwas Eiter extraktiert, bis sich das Gesäuge wieder in einem Jeannie mag keine Wurmpaste mehrJeannie mag keine Wurmpaste mehreinsatzfähigen Zustand befindet und die Temperatur dort angekommen ist, wohin sie gehört. Das Antibiotikum liegt ungeöffnet auf Wiedervorlage in der Schublade.

Gegen 10 Uhr erfolgt die zweite Runde der ersten Entwurmung, welche die Jays ebenso klag- und widerstandslos über sich ergehen lassen wie gestern.

Jetzt steht einem großen Tag nichts mehr im Wege, denn es haben sich ein paar Besucher angemeldet, deren unzweifelhaft wichtigster Heddas Ex-Lover Lando ist, der Papa eben. Aus Niedersachsen kommt er angereist, um nachzusehen, was seine Ex aus seinen Lendengewächsen macht und ob auch wir sie seinen Vorstellungen entsprechend umsorgen. Das Ergebnis seiner Visite ist Lando will sehen, was er gemachtLando will sehen, was er gemachtvielschichtig zu bewerten. Erste Schicht: Lando verhält sich seinen Kindern gegenüber gelassen, aber auf Distanz. Erwachsene Rüden haben meist ein sehr gespaltenes Verhältnis zu ihren Kindern, finden sie abstoßend und nehmen Reißaus. Wir hatten schon solche, die im hohen Bogen über die Welpensperre im Garten geflohen sind, dabei Kopf, Kragen und Beine riskiert haben, nur um diese lästigen Fellzwerge auf Distanz zu halten, zumal Welpen sich an jeder Zitze vergehen, die sie zu fassen kriegen – auch wenn an diesem Bauch nur eine einzige ist. Unerhört! Lando sieht sich die selbstverschuldete Bescherung über die Flurabsperrung hinweg an, fühlt sich familiär hingezogen, Sekunden später jedoch handfest abgestoßen, vertrieben wie ein Taugenichts bei Tiffany's. Fianna ist es, die erledigt, was ihrer Meinung nach erledigt werden muss, von Hedda aber nicht vollzogen wird. Wenn man die Plagen schon neun Wochen mit sich herumschleppt und sich dann noch acht Wochen mit ihnen herumschlagen muss, braucht man manches, aber sicher keinen Wochenend-Frauenversteher und Kinderschmuser. Hedda sieht das nicht so alttestamentarisch streng, war doch nett mit ihm, oder? Und aufgedrängt hat er sich jetzt auch nicht direkt und den großen Daddy gespielt. Im Grunde war es doch nur verständliche Erzeugerneugier. Fianna setzt die Grenzen.

Die zweite der Heddas große Mama-ShowHedda präsentiert Lando ihren Nachwuchsmehrschichtigen Betrachtungsweise betrifft sein Verhältnis zu Hedda, das immer noch kräftig zu glimmen scheint und nun wieder heftig angefacht wurde. Er macht sich an sie heran, wo es geht und peinlich so schlecht es geht, weil das Hormonkontinuum Mann nun mal so insistierend konstruiert ist, selbst wenn das Feuer der Angebeteten nur noch Asche ist. Aber echte Männer nehmen auch mit eiskalten Schultern vorlieb, zumal sie überzeugt sind, dass sich diese wieder erwärmen, wenn man sich nur lange genug an ihnen anlehnt. Heddas Schultern erwärmen sich nimmermehr (bis zur nächsten Läufigkeit jedenfalls nicht). Und so ist ihr Verhältnis ein abgekühltes ihrerseits und ein enttäuschtes seinerseits, das vom Umgangston getrennt lebender Elternteile bestimmt wird.

Dritte Betrachtungsschicht: Lando und die Grande Dame des Blues. Von Hedda unter Wert abgewiesen, erkennt Lando, dass es eine Alternative gibt, und offenbar nicht die schlechteste. Und so kann er sich den Paradiesvogel in der Hand durchaus attraktiver vorstellen als den zickigen Spatz in der Voliere. Was er nicht ahnt, ist, dass Fianna zwar in einem Welpenparadies lebt, sich für dieses auch geschäftsführend verantwortlich fühlt, aber ein Paradiesvogel ist, der jenseits seiner fruchtbaren Tage aufdringlichen Männern, je nach Tageslaune, furchtbare Tage bescheren kann. Nach diesen ersten Begegnungen ist Lando vermutlich der erste Mann, der nach einer Überdosis von Einläufen eine Verstopfung bekommen hat. Aber wenn die Begehrlichkeit über die Einsicht LandoLandotriumphiert und Einläufe im Viertelstundentakt generiert, muss der vor sich selbst Hergetriebene in die Ausnüchterungszelle, also in seine Box im Auto. Hätte Schiller der Szenerie beigewohnt, wäre ihm sein Vers aus dem „Ring des Polykrates“ vermutlich folgendermaßen geraten: Noch keinen sah ich fröhlich enden / Auf den mit immer schnellen Händen / Fianna ihre Gaben streut. Doch gemach, gemach: Lando ist nach der Begegnung mit Fianna weder physisch gerupft, noch seelisch gebrochen; auf ihren Spaziergängen kommen die drei gut miteinander klar, sodass sich die Gefechtslage nach beidseitiger Anpassung der Diskussionskultur zunehmend entspannter gestaltet. Man, ja, auch Mann, lernt Distanz zu wahren und zu schätzen, in deren weiten Grenzen der Abend ausgesprochen harmonisch verläuft.

Nur der Wetterbalg kann nach einem schönen, aber gewitterlastigen Nachmittag wieder einmal seine Blase nicht halten und pinkelt auf den heißen Grill. Schwamm drüber…

 

Sonntag, 13. Juni 2021

Noch hängt morgens Gewitterluft im Mangfalltal, aber die Sonne will jetzt endlich mit der Herumsudelei und -sauerei schlussmachen, und so erwacht ein schöner Sommertag, mit einem Himmel wie ihn der niedersächsische Lando aus seiner bayerischen Jugendzeit noch erinnert: weiß-blau mit einem zarten Lüftchen, das den Bäumen zart unter die Blätter streicht, wie es sich Lando auch zwischen ihm und den Blues-Damen und deren Röckchen hätte vorstellen können. Wurde nichts daraus, dafür darf er das bayerische Lüftchen genießen.

Während Lando, Fianna und Hedda einen langen und freundschaftlich verbundenen Morgenspaziergang machen, werfen wir einen Blick auf die heutigen Gewichte und Heddas Menüplan. Letzteren reichen wir noch einmal aus, weil sicher nicht mehr alle wissen, was sie den ganzen Tag über in sich hineinstopft, um dem Mordsappetit ihrer Kinder gerecht zu werden. Gleich morgens nach dem Aufstehen kredenzen wir ihr eine kräftige Milchsuppe (körniger Frischkäse, Ziegenmilch, Eier, Distelöl) mit pürierter Banane, Haferflocken und Frubiase Calcium. Nach dem Morgenspaziergang, der meist sofort danach erfolgt, gibt es trockenes oder eingeweichtes Welpenfutter, nachmittags dasselbe noch einmal und abends reichen wir ihr Frischfleisch mit Flocken oder Vergleichbarem. Das sollte reichen, um acht Kinder großzuziehen. Also werfen wir einen prüfenden Blick auf das Resultat dieser Kalorienakkumulation und auf die Waage.

Und das sieht dann schon bei der ersten Kandidatin dünn aus und lässt Dünnes vermuten: Jazz legt nur 40 g zu (1730). Wenn sie sich nicht den Magen verdorben hat oder ebenfalls zu Janitscheks Intervallfaster-Truppe übergelaufen ist, dann werden wir heute bei der Endabrechnung nicht viel Freude haben. Eigentlich wäre das die Gelegenheit für die Verfolgermachos, aber die einigen sich heute auf einen kleinmütigen Waffenstillstand bei 1520 g, Joschi plus 60 und Jackl plus 30. So wird das nichts. Janitschek fastet immer noch: 1460 (0), strahlt aber mit seinen Sonnenblumen-Marken übers ganze Gesicht. Jasna war wohl vom Fastenseminar nur wenig begeistert und holt nach, was sie sich vorgestern vorenthalten hat: 1380 (+100). Nach ihr kommt das Ernährungsprekariat: Judica 1350 (+10), Jule 1200 (+40) und Jeannie 1140 (+10). Wer lesen kann, weiß, dass das gestern ein Fastentag für alle war und wer rechnen kann, summiert das alles auf 290 g Auflastung. Das Durchschnittsgewicht steigt auf 1412,5 g. Spätestens jetzt wird unser Verdacht bestätigt, dass die Wurmkur den Gewichtsknick verursacht, denn gemampft haben sie alle sehr eifrig.

JeannieJeannieDieser EJacklJacklrnüchterung folgt logisch die nächste Einzelbefütterung mit Welpenmilch. Wegen des Kaiserwetters zelebrieren wir diese im Garten. Im Grunde zeigt sie uns das gleiche Bild wie vorgestern. Weil sie nun nicht mehr völliges Neuland betreten und schon ein bisschen mit dem Schüsselchen umgehen können, zeigen die Jays heute kleine Wesensunterschiede oder erste Charakterzüge. Robust und druckvoll mit einem kämpferischen Einschlag machen sich heute Janitschek, Judica und Jazz den Inhalt des Schälchens untertan, JasnaJasnaJule hat Fianna leer den MilchbecherFiannaoffenbar ein klar definiertes Ziel vor dem einen Auge und leert die Schale Zungenschlag für Zungenschlag, Zug um Zug wie ein Melkroboter, und auch die restliche Viererbande kommt genauso gut klar wie vorgestern, mal etwas desorientiert, dann wieder zielorientiert, mal das Schälchen aus den Augen verloren und wieder gefunden oder von freundlichen Händen zurückgeführt, gelegentlich scheint die verschüttete Milch im Gras von höherem Wert zu sein als die im Napf, alles völlig nachvollziehbar und unterm Strich von großer Ziel- und Treffsicherheit. Trotz der kleinen Verhaltensvarianten sind alle höchst effizient, erkennen sehr schnell, worum es geht, setzen ihre Zunge präzise ein, und nur ganz selten steht mal einer mit den Füßen im Napf. Das ist schon sehr ungewöhnlich, aber wir werden uns darüber nicht beschweren.

Dann muss uns auch Papa Lando wieder verlassen. Er hat, trotz seiner Hormonschübe, bei uns einen starken Eindruck hinterlassen, denn es ist ein Unterschied, ob man einen Rüden in einer Deckveranstaltung erlebt und ihn nur auf das Eine reduziert oder ihn als ganzen Kerl ohne besondere Erwartung unter seinem Dach erleben darf. Die Erwartung hatte eigentlich nur er, nur eben die falsche. Als das geregelt war, erlebten wir einen sehr ausgeglichenen, überaus freundlichen Kuschelbären, dem bei Gelegenheit der Schalk aus den Augen spitzt und der bei anderer Gelegenheit eben das ist, was er sein soll: ein Hovawartrüde, ein Wachhabender und ein Möchtegernrechthabender. Wenn er nur einen Teil davon an die Jays weitergegeben hat, dürfen sich die designierten Welpenentführer jetzt schon freuen. Und sie dürfen sich, abgesehen von dieser Aussicht, tatsächlich jetzt schon freuen, denn Lando hat zugesagt, den Abschied seiner Kinder vom Blues am 18. Juli mit seiner Anwesenheit zu vergolden. Einzeln wird er sie ins Leben entlassen, ihnen noch ein paar eindringliche Worte mitgegeben und, wie wir, hoffen, dass alle acht die Kurve in eine lange und glückliche Lebenslaufbahn kriegen.  

Nachdem Lando und alle anderen Besucher abgereist sind, freut sich der gesamte Blues bei einem sehr harmonischen Abendspaziergang über die Kinder, die Menschen, das Wetter und die Welt. In solchen Augenblicken gibt es keine Probleme, keine halbblinden Kinder, keine vereiterten Quarkzitzen, keine Fressmonster und keine Hungerhaken, keine Nervensägen und keine Schlafmützen, keinen Arbeitsstress und keinen Schlafmangel, keine Überzuckerung und keine Unterzuckerung, sondern nur den Blues in seinem Kinderglück.

Das Ein leerer FutterringWas is'n das?Leben beim Rock am RingRock am RingBlues geht aber weiter, jedem himmelblauen Blick ins Paradies zum Trotz. Für die Zwerge bedeutet das wieder ein neues Lernprogramm, diesmal in Form einer gemeinsamen Mahlzeit am Futterring. Wir bringen den Ring in den vorabendlichen Garten, stellen ihn in die Wiese – und schon sind die ersten Verdächtigen mit ihrer Nase im noch leeren Napf. Das bedeutet nicht, dass sie schon wissen, was jetzt folgt, sondern ausschließlich, dass sie noch neugieriger sind als Else Stratmann. Dann wird die Milch eingelassen und den Hungerleidern der Heiße Schlacht ums leere BüffetHeiße Schlacht ums leere Büffetrechte Weg gewiesen. Selbst bei dieser relativ disziplinierten Kompanie am Einzelnapf haben wir nicht erwartet, dass sie sich am Ring ebenso distinguiert und gesittet geben, nein, wir erleben, was wir bei dieser Übung immer erlebt haben: Rock am Ring. Träumer vor dem Trog, Panzerkommandanten, Kameradenschweine, Ellbogenspreizer und Erlebnisgourmets, aber am Ende sehen sie alle aus wie der Frosch im Milcheimer: Milchmädchen und Milchbubis von der Sohle bis zum Scheitel mit Strubbelfrisuren und Klebefüßen. Daran erfreuen sich vor allem Hedda und Fianna, die dieses klebrige Missgeschick mit Eifer und Sorgfalt zu beheben trachten. Danach haben die Zwerge immer noch Strubbelfrisuren, aber dafür habe die Damen schon ihre warme Milch vor dem Schlafengehen gehabt. Praktisch.  

Das Ende dieses herrlichen Sommersonntags markiert der dritte Teil der ersten Entwurmung. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen als das, was schon gesagt wurde: Die Jays lassen sie nahezu teilnahmslos über sich ergehen und fallen nach diesem ereignisreichen Wochenende in einen traumbestickten Schlaf. Gute Nacht, ihr werdet euch noch wundern; das war erst der Anfang.

 

Montag, 14. Juni 2021

Nun geht’s ziemlich stracks dem Sommer entgegen, was uns bezüglich der Außenhaltung unserer Schutzbefohlenen sehr entgegenkommt; Freilandhaltung im Regen wäre der Horror. Aber heute messen wir wolkenlose 26 °C und hoffen auf eine lückenlose Fortsetzung, egal was der mürrische Mangfallbauer darüber denkt.

In vier Wochen, am 14. Juli, ist der achtwöchige Kindergeburtstag beim Blues schon fast vorüber, dafür feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag und feuert aus allen Rohren, und der Assi wird zum hundertsten Mal seine Jakobinermütze suchen und wird sie zum genauso vielten Male nicht finden. Es hat etwas Ernüchterndes, wenn die Zukunft so vorhersehbar ist.

Und während man auf dem Kalender, eher durch Zufall, den 14 Juli in die Augen und den Kopf bekommt, regt sich die Frage, was denn der heutige 14. Juni wert wäre und zu bieten hat? Schauen wir doch mal nach… Aha: Ein gewisser Ernesto Guevara, „Che“ gerufen, wurde am 14. Juni 1928 geboren. Dios mío, der wäre auch schon 93! Und 18 Jahre später entwand sich dem Schoß einer schottischen Auswanderin ein Knabe mit den Vornamen Donald John, hintenrum heißt er auch heute noch Trump. Beide an einem 14. Juni… Der eine Arzt und Philanthrop, der den christlichen Ansatz, auch die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf die eine geschlagen wird, nicht zu seinem Lebensmotto erkor, sondern es als zielführender erachtete, auch das andere Ohr abzuschlagen, wenn das eine schon gekappt ist. Und der andere ist ein Armleuchter und Misanthrop, dem alles gerade so recht ist, wie er es sich zurechtlegen kann. Der eine Caballero und Guerillero mit großem intellektuellen Potential, der andere Narzist und Nazist mit vorwiegend innersekretorischem Potential. Wie kann ein Tag so etwas gebären, als wäre er ein Vers aus der Feder des Mühlhiasls? Aber, aufgemerkt, unsere Jule hat mit beiden etwas gemeinsam, so viel Trost darf sein: Beide waren oder sind auf einem Auge blind, was den Vorteil hat, sich von der anderen Seite der Welt wegdrehen zu können. Und dann ist da noch ein Geburtstag, der eines Mannes, dem es vermutlich zur Lebensaufgabe geworden wäre, sich mit jenem zu beschäftigen, dem das Intellektuelle zu sehr in die Drüsen gerutscht ist. Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 geboren. Und vielleicht hätte er sogar die Notwendigkeit gesehen, sich auch mit dem Caballero näher zu beschäftigen, was sich mit dessen für die Demenz doch allzu frühen Tod erübrigt hatte. Wer weiß? So ein Tag, so wundersam wie heute… oder hatte etwa Reinhard Mey genau diesen Tag im Sinn, als er formulierte: Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund?

Mit diesem HeddaHedda kann mit sich zufrieden seinTitel hätten wir also wieder geschmeidig die Kurve zu unseren Jabberwockys und den mit ihnen verknüpften täglichen Pflichten, Routinen und Erlebnissen gekriegt.

Hedda, das ist deutlich geworden, ist eine ambitionierte Mama, aber keine Milchkuh, was sich in der teils zaghaften Gewichtsentwicklung ausdrückte. Wir verweisen ausdrücklich auf die schüchterne Einschränkung „teils“. Bekanntlich gibt es Leute, die aus Sch… Geld machen können und solche, die aus wenig viel zaubern können – jazz is aber gut mit den Anspielungen!

Wie dem auch sei: Die Zufütterung zeigt jetzt Wirkung. Nur nicht JoschiJoschibei jener, welcher wir soeben einen kleinen Seitenhieb verpassten, bei Jazz. Die hat sich nach Tagen ungenierter Völlerei offenbar für ein Fastenintervall entschieden und eine Nullrunde geliefert: gestern wie heute 1730 g. Wir machen uns deswegen keine Sorgen, im Gegenteil. Joschi hat sich seit langem wieder auf den zweiten Platz gefuttert, obwohl er währenddessen den Schnabel nicht gehalten hat: 1610 (+90). Jackl kommt mit 1570 (+50) aus dem Schlaf, gefolgt von Janitschek mit 1560 (+100), der nach zwei Fastentagen wieder Lust auf Leben verspürte. Dann reißt die Kette wieder ab, wobei sich Judica Janitschek liebt KarlieJanitschek liebt Karliemit 100 g plus (1450) alle Mühe gab, nicht abreißen zu lassen. Dagegen kam Jasna offenbar mit der Rempelei am Futterring nur suboptimal zurecht und liefert eine Null (1380). Und noch ein Persönchen will sich nicht abhängen lassen, wenn auch das Potential nie zu einer Walküre oder Brünnhilde reichen wird, aber 160 g für Jeannie (1300) lassen ihr anfänglich gezeigtes Kämpferherz wieder schlagen. Und sogar Jule will sich nichts nachsagen lassen: 1260 (+60). Das sind 560 g Aufschlag und bringen ein Durchschnittsgewicht von 1482,5 g. Für uns bedeutet das vor allem, dass wir Hedda langsam entpflichten können und die externen Mahlzeiten gut ankommen und gut vertragen werden.

Vielleicht sollten wir noch einen kleinen Seitenaspekt in die Gewichtsdiskussion einführen, den wir bisher unterschlagen haben, auch weil wir seine Relevanz nicht belegen können: Jazz und Jasna hatten heute Morgen ihre Schlummerkiste verlassen, hatten also nachts die 30 cm-Barriere überstiegen und lagen friedlich schlummernd im Kudde, beziehungsweise auf der Decke. Sie schienen mit sich und der Welt im Reinen, trotzdem können wir nicht ausschließen, dass sie nach längerem Todeskampf nur in einen Erschöpfungsschlaf gefallen waren und wegen dieser Nahtoderfahrung viel Gewicht verloren hatten. Sie sind es ja, die heute eine Nullnummer liefern. Weder wegen der entgangenen Gewichtszunahme noch wegen der mutmaßlichen Nahtoderfahrung werden wir für die beiden ein Kriseninterventionsteam anrufen. Wenn es so ist, geschieht es ihnen recht. Das einzige, was wir machen werden, ist, heute ein weiteres Brett einzulegen.      

Dieser Ausbruch signalisiert den Wandel in unserer Kinderstube. Jetzt hockt nämlich die ganze Bande schon morgens in der Küche, putzmunter oder gelangweilt, recken alle gemeinsam die Köpfchen gen Himmel und bringt ein kollektives Geheul wie von einem ganzen Wolfsrudel zu Gehör. Lecko, was ist das denn? So einen Gefangenenchor hatten wir noch nie. Die Vermutung des Assis, das Geräusch des Zauberstabs beim Mixen der Welpenmilch habe das Geheul verursacht, zerschlägt sich bei weiteren Versuchen, die nicht mit Geheul beantwortet werden. Nun gut, was soll’s: Hunde stammen halt vom Wolf ab und manchmal kommt er noch zum Vorschein.

Doch nicht nur solche Highlights machen den anstehenden Wechsel in unserem Alltagsverhalten deutlich. Immer mehr wird der aktive Kontakt zu uns gesucht. Sie laufen uns an, und hinterher, tapsig noch, aber zielstrebig. Man muss nun schon sehr achtgeben, wohin man tritt, und mindestens ein Auge sollte immer den Küchenboden im Blick haben. Obwohl dieses „eine Auge“ logischerweise eine Anspielung auf Seeräuber-Jenny Jule sein könnte, was sie nicht ist, können wir sie heute trotzdem nicht aus der Verantwortung lassen, sondern müssen sie einer allgemeinen Rüge zuführen: Sie pinkelt heute sehr schamlos, coram publico, in einen der nagelneuen Birkenstock-Schlappen der Chefin! Beim besten Willen lässt sich ein solch halbseidiger Affront nicht mit halbseitiger Blindheit rechtfertigen.

Für uns bedeutet das alles, dass wir für den Rest unserer Zeit auf jegliches Zeitmanagement verzichten müssen, weil nichts mehr wie gewohnt abgearbeitet werden kann. Wann immer etwas erledigt werden soll, hat ein Zwerg etwas dagegen, hält einen auf oder kackt einem vor die Füße. Zeitmanagement bedeutet für die nächsten fünf Wochen: Sieh zu, wie du über die Runden kommst und freu dich, wenn dein Frühstück schon eine Stunde später auf dem Tisch steht.

Zu den eifrigstenJudicaJudica Protagonisten der herzdolchenden Zeitdiebe gehört Judica. Sie führt derzeit die Garde der besonders anhänglichen Schatten an, huscht uns andauernd zwischen den Füßen herum, wuselt hierhin und dorthin und sucht sofort wieder unsere Nähe. Wenn sie besonders viel Zuneigung ausdrücken will, kneift sie uns auch gerne mal in die sommerlich nackten Zehen. Was jetzt noch als Liebesbiss durchgehen kann, weil die Zähnchen zwar bereits spürbar, aber noch nicht richtig durchgebrochen sind, wird in spätestens zwei Wochen zur Systemfrage: flüchten oder erschlagen?

Mittags servieren wir im Garten wieder eine Milchmahlzeit am Ring, was sich als Herausforderung erweist, weil die Jays schon recht schnell auf den Beinchen unterwegs sind, wir aber unseren Garten noch nicht gesichert haben. Das bedeutet: Alle Mann und Frau (Besucher sind herzlich eingeladen) bitteschön Leben retten! Denn während der Ring, Milch und Knirpse in den Garten gebracht werden, sind die bereits dort Ausgesetzten schon auf Entdeckungstour. Der größte Magnet ist dabei unser Wasserbecken, das alle anstreben, als ob von ihm ihr Überleben abhinge. Vermutlich gibt es kaum ein Lebewesen, das nicht alle Sinne auf Wasser fokussiert hat und sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlt. Das mag unter anderen Umständen lebensrettend sein, hier und heute wäre es das nicht. Jackl ist der hartnäckigste Wassermann, womöglich hat er eine Wünschelrute eingebaut: Egal, wohin wir ihn bringen und wo wir ihn aussetzen, er dreht um und ist umgehend wieder unterwegs zur Zisterne. Erst als wir ihn am zweitwichtigsten Elixier des Lebens, der Milch, ein verlockendes Angebot machen, lässt er sich überreden und vergisst die lebensspendende Oase am Rand des Paradiesgartens.

Nachmittags verbringen wir mit einem kleinen Besucheraufgebot im Garten und die Jays liegen mit uns unterm Apfelbaum und schlafen; war ja auch megaanstrengend heute. Jetzt ist Ruhe und Idyll.

Das Jasna bei der PediküreJasna bei der Pediküreändert sich abends: Der Assi lädt die Familie kurz nach 20 Uhr zum Stelldichein im Nagelstudio. Viel zu lange haben wir den Termin vor uns hergeschoben, aber Heddas Wohlergehen verträgt keinen Aufschub mehr. Einer nach der anderen muss auf den Baderschoß und Nägel lassen. Wie viel wehrhafter sind sie seit dem ersten Pediküre-Termin am 29. Mai geworden! Jetzt heißt es beherzt zupacken und ebenso beherzt wie feinfühlig zukneifen. Alle überleben, meist unter heftigen Protesten und Kündigungsandrohungen, Me-too-Parolen gehen ihnen auch schon geschmeidig von den Zungen und die Frage, ob sich der Assi der schweren Körperverletzung (§ 224 StGB) oder der Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) schuldig macht, wird lautstark thematisiert.

Da Jackl mit seinemersten TatarJackl mit seinem ersten Tatardie körperliche Unversehrtheit aller nach der Prozedur belegbar ist (kein Blut!) und das zukünftige Wohlwollen der Schutzbefohlenen auch in unserem Interesse liegt, ködern wir die Kampftruppe anschließend mit einem Angebot, das sie zwar noch nicht einschätzen können, aber auch nicht ablehnen wollen: die erste Fleischmahlzeit, gereicht aus den Händen des Schänders.

JazzJazzAlle bekommen ein etwa walnussgroßes Kügelchen Rinderhack vor die Nase gehalten, und alle verstehen sehr schnell, was ihnen hier beschert wird. Eine Fleischkugel dieser Größe ist keine Kleinigkeit, aber alle hauen das Ding ratzeputz weg, JuleJulesauen sich dabei kaum ein und scheinen hellauf begeistert zu sein. Vegetarier scheinen jedenfalls nicht unter ihnen zu sein. Jetzt haben wir also auch diese Premiere zur großen Begeisterung aller gemeistert und können mit einiger Gelassenheit auf die nächste Woche blicken: Milch lieben sie und Fleisch verschlingen sie, jetzt fehlt zur Grundausstattung nur noch der Trockenfutterbrei. Wir haben keine Sorge, dass wir es dabei mit Langzähnen zu tun haben werden.    

Vor dem Stubenappell und nach dem Betthupferl ertastet die Chefin bei Hedda schon wieder eine feste Zitze, was sich diesmal allerdings wie ein Hämatom im Gesäuge anfühlt. Wir haben keine Ahnung, woher das stammen soll. Der Assi, der Hedda abends und nachts ausgeführt hat, kann sich an keinen Vorfall oder Umstand erinnern, der so etwas zur Folge haben könnte. Rätselraten hilft jetzt nicht weiter, Hedda geht mit einem Krautwickel ins Bett. Mal sehen, was morgen los ist.

Wegen der ausgebüxten Partisaninnen am Morgen, sorgt ein weiteres Brett (10 cm) in der Schnullerkiste für Nachtruhe in der Küche. Republikflucht hat seinen Preis. Aber was soll man schon machen? Auch wir hatten nie die Absicht eine Mauer zu bauen.